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Review: DAS STENDHAL SYNDROM - Alfred meets Argento

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Fakten:
Das Stendhal Syndrom (La sindrome de Stendhal)
IT, 1996. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Franco Ferrini, Graziella Magherini (Vorlage). Mit: Asia Argento, Thomas Kretschmann, Marco Leonardi, Luigi Diberti, Paolo Bonacelli, Julien Lambroschini, John Quentin, Franco Diogene u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Während des Besuches einer Kunstgalerie in Florenz fällt Anna durch die Eindrücke der Gemälde in einen Trancezustand. Von einer kurzzeitigen Amnesie befallen geleitet sie ein Fremder zu ihrem Hotel. Dort wird sie sich erst bewusst, dass sie eine Polizistin ist, die auf der Spur eines Serienvergewaltiger- und Mörders ist. Genau dieser taucht nun in ihrem Zimmer auf…

     
                                                                                          
Meinung:
„Du musst mir helfen ihn los zu werden!“

Das Schaffen des Dario Argento lässt sich grob in zwei Kapitel einteilen: Von seinem Regiedebüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ (1970) bis „Terror in der Oper“ (1987) gab es keine (international veröffentlichte) Aussetzer, danach wenig Brauchbares. Sein erster Spielfilm der 90er, „Trauma“, wurde dem deutschen Titel sehr gerecht. Bei „Das Stendhal Syndrom“ bewegt sich Argento schon wieder einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung, was leider kein Dauerzustand bleiben sollte. Während sich Argento bereits bei „Trauma“ grundsätzlich von dem erprobten Gerüst des Giallo und Horrorfilms ansatzweise entfernte, an dem Übergang hin zum surrealen Psychothriller aber gnadenlos scheiterte, gelingt ihm dieser Spagat nun deutlich besser, um Längen. Wenn man grobmotorische Schnitzer und einige unglückliche Details komplett ausklammert, „Das Stendhal Syndrom“ passt fast nahtlos in seine Episode 1.


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Hilfe, der Busen blutet...
Das wesentliche Problem des Films: Er braucht zu lange um auf den (wichtigen) Punkt zu kommen bzw. füllt die Zeit mit schwächelnden Details, was das fesselnde Finale nicht gänzlich aufheben kann. Argento lässt sich sicher auch zu früh in die Karten gucken, da besteht der klare Unterschied zu Alfred Hitchcock, den er hier überdeutlich (im prägenden Moment dafür gekonnt) zitiert. Der Meister verstand es entweder auf ein perfektes Finale hinzusteuern oder den Weg bis dahin entsprechend zu schmücken. Argento ist abseits seiner atmosphärischen Klasse eher ein Grobmotoriker, was hinlänglich bekannt sein dürfte, verglichen mit seinen sonstigen Ausflügen aus dem albtraumhaften, selbsterschaffenen Mikrokosmos ist „Das Stendhal Syndrom“ nur knapp an der Reifeprüfung gescheitert. Die kleinen, feinen Unterschiede sind es, die eine allgemein prickelnde Hommage an den dicken Engländer, dessen Ziehsohn De Palma und sich selbst nicht ganz kurz, nur insgesamt auf der Zielgeraden schwächeln lassen. Im Schlussspurt dreht „Das Stendhal Syndrom“ deutlich auf, zwischendurch werden Meter verschenkt.


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Kretsche geht ein Licht auf...
Der Beginn – in einer Kunstgalerie – lässt Erinnerungen an „Dressed to Kill“ zu, der selbst auf Werken von Hitchcock aufbaute. Es ist nur an kurzer Anflug auf De Palma und ob das tatsächlich so geplant war, lässt sich nur vermuten. Denn eigentlich orientiert sich Argento an Hitchcock’s „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“, aber wenn das eine Doppel-Hommage sein sollte, Hut ab. Prinzipiell würfelt Dario zwischen mutig, experimentell, waghalsig und (mal mehr, mal weniger) gekonnt sämtliche Einflüsse der Buchvorlage, seines eigenes Schaffens und dem der Kollegen durcheinander, dementsprechend lässt sich „Das Stendhal Syndrom“ zunächst schwer genau lokalisieren. Das Bilderrätsel als Leitmotiv war schon bei dem eigenem Debüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ wie seinem Giallo-Prunkstück „Profondo Rosso – Die Farbe des Todes“ Dreh- und Angelpunkt, hier dienen die Gemälde als Brecheisen zu den vernagelten Toren von Erinnerung, Verdrängung und Unterbewusstsein. Teilweise an erst merkwürdige Bruchstücke gekoppelt ergibt sich nach und nach ein durchaus spannend gestaltetes Bild einer schizoiden Persönlichkeit, was eine Art Umkehrung dem von „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ nahekommt. Hier aus rein weiblicher und direkter Perspektive präsentiert, angereichert mit einem Querschnitt durch die Genres. Von Serienkillerfilm im Stil von „Manhunter“ (Thomas „Razorblade“ Kretschmann schwankt in seiner Darstellung unberechenbar zwischen überkandidelter Witzfigur zu perversem Schreckgespenst  à la Francis Dolarhyde), zu radikalem Rape & Revenge, minimal-stilistischen Giallo-Zutaten bis hin zu besagter, inhaltlich anvisierten Huldigung.


„Das Stendhal Syndrom“ ist lange Zeit eher ein interessanter, mitunter holperiger Mischmasch, den man kaum einordnen kann und will, bis er etwas zu früh seine Intention offenbart. Die ist allerdings nicht dumm, nur zu wenig fundiert wie fokussiert. An Hitchcock-Niveau gescheitert, als Versuch und durchaus interessierter Variable aller Ehren wert, genau durch seine manchmal krude, nicht unbedingt logische, aber immer reizvolle, spannende Variation mit harter und sexueller (Identität spielender) Note. Selbst Töchterlein Daria Argento kann halbwegs überzeugen, wenn das mal nichts ist. Die zwischen unerprobt und albern einzustufenden CGI-Einlagen hätte man sich aber lieber erspart, visuell gewinnt der Film keine Preise. Schade, denn wenn sich Kunst und Realität verschmelzen, hat auch dieses Werk seine Momente, da stören die angestaubten Effekte keinesfalls. „Das Stendhal Syndrom“ würde in der ersten Ära Argento nur eine kleinere Rolle spielen, in der Pre-OPERA-Phase aber ein deutlicher Lichtblick. Wenn die gesamten 2 Stunden so rund laufen würden wie der Endspurt  - oder das Ganze auf eine kompaktere, effektivere Version getrimmt -, eventuell ein Argento auf Augenhöhe. So knapp drunter aufgrund sichtlicher Macken, der Rest kann sich mehr als oft behauptet.

6,5 von 10 blutenden Lippen.

Review: DIE BARTHOLOMÄUSNACHT - Liebe, Tod und ganz viel Pathos

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Fakten:
Die Bartholomäusnacht (La reine Margot)
FR, IT, BRD, 1994. Regie: Patrice Chéreau. Buch: Danièle Thompson, Patrice Chéreau, Alexandre Dumas (Vorlage). Mit: Isabelle Adjani, Daniel Auteuil, Jean-Hugues Anglade, Vincent Perez, Virna Lisi, Dominique Blanc, Pascal Greggory, Claudio Amendola, Miguel Bosé, Asia Argento, Thomas Kretschmann, Julien Rassam, Jean-Claude Brialy u.a. Länge: 138/164 Minuten (Kinofassung/ungekürzte Fassung). FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Frankreich, 1572: In ganz Europa tobt ein Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten. Um die Lage zu entschärfen arrangiert Catherine de Médicis, die Mutter des labilen Königs Charles IX, eine Hochzeit zwischen ihrer Tochter Margot und ihrem protestantischen Vetter Henri de Navarre. Die Zwangsehe hat das Gegenteil zur Folge: Noch in der nächsten Nacht kommt es zur Eskalation, die Königsfamilie schlachtet die Anhänger von Henri ab und zwingt ihn zur Konvertierung. Dem Massaker entkommt La Môle, dank dem Schutz von Marguerite. Er flieht nach Amsterdam und plant mit seinen Verbündeten die Befreiung von Henri. Und von Marguerite, seiner heimlichen Geliebten.

                                                                                


Meinung:
„Deine Untertanen sind Tote bedeckt mit Erde oder Lebende bedeckt mit Schande!“

Nach dem Roman von Alexandre Dumas („Die drei Musketiere“) entstand 1994 dieses internationale Mammutprojekt, das seine Premiere auf den Filmfestspielen in Cannes feierte und mit rund 27 Millionen Euro (umgerechnet) selbst für heutige Verhältnisse ein ungewöhnlich aufwändiges Projekt darstellt, gemessen am sonstigen Budgetrahmen in Europa. Starbesetzt zudem, u.a. mit Isabelle Adjani, Daniel Auteuil, Jean-Hugues Anglade, Vincent Perez, Virna Lisi und Argento´s Dracula-Duo des Grauens, Thomas Kretschmann & Asia Argento, beide hier allerdings mit ansprechenden Leistungen, was bei Asia schon einen Meilenstein darstellt. 


Ehe ist...manchmal ungünstig konzipiert.
Die Verfilmung stützt sich in seinem Rahmen auf historische Tatsachen, die titelgebende Bartholomäusnacht, die groben Fakten sowie die beteiligten Personen gab es wirklich, für den dramatischen Effekt wurde selbstverständlich reichlich dazu gedichtet, was völlig okay ist. Wer jetzt meint, das unglaubliche Massaker jener Nacht - das die Straßen von Paris in ein Massengrab verwandelte -  würde als Höhepunkt des Films herhalten, der irrt. Nach dem Abschlachten von tausenden Protestanten durch die Hand der Königsfamilie warten fast noch zwei Stunden auf den Zuschauer, zumindest in der ungekürzten Fassung. Dieses martialische Blutbad bildet nur ein Zwischenhoch des Films, der sich von Beginn an prunkvoll und detailliert präsentiert, den Einstieg für Nichtkenner der literarischen Vorlage oder der realen Begebenheiten dabei eher schwierig bzw. fordernd gestaltet. Texteinblendungen bieten die dringend benötigten Backupinfos, dazu wird man mit zahlreichen Figuren und Namen bombardiert, die man erstmal unter einen Hut und deren jeweiligen Beziehungen zueinander bekommen muss. Letztlich rücken jedoch die entscheidenden Personen in den Fokus, wie die (im Original) titelgebende Margot, gespielt von Isabelle Adjani,  eigentlich deutlich zu alt für die Rolle mit knapp 40 Jahren. Dafür ist sie von ihren Anlagen perfekt für den Part, denn wenn etwas bei „Die Bartholomäusnacht“ negativ heraussticht, dann der Hang zu deutlichen Theatralik.


Geschichte wird mit Blut geschrieben.
Adjani in ihrem Element: Augen auf und los. Nicht falsch verstehen, das kann sie toll und wenn es der Rahmen eines Films erfordert, ist sie erste Wahl. „Die Bartholomäusnacht“ gibt sich dem großen Drama und den überkochenden Emotionen hin, unterlegt von sakralen Chören, um auch bloß jede Tragweite dieser großen Tragödie nicht untergehen zu lassen. Damit wird so dick aufgetragen, irgendwann ist auch mal gut. Sicher auch der Vorlage von Alexandre Dumas geschuldet, der Film will dessen Geist sicher möglichst korrekt wiedergeben und die Geschichte bietet natürlich reichlich an Seifenoper-Potenzial, dabei dargeboten auf hohem Niveau. Wie „Game of Thrones“, wenn man mal ehrlich ist. Da wird gelitten, getötet, geschmachtet und geliebt, werden Intrigen und Verschwörungen gesponnen, Zwangsehen zu Zweckgemeinschaften; zu Bündnissen; zu Affären; zu Konfliktpotenzial. Der Film gibt in seiner emotionalen Bandbreite alles und in den rund 160 Minuten (Kritik bezogen auf die Langfassung) passiert eigentlich dauernd etwas, nur ganz frei von narrativen Längen ist er trotzdem nicht. Es zieht sich ab und an, die emotionale Dauerbeschallung wird mitunter arg überstrapaziert, aber wenn der Film mitnimmt, dann macht er das sehr richtig. Man möge sich diesen Stoff mal nur als Hollywood-Variante vorstellen. Er wäre wahrscheinlich noch opulenter vorgetragen, dabei ohne die Authentizität, den ganzen Schmutz, Dreck und besonders die wenig verschönenden Darstellungen von sexuellen Ausschweifungen, bei der es von der harmlosen Entblößung weiblicher Geschlechtsmerkmale bis zu der brisanten (aber historisch korrekten) Thematisierung von selbstverständlichem Inzest in der „High-Society“ dieser Zeit.


Dazu kommen mitunter packende Szenen. Die Nacht der tausend Leichen ist schon mitreißend, schonungslos vorgetragen, besonders überzeugen aber die exzellenten Darsteller. Neben Adjani sind es Virna Lisi in der Rolle des manipulativen Muttertiers, die angeblich den Frieden herbeistrebt, dafür pausenlos das Unheil anzettelt und Jean-Hugues Anglade, der als labiles Nervenbündel von einem theoretisch entmachteten Königs eine Glanzleistung liefert, in der er buchstäblich Blut schwitzt. Zugegeben, der Film macht es einem nicht immer ganz leicht, strengt manchmal eher unnötig an, ist in seiner Opulenz und Hingabe dafür beeindruckend und als europäischer Gegenentwurf zum Big-Budget-Kino aus den USA mehr als nur ein Versuch. Nicht perfekt, aber bemerkenswert. 

6,5 von 10 klebrigen Buchseiten

Review: DRACULA 3D - Ein Pflock durchs Herz der treuesten Fans

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Fakten:
Dracula 3D
IT, ES, FR, 2012. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Enrique Cerezo, Stefano Piani, Antonio Tentori, Bram Stoker (Vorlage). Mit: Thomas Kretschmann, Marta Gastini, Asia Argento, Rutger Hauer, Unax Ugalde, Miriam Giovanelli, Giovanni Franzoni, Maria Cristina Heller, Augusto Zucchi u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Ab dem 28. August auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Die klassische Dracula-Geschichte: Jonathan Harker reißt geschäftlich nach Transsylvanien, um einen Vertrag mit Graf Dracula zu schließen, nichts ahnend, dass es sich bei dem Grafen um einen mächtigen Vampir handelt. Als dieser ein Bild von Harker’s Verlobten Mina entdeckt, erkennt er ein genaues Ebenbild seiner verstorbenen Geliebten. Er muss diese Frau besitzen und macht sich auf die Suche nach ihr. Viele Tote werden folgen und reichlich Blut fließen.





Meinung:
„Sich gegen mich zu stellen ist eine Dummheit.“

…sprach der Kretsche, in der Rolle seines Lebens. Na, wenn er meint. Was hier noch alles eine Dummheit ist und was davon die Größte, lässt sich gar nicht alles aufzählen oder gar in ein Ranking packen. Zumindest ist eindeutig, wer wohl am dümmsten aus der Wäsche gucken dürfte (mal abgesehen von Thomas Kretschmann und DAS ist nun echt nicht einfach): Die armen, armen Zuschauer. Selbst die, die den Werdegang des einstigen Genies Dario Argento in den letzten Jahren mit tiefer Trauer mitverfolgt haben und somit auf das Schlimmste vorbereitet sein sollten. So unglaublich das klingt, selbst das wird noch über- bzw. unterboten.


Fotogen und extrem geschmeidig: Der Kretschula.
Was auch immer mit Argento passiert ist, es scheint nicht nur unheilbar, es wird sogar immer schlimmer. Eine Aufzählung seiner großen Werke und Erläuterung derer Qualitäten muss an dieser Stelle nicht sein, damit hat seine Dracula-Vergewaltigung ohnehin überhaupt nichts mehr zu tun. So rein gar nichts. Nullkommanichts. Von seiner einstigen, inszenatorischen Finesse sind nicht mal Bruchstücke übrig geblieben. Der große Geschichtenerzähler war er eh nie, konnte das dafür mit seinen handwerklichen Fähigkeiten und der einzigartigen, kreativen Bildsprache mühelos auffangen. Davon kann in diesem speziellen Fall nicht gerade die Rede sein. Ein dreidimensionales Bauerntheater, das sich zwar erstaunlich nah an der Vorlage von Bram Stoker langhangelt, sie dennoch durch seine dilettantische Umsetzung heftig misshandelt. Theoretisch waren nur wenige der unzähligen Adaptionen – weder die Versionen von Murnau, Browning, Fisher oder Herzog, um nur die Prominenz zu nennen – „korrekter“ im Ablauf, lediglich die von Coppola. Allerdings nur theoretisch. Tatsächlich könnte eine Dracula-Verfilmung nicht schlimmer sein. Hier stimmt ja wirklich gar nichts. Fängt schon bei dem grauenhaften Set-Design an. Düster und schaurig trifft nur auf die Gesamtqualität des Films zu, nicht auf diese spärlichen Kulissen und die völlig überfrachtete Beleuchtung, die den Eindruck vermittelt, man hätte das im Hochsommer auf Mallorca gedreht. Fehlt eigentlich nur noch der Eisverkäufer und die Hütchenspieler, dann wäre das Bild rund.


Selbst die Requisiten muss man sich basteln, das trübt die Stimmung.
Sieht schon mal kacke aus, wenn das nur alles wäre. Die plan- und sinnlos ausgekotzten 3D-Effekte und die darauf zurückzuführende, künstliche Plastikoptik sind eine Zumutung, selten waren sich Argento und Asylum näher. Beim CGI schießt der Streifen dann endgültig die Fledermaus ab. Wild spritzendes Computerblut und die wohl lachhaftesten Tierdarstellungen seit „Sharknado“ lassen einen ungläubig, fassungslos und peinlich berührt nach Luft schnappen. Kretschula ist in Eulen- und Wolfsgestallt oder als Herr der Fliegen schon erbärmlich, aber das Beste kommt noch: Die Heuschrecke. Spätestens dann (natürlich schon viel früher, nur jetzt führt kein Weg mehr dran vorbei) stellt sich komplette Verwirrung ein, was denn genau Argento überhaupt vorschwebte. Es ist nicht im geringsten Maße zu erkennen. Nie und nimmer sollte das eine Trash-Veranstaltung werden, die bierselig abgefeiert wird. Das verbittet sich auch, selbst für so was nicht mal ansatzweise zu gebrauchen. Maximal Scham und Mitleid empfindet man für diesen Offenbarungseid. Als Krönung dieses Desasters blamiert sich Thomas Kretschmann mit seiner lächerlichen, lustlosen und einfach nur schrecklichen Imitation einer Dracula-Darstellung bis auf die Eckzähne. So sehr er in seiner internationalen Karriere schon ins Klo gegriffen hat, meistens konnte man das noch auf den Mangel an vernünftigen Rollen schieben. Bei so was gelten keine Entschuldigungen mehr. Zu Asia Argento muss sowieso nichts mehr gesagt werden. Außer, dass Papa Argento nun schon gar keine Hemmungen mehr hat, seine Tochter vollkommen sinnlos blank ziehen zu lassen. An alle Väter dieser Welt: Wer macht denn so was? Wie befremdlich muss das für normale Menschen am Set gewirkt haben (wenn denn welche anwesend waren, kaum zu glauben)? „Schatz, mehr Nippel.“ Oh Gott. Als wenn das alles nicht schon scheußlich genug wäre, nach 70 Minuten wird dann auch noch der bemitleidenswerte Rutger Hauer als Van Helsing vor die Kamera geschuppst. Ist ja nicht das erste Mal, dass der gute Hauer sich für so einen Schrott (gerne auch mit Vampiren) hergeben muss, diesmal scheint man ihm sogar anzusehen, wie unangenehm ihm dieser Quatsch ist. Als einzige (noch) fähige Person in dieser Produktion wird er wie die Sau durchs Minenfeld gejagt, mit einem dillirischen Argento als Sprengmeister.


Es hatte sich schon lange angedeutet, dass ist der endgültige Beweis: Dario Argento hat ganz offiziell den Verstand verloren. Andere Erklärungsansätze greifen nicht mehr. Konnte man selbst bei Gurken zumindest noch grob erkennen, was er wohl vor hatte und zumindest rudimentär mal konnte, alles vorbei. So traurig das ist und obwohl der Point-of-no-Return schon lange überschritten wurde: Dario, lass es gut sein. Dreh bitte keine Filme mehr. Nie wieder. Nochmal so was erträgt niemand mehr. Irgendwann ist sich sogar die Asia dafür zu schade. Selbst das scheint nicht mehr unmöglich.

0,5 von 10 ausgebluteten Genies

Review: TRAUMA - Im Schatten des eigenen Genies

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Fakten:
Trauma (Aura)
IT, USA, 1993. Regie: Dario Argento. Buch: Franco Ferrini, Gianni Romoli, Dario Argento, Ted Klein, Ruth Jessup. Mit: Christopher Rydell, Asia Argento, James Russo, Piper Laurie, Frederic Forrest, Brad Dourif, Dominique Serrand, Isabell Monk u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
David rettet den Teenager Aura vor einem Selbstmordversuch. Das verstörte Mädchen wir zurück in ihr Elternhaus gebracht, wo ihre Mutter, ein Medium, am selben Abend eine Séance durchführt, um einen Serienkiller aufzuspüren. Dieser enthauptet Aura’s Eltern kurz darauf. David nimmt sich dem Mädchen an, ihre Suche nach dem „Kopfmörder“ führt zu einem erstaunlichen Ende…




Meinung:
Der Genre-Traum ist aus, der Giallo tot und begraben und niemand anderes als Dario Argento nagelt sich gleich mit ans Kreuz. Bezeichnend, dass ausgerechnet einer der Meister dieses Fachs unverkennbar aufzeigt, dass die Glanzzeiten vorbei waren und selbst ein einstiger Magier nur noch tote Karnickel aus dem verstaubten Zylinder zu zaubern vermag.


"Ich kann das Köpfchen sehen..."
Mit „Terror in der Oper“ setzte Argento 1987 ein letztes Ausrufezeichen, als das Genre eigentlich schon brach lag. Die in ihn gesetzten Hoffnungen, doch noch die einstige Schmuddel-Kunstform reanimieren zu können, demontiert er mit „Trauma“ eindrucksvoll (?) selbst. Der (deutsche) Titel ist Programm und böses Omen zugleich. Maximal lässt sich diesem Humbug anrechnen, dass Argento durchaus versucht, den Geist seiner früheren Filme aufleben zu lassen. Problematisch: Er scheint sein Handwerk komplett verlernt zu haben. Von ausgeklügelter Finesse und inszenatorischer Kunst keine Spur, eher gelingt ihm ein schon einzigartiges Kunststück: Er kopiert sich so unbeholfen und planlos selbst, als wenn er im Laufe der Jahre zu seinem eigenen, enthusiastischen, allerdings untalentierten Fan-Boy mutiert wäre. Wenn man dagegen die unglaublich billige und dilettantische Hommage „Symphony in Blood Red“ von Luigi Pastore aus dem Jahr 2010 sieht, ist das hier nur rein theoretisch besser. Praktisch auf dem gleichen „Niveau“. Während ein Pastore mit sichtlich unzureichenden Mitteln und sehr begrenztem Talent sich ehrwürdig vor dem alten Schaffen des Argento verbeugte – und aufgrund von Unfähigkeit einfach umkippte -, will das große Vorbild offensichtlich an seine besten Zeiten anknüpfen, scheint nur gänzlich vergessen zu haben, was denn daran mal so grandios war. Von visuellen und akustischen Glanzleistungen ist das so meilenweit entfernt wie von einer schlüssigen Geschichte, die nicht mal als Kriterium von Relevanz ist, bezogen auf das Sujet.


Reif für die Klinik: Asia Argento.
„Trauma“ taumelt tapsig zwischen einer völlig haarsträubenden Geschichte, miserablen (Haupt)Darstellern (angeführt vom holden Töchterlein Asia Argento, mit der der stolze Papa öfter ohne objektives Auge seine Filme noch zusätzlich verhunzt, eine Zumutung sondergleichen), kränklich bemühten Referenzen an die eigenen Werke und – so traurig das ist – handwerklichen Armutszeugnissen, dass es einem nicht mal in den Sinn kommt, sich die wenigen (nennen wir es mal) Vorzügen schön zureden. Klar, narrativ wie von der Story generell ist das nicht wesentlich besser oder schlechter als zwanzig Jahre zuvor, nur spielte das damals keine Geige. Gelegentliche Ego-Perspektiven erinnern noch am ehesten an die glorreichen Zeiten, von genialen Inszenierungstechniken sonst keine Spur, teilweise mies geschnitten, kein experimentelles Spiel mit Kamera und Ausleuchtung, unspektakuläre, hastige Mordszenen, von denen höchstens die Erste noch eine Chance auf mehr versprüht. Ab dann stehen eher die krude, wirre Handlung, eine Menge unfreiwilliger (und in dem Fall eher Galgen-)Humor im Fokus, inklusive total deplatzierter Kinder-Krimi-Einlagen, Kalle Blomquist im Giallo, auch nur eine Randerscheinung, dafür total daneben. Es ist schmerzlich zu spüren, wie Argento sich an dem eigenen Output versucht, ohne jemals auch nur dessen Klasse zu tangieren. Als wenn hier eine ganz anderer Mann am Werk wäre, womit wir wieder beim Luigi Pastore-Vergleich wären. Technisch klar besser, gemessen am allgemeinen Rahmen deshalb nicht weniger schlimm.


Zu allem Überfluss werden hier sogar (halbwegs) bekannte und nicht gerade schlechte US-B-Stars gnadenlos verpulvert. James Russo („Es war einmal in Amerika“, „Unter Brüdern“), Brad Dourif („Einer flog über das Kuckucksnest“, „Chucky – Die Mörderpuppe“ und noch viel mehr), Frederic Forrest ("Apocalypse Now") oder Piper Laurie („Carrie – Des Satans jüngste Tochter“) verkommen zu Knallchargen, die wohl alle gerne mit der Legende drehen wollten und dann so was dafür bekamen. Retro-Ansatz hin oder her, scheinbar verpasste Argento den Punkt, um den Charme vergangener Zeiten mit halbwegs modernen Mitteln zu kreuzen, die Chimäre daraus ist eine Totgeburt. Verpatzt seine möglichen Stärken und lässt nur noch einen peinlich berührten Blick auf seine offenkundigen Schwächen. Hätte der Mann genau diese Geschichte zwanzig Jahre vorher mit dem damaligen Esprit und Können gedreht, so was von egal. Die Zeiten waren vorbei, der drastische Beweis.

3 von 10 abgetrennten Köpfen

Review: DANCE OF THE DEMONS 1 & 2 - Deutlicher Klassenunterschied zwischen Kino und TV

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Fakten:
Dance of the Demons (Dèmoni)
IT, 1985. Regie: Lamberto Bava. Buch: Dardano Sacchetti, Dario Argento, Lamberto Bava, Franco Ferrini. Mit: Urbano Barberini, Natasha Hovey, Karl Zinny, Fiore Argento, Paola Cozzo, Fabiola Toledo, Nicoletta Elmi u.a. Länge: 85 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In einem berliner Kino findet die Premiere eines Films statt, der sich um mörderische Dämonen dreht. Während der Vorführung kommt es zeitgleich mit der Handlung im Film auch in der Realität zum Ausbruch einer Dämonenplage. Die panische Menge wird im Kino eingeschlossen und die sich rasch vermehrenden Höllenwesen richten ein Blutbad an.









Meinung:
Kostengünstiges, arg trashiges, dafür kanckiges und tierisch unterhaltsames 80er-Splatter-Kino von Lamberto Bava, Sohn von Genrelegende Mario Bava, produziert und mitgeschrieben vom (damals noch) großen Dario Argento.


Die Stars kommen persönlich zur Premiere.
Was geht da ab? Berlin erweißt sich als böse Touristenfalle (keine der Figuren scheint aus Deutschland zu stammen). Die Gäste einer Kinopremiere erleben ihr blutiges Wunder, als der gezeigt Film plötzlich Realität wird. Wie im Film setzt sich eine Bordsteinschwalbe fatalerweise eine Maske auf, die sie in einen herrlich widerlichen Dämon verwandelt. Ab dann geht die wilde Hatz los: Das ahnungslose Publikum ist zum Abschlachten freigegeben. Jeder kleinste dämonische Kratzer (die oft ein wenig mehr als nur klein sind) lässt das Opfer auch zum Dämon werden, das Dämon-Mensch-Verhältnis im Kino ist bald im Ungleichgewicht. Blöd, das die bald panische Masse zu allem Überfluss auch noch im Kino eingesperrt ist (blöd für die, nicht für uns).


So sehen Helden aus.
Lamberto Bava feuert nun aus allen Splatter-Rohren, "Dèmoni" nimmt richtig Fahrt auf und macht einen Heidenspaß. Masken und Effekte sind (selbstverständlich nur in anbetracht der Mittel) hervorragend, die Dämonen richtig eklig-schleimig und das Tempo rasant. Eine wüste Sauerei, sehr anständig gefilmt, mit bösem Augenzwinkern und bretterndem 80er-Heavy-Metal-Soundtrack. Das darf man bitte nicht zu ernst nehmen, funktioniert dann prima. Highlight ist sicherlich eine epische Schlacht mit Motorrad und Schwert quer durchs Kino, getoppt von einem Hubschrauberabsturz mitten in den Saal. Was will man denn mehr?


Freunde des deftigen handmade Gorefilms der einfach nur Spaß machen will, 80er-Schick und Coca aus der Coke-Dose, immer herein spaziert. Kurzweiliger Schweinkram, den es heute viel zu selten gibt, muss ja alles immer so schrecklich ernst gemeint sein. 

7 von 10 Sondervorstellungen.




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Fakten:
Dance of the Demons 2 (Dèmoni 2...l’incubo ritorna)
IT, 1986. Regie: Lamberto Bava. Buch: Dario Argento, Lamberto Bava, Franco Ferrini, Dardano Sacchetti. Mit: David Knight, Nancy Brilli, Coralina Cataldi-Tassoni, Bobby Rhodes, Asia Argento, Virginia Bryant, Anita Bartolucci u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In einem hamburger Hochhaus feiert Sally gerade ihren Geburtstag, als über die Fernsehmattscheiben eine Sendung flimmert, die vier junge Leute auf der Suche nach den Überresten der Dämonenplage von Berlin zeigt. Als diese fündig werden, tritt das Grauen durch den Bildschirm. Der Strom fällt aus, das Gebäude ist abgeriegelt und die Bewohner dem blutigen Treiben hoffnungslos ausgeliefert.


                                                                    


Meinung:
Ein Jahr nach den Vorfällen in einem berliner Kino fallen die sich rapide vermehrenden Dämonen über einen Wohnkomplex in Hamburg her. Könnte ebenso Spaß machen wie der Erstling, mehr als bösartig-trashigen Splatter-Spaß hatte der ja eigentlich auch nicht zu bieten, nur an „Dèmoni 2“ erkennt man leider, dass selbst so was eine Kunst für sich ist. 


Man muss nicht alle Kinder lieb haben.
Die Handlung kommt viel zu träge aus dem Quark und auch wenn die Dämonen endlich das Hochhaus in ein Schlachtfeld verwandeln, fehlt es erstaunlich deutlich an Drive und Durchschlagskraft. Das Mordstempo des Vorgängers wird nie erreicht, witzige Einfälle sind (mit kleiner Ausnahme: Der Terrier aus der Hölle) ebenfalls Mangelware (man denke nur an die Motorradszene ein Jahr zuvor) und selbst die Effekte wirken schlechter. Kaum zu glauben, sogar der Gore-Faktor wurde stark reduziert. Verglichen mit der Sauerei des Originals ist das „relativ“ harmlos. Da bleibt dann natürlich viel Verschnaufzeit, um sich an den katastrophalen Darstellern und einigen Merkwürdigkeiten zu stören (bereits erwähnter Terrier kann durch einen Türspion gucken, kann sich scheinbar enorm strecken, Bodybuilder flüchten noch mit der Hantel in der Hand, gutes Training, usw.). Dadurch ist zwar ein minimaler Unterhaltungswert gegeben und einige Szenen sind auch noch ganz stimming gefilmt, insgesamt ist das dennoch eine weit weniger charmante und um einiges blödere (im negativen Sinne) Veranstaltung. Teilweise wird es schon arg lächerlich (der „geschlüpfte“ Dämon, wie aus einer Kindersendung, bald niedlich).


War „Dèmoni“ noch eine flotte Party-Bombe, ist „Dèmoni 2“ nur noch mit der sehr wohlwollenden Trash-Brille gerade so anzusehen. Gerade so...

5 von 10 dämonischen TV-Programmen.

Review: THE MOTHER OF TEARS - Der traurige Schlusspunkt

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Fakten:

The Mother of Tears (La terza madre)
IT, 2007. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Jace Anderson, Walter Fasano, Adam Gierasch, Simona Simonetti. Mit: Asia Argento, Cristian Solimeno, Adam James, Moran Atias, Valeria Cavalli, Philippe Leroy, Daria Nicolodi, Udo Kier, Coralina Cataldi-Tassoni u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bei Ausgrabungen in Rom wird eine alte Urne gefunden. Als sie im Museum geöffnet wird, bricht die Hölle aus. Studentin Sara wird Zeuge, wie ihre Kollegin von finsteren Gestalten in Stücke gerissen wird. Ab diesem Zeitpunkt herrscht in Rom das Chaos: Selbstmorde und gewalttätige Übergriffe schnellen in die Höhe. Sara selbst hört merkwürdige Stimmen und entdeckt, dass sie über geheimnisvolle Kräfte verfügt. Bald erfährt sie die Wahrheit: Durch das öffnen der Urne wurde die Mater Lacrimatum, die Mutter der Tränen, zum Leben erweckt. Hexen und Teufelsanbeter aus aller Welt pilgern in die ewige Stadt, um dem Untergang beizuwohnen.



                                                                               

Meinung: 
Sage und schreibe 27 Jahre brauchte Dario Argento, um endlich seine Mütter-Trilogie fertigzustellen. Was 1977 mit "Suspiria" genial begann und 1980 mit "Inferno" immerhin noch stilsicher und faszinierend fortgeführt wurde, endet in einem Desaster. Das Seniore Argento schon lange vorher sein Mojo scheinbar restlos aufgebraucht hatte, war ja kein Geheimnis, doch das ausgerechnet dieser, so lange erwartete, Abschluss nun die Realität eindrucksvoll untermauert, schmerzt schon erheblich.


Der Blick spricht Bände
Was ist da bloß passiert? Aus einem inszenatorischen Genie, der mit seinen abstrakten, expressionistischen Stilmitteln selbst das dümmste Script noch in Gold verwandeln konnte, ist ein blutleerer, altersschwacher, kreativ-impotenter Schauer-Onkel geworden. Von seiner außergewöhnlichen, meisterhaften Bildsprache, seinem Gespür für surreale Spannung und Atmosphäre, seinem Spiel mit der Angst vor dem Unerklärlichen und Unbekannten, ist nichts mehr übrig geblieben. Wer auf ein optisch-akustisches Vier-Gänge-Menü hofft, wird sang- und klanglos verhungern. Statt sich auf seine Klasse vergangener Tage zu berufen, kurbelt Argento ein völlig lieb- und planloses Okkultismus-Theater runter, wie es auch von Kalle-Arsch-XY hätte kommen können. Es wirkt bald so, als hätte Argento diesen Film einfach machen müssen, ohne dafür wirklich die Muse zu haben. Ist ja sogar möglich, warum hat es denn wohl sonst fast drei Jahrzehnte gedauert?


Die Indizien sind erdrückend...
Die Vorgänger, wie eigentlich alle guten Argentos, bezogen ihren Reiz durch die bizarre Stimmung, die kaum greifbare Bedrohung, die beinharte Atmosphäre und die unglaublich ausgeklügelten Mordsequenzen, hier gibt es nichts davon. Ohne seinen Bezug zu der Mütter-Trilogie wäre der Ramsch wohl niemals auf den Markt gekommen. Die Geschichte, an und für sich, bleibt das einzig Positive, denn nach wie vor besteht das Interesse, am Finale der teuflischen Schwestern beizuwohnen. Im Gegensatz zu den Vorgängern verläuft hier aber alles glatt nach Schema F, viel wird erklärt und nochmal aufgedröselt, wohl um Einsteiger bei der Stange zu halten, nur jegliche Surrealität geht total flöten. Selbst dann noch interessante Momente, wie z.B. die Welle der Gewalt, die Rom überrollt, wird nicht mal anständig umgesetzt.  Anstatt Spannung und Stimmung zieht Argento den letzten Joker: Gore.


Sexy-Hexy geht der Arsch auf Grundeis
Ja, blutig und explizit ist "The Mother of Tears", aber so gequält, da ja sonst nichts vorhanden ist. Argento splattert rum wie selten zuvor, ein Rettungsring der Einfallslosigkeit. Sonst gibt es gepflegte Langeweile, schlimme Darsteller (uns Udo Kier geht immer, aber die kleine Argento ist wohl auch nur wegen Papa an Bord), billig-peinliche CGI-Effekte (allein das in so einem Film) und Titten. Richtig, Brüste, weiblich. Gerne und auch vollkommen unpassend durch's Bild baumelnd, irgendwas muss ja Spaß machen. Nicht nur dadurch wird "The Mother of Tears" oft unfreiwillig komisch, was für einen Argento quasi ein Todesurteil ist. Da reicht es schon voll und ganz, auf das Finale zu verweisen. Gab es bei "Suspiria" und "Inferno" noch den Showdown mit der bitter-bösen Mutter, wirkt sie hier wie ein überschminktes Go-Go-Girl aus dem Sport1 Nachtprogramm. Überhaupt sehen alle Satansjünger aus wie Karikaturen eines Gothic-Konzerts und ziehen dementsprechend Grimassen. Richtig armeselig wird es, wenn Argento scheinbar kurz eingefallen ist, was seine Filme mal ausgemacht haben. Dann wird minimal mit der Beleuchtung gespielt und eine kleine Kamerafahrt eingebaut, dürfte in der Form jeder gelernte Regisseur beherrschen. Das sieht aus, als wenn ein Argento-Fan-Boy dem Meister eine Referenz erweisen wollte, dann wäre es ja ganz nett. So die Überreste einer Ikone.


Warum noch drei Punkte? Nun, wenn das ein eigenständiger Film von einem 08/15-Hansel für wenig Kohle gewesen wäre, na ja. Gemessen an dem, was Argento mal konnte und was dieser Film eigentlich sein sollte, eine Schande. Da sind 3 Punkte eine Art Konsensentscheidung.

3 von 10 Hexen-Möpsen