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Review: SCREAM (Staffel 1) – Zu viel Weichspüler im Getriebe

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Fakten:
Scream – Staffel 1 (Scream – The TV Serie – Season 1)
USA. 2015. Regie: Ti West, Brian Dannelly, Rodman Flender, Jaime Travis, Tim Hunter u.a. Buch: Kevin Williamson, Jaime Paglia, Jill E. Blotevogel, Erin Maher, Kay Reindt u.a. Mit: Willa Fitzgerald, Bey Taylor-Klaus, John Karna, Tracy Middendorf, Jason Wiles, Bobby Campo, Connor Weil, Carlson Young, Brianne Tju, Amadeus Serafini u.a. Länge: 10 Episode á ca. 45 Minuten. FSK: noch keine Freigabe. Demnächst auf DVD und Blu-ray erhältlich. Aktuell bei Netflix zu sehen.


Story:
Ein maskierter Killer terrorisiert die Kleinstadt Lakewood. Das weckt böse Erinnerungen, denn das Städtchen war schon einmal Ort einer brutalen wie abscheuchlichen Mordserie. Schülerin Emma scheint dabei besonders im Fokus zu sein, immerhin war bereits ihre Mutter damals eine gar wichtige Person bei den ersten Morden.




Meinung:
1996 gelang dem kürzlich verstorbenen Wes Craven mit „Scream“ die Renaissance eines Subgenres, welches er zu seiner (Hoch-)Zeit mit „Nightmare – Mörderische Träume“ maßgeblich mitzuprägen wusste: Den Slasher. „Scream“ war Filmmagie in Vollendung; eine Lektion darin, dass ein Genre keine Grenzen kennt, wenn man sich nur findig genug damit auseinanderzusetzen weiß. Was „Scream“ so wertvoll und ikonisch gemacht hat respektive nach wie vor macht, ist nicht das schiere Reaktivieren von tradierter Slasher-Formelhaftigkeit. Auch die Meta-Reflexion, sprich, das ironisierte Sich-Selbst-Bewusstwerden, was die „Scream“-Reihe in vier mindestens hochklassigen Episoden durchexerzierte, ist es nicht primär (so unerlässlich und vernunftbegabt es auch immer noch bleibt): Die rechte Würze liegt im feinen Charakter-Porträt. Ausnahmslos exakt gecastet, besetzte man mit adäquaten Gesichtern festgefahrene Rollenmuster, bestätigte sie allerdings nur bis zu dem Grad, den der Zuschauer bereit war, mit Vertrauen zu segnen. Alles, was darüber hinausging, zog sich einem Bruch im klischierten Antlitz unter, was Offenlegung und Paraphrase genuin kombinierte – Der Katalysator des gesamten Franchise.


Da wird der Spee-Fuchs aber ordentlich was zu tun bekommen
Nun kann man sich natürlich ungefähr vorstellen, welch enormes Erbe die „Scream“-Serie anzutreten hat. Ja, allein der Titel ist für sich genommen schon mehr eine die Erwartungshaltung ins Unermessliche potenzierende Bürde denn umgarnendes Aphrodisiakum. Doch man darf nicht vergessen, welch Potenzial die serielle Narration in sich trägt; welch erzählerische Möglichkeiten aus ihr keimen mögen, bleibt man dem Konzept der übergroßen filmischen Vorlage weitestgehend treu – obgleich die Filmreihe selbst schon eine kleine Serie darstellt. Die erste, von Wes Craven sowie Harvey und Bob Weinstein produzierte Staffel „Scream“ allerdings will nicht mit aller Kraft die Meta-Böschung herunterpreschen, bis dem Zuschauer vor lauter ausgefuchster Selbstreferenzialität der Schädel ordentlich wummert. Stattdessen schien man sich durchaus im Klaren darüber, dass man neue Pfade betreten muss, wenn man eine gewisse positive Resonanz erfahren möchte, die Wurzeln jedoch dabei niemals verleugnen darf: Dafür ist die Inspirationsquelle nicht nur als Titel gegeben, die Serie selbst jongliert immer mal wieder mit Versatzstücken des Originals, wirbelt Zitate auf, empfindet pflichtschuldig Szenenabläufe nach.


Hier haben wir wohl gleich eine 1-8-7.
Das „Scream“, wie es uns nun Netflix, MTV und Dimension Films zur Verfügung stellt, möchte für sich allein stehen, die Meta-Ebene ist zuweilen vorhanden (gleich in der erste Folge wird da zum Beispiel direkt als selbsterfüllende Prophezeiung vorweggenommen, dass ein Slasher als Serie ohnehin niemals funktionieren würde), an ihr wird trotzdem nur selten herrührt, vielmehr scheint man auf popkulturellen Referenzen und penetrantes Namedropping versessen. Und verantwortlich dafür ist Nerd Noah (John Karna), der nicht nur ein gewisses filmhistorisches Wissen pflegt, sondern auch permanent mit den slasherimmanenten Regelwerk hausieren geht, um die Etappen und Verbindungen noch einmal penetrant totzulabern. Da kommen wir auch zu dem Problem, welches die „Scream“-Serie so unfassbar überflüssig macht: Die Figuren. Was im Originalfilm Mitte der 1990er Jahre noch so wunderbar begonnen hat und geschrieben wurde, ist hier (ausnahmslos!) einer ungemein reizlosen Highschool-Typologie aalglatter Adoleszenten gewichen - Wie aus dem Ei gepellt stöckeln diese eindimensionalen Plastikvisagen durch Lakewood.


Da erscheint es dann auch gerne mal so, dass der Tod eines Freundes nur so lange betrauert wird, bis die nächste Maniküre ansteht. „Scream“ bewegt sich auf Soap-Opera-Niveau, alles ist unangenehm technisiert, ständig hat man das Gefühl, dass sich die Teenies ihr Handy nur vor die Nase halten, um den Lippenstift akkurat nachzuziehen – oder eben ihre Muskeln zu begaffen. Dabei kommt der Killer dieses Mal immer wieder über die Nutzung von Social Media und Malware, betreibt gepflegtes Cybermobbing und sorgt dann, schlägt er denn mal analog mit gewetzter Klinge (oder größerem Gerät) zu, für den entsprechenden Blutzoll der Serie. Aber „Scream“ taugt schlichtweg nicht zum blutig-primitiven Vergnügen für zwischendurch, dafür ist die Serie zu klinisch, jeder Physis beraubt und in den forcierten zeitgenössischen Verflechtungen eben auch zu belanglos. Dass Folge 9 von Ti West inszeniert wurde, mag zwar im ersten Moment Hyperventilation im Nerdsektor versuchen, aber auch dieser unglaublich talentierte Filmemacher ist nicht in der Lage, diesem steifen Whodunit-Geseier auf den letzten Metern ansatzweise neue Impulse zu verleihen. Ein leeres Format.


4 von 10 gespaltenen Körpern


von souli

Review: TÖTET MRS. TINGLE! - Versetzung gefährdet

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Fakten:
Tötet Mrs. Tingle! (Teaching Mrs. Tingle)
USA, 1999. Regie & Buch: Kevin Williamson. Mit: Katie Holmes, Helen Mirren, Marisa Coughlan, Barry Watson, Jeffrey Tambor, Michael McKean, Molly Ringwald, Liz Stauber, Vivica A. Fox u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Um das heißbegehrte Collegestipendium zu ergattern, benötigt die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Musterschülerin Leigh Ann dringend eine gute Note von Geschichtslehrerin Mrs. Tingle, dem meistgehassten Drachen der Schule. Als sie mit den gestohlenen Fragen für deren Abschlusstest, die ihr Mitschüler Luke zugesteckt hat, von Mrs. Tingle erwischt wird, droht ihr Traum zu platzen. Gemeinsam mit Luke und ihrer besten Freundin Jo Lynn sucht sie strenge Lehrkraft zu Hause auf, um die Sache zu klären. Die Situation eskaliert und plötzlich ist Mrs. Tingle an ihr Bett gefesselt. Während die drei Schüler nach einer Lösung für die prekäre Lage suchen, spielt sie die hinterlistige Lady gegeneinander aus…


                                                                                    

Meinung:
Gleich mit seiner ersten Arbeit fürs Kino legte Kevin Williamson 1996 das persönliche Meisterstück ab und war nicht unwesentlich daran beteiligt, dass der kommerziell mausetote Horrorfilm wieder schwer in Mode kam. Sein cleveres, selbstironisches und ganz nebenbei auch noch verdammt spannendes Skript zu Wes Craven’s „Scream“ war das Beste, was das Sub-Genre seit einer gefühlten Ewigkeit gesehen hatte, wenn nicht sogar noch nie. Ein sensationeller Karrierestart, dessen Niveau er fast zwangsläufig nicht halten konnte. Sein Folgefilm „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ ließ viele der vorher gezeigten Qualitäten vermissen und wurde ein x-beliebiger Teenieslasher von der Stange. Zwar deutlich besser, aber keinesfalls brillant fielen die Drehbücher zu „Scream 2“ und der Highschool-Body-Snatchers Variante „The Faculty“ von Robert Rodriguez aus. Nur ein einziges Mal versuchte sich Williamson als Autor und Regisseur in Personalunion, bei eben dem hier vorliegenden „Tötete Mrs. Tingle!“, gleichzeitig der Tiefpunkt seines Schaffens und das Ende seiner Hochphase im Kinogeschäft.


Der American Dream: Dumm, aber sexy.
Dem Highschool-Milieu bleibt Williamson wacker treu, dem Genre nur in leichten Anflügen. „Tötet Mrs. Tingle!“ beinhaltet maximal rudimentäre Ansätze eines Teenie-Horrors, ist am ehesten als schwarzhumorige Thriller-Groteske zu sehen. Oder besser, soll so gesehen werden. Denn ähnlich wie bei dem trotteligen Protagonisten-Trio läuft auch beim Film kaum etwas nach Plan und es reiht sich eine sinnlose Dummheit an die nächste. Fahrlässig und unnötig, denn an sich ist die Grundprämisse nicht unbedingt verkehrt und ein Williamson mit den kreativen Geistesblitzen von „Scream“ hätte hieraus locker einen mindestens brauchbaren Film machen können. Es gibt genau einen Lichtblick, natürlich die große Helen Mirren (wen wundert’s?), die praktisch jedes Projekt im Rahmen ihrer Möglichkeiten aufwertet. Mit süffisanter Eleganz gibt sie die giftige, pedantische Kotzkuh einer Antipädagogin, retten kann sie das Gesamte damit nur geringfügig und maximal für den Moment erträglicher gestalten. Das Gegenstück zum erprobten Spiel der Mirren stellt mal wieder Katie Holmes dar, die sich aus unerklärlichen Gründen in ihrer überschaubaren Laufbahn – als deren Highlight bezeichnenderweise die inzwischen gescheiterte Ehe mit Tom Cruise zu nennen ist – doch gelegentlich mal in einen guten Film geschlichen hat, wenn auch selten. Da prallen Welten aufeinander, von internationaler Spitzenklasse und kulleräugigem Schülertheater. In einem Teeniefilm, der trotz seines bösartigen Potenzials eindeutig für ein Publikum zwischen 12 und 17 konzipiert ist, ist das nicht unbedingt das Hauptproblem, die Krux liegt ganz woanders.


Waldorfpädagogik? Am Arsch...
Der eindeutig als teuflische Antagonistin verwendeten Mrs. Tingle gehören irgendwann die Sympathien des Zuschauers, obwohl sich das auch jetzt völlig falsch anfühlt. Sympathie ist zu viel gesagt, die anderen drei Orgelpfeifen sind nur so verdammt verblödet, unglaublich naiv und ätzend, da sucht man sich eben das kleinere Übel aus. Ein Film dieser Sparte muss nicht zwingend durch logisches Handeln überzeugen. Wenn das die Leute hier machen würden, die ganze Situation würde nicht entstehen. Nur ist das doch kein Freibrief für heillos absurde Vorgehensweisen, die sich selbst unter Berücksichtigung der besonderen Umstände wie Stress, Überforderung und generell wenig gesunden Menschenverstandes nicht akzeptieren lassen. Der Film ist in seinem Ablauf ohnehin knallhart vorhersehbar, aber wenn dann auch noch die handelnden Personen sich treudoof und blind wie Marionetten manipulieren lassen, was jedes Kleinkind durchschauen würde, haarsträubende Fehler begehen und der Film diese einfach als gegeben und selbstverständlich hinnimmt (wenn man daraus eine zwingende Konsequenz erleben würde, wäre das was anderes) macht das nicht im geringsten Spaß. Zumindest nicht so. Im Vergleich sei der zwei Jahre vorher erschienene, weniger bekannte „Suicide Kings“ erwähnt, in dem Christopher Walken als von planlosen Schnöseln gekidnappter Mafiosi die gleiche Nummer durchzog, was erheblich unterhaltsamer und im ambivalenten Wechselspiel mit den eigentlichen „Helden“ prima funktionierte. Williamson verpatzt alles, was sein Skript zu „Scream“ auszeichnete: Das erfrischende Spiel mit Klischees und Dogmen, das Kreieren reizvoller Figuren, smarter Witz und geschicktes Storytelling.


„Tötet Mrs. Tingle!“ ist furchtbar öde, niemals richtig amüsant, total einfallslos und hebt sich zu allem Überfluss den größten Unfug für den Schlussakt auf. Wie bescheuert, wie lächerlich und ärgerlich unüberlegt kann man denn einen solchen Film beenden? Die Pointe oder wie man es nennen will ergibt gar keinen Sinn, egal wie man es dreht und wendet. Fassungslos sitzt man da und überprüft verwundert, ob das tatsächlich DER Kevin Williamson ist. Traurig aber wahr, ist er, aber wer seine scharfe Munition gleich im Debüt komplett verballert hat, schießt ab dann nur noch mit Platzpatronen. Es sollte 12 Jahre dauern, bis er sich mit „Scream 4“ halbwegs rehabilitieren konnte, gemessen an dem hier ist der eine Granate. 

3 von 10 gespannten Armbrüsten

Review: THE FACULTY - TRAU' KEINEM LEHRER - „We don’t need no education“

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Fakten:
The Faculty – Trau‘ keinem Lehrer
USA. 1998. Regie: Robert Rodriguez. Buch: Kevin Williamson. Mit: Josh Hartnett, Elijah Wood, Jordan Brewster, Laura Harris, Shawn Hatosy, Clea Du Vall, Robert Patrick, Famke Janssen, Piper Laurie, Salma Hayek, Bebe Neuwirth, Usher Raymond, Jon Stewart, Christopher McDonald, Daniel von Bargen, Danny Masterson, Harry Knowles, Luke Strotz, Louis Black u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
An der Herrington High School gilt das Gesetz des Stärkeren: Die Streber werden von den beliebten Sportlern drangsaliert und die verschlossenen Lehrer werden von ihren Kollegen wie Schülern nicht ernst genommen. Doch als eine außerirdische Spezies nach und nach Besitz von den Pädagogen und ihren Schützlingen übernimmt, muss sich eine Gruppe verschiedenster Schüler zusammenraufen, um die Invasoren aufzuhalten.





Meinung souli:
Dass Robert Rodriquez auf dem Regiestuhl von „The Faculty“ Platz genommen hat, lässt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennen, dafür fällt die sonst so markige Bildsprache in diesem Fall einfach zu beliebig aus. Dass „The Faculty“ aber zweifelsohne von einem gewandten Filmliebhaber umgesetzt worden sein muss, kristallisiert sich an den massig eingestreuten Referenzen und Querverweisen heraus. Die Herrington High School ist natürlich eine Sammelstelle archetypischer Gruppierungen: Da gibt es die Sportler, die Zicken, die Streber, die Rebellen und natürlich die Neue. Gestreckt wird die Klischeeisierung jener Schülertypen mit Rodriquez' Liebe für Body Snatcher-Movies älterer Dekaden. Wenn sich das Autoritätspersonal langsam verändert und einem echten H20-Rausch verfällt, lässt Rodriquez den Kampf die Invasion der die menschlichen Körper als Wirte instrumentalisierende Spezies beginnen und entwirft wirklich charmantes Unterhaltungskino. Ohne sich in charakterlichen Entwicklungsprozess festzubeißen, wählt „The Faculty“ immer den schnellsten Weg, um sein narratives Tempo aufrecht zuhalten. Wer in den Film dann noch als Metapher auf eine sich eigenständig verbummelnde Gesellschaft verstehen möchte, der kann das gerne tun, in erster Linie geht es „The Faculty“ aber darum, viel Spaß zu bereiten. Und das schafft er heute noch wunderbar.


6 von 10 lebensrettenden Koffeintabletten


Von links nachs rechts: Der Sportler, die Jungfrau, der Dealer, die Begehrte, die Rebellin und der Streber.

Meinung stu:
Nach Don Siegel, Philip Kaufman und Abel Ferrera entwerfen Robert Rodriguez und „Scream“-Schöpfer Kevin Williamson eine weitere "Body Snatcher"-Variante, die für das junge Publikum des Jahres 1998 maßgeschneidert wurde. Ein trashiges und recht vergnügliches Happening, welches den Subtext früherer Körperfresser-Filme vermissen lässt, dafür aber mit durchaus gut funktioniertem schwarzem Humor ausgestattet ist. Darüber hinaus schwelgt „The Faculty“ in schulischer Nostalgie und verfestigt das jugendlich-rebellische Credo, dass Lehrer Monster sind. Diese „We don’t need no education“-Attitüde ist, wie der gesamte Film, wenig elegant, dafür umso zielstrebiger umgesetzt. Nicht erst, wenn das gesamte Lehrerzimmer assimiliert wurde. Denn bereits davor nutzen Williamson und Rodriguez jede Gelegenheit, um die schulischen Autoritäten zu torpedieren. Die Erwachsenen sind entweder Despoten oder Waschlappen. „The Faculty“ ist eben einfachste Unterhaltung, auch wenn er Grusel erzeugt und die kriminalistische Spurensuche nach der Quelle des Bösen in Angriff nimmt. Das Whodunit ist dann auch leider das schwächste Glied in der narrativen Kette. Williamson, der nach „Scream“ nicht nur den Ruf eines Horrorexperten, sondern auch den eines Plottwisters innehatte, gelingt mit seinem Script viele schöne Verweise, der Kern seiner Geschichte ist aber wenig ergiebig und äußert lasch. Am Ende bleibt „The Faculty“ ein genre-affines Fingerzeigen auf seine cineastischen Vorbilder und Robert Rodriguez vermag es nicht daraus etwas zu entwickeln, was mehr sein kann als das. So ist dieser Teen-Horror wenig gut gealtert. Wenn im Abspann die britische Rockband Oasis „Stay Young“ toniert, trifft die Aussage des Songtitels nicht für den Film zu und hat fast schon eine ironische Note.


4,5 von 10 geopferten Mäusen

Review: SCREAM 1 - 3 - "Was ist dein Lieblingshorrorfilm?"

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Fakten:
Scream – Schrei! (Scream)
USA, 1996. Regie: Wes Craven. Buch: Kevin Williamson. Mit: Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette, Skeet Ulrich, Matthew Lillard, Jamie Kennedy, Rose McGowan, Henry Winkler, Drew Barrymore, Liev Schreiber u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein maskierter Killer geht in der Kleinstadt Woodsboro um. Sidney kann ihm in letzter Sekunde entkommen, wird ihn aber nicht los. Das Morden geht weiter, jeder ist verdächtig, jeder könnte das nächste Opfer sein. Und Sidney scheint auf der Liste des Killer ganz oben zu stehen.





Meinung:
Als der Horrorfilm, speziell der Slasher, praktisch tot und begraben war gelang Wes Craven Mitte der 90er der ganz große Wurf. Mit "Scream" belebte er nicht nur ein ganzes Genre wieder und sorgte für einen neuen Hype, er warf gleichzeitig einem enorm ironischen und selbstreflektierten Blick auf dessen Eigenarten, Methoden und Mechanismen. Für Craven war es selbst ein Comeback, nachdem seine letzten Filme niemanden mehr ernsthaft begeistern konnten und der Schöpfer so wegweisender Werke wie "The Last House on the Left", "The Hills Have Eyes" oder "A Nightmare on Elm Street" schon wie ein altersschwaches Relikt vergangener Tage wirkte. Dazu muss jedoch relativierend gesagt werden: Bis auf diesen Film (und mit Abstrichen die Sequels) war es nur ein Aufbäumen und das größere Lob gebührt eindeutig Autor Kevin Williamson. Ohne dessen Skript wäre der Film nicht mal die Hälfte wert. Wie wichtig er für den Erfolg und die Qualität war machte sich schmerzlich bemerkbar, als er beim dritten Teil nicht mit an Bord war.


Nicht ganz richtig, der Film heißt "Scream" nicht "Cry"
Schon die Eröffnungssequenz ist ein kleiner Knaller und bezeichnend für das, was "Scream" über die gesamte Laufzeit ausmacht. Spannend, mit rasanten Tempowechseln, einem bitter-bösen, sarkastischem Humor, dabei schön augenzwinkernd und voller Anspielungen auf bekannte Horrorfilme. Mal ganz direkt, mal leicht durch die Blume. "Scream" ist gleichwohl Hommage wie Neustart des Genres, beruft sich auf alte Stärken, verkauft sich enorm Zeitgemäß und weit intelligenter als die meisten der großen Vorbilder. Da werden Klischees direkt an- und ausgesprochen, sich über gewisse Abläufe und Verhaltensmuster lustig gemacht, nur um diese kurz darauf selbst (bewusst) zu bedienen. Sehr respektvoll, durchdacht und schwungvoll. Unzähligen Querverweise und Anspielungen werden in einen dynamischen Slasher verpackt, der ganz nebenbei eines der besten Whodunit-Rätselspielchen seines Genres vorführt. Jeder ist verdächtig, jeder könnte ein Motiv haben und wenn es nur das ist, keins zu haben. Craven und Williamson lassen bis zum Schluss alle Möglichkeiten offen, lenken die Verdachtsmomente hin und her und halten damit die Spannung enorm hoch. Das gepaart mit seinem ironischen Grundton ergibt einen modernen Klassiker des Horrorfilms.


"...wie aus einem Wes Carpenter-Film entsprungen"


War damals eine kleine Sensation und funktioniert heute kein Stück schlechter. Ganz im Gegenteil, wie kreativ und liebevoll hier zu Werke gegangen wurde wird gerade aktuell so ersichtlich, wo das Genre in der Folter- und Remakeschleife gefangen scheint und dringend wieder so etwas nötig hätte. Der Horrorfilm einer neuen Generation, die wohl erst durch ihn wussten, wer die Morde in "Freitag, der 13." beging.


8 von 10 toten Filmnerds. 




Fakten:
Scream 2
USA, 1997. Regie: Wes Craven. Buc: Kevin Williamson. Mit: Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette, Jamie Kennedy, Liev Schreiber, Jerry O'Connell, Sarah Michelle Gellar, Timothy Olyphant, Laurie Metcalf, Jada Pinkett, Omar Epps, Heather Graham, Tori Spelling, Luke Wilson, Joshua Jackson u.a. Länge: 120 Minuten.
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
2 Jahre sind seit den Woodsboro-Morden vergangen. Sidney ist inzwischen auf dem College und hat die Ereignisse relativ gut verarbeitet. Das hat auch Reporterin Gale Weathers: Zu einem Buch, welches als "Stab" verfilmt wurde. Bei der Premiere schlägt plötzlich wieder ein maskierter Killer zu. Sidney und die anderen Überlebenden aus Woodsboro werden erneut bedroht, doch wer steckt hinter der Maske...und warum?





Meinung:
Wes Craven und Kevin Williamson setzten ihren Überraschungshit "Scream" konsequent fort und bleiben dankenswerterweise ihrem Stil treu. Auch "Scream 2" überzeugt nicht nur als reiner Slasher, sondern kann ganz besonders durch seinen sarkastischen Witz und das Spiel mit den Genreregeln überzeugen. Das Niveau der Erstlings erreichen sie dabei zeitweise, über die gesamte Laufzeit dann doch leider nicht. Die Eröffnungssequenz, in Teil 1 eines der Highlights, gelingt abermals hervorragend und versetzt den Zuschauer sofort wieder in die liebgewonnene Stimmung des Originals. Die Idee mit dem Film im Film ist herrlich und sorgt für reichlich Grinsen. Die witzigen Anspielungen auf den Vorgänger sowie das befolgen der direkt erwähnten Sequel-Regeln machen mächtig Spaß, "Scream 2" ist an manchen Stellen fast auf Augenhöhe mit dem Original. Doch es gibt diesmal einige Wehrmutstropfen, die so nicht hätten sein müssen.


Doof! Mit Maske kann man kein Popcorn essen
Mit zwei Stunden Laufzeit ist der Film einfach etwas zu lang geraten, zumindest wurde die Zeit nicht immer adäquat gefüllt. Manchmal schleift die Handlung etwas, kleine Längen sind nicht zu leugnen. Ganz besonders, da einen große Stärke aus Teil eins nicht mehr so zum Tragen kommt: Das clevere Verwirrspiel um die Identität des Killers gelingt nicht mehr in dem Maße. Zwar wird sich darum bemüht, das echte Mitfiebern- und raten will sich dabei nicht einstellen. Statt alle Figuren als mögliche Täter zu präsentieren, laufen einige Personen nebenher und wer sich seine Gedanken macht, warum hier wohl einige Leutchen so durchs Bild huschen, bei dem dürfte der Überraschungsmoment nicht mehr besonders hoch sein. Einzig das Motiv fehlt, welches natürlich zum Schluss gelüftet und ausführlich erläutert wird. Auch da lässt "Scream 2" Federn, speziell das total überdrehte Spiel und die sehr weit hergeholte Auflösung wirkt etwas erzwungen und over the top. Der große Knall ist das nicht mehr, die Sequel-Krankheit schlägt zu, obwohl man gerade diesem Film mehr hätte zutrauen können. Schließlich wird das Kind vorher ja beim Namen genannt, die Eigenschaften von Fortsetzungen aufgezählt, warum wurden dann bekannte Schwächen nicht vermieden? Um die Regel zu bestätigen? Wenn, dann nicht sehr glücklich.


"Scream 2" startet toll, leider geht ihm mit fortlaufender Zeit etwas die Puste aus. Dennoch, eine ordentliche Fortsetzung mit Charme und Witz, nur ohne die Originalität und mit deutlicheren Schwächen als sein Vorgänger. Mit Abstrichen ganz gelungen.


6,5 von 10 Nachahmern




Fakten:
Scream 3
USA, 2000. Regie: Wes Craven. Buch: Ehren Kruger. Mit: Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette, Patrick Dempsey, Scott Foley, Lance Henriksen, Emily Mortimer, Liev Schreiber, Matt Keeslar, Parker Posey, Jenny McCarthy, Dean Ri
chmond u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Woodsboro-Morde liefern den Stoff für die Erfolgsfilme "Stab", die Dreharbeiten zum dritten Teil laufen auf Hochtouren. Plötzlich sterben wieder Menschen, der Ghostface-Killer ist zurück. Erneut müssen Sidney, Gayle und Dewey um ihr Leben fürchten. Mit ihnen ihre Alter Egos, eine Truppe Schauspieler, die sie in dem Film verkörpern. Diesmal soll es der Finale Akt werden, denn es endet nicht zufällig hier...





Meinung:
"Scream 3", der (ursprüngliche) Abschluss der von vornherein geplanten Trilogie von Wes Craven, ist leider eine herbe Enttäuschung geworden. Am schmerzhafteste macht sich der Verlust von Autor Kevin Williamson bemerkbar. Das Skript von Ehren Kruger ist nicht ansatzweise so clever und kreativ wie das der Vorgänger und ohne die interessante Grundidee sowie einige nette Auftritte würde kaum was positiv hängen bleiben.


The Beauty and the Nerd
Teil 3 kommt lange nicht mehr so dynamisch und flott daher, wirkt stellenweise eher konfus und liefert eine unglaublich unbefriedigende und leicht dämliche Auflösung, mit der der Kreis ja endgültig geschlossen werden sollte. Wird es theoretisch ja auch, nur das hatten sich viele wohl anders vorgestellt. Mit was für einem ultra-konstruierten Unfug der Fangemeinde hier konfrontiert wird, grenzt schon an eine Unverschämtheit. Das Finale ist der Tiefpunkt der gesamten Reihe, obwohl es wohl als Höhepunkt konzipiert war. In wie weit das auf das Fehlen von Williamson zurückzuführen ist oder schon vorher feststand, lässt sich nur spekulieren. Vielleicht eine gute Wahl von ihm, sich hier nicht mehr zu beteiligen.


"Hab dich! Du bist."
Zumindest die schon im zweiten Teil vorhandene, hier komplett ausgelebte Film-in-Film-Idee ist ganz unterhaltsam und sorgt für ein paar gelungene Momente. Kleine Gastauftritte bekannter Gesichter können ganz gut gefallen (u.a. Carrie Fisher oder "Jay & Silent Bob"), besonders die Besetzung von B-Movie-Ikone Lance Henriksen als B-Movie-Regisseur hat Charme. Sonst holpert das Skript arm an Highlights vor sich hin, wirkt gequält zusammengebastelt und konzentriert sich ausschließlich auf seine Schlusspointe, über dessen Qualiät ja bereits alles gesagt wurde. Der einst so innovativ-kreative Slasher "Scream" baut im (eigentlichen) Finale extrem deutlich ab und wirkt zwanghaft um das bemüht, was ihn anfangs so hervorragend machte.


Nur noch ein Schatten seiner selbst und gerade so noch erträglich. Mit dem verspäteten Nachleger 11 Jahre später konnte Craven wenigstens das Ganze etwas versöhnlicher abschließen. Da war Williamson auch wieder dabei. Man merkt es.


5 von 10 lahmen Abschlüssen


von JackoXL


Noch nicht genug vom Schreien? Hier geht’s zu unserer „Scream 4“-Review