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Review: BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT) - There's No Business Like Show Business

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Fakten:
Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
USA. 2014. Regie: Alejandro González Iñárritu. Buch: Arando Bo, Alejandro González Iñárritu, Nicolàs Giacobone, Alexander Dinelaris Jr. Mit: Michael Keaton, Emma Stone, Edward Norton, Zach Galifianakis, Andres Riseborough, Naomi Watts, Amy Ryan, Lindsay Duncan, Merrit Wever u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 11. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Riggan Thompson ist Schauspieler und wird immer wieder mit seiner Superheldenrollen Birdman in Verbindung gebracht, die er für über 20 Jahren spielte. Um endlich als „echter“ Darsteller wahrgenommen zu werden, will Riggan am Broadway ein Stück inszenieren, sowie dort selbst mitspielen. Doch als ein Kollege von Rigga absagt, scheint das Scheitern des Projekt unausweichlich. Zum Glück springt Theater-Star Mike Shiner ein, doch damit werden Riggans Probleme nur noch mehr.





Meinung:
Wie schnell läuft man als Schauspieler doch Gefahr, immer und immer wieder auf eine markante Rolle reduziert zu werden. Hören wir beispielsweise den Namen Daniel Radcliffe, dann denken wir automatisch an seine Performance in der achtteiligen „Harry Potter“-Reihe, nicht etwa an seinen Auftritt in Nico Muhlys „Kill Your Darlings – Junge Wilde“, genau wie wir Heath Ledger nicht mit Terry Gilliams „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ assoziieren, sondern mit dem die Zunge schnalzenden und den Speichel durch die Wagentaschen schiebenden Joker in Christopher Nolans „The Dark Knight“. Die Konsequenzen dieser forcierten Gleichsetzung lassen sich in den eingefallenen Gesichtern, sowie den versiebten Karrieren vieler Künstler ablesen: Der Erwartungsdruck belästigt und bremst etwaig anvisierten Entwicklungsprozess und am Ende heißt es womöglich billige Ostblock-Reißer zu drehen, weil es ein Ding der Unmöglichkeit geworden ist, sich aus dem Schatten ehemaliger Box-Office-Mirakel zu winden. Auch Michael Keaton kann davon ein Lied singen, deswegen ist „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ in erster Linie auch sein Film.


 
Riggans Tochter hat Probleme
Viel wurde vorab über Alejandro Gonzalez Inarritus neusten Streich geschrieben, überall hat man sich das Maul über die tonale Kehrtwende zerrissen, offerierte der Trailer doch ganz eindeutig, dass in „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ auf direktem Wege auch eine humoristische Komponente in das Geschehen integriert wird. Das kommt natürlich einer Art Quadratur des Kreises gleich, denn wer sich mit Alejandro Gonzalez Inarritus bisherigem Schaffen auseinandergesetzt hat, der weiß, dass bei dem Mann nicht gerade unbekümmert-legere Witzigkeit oberste Priorität inne trägt, sondern betonschwere Melodramatik, die dann auch in seiner 150-minütigen Passionsgeschichte „Biutiful“ mit Javier Bardem in erdrückender Formung kulminierte. „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist in seiner narrativen Strukturierung aber letzten Endes gar nicht so distanziert von Filmen wie „Amores Perrors – Wilde Hunde“, „21 Gramm“ oder „Babel“ anzusiedeln, sondern auch ein Film, der seine episodische Zergliederung durch seine Form beibehält und es den Akteuren sowie ihren charakterlichen Eigenarten so das Überschneiden und Differieren ihrer Wege ermöglicht.

 
Riggan und Mike Shiner bei der Aussprache
Im Mittelpunkt steht, wie erwähnt, Michael Keaton, der den abgeschlagenen „Birdman“-Darsteller Riggan Thomson verkörpert. Vor mehr als 20 Jahren hat er in der Rolle dieser Comic-Figur Weltruhm erlangt und die Kassen zum Klingeln gebracht, als er es allerdings abgelehnt hat, den vierten Teil der „Birdman“-Saga zu drehen, ging es mit seiner Karriere nur noch bergab. Die letzte Chance, um wenigstens noch einmal etwas in den Fokus der Medien zu geraten, sieht Riggan darin, Ryamond Carvers „What We Talk About When We Talk About Love“ für den Broadway zu adaptieren. Ambitioniert wie er ist, zeigt er sich direkt mal als Schauspieler, Autor und Regisseur in Personalunion: Nur einmal in seinem Leben möchte er etwas wirklich Wichtiges erschaffen; etwas, das die Menschen bereichert, anstatt sie nur durch den inzwischen so sehr verehrten Gigantismus diverser hochbudgierter Produktionen abzustumpfen. Selbstredend steckt in der fiktiven Figur des Riggan Thomson viel vom realen Michael Keaton, der einst unter der Ägide von Tim Burton in „Batman“ und „Batmans Rückkehr“ glänzen durfte, danach aber doch eher ins Stagnieren geraten ist und zunehmend von der Bildfläche verschwand.

 
Birdman hebt ab
Dass Riggan nicht der einzige Knotenpunkt der Geschichte ist, der einen selbstreferenziellen Unterbau besitzt, ist bei dem Setting der Theaterbühne eindeutig. „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist auch eine mit galligem schwarzen Humor angereichte Reflexion über die Existenz als Schauspieler; eine Meditation über das Streben nach Größerem und dem permanenten Ringen mit beißenden Selbstzweifeln, die nicht zuletzt aus oftmals zutiefst verletzenden Gegenüberstellung von Selbst- und Öffentlichkeitswahrnehmung keimen. Das Theater per se ist ein Ort, an dem sich Sündenbabel und Purgatorium kreuzen und die niemals stillstehende Kamera von Emmanuel Lubezki das kreiselnd-abtastende Instrument, welches sich durch die Eingeweide der Kunst bis in den wirren Kopf des ehemaligen Superhelden bohrt. Das polternde Drum-Arrangment, welches wie eine Lawine über die Tonspur rollt, akzentuiert nicht nur die formale Dringlichkeit von „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, sie symbolisiert das Seelenleben der Protagonisten, die Ruhelosigkeit und die Mobilisierung letzter Willenskraft, den inbrünstig-schizophrenen Widerstand gegen die alles zerfressende Unbedeutsamkeit.


„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist ein Film über das Showbusiness, über die Mechanismen und das System hinter Starrummel und Werbetrommel, hinter medialen Eintagsfliegen und wahren Ikonen, was ihn vielerorts zum Eitelkeitsprojekt gemacht hat, welches sich an schierer Prätention weidet. Stattdessen aber ist Alejandro Gonzelez Inarritu die wohl virtuoseste Satire über die Unterhaltungsindustrie samt all seinen mannigfachen Abzweigungen seit langer, langer Zeit gelungen. Huldigung und Abgesang, preschende Komik und sensible Tragik, stehen sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber, Form und Inhalt gehen eine gar überwältigende Synthese ein, während Michael Keaton an forderster Front noch einmal unter Beweis, wieso man ihm so viele Jahre Unrecht getan hat – Er ist eben doch ein hervorragender Darsteller, absolut fähig nuancierte Charakter-Profile anzulegen und auszuspielen. Genau wie es Edward Norton als manierierter Method-Actor Mike Shiner endlich mal wieder vergönnt war, in einem überaus gelungenen Film zu glänzen. Wundervoll.


8 von 10 gelogene Geheimnisse


von souli

Review: MUPPETS MOST WANTED – Wenn ein Frosch im Gulag steppt

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Fakten:
Muppets Most Wanted
USA. 2014. Regie: James Bobin. Buch: Nicholas Stoller, James Bobin. Mit: Tina Fey, Ty Burrell, Ricky Gervais, Steve Whitmire, Eric Jacobson, Matt Vogel, Kevin Clash, Christoph Waltz, Til Schweiger, Lady Gaga, Ray Liotta, Frank Langella, Usher Raymond, Sean Combs, Salma Hayek, Danny Trejo, Saoirse Ronan, Tony Bennett, Zach Galifianakis u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 11. September auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der finstere Frosch Constantin bricht aus dem russischen Gefängnis aus. Da er Kermit sehr ähnlich sieht, wird kurz darauf Kermit verhaftet und inhaftiert. Constantin nutzt diese Chance, gibt sich bei den Muppets als Kermit aus und plant im Verborgenen einen spektakulären Juwelenraub.





Meinung:
Seit ihrer Geburt Mitte der 1970er Jahre genießen die Muppets internationale Reputation: Kermit hat unlängst einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood spendiert bekommen, während die genialen Folgen der „Die Muppet Show“ auch im deutschen Fernsehen wieder und wieder ausgestrahlt werden. Die große Stärke der Muppets war immer, wie es problemlos verstanden, ein junges und erwachsenes Publikum simultan anzusprechen, den Kindern mit zünftigen Slapstickeinlagen ordentlich Freude bereiteten, über ihren Köpfen aber auch eine ungemein anarchische, gerne gesellschaftskritische Tonalität vertraten, die bei den älteren Konsument auf reichlich Gegenliebe stieß. Im Kino aber wollte die Rechnung nicht aufgehen und nach „Muppets aus dem All“ von 1999, der sich als heftiger Flop herausstellte, sollte es ganze zwölf Jahre still um die quirligen Handpuppen werden. 2011 aber nahm sich „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel ein Herz und erweckte die alten Helden mit „Die Muppets“ wieder zum Leben.


Die Muppets erobern Europa
Segel, der von der Walt Disney Company weitestgehend freie Hand bekam, verknüpfte das liebenswert Urige und angenehm Anarchische der kultisch verehrten Serie auch in dem von ihm geschriebenen Kinofilm, um sich dann noch als menschlicher Hauptdarsteller in Szene setzen zu lassen, der von einer bezaubernden Amy Adams („The Master“) an seiner Seite tatkräftig unterstützt wurde. Mit „Muppets Most Wanted“ bekommt man es nun mit der Fortsetzung zum Megaerfolg aus dem Jahre 2011 zu tun. Jason Segel allerdings hat die Segel (Kalauer!) gestrichen und anstatt seiner Person, haben sich Regisseur James Bobin, der „Muppets Most Wanted“ wie schon „Die Muppets“ inszenierte, und Nicholas Stoller (der Segel damals ebenfalls unterstützte) an das Drehbuch gesetzt. Und was soll man sagen? Es sind halt immer noch die Muppets, und die stehen automatisch in Relation mit jeder Menge Herz, welches seine Kraft zum Teil aus wunderschönen, nostalgischen (Kindheits-)Erinnerungen gewinnt. Allerdings geht „Muppets Most Wanted“ ein Stück weit der Esprit verloren, der selbst Nicht-Muppets-Fans und festgefahrene Musical-Muffel begeisterte.


Im Gulag hat Kermit wenig zu lachen
„Muppets Most Wanted“ setzt genau dort an, wo „Die Muppets“ aufhörten: Die angestimmte Musical-Nummer auf dem Hollywood Boulevard findet ihren Ausklang und in wenigen Wimpernschlägen stehen die Puppen schon wieder allein auf weiter Flur, denn all die Menschen, die ausgiebig mit den Muppets gefeiert haben, waren bezahlte Statisten. Danach folgt eine Meta-Gesangseinlage, die das eigene Fortsetzungsthema gehörig durch den Kakao zieht und gleich mal verlauten lässt, dass Nachfolger ja eh nie so gut sind wie noch die Vorgänger: Eine Entschuldigung für die Enttäuschungen, die die Fans in der nächsten Zeit ereilen werden. Aber eine durchaus spritzige, die Lust auf mehr macht. War „Die Muppets“ noch geschwängert von organischer Emotionalität und konnte mit Songs gefallen, die wahre Ohrwurmqualitäten besaßen und auch noch Tage später durch den Gehörgang schallten, erscheint „Muppets Most Wanted“ zuweilen reichlich beliebig. Was die gehörige Arbeit an den Liedern an dieser Stelle gewiss NICHT diskreditieren soll, nur fehlt einfach der letzte, memorable Quäntchen.


Darüber hinaus fällt „Muppet Most Wanted“ reichlich zahm aus und die größte Subversion, die sich der Film erlaubt, gebärt aus der Parallelisierung vom sibirischen Gulag, in das Kermit durch eine heimtückische Verwechslung landet und der Showbühne, auf der sich der Gauner Constantine, der genauso aussieht wie Kermit, nur mit einem Muttermal am Mundwinkel ausgestattet ist, breitmacht, um seine geplanten Schandtaten weiter auszubauen. Selbstreflexive Witzchen sind da Standard und als Phänomene der Popkultur ist es den Muppets freilich gegönnt, ebenso reich popkulturelle Referenzen zu schlagen. Und das ist auch alles immer niedlich, unterhält, lässt jedoch die immense Klasse vermissen, die man mit der Show seit jeher assoziiert. Der tolle Ricky Gervais zum Beispiel ist bloßer Stichwortgeber als Constatines Adjutant, Tina Fey hingegen ist wunderbar in der Rolle der Gulagaufseherin Nadya, während bei den Cameos (darunter außerdem: Christoph Waltz, Tom Hiddleston, Til Schweiger, James McAvoy, Salma Hayek, Zach Galafianakis, Chloe Grace Moretz, Frank Langella) vor allem Ray Liotta und Danny Trejo im Gedächtnis bleiben, die als eigentlich harte Kerls endlich an einer Musicalnummer teilnehmen dürfen: Zwerchfellerschütterung vorprogrammiert.


5 von 10 langsamen Interpolagenten


von souli

Review: DINNER FÜR SPINNER - Auch Idioten müssen essen

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Fakten:
Dinner für Spinner (Dinner for Schmucks)
USA, 2010. Regie: Jay Roach. Buch: David Guion, Michael Handelman. Mit: Steve Carell, Paul Rudd, Stephanie Szostak, Bruce Greenwood, Ron Livingston, Jemaine Clement, Lucy Punch, Zach Galifianakis, David Walliams, Larry Wilmore, Kristen Schaal, Jeff Dunham, P.J. Byrne u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Tim steht kurz davor, die heiss ersehnte Beförderung zu ergattern. Sein Chef lädt ihn zu einer sehr exklusiven Dinner-Party ein. Jeder Gast soll einen besonderen Begleiter mitbringen: Den grössten Schwachkopf, den er auftreiben kann. Am Ende des Abends soll der Sieger der Idioten gekührt werden. Wie es das Schicksal so will läuft Tim ausgerechnet jetzt der sonderbare Barry vor's Auto. Der perfekte Spinner. Sein Hobby: Mäuse präparieren, um damit berühmte Kunstwerke oder historische Momente nachzustellen. Nicht nur das, auch sonst scheint Barry die ideale Wahl zu sein. Bis zur Party muss Tim nun erstmal echtes Interesse an Barry heucheln, um dessen Vertrauen zu gewinnen. Nicht so schwierig bei dem gutgläubigen Trottel, als schwieriger gestalltet es sich für Tim, in Barrys Anwesenheit nicht komplett wahnsinnig zu werden.

          
                                                                       
                   
                                                     


Meinung:

Und schon wieder ein US-Remake. Diesmal der gleichnamigen, französischen Komödie von 1998. Kennt dort drüben natürlich niemand, ausländische Filme sind ja alle doof und billig, also schnell mal nachgedreht. Gott sei Dank ist dieser Streifen nicht doof und billig...den ein oder anderen Dollar wird er schon gekostet haben. Die hochkarätigen Top-Mimen müssen ja von etwas leben. Prominent ist der Cast tatsächlich und fast jeder von ihnen hat schon in guten Filmen mitgespielt. Feine Sache, nur eben nicht hier.


 


Von Menschen und Mäusen
Es ist wirklich erstaunlich, wie in die - für eine Komödie - überdurchschnittlich lange Laufzeit praktisch keine einzige Chance genutzt wird, auch nur im entferntesten so was wie witzig zu sein. Die müssten eigentlich reichlich vorhanden sein, schliesslich geht es um einen Abend, an dem die schrägsten, frei rumlaufenden Vögel sich die Klinke in die Hand geben. Wenn das nichts ist. Eben: Es ist wirklich nichts. Doch, etwas schon: Schrecklich nervig, mies getimt und unglaublich peinlich. Steve Carell, der durchaus witzig sein kann, darf sich durch eine Parade entsetzlicher Rohrkrepierer albern, begleitet von einem unauffälligem, obwohl praktisch in jeder Szene aktiven Paul Rudd, der zumidest nicht so das Nervenkostüm strapaziert. Praktisch jede der zwanghaft auf witzig getrimmten Figuren ist eine einzige Zumutung. Von dem selbstverliebten, exzentrischen Künstler-Stecher, bis zu der grauenvollen Stalkerin und sogar "Little Britain"-Star David Walliams ist mit billigem Schweiz-Akzent total verschenkt. Der dicke Zottel-Zach mit dem Nachnahmen für die Logopädie-Stunde ist da keine Ausnahme. Mit irrem Blick durch die Gegend starren ist scheinbar super-lustig, ein echter Brüller. Hilfe!

 


Peinlich, aber wenigstens gibt's was zu essen
Wie schon erwähnt, da ist ja richtig Potenzial drin, umso erschreckender, wie konsequent und nahtlos das gegen die Wand gefahren wird. Fast zwei Stunden lang (warum eigentlich?) wird ein platter "Gag" (oder so) nach dem nächsten gerissen, Charme hat das Ding schon mal gar nicht und natürlich gibt es den unabdingbaren Schuss Beziehungs-Stress-Gesülze, aber am Ende ist alles wieder spitze und der peinliche Dödel, Überraschung, entpuppt sich als doch ganz liebenswerter Kerl mit tragischer Vergangenheit. Sach bloss, echt? Na dann, lass uns echte Freunde sein, du bist ja doch so cool auf deine verschrobene Art und ich ein arrogantes Arschloch, aber dank dir hab ich das endlich eingesehen. Komm an meine Brust. Ach, wie schön...


Nee, leider gar nicht. Ein (wer hätte es gedacht) überflüssiges und vor allem auf der ganzen Linie vergeigtes Remake zum langweilen, fremdschämen und bitte ganz schnell wieder vergessen. Da, und das heisst was, lieber das echte "Dinner für Spinner", heisst "Das perfekte Promi-Dinner", die haben das Geld auch nötiger als Steve Carell, Paul Rudd und Co. und können halt auch nichts anderes. Oft nicht mal kochen.



3 von 10 Mausterwerken

Review: HANGOVER 3- Das Wolfsrudel findet endlich seinen Frieden

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Fakten:
Hangover 3 (The Hangover Part III)
USA. 2013. Regie: Todd Philips. Buch: Scott Moore, Jon Lucas, Todd Philips. Mit: Bradley Cooper, Zach Galifianakis, Ed Helms, Justin Bartha, John Goodman, Ken Jeong, Heather Graham, Mike Epps, Jamie Chung, Jeffrey Tambor, Melissa McCarthy u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nachdem Alans Vater gestorben ist, raten Phil, Stu und Doug ihm, eine psychologische Einrichtung aufzusuchen, die ihm aus dem Tal der Trauer geleitet und emotionalen Beistand leistet. Die Drei erklären sich auch bereit, Alan in seine Kur zu begleiten, doch auf dem Weg dorthin geht so einiges schief. Nachdem die Fahrt gewaltsam vom mysteriösen Gangster Marshall gestoppt wird und dieser sie zwingt, den sich auf der Flucht befindenden Mr. Chow ausfindig zu machen, geht das Chaos erst richtig los, denn Marshall behält Doug solange als Versicherung in Gewahrsam. Ein irrer Trip durch Amerika und Mexiko beginnt…




Meinung:
Wenn man sich an das Kinojahr 2009 zurückerinnert, dann hat nicht Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, Clint Eastwoods „Gran Torino“ oder Danny Boyles Oscar-Volltreffer „Slumdog Millionär“ den größten Hype ausgelöst, sondern eine ganz bestimmte Chaos-Komödie um das inzwischen kultige Wolfsrudel schlug ein wie eine Bombe und spielte beinahe das Achtfache seiner 35 Millionen Dollar Produktionskassen weltweit ein. Die Rede ist natürlich von Todd Phillips Goldmiene „Hangover“, in dem der durchschnittliche Comedy-Regisseur seinen Ruf dank einer ordentlichen Drehbuchvorlage von Jon Lucas und Scott Moore und der gutgetimten Inszenierung in Sachen Situationskomik von Grund auf frisieren konnte.  Mit „Hangover 2“ fiel die filmische Qualität und die eigentliche Fortsetzung, die zwar erneut ein extremer Kassenschlager darstellte, wurde zum platten Remake ohne Zündstoff. Nun ist der Grat, aus dem Todd Phillips aus kommerzieller Sicht wandelte, kein dünner, doch das filmische Niveau ließ deutlich zu wünschen übrig. Ob er mit „Hangover 3“ nun näher am zweiten Teil ist oder doch die nötige Frischzellenkur erfahren konnte, lässt sich einfach beantworten: Die Geldkuh wurde zweimal zu viel gemolken.


Zum Glück muss John Lennon das nicht ansehen
Todd Phillips kündigt im Vorfeld der Dreharbeiten zu „Hangover 3“ an, dass er sich einem neuen Motiv annehmen wird, um Teil 3 nicht schon wieder wie ein verdrehtes Plagiat im „Höher, Schneller, Weiter“-Mantel vom Sommerknaller „Hangover“ aussehen zulassen, wie es schon bei Teil 2 der Fall war, in dem schließlich nur einfache Versatzstücke der Geschichte ausgetaucht wurden. Und tatsächlich: „Hangover 3“ durfte eine konzeptionelle Veränderungen erfahren und unser wohlhabendes Mittelstandsquartett erlebt mal keine Nacht im Suff, voller Drogen, Alkohol und anderer Scharmützel. Es ist jedoch auch eine in Stein gemeißelte Regel, dass entwurfsmäßige Überarbeitungen nicht gleichbedeutend mit einer qualitativen Steigerung verkoppelt sind, wenngleich „Hangover 3“ die Nase im Vergleich zur zweiten Erinnerungsjagd durch Bangkok doch vorn hat.


Die Story um unser Wolfsrudel folgt nun einem linearen Faden, ohne Gedächtnislücken oder erschreckende Überraschungen am Körper der Beteiligten; der titelgebende „Filmriss“ bleibt dementsprechend aus. Vielmehr konzentriert sich Phillips' Inszenierung darauf, sämtliche Reminiszenzen des Ursprungs wiederholend aufzuarbeiten und ihnen einen neuen Rückhalt zu geben, der nicht nur einige Szenen aus „Hangover“ in einem anderen - aber nicht Spaßfaktor mildernden - Licht  erstrahlen lässt. Die Storyeckpfeiler der unterdurchschnittlichen Umsetzungen werden dadurch ebenfalls ausgeführt. Dabei hat sich das Drehbuch allerding ein kleines Lob verdient: Die Einführung des fiesen Gegenspielers Marshall, der seine 21 Million Dollar in Geldbarren dank r. Chow vermisst, ist durchaus gelungen und entfaltet sich aus einer Facette des Erstlings, die die unbewusste Perzeption des Zuschauers herrlich torpediert.


Marshall ist kein angenehmer Zeitgenosse
Das Problem von „Hangover 3“ ist dennoch ein ähnliches, wie es auch Teil 2 besaß: Die Luft ist einfach raus; selbst bei der eigentlichen Erneuerung des Verlaufs, ist hier keinem der Mitwirkenden ein produktives Update geglückt. Den Anfang in der innovationslosen Parade geben die Charaktere ab, die nach wie vor strukturierte Hüllen ihrer Vorlage sind und den Blick über den auferlegten Tellerrand strikt verboten bekommen – Eine kleine, neue Nuance könnte ja deplatziert wirken. Die Figuren reißen auch im dritten Anlauf rein gar nichts mehr, selbst wenn sie sich ihrer versteiften Charakteristik ausnahmslos treu geblieben sind. Zach Galifianakis ist der zerstreute Klassenclown Alan und sorgt wieder für die skurrilen Augenblicken mit seiner speziellen Art, während Bradley Cooper als Phil und Ed Helms als Stu die standhaften Normalos mit Klarsicht darbieten, um sich nie aus ihrem sittlichen Korsett zu bewegen, eben weil es hier nicht zum obligatorischen Exzess kommt. Ein herbes Eigentor schießt sich der Film mit der Rollenvergrößerung von Ken Joeng. In seiner Rolle als extrovertierter Zappelphilipp Mr. Chow war Joeng in den anderen Filmen als Sidekick noch erträglich, hier hingegen bekommt er eine zentrierte Rolle und wird zum Dreh- und Angelpunkt. Um Klartext zu reden: Der Mann ist ein absoluter Störfaktor und jedes Schmunzeln was auf seine Kosten geht, ist purer Zufall.


Noch hat Alan gut zu lachen
Der Eröffnungsgag mit Giraffe auf der Autobahn, über den sich PETA-Aktivisten lauthals echauffieren dürfen, steht symptomatisch für den gesamten Film: Eine Szene wird reißerisch aufgezogen, ausgereizt und bricht daraufhin mit lautem Getöse in sich zusammen. Die Lacher bleiben aus, einfach aus dem Grund, weil „Hangover 3“ nichts Witziges zu bieten hat, sondern nahezu durchgehend mit vorhersehbaren wie mit rumpligem Timing bestraften Plattitüden jongliert. Die Truppe um Phil und Co. klappert danach ein Setting nach dem anderen ab, überall soll der große Kalauer warten, dieser verpufft  aber bevor Alan oder Mr. Chow mit ihren postpubertären Blödeleien beginnen dürfen. Zwischendurch gibt es ein Wiedersehen oder Abschiednehmen mit sämtlichen Figuren, die irgendwann mal in einem der „Hangover“-Streifen aufgetaucht sind; Esprit und Schwung sucht man hier vergebens, obgleich man sich hin und wieder das Grinsen nicht verkneifen kann.


Fazit: Als „episches Finale“ deklariert, ist „Hangover 3“ quasi das Gegenteil davon und rasselt in allen kritischen Belangen gnadenlos durch.  Je mehr Budget Phillips zur Verfügung steht, desto schlimmer wird es, möchte man meinen, schließlich ist sein drittel Teil rundum das nervtötende Wolfsrudel – genau wie Teil 2 – ein Film ohne jede Daseinsberechtigung. Aber der Schmu hat ja nun zum Glück sein mehr als nötiges Ende gefunden. Hoffentlich. Für die Fans der Vorgänger wird wohl auch der dritte Streich versöhnlich enden und seine Anhänger mit einem Lächeln auf dem Lippen aus dem Kinosaal entlassen, allen anderen Filmliebhabern ist von „Hangover 3“ natürlich mit eindringlicher Vehemenz abzuraten, denn mehr als ein frustriertes Kopfschütteln bleibt ihnen am Ende nicht.


3 von 10 Unglücklichen Giraffen auf der Autobahn


von souli