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Review: MY PRIVATE IDAHO – DAS ENDE DER UNSCHULD – Jugend ohne Jugend

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Fakten:
My Private Idaho (My own private Idaho)
USA.1991.
Regie und Buch: Gus van Sant. Mit: River Phoenix, Keanu reeves, James Russo, Udo Kier, Flea, Grace Zabriskie, William Richert, Rodney Harvey, Jessie Thomas, Tom Troupe, James Caviezel, Gus van Sant u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Scott und Mike leben auf der Straße und verdienen ihr Geld als Stricher. Während Scott aus gutem Hause kommt und gerade in einer rebellischen Phase steckt, ist Mike ein echtes Straßenkind, welches darüber hinaus auch unter Narkolepsie leidet. Während eines Anfalls, sieht er Bilder aus seiner Kindheit. Daraufhin will Mike seine Mutter suchen, die ihn als Kind verließ.





Meinung:
Am Horizont gieren schwarze Augen, während die endlose Straße alles in sich zu fressen begehrt: Der Highway wird in „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ zur gigantischen Fratze, unersättlich lechzend, erschreckend in ihrer Maßlosigkeit. Und doch ist es eine Straße, die man immer wieder heimsucht, nur um jedes Mal feststellen zu müssen, das sie doch nirgendwohin führt. Mike Waters (River Phoenix), ein mittelloser Stricher aus Portland ist einer dieser Menschen, die ihren Blick immer wieder über den von der Sonne erhitzten Asphalt schweifen lässt, bis er kurze Zeit später zusammenbricht. Mike leidet nämlich unter Narkolepsie – im Volksmund auch als „Schlafkrankheit“ genannt – und kann seine schlagartigen Zusammenbrüche nicht kontrollieren. Kontrolle ist auch ein weiteres Stichwort in Bezug auf „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ und unseren Protagonisten Mike: Seinen Alltag fristet er perspektivlos Gassen und Hinterhöfen, immer auf der Suche nach Freiern, die ihn mit ihrer Entlohnung für seine Dienste den nächsten Nadelstich ermöglichen.


Keine Panik, der schläft nur
Es ist gewiss von einer bitteren Tragik gezeichnet, sieht man den jungen River Phoenix hier dabei zu, wie er sich wiederholt Heroin in die Adern spritzt. Angeblich soll der am 31. Oktober 1993 an den Folgen eines Drogencocktails in den Armen seines Bruders Joaquin Phoenix verstorbene River Phoenix während der Dreharbeiten von „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ zum ersten Mal in Berührung mit dem Opioid gekommen sein. Und doch bleibt uns mit seiner Darstellung des Mike Waters einer der stärksten Beweise dafür, wie gut River Phoenix doch agieren konnte. Sicher, im Angesicht des reellen Trauerfalls nur ein Wermutstropfen, sein Spiel ist jedoch so ausbalanciert und pointiert, dass wohl kaum noch Zweifel daran bestehen, dass der Vollblutschauspieler River Phoenix irgendwann ebenfalls in Brando'sche Höhen hätte aufsteigen können. Neben Phoenix weiß auch Keanu Reeves zu gefallen, den man inzwischen eher als stocksteifen Schlacks zur Kenntnis genommen hat, in der Rolle des Bürgermeistersohnes Scott Favor jedoch ziemlich gut mit Phoenix harmoniert.


Was verbindet Mike und Scott wirklich?
Mit „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ erzählt Gus Van Sant eine Jugendballade über Sehnsüchte und die auf dem Fuße folgenden Enttäuschungen. Mike ist ein obdachloser Niemand, drogenabhängig und keinerlei Hoffnungen auf ein geregeltes Dasein. In Scott findet er einen Freund auf gutem Haushalt, der sich allerdings dagegen wehrt, ähnlich elitäre Bahnen wie sein Vater einzuschlagen und ebenfalls sein Geld für sexuelle Dienstleistungen auf den Straßen verdient. Anders als Mike ist Scott nicht homosexuell und nachdem sich Mike in den schwarzhaarigen Adonis verliebt, bahnt sich schon der nächste Rückschlag an. „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ macht es seinem Narrativ genauso schwer wie dem Zuschauer, der der Geschichte um Mike und Scott folgt: Weggabelungen werden immer in Richtung 'Niederlage' eingeschlagen, bis sich der innerseelische Frust bis zum Gehtnichtmehr angestaut hat. Mike sucht die Geborgenheit in einem festen Partner, nicht nur in der Freundschaft, findet aber zumeist nur Zurückweisung und macht sich irgendwann auf die Suche nach seiner Mutter.


Elliptisch spielen sich immer wieder Kindheitserinnerungen vor dem inneren Auge von Mike ab, der Wunsch nach einer, nach SEINER Familie wächst zunehmend. Aber auch die Erfüllung dieses Verlangens bleibt ein utopisch Gedanken. Während sich Scott in Italien zu einem Mädchen hingezogen fühlt und später tatsächlich der Tradition seines Stammbaumes einwilligt, findet sich Mike in den vorherigen, den abgetragenen Schuhen wieder. Scott wendet sich von der Straßensippschaft ab, Mike hingegen scheint sich damit abgefunden zu haben, dass das Leben ihm keine besseren Karten austeilen möchte und schreit und tobt sich zusammen mit seinem Kumpanen in die Schwarzblende hinein: Have a nice day. In „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ beweist Gus Van Sant vor alle, wie mutig er doch im Umgang mit menschlichen Schicksalen wirklich sein kann. Wie wenig Interesse an der verzogenen Augenwischerei er hegt und dennoch ein liebes Wort zum Abschluss für sein Publikum auf Lager hat. „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ ist ein ungefilterter, gerne auch mal anstrengender Film über das Leben an sich. Über die Scheiße, die einfach dazu gehört, die man sich nicht aussuchen kann, sondern höchstens damit abfinden, wenn es eben keinerlei Fluchtmöglichkeiten mehr parat hält.


7 von 10 kommunizierenden Schwulenblättern


von souli

Review: SOUL KITCHEN - Die Seele isst mit

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http://www.uni-leipzig.de/nettv/filmriss/wp-content/uploads//soul-kitchen.jpg
                                                                                  

Fakten:
Soul Kitchen
BRD, 2009. Regie: Fatih Akin. Buch: Fatih Akin, Adam Bousdoukos. Mit: Adam Bousdoukos, Moritz Belibtreu, Anna Bederke, Pheline Roggan, Birol Ünel, Dorka Gryllus, Wotan Wilke Möhring, Lucas Gregorowicz, Demir Gökgöl, Cem Akin, Marc Hosemann, Udo Kier, Monica Bleibtreu u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mehr schlecht als recht betreibt Zinos in Hamburg das Restaurant "Soul Kitchen", welches nur mit reichlich gutem Willen als solches bezeichnet werden kann. In lieblosem Ambiente werden den wenigen Stammgästen auf Sperrmüllmöbeln billige Frikadellen und zu Tode frittierter Tiefkühlfisch vom wenig motivierten Personal serviert. Mehr als die nicht vorhandene Qualität seines Ladens beschäftigt Zinos derzeit die Tatsache, dass seine Freundin Nadine beruflich nach Shanghai zieht. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Zinos verpflichtet den jähzornigen, aber hochtalentierten Koch Shayn, der die armeelige Speisekarte gehörig umkrempelt. Dann steht auch noch Zinos Bruder Illias vor der Tür, der für den regelmässigen Knast-Freigang eine feste Anstellung braucht. Schliesslich tritt auch noch sein alter Schulkamerad Thomas an ihn heran. Der windige Immobielenhai will unbedingt sein Grundstück erwerben. Zinos möchte eigentlich nur noch irgendjemanden die Geschäftführung für seine Totgeburt aufdrücken, um zu Nadine nach Shanghai reisen zu können, aber plötzlich brummt der Laden.


                                                                                      
                                                                                     


Meinung:
Mit unendlich viel Charme gesegnet erzählt Fatih Akin in seinem reinen Feel-Good-Movie "Soul Kitchen" eine Geschichte voller sympathischer Loser in der grossen Hansestadt. Allen voran Zinos (der auch am Script beteiligte Adam Bousdoukos, authentisch, leider manchmal etwas schwer zu verstehen), der Betreiber eines nicht mal mittelmässigen "Restaurants" namens "Soul Kitchen". Klingt nach viel Liebe und Seele, ist dabei nur altes Fritten-Fett und warmes Astra. Durch allerlei Zufälle und unfreiwillig-glückliche Spontan-Entscheidungen wird aus dem Loch eine Goldgrube, nur wer schnell und unüberlegt zum grossen Glück kommt, verliert es in der Regel noch schneller. Siehe hier.


Das letzte Abendmahl?
Der muffige, trotzdem (oder gerade deshalb?) liebenswerte Stallgeruch von Möchtegern-Gastronomen, Gaunern und den bösen Schleimern mit dem dicken Geldbeutel wird sicher an vielen Stellen sehr überspitzt, dennoch irgendwie gut beobachtet rübergebracht. Wie in jeder guten Satire schlummert darin viel Wahrheit, auch wenn ich Akin gar nicht mal unterstellen will, dass "Soul Kitchen" eine Satire im klassischen Sinn sein soll. Ganz bestimmt sogar nicht. Nur eins will sein Film: Unterhalten, ein Lächeln auf's Gesicht zaubern, einfach für einen relaxten Ausflug in ein Millieu einladen, in dem Herzblut über dem Verstand und (bisweilen) auch der Realität steht. Diese Mischung passt nicht immer, aber oft genug hervorragend.

 


Eine Küche ist kein Ponyhof
Natürlich ist das zum bersten überkonstruiert, nur muss eine Komödie sich daran messen lassen? Nicht zwingend, besonders wenn da so viel Liebe zum Detail drinsteckt. Jede Figur ist eine Karikatur, manche mehr, manche weniger. Nur im Kern trifft Akin oft das, auf was sich jede Karikatur im Idealfall stützen sollte: Die Realität. Und gewisse Albernheiten mal hin der her, denn manchmal geht "Soul Kitchen" mit leicht plattem Klamauk einfach zu weit, da gibt es so viele tolle Momente, schrullige Charaktere (ganz besonders: Birol Ünel als durchgeknallt-genialer Küchenchef und Demir Gögköl als verschrobener Schiffsbau-Opa) und dem Witz wie dem Herz am rechten Fleck. Unterlegt von einem genial zusammengestellten Soundtrack kommt aus der "Soul Kitchen" ein schmackhaftes Gericht mit Leib und Seele, das, wie seine Figuren, manchmal etwas überhastet handelt, dem deshalb daraus aber kaum ein Strick gedreht werden sollte. 


Richtig sympathisch, extrem locker im Abgang und mit sichtlich Freude gemacht. Keine Sterne-Küche, aber bestimmt ein Stammlokal.


7,5 von 10 Baumrinden-Aphrodisiaka

Review: THE MOTHER OF TEARS - Der traurige Schlusspunkt

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http://ablogofhorror.files.wordpress.com/2011/09/the-mother-of-tears-movie-poster-2007-1020685847.jpg


Fakten:

The Mother of Tears (La terza madre)
IT, 2007. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Jace Anderson, Walter Fasano, Adam Gierasch, Simona Simonetti. Mit: Asia Argento, Cristian Solimeno, Adam James, Moran Atias, Valeria Cavalli, Philippe Leroy, Daria Nicolodi, Udo Kier, Coralina Cataldi-Tassoni u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bei Ausgrabungen in Rom wird eine alte Urne gefunden. Als sie im Museum geöffnet wird, bricht die Hölle aus. Studentin Sara wird Zeuge, wie ihre Kollegin von finsteren Gestalten in Stücke gerissen wird. Ab diesem Zeitpunkt herrscht in Rom das Chaos: Selbstmorde und gewalttätige Übergriffe schnellen in die Höhe. Sara selbst hört merkwürdige Stimmen und entdeckt, dass sie über geheimnisvolle Kräfte verfügt. Bald erfährt sie die Wahrheit: Durch das öffnen der Urne wurde die Mater Lacrimatum, die Mutter der Tränen, zum Leben erweckt. Hexen und Teufelsanbeter aus aller Welt pilgern in die ewige Stadt, um dem Untergang beizuwohnen.



                                                                               

Meinung: 
Sage und schreibe 27 Jahre brauchte Dario Argento, um endlich seine Mütter-Trilogie fertigzustellen. Was 1977 mit "Suspiria" genial begann und 1980 mit "Inferno" immerhin noch stilsicher und faszinierend fortgeführt wurde, endet in einem Desaster. Das Seniore Argento schon lange vorher sein Mojo scheinbar restlos aufgebraucht hatte, war ja kein Geheimnis, doch das ausgerechnet dieser, so lange erwartete, Abschluss nun die Realität eindrucksvoll untermauert, schmerzt schon erheblich.


Der Blick spricht Bände
Was ist da bloß passiert? Aus einem inszenatorischen Genie, der mit seinen abstrakten, expressionistischen Stilmitteln selbst das dümmste Script noch in Gold verwandeln konnte, ist ein blutleerer, altersschwacher, kreativ-impotenter Schauer-Onkel geworden. Von seiner außergewöhnlichen, meisterhaften Bildsprache, seinem Gespür für surreale Spannung und Atmosphäre, seinem Spiel mit der Angst vor dem Unerklärlichen und Unbekannten, ist nichts mehr übrig geblieben. Wer auf ein optisch-akustisches Vier-Gänge-Menü hofft, wird sang- und klanglos verhungern. Statt sich auf seine Klasse vergangener Tage zu berufen, kurbelt Argento ein völlig lieb- und planloses Okkultismus-Theater runter, wie es auch von Kalle-Arsch-XY hätte kommen können. Es wirkt bald so, als hätte Argento diesen Film einfach machen müssen, ohne dafür wirklich die Muse zu haben. Ist ja sogar möglich, warum hat es denn wohl sonst fast drei Jahrzehnte gedauert?


Die Indizien sind erdrückend...
Die Vorgänger, wie eigentlich alle guten Argentos, bezogen ihren Reiz durch die bizarre Stimmung, die kaum greifbare Bedrohung, die beinharte Atmosphäre und die unglaublich ausgeklügelten Mordsequenzen, hier gibt es nichts davon. Ohne seinen Bezug zu der Mütter-Trilogie wäre der Ramsch wohl niemals auf den Markt gekommen. Die Geschichte, an und für sich, bleibt das einzig Positive, denn nach wie vor besteht das Interesse, am Finale der teuflischen Schwestern beizuwohnen. Im Gegensatz zu den Vorgängern verläuft hier aber alles glatt nach Schema F, viel wird erklärt und nochmal aufgedröselt, wohl um Einsteiger bei der Stange zu halten, nur jegliche Surrealität geht total flöten. Selbst dann noch interessante Momente, wie z.B. die Welle der Gewalt, die Rom überrollt, wird nicht mal anständig umgesetzt.  Anstatt Spannung und Stimmung zieht Argento den letzten Joker: Gore.


Sexy-Hexy geht der Arsch auf Grundeis
Ja, blutig und explizit ist "The Mother of Tears", aber so gequält, da ja sonst nichts vorhanden ist. Argento splattert rum wie selten zuvor, ein Rettungsring der Einfallslosigkeit. Sonst gibt es gepflegte Langeweile, schlimme Darsteller (uns Udo Kier geht immer, aber die kleine Argento ist wohl auch nur wegen Papa an Bord), billig-peinliche CGI-Effekte (allein das in so einem Film) und Titten. Richtig, Brüste, weiblich. Gerne und auch vollkommen unpassend durch's Bild baumelnd, irgendwas muss ja Spaß machen. Nicht nur dadurch wird "The Mother of Tears" oft unfreiwillig komisch, was für einen Argento quasi ein Todesurteil ist. Da reicht es schon voll und ganz, auf das Finale zu verweisen. Gab es bei "Suspiria" und "Inferno" noch den Showdown mit der bitter-bösen Mutter, wirkt sie hier wie ein überschminktes Go-Go-Girl aus dem Sport1 Nachtprogramm. Überhaupt sehen alle Satansjünger aus wie Karikaturen eines Gothic-Konzerts und ziehen dementsprechend Grimassen. Richtig armeselig wird es, wenn Argento scheinbar kurz eingefallen ist, was seine Filme mal ausgemacht haben. Dann wird minimal mit der Beleuchtung gespielt und eine kleine Kamerafahrt eingebaut, dürfte in der Form jeder gelernte Regisseur beherrschen. Das sieht aus, als wenn ein Argento-Fan-Boy dem Meister eine Referenz erweisen wollte, dann wäre es ja ganz nett. So die Überreste einer Ikone.


Warum noch drei Punkte? Nun, wenn das ein eigenständiger Film von einem 08/15-Hansel für wenig Kohle gewesen wäre, na ja. Gemessen an dem, was Argento mal konnte und was dieser Film eigentlich sein sollte, eine Schande. Da sind 3 Punkte eine Art Konsensentscheidung.

3 von 10 Hexen-Möpsen



Review: SUSPIRIA - Argentos Meisterstück

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http://3.bp.blogspot.com/-nvsyp3jcdUs/UPz513cOsLI/AAAAAAAAFgY/I6yot0cW6Vs/s1600/Suspiria27.jpg
                                                                                        

Fakten:

Suspiria
IT, BRD, 1977. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Daria Nicolodi. Mit: Jessica Harper, Stefania Casini, Flavio Bucci, Alida Valli, Miguel Bosé, Barbara Magnolfi, Susanna Javicoli, Eva Axén, Udo Kier u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Suzy reißt aus New York nach München, um an einer berühmten Tanz-Akademie zur Ballerina ausgebildet zu werden. Dort gehen merkwürdige Dinge vor sich. Zwei Schülerinnen werden grausam ermordet und unheimliche Geräusche sind nachts zu hören. Jessicas Freundin Sara scheint eine Ahnung zu haben...

                                                                  


 
Meinung:
Dario Argentos "Suspiria" ist ein Lehrstück für handwerkliche Finesse, Atmosphäre, Stimmung und der Beweiß dafür, dass es im Horrorgenre nicht in erste Linie auf ein geschliffenes Drehbuch ankommen muss, wenn die grundliegenden Dinge in derartiger Perfektion beherrscht und ausgeführt werden.

An tanzen ist nicht mehr zu denken
Argento kreirt einen Albtraum in leuchtendem Rot, tiefsten Blau, schillernden Grün und stechendem Gelb, spielt mit den Farbtönen und der Beleuchtung in einem Maß und einer Qualität, dass es atemberaubend ist. In diesem wunderschön-bedrohlichem Bilderrausch gehen die grandiosen Einstellungen und Kamerafahrten fast unter, so dominierend und faszinierend ist Argentos Farbenspiel. Aber eben nur fast. Schon allein optisch ist "Suspiria" ein Hochgenuss der besonderen Art, speziell im Finale wird aus allen Rohren gefeuert, einfach unglaublich. Doch es gibt auch ordentlich was auf die Ohren. Der Score von Goblin & Argento ist so verstörend, bizarr, unheimlich und beängstigend-schön. Diesem audio-visuellen Strudel lässt sich nicht entziehen, er saugt einen förmlich ein.

Keine Angst, der Vogel will nur spielen
Atmosphärisch ist "Suspiria" wie kein zweiter, das sollte mit eigenen Augen und Ohren erlebt werden, beschreiben lässt sich das kaum. Die Stimmung presst einen in den Sessel, die Spannung steigt minütlich, ohne das Argento Tempo und Bodycount rasend voran treiben lassen, womit sich weniger talentierte Regisseure oft retten müssen. Die wenigen Mordszenen sind dafür so deftig und großartig inszeniert, dass die FSK da immer noch ein Problem mit hat, nachvollziehbar (nicht weil es angemessen wäre, nur am Standard der Spaßbremsen gemessen).


Mir fehlen leicht die passenden Worte für diesen Killer von einem Film, mit absoluter Sicherheit einer der besten Genrefilme überhaupt und wahrscheinlich Argentos Meisterstück. Zumindest kaum vorstellbar, wie das noch zu übertreffen ist. Heute schafft er das bestimmt nicht mehr, aber das ist ein anderes, trauriges Kapitel.


10 von 10 blutgetränkten Ballerinas

Review: HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT - Der vergessenen Genrefilm made in germany

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Fakten:
Hexen bis aufs Blut gequält (aka The Mark of the Devil)
BRD, AT, GB, 1970. Regie: Michael Armstrong. Buch: Michael Armstrong, Adrian Hoven. Mit: Udo Kier, Herbert Lom, Olivera Katarina, Reggie Nalder, Herbert Fux, Johannes Buzalski, Michael Maien, Gaby Fuchs u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Österreich, Anfang des 18. Jahrhunderts. Im Namen der Kirche werden Frauen als Hexen verfolgt und auf brutalste Weise gefoltert. Zu den gefürchtetsten Hexenjägern gehört Lord Cumberland. Sein Schüler, der junge Christian de Meron, bekommt immer mehr Zweifeln am Tun seines Herrn. Er verliebt sich in die schöne Gastwirtin Vanessa, die aber ebenfalls der Hexerei beschuldigt wird…


                                            
 
Meinung:
Heutzutage wird (nicht unbegründet) viel gejammert, dass es kaum deutsche Genrefilme gibt. Ein seltenes Exemplar ist "Hexen bis aufs Blut gequält" von 1970. Wie damals im europäischen Raum nicht unüblich handelt es sich zwar um eine internationale und für den globalen Markt in Englisch gedrehte Co-Produktion, in erster Linie ist es jedoch ein deutsch/österreichischer Film, der (wenn man den Worten von Udo Kier glauben kann) auch heute noch in den USA vertrieben wird, was ja nicht selbstverständlich ist.

 
"Diagnose?" - "Hexe!!!"
Mein neues Lieblingslabel TURBINE hat ihn letztes Jahr, neben "TCM 2" und "Last House on the Left", in schicker Aufmachung, restauriert und ungeschnitten wieder aufgelegt. Leider ereilte ihn das gleiche Schicksal wie eben den anderen Neuauflagen. Im Gegensatz zum ersten "TCM" konnte keiner der drei Filme in der Form für den deutschen Markt durchgeboxt werden und erschien, offiziell, nur in Österreich. Diese FSK, schlimm...




Tja, hübsch abgehangen, selbst Schuld
Lohnt sich denn die Anschaffung? In meinen Augen auf jeden Fall, mal ganz abgesehen von dem mal wieder liebevollen Drumherum (obwohl das Bonusmaterial im Vergleich zu den anderen Veröffentlichung etwas schmaler ausfällt, aber das lässt sich auch nicht zu jedem Film aus den Rippen schnitzen). Der Film an sich gefällt mir ziemlich gut. Die Thematik der im Namen Gottes geführten Hexenjagd, Folter und Verurteilung ist eines der dunkelsten Kapitel der zivilisierten Welt und wird hier in seiner gesamten Grausamkeit und Absurdität aufgezeigt. Ja, sicher ist "Hexen bis aufs Blut gequält", das verrät ja schon der Titel, ein früher Exploitation-Film, sein historischer Hintergrund dient natürlich in erster Linie als Aufhänger. Wobei sich die hier gezeigten Greultaten natürlich wirklich an den Tatsachen orientieren und wahrscheinlich nicht mal so schlimm darstellt, wie dieser Irrsinn damals wirklich, über Jahrhunderte hinweg und ganz legal, zelebriert wurde. Genau das gefällt mir sehr an den Film, er lockt zwar mit seinen harten Szenen, erzählt dabei aber durchaus ein Stück Geschichte, das so auch glaubhaft verkauft wird. Das liegt auch an der guten Inszenierung von Michael Armstrong. Die Ausstattung und Sets wirken authentisch, die Musik ist super und die Darsteller ziemlich gut. Für Udo Kier war es sein erster Farbfilm und eine seiner ersten Hauptrollen und irgendwie finde ich es schade, dass er seit Jahren nur noch von Lars von Trier für anspruchsvollere Produktionen ausgegraben wird. Der Typ hat echt Ausstrahlung. Aber auch Herbert Lom und Herbert Fux geben eine richtig gute Figur ab. 

 

"Hexen bis aufs Blut gequält" war, ist und bleibt eine Genrefilm, da bringt es auch nichts, zu Beginn darauf hinzuweisen, man würde hier tatsächlich passierte Fälle nachstellen, sicher um ihn etwas aus seiner Nische rauszuholen, aber möglich ist das durchaus. Es ist dabei jedoch ein wirklich guter Genrefilm, der sich nicht nur durch seine schonunglosen Folterszenen, sondern im mindestens ebenbürtigen Maße durch seinen Hintergrund und seine gute Umsetzung über die Zeit gehalten hat. 

7 von 10 Scheiterhaufen