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Review: HORNS - Harry Potter ist ein echter Teufelskerl

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Fakten:
Horns
USA. 2013. Regie: Alexandre Aja. Buch: Keith Bunin, Joe Hill (Vorlage). Mit: Daniel Radcliffe, Max Minghella, Joe Anderson, Juno Temple, James Remar, Kelli Garner, Kathleen Quinlan, Heather Graham, David Morse, Alex Zahara, Michael Adamthwaite, Kendra Anderson u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren.Ab 17. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Vor einem Jahr wurde Ig Parrishs Freundin brutal ermordet. Der Täter wurde aber nie gefasst, da es keine Beweise gab. Für die meisten gilt aber Ig als Täter. Als dieser nun nach einer durchzechten Nacht verkatert erwacht, sind ihm Teufelshörner auf der Stirn gewachsen. Ein Zeichen für seine Schuld?





Meinung:
Dass sich hinter dem Pseudonym 'Joe Hill' der Sohnemann von Literaturikone Stephen King verbirgt, lässt sich auf dem Papier vielleicht noch verheimlichen, sieht man sich dem Mann jedoch ins Gesicht, ist die physiognomische Ähnlichkeit zu seinem renommierten Vater doch frappierend. Selbstredend verdient sich Joe Hill den Mammon ebenfalls als Schriftsteller und dass er Romane zwar toll einführen, aber nicht adäquat zum Ende bringen kann, soll er passenderweise von seinem Erzeuger geerbt haben. Stephen King ist natürlich auch in der Filmwelt seit vier Dekaden kein unbeschriebenes Blatt mehr und geschätzte Regisseure wie Brian De Palma („Carrie – Des Satans jüngste Tochter“), Stanley Kubrick („Shining“) und David Cronenberg („Dead Zone“) haben sich seinem mit internationaler Reputation anerkannten Stoffen bereits angenommen. Es ist allerdings auch kein Geheimnis, dass so eine Adaption nicht immer glückt und den Geist der Vorlage mehr verschandelt denn internalisiert. Und mit Alexandre Ajas „Horns“ muss sein Spross Joe Hill nun genau das erfahren.


Gibt sich Ig nun dem Bösen hin?
Alexandre Aja gehört nicht ohne Grund zu den modernen Horror-Regisseuren, die eben nicht mit der französischen Welle an Genre-Filme gebrochen sind, sondern den Markt mit einer überraschenden Kontinuität von hochwertigem Material füttern: „High Tension“, damals noch in der heimischen Landen produziert, war seine Eintrittskarte nach Amerika, wo er 2006 mit „The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen“ nicht nur eines der besten Remakes inszenierte, sondern auch den schnörkellosen Terror zurück in die Lichtspielhäuser gebracht hat. „Mirrors“ muss sich zwar als Geißel seiner Filmographie verstehen lassen, seinen Ausrutscher wusste Aja aber mit dem furiosen Fun-Splatter „Piranha 3D“ mühelos wieder auszubessern. Festzuhalten bleibt, dass Alexandre Aja ein verlässliches Händchen hat, wenn es um Produktionen geht, die sich erst durch eine gewisse Genreaffinität so richtig bewähren. Mit „Horns“ erfolgt eine weitere Zäsur im noch überschaubaren Œuvre des Franzosen: Nie zuvor war Aja so überfordert damit, akkurate Übergänge innerhalb der stetig oszillierenden Tonalität zu schaffen.


Lassen jetzt auch Igs letzte Freunde ihn fallen
Das Konzept von „Horns“ jedenfalls ist angenehm, weil es originell ist und macht durchaus Lust darauf, sich mit der Ausgangslage zu beschäftigen: Ig Perrish (Daniel Radcliffe) hat den Tod seiner langjährigen Freundin Merrin (Bezaubernd wie immer: Juno Temple) zu beklagen. Ihr lebloser Körper wurde im Wald gefunden, direkt unter dem Baumhaus, in dem das Paar so viele gemeinsame Stunden verbracht hat, der Kopf von einem harten Gegenstein eingeschlagen, die blauen Augen noch weit aufgerissen. Den Mörder konnte man nie überführen, und weil es nahegelegenen erscheint, wird Ig von der Kleinstadtgemeinde für diese Schandtat bezichtigt und auf Schritt und Tritt von raffgierigen Reportern verfolgt, während ihm die Bewohner auf Plakaten zum Teufel höchstpersönlich erklären. Es erscheint wie die gallige Ironie des Schicksal, dass Ig nach einer durchzechten Nacht tatsächlich zwei Hörner aus der Stirn wachsen und das Bild der Öffentlichkeit so nur bestätigen. Der hiesige Arzt jedenfalls zeigt sich überfordert mit dieser doch sehr symbolischen Anomalie und vergnügt sich lieber mit seiner dickbusigen Assistent, während ihm eine Mutter überraschenderweise gesteht, ihr kreischendes Kind doch liebend gerne mal richtig deftig vermöbeln zu wollen.


Hat Ig wirklich diese Frau ermordet?
Was sich also erst als Fluch deutlich gemacht hat, wird – das Klischee verlangt es nun mal so - für Ig zum Segen, verraten ihm die Leute, die ihn berühren, doch die nicht immer angenehme Wahrheit, was ihm die Chance gibt, dem wahren Mörder seiner geliebten Freundin auf die Spur zu kommen. In jedem seiner Filme - „Mirrors“ mal ausgenommen – hat Alexandre Ajas es verstanden, den garstigen Horror homogen mit einem gesunden Maß an schwarzem Humor abzumischen, ohne sich mit Infantilität zu brüsten. „Horns“ ist zwar nicht erpicht darauf, das blanke Grauen aufzubereiten, wie man es in „The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen“ antraf, aber er versucht sich als schwungvoll-atmosphärischer Hybrid, in dem er den paralysierenden Schmerzherz Igs als pathetisches Drama und die Suche nach dem Täter als Projektionsfläche für den obligatorischen Whodunit-Topos und oftmals unangenehm dahinsiechende Humorspitzen publiziert. „Horns“ fühlt sich zu keiner Zeit an wie ein Film von Alexandre Aja, er besitzt zwar eine gewisse mysteriöse Poetik in der Bildsprache, kann diese aber nicht für seinen unausgeglichenen Inhalt verwenden, weil ihm die kohärenten Mittel fehlen, all die Einflüsse, Stilmittel und Ideen zu bündeln.


„Horns“ ist letztlich nichts Ganzes und nichts Halbes, nicht Fisch und schon gar nicht Fleisch – Vor allem aber ist er aufgrund der Absenz einer narrativer Balance ein erschöpfend unrundes, ungreifbares und in sich kaum stimmiges Unterfangen, welches letztlich nicht über den Standard einer weinerlichen, handzahmen und glattgebügelten Young-Adult-Parabel hinausgeht. Für Daniel Radcliffe („Die Frau in Schwarz“) ist „Horns“ natürlich auch eine weitere Möglichkeit, sich vom „Harry Potter“-Stempel zu lösen, und in seiner braunen Lederjacke und dem Drei-Tage-Bart hat er jedenfalls schon mal äußerlich die rechte Coolness, um sich marginal von seinem Stigma loszueisen. Schauspielerisch aber ist Radcliffe den ganz großen Emotionen nicht gewachsen und schafft kaum, den Zuschauer organisch in sein kochendes Wechselbad der Gefühle zu involvieren. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Alexandre Aja beim nächsten Mal wieder dem reinrassigen Erwachsenenkino widmet, denn anscheinend gelingen ihm die humorvollen Referenzen nur unter Volldampf. Wer diesem Konglomerat tatsächlich einen satirischen Mehrwert anheften möchte, der sollte sich ernsthaft die Frage stellen, wo denn überhaupt die kritische Dimension im theologischen Kreuzfeuer begraben liegt: Im luftleeren Raum, wie alles hier.


4 von 10 dienenden Schlagen


von souli

Review: BOOGIE NIGHTS - Marky Mark hat den Größten!

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Fakten:
Boogie Nights
USA, 1997. Regie: Paul Thomas Anderson. Buch: Paul Thomas Anderson. Mit: Mark Wahlberg, Burt Reynolds, Julianne Moore, William H. Macy, John C. Reilly, Philip Seymour Hoffman, Heather Graham, Don Cheadle, Thomas Jane, Philip Baker Hall u.a. Länge: 149 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:

Eddie (Mark Wahlberg) hat ein großen Talent: er kann, gelinde gesagt, mit seinem übergroßen Penis ficken wie ein junger Gott. Und mit Hilfe dieses Talents, des Regisseurs Jack Horner (Burt Reynolds)  und vielen anderen skurrilen Figuren schafft es Eddie unter seinem Künstlernamen „Dirk Diggler“, einen kometenhaften Aufstieg hinzulegen und zum großen Star der Pornobranche zu werden. Allerdings hat dieser Aufstieg auch seine Schattenseiten, die Eddie und die anderen Beteiligten schon bald zu spüren bekommen sollten.




Meinung:
Dass Paul Thomas Anderson ein hervorragender Regisseur ist, das hat er schon oft bewiesen. Egal ob nun „There Will Be Blood“ über einen Öl-Tycoon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sein Episodenfilm „Magnolia“ oder zuletzt „The Master“, immer zeigt Anderson, dass er in der Lage ist, hochinteressante Geschichten zu erzählen, tolle Charaktere zu entwickeln und vor allem, dass er es wie kaum ein anderer versteht, seine Schauspieler zu absoluten Höchstleistungen zu treiben. Nicht selten, so heißt es, waren viele Schauspieler besser als in einem Film von Paul Thomas Anderson. So zum Beispiel ein Adam Sandler in „Punch-Drunk-Love“ oder Tom Cruise in „Magnolia“ und sogar bei einem Schauspielmeister wie Daniel Day-Lewis steht die Rolle des Daniel Plainview in „There Will Be Blood“ für so manchen knapp vor seinen anderen Meisterleistungen. Dazu kommt ein gutes Gespür für das richtige Bild, die richtige Kameraeinstellung, für Musik und Geräusche. Das alles vereint er, ohne sich Filmkonventionen anzubiedern. Er macht seine Filme, wie er sie haben will und richtet sie nicht nach Studios und auch nicht nach dem Zuschauer aus.


Auch bei Pornos heißt es, Individualität zu zeigen
Aber zu all dem wäre es vielleicht nie gekommen, hätte er nicht „Boogie Nights“ gedreht, einem Film über die Pornoindustrie in den späten 70er und frühen 80er Jahren, der Anderson zu seiner ersten Oscarnominierung (Drehbuch) und seinem Durchbruch verholfen hat. In diesem Film zeichnet Anderson das Bild der Pornoindustrie. Zunächst scheint die Welt zwischen Brüsten und Bumsen eine Art bunte Traumwelt zu sein, wilde Partys, Drogen und der schnelle Erfolg Dirk Digglers tragen dazu bei. Doch nach und nach werden auch Schattenseiten des Business aufgezeigt. Die Branche verändert sich, der Sex wird härter, noch mehr zum reinen Geschäft. Und der Erfolg bleibt, nicht zuletzt durch Drogen, immer mehr aus. Stattdessen kommen mit den 80ern andere Themen auf: zunehmender Konservatismus, Intoleranz gegenüber der Pornobranche, Gewalt, Homophobie, Drogen. Und die Branche fängt an, sich selbst von innen zu zerstören. Zwar überraschungsfrei aber doch ungemein fesselnd zeigt Anderson diese Entwicklung exemplarisch anhand der Figur Dirk Digglers und der anderen Personen.


"Jeder Mensch ist mit etwas Besonderem gesegnet!"


Voyeurismus in seiner professionellen Variante
Anderson lässt sich dafür viel Zeit, zweieinhalb Stunden dauert „Boogie Nights“. Aber besonders in der ersten Filmhälfte merkt man davon gar nichts. Der Zuschauer erhält einen guten Einblick in das Leben von Eddie, seinen Aufstieg. Es bleibt jedoch nicht bei der Hauptperson, auch die zahlreichen Nebenfiguren werden interessant eingeführt und im Verlauf des Films immer näher beleuchtet. Jede einzelne Figur hat ihren Raum, die Chance, dass der Zuschauer mehr über sie herausfinden kann. Keiner kommt zu kurz, egal ob es der Pornoregisseur ist, der seine Zuschauer vor allem mit der Geschichte seiner Filme fesseln will, die drogensüchtige Pornodarstellerin, die eigentlich am liebsten Mutter sein will, der Kameramann mit seiner nymphomanisch veranlagten Ehefrau sowie der Pornodarsteller, der einen großen Faible für die Zauberei hat. Diese und noch viel mehr Figuren haben eben jeder etwas, was sie zu etwas Besonderem macht in diesem großen Geschäft Sex.
Was ihnen eine Identität verleiht, was sie voneinander unterscheidet und was sie als Menschen zeigt, die wie du und ich sind. Mit den gleichen Hoffnungen, Träumen und Idealen, aber auch mit den gleichen Problemen.


"Ich hab den größten, Alter!"
Aber egal wie genial die Charaktere auch sein mögen, es braucht auch immer Schauspieler, die in der Lage sind, diese Figuren mit Leben zu füllen. Und das hat Andersons Film. Da ist natürlich Mark Wahlberg zu nennen. Besonders zu Beginn des Films verleiht er seinem Eddie eine unglaubliche Natürlichkeit. Die Mischung aus Unsicherheit und Naivität trifft er perfekt, obwohl nicht immer klar ist, ob es denn wirklich Wahlbergs schauspielerisches Talent ist oder eher die wirkliche Unsicherheit von Jungschauspieler Marky Mark, der eben selbst gerade im Geschäft Fuß fassen will. Die Nebenrollen werden von einem illustren All-Star-Cast dargestellt. Unter anderem John C. Reilly, Heather Graham, Don Cheadle, William H. Macy, Philip Seymour Hoffman und vor allem Julianne Moore reihen sich hier ein, ihnen allen merkt man ab der ersten Sekunde den Spaß an, den sie an ihren Rollen haben. Jeder Blick, jede Bewegung scheint perfekt auf die andere abgestimmt zu sein. Und dennoch ragt einer klar heraus: Burt Reynolds. Allein wenn man ihm am Ende bei einer langen Kamerafahrt durch sein Haus folgt, wo er mit verschiedensten Personen spricht, da merkt man, dass Reynolds nicht nur eine Rolle spielt, sondern dass er mit dem Pornofilmregisseur Jack Horner verschmolzen ist. Es gibt bei ihm nicht mehr den Unterschied zwischen Rolle und Schauspieler – bei Reynolds ist es das gleiche.


"Wollen wir nicht lieber 'nen Film kucken?"
Aber nicht nur Geschichte, Figuren und Schauspieler stimmen, auch die Inszenierung ist klasse. Tolle und lange Kamerafahrten, ruhige Aufnahmen, wunderbare Schnitte – diese Aufzählung könnte beliebig weitergeführt werden, gerecht wird man dem Film damit nicht. Aber dennoch muss noch eine Sache gesagt werden und das ist die Musik. Musikalisch wird die Epoche, in der der Film spielt, wunderbar eingefangen, Anderson schafft es, bekannte Hits von unter anderem Hot Chocolate, den Beach Boys oder Ricky Springfield mit der starken und atmosphärischen Filmmusik von Michael Penn zu verbinden. Sie vermitteln eine unfassbar gute Stimmung, die einem auch über in der zweiten Filmhälfte gelegentlich auftretende Längen hinweghilft.


Wieder einmal hat Paul Thomas Anderson bewiesen, dass er das große Talent hat, Geschichten fesselnd auf die Leinwand zu bringen. Gepaart mit interessanten, gut ausgestalteten Figuren und den dazu passenden hervorragenden Schauspielern zeichnet PTA das Bild der Pornoindustrie um das Jahr 1980 anhand seiner Figuren und eben vor allem anhand Dirk Digglers. Einziges, kaum spürbares Manko an diesem Film ist, dass er in der zweiten Filmhälfte dann doch die ein oder andere kleine Länge aufweist. Aber über das kann man in den knapp 150 packenden Minuten, die besonders in der ersten Hälfte wie im Flug vergehen, leicht hinwegsehen.


9 von 10 nackte Frauen mit Rollschuhen

Review: HANGOVER 3- Das Wolfsrudel findet endlich seinen Frieden

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Fakten:
Hangover 3 (The Hangover Part III)
USA. 2013. Regie: Todd Philips. Buch: Scott Moore, Jon Lucas, Todd Philips. Mit: Bradley Cooper, Zach Galifianakis, Ed Helms, Justin Bartha, John Goodman, Ken Jeong, Heather Graham, Mike Epps, Jamie Chung, Jeffrey Tambor, Melissa McCarthy u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nachdem Alans Vater gestorben ist, raten Phil, Stu und Doug ihm, eine psychologische Einrichtung aufzusuchen, die ihm aus dem Tal der Trauer geleitet und emotionalen Beistand leistet. Die Drei erklären sich auch bereit, Alan in seine Kur zu begleiten, doch auf dem Weg dorthin geht so einiges schief. Nachdem die Fahrt gewaltsam vom mysteriösen Gangster Marshall gestoppt wird und dieser sie zwingt, den sich auf der Flucht befindenden Mr. Chow ausfindig zu machen, geht das Chaos erst richtig los, denn Marshall behält Doug solange als Versicherung in Gewahrsam. Ein irrer Trip durch Amerika und Mexiko beginnt…




Meinung:
Wenn man sich an das Kinojahr 2009 zurückerinnert, dann hat nicht Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, Clint Eastwoods „Gran Torino“ oder Danny Boyles Oscar-Volltreffer „Slumdog Millionär“ den größten Hype ausgelöst, sondern eine ganz bestimmte Chaos-Komödie um das inzwischen kultige Wolfsrudel schlug ein wie eine Bombe und spielte beinahe das Achtfache seiner 35 Millionen Dollar Produktionskassen weltweit ein. Die Rede ist natürlich von Todd Phillips Goldmiene „Hangover“, in dem der durchschnittliche Comedy-Regisseur seinen Ruf dank einer ordentlichen Drehbuchvorlage von Jon Lucas und Scott Moore und der gutgetimten Inszenierung in Sachen Situationskomik von Grund auf frisieren konnte.  Mit „Hangover 2“ fiel die filmische Qualität und die eigentliche Fortsetzung, die zwar erneut ein extremer Kassenschlager darstellte, wurde zum platten Remake ohne Zündstoff. Nun ist der Grat, aus dem Todd Phillips aus kommerzieller Sicht wandelte, kein dünner, doch das filmische Niveau ließ deutlich zu wünschen übrig. Ob er mit „Hangover 3“ nun näher am zweiten Teil ist oder doch die nötige Frischzellenkur erfahren konnte, lässt sich einfach beantworten: Die Geldkuh wurde zweimal zu viel gemolken.


Zum Glück muss John Lennon das nicht ansehen
Todd Phillips kündigt im Vorfeld der Dreharbeiten zu „Hangover 3“ an, dass er sich einem neuen Motiv annehmen wird, um Teil 3 nicht schon wieder wie ein verdrehtes Plagiat im „Höher, Schneller, Weiter“-Mantel vom Sommerknaller „Hangover“ aussehen zulassen, wie es schon bei Teil 2 der Fall war, in dem schließlich nur einfache Versatzstücke der Geschichte ausgetaucht wurden. Und tatsächlich: „Hangover 3“ durfte eine konzeptionelle Veränderungen erfahren und unser wohlhabendes Mittelstandsquartett erlebt mal keine Nacht im Suff, voller Drogen, Alkohol und anderer Scharmützel. Es ist jedoch auch eine in Stein gemeißelte Regel, dass entwurfsmäßige Überarbeitungen nicht gleichbedeutend mit einer qualitativen Steigerung verkoppelt sind, wenngleich „Hangover 3“ die Nase im Vergleich zur zweiten Erinnerungsjagd durch Bangkok doch vorn hat.


Die Story um unser Wolfsrudel folgt nun einem linearen Faden, ohne Gedächtnislücken oder erschreckende Überraschungen am Körper der Beteiligten; der titelgebende „Filmriss“ bleibt dementsprechend aus. Vielmehr konzentriert sich Phillips' Inszenierung darauf, sämtliche Reminiszenzen des Ursprungs wiederholend aufzuarbeiten und ihnen einen neuen Rückhalt zu geben, der nicht nur einige Szenen aus „Hangover“ in einem anderen - aber nicht Spaßfaktor mildernden - Licht  erstrahlen lässt. Die Storyeckpfeiler der unterdurchschnittlichen Umsetzungen werden dadurch ebenfalls ausgeführt. Dabei hat sich das Drehbuch allerding ein kleines Lob verdient: Die Einführung des fiesen Gegenspielers Marshall, der seine 21 Million Dollar in Geldbarren dank r. Chow vermisst, ist durchaus gelungen und entfaltet sich aus einer Facette des Erstlings, die die unbewusste Perzeption des Zuschauers herrlich torpediert.


Marshall ist kein angenehmer Zeitgenosse
Das Problem von „Hangover 3“ ist dennoch ein ähnliches, wie es auch Teil 2 besaß: Die Luft ist einfach raus; selbst bei der eigentlichen Erneuerung des Verlaufs, ist hier keinem der Mitwirkenden ein produktives Update geglückt. Den Anfang in der innovationslosen Parade geben die Charaktere ab, die nach wie vor strukturierte Hüllen ihrer Vorlage sind und den Blick über den auferlegten Tellerrand strikt verboten bekommen – Eine kleine, neue Nuance könnte ja deplatziert wirken. Die Figuren reißen auch im dritten Anlauf rein gar nichts mehr, selbst wenn sie sich ihrer versteiften Charakteristik ausnahmslos treu geblieben sind. Zach Galifianakis ist der zerstreute Klassenclown Alan und sorgt wieder für die skurrilen Augenblicken mit seiner speziellen Art, während Bradley Cooper als Phil und Ed Helms als Stu die standhaften Normalos mit Klarsicht darbieten, um sich nie aus ihrem sittlichen Korsett zu bewegen, eben weil es hier nicht zum obligatorischen Exzess kommt. Ein herbes Eigentor schießt sich der Film mit der Rollenvergrößerung von Ken Joeng. In seiner Rolle als extrovertierter Zappelphilipp Mr. Chow war Joeng in den anderen Filmen als Sidekick noch erträglich, hier hingegen bekommt er eine zentrierte Rolle und wird zum Dreh- und Angelpunkt. Um Klartext zu reden: Der Mann ist ein absoluter Störfaktor und jedes Schmunzeln was auf seine Kosten geht, ist purer Zufall.


Noch hat Alan gut zu lachen
Der Eröffnungsgag mit Giraffe auf der Autobahn, über den sich PETA-Aktivisten lauthals echauffieren dürfen, steht symptomatisch für den gesamten Film: Eine Szene wird reißerisch aufgezogen, ausgereizt und bricht daraufhin mit lautem Getöse in sich zusammen. Die Lacher bleiben aus, einfach aus dem Grund, weil „Hangover 3“ nichts Witziges zu bieten hat, sondern nahezu durchgehend mit vorhersehbaren wie mit rumpligem Timing bestraften Plattitüden jongliert. Die Truppe um Phil und Co. klappert danach ein Setting nach dem anderen ab, überall soll der große Kalauer warten, dieser verpufft  aber bevor Alan oder Mr. Chow mit ihren postpubertären Blödeleien beginnen dürfen. Zwischendurch gibt es ein Wiedersehen oder Abschiednehmen mit sämtlichen Figuren, die irgendwann mal in einem der „Hangover“-Streifen aufgetaucht sind; Esprit und Schwung sucht man hier vergebens, obgleich man sich hin und wieder das Grinsen nicht verkneifen kann.


Fazit: Als „episches Finale“ deklariert, ist „Hangover 3“ quasi das Gegenteil davon und rasselt in allen kritischen Belangen gnadenlos durch.  Je mehr Budget Phillips zur Verfügung steht, desto schlimmer wird es, möchte man meinen, schließlich ist sein drittel Teil rundum das nervtötende Wolfsrudel – genau wie Teil 2 – ein Film ohne jede Daseinsberechtigung. Aber der Schmu hat ja nun zum Glück sein mehr als nötiges Ende gefunden. Hoffentlich. Für die Fans der Vorgänger wird wohl auch der dritte Streich versöhnlich enden und seine Anhänger mit einem Lächeln auf dem Lippen aus dem Kinosaal entlassen, allen anderen Filmliebhabern ist von „Hangover 3“ natürlich mit eindringlicher Vehemenz abzuraten, denn mehr als ein frustriertes Kopfschütteln bleibt ihnen am Ende nicht.


3 von 10 Unglücklichen Giraffen auf der Autobahn


von souli