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Review: BIG ASS SPIDER! – Der Erbe King Kongs kommt auf acht Beinen

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Fakten:
Big Ass Spider!
USA. 2013. Regie: Mike Mendez. Buch: Gregory Gieras. Mit: Gren Grunberg, Lin Shaye, Patrick Bauchau, Ray Wise, Clare Kramer, Lombardo Boyar u.a. Länge: 80 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kammerjäger Alex staunt nicht schlecht als er im Krankenhaus das Opfer eines seltsamen Spinnenbisses sieht. Das Opfer war ein Angestellter eines geheimen Biowaffenlabors und genau aus dem ist eine „Wunderwaffe“ ausgebüxt und sorgt nun für Trouble in der Stadt. Kann Alex das Unheil stoppen?





Meinung:
Jeder kennt die längst zum festen Bestandteil unserer Popkultur avancierte Illustration, in der sich King Kong, eine echte Legende der Kinematographie, der Riesenaffe, verschrien als achtes Weltwunder, das sich in Wahrheit doch nur noch einmal in den Augen der blonden Maid verlieren wollte, an der Außenfassade des Empire State Bulding entlanghangelt und sich gegen die herben Angriffe der attackierenden Flugzeuge zu schützen versucht. Das Poster von „Big Ass Spider!“ ziert ein ähnlich angelegtes Bild, auf dem die titelgebende, genmanipulierte Riesenarachne ein markantes Gebäude in Los Angeles erklimmt und von den ungläubigen Bewohner – wie auch dem Zuschauer – aus der Ferne mit großen Augen aufgesaugt wird. Es ist der größte, eindrucksvollste Augenblick in „Big Ass Spider!“, der sich vorher nicht hinter der Offensichtlichkeit seines geringen Budgets verstecken konnte und in dieser Szene den CGI-Status einer unsäglichen Asylum-Produktion locker überwindet.


Wer sich hier nicht ans Tempolimit hält wird eingesponnen
Und mit Asylum sind wir auch gleich bei einem guten Stichwort angelangt: Zeichnen sich die Werke dieser Mockbusterschmiede wie beispielsweise „Titanic 2 – Die Rückkehr“ oder „Sharknado“ noch durch ihre grauenvoll trashige Einfältigkeit aus, die nicht mal mit einem Träger Starkbier zu ertragen sind, macht „Big Ass Spider“ seinen klaren Trashfundus zum effizienten Prinzip. Soll heißen, während also die Werke à la Asylum es nahezu krampfhaft versuchen, wenigstens einen minimalen Unterhaltungswert aus ihrem bewussten Müll ziehen können, an ihrer aufgesetzten Erbärmlichkeit aber fortwährend ersticken, weiß  Regisseur Mike Mendez „Big Ass Spider!“ immer den nötigen Unterhaltungsfaktor einzuschenken, weil nicht nur der Regisseur, sondern auch alle Beteiligten sich über ihr Format im Klaren sind und es durch reichlich Selbstironie genüsslich auflockern zu wissen. Die Schlechtigkeit ist intentional, und die daraus entstehende Meta-Ebene der luftige Aufhänger des Gezeigten.


Jose und Alex kennen kein Erbarmen
Dabei steht „Big Ass Spider!“ nicht nur für sich als ungebundenes Unikum, ein solcher Film kommt im Regelfall nicht ohne Referenzen an Klassiker aus, die er dann in seiner kläglichen Eigenart nach Lust und Laune parodieren möchte. Die Rechnung geht in vielen gleichartigen Stücken nicht auf, weil die Verspottung zu albern und ohne jedweden Charme auskommen muss. „Big Ass Spider!“ besitzt allerdings genau den Charme und macht es dem Zuschauer nicht nur leicht, seine Charaktere zu mögen, sondern auch die Gags in ihrer eigentlichen Auffassung – und die ist durchweg gutgemeint – inständig zu honorieren. „Big Ass Spider!“ ist nicht nur ein vergnügliches, gewiss intendiertes Trashfest, Mendez und Gregory Gieras wissen ihren überdimensionalen Spinnenangriff zuweilen auch als schöne Hommage an die Creature Feature der goldenen Ära zu publizieren und das Geschehen in Sachen Sympathie so gekonnt auf ein neues Level zu hieven.


Ganz im Ernst: „Big Ass Spider!“ macht Spaß, hat mit dem Kammerjäger Alex (Greg Grunberg) und seinem Sidekick Jose (Lombardo Boyar) ein liebenswertes Hauptgespann und weiß die Jagd auf die mutierte Spinne größtenteils mit dem nötigen Tempo und mit Rücksicht auf das traditionelle Naturell des Monsterfilms zu inszenieren. Allein das Opening, in dem Hauptdarsteller Alex unter der Begleitung von „Where Is My Mind?“ in Zeitlupe durch das hinterlassene Schlachtfeld inmitten von Los Angeles Stadtkern streift, ist so herrlich pseudo-episch eingestellt, dass es eine reine Freude ist. Das Manko an „Big Ass Spider!“ ist nur, und damit war natürlich zu rechnen, dass Mendez es nicht schafft, die Dynamik, die der Film in seinen besten Momenten reichhaltig versprüht, durchweg aufrecht zu halten, was ihn etwas unrhythmisch erscheinen lässt und nicht vor Durchhängern bewahrt. Genau wie Jose, der zwar ein liebes Kerlchen ist und in seiner Naivität durchaus für Lacher sorgt, gelegentlich aber einfach übertreibt und als leichter Störfaktor gehandelt werden muss. Nichtsdestotrotz: „Big Ass Spider!“ sorgt ohne Wenn und Aber für gute Stimmung.


5 von 10 Angriffen im Park


von souli

Review: MACHETE KILLS - Machete do sequel

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Fakten:
Machete Kills
USA. 2013. Regie: Robert Rodriguez. Buch: Kyle Ward. Mit: Danny Trejo, Amber Heard, Michelle Rodriguez, Mel Gibson, Demian Bichir, Sofia Vergara, Lady Gaga, Carlos Estevez, William Sadler, Cuba Gooding jr., Walt Goggins, Jessica Alba, Antonio Banderas, Vanessa Hudgens, Marko Zaror, Julio Oscar Mechoso, Tom Savini, Felix Sabates, Elon Musk, Alexa Vega, Samuel Davis, Billy Blair u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 19. Dezember 2013 im Kino.


Story:
Machete hat es nicht leicht: Gerade eben erst wurde seine Partnerin von einer Bande maskierter Terroristen erschossen und dann wird der mexikanische Top Agent auch noch verhaftet und von einem sadistischen Sheriff verhört. Davon lässt sich Machete aber nicht beeindrucken, muss er auch nicht, denn der Präsident der USA holt ihn aus den Händen des Sheriffs und beauftragt ihn mit einem Fall von höchster Brisanz. Diesmal geht es nicht nur um Rache (natürlich muss Vergeltung für die ermordete Kollegin sein), sondern um die Rettung der Welt.




Meinung:
Danny Trejo ist eine coole Sau. Dem bulligen Mexikaner mit dem zerklüfteten Gesicht und dem Schnurrbart, der einen unweigerlich an Pornodarsteller der 1970er Jahre erinnert, ist es gelungen zu einem der Stars des aktuellen B-Films zu werden. Ganz alleine hat er dies jedoch nicht geschafft. Es war Autor, Regisseur und Tarantino-Dauerkumpel Robert Rodriguez, der Trejo immer wieder in seinen Filmen unterbrachte und ihm zumeist Rollen auf den Leib schrieb, die zu dessen ruppiger Präsenz passten. So war es natürlich auch kein Wunder, dass Trejo den Fans der Rodriguez-Filmen in Erinnerung blieb. Mit „Machete“, dessen Entstehung hier jetzt nicht noch einmal durchgenommen werden muss, gelang die Trejomania dann vor knapp drei Jahren an ihren Höhenpunkt. Ein Höhepunkt, der nun mit „Machete Kills“ weitergeführt wurde.


Ein Schläfchen muss sich auch ein Machete mal gönnen
Die Rezeptur, die Robert Rodriguez und sein Screenwriter Kyle Ward beim Sequel nutzen, ist – wenig überraschend - die gleiche wie beim Vorgänger. Erneut wird versucht, so gut es geht ein B-Movie aus der Taufe zu stemmen. Bereits bei „Machete“ sowie dessen Quellfilm „Grindhouse“ konnte nicht verschleiert werden, dass der Flair von verkratzten Bildern, schlampigen Schnitten und obskuren Handlungen auf einer synthetischen Basis beruht. Eine Basis, die aber wiederum mit viel Herzblut und Liebe zum Detail betrieben wurde. Bei „Machete Kills“ ist davon aber nur noch wenig zu spüren. Rodriguez erhöht zwar die Over-the-Top-Mentalität, doch was dabei herauskommt ist ohne jede Dynamik. Den Spaß am Bad Taste, in „Machete Kills“ wird daraus das angestrengte Abhaken von Erwartungen. Alles ist, wie von so vielen gescheiterten Sequels gewohnt, immer etwas größer und breiter, aber weitestgehend ohne Enthusiasmus und erschreckend müde in Szene gesetzt. Das Plündern der Trash-Mottenkiste wird diesmal dadurch erweitert, dass Rodriguez nun auch Szenen und Situationen aus seiner eigenen Filmographie kopiert. Dies beinhaltet durchaus nette Verweise zu „From Dusk Till Dawn“, aber auch einen unsäglich müden und platten Blueprint zu „Es war einmal in Mexiko“. Dass der Oneliner „Machete don’t text“ aus dem Vorgänger dazu in „Machete Kills“ quasi totgeritten wird, komplettiert den fahlen Gesamteindruck.


Lady Gaga benimmt sich wenig ladylike und nur ein wenig gaga
Der Besetzungscoup des Vorgängers, in der nicht nur Kino- und TV-Legenden wie Robert DeNiro und Don Johnson zu sehen waren, sondern auch Gossip-Opfer wie Lindsay Lohan und Direct-to-DVD-Ikone Steven Seagal, wird ebenfalls versucht zu plagiieren. Doch die Exotik des Darstellerensembles von „Machete Kills“ reicht bei Weitem nicht an die des Vorgängers heran. Mag sein, dass Lady Gaga als Lady Chameleon dem Film einen enormen Promibonus verleiht, wen wundert es, aber ihre Rolle ist nicht mehr als die bloße, äußerst plumpe Übertragung ihrer Bühnenpräsenz ins Kino und ein Versuch, mit schimmernder Pop-Exzentrik die raue B-Movie-Exzentrik aufzuwerten. Das Ergebnis ist kaum spürbar und verpufft so schnell wie es gekommen ist. Wenn „Machete Kills“ beim Cast punkten kann, dann mit dem Antagonisten Luther Voz. Ein echter Schurke aus dem Lehrbuch, der dem Film in der zweiten Hälfte endgültig die künstlich verdreckte Tonalität eines Agentenfilms verleiht. Mel Gibson, dessen Filmauftritte nach seinen Skandalen immer etwas Verruchtes und Verbotenes anhaften, scheint diese Rolle durchaus zu genießen. Ähnlich wie seine Performance in „Get the Gringo“ steht ihm das figurentechnische Korsett des Bad Guys äußerst gut. Ein anderer Enfant Terrible, welchen Robert Rodriguez für das Sequel gewinnen konnte, ist eine nicht minder populäre Skandalnudel: Charlie Sheen, im Film unter seinen Geburtsnamen Carlos Estevez gelistet. Doch während Mel Gibson zwar den Schurken spielen darf, sein Ruf in der Öffentlichkeit aber nicht angetastet wird, verkommen Sheens Auftritte als Präsident der Vereinigten Staaten zu einem äußerst elegischen Schaulaufen. Ein Schaulaufen, in dem alles, womit Sheen in den letzten Jahren in der Presse aufgefallen ist, mit kreativloser Parodistik durchgenommen wird.


Gibson lacht, er hat auch am wenigsten zu verlieren
Sheen ist jedoch nicht das einzige Opfer dieser schnell ermattenden Parodistik. Auch die zelebrierten Actionszenen von „Machete Kills“ leiden darunter. Natürlich muss Rodriguez übertreiben und überhöhen wo es nur geht, doch der Reiz geht hier zu schnell verloren. Wo im ersten Teil Gedärme zweckentfremdet wurden, Motorräder mit Maschinenpistolen und Nonnen mit großen Knarren noch gut positioniert waren, die eigentliche Geschichte aber noch einigermaßen dem authentischen Stil eines billigen Rachefilmchens aus den Geburtsjahren der Videotheken folgte, wirkt „Machete Kills“ wie ein stupider Fan-Service. Dabei werden wohl vor allem die Fans angesprochen, die glauben ein B-Movie würde sich einzig und alleine durch seine strikte Überzogenheit auszeichnen. Eine Fehleinschätzung, die dazu führt, dass „Machete Kills“ zu vollgestopft ist mit vertrashten Schauwerten und diese wie Statussymbole einsetzt. Durch diese Konzentration verfällt die Narration der Fortsetzung in eine Art Dösigkeit. „Machete Kills“ ist unglaublich zäh, anti-kurzweilig und präsentiert ein Klimax nach dem anderen, was der Progression durchgehend schadet. Dazu wird der Verlauf der Handlung mit Unmengen Nebenfiguren und –Plots künstlich aufgebläht. Die erste Hälfte erscheint rückblickend wie ein gezerrter Epilog, dem es gut getan hätte, wenn Rodriguez im Schneideraum die eine oder andere Szene gekürzt oder gar komplett herausgeschnitten hätte.


„Machete Kills“ ist kein erneuter Höhepunkt der Trejomania geworden. Ähnlich wie so viele andere Filme mit dem Mexikaner, die nach „Machete“ entstanden sind, bestärkt das Sequel die Vermutung, dass Trejo vielleicht ja doch nicht mehr ist als einer von vielen B-Movie-Darstellern - mit dem Unterschied, dass er das einflussreiche Spielkind Robert Rodriguez als Unterstützer an seiner Seite hat. Die durchaus filmische und fast schon liebenswerte Ausstrahlung einer alten, schweren Bulldogge besitzt Trejo, diese reicht aber nicht aus, um einen schlechten Film positiver erscheinen zu lassen. Vor allem dann nicht, wenn ihm wie „Machete Kills“ jedweder Individualismus fehlt.


3 von 10 Raketenritten

Review: TREMORS - IM LAND DER RAKETENWÜRMER – Die überdimensionale Gefahr aus dem Erdreich

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Fakten:
Tremors – Im Land der Raketenwürmer (Tremors)
USA. 1990. Regie: Ron Underwood. Buch: Ron Underwood, Brent Maddock, S.S. Wilson. Mit: Kevin Bacon, Fred Ward, Ariana Richard, Michael Gross, Victor Wong, Reba McEntire, Charlotte Stewart, Richard Marcus, Finn Carter u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf Blu-ray und DVD erhältlich.


Story:
Obwohl das staubige Nest in der Wüste Nevadas auf den Namen Perfection hört, ist die Lage für die recht geringe Bevölkerung alles andere als perfekt. Nachdem der Boden zum ersten Mal zu starken Erschütterungen neigte, gingen die ersten Behauptungen in Richtung eines Erdbebens, doch falsch gedacht: Unter dem Wüstenkaff lauert ein gehöriges Nest prähistorischer Raketenwürmer, die sich rasend schnell durch den trockenen Boden graben und nur darauf warten die Bewohner in ihr unterirdisches Nest zu zerren. Die Bewohner Perfections sagen den stinkigen Würmern
jedoch den Kampf an…






Meinung:
Auch wenn es oft paradox erscheint und die strikte Humorlosigkeit des Feuilleton im Umgang mit kinematographischen Unsinn ein Teil der forcierten Autorität sein mag: Kritiker sind, genau wie jeder anderer Geek, nicht jeder Art von oberflächlichem Quatsch gänzlich abgeneigt.  Nur wie muss ein solcher Film aufgezogen sein, damit er auch in professionellen wie prädestinierten Fachkreisen auf positive Resonanzen stoßen darf? Es handelt sich dann wohl um ein Werk, dass sich zwar mit einer reichlich bescheuerten Story schmückt, sich darüber hinaus ihrer eigentlichen Banalität aber vollkommen im Klaren ist und den aufgesetzten Trash-Rahmen so leise untergräbt, ohne intelligenter zu sein als es das Konzept schlussendlich zulassen würden – Der Metaradar darf Schweigen bewahren. Ein Musterbeispiel dafür ist Ron Underwoods B-Movie-Kult „Im Land der Raketenwürmer“ aus dem Jahre 1990. Ein wunderbarer Beweis mit resolutem Widerhall dafür, dass es eben nicht immer das bedrückende Format eines Michael Haneke („Das Weisse Band“) sein muss.


Ob das Arsenal reichen wird? 
Wer die Vermutung aufstellt, „Im Land der Raketenwürmer“ würde über eine ausgereifte Dramaturgie mit versierten Charakteren verfügen, der wird nach Ablauf der 90 Minuten Spielfilmdauer zwar eines Besseren belehrt worden sein, die Stigmatisierung, dass Ron Underwood einen vollends dummen Streifen abgeliefert hat, ist an dieser Stelle aber ebenso ungerechtfertigt. Es ist eben ein eklatanter Unterschied, ob sich ein Film als eigenständiges Machwerk in grenzenloser wie unfreiwilliger Blödheit vergräbt oder ob er sich nur vordergründig einem – zugegeben – recht transparenten Duktus anschließt, der aber vielmehr einem ganz anderen Zweck dienlich ist: Nämlich der tributzollenden Hommage. Und für einen standesgemäßen Kniefall sollte man sich nicht nur gewisse Genre-Filme zu Gemüte geführt haben, man sollte sie auch mit dem eigenen Herzblut in Verbindung bringen können, um  sich in die intentionale Ausarbeitung hineinversetzen zu können. Auch unter diesem Aspekt geht die kreativ kalkulierte Rechnung in „Im Land der Raketenwürmer“ über die gesamte Laufzeit vollends auf.


Unerwünschter Besuch taucht auf
Es fängt wie immer bei der allgemeinen Charakterzeichnung an, die in „Im Land der Raketenwürmer“ natürlich keine Imitationen der Kunstauffassung des Ingmar Bergmans darstellt – Aber warum auch? In diesem Fall genügt es doch, zwei sympathische Haudegen in den Fokus zu rücken, die ähnlich handeln würden wie der Zuschauer und den emphatischen Zugang zum Geschehen ermöglichen, was wiederrum bedeutet, dass der Handlungsverlauf zu keinem distanzierter Staffellauf verkommt, sondern die Charaktere zusammen mit seinem Publikum einbindet. Mit Kevin Bacon als Valentine McKee und Fred Ward als Earl Bassett hat man ein charismatisches und cleveres Hauptgespann gefunden, dass den Ansprüchen ohne Probleme gerecht wird, gerade weil sie nicht nur von der individuellen Popanz zehren, sondern ein Eigenleben zugesprochen bekommen. Genau wie die kauzigen Nebenfiguren,  die mit Finn Carter als Seismologiestudentin Rhonda und Michael Gross und Rebe McEntire als herrliche Lobbyistenkarikaturen wunderbar besetzt wurden.


Wenn „Im Land der Raketenwürmer“ etwas richtig gut beherrscht, dann ist es den Zuschauer von Anfang bis Ende im höchsten Maße wunderbar zu unterhalten. Natürlich ist die Basis vollkommen schwachsinnig, aber der Film will sich weder als verblödeter Unfug, noch als durchgehend logisches Unterfangen vermarkten, sondern hat das Herz am rechten Fleck und manifestiert sich immer deutlicher als waschechte Hommage an die amüsanten Monsterstreifen der goldenen Ära. Da wird dann mit dramaturgischen Klischees gespielt und mit so mancher Überhöhung jongliert, aber alles bleibt sich und seinem kreierten Universum durchgehend treu, ohne auch nur einmal über das mit orangenem Schnappoidenblut markierte Ziel hinauszuschießen. „Im Land der Raketenwürmer“ ist ein entzückendes B-Movie mit Hingabe und Leidenschaft, mit Kreativität und Innovationskraft; Kino ohne Verfallsdatum, wenn man so will, welches auch nach dem 10. Mal ohne Abnutzerscheinungen auftritt und einfach jede Menge Spaß macht. Herrlich.


7 von 10 Zerplatzenden Riesenwürmern


Von Souli

Review: VICTIM - TRAUE KEINEM FREMDEN - Das wahre Opfer ist der Zuschauer

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Fakten:
Victim - Traue keinem Fremden (The Victim)
USA, 2011. Regie & Buch: Michael Biehn. Mit: Michael Biehn, Jennifer Blanc, Ryan Honey, Danielle Harris, Denny Kirkwood, Tanya Newbould, Dana Daurey, Alyssa Lobit u.a. Länge: 80 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kyle hat sich in seine Hütte im Wald zurückgezogen, um etwas Ruhe und Abstand zu gewinnen. Daraus wird nichts. Plötzlich steht die völlig hysterische Annie vor seiner Tür. Sie wird von zwei Polizisten verfolgt, von denen einer ihre Freundin Mary getötet hat. Nun wollen sie die unliebsame Zeugin beseitigen. Kyle ist sich zunächst nicht sicher, ob er Annie trauen kann, entscheidet sich dann aber dafür, ihr zu helfen.

                                                                                
 

Meinung:
Seit über 30 Jahren ist Michael Biehn nun im Filmgeschäft. Seine grössten Erfolge hatte er zweifellos bei der Zusammenarbeit mit James Cameron in den 80ern ("Terminator", "Aliens", "The Abyss"). Danach wurde es ruhig um ihn, seit etlichen Jahren ist er im Low-Budget-Genre-Film zu Hause. Bei "Victim" ist er nicht nur als Hauptdarsteller zu sehen, er ist gleichzeitig auch Regisseur und Drehbuchautor. Wenn jemand wie Biehn sich so für ein Projekt engagiert, muss er wohl daran glauben, was widerum die Hoffnung weckt, das könnte ein kleiner, feiner B-Film sein. Tja, Pustekuchen, "Victim" könnte sogar der mieseste Streifen sein, in den er sich jemals verirrt hat. Indiskutabeler Mist, unfassbar.



Nicht hingucken, es ist zum Heulen
Hier stimmt wirklich gar nichts, in allen Belangen nicht mal ansatzweise erträglich, kommt nicht mal in die Nähe von zumindest durchschnittlich. Das es super-billig aussieht  ist an und für sich ja nicht so das Problem, meine Güte, von einem Low-Budget-Film erwarte ich keine Wunder. Nur wird dadurch die amateurhafte Inszenierung von Biehn leider noch verdeutlicht. Niemals gelingt es ihm, das schmale Budget durch irgendwelche Kniffe und handwerkliche Fähigkeiten zu kaschieren oder auszugleichen, ganz im Gegenteil. Es funktionieren ja nicht mal die einfachsten Dinge, für die keine Kohle benötigt werden. Das ist null spannend, nicht mal ansatzweise atmosphärisch, ganz billig eingefangen und das Skript von Biehn ist eine Katastrophe. Das die Logik bei so einem Film nicht die grösste Rolle spielt ist vollkommen okay, aber das sich in dem ganzen Geholper nicht mal eine gute Idee oder sonst was grob positives finden lässt, ist ein Armutszeugnis. Das Ding läuft nur 80 Minuten und ist trotzdem vollgestopft mit unnötigen, dummen Szenen, allein diese total sinnlosen Rückblenden, was soll das? Vielleicht musste nur die Zeit irgendwie gefüllt werden oder Danielle Harris wollte einfach mehr Screentime haben. Und dann dieses Ende, dieser Pseudo-Twist, der erstens selbst bei stärksten Gegenwind schon so deutlich stinkt, wer davon überrascht wird, hat diesen Film auch verdient, und zweitens überhaupt keine Rolle für die Geschichte hat. So ein Quatsch. Biehn ist in erster Linie Darsteller, da könnte ihm eventuell verziehen werden, dass er Buch und Regie scheinbar nicht beherrscht, ABER: Nach so einer langen Karriere, in der er ja durchaus in sehr guten Filmen mitgewirkt hat, MUSS er sich doch eigentlich bewusst sein, das seine Arbeit hier nichts taugt, also so gar nichts.


Fassungslos bestaunt Familie Biehn unsere Review
Richtig fatal: Sogar als Darsteller war Biehn selten schwächer. Die gesamte Laufzeit hat er den selben Gesichtsausdruck drauf, wirkt gelangweilt, und das im eigenen Baby? Unglaublich! Genrezwerg Danielle Harris ist sympathisch wie eh und jeh, hatte aber auch schon viel bessere Tage. Na ja, in dem Müll würde wohl niemand gut aussehen. Den Vogel schiesst aber eindeutig Jennifer Blanc ab. Das ist wohl die schrecklichste, nervigste, mieseste Performance einer Hauptdarstellerin, die ich seit Ewigkeiten gesehen habe. Wie die zu der Rolle gekommen ist? Sie ist Biehns Ehefrau. Na herzlichen Glückwunsch, ein Unglück kommt selten allein. Das muss wahre Liebe sein, die macht ja bekanntlich blind. Mitproduziert hat sie den Stuss auch noch, ebenso wie Co-"Star" Ryan Honey. Hat wohl jeder 50 Dollar gegeben, damit es die drei Drehtage lang belegte Brote gab.


"Victim" ist ein einziges Desaster, ein Trauerspiel, selbst für ein billiges B-Movie eine Schande. Hoffentlich lernt Biehn für eventuelle, nächste Regie- und Drehbucharbeiten kräftig dazu oder er lässt es besser ganz bleiben. Vielleicht kann er sich dann wieder auf seinen Hauptberuf konzentrieren, hätte er hier bitter nötig gehabt. Und seine Alte soll ruhig mitproduzieren, wenn die nochmal vor eine Kamera rennt, kann das ja nichts werden. Absolut grauenhafter Käse, in jeder Beziehung.

1 von 10 guten Scheidungsgründen

Review: HOBO WITH A SHOTGUN - Der schmackhafte Analog-Käse des B-Movies

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Fakten:
Hobo with a Shotgun
Kanada. 2011. Regie: Jason Eisener. Buch: John Davies, Jason Eisener. Mit: Rutgar Hauer, Molly Dunsworth, Gregory Smith, Robb Wells, Brian Downey, Nick Bateman, Michael Ray Fox, Glen Matthews, Jeremy Akerman, Gregory Richardson, Mark W. Owen u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: keine Freigabe (beschlagnahmt wegen §131 StGb). Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mit dem Zug kam er in die Stadt und versuchte den Problemen aus dem Weg zu gehen, doch irgendwann kann er, der Hobo, nicht mehr tatenlos zusehen, wie der Gangsterboss Drake und seine zwei sadistischen Söhne aus der Stadt ein Epizentrum der Gewalt und Kriminalität machen. Der Hobo besorgt sich eine Flinte und reinigt damit die Straßen von dem Gesindel.


 



Meinung:
Das Grindhouse-Projekt von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez brachte neben den zwei Hauptfilmen „Death Proof“ und „Planet Terror“ auch diverse Fake-Trailer zum Vorschein. Zu den bekanntesten zählt sicherlich „Machete“ der mittlerweile auch einen eigenen Film spendiert bekam. So erging es nun auch dem Fake-Trailer der im Gegensatz zu dem Rest nicht von einem bekannten Regisseur stammt, sondern von einem Newcomer, Jason Eisener. Dessen „Hobo with a Shotgun“ reiht sich stilistisch problemlos in das Grindhouse-Universum ein und besitzt mit Rutgar Hauer einen Star der guten alten Zeit, der an vorderster Front steht.


Der Hobo und seine Flinte sorgen für Ordnung
Regisseur Jason Eisener erzählt in der Spielfilm-Variante seines Fake-Trailers eine klassische B-Movie Geschichte. Es geht um Rache, um die Säuberung der Straßen von dem Abschaum der Kriminalität. Dass es dabei nicht zimperlich zur Sache geht ist natürlich Ehrensache. Die drastischen, aber stets so übertriebenen und meist auch sehr dilettantisch anmutende Gewaltexzesse machen aber nicht den größten Reiz des Films aus. Es sind die Farben. „Hobo with a Shotgun“ erstrahlt im klassischen Technicolor. Dies in Verbindung mit der kruden Handlung, den überzeichneten Eskapaden im Spiel der Darsteller und der Brutalität besitzt eine schnörkellose Sogwirkung, die allerdings wohl wahrlich nur die in ihren Bann ziehen wird, die ein Herz für Filme haben, die über die Strenge schlagen. Natürlich ist „Hobo with a Shotgun“ auch kein wirklich reinrassiger B-Movie, mehr der Versuch nach  altbekannten Bauplänen und Versatzstücken einen nachzubauen, ähnlich wie es schon „Machete“ versuchte. Das Ergebnis ist in beiden Fällen gelungen bis ansehnlich, auch wenn es letztlich nur der Analog-Käse des B-Movies ist, aber Ehrlichkeit sollte niemand von solcher Art Filmen erwarten.


Ein großes Problem hat der „Hobo“ allerdings: Die Prämisse einen B-Movie der 1970er und 1980er zu erschaffen wird so zwanghaft Folge geleistet, das so einige skurrile und teilweise auch surreale Ideen zu geplant wirken. „Hobo with a Shotgun“ tut immer wieder so, als ob er willkürlich agieren würde, letztlich versteckt er aber die Entwürfe und Genre-Skizzen an die er sich versucht zu halten hinter seinem Rücken. Wie bereits Robert Rodriguez mit „Machete“ kann auch Jason Eisener mit seinem Schrotflinten-Obdachlosen letztlich kein wirkliches B-Movie abliefern, sondern nur einen äußerst effizienten Klon, der einen geselligen Filmabend auf der Couch mit guten Freunden und den üblichen, legalen Stimmungsmachern durchaus bereichern kann. Wieso immer mehr Filme so tun, als ob sie ein Relikt aus vergangen Tagen sind? Vielleicht weil es uns Zuschauer an die Vergangenheit erinnert. Vielleicht weil wir damit ein Kino suggerieren, was sich besser anfühlte als das heutige. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

6 von 10