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Review: INSIDIOUS: CHAPTER 3 – JEDE GESCHICHTE HAT EINEN ANFANG – Gönnt den Toten endlich Ruhe

1 Kommentar:



Fakten:
Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang
USA. 2015. Regie und Buch: Leigh Whannell.
Mit: Dermot Mulroney, Stefanie Scott, Lin Shaye, Leigh Whannell, Tate Berney, Hayley Kiyoko, Angus Sampson, Ashton Moio, Michael Reid MayKey, Steve Coulter, Anna Ross u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 5. November 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nur widerwillig hilft das Medium Elise Rainier der jungen Quinn bei der Kontaktaufnahme zu ihrer toten Mutter. Rufe man den Geist eines Toten, so können alle diesen Ruf hören, warnt Elise.
Leider kommt ihre Warnung zu spät, denn eine dunkle Macht hat es bereits auf Quinn abgesehen. Zusammen mit Tucker und Specs, die sich auf paranormale Erscheinungen spezialisiert haben, nimmt Elise den Kampf gegen das Böse auf.





Meinung:
James Wan darf sich dank „Insidious“ oder „The Conjuring – Die Heimsuchung“ als eine Art (Neu-)Initator des großspurigen Horror-Blockbusters definieren lassen, hat der Australier es doch vollbracht, mit diesen Filmen das Mainstreampublikum in Scharen abzuholen und Unsummen in die Kinokassen zu spülen. Die Konsequenzen dessen kamen auf dem Fuße: Beide Werke werden nun und in Zukunft bis zum Erbrechen gemolken (aber das kennt der kreative Kopf hinter „Saw“ ja ohnehin schon). Zu „The Conjouring – Die Heimsuchung“ wurde im letzten Jahr auch schon ein desaströses Spin-off namens „Annabelle“ veröffentlicht, bei dem Regisseur John R. Leonetti in sagenhafter Inkompetenz gleich mal veranschaulichte, wie man einem Roman Polanski NICHT Tribut zollt. Aber bevor sich im nächsten Jahr „The Conjuring 2: The Enfield Poltergeist“ flächendeckend über die Lichtspielhäuser ausbreiten darf, steht nun erst mal „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ bereit und klopft an die Pforten, um sich die wohlverdiente Schelte abzuholen.


Wenn Dämonen zu echten Stalkern werden
Kein Problem! Dass „Insidious“ und „The Conjuring – Die Heimsuchung“ ordentlich Geld gemacht haben, steht ja prinzipiell in keinerlei Konnex zur eigentlichen Qualität der einzelnen Filmen. Und wenn man sich diese Horror-Flics einmal zu Gemüte führt, wird man auch relativ schnell feststellen können, dass James Wan sich hier einer unfassbar simplen Methodik bedient, die, einfach weil sie schlichtweg so billig gestaltet daherkommt, auch einen dementsprechend hohen Anklang findet: „Insidious“ hat sich als motivischer „Poltergeist“-Epigone schon den größtmöglichen Konsens in seinem Sujet gesucht und erzählt erst einmal von ganz konkreten, weltlichen Dingen, wie das Familienleben und die Sorge von Eltern, wenn ihrem Sprössling etwas zustößt. Wer nun allerdings glaubt, James Wan würde sich in den Mitteln des Spannungsaufbaus auch von den großen Vorbildern inspirieren lassen und auf eine sukzessiv-entfaltete Atmosphäre bauen, der täuscht sich gewaltig. Obwohl sich Wan doch als ein durchaus genreaffiner Zeitgenosse gibt, dessen Output von einem gewissen Referenzreichtum zehrt, baut er immerzu auf eine Sache: Jump Scares.


Bei Langschläfern hilft auch kein dämonischer Weckservice
Wenn ein abgedunkelter Raum in der Behausung betreten wird, darf man sich sicher sein, dass in den nächsten Sekunden aus irgendeiner Ecke eine fiese Fratze emporschwingt und von der Tonspur durch ein ohrenbetäubendes Grollen akzentuiert wird. Das mag dosiert effektiv erscheinen, ist in dieser Fülle aber nur ein äußerst schwacher Hilfeschrei. Dieser Trend setzte sich selbstredend fort und scheint nun auch in „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ das höchste der Gefühle zu sein, wenn es darum geht, den Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen. Leigh Whannell, der zuvor schon Nebenrollen in den Filmen von James Wan für sich verbuchen konnte, wird für das Prequel nun das Privileg zuteil, es sich auf dem Regiestuhl gemütlich zu machen. Schon „Insidious: Chapter 2“ kam deshalb ein Stück weit ärgerlicher um die Ecke als sein Vorgänger, weil er den mystischen Charakter von „Insidious“ pulverisiert und totlabern musste, was man nicht totlabern sollte. Dass es sich bei „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ nun – Die Regeln einer Trilogie verlangen es – um die ominöse Vorgeschichte handelt, stellt dem Zuschauer erst recht die Nackenhaare zu Berge.


Selbst schuld, wenn sie von Mücken zerstochen wird
Im Epizentrum steht die Adoleszente Quinn (Stefanie Scott), die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater Sean (Dermot Mulroney) in ein neues Haus in Chicago zieht. Dass man den Verlust der eigenen Mutter natürlich nicht postwendend verarbeiten kann, macht es verständlich, dass man in der Stunde höchster Trauer auch einen Draht zum Spiritismus entwickelt, um womöglich auf diesem Wege Kontakt zur Mutter aufzubauen. Wie Elise Rainier (Lin Shaye) zu Anfang aber mahnend erwähnt, hallt der Ruf in das Jenseits nicht nur bis zu einer sondierten Person vor, sondern lockt das gesamte Reich der Dahingeschiedenen an – Und damit auch die garstigen Dämonen, die einen mit Vorliebe um den gesunden Schlaf bringen. „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ wandelt sodann durch dramaturgisch höchst abgeschmackte Gassen, lässt erst einmal nur die Dielen knarren und eine finstere Silhouette hinter dem sich wogenden Vorhang vermuten, bis sich die Spekulationen verhärten und nur noch das Medium Elise und zwei nerdige Geisterjäger (darunter auch Leigh Whannell) Abhilfe leisten können.


„Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ bringt durchweg den pelzigen Geschmack von marktwirtschaftlichem Kalkül mit sich. Selbstverständlich leistet Whanell formal durchaus kompetente Arbeit, die Bilder jedenfalls sprechen dafür,dass hier kein absoluter Dilettant am Werke ist. Es bringt nur alles nichts, wenn man diese Einstellungen nicht mit der entsprechend gespenstischen Verve auszukleiden weiß und den inflationären Einsatz von Jump Scares immer noch als alleinigen Stimmungsmacher versteht. Aus den Winkeln schnellen sie hier polternd hervor, die Dämonen und Seelenfresser, während das Haunted House sowie die altbackene Besessenheitskiste grundsätzlich zu den Genre-Topoi zählen, mit denen (in dieser spezifischen Preisklasse) der Mammon immer irgendwie zum Rollen gebracht wird. Dem eigentlichen Geist eines echten Horrorfilms wird man mit dieser maroden Marschroute nicht gerecht, man begräbt ihn vielmehr unter dem Ausbuchstabieren jeden Anflugs auratischer Mystik, den aseptischen Aufnahmen, und den penetrant aufflackernden Soundeffekten. Einziger Silberstreif am Horizont ist hier, dass Lin Shaye als tragende Figur endlich auch die angemessene Screentime zugesprochen bekommt.


3 von 10 Astralreisen durch die Parallelwelt


von souli

Review: 2001 MANIACS – Südstaaten Kannibalen laden ein zum Barbecue

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Fakten:
2001 Maniacs
USA. 2005. Regie: Tim Sullivan. Buch: Chris Kolbin, Tim Sullivan.
Mit: Robert Englund, Lin Shaye, Matthew Carey, Giuseppe Andrews, Jay Gillespie, Marla Malcolm, Christa Campbell, Mushond Lee, Bianca Smith, Brian Gross, Peter Stormare, Eli Roth u.a. Länge: 84 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Auf dem Weg zu einem Spring Break in Florida, gelangt eine Gruppe von Studenten in eine kleine Gemeinde im Süden namens Pleasant Valley. Die Einwohner dort sind seltsam, aber nett zu den party- und sexwilligen Fremden und laden diese ein beim Stadtfest mitzumachen. Keine gute Idee.





Meinung:
Blood Feast“ genießt kinematographischen Legendenstatus, ohne dabei wirklich als Klassiker zu gelten, hat Regisseur Herschell Gordon Lewis damit doch den wohl ersten Splatter-Film der Geschichte inszeniert. Im Vergleich zu heutigen Exploitern und Gore-Movies wirkt „Blood Feast“ natürlich geradezu handzahm, in seinem Entstehungsjahr 1963 sah das logischerweise anders aus und sprengte regelrecht die Autokinos. Nur gut ein Jahr sollte vergehen, bis Lewis den zweiten Teil der sogenannten „Blood Trilogy“ mit dem Namen „Two Thousands Maniacs“ herausbrachte. War es im Erstling noch Ramses, der im Dienste des altägyptischen Ischtar-Kultes wütete, durften in „Two Thousand Maniacs“ nun die kauzigen Bewohner einer Kleinstadt in den Südstaaten, die sich für die Destruktion ihres Städtchen vor 100 Jahren im Sezessionskrieg rächen wollen, für das etwas deftigere Gemetzel verantwortlich zeigen.

 
Die Redneck-Zahnspange: Unbequem und stört beim knutschen
Ja, ein politischer Subtext war durchaus gegeben, sollte aber doch bitte bloß nicht ernst genommen werden, befanden sich die Interessen Lewis' doch an ganz anderer Stelle. Dass 2005 Tim Sullivans Remake des Herschell-Reißers „2001 Maniacs“ veröffentlicht wurde, sollte jedoch kein Zufall hat, stand Amerika zu der Zeit doch unter der Führung des texanischen Cowboys George W. Bush, der sich dafür einsetzte, den Süden der Staaten den Rücken zu stärken. Gewiss verzichtet auch das Drehbuch von Chris Kobin und Tim Sullivan auf tiefschürfende, seriöse Reflexionen zum Thema Bush, der Konflikt zwischen Süd- und Nordstaaten allerdings bekommt eine nicht versehentlich intendierte (sozial/polit-)satirische Komponente, mit der die einfältigsten Klischees beider Seite nach Strich und Faden ad absurdum geführt werden. Während die Hillbillys den ganzen Tag an ihrem Banjo (ein Utensil, welches seit „Beim Sterben ist jeder der Erste“ in jeden Film mit Beteiligung waschechter Hinterwälder gehört) herum zupfen und es mit dem Zuchttier treiben, kommen die Collegekids aus dem Norden natürlich ohne jeden Anstand daher und nehmen sich eben das, was sie haben wollen.


2001 Maniacs“ beschränkt sich aber nicht darauf, in derlei stumpfe Ressentiments zu flüchten, wenngleich das Menschenbild in seiner karikaturesken Zeichnung sicherlich amüsiert und auf so manche Denkmuster bestimmter Regionen der USA zutreffen mag. „2001 Maniacs“ ist vielmehr beschwingter Fun-Splatter mit passender Trash-Note, der ein ordentliches Tempo an den Tag legt und sich weitestgehend darauf konzentriert, die notgeilen Studenten in der Gemeinde Pleasant Valley möglichst kreativ zu zerlegen und auf den Grill zu packen – Nachdem sie ihren niederen Trieben erlegen sind und blankgezogen haben, versteht sich. Wer eine handfeste Kritik an soziologischen Strukturen erwartet, wer tief in die gesellschaftlichen Missstände der Americana-Seele blicken möchte, der wird herbe ernüchtert. Ist aber auch selbst schuld, Derartiges von einem solchen Werk zu erwarten. Außerdem gibt es hier noch ein Wiedersehen mit Robert Englund, der hier als diabolischer Bürgermeister mit Südstaaten-Flaggen-Augenklappe befreit aufspielt, und Lin Shaye, die schon zusammen in Wes Cravens Genre-Meisterwerk „Nightmare – Mörderische Träume“ zu sehen waren. Ein netter Spaß, nicht mehr und nicht weniger.


5 von 10 spitzen Lanzen


von souli

Review: INSIDIOUS: CHAPTER 2 - Von allen guten Geistern verlassen

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http://rotzblog.files.wordpress.com/2013/10/insidious_2.jpg


Fakten:
Insidious: Chapter 2
USA, 2013. Regie: James Wan. Buch: Leigh Whannell, James Wan. Mit: Patrick Wilson, Rose Byrne, Lin Shaye, Barbara Hershey, Ty Simpkins, Steve Coulter, Leigh Whannell, Angus Sampson, Andrew Aster, Hank Harris, Jocelin Donahue, Garrett Ryan, Tyler Griffin u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Dank Medium Elise konnten die Lamberts die Seele ihres Sohns Dalton aus der Geisterwelt befreien. Direkt danach verstarb sie jedoch, offensichtlich ermordet. Josh Lambert, der sich zur Rettung seines Sohns selbst in die Schattenwelt begab, steht zunächst unter Verdacht, was sich schlussendlich nicht beweisen lässt. Doch Ehefrau Reani und seine Mutter Lorraine hegen Zweifel. Sie spüren immer noch die Anwesenheit einer bösen Macht und Josh verhält sich unheimlich. Zusammen mit dem ehemaligen Team von Elise versuchen sie, Kontakt zu ihr herzustellen um sie um Hilfe zu bitten.


                                                                          


Meinung:
Mit „Insidious“ gelang James Wan vor einigen Jahren ein echter Überraschungserfolg, da schien eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit. Das ein Sequel eigentlich ziemlich sinnlos wäre, steht bei so einer Entscheidung leider selten zur Debatte. Der Erstling wirkte in sich abgeschlossen, wirklich Stoff für ein Sequel hatte die Story nicht zu bieten. Aber wen stört das schon in Hollywood, gerade da sich aus in der Regel sehr kostengünstigen Wan-Filmen immer eine bemerkenswert hohe Gewinnspanne ergibt. Über die Qualität der Originals gibt es erheblich geteilte Meinungen, von gelungenem Old-School-Grusel bis hin zu einfallsloser Jump-Scare-Parade. Zumindest das sollte hier ausbleiben: „Insidious: Chapter 2“ kann wirklich nur sehr schwer irgendwas als gelungen angerechnet werden, um es mal höflich zu formulieren. Eine Fortsetzung rein aus finanziellem Interesse, was man leider in jeder Sekunde merkt.


Verstecken hilft nicht, der Mist ist abgedreht.
Obwohl sich James Wan bei seinem Erstling ausschließlich an altbekannten und wohlerprobten Genre-Versatzstücken bediente, funktionierte da (zumindest in der ersten Hälfte) die Umsetzung sehr präzise. Da existierte lange Zeit eine unbehagliche Grundspannung und Wan setzte seine Schockmomente mit einem eiskalten Timing hervorragend in Szene. So etwas wie Grundspannung ist hier gar nicht existent, nicht mal im Ansatz. Da der Zuschauer einen viel zu großen Wissensvorsprung hat und die Ereignisse aus Teil 1 ja nun schlicht fortgeführt werden, gibt es keine Geheimisse mehr. Wan und sein Buddy Leigh Whannell kopieren sich gelangweilt selber, können überhaupt keine Akzente mehr setzen und selbst das handwerkliche Geschick scheint Wan am Set von „Conjuring“ liegen gelassen zu haben. Da funktioniert nichts mehr. Die wenigen Momente, die eventuell zum Aufzucken gedacht waren, verpuffen komplett. Ob es so eine gute Idee gewesen ist, gleich zwei thematisch ähnliche Filme kurz hintereinander auf den Markt zu schmeissen, wenn man den qualitativen Unterschied schon bei den grundliegenden Dingen sieht...


"Der da...der hat's verbockt!!!"
Der Regisseur passt sich mit seiner laschen Inszenierung dem schlurigen Skript an, gegen das zumindest ein engagierter Patrick Wilson versucht anzuspielen. Das reißt im Endeffekt aber nichts mehr raus. Zu allem Überfluss verrennt sich der ohnehin schon öde Streifen  - wie schon sein Vorgänger – gegen Ende gewaltig, wenn das hier überhaupt noch möglich ist. Damals ließ sich leider (oder wenigstens?) noch ein deutlicher Qualitätsunterschied feststellen, jetzt wird es halt noch zusätzlich albern. Die Querverweise zu Teil 1 sind so unnötig wie belanglos, das neue Schreckgespenst wirkt wie ein billiger Abklatsch von Norman Bates samt Mütterchen und verursacht statt Angst und Terror nur fassungsloses Kopfschütteln und eine dicke Portion Fremdscham. Lächerlich. Das ein Sequel klar Federn lassen musste war wohl kaum zu vermeiden, aber so deutlich und ohne jede erkennbare Motivation hingeschissen, das ist schon bald unverschämt.


Ja, und weil die Kuh noch Milch gibt kommt natürlich noch Chapter 3, zumindest kann das kaum schlechter werden. Nur wie oft hat man das schon gedacht. James Wan sollte bloß aufpassen, den aufgebauten Kredit nicht durch solche Fließbandware wieder zu verspielen. Selbst gestandene Regisseure haben sich teilweise nicht wieder von so was erholen können. Hoffentlich wird das kein Dauerzustand, Talent hat der Mann, er muss es nur nutzen.

3 von 10 ausgewürfelten Drehbüchern.

Review: BIG ASS SPIDER! – Der Erbe King Kongs kommt auf acht Beinen

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Fakten:
Big Ass Spider!
USA. 2013. Regie: Mike Mendez. Buch: Gregory Gieras. Mit: Gren Grunberg, Lin Shaye, Patrick Bauchau, Ray Wise, Clare Kramer, Lombardo Boyar u.a. Länge: 80 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kammerjäger Alex staunt nicht schlecht als er im Krankenhaus das Opfer eines seltsamen Spinnenbisses sieht. Das Opfer war ein Angestellter eines geheimen Biowaffenlabors und genau aus dem ist eine „Wunderwaffe“ ausgebüxt und sorgt nun für Trouble in der Stadt. Kann Alex das Unheil stoppen?





Meinung:
Jeder kennt die längst zum festen Bestandteil unserer Popkultur avancierte Illustration, in der sich King Kong, eine echte Legende der Kinematographie, der Riesenaffe, verschrien als achtes Weltwunder, das sich in Wahrheit doch nur noch einmal in den Augen der blonden Maid verlieren wollte, an der Außenfassade des Empire State Bulding entlanghangelt und sich gegen die herben Angriffe der attackierenden Flugzeuge zu schützen versucht. Das Poster von „Big Ass Spider!“ ziert ein ähnlich angelegtes Bild, auf dem die titelgebende, genmanipulierte Riesenarachne ein markantes Gebäude in Los Angeles erklimmt und von den ungläubigen Bewohner – wie auch dem Zuschauer – aus der Ferne mit großen Augen aufgesaugt wird. Es ist der größte, eindrucksvollste Augenblick in „Big Ass Spider!“, der sich vorher nicht hinter der Offensichtlichkeit seines geringen Budgets verstecken konnte und in dieser Szene den CGI-Status einer unsäglichen Asylum-Produktion locker überwindet.


Wer sich hier nicht ans Tempolimit hält wird eingesponnen
Und mit Asylum sind wir auch gleich bei einem guten Stichwort angelangt: Zeichnen sich die Werke dieser Mockbusterschmiede wie beispielsweise „Titanic 2 – Die Rückkehr“ oder „Sharknado“ noch durch ihre grauenvoll trashige Einfältigkeit aus, die nicht mal mit einem Träger Starkbier zu ertragen sind, macht „Big Ass Spider“ seinen klaren Trashfundus zum effizienten Prinzip. Soll heißen, während also die Werke à la Asylum es nahezu krampfhaft versuchen, wenigstens einen minimalen Unterhaltungswert aus ihrem bewussten Müll ziehen können, an ihrer aufgesetzten Erbärmlichkeit aber fortwährend ersticken, weiß  Regisseur Mike Mendez „Big Ass Spider!“ immer den nötigen Unterhaltungsfaktor einzuschenken, weil nicht nur der Regisseur, sondern auch alle Beteiligten sich über ihr Format im Klaren sind und es durch reichlich Selbstironie genüsslich auflockern zu wissen. Die Schlechtigkeit ist intentional, und die daraus entstehende Meta-Ebene der luftige Aufhänger des Gezeigten.


Jose und Alex kennen kein Erbarmen
Dabei steht „Big Ass Spider!“ nicht nur für sich als ungebundenes Unikum, ein solcher Film kommt im Regelfall nicht ohne Referenzen an Klassiker aus, die er dann in seiner kläglichen Eigenart nach Lust und Laune parodieren möchte. Die Rechnung geht in vielen gleichartigen Stücken nicht auf, weil die Verspottung zu albern und ohne jedweden Charme auskommen muss. „Big Ass Spider!“ besitzt allerdings genau den Charme und macht es dem Zuschauer nicht nur leicht, seine Charaktere zu mögen, sondern auch die Gags in ihrer eigentlichen Auffassung – und die ist durchweg gutgemeint – inständig zu honorieren. „Big Ass Spider!“ ist nicht nur ein vergnügliches, gewiss intendiertes Trashfest, Mendez und Gregory Gieras wissen ihren überdimensionalen Spinnenangriff zuweilen auch als schöne Hommage an die Creature Feature der goldenen Ära zu publizieren und das Geschehen in Sachen Sympathie so gekonnt auf ein neues Level zu hieven.


Ganz im Ernst: „Big Ass Spider!“ macht Spaß, hat mit dem Kammerjäger Alex (Greg Grunberg) und seinem Sidekick Jose (Lombardo Boyar) ein liebenswertes Hauptgespann und weiß die Jagd auf die mutierte Spinne größtenteils mit dem nötigen Tempo und mit Rücksicht auf das traditionelle Naturell des Monsterfilms zu inszenieren. Allein das Opening, in dem Hauptdarsteller Alex unter der Begleitung von „Where Is My Mind?“ in Zeitlupe durch das hinterlassene Schlachtfeld inmitten von Los Angeles Stadtkern streift, ist so herrlich pseudo-episch eingestellt, dass es eine reine Freude ist. Das Manko an „Big Ass Spider!“ ist nur, und damit war natürlich zu rechnen, dass Mendez es nicht schafft, die Dynamik, die der Film in seinen besten Momenten reichhaltig versprüht, durchweg aufrecht zu halten, was ihn etwas unrhythmisch erscheinen lässt und nicht vor Durchhängern bewahrt. Genau wie Jose, der zwar ein liebes Kerlchen ist und in seiner Naivität durchaus für Lacher sorgt, gelegentlich aber einfach übertreibt und als leichter Störfaktor gehandelt werden muss. Nichtsdestotrotz: „Big Ass Spider!“ sorgt ohne Wenn und Aber für gute Stimmung.


5 von 10 Angriffen im Park


von souli

Review: CHILLERAMA - Abgesang auf eine sterbende Filmform

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Fakten:
Chillerama
USA, 2011. Regie & Buch: Adam Rifkin, Tim Sullivan, Adam Green, Joe Lynch. Mit: Adam Rifkin, Sarah Mutch, Owen Benjamin, Tania Raymonde, Miles Dougal, Eric Roberts, Lin Shaye, Ray Wise, Sean Paul Lockhart, Anton Troy, Gabrielle West, Adam Robitel, Joel David Moore, Kristina Klebe, Florian Klein, Matthew Temple, Kane Hodder, Richard Riehle, Corey Jones, Kaili Thorne, Brendan McCreary, Ward Roberts, Olivia Dudley, Laura Ortiz, AJ Bowen, Briana Mackay, Remy Mackay Lynch u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Autokino der alten Schule steht vor der Schließung, zum Abschluss versammeln sich Stammkunden und Filmnerds für eine Vorstellung der besonderen Art. Die vergessenen Filmperlen "Wadzilla", "I Was A Teenage Werebear", "The Diary Of Anne Frankenstein" und "Deathication" stehen auf dem Programm. Und ganz nebenbei entwickelt sich ein "Zom-B-Movie"...


 

Meinung:
"Chillerama", zweifellos ein besonderer Film, der in den Zeiten von Streaming-Portalen, Video-on-Demand, Digitalkopien und Blu-ray (obwohl er natürlich auf all diesen Wegen zu sehen ist), die Fahne hochhält für das Auto- und Grindhousekino, Trash, dem Anti-Blockbuster-Film aus der Schmuddelecke, einer aussterbenden Ära, in der sich Nerds und Geeks wohl fühlten und nun kommen vier Filmemacher daher, um dem Respekt zu zollen.

 

"Chillerama" ist einerseits eine liebe- und hingebungsvolle Hommage für die Filmfans mit dem Herz am rechten (oder falschen?) Fleck, aber natürlich auch eine Ansammlung der puren Geschmacklosigkeit, in dem wirklich nichts ausgelassen wird. Killer-Sperma, schwul-trällernde Wer(bären)wölfe, Geschichtsvergewaltigung, die von der Idee schon sehr gewagt ist, eine Scheiß-Orgie, die in einem Rudelbumsen von Zombies endet. Alles klar? Wer jetzt noch nicht gedanklich voll raus ist, angewidert unter die Dusche springt oder vorsorglich schon mal "Forrest Gump" einlegt, das könnte ihr Film sein. 


Adam Rifkin ("Detroit Rock City", von seiner Filmographie eher der Außenseiter, tatsächlich kommt von ihm die mit Abstand beste Episode), Tim Sullivan ("2001 Maniacs", der die eigene Homosexualität in seinem Beitrag mit Anlauf in jegliches Klischee laufen lässt, wofür andere Leute böse auf die Fresse bekommen hätten), Adam Green ("Hatchet" 1 & 2, der mit der besten Grundidee etwas enttäuscht) und Joe Lynch ("Wrong Turn 2", dessen bekanntestes Werk mir gar nicht zusagt, dafür hier ein positive Überraschung darstellt) liefern einzelne Kurzfilme ab, die als Film-in-Film zu "Chillerama" werden. Obwohl Lynch da etwas rausfällt, aber Spoiler sind doof und daher sollte das jeder selbst sehen (wer sich traut).


Bei einer Mischung von einzelnen Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben, ist eine allgemeine Wertung oft schwierig, da macht "Chillerama" keine Ausnahme. Daher fühle ich mich gezwungen (obwohl ich das nicht gerne mache), auf jede Episode genauer einzugehen (dafür gibt es dann auch die Gesamtwertung).



1. Wadzilla.

"Dann wichsen sie, sofort!"

Zu spät für Verhütung
Adam Rifkin liefert einen Auftakt nach Maß. "Wadzilla" ist so klebrig, bescheuert und mit irrsinnigen Ideen gesegnet, da gibt es Samenstau, wenn man nicht...
Das erinnert tatsächlich an einen billigen Monster-Film der 50er, Rifkin spielt sogar selbst die Hauptrolle (das gar nicht mal schlecht) und es jagt ein Knaller den nächsten. Die "Stardichte" ist hier sogar am höchsten, oder wem sagen die Namen (von denen, die nicht schon Forrest zuschauen) Ray Wise, Lin Shaye (hat in Episode 2 einen noch größere Rolle) und Eric Roberts nichts?

"Das Militär tut jedoch sein bestes, wie man ein Ding von dieser Größe runterholen kann...Von den Behörden wird dieses Arial der feuchte Fleck genannt." Herrlich, sogar eine der bekanntesten Frauen der Welt lässt die Hüllen fallen und wackelt mit dem Popo, versprochen. "Wenigstens ist es gut für die Haut".

2. I Was A Teenage Werebear.

"Ihr Kopf ist ausgelaufen, macht bißchen verrückt."

 
Brokeback Werewolf
Tim Sullivan macht einen übertrieben schwulen Mix aus "Grease", "The Lost Boys" und Werwolf-Film, der genial wäre, wenn der Klamauk nicht stellenweise an "Scary Movie" und Konsorten erinnern würde. Das gibt es soviele brachial-alberne Gags, gegen "Wadzilla" stinkt der, darauf beschränkt, ab. Too much. Aber, aber: Neben der eigentlich witzigen Idee gibt es eindeutige Höhepunkte: Die Gesangseinlagen sind großartig. Das beispielsweise "Love bit me on the ass" keine Oscarnominierung bekommen hat, ist ein Skandal. Wenn jetzt der Rest noch stimmen würde, ein Kurzfilmmeisterwerk. Das ist nur leider so auffälig, ganz gut.


3. The Diary of Anne Frankenstein.

"Halt! 99 Luftballons."

Hitlers Helfer
Tja, schade, da war am meisten drin. Der Titel ist ja wohl nicht mit Gold aufzuwiegen, geschweigen denn an Geschmacklosigkeit zu überbieten, für manche Leute ist das Sprengstoff genug. Adam Green nutzt dieses Potenzial kaum, lässt eine albern-stammelnde Hitler-Karikatur auflaufen und es sieht lang (na ja, für einen 20minüter) nach verschenkt aus. Die letzten Minuten machen immerhin Boden gut (der Stuntman!).
Trotzdem, gemessen an den Möglichkeiten enttäuschend.

4. Deathication/Zom-B-Movie.

 
"Deathication" wird eingeläutet von Fernando Phagabeefy und er hat wohl die beste Zitate des Film.

- " Hallo Doktor..." (muss man sehen).
- " Was sie gleich sehen werden, wird sie zum Scheißen bringen."
- " Dieser Film wird sie mit ihren Fäkalien vergewaltigen."

Ja, dem mag ich nicht wiedersprechen, so viel gibt es von dem Prachtstück auch nicht zu sehen, daher zu...


"Zom-B-Movie", nach "Wadzilla" das Prunkstück von "Chillerama". Die Grenzen des guten Geschmacks werden noch mal total überfordert und Joe Lynch zeigt sich äußerst zitierfreudig, minutenlang ist jedes gesprochenen Wort ein Oneliner aus einem bekannten Film, wer alle kennt bekommt ein Eis. Toll!


Das Autokino wird zum Pornokino
Jetzt zum Haken: Wie werte ich das Ganze? Da gibt es recht viel Licht, leider speziell in Episode 2 & 3 auch Sachen, die sehr schattig und, das ist das Hauptproblem, unnötig sind, denn Potenzial und Ideen hat jeder Part des Films. Die Message der vier Herren ist aller Ehren wert, ihre Liebe zum Unsinn und ihre Kreativität unverkennbar, deshalb springe ich über meinen Schatten und gebe 7 Punkte, die für "Wadzilla" deutlich zu wenig und für "Zom-B-Movie" angemessen wären. "I Was A Teenage Werebear" hat zumindest die Idee und die Songs und "The Diary Of Anne Frankenstein" ist ja auch nicht daneben. Abgerundet durch die ganze, liebevolle Zusammensetzung finde ich das vertretbar. 


Und jetzt mal Butter bei die Fische: Spaß macht das ohne Ende! Freunde einladen, Bier kaltstellen, im Nachbarzimmer "Forrest Gump" für "die Anderen" einlegen, ab geht das. 


7
von 10 Popcornbechern mit Löchern