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Review: THE SEA OF TREES – McConaughey und Watanabe verirrten sich im Wald…

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Fakten:
The Sea of Trees
US. 2015. Regie: Gus Van Sant. Buch: Chris Sparling. Mit: Matthew McConaughey, Ken Watanabe, Naomi Watts, Anna Friedman, Katie Aselton, Jordan Gavaris u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der Amerikaner Arthur Brennan ist in seinem Leben an einem Punkt angekommen, wo er den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Er ist in einer Sackgasse, aus der er als einzigen Ausweg nur noch den Selbstmord sieht. Dafür hat sich Arthur einen ganz besonderen Ort ausgesucht: Im japanischen Aokigahara, dem sogenannten Suicide Forest oder Sea of Trees, einem am Fuße des Fuji gelegenen 35 km² großen Waldes, der nahezu bar jeden tierischen Lebens ist, will er seiner Existenz ein Ende setzen.Doch der Versuch kommt nicht zur Vollendung, denn Arthur trifft in diesem seltsam aus der Zeit gefallenen Raum auf Takumi Nakamura , der – anderen Motiven folgend – das gleiche Ziel hat. Statt weiterhin den Freitod zu verfolgen, suchen sie ein neues Leben und dazu einen Weg heraus aus dem dichten Wald. Der Selbstmord-Trip wird so wider Erwarten zu einem Überlebenskampf.




Meinung:
Gus Van Sant hat sich in seiner Laufbahn als Regisseur nicht immer beliebt gemacht. Zwar zeichnet er sich für den vielerorts frenetisch gefeierten Good Will Hunting verantwortlich, doch auch Katastrophen wie das Psycho-Remake oder umstrittene Skandalfilme wie Elephant lassen sich in seiner Filmografie finden. Auch The Sea of Trees konnte in jüngerer Vergangenheit besonders dadurch auf sich Aufmerksam machen, dass er geradezu vernichtend schlechte Rezensionen von Zuschauern und Kritikern auf sich zog. Voreilig abschreiben sollte man den Film jedoch keinesfalls, denn tatsächlich werden die mitunter fast schon beleidigenden Meinungen dem Werk kaum gerecht. Im Gegensatz zu vielen anderen Ergüssen des kontemporären Kinos verfolgt Gus Van Sant zumindest eine ambitionierte Idee und so ist er in seinem Scheitern allemal interessant.


Ein Hoffnungsschimmer?
Dabei beginnt der Film, gemessen an der von Kritikern evozierten Erwartungshaltung, durchaus gelungen und auch die nächste Überraschung bleibt nicht aus. Tatsächlich kann The Sea of Trees das Niveau lange Zeit halten und obgleich immer wieder kleinere Unzulänglichkeiten Einzug halten, so weiß das Drama dennoch zu berühren. Das liegt einerseits natürlich an der Wahl der Darsteller. Matthew McConaughey, Ken Watanabe und Naomi Watts agieren gewohnt professionell und obwohl ihre Leistung sicherlich ein gutes Stück unter ihrem bestmöglichen Niveau angesiedelt ist, so wissen sie definitiv zu überzeugen. Zum anderen wird der Schauplatz des Geschehen selbst wohl zur größten Stärke des Films. Der Aokigahara (umgangssprachlich auch Selbstmord-Wald genannt) entwickelt sich in seiner zwiespältigen Wirkung zwischen meditativer Ruhe und bedrückender Todessehnsucht zum optimalen Resonanzkörper für eine Geschichte über Schuld, Trauer und Selbsthass. Zusehends scheint der Wald ein Eigenleben zu bekommen und so fungiert er als Erweiterung von McConaugheys Innenleben um dessen Zwiespalt zu visualisieren. Der Kampf gegen die Natur ist letztlich nur der Kampf gegen das eigene Ich. Abseits dieser atmosphärischen Wirkung fällt es deshalb nur gering ins Gewicht, dass die zweigeteilte Erzählstruktur ebenso wie manch aufgesetzte Emotion nur sehr bedingt funktioniert.


Wirklich problematisch wird hingegen das Ende, denn Gus Van Sant gibt sich mit einem schlichten Drama nicht zufrieden und versucht seinem Film zu tragödienhaften Ausmaß zu verhelfen. Das wirkt jedoch dermaßen überzogen, dass es bereits in unfreiwillige Komik mündet und große Teile des vorangegangenen Films zerstört. Mit dem Holzhammer bringt er das bisher entstandene Konstrukt zum Einsturz und bedeckt die Trümmer mit aufdringlicher Symbolik und fast schon esoterischem Kitsch. Schade, denn The Sea of Trees hatte gleichsam gelungene Ideen wie auch einen fähigen Regisseur diese umzusetzen. Wer nun genau für den katastrophalen Schlussakkord verantwortlich ist, bleibt ungewiss – vielleicht war der Film ja auch schon von vornherein zum Scheitern verurteilt.


4 von 10 Brotkrumen

Review: MY PRIVATE IDAHO – DAS ENDE DER UNSCHULD – Jugend ohne Jugend

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Fakten:
My Private Idaho (My own private Idaho)
USA.1991.
Regie und Buch: Gus van Sant. Mit: River Phoenix, Keanu reeves, James Russo, Udo Kier, Flea, Grace Zabriskie, William Richert, Rodney Harvey, Jessie Thomas, Tom Troupe, James Caviezel, Gus van Sant u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Scott und Mike leben auf der Straße und verdienen ihr Geld als Stricher. Während Scott aus gutem Hause kommt und gerade in einer rebellischen Phase steckt, ist Mike ein echtes Straßenkind, welches darüber hinaus auch unter Narkolepsie leidet. Während eines Anfalls, sieht er Bilder aus seiner Kindheit. Daraufhin will Mike seine Mutter suchen, die ihn als Kind verließ.





Meinung:
Am Horizont gieren schwarze Augen, während die endlose Straße alles in sich zu fressen begehrt: Der Highway wird in „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ zur gigantischen Fratze, unersättlich lechzend, erschreckend in ihrer Maßlosigkeit. Und doch ist es eine Straße, die man immer wieder heimsucht, nur um jedes Mal feststellen zu müssen, das sie doch nirgendwohin führt. Mike Waters (River Phoenix), ein mittelloser Stricher aus Portland ist einer dieser Menschen, die ihren Blick immer wieder über den von der Sonne erhitzten Asphalt schweifen lässt, bis er kurze Zeit später zusammenbricht. Mike leidet nämlich unter Narkolepsie – im Volksmund auch als „Schlafkrankheit“ genannt – und kann seine schlagartigen Zusammenbrüche nicht kontrollieren. Kontrolle ist auch ein weiteres Stichwort in Bezug auf „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ und unseren Protagonisten Mike: Seinen Alltag fristet er perspektivlos Gassen und Hinterhöfen, immer auf der Suche nach Freiern, die ihn mit ihrer Entlohnung für seine Dienste den nächsten Nadelstich ermöglichen.


Keine Panik, der schläft nur
Es ist gewiss von einer bitteren Tragik gezeichnet, sieht man den jungen River Phoenix hier dabei zu, wie er sich wiederholt Heroin in die Adern spritzt. Angeblich soll der am 31. Oktober 1993 an den Folgen eines Drogencocktails in den Armen seines Bruders Joaquin Phoenix verstorbene River Phoenix während der Dreharbeiten von „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ zum ersten Mal in Berührung mit dem Opioid gekommen sein. Und doch bleibt uns mit seiner Darstellung des Mike Waters einer der stärksten Beweise dafür, wie gut River Phoenix doch agieren konnte. Sicher, im Angesicht des reellen Trauerfalls nur ein Wermutstropfen, sein Spiel ist jedoch so ausbalanciert und pointiert, dass wohl kaum noch Zweifel daran bestehen, dass der Vollblutschauspieler River Phoenix irgendwann ebenfalls in Brando'sche Höhen hätte aufsteigen können. Neben Phoenix weiß auch Keanu Reeves zu gefallen, den man inzwischen eher als stocksteifen Schlacks zur Kenntnis genommen hat, in der Rolle des Bürgermeistersohnes Scott Favor jedoch ziemlich gut mit Phoenix harmoniert.


Was verbindet Mike und Scott wirklich?
Mit „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ erzählt Gus Van Sant eine Jugendballade über Sehnsüchte und die auf dem Fuße folgenden Enttäuschungen. Mike ist ein obdachloser Niemand, drogenabhängig und keinerlei Hoffnungen auf ein geregeltes Dasein. In Scott findet er einen Freund auf gutem Haushalt, der sich allerdings dagegen wehrt, ähnlich elitäre Bahnen wie sein Vater einzuschlagen und ebenfalls sein Geld für sexuelle Dienstleistungen auf den Straßen verdient. Anders als Mike ist Scott nicht homosexuell und nachdem sich Mike in den schwarzhaarigen Adonis verliebt, bahnt sich schon der nächste Rückschlag an. „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ macht es seinem Narrativ genauso schwer wie dem Zuschauer, der der Geschichte um Mike und Scott folgt: Weggabelungen werden immer in Richtung 'Niederlage' eingeschlagen, bis sich der innerseelische Frust bis zum Gehtnichtmehr angestaut hat. Mike sucht die Geborgenheit in einem festen Partner, nicht nur in der Freundschaft, findet aber zumeist nur Zurückweisung und macht sich irgendwann auf die Suche nach seiner Mutter.


Elliptisch spielen sich immer wieder Kindheitserinnerungen vor dem inneren Auge von Mike ab, der Wunsch nach einer, nach SEINER Familie wächst zunehmend. Aber auch die Erfüllung dieses Verlangens bleibt ein utopisch Gedanken. Während sich Scott in Italien zu einem Mädchen hingezogen fühlt und später tatsächlich der Tradition seines Stammbaumes einwilligt, findet sich Mike in den vorherigen, den abgetragenen Schuhen wieder. Scott wendet sich von der Straßensippschaft ab, Mike hingegen scheint sich damit abgefunden zu haben, dass das Leben ihm keine besseren Karten austeilen möchte und schreit und tobt sich zusammen mit seinem Kumpanen in die Schwarzblende hinein: Have a nice day. In „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ beweist Gus Van Sant vor alle, wie mutig er doch im Umgang mit menschlichen Schicksalen wirklich sein kann. Wie wenig Interesse an der verzogenen Augenwischerei er hegt und dennoch ein liebes Wort zum Abschluss für sein Publikum auf Lager hat. „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ ist ein ungefilterter, gerne auch mal anstrengender Film über das Leben an sich. Über die Scheiße, die einfach dazu gehört, die man sich nicht aussuchen kann, sondern höchstens damit abfinden, wenn es eben keinerlei Fluchtmöglichkeiten mehr parat hält.


7 von 10 kommunizierenden Schwulenblättern


von souli

Review: MILK – Humaner Lanzenstoß in das kollektive Bewusstsein

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Fakten:
Milk
USA. 2008. Regie: Gus van Sant.
Buch: Dustin Lance Black. Mit: Sean Penn, Josh Brolin, Emile Hirsh, James Franco, Alison Pill, Diego Luna, Denis O’Hare, Joseph Cross, Jeff Koons, Lucas Grabeel u.a. Länge: 128 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die wahre Geschichte des Harvey Milk, der sich in den 1970er Jahren als Bürgerrechtler für die Rechte der Homosexuellen einsetzte und so zu einer der schillerndsten Friedensaktivisten des Landes wurde.






Meinung:
Jeder redet von Toleranz, doch die schrägen Blicke bleiben beständig. Schlendert ein homosexuelles Pärchen durch die Einkaufspassage, schaut sich verliebt in die Augen, sanft Händchenhaltend, Küsse auf die Wangen schenkend, dann beginnt das Getuschel hinter vorgehaltener Hand von allen Seiten. Dass auch noch heutzutage ein zutiefst heteronormatives Gesellschaftsmuster unantastbar floriert, lässt sich als nur soziologische Niederlage manifestieren, die den Menschen, der doch immer nach der größten technologischen Klimax strebt, im Umgang mit seinem Umfeld zum tumben Neandertaler (zurück-)erklärt. Es ist daher nur von einer unheimlichen Signifikanz gezeichnet, der kontemporären Kinolandschaft einige Vertreter zu senden, die sich mit dieser zwischenmenschlichen Problematik auseinandersetzen; die die weitreichenden Diskriminierungen versuchen in die Schranken zu weisen, obwohl es – wie gesagt – ein Armutszeugnis ist, derartigen Kraftaufwand anzuwenden, um die Menschen von der Normalität dieser sexuellen Orientierung zu überzeugen. Das Biopic „Milk“ sollte in Zukunft exemplarisch dafür herangezogen werden.


Harvey und sein Freund Scott, der Fels in der Brandung
Harvey Milk (22. Mai 1930 – 27. November 1978) gilt als erster Politiker der Vereinigten Staaten, der auch in der Öffentlichkeit ohne Ausflüchte zu seiner Homosexualität stand. Trotz unzähliger Rückschläge bei verschiedenen Wahlen für ein politisches Amt, schaffte es Milk 1997 tatsächlich, in den Stadtrat gewählt zu werden: Ein unschätzbarer Erfolg! Gus Van Sant („Good Will Hunting“) hat sein goldenes Händchen bereits einige Male bewiesen gehabt, tingelte durch die tiefsten Indie-Sümpfe und schaffte es auch durchaus, im Studio-Mainstream Fuß zu fassen. Sein von Dustin Lance Black („J.Edgar“) geschriebenes Biopic „Milk“ steht natürlich ganz in der Tradition seiner unzähligen Vorgänger. Anders als aber andere Filme, die ihr Publikum mit einer echten Faktenflut zu erschlagen drohen oder Tatsachen verschleiern, um einen profitableren dramaturgischen Ertrag daraus erzielen zu können (wie zum Beispiel Ron Howards Dummfilm „A Beautiful Mind“ mit Russell Crowe), folgt „Milk“ einem furchtbar geerdeten Strickmuster und macht über seine 120-minütige Laufzeit immer einen angenehm schwungvoll Eindruck, ohne die eigenen Ambitionen dem blanken Effekt unterzuordnen.


Ein friedvoller Kämpfer: Harvey Milk
„Milk“ schafft es geradezu hervorragend, die private wie politische Vita des Harvey Milk unter einen Hut zu bringen, ohne in ein narratives Ungleichgewicht zu kippen. Vielmehr keimt daraus eine Symbiose der Wahrhaftigkeit, die die Persönlichkeit Harvey Milk und sein unermüdliches Engagement greifbar machen. Was natürlich nicht zuletzt an der famosen Performances des herausragenden Charakterdarstellers Sean Penn („Mystic River“) legt. Er ruft Harvey Milk durch sein plastisches Spiel zum Leben, verklärt ihn nicht zu einer bloßen Karikatur, sondern schildert ein exzellentes Porträt, dem man sich nicht entziehen kann. Körperhaltung, Mimik und Gestik sind der Beweis dafür, dass Penn nicht umsonst als ein Method Acter der absoluten Extraklasse gilt. Aber im Allgemeinen ist „Milk“ wirklich wunderbar gecastet: Ob James Franco („Spring Breakers“), Emile Hirsch („Killer Joe“), Diego Luna („Elysium“), Josh Brolin („Gangster Squad“ oder – eine wirklich gut geschrieben Frauenrolle in einem Film von Gus van Sant, hört, hört - Alison Pill („Snowpiercer“). Sie alle machen eine mehr als gute Figur und sorgen eben auch dafür, dass „Milk“ - trotz seiner visuellen Kreativität – ein echter Ensemblefilm ist.


Milks politischer Gegner versucht es noch mit Worten
Man würde Harvey Milk Unrecht tun, würde man ihn NICHT zum Helden erklären. Er wurde ein Sprachrohr für die Menschen, die unreflektiert in eine Schublade mit schlimmsten Sexualstraftätern geschoben wurden. Den Menschen, die keine Berufe ausfüllen durften, in denen sie als Autoritätsperson ihr Geld verdienten. Als Angehöriger der Demokratischen Partei, war es Milks Pflicht, gegen die Konservativen und ihre reaktionären Ansichten in den politischen Kampf zu ziehen. Wie „Milk“ diesen Schlagabtausch allerdings löst, gehört zweifelsohne mit schallendem Applaus honoriert. Denn während es das Drehbuch tunlichst vermeidet, Harvey Milk zu glorifizieren, obwohl sein Sanftmut, seines Herzenswärme schon irgendwie eine schlagkräftige Einladung dazu gewesen wären, werden auch die Kontrahenten aus der Konservativen Partei niemals dämonisiert, sondern angehört, wenngleich man ihre Ideologie gewiss nicht teilen kann. Interessant ist auch die nuanciert dargebotene Figur des Dan White (gespielt von Josh Brolin), der später zur Waffe greifen und Milk erschießen wird, dessen Motive jedoch rein auf die interpretative Ebene geschoben werden.


Dieser Film ist ein Geschenk. Ein berührendes, aber niemals manipulatives Erlebnis, das sich zu einem echten Plädoyer für die Gleichberechtigung aufbäumt und dem Pathos vom Gutmenschen konsequent entsagt. Die letzten Worte gebührt an dieser Stelle dem Bürgerrechtler höchstpersönlich:
I ask this... If there should be an assassination, I would hope that five, ten, one hundred, a thousand would rise. I would like to see every gay lawyer, every gay architect come out - - If a bullet should enter my brain, let that bullet destroy every closet door... And that's all. I ask for the movement to continue. Because it's not about personal gain, not about ego, not about power... it's about the "us's" out there. Not only gays, but the Blacks, the Asians, the disabled, the seniors, the us's. Without hope, the us's give up - I know you cannot live on hope alone, but without it, life is not worth living. So you, and you, and you... You gotta give em' hope... you gotta give em' hope.“


8 von 10 gewalttätigen Protestmärschen


von souli

Review: GOOD WILL HUNTING – Traum von Unendlichkeit

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Fakten:
Good Will Hunting
USA. 1997. Regie: Gus van Sant. Buch: Ben Affleck, Matt Damon. Mit: Matt Damon, Robin Williams, Minnie Driver, Ben Affleck, Stellan Skarsgard, Casey Affleck, Cole Hauser, Colleen McCauley, John Mighton u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Will Hunting verdient sein Geld als Putzhilfe in der Uni, zieht abends mit seinen Kumpels um die Häuser und ist auch der einen oder anderen illegalen Schandtat nicht abgeneigt. Aber hinter seiner rebellischen Fassade verbirgt sich nicht nur ein mathematische Genie, sondern auch eine verletzte Seele. Als Will in der Uni problemlos eine schwierige, öffentlich ausgehängte Aufgabe löst, wird ein Professor auf ihn aufmerksam und möchte ihn fördern, doch nachdem der vorbestrafte Will eine Schlägerei anzettelt, droht ihm Gefängnis. Damit dies nicht geschieht, vermittelt der Professor Will einen Therapeuten. Zu Beginn kann Will mit diesem nicht viel anfangen, doch langsam bricht das Eis.





Meinung:
Der Traum von Unendlichkeit: Manche brauchen dafür nicht einmal ihre Augen schließen und sind mittendrin, während andere ihm Zeit ihres Lebens hinterher eifern und infolgedessen unter ihm begraben werden. „Good Will Hunting“ berichtet von beiden Segmenten, um seinen Fokus aber auf eine weitere Möglichkeit zu legen, die sich quasi zwischen alle Stühle setzt: Will Hunting (Matt Damon, „Liberace“) nämlich könnte sich durch sein kognitives Vermögen problemlos für die Nachwelt unsterblich machen. Er könnte nicht nur das Titelplatt renommierter Zeitschriften zieren, ihm würden ganze Bücher gewidmet, Kapitel in Geschichtsbüchern würden die Leserschaft mit seinem Namen einführen, wahrscheinlich dürften sogar Universitäten nach ihm benannt werden und 'Will Hunting' würde freiweg sich als verbale Analogie auf ein wahres Genie in das allgemeine Vokabular einbürgern. Doch Will rennt seiner ihm mit Omnipotenz ausstattenden Gabe immerzu davon und wühlt sich viel lieber aus falschem Pflichtgefühl tief in die lokalen Gepflogenheit von South Boston.


"A Beautiful Mind" mit dem Wischmopp
Dass Gus Van Sant schon immer reges Interesse daran gezeigt hat, sich mit gesellschaftlichen Randläufern zu befassen, hat sich bis heute nicht geändert: Ob „My Private Idaho“, „Forrester – Gefunden!“, „Elephant“ oder „Restless“. Überall nehmen Außenseiter das Zentrum des Geschehens ein und werden von Gus Van Sant durch die Höhen und Tiefen begleitet. Natürlich ist dieser Will Hunting ebenfalls ein Außenseiter, wenn auch kein obligatorischer Einzelgänger: Wie der mit dem Fields-Preis honorierte Mathematiker Professor Gerald Lambeau (Stellan Skarsgard, „Nymph()maniac“) richtig feststellt, kann Will Hunting, der sich zum Spaß mit organischer Chemie auseinandersetzte und mathematische Gleichungen löste, an denen schon reihenweise Akademiker verzweifelten, niemand das Wasser reichen. Aber Will macht nichts aus seiner Intelligenz, er buckelt sich lieber auf dem Bau den Rücken krumm, prügelt sich und kippt mit seinen Kumpels abends einige Biere: Ein mechanischer Alltag, der gewiss auch etwas für sich haben kann, für eine Person wie Will aber auf Dauer die pure Verschwendung seiner Existenz bedeutet.


Will findet in Skylar seine große Liebe
Seine große Klasse entfaltet „Good Will Hunting“ dann, wenn der Psychoanalytiker Sean Maguire (famos gespielt von Robin Williams, „Insomnia“) ins Spiel kommt, der sich von einem neunmalklugen Burschen aus der Gosse zuerst einmal anhören muss, wie beschissen sein Malen-nach-Zahlen-Aquarell doch ist, kurz bevor er ihm nach einigen missfälligen Worten über seine Frau an den Hals springt. In den Dialogen steckt eine ungemein suggestive Wirkung, der man sich nicht entziehen. Sean ist durch den Tod seiner Frau vom Leben gezeichnet und sieht sich nicht mehr in der Lage dazu, einen Neubeginn zu starten, während Will durch grauenhafte Kindheitserfahrungen mit dem Maulschlüssel und seinem Pflegevater unfähig ist, eine echte emotionale Bindung mit einem anderen Menschen einzugehen. Es wäre falsch zu behaupten, „Good Will Hunting“ würde durch seine Nuanciertheit im Umgang mit der Psychologie seiner Charaktere bestechen, denn letzten Endes verfällt das oscarprämierte Drehbuch von Matt Damon und Ben Affleck (der hier auch als Wills bester Freund Chuckie zu sehen ist) einigen Klischees und simplifiziert innerseelische Prozesse mit Wonne.


Therapeut Sean und Genie Will sind sich sehr ähnlich
Doch „Good Will Hunting“ packt, weil er ehrlich wirkt, weil er seine Figuren authentisch konturiert, selbst wenn er als Film über die Psychoanalyse schlussendlich als 'Gescheitert' deklariert werden muss (aber daran ist ja bekanntlich auch schon ein gewisser David Cronenberg gescheitert). „Good Will Hunting“ erzählt über den Wert der Individualität, der Signifikanz der freien Entwicklung. Sean weiß, dass er Will zu nichts zwingen darf, doch Ratschläge, die dem egoistisch-affektiven Will endlich zur Selbstreflexion verhelfen, sind immer legitim. Dass Gus Van Sants Inszenierung hier auch verhältnismäßig konventionell ausfällt, tut dann auch nichts mehr zur Sache, schließlich konzentriert sich sein Sozial-Drama weitestgehend darauf, als Entwicklungsgeschichte die richtigen Töne anzuschlagen – Und das gelingt ihm (wenn auch mit manipulativen Mitteln), sieht man den Film aus der emotionalen Perspektive. Es steht außer Frage, dass „Good Will Hunting“ objektiv betrachtet klare Defizite vorzuweisen hat, doch wenn Robin Williams seinen Monolog am See hält und Will Hunting endlich in die Schranken weist, versteht man, wie viel Aufrichtigkeit in dieser Story doch wirklich vergraben liegt. Ein wunderschönes, immer und immer wieder berührendes Erlebnis.


"And look at you...
I don't see an intelligent, confident man... I see a cocky, scared shitless kid. But you're a genius Will. No one denies that. No one could possibly understand the depths of you. But you presume to know everything about me because you saw a painting of mine, and you ripped my fucking life apart. You're an orphan right? You think I know the first thing about how hard your life has been, how you feel, who you are, because I read Oliver Twist? Does that encapsulate you? Personally... I don't give a shit about all that, because you know what, I can't learn anything from you, I can't read in some fuckin' book. Unless you want to talk about you, who you are. Then I'm fascinated. I'm in. But you don't want to do that do you sport? You're terrified of what you might say. Your move, chief."


8,5 von 10 ellenlangen Vorstrafenregistern


von souli