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Review: AGGRESSION SCALE - DER KILLER IN DIR - Der Kinderzimmer-Rambo

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Fakten:
Aggression Scale – Der Killer in dir (The Aggresion Scale)
USA, 2012. Regie: Steven C. Miller. Buch: Ben Powell. Mit: Ryan Hartwig, Fabianne Therese, Dana Ashbrook, Ray Wise, Derek Mears, Jacob Reynolds, Boyd Kestner, Lisa Rotondi, Joseph McKelheer u.a. Länge: 82 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bill und Lebensgefährtin Maggie haben sich ihren Traum vom gemeinsamen Eigenheim erfüllt, idyllisch-ländlich gelegen und weit weg vom Trubel der Großstadt. Beim Umzug treffen erstmals ihre jeweiligen Kinder aufeinander: Maggie’s Teenagertochter Lauren und Bill’s zwölfjähriger Sohn Owen. Ein verschlossener, recht sonderbarer Junge, offenbar erst kürzlich aus medizinischer Behandlung entlassen. Das Beschnuppern fällt knapp aus, denn plötzlich dringen einige schwer bewaffnete und nicht gerade gut gelaunte Männer in das Haus ein. Denn Bill hat für das neue Nest nicht etwa eisern gespart, sondern den Gangster Bellavance um ein stattliches Sümmchen erleichtert. Was die Eindringlinge nicht ahnen: Owen ist ein ganz spezieller Junge, mit dem man sich besser nicht anlegt…


                                                                         



Meinung:
Manche Kinder wünscht man nicht mal seinem schlimmsten Feind. Vatergefühle, Welpenschutz, da hilft nichts mehr. Einsperren, Schlüssel wegwerfen, auch Resozialisierung hat seine Grenzen. Obwohl, selbst so eine tickende Zeitbombe und angehender Amokläufer kann unter gewissen Umständen ganz nützlich sein.


Früh übt sich, die NRA wird's freuen.
So wie bei „Aggression Scale“, der an sich mit einer ganz netten Grundidee den Home-Invasion-Spieß umdreht und dabei massig Potenzial birgt, als rasant-fiese, nicht jugendfreie „Kevin – Allein zu Haus“-Variante ordentlich auf den Putz zu hauen. Knallharte Killer (u.a. Dana Ashbrook – einst Bobby Bricks in „Twin Peaks“ – und Derek Mears, der Hüne aus der „Freitag, der 13.“-Neuauflage, „Predators“ oder „Hatchet III“) wollen im Auftrag ihres Bosses („Twin Peaks“-Klassentreffen: Ray Wise) gemopste Kohle zurück beschaffen, stürmen ein Haus und geraten dabei an einen komplett durchgeglühten Bengel, der John Rambo mit dessen eigenen Jagdmesser das Fell über die Ohren ziehen würde. Klingt prima, zumindest in Erwartung eines sich seiner fast albernen Grundlage bewusstem Genre-Hobel, der zünftig auf’s Gaspedal drückt und mit allerlei derben Einfällen für messerscharfes B-Entertainment sorgt. Bedauerlich, dass dies nur sehr bedingt zutrifft. Mal abgesehen von dem unglaublich dämlich, gezwungen-grimmig dreinschauendem Psycho-Kind, „Aggression Scale“ nimmt sich erstaunlich (und dadurch viel zu) ernst und verpasst dadurch, die absurde und total übertrieben Situation als Waffe zu nutzen. Ein wilder, sarkastischer Ritt hätte es werden können, wenn der Satansbraten mehr solcher brutal-überzogenen Fallen für die (leider eben nicht) „bemitleidenswerten“ Todesengel auslegen würde, wie es sie nur an einer Stelle zu sehen gibt. Wie ein böser Cartoon. Erst kurz vor Schluss ist das (einmal) der Fall. Bis dahin ein Nahkampf-Survival-Szenario, welches so keinen echten Reiz versprüht und dezent (unfreiwillig-negativ) doof wirkt.


Die größte Chance wird allerdings durch einen theoretisch möglichen, praktisch jedoch nicht erzeugbaren Sympathieumschwung verpasst. Zwar werden aus den Tätern letztendlich die Opfer, doch mitfiebern mag man mit niemanden. Die Gangster sind und bleiben grausame Monster und blöde Wichser, der vorpubertäre Einzelkämpfer nimmt nur den Part des Schlächters ein, nicht direkt den als Bad-Guy. DAS hätte wohl tatsächlich funktionieren können. So killt ein Arschloch die anderen. Lediglich die Figur der Schwester ist einem nicht scheißegal, die ist aber auch nur Mittel zum Zweck. Irgendwem muss man ja das Überleben gönnen. Letztlich ist es eigentlich wurscht, wer gewinnt: Die Welt wird dadurch kaum besser. Da liegen die großen Probleme, denn handwerklich ist der Film durchaus in Ordnung und das Auftreten bekannter B-Movie-Gesichter in Spiellaune macht schon etwas Freude. Langweilig und vom Grundsatz uninteressant ist „Aggression Scale“ sicher nicht, nur an den entscheidenden Stellen so verschenkt, kostet ihm den Durchschnitt und genau genommen sogar deutlich mehr. Nicht richtig schlecht, dennoch zu weit vorbei.

4,5 von 10 pädagogischen Totalschäden

Review: BUTTERFLY ROOM - VOM BÖSEN BESESSEN - Madame Butterfly mag kleine Mädchen

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Fakten:
Butterfly Room – Vom Bösen besessen (The Butterfly Room/La Stanza delle Farfalle)
IT, USA, 2012. Regie: Jonathan Zarantello. Buch: Jonathan Zarantonello, Paolo Guerrier, Luigi Sardiello. Mit: Barbara Steele, Ray Wise, Erica Leerhsen, Heather Langenkamp, Ellery Sprayberry, Julia Putnam, Camille Keaton, P.J. Soles, Adrienne King, James Kean, Elea Oberon, Joseph H. Johnson Jr. u.a. Länge: 91 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 10. Juni 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ann, eine Dame im reiferen Alter, kümmert sich fürsorglich um Nachbarstochter Julie, während ihre Mutter lieber Zeit mit ihrem neuen Liebhaber verbringt. Die scheinbar hilfsbereite Frau hat nicht nur ein Zimmer für ihre Schmetterlingssammlung, sondern auch eine beunruhigende Vergangenheit, besonders in Bezug auf kleine Mädchen. Zufällig begegnet sie ihrer entfremdeten, inzwischen erwachsenen, leiblichen Tochter Dorothy wieder. Die ahnt die Gefahr für Julie, kennt sie doch das wahre Gesicht ihrer Mutter.







Meinung:
„The Butterfly Room“ beruht auf dem Roman „Alice dalle 4 alla 5“ von Jonathan Zarantonello, der diesen gleich selbst als Regisseur umsetzt. Der Amerikaner italienischer Abstammung musste sich hier offensichtlich mit sehr geringen Mitteln arrangieren und hat was Inszenierung angeht auch sicher noch das ein oder andere zu lernen, dennoch kann sein B-Psychothriller mit dem Charme von 80er Jahre VHS-Reißern und dem italienischen Genrefilm vergangener Tage als Grundlage in vielen Punkten erstaunlich überzeugen, wenn sich nicht zu sehr an deren typischen Defiziten gestört wird.


Zuckersüß und so durchtrieben.
Der Film trieft förmlich vor gängigen Klischees und Stereotypen, ist psychologisch natürlich eher pulpig veranlagt und tangiert mehr als einmal das oft ambivalent zu gebrauchende Wörtchen Trash. Kritisch gesehen eher Schund, allerdings mit deutlich Herzblut inszeniert, schön garstigem Inhalt, einem exploitativen Wesen, sichtbaren Referenzen und stets auf einem Level, der dem Befürworter solcher Werke durchaus positiv auffallen dürfte. Allein der Cast lässt aufhorchen: Barbara Steele („Die Stunde wenn Dracula kommt“, „Shivers“), Ray Wise („Das Ding aus dem Sumpf“, „Twin Peaks“), Heather Langenkamp („Nightmare on Elm Street“), Adrianne King („Freitag, der 13.“)…wie ein Generations-übergreifendes Klassentreffen (fast) vergessener Genre-Namen, die heute oft eher auf einschlägigen Fan-Veranstaltungen zu finden sind, als am Set eines Films (auch wenn Wise da leicht raussticht, aber solche Gehaltsaufbesserungen sind ihm auch nicht fremd). Für ein großes Comeback spielen die hier alle nicht vor und war sicherlich auch nicht die Intention, man merkt schon speziell bei Langenkamp, dass da viel mehr nicht mehr kommen wird. Doch die Steele, die trägt den Streifen tatsächlich auf ihren betagten Schultern.


Wer die Schmetterlinge anguckt, bekommt Haue.
Ihre Performance ist zwar nicht nur gering überzogen, als heftig geschädigte Schmetterlingssammlerin und Tagesmutter mit Pubertäts-Komplex (in Gedenken an Carrie White) strahlt sie dennoch – und zu gewissen Teilen sogar deshalb – die Aura einer teuflischen Hexe aus, beeindruckt durch eine Spielfreunde und Präsenz, dass ihr Gesamtbild perfekt in den Charme des Films passt. Relativ geschickt erzählt, sehr bösartig, mal cheesy und dann wieder fast elegant, eine sehr interessante Mischung, die man von heute oft glattgebügelten Vertretern – selbst aus dem B-Bereich – gar nicht mehr gewohnt ist. Wo selbst klar billige DTV-Produktionen sich noch mutlos und uninspiriert an großen Vorbildern langhangeln und nicht zu ihrer eigenen Identität stehen, wirkt „The Butterfly Room“ sehr authentisch in seiner offensiv vorgetragenen Genre- und Klassenzugehörigkeit. Ecken und Kanten sind unübersichtlich, gerade die machen den Film rund, in dem ja auch einiges funktioniert. Manche Einfälle können sich sehen lassen und zeigen Wirkung, die wenigen Gewaltspitzen sitzen punktgenau, Spannung wird durchgehend generiert und die kleine Schlusspointe sorgt für ein leichtes Grinsen. Ein netter Abschluss für einen netten Film.


Kein großer Wurf und doch auf seine Art so schön retro, in seinen Mängeln immer entschuldbar und gleichzeitig mit ungeahnten Qualitäten fast überraschend, eine ganz kleine Empfehlung für Genrefans, die sich an bemühten und hingebungsvollen B-Movies erfreuen können.

6 von 10 Ersatzpuppen

Review: BIG ASS SPIDER! – Der Erbe King Kongs kommt auf acht Beinen

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Fakten:
Big Ass Spider!
USA. 2013. Regie: Mike Mendez. Buch: Gregory Gieras. Mit: Gren Grunberg, Lin Shaye, Patrick Bauchau, Ray Wise, Clare Kramer, Lombardo Boyar u.a. Länge: 80 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kammerjäger Alex staunt nicht schlecht als er im Krankenhaus das Opfer eines seltsamen Spinnenbisses sieht. Das Opfer war ein Angestellter eines geheimen Biowaffenlabors und genau aus dem ist eine „Wunderwaffe“ ausgebüxt und sorgt nun für Trouble in der Stadt. Kann Alex das Unheil stoppen?





Meinung:
Jeder kennt die längst zum festen Bestandteil unserer Popkultur avancierte Illustration, in der sich King Kong, eine echte Legende der Kinematographie, der Riesenaffe, verschrien als achtes Weltwunder, das sich in Wahrheit doch nur noch einmal in den Augen der blonden Maid verlieren wollte, an der Außenfassade des Empire State Bulding entlanghangelt und sich gegen die herben Angriffe der attackierenden Flugzeuge zu schützen versucht. Das Poster von „Big Ass Spider!“ ziert ein ähnlich angelegtes Bild, auf dem die titelgebende, genmanipulierte Riesenarachne ein markantes Gebäude in Los Angeles erklimmt und von den ungläubigen Bewohner – wie auch dem Zuschauer – aus der Ferne mit großen Augen aufgesaugt wird. Es ist der größte, eindrucksvollste Augenblick in „Big Ass Spider!“, der sich vorher nicht hinter der Offensichtlichkeit seines geringen Budgets verstecken konnte und in dieser Szene den CGI-Status einer unsäglichen Asylum-Produktion locker überwindet.


Wer sich hier nicht ans Tempolimit hält wird eingesponnen
Und mit Asylum sind wir auch gleich bei einem guten Stichwort angelangt: Zeichnen sich die Werke dieser Mockbusterschmiede wie beispielsweise „Titanic 2 – Die Rückkehr“ oder „Sharknado“ noch durch ihre grauenvoll trashige Einfältigkeit aus, die nicht mal mit einem Träger Starkbier zu ertragen sind, macht „Big Ass Spider“ seinen klaren Trashfundus zum effizienten Prinzip. Soll heißen, während also die Werke à la Asylum es nahezu krampfhaft versuchen, wenigstens einen minimalen Unterhaltungswert aus ihrem bewussten Müll ziehen können, an ihrer aufgesetzten Erbärmlichkeit aber fortwährend ersticken, weiß  Regisseur Mike Mendez „Big Ass Spider!“ immer den nötigen Unterhaltungsfaktor einzuschenken, weil nicht nur der Regisseur, sondern auch alle Beteiligten sich über ihr Format im Klaren sind und es durch reichlich Selbstironie genüsslich auflockern zu wissen. Die Schlechtigkeit ist intentional, und die daraus entstehende Meta-Ebene der luftige Aufhänger des Gezeigten.


Jose und Alex kennen kein Erbarmen
Dabei steht „Big Ass Spider!“ nicht nur für sich als ungebundenes Unikum, ein solcher Film kommt im Regelfall nicht ohne Referenzen an Klassiker aus, die er dann in seiner kläglichen Eigenart nach Lust und Laune parodieren möchte. Die Rechnung geht in vielen gleichartigen Stücken nicht auf, weil die Verspottung zu albern und ohne jedweden Charme auskommen muss. „Big Ass Spider!“ besitzt allerdings genau den Charme und macht es dem Zuschauer nicht nur leicht, seine Charaktere zu mögen, sondern auch die Gags in ihrer eigentlichen Auffassung – und die ist durchweg gutgemeint – inständig zu honorieren. „Big Ass Spider!“ ist nicht nur ein vergnügliches, gewiss intendiertes Trashfest, Mendez und Gregory Gieras wissen ihren überdimensionalen Spinnenangriff zuweilen auch als schöne Hommage an die Creature Feature der goldenen Ära zu publizieren und das Geschehen in Sachen Sympathie so gekonnt auf ein neues Level zu hieven.


Ganz im Ernst: „Big Ass Spider!“ macht Spaß, hat mit dem Kammerjäger Alex (Greg Grunberg) und seinem Sidekick Jose (Lombardo Boyar) ein liebenswertes Hauptgespann und weiß die Jagd auf die mutierte Spinne größtenteils mit dem nötigen Tempo und mit Rücksicht auf das traditionelle Naturell des Monsterfilms zu inszenieren. Allein das Opening, in dem Hauptdarsteller Alex unter der Begleitung von „Where Is My Mind?“ in Zeitlupe durch das hinterlassene Schlachtfeld inmitten von Los Angeles Stadtkern streift, ist so herrlich pseudo-episch eingestellt, dass es eine reine Freude ist. Das Manko an „Big Ass Spider!“ ist nur, und damit war natürlich zu rechnen, dass Mendez es nicht schafft, die Dynamik, die der Film in seinen besten Momenten reichhaltig versprüht, durchweg aufrecht zu halten, was ihn etwas unrhythmisch erscheinen lässt und nicht vor Durchhängern bewahrt. Genau wie Jose, der zwar ein liebes Kerlchen ist und in seiner Naivität durchaus für Lacher sorgt, gelegentlich aber einfach übertreibt und als leichter Störfaktor gehandelt werden muss. Nichtsdestotrotz: „Big Ass Spider!“ sorgt ohne Wenn und Aber für gute Stimmung.


5 von 10 Angriffen im Park


von souli

Review: ROBOCOP - Mensch oder Maschine?

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Fakten:
Robocop
USA. 1987. Regie: Paul Verhoeven. Buch: Edward Neumeier, Michael Miner. Mit: Peter Weller, Kurtwood Smith, Nancy Allen, Ronny Cox, Dan O’Herlihy, Miguel Ferrer, Ray Wise, Paul McCrane, Jesse Goins, Robert DoQui, Felton Perry u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In der nahen Zukunft gleicht Detroit heruntergekommenen Slums. Die Stadt, die neben der Kriminalität vom Großkonzern OCP beherrscht wird, versucht zwar mit polizeilichen Mitteln die Gewalt einzudämmen, doch dieses Unterfangen ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. OCP versucht derweil mittels Robotern die Straßen der Stadt sicher zu machen, doch die Entwicklung dieser Kampfmaschinen ist geprägt von Rück- und Fehlschlägen. Als der frisc nach Detroit versetzte Cop Alex Murphy von einer Gang brutal ermordet wird, sieht OCP ihre Chance. Sie nehmen Murphys Körper und machen ihn zu RoboCop, der nun die Polizei unterstützen soll. Tatsächlich wird RoboCop ein erfolgreicher wie rigoroser Streiter gegen das Verbrechen, doch in dieser neuartigen Maschine steckt immer noch Alex Murphy und dieser ermittelt auch dort, wo es OCP nicht gerne sieht: in den eigenen Reihen.





Meinung:
Irgendwie ist er schon amüsant, der Werdegang des Paul Verhoeven in den Vereinigten Staaten. Aus der trauten Heimat rekrutiert, um der Traumfabrik mit seinem wunderbaren Verständnis für unterhaltsame Reißer die Taschen zu füllen, haben es die Studiobosse und das sensationsgeile Publikum nie wirklich geschnallt, dass hinter Verhoevens perfekt inszenierten Blut- und Gekröseorgien immer eine so direkte Kritik an dem Amerikanismus und seinen mehr als lächerlichen Abstrahleffekten auf nationaler Ebene steckte, dass man dem Holländer für seinen Mut vorbehaltlos auf die Schulter klopfen durfte und den Amerikanern für ihre Blindheit – Denn wenn etwas an den eigenen Traditionen kritisiert wird, ist die künstlerische Karriere schnell an ihrem Ende angekommen – mit einem hämischen Lächeln begegnen durfte. Dabei stellt „StarshipTroopers“ das Sahnestück in Verhoevens Vita dar, denn wie er den blinden Gehorsam, die operativen Mechanismen und den mehr als fragwürdigen Patriotismus durch satirische Mittel ad absurdum führte, war schon mehr meisterhaft.


Murphy unmasked
Das Problem an „Starship Troopers“ war seiner Zeit jedoch das Feuilleton ohne jede Weitsicht: Denn wo die einen nur blutiger Trash erkennen wollten, schrie die andere Seite, dass Verhoeven hier ein waschechtes Propagandawerk erschaffen hat, dass seinen Irrsinn tatsächlich ernst meine. Verhoeven nahm es gelassen, auch wenn seine Karriere dort die ersten Stufen gen Qualitätsabsturz betrat, schließlich war es nicht seine Schuld, wenn man mit offensichtlich fungierender Symbolik nicht umgehen kann. Diese Reaktionen waren bei seinem Debüt in den Staaten kaum anders: „Robocop“ hieß das gute Stück. Und der Titel ließ schon verlauten, dass es hier wohl reichlich bekloppt zu Werke gehen wird. Liest man sich auch die Synopsis zum Film durch, scheint der despektierliche Verdacht tatsächlich fundiert zu sein: Ein Polizist wird bei einem Einsatz umgebracht und kehrt dann als der titelgebende Robocop wieder, der sich an seinen Mördern rächen will. Reaktionäre Gewaltverherrlichung! 


Aber genau das ist „Robocop“ eben nicht. Wenngleich sich der Film typisch für Verhoeven im Blut suhlt, ist der Holländer meilenweit davon entfernt, strunzdummen Action-Trash zu servieren, auch wenn sich viele an seiner oberflächlichen Brutalität – und „Robocop“ ist verdammt brutal – festsaugen und ihn letztlich auch einzig und allein auf genau diese reduzieren, ist Verhoeven ein Sci-Fi-Klassiker gelungen, dessen hintersinnige Substanz unverkennbar für jeden (mit-)denkenden Rezipienten mitschwingt. Es ist kein Geheimnis, dass Verhoeven nie der Mann für subtile Zwischentöne war, der ein System durch nuancierte Nadelstiche zu Boden zwingen wollte, mit Sicherheit nicht. Verhoeven macht keinen Hehl daraus, dass er Amerika, oder in diesem Fall das Amerika der Zukunft, jetzt mal so richtig schön den etablierten Dreck in die Fratze schmiert. In „Robocop“ äußert sich das in seiner ganzer Vehemenz in den fiktiven Werbespots, in dem es zum Beispiel bei einem familiären Spieleabend darum geht, andere Länder in Grund und Boden zu stampfen, während der Atompilz langsam über die Köpfe der Spieler schwebt.


Diese Beine sind für das Gesetz, nicht für den Catwalk
Michael Miner und Edward Neumeier leisten in ihrer Drehbuchvorlage ganze Arbeit, selbst wenn gewisse Handlungsabschnitte – auch in Anbetracht von Robocops Psyche – etwas zu schnell abgehandelt wurde, ist das Endergebnis eben absolut kein platter Film. Und mit dem Innenleben des neumodellierten Polizisten, eingekesselt im mechanischen Exoskelett und mit einem computergeschützten Gedächtnis versehen, dass den ehemaligen Menschen Alex J. Murphy daran hindern soll, in seine Vergangenheit zu reisen und alte Wesenszüge und Erinnerungen aufzurufen, kommen wir auch zu einem weiteren interessanten Aspekt, der „Robocop“ problemlos vom Einheitsbrei des Action-Sujets abhebt. Denn während es in anderen Filmen reicht, den Charakter des Actionhelden in 5 Minuten zu definieren und ihm jede neue Facette zu verweigern, ist Robocop mit genau der Tiefe ausgestattet, die seine Figur auch braucht – Ohne sich zum Affen zu machen und über das eigentliche Ziel hinauszuschießen.


Wenn wir die religiösen Bezüge zur Auferstehung Jesu Christi mal außen vor lassen, bekommen wir mit Robocop einen Charakter, der sich fortwährend in einem brodelnden Sturm mit seinem unausgeglichenen Inneren befindet: Wo Murphy eigentlich daran gehindert werden sollte, Kontakt mit vergangenen Dingen – also auch mit sich selbst  - aufzunehmen, kämpfen die humanen Überresten im Inneren des Panzers gegen das stählerne Gefängnis und die neue Identität. Aber „Robocop“ ist ebenfalls, und auch das war ein Markenzeichen Verhoevens, im höchsten Maße unterhaltsam und vollkommen konzentriert auf seine Fähigkeiten: Der Zynismus, mit dem hier durch das futuristische Detroit gerauscht wird, dient einer progressiven Entlarvung, genau wie die überzogene Gewalt, die sich diesem Mosaik aus satirischen Stilmitteln und gnadenlos-kritischer Themenüberhöhung wunderbar anpasst. Obgleich am Ende nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft wurde, hat sich „Robocop“ seinen legendären Status in der Filmwelt vollkommen verdient, denn dummes BumBum-Kino sieht ganz anders aus.


7,5 von 10 Maschinengewehrsalven


von souli
Hier geht's zum ersten Trailer des "Robocop"-Remakes

Review: CHILLERAMA - Abgesang auf eine sterbende Filmform

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Fakten:
Chillerama
USA, 2011. Regie & Buch: Adam Rifkin, Tim Sullivan, Adam Green, Joe Lynch. Mit: Adam Rifkin, Sarah Mutch, Owen Benjamin, Tania Raymonde, Miles Dougal, Eric Roberts, Lin Shaye, Ray Wise, Sean Paul Lockhart, Anton Troy, Gabrielle West, Adam Robitel, Joel David Moore, Kristina Klebe, Florian Klein, Matthew Temple, Kane Hodder, Richard Riehle, Corey Jones, Kaili Thorne, Brendan McCreary, Ward Roberts, Olivia Dudley, Laura Ortiz, AJ Bowen, Briana Mackay, Remy Mackay Lynch u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Autokino der alten Schule steht vor der Schließung, zum Abschluss versammeln sich Stammkunden und Filmnerds für eine Vorstellung der besonderen Art. Die vergessenen Filmperlen "Wadzilla", "I Was A Teenage Werebear", "The Diary Of Anne Frankenstein" und "Deathication" stehen auf dem Programm. Und ganz nebenbei entwickelt sich ein "Zom-B-Movie"...


 

Meinung:
"Chillerama", zweifellos ein besonderer Film, der in den Zeiten von Streaming-Portalen, Video-on-Demand, Digitalkopien und Blu-ray (obwohl er natürlich auf all diesen Wegen zu sehen ist), die Fahne hochhält für das Auto- und Grindhousekino, Trash, dem Anti-Blockbuster-Film aus der Schmuddelecke, einer aussterbenden Ära, in der sich Nerds und Geeks wohl fühlten und nun kommen vier Filmemacher daher, um dem Respekt zu zollen.

 

"Chillerama" ist einerseits eine liebe- und hingebungsvolle Hommage für die Filmfans mit dem Herz am rechten (oder falschen?) Fleck, aber natürlich auch eine Ansammlung der puren Geschmacklosigkeit, in dem wirklich nichts ausgelassen wird. Killer-Sperma, schwul-trällernde Wer(bären)wölfe, Geschichtsvergewaltigung, die von der Idee schon sehr gewagt ist, eine Scheiß-Orgie, die in einem Rudelbumsen von Zombies endet. Alles klar? Wer jetzt noch nicht gedanklich voll raus ist, angewidert unter die Dusche springt oder vorsorglich schon mal "Forrest Gump" einlegt, das könnte ihr Film sein. 


Adam Rifkin ("Detroit Rock City", von seiner Filmographie eher der Außenseiter, tatsächlich kommt von ihm die mit Abstand beste Episode), Tim Sullivan ("2001 Maniacs", der die eigene Homosexualität in seinem Beitrag mit Anlauf in jegliches Klischee laufen lässt, wofür andere Leute böse auf die Fresse bekommen hätten), Adam Green ("Hatchet" 1 & 2, der mit der besten Grundidee etwas enttäuscht) und Joe Lynch ("Wrong Turn 2", dessen bekanntestes Werk mir gar nicht zusagt, dafür hier ein positive Überraschung darstellt) liefern einzelne Kurzfilme ab, die als Film-in-Film zu "Chillerama" werden. Obwohl Lynch da etwas rausfällt, aber Spoiler sind doof und daher sollte das jeder selbst sehen (wer sich traut).


Bei einer Mischung von einzelnen Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben, ist eine allgemeine Wertung oft schwierig, da macht "Chillerama" keine Ausnahme. Daher fühle ich mich gezwungen (obwohl ich das nicht gerne mache), auf jede Episode genauer einzugehen (dafür gibt es dann auch die Gesamtwertung).



1. Wadzilla.

"Dann wichsen sie, sofort!"

Zu spät für Verhütung
Adam Rifkin liefert einen Auftakt nach Maß. "Wadzilla" ist so klebrig, bescheuert und mit irrsinnigen Ideen gesegnet, da gibt es Samenstau, wenn man nicht...
Das erinnert tatsächlich an einen billigen Monster-Film der 50er, Rifkin spielt sogar selbst die Hauptrolle (das gar nicht mal schlecht) und es jagt ein Knaller den nächsten. Die "Stardichte" ist hier sogar am höchsten, oder wem sagen die Namen (von denen, die nicht schon Forrest zuschauen) Ray Wise, Lin Shaye (hat in Episode 2 einen noch größere Rolle) und Eric Roberts nichts?

"Das Militär tut jedoch sein bestes, wie man ein Ding von dieser Größe runterholen kann...Von den Behörden wird dieses Arial der feuchte Fleck genannt." Herrlich, sogar eine der bekanntesten Frauen der Welt lässt die Hüllen fallen und wackelt mit dem Popo, versprochen. "Wenigstens ist es gut für die Haut".

2. I Was A Teenage Werebear.

"Ihr Kopf ist ausgelaufen, macht bißchen verrückt."

 
Brokeback Werewolf
Tim Sullivan macht einen übertrieben schwulen Mix aus "Grease", "The Lost Boys" und Werwolf-Film, der genial wäre, wenn der Klamauk nicht stellenweise an "Scary Movie" und Konsorten erinnern würde. Das gibt es soviele brachial-alberne Gags, gegen "Wadzilla" stinkt der, darauf beschränkt, ab. Too much. Aber, aber: Neben der eigentlich witzigen Idee gibt es eindeutige Höhepunkte: Die Gesangseinlagen sind großartig. Das beispielsweise "Love bit me on the ass" keine Oscarnominierung bekommen hat, ist ein Skandal. Wenn jetzt der Rest noch stimmen würde, ein Kurzfilmmeisterwerk. Das ist nur leider so auffälig, ganz gut.


3. The Diary of Anne Frankenstein.

"Halt! 99 Luftballons."

Hitlers Helfer
Tja, schade, da war am meisten drin. Der Titel ist ja wohl nicht mit Gold aufzuwiegen, geschweigen denn an Geschmacklosigkeit zu überbieten, für manche Leute ist das Sprengstoff genug. Adam Green nutzt dieses Potenzial kaum, lässt eine albern-stammelnde Hitler-Karikatur auflaufen und es sieht lang (na ja, für einen 20minüter) nach verschenkt aus. Die letzten Minuten machen immerhin Boden gut (der Stuntman!).
Trotzdem, gemessen an den Möglichkeiten enttäuschend.

4. Deathication/Zom-B-Movie.

 
"Deathication" wird eingeläutet von Fernando Phagabeefy und er hat wohl die beste Zitate des Film.

- " Hallo Doktor..." (muss man sehen).
- " Was sie gleich sehen werden, wird sie zum Scheißen bringen."
- " Dieser Film wird sie mit ihren Fäkalien vergewaltigen."

Ja, dem mag ich nicht wiedersprechen, so viel gibt es von dem Prachtstück auch nicht zu sehen, daher zu...


"Zom-B-Movie", nach "Wadzilla" das Prunkstück von "Chillerama". Die Grenzen des guten Geschmacks werden noch mal total überfordert und Joe Lynch zeigt sich äußerst zitierfreudig, minutenlang ist jedes gesprochenen Wort ein Oneliner aus einem bekannten Film, wer alle kennt bekommt ein Eis. Toll!


Das Autokino wird zum Pornokino
Jetzt zum Haken: Wie werte ich das Ganze? Da gibt es recht viel Licht, leider speziell in Episode 2 & 3 auch Sachen, die sehr schattig und, das ist das Hauptproblem, unnötig sind, denn Potenzial und Ideen hat jeder Part des Films. Die Message der vier Herren ist aller Ehren wert, ihre Liebe zum Unsinn und ihre Kreativität unverkennbar, deshalb springe ich über meinen Schatten und gebe 7 Punkte, die für "Wadzilla" deutlich zu wenig und für "Zom-B-Movie" angemessen wären. "I Was A Teenage Werebear" hat zumindest die Idee und die Songs und "The Diary Of Anne Frankenstein" ist ja auch nicht daneben. Abgerundet durch die ganze, liebevolle Zusammensetzung finde ich das vertretbar. 


Und jetzt mal Butter bei die Fische: Spaß macht das ohne Ende! Freunde einladen, Bier kaltstellen, im Nachbarzimmer "Forrest Gump" für "die Anderen" einlegen, ab geht das. 


7
von 10 Popcornbechern mit Löchern