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Review: SEX TAPE – Schäferstündchen mit chaotischen Folgen

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Fakten:
Sex Tape
USA. 2014. Regie: Jake Kasdan. Buch: Nicholas Stoller, Jason Segel, Kate Angelo. Mit: Cameron Diaz, Jason Segel, Rob Corddry, Rob Lowe, Jack Black, Nat Faxon, Ellie Kemper u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 15. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich..


Story:
Ein kleines, privates Sex Tape, soll das Liebesleben des Ehepaares Jay und Annie wieder in Schwung bringen. Und tatsächlich, es funktioniert. Zu doof nur, dass das Video durch einen Fehler zu den iPads ihrer Bekannten und Freunde geschickt wurde. In einer Nacht- und Nebelaktion müssen Jay und Annie versuchen an diese iPads zukommen, um ihr Sex Tape zu löschen.





Meinung:
Die Welt steht ja bereits Kopf, wenn über Nacht plötzlich Nacktfotos von irgendeinem Hollywoodsternchen in den Weiten des World Wide Web auftauchen. Man möchte daher wohl auch gar nicht wissen, zu welch medialem Amoklauf geblasen wird, wenn man ein privates Sexvideo von Schauspielgrößen wie etwa Brad Pitt („Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“), Kate Winslet („Der Gott des Gemetzels“) oder auch Mark Wahlberg („Transformers 4: Ära desUntergangs“) vor Augen bekommt. Aber was für Konsequenzen stecken denn eigentlich hinter so einem Video? Mal abgesehen davon, dass die Phantasien eines jeden dahergelaufene Ottos nun beim nächtlichen Handanlegen nochmal um einige Impressionen ausgebaut wurden, bedeutet dieser intime Einblick in die Privatsphäre womöglich auch das jähe Ende der eigene Karriere, da man sich von den daraus resultierenden Stigmatisierung einfach nicht mehr lösen kann. Und damit finden wir uns nicht nur in der Filmbranche wieder, sondern auch im Alltag von ganz „normalen“ Menschen.


Annie hat sich fürs Sex Tape korrekt gekleidet
Bevor wir einen solchen Vorfall nun aber auf die soziologischen Ausmaße abtasten, sollte besser der Tonfall geändert werden, denn „Sex Tape“ von Jake Kasdan ist kein seriöses Projekt, das sich auf die Agenda geschrieben hat, die existentiellen Ängste wie den möglichen Verlust des sozialen Stands zu beschreiben, sondern ein waschechtes R-Rated-Comedy-Vehikel, das durch seine schlüpfrige Thematik um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlt. Das lodernde Feuer der Ehe von Annie (Cameron Diaz, „The Counselor“) und Jay (Jason Segel, „Nie wieder Sex mit der Ex“) flackert nur noch auf Sparflammenniveau und nachdem sich auch noch zwei Kinder dazugesellt haben, wurde es um die früher so exzessiv betriebene Bettaktivität äußerst still. Um neuen Pfiff in ihre Beziehung zu bringen, entscheiden sie sich dazu, ein 3-stündiges Sexvideo mit ihrem iPad aufzunehmen und zu alter Stärke zurückzufinden. Blöd nur, dass Jay vergessen hat, dass er sein iPad mit anderen iPads synchronisiert hat und das Video direkt in die Cloud hochgeladen hat, wo nun jeder nach Lust und Laune darauf Zugriff hat.


Die Dreharbeiten beginnen
„Sex Tape“ schert sich nicht um erwachsene Themen, die das (post-) pubertäre Standardgeplänkel aus dem R-Rated-Jargon auch nur eine Sekunde überschreiten. Dass hier darauf hingewiesen wird, dass sich eine Beziehung mit den Jahren so manche Veränderungen gefallen lassen muss, tut nichts zur Sache, dient dieser Aspekt doch nur als reines Mittel zum Zweck, um die große Hetzjagd nach den anderen iPads zu starten und von einem dumpfen Gag zum nächsten absehbaren Kalauer zu trotteln. Neben dem Voll-in-die-Fresse-Product-Placement, das „Sex Tape“ geradezu im Sekundentakt betreibt, wird sich kläglich um Nonchalance bemüht, um dann in hochnotpeinlichen Sequenzen zu kulminieren, in denen der obligatorische Gummidildo natürlich nicht fehlen darf. Es sind letztlich tatsächlich nur zwei Szenen, die „Sex Tape“ irgendwie als Komödie bestätigen, was der ansonsten doch erschreckend biederen Angelegenheit und ihren Ambitionen doch einen heftigen Schlag in die Weichteile erteilt: Rob Lowe ist als sich von Slayer beschallender und Koks ziehender Hank Rosenbaum äußerst amüsant, während Jack Black als Chef von YouPorn etwas Pepp generiert.


Ansonsten aber ist „Sex Tape“ so unterhaltsam und witzig, wie ein Best-of vom späteren Fips Asmussen und genauso romantisch wie der Kosename „Blitzständer“. Dass Cameron Diaz durchaus komödiantisches Talent besitzt, hat uns die Frau unlängst im Meisterwerk „Verrückt nach Mary“ bewiesen und auch Jason Segel ist nicht ganz unfähig, was ihrem Zusammenspiel wenigstens zeitweise etwas Harmonie verleiht. Letztlich aber ist Jake Kasdan mit „Sex Tape“ nichts gelungen, was irgendwie relevant erscheint, nichts, was sich nochmal zu Gemüte führen möchte, sondern nur ein biederes Abklopfen lahmarschiger Gags aus der Retorte.


3,5 von 10 Saltos auf den Schoß


von souli

Review: DIE SCHADENFREUNDINNEN – Die Waffen der Frauen

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Fakten:
Die Schadenfreundinnen (The other Woman)
USA. 2014. Regie: Nick Cassavetes. Buch: Melissa Stack. Mit: Cameron Diaz, Kate Upton, Leslie Mann, Nikolaj Coster-Waldau, Nicki Minaj, Don Johnson, David Thornton, Kennth Maharaj, Madison McKinley, Victor Cruz u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 1. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Männer sind Schweine. Vor allem Mark! Das muss Carly erkennen, als sie erfährt, dass ihr Freund verheiratet ist. Als sie zufällig seiner Gattin Kate begegnet, stellt Kate fest, dass sie mit ihr viele Gemeinsamkeiten hat. Als die beiden erfahren, dass Mark noch eine Affäre hat, schmieden sie zusammen mit Affäre Nr. 2 einen Plan, um sich zu rächen.





Meinung:
Als Sprössling von John Cassavetes hat es Nick Cassavetes als Regisseur nun wirklich nicht leicht: Während John Cassavetes als Initiator des Indepedent-Kinos gilt; als ein Autorenfilmer, der seinem Publikum noch Konzentration und Eigenverantwortung abverlangte und mit „Eine Frau unter Einfluss“ und „Mord an einem chinesischen Buchmacher“ Filmgeschichte schrieb, ließ sich Nick Cassavetes als Künstler eher am entgegengesetzten Pol nieder. Mit „Ein Licht in meinem Herzen“, „Call It Love“, „Wie ein einziger Tag“ und „Beim Leben meiner Schwester“ etablierte er sich als Regisseur, der sich vor allem für großspurige Gefühlsarien verantwortlich zeichnet, die nur selektierte Altersgruppen zum Dialog einluden. Von den deliziösen Happen, die sein Vater einst mit erschreckend kontinuierlicher Qualität noch servierte, kann man als Cineast in Bezug auf Nick Cassavetes nur träumen. Nichtsdestotrotz ist der Mann kommerziell durchaus siegreich und schafft es immer wieder, einige Achtungserfolge zu feiern.


Die drei Mädels von der Tanzstelle
Auch sein neuster Streich „Die Schadenfreundinnen“ stieß im Kino auf reichlich Gegenliebe. Die Frage, ob Nick Cassavetes sein Handling in irgendeiner Weise weiterentwickelt respektive den Versuch unternommen hat, zu neuen Ufern aufzubrechen, lässt sich direkt verneinen: „Die Schadenfreundinnen“ (im Original mit dem unscheinbaren Titel „The Other Woman“ gesegnet) ist eigentlich Stangenware im Komödiensegment und gibt sich nur zu gerne katastrophalen Kalauern geschlagen, die schon Anfang des neuen Jahrtausends komplett deplatziert erschienen. Da hätten wir an erster Stelle Cameron Diaz („The Green Hornet“, „The Counselor“), die zu Beginn mal wieder bemüht in die Rolle des 'Hot Chick' gedrängt werden sollte, in diesen Typus aber einfach nicht mehr passt, weil auch an Frau Diaz die Zeit nicht spurlos vorbeigezogen ist. Leslie Mann („Jungfrau (40), männlich, sucht“, „Immer Ärger mit 40“) fährt als betrogene Ehefrau ihre gewohnt hysterisch-liebenswerte Schiene und harmoniert mit Kollegin Diaz über weite Strecken tatsächlich relativ gut. Komplettiert wird das Trio dann noch von Model Kate Upton („Aushilfsgangster“, „Die Stooges“), die ihre männliche Fangemeide mit ihren körperlichen Attributen sicher zufriedenstellen wird.


Noch kann Mr. Right gut lachen
Schauspielerische Glanzleistungen sollte man nicht erwarten, vor allem nicht von Kate Upton, die vielmehr damit beschäftigt ist, ihr Doppel-D-Dekoltee in die Kamera zu rücken. Als Objekt der Begierde aber tritt Nikolaj Coster-Waldau („Game of Thrones“, „Headhunters“) auf den Plan, der den schmierigen Egomanen mit Anti-Monogamie-Philosophie süffisant ausspielt, sich aber in hochnotpeinlichen Szenen zum Vollhorst machen lassen muss: Ob das alteingesessene Abführmittel, welches zu einem viel zu langen Ausflug auf die Toilette führt oder das versehentliche Einrennen einiger Scheiben: Derlei Plattitüden wirken einfach nicht organisch im eh schon mäßigen Humorverständnis des Drehbuchs. Es wäre allerdings auch eine Lüge, würde man „Die Schadenfreundinnen“ jeden Unterhaltungswert aberkennen, denn Diaz und Mann im Zusammenspiel dürfen einige durchaus amüsante Momente auf ihre Rechnung nehmen. Wenn man „Die Schadenfreundinnen“ jedoch auf seine behauptete emanzipatorische Note abtastet, bricht das Gerüst das Filmes schnurstracks in sich zusammen.


Wenn sich die drei Damen darum kabbeln, wer denn nun noch einmal mit dem passionierten Fremdgänger in die Kiste springen darf, wird das auf den fragwürdigen Höhepunkt getrieben und hat mit dem eigentlichen Kredo, dem Arsch so richtig eins auszuwischen, nichts mehr am Hut. Naja, aber was will man von einer Komödie dieser Art schon großartig erwarten? Am Ende geht es um (ungewöhnliche) Freundschaften zwischen drei Lochschwägerinnen und „Die Schadenfreundinnen“ verweigert es tunlichst, richtig gemein auf das Gas zu treten, um dann sein Sujet dahingehend zu konterkarieren, in dem er seinen Protagonistinnen eben doch keine Autarkie zugesteht.


4 von 10 Stürzen aus dem Fenster


von souli

Review: THE GREEN HORNET – Dekonstruktion durch Reduktion

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Fakten:
The Green Hornet
USA. 2011. Regie: Michael Gondry. Buch: Seth Rogen, Evan Goldberg.
Mit: Seth Rogen, Jay Chou, Christoph Waltz, Cameron Diaz, Edward James Olmos, David Harbour, Jaime Harris, Tom Wilkinson, James Franco, Edward Furlong u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Britt Reid ist der Erbe eines Zeitungsimperiums. Leider weiß der Tunichtgut wenig damit anzufangen, doch mit Kato, seinem persönlichen Autoschrauber und Kaffeekocher Kato beginnt er seine Zeit für etwas Gutes zu nutzen. Die beiden bekämpfen als Superhelden das Verbrechen in der Stadt.





Meinung:
Nachdem sich Britt Reid mal wieder in eine Schulhofschlägerei hat verwickeln lassen, greift sein Vater James Reid, ein angesehener Medienmagnat, der ein ganzes Zeitungsimperium zu leiten hat, zu drastischen Mitteln: Er reißt dem Superheldenspielzeug seines Sohnes den Kopf ab und schleudert diesen in die Mülltonne seines Großraumbüros. Mit dieser Szene beginnt „The Green Hornet“ und wirkt in seiner sinnbildlichen Deutlichkeit für eine Comic-Verfilmung nicht umsonst wie ein feuriges Statement. Aber ist „The Green Hornet“ wirklich der Abgesang auf die ewigen Erzählungen von allmächtigen wie sittsamen Überhelden, wie es die Exposition voraussetz? Eher nicht. Jedenfalls nicht in dieser konkreten Konsequenz. „The Green Hornet“ ist dennoch eine angenehme Abwechselung im explosiven Getümmel zwischen „X-Men“, „Spider-Man“, „Batman“ und „Iron Man“, denn sind die Heroen in ihren eigenen Werken zwar auch nicht immer mit übermen schlichen Fähigkeiten gesegnet, richten sich die Zeiger ihres moralischen Kompass im Inneren aber ganz und gar auf tugendhafte Werte, ist das mit der Hornisse etwas anders.

 
Muss denn wirklich erwähnt werden, dass Waltz der Böse ist ?
In Deutschland ist die Geschichte der Grünen Hornisse beziehungsweise des Britt Reid und seinem chinesischen Sidekick Kato nicht ganz so verbreitet wie die des Peter Paker, Clark Kent oder Bruce Wayne. Sie wird in diesem Fall aber vor allem dadurch interessant, dass sie eben nicht diesen strikten Fokus auf ethische Normen legt und keinesfalls aus einer tiefen Überzeugung heraus dem Verbrechen den Kampf angesagt hat, sondern schlichtweg aus Langeweile. Es hat eben gepasst. Britt Reid (Seth Rogen, „Bad Neighbors“) gibt den verzogenen Sohn des Tycoons James Reid (Tom Wilkinson, „Batman Begins“), der durch den Erfolg seines Vaters in Saus und Braus lebt, jeden Abend die größten Partys frequentiert und die Nacht zum Tage macht – Natürlich immer mit einer anderen Bettgespielin an seiner Seite. Nachdem sein Vater aber stirbt und er zum Erben des Zeitungskonzern wird, muss er zum einen dort etwas Verantwortung übernehmen, entdeckt aber parallel dazu durch den Bediensteten Kato (Jay Chou) eine neue Möglichkeit, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen: Green Hornet wird geboren.

 
Zwei äußerst unterschiedliche Helden: Britt und Kato
Der Plot ist wenig originell und bedient sich über weite Strecken den handelsüblichen Regularien des Sujets: Wir werden Teil davon, wie Britt und Kato ihren eigenen Mythos kreieren, wie sie sie ihr Equipment entwickeln und zu ersten Feldversuchen aufbrechen. „The Green Hornet“ versucht seine komödiantische Strahlkraft dadurch zu entfachen, in dem er die Dynamik zwischen Britt und Kato zelebriert und ihre Zankerei einem Buddy-Movie gleich ausreizt: Sie freunden sich an, sie entzweien sich und wachsen dann im großen Finale wieder zusammen. Dass Britt und Kato aber eigentlich nie wie Freunde wirken, sondern eher wie eine Zweckgemeinschaft, die sich von einer ulkigen Idee haben überfallen lassen, tut dem Film dahingehend einen Abbruch, dass er seiner egomantischen Hauptfigur Britt die Zuneigung immer weiter entreißt, während Kato, der eigentliche Held, streng in seiner Rolle als bloßer Sidekick verharren muss. Im Klartext bedeutet das: Wir folgen über eine geraumen Zeit einem Unsympathen, der sein eigenen Leben nicht auf die Reihe bekommt, aber so tut, als wäre er der große Macker, sich aber schon dadurch vollkommen verloren fühlt, wenn sein morgendlicher Cappuccino nicht am Bettrand auf ihn wartet.


Außerdem hat man es geschafft, einem Visionär wie Michel Gondry („Vergiss mein nicht!“, „Der Schaum der Tage“) die eigentlichen Stärken zu entziehen und ihn einer ungemein beliebigen Bildsprache unterzuordnen, die all die intuitiv-expressive inszenatorische Finesse vermissen lässt. Nichtsdestotrotz ist „The Green Hornet“ ein gutes Stück Comic-Adaption, in dem sich die dickliche Hornisse nicht gegen Nazis, sondern gegen einen Russen namens Chudnofsky (Christoph Waltz, „Django Unchained") zur Wehr setzen muss, der jedoch auch weit unter seinen eigentlichen Fähigkeiten zurückbleibt. Ähnlich wie eine Cameron Diaz, deren Besetzung nun überhaupt keinen Ertrag bringt. Man muss sich „The Green Hornet“ als einen Seth Rogen-Film vorstellen, der auf Blockbuster-Niveau getrimmt worden ist und von einem Fantasten der jüngeren Geschichte denkbar einfach, aber akzeptabel in Szene gesetzt wurde. Hier gibt es keine Charaktere, hier regieren nur Typen, und doch darf man sich unterhalten fühlen, denn auch wenn „The Green Hornet“ infantiles und mit einem Spritzer Ironie, leisem Retro-Charme und politischen Notizen angereichertes Action-Comedy-Kino ist, zeigt er sich auf seinem Level durchaus wirkungsvoll. Besser als diese momentane 'Dark n Gritty'-Welle ist das allemal. Und der modifizierte Chrysler Imperal ist schlicht famos!


5 von 10 vergebenen Chancen


von souli

Review: THE COUNSELOR - Die Sucht nach obsessiver Dekadenz

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Fakten:
The Counselor
USA. 2013. Regie: RidleyScott. Buch: Cormac McCarthy. Mit: Michael Fassbender, Cameron Diaz, Penelope Cruz, Brad Pitt, Javier Bardem, Rosie Perez, Natalie Dormer, Bruno Ganz, Edgar Ramirez, Goran Visnjic, Toby Kebbell, Emma Rigby, John Leguizamo, Dean Norris, Sam Spruell, Richard Brake u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 31. März auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der angesehene, aber namenlos bleibende Südstaatenanwalt, nur bekannt als 'Der Berater', genießt inmitten von edler Arroganz und gelecktem Luxus das Leben mit seiner Freundin Laura. Aber der Berater ist noch nicht auf dem elitären Standard angekommen, auf dem er sich gerne sehen möchte, vor allem deshalb, um seiner Freundin ein Dasein zur vollsten Zufriedenheit zu ermöglichen – verführerisch funkelnde Diamanten zur Verlobung inklusive. Als ihm der extrovertierte Reiner und seine zwielichtige Freundin Malkina einen exorbitanten Drogendeal vorschlagen, der den Berater schlagartig um ganze 20 Millionen Dollar reicher machen könnte, willigt der junge Anwalt ein und arrangiert ein Treffen mit Westray, um die letzten Formalitäten zu klären. Doch der angezielte Transport geht schief und schon bald sieht sich der der Berater in einer Falle sitzend, die nur darauf wartet, sadistisch zuzuklappen.





Meinung:
Erwähnt man Cormac McCarthy in literarischen Fachkreisen, so zucken die Anwesenden, vornehmlich amerikanischer Natur, bereits vor der Aussprache der letzte Silbe seines Namens ehrfürchtig zusammen und verfallen in nachfolgenden Diskussionen in tranceartige Heiligsprechungen des Mannes. McCarthy, seines Zeichens Gewinner des renommierten Pulitzer-Preises und adaptierter Vorlagengeber für „The Road“ mit Viggo Mortensen und das Meisterwerk der Coen-Brüder „No Country for Old Men“, ist ohne Zweifel echtes Kulturgut der Stars and Stripes-Nation, sein Können hingegen steht auch auf dem globalen Markt vollkommen außer Frage. Wenn sich also eine Größe seines Kalibers dazu entscheidet, einem Film auf direktem Wege ein Drehbuch zu spendieren, dann schreit das förmlich nach einem exquisiten Jahrhundertwerk. Bei solch astronomischen Vorablorbeeren konnte das befindende Resümee von „The Counselor“ natürlich nur entgleisen.


Bereut Malakina ihre Sünden?
Was neben der illuminierenden Mitwirkung McCarthys etwas unter den Tisch gefallen ist, scheint, gerade für der Filmwelt, nicht minder bedeutend. Auf dem Regiestuhl nämlich hat niemand geringeres Platz genommen, als Ridley Scott. Gut, mit Verlaub, heutzutage wird der Name nicht mehr so hoch gehandelt, wie er es noch vor 20 bis 30 Jahren wurde, doch seinen Status als guter Filmemacher hat Scott keinesfalls verloren, es krankte seinen Outputs vielmehr an der inhaltlichen Ebene, die zuletzt entweder in seichten Gewässern fischte oder schlichtweg mit platten Versatzstücken jonglierte. Dieses Manko auszuradieren wäre McCarthy natürlich problemlos in der Lage, nur fällt auch das Endergebnis seiner Arbeit zuweilen erschreckend nichtssagend und unnötig narzisstisch respektive aufgeblasen aus: „The Counselor“ ist tatsächlich ein Film geworden, der sich blasiert in der überqualifizierten Rhetorik seines Autors wälzt und alles um sich herum am liebsten vergessen möchte.


Westray gibt dem Counselor wertvolle Tipps
Während Ridley Scott seinen Job also wie gewohnt mit handwerklicher Akkuratesse erfüllt, den stilistisch makellosen Fotografien aber dummerweise den allegorischen Mehrwert entzieht, in dem „The Counselor“ in eine aalglatte Hochglanzoptik gewickelt wird, anstatt sich dem dreckigen Tonus der Geschichte anzupassen und so das konterkariertes Profil zu vermeiden, hat sich das Drehbuch von McCarthy ganz dem individuellen Riesenego verschrieben. Den Plot um den geplatzten Drogendeal kurbelt das Skript dementsprechend desinteressiert herunter, dass sich die Narration aus diesem Blickwinkel schon als eine echte Anti-Klimax erweist und von einer handfesten Dramaturgie oder einem gekonnten Spannungsaufbau rein gar nichts hält. Dinge passieren eben; und wie sie passieren, ist kaum der Rede wert. Interessant ist, wenn „The Counselor“ denn mal funktioniert, wie die fatalen Zwischenfälle und deren analoge Konsequenz durch Dialoge eingeleitet und wie eine Drehspule aufgezogen werden.


Durchgeknallter Geschäftsmann: Reiner
McCarthy kann die Leinwände brodeln lassen und verdrängt damit genau die Askese, die sich gerne an der Oberfläche und auch in der informalen Thematik des Films breitmachen möchte. Ridley Scott hat ohnehin zu großen Respekt vor dem anerkannten Schreiberling, als dass er sich es hier wirklich erlauben würde, seine Dia- wie Monologe nicht in grenzenloser Zelebration in Szene zu setzen. Nur hat „The Counselor“ die meiste Zeit nichts Relevantes zu verkünden und suhlt sich in Banalitäten, die, anders als beispielsweise in Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“, den Zuschauer nicht an den Lippen der namhaften Darsteller kleben lässt, sondern sie immer weiter und weiter vom Geschehen distanziert. Wie schwer es für die Schauspieler gewesen sein muss, den Wortgefechten eine adäquate Performance zuzuweisen, ist mühelos vorstellbar. Selbst wenn man es mit Michael Fassbender, Javier Bardem und Brad Pitt zu tun bekommt, die alle gute Vorstellungen abliefern, sich aber nie wirklich entfalten, weil das Skript die entsprechende Tiefenauslotung ihrer Figuren – gelinde gesagt – negiert.


Also passt die Floskel „Außen (relativ) hui, innen pfui“ auch auf „The Counselor“? Nein, nicht ganz. Wenn man etwas aus der doch unzufrieden stellenden Kollaboration von McCarthy und Scott ziehen möchte, dann sind es Aussagen (Keine Hypothesen!), die sich zwar schon in vielen weiteren Genre-Streifen wie Milieu-Studien entdecken ließen, ihre Signifikanz aber dennoch nicht verlieren: Wer mit dem Feuer spielt, der verbrennt sich zwangsläufig. Und der Berater hat einen Tanz mit einem Flammensturm gewagt, dessen stürmische Gewalt er nicht im Ansatz erahnen konnte, einzig und allein der Raffgier wegen. Die Sucht nach obsessiver Dekadenz verschlingt die Individuen häppchenweise, Sex und Gewalt müssen in ihrer Fertilität natürlich nicht weiter signiert werden, die sind in dieser egozentrisch wie verruchten Welt genauso Gang und Gäbe wie in unserer kleinbürgerlichen Existenz. Eines aber ist gewiss: Der Berater würde sich im Nachhinein nichts sehnlicher wünschen, als eine solche Existenz, doch die Falle hat noch nicht zugeschnappt...


5 von 10 gefickten Ferraris


von souli