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Review: DER KAUFHAUS-COP & DER KAUFHAUS-COP 2 – Ein Held, den wir nicht mögen dürfen

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Fakten:
Der Kaufhaus-Cop (Paul Blart: Mall Cop)
Der Kaufhaus-Cop 2 (Paul Blart: Mall Cop 2)
USA. 2009 und 2015. Regie: Steve Carr (Teil 1), Andy Fickman (Teil 2). Buch: Kevin James, Nick Bakay. Mit: Kevin James, Raini Rodriguez, Jayma Mays, Bobby Cannavale, Erick Avari, Shirley Knight, Keir O’Donnell, Gary Valentine, Neal McDonough, David Henrie, D.B. Woodside u.a. Länge: 87 Minuten (Teil 1), 94 Minuten (Teil 2). FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Teil 1 auf DVD und Blu-ray erhältlich. Teil 2 ab 20. August auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kaufhaus-Wachmann Paul Blart will eigentlich ein echter Cop werden, doch dafür ist der liebenswertige Pummel einfach zu unsportlich. Doch seine Chance kommt, als hochprofessionelle Räuber sein Einkaufszentrum ausrauben wollen. Doch dieses Abenteuer ist noch nicht genug. Einige Jahre nach diesem Vorfall muss Paul während einer Messe für Wachmänner in Las Vegas erneut beweisen, aus welchem Holz der geschnitzt ist, als erneut eine Gaunerbande versucht sich fremdes Eigentum gewaltsam anzueignen.




Meinung:
Träume sind Schäume. Irgendwann muss die Seifenblase an den scharfen Kanten der Realität zerplatzen und es wird Zeit die Augen zu öffnen, um zu sehen, wohin der eigenen Weg in Wahrheit führen wird. Im Film aber sind Träume natürlich nicht einfach nur Träume. Träume sind hier dazu da, um mit leidenschaftlichem Überschwang in die Tat umgesetzt und infolgedessen nach Strich und Faden ausgelebt zu werden. Manchmal ist das auch im echten Leben der Fall, allerdings bleiben diese vereinzelten Glücksfälle vom seichten Pianogeklimper verschont, wie es „Der Kaufhaus-Cop“ und „Der Kaufhaus-Cop 2“ immer wieder einholt, wenn uns die Filme weismachen wollen, dass sich dort gerade etwas ungemein Emotionales auf dem Bildschirm abspielt. Wie man Emotionalität heraufbeschwört, haben nämlich weder Steve Carr („Der Kindergarten-Daddy“) noch Andy Fickman („Die Jagd zum heiligen Berg“) verstanden. Aber wie sollten sie auch? Bei diesen schludrigen Drehbuchvorlagen scheint das Erschaffen eines plastischen Gefühlsknoten zwischen Protagonist und Zuschauer ohnehin nahezu utopisch.


Paul im Einsatz mit seinem ewigen Begleiter, dem Segway

Im Mittelpunkt steht Paul Blart (Kevin James, „King of Queens“), der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein echter Polizist zu sein. Aufgrund seiner Hypoklykämie aber war es ihm nicht vergönnt, die körperlichen Belastungstests zu bestehen. Sein Geld verdient er seitdem als Sicherheitsmann in einem Einkaufszentrum, nicht ganz gleichzusetzen mit einem Gesetzeshüter, aber zweifelsohne mit so viel Autorität ausgestattet, um die Kundschaft ein Stück weit zurechtzuweisen. „Der Kaufhaus-Cop“ beschreibt Paul Blart von Beginn an als einen leicht verdatterten, aber doch engagierten Zeitgenossen, der eine gescheiterte Ehe hinter sich hat (eine Mexikanerin hat ihn für eine Greencard ausgenutzt) und dessen einzige sozialen Bezugspersonen seine Tochter Maya (Raini Rodriquez, „Girl in Progress“) und seine Mutter (Shirley Knight, „Besser geht’s nicht“) darstellen. Aber bedeuten „Der Kaufhaus-Cop“ seine Figuren irgendetwas? Geht Steven Carr in irgendeiner Weise auf das Innenleben der Akteure ein? Selbstverständlich nicht, das bedröppelte Gesicht von Paul und Waddy Wachtels in Sentiment badendes Piano sollen erzwingen, was den Film einfach nicht innewohnt: Menschlichkeit.


I was born for boring you, Baby

In „Der Kaufhaus-Cop 2“ ist das nicht anders, es geht den Filmen letzten Endes nur darum, Paul Blart als beleibte Projektionsfläche für Spott und Hohn auszunutzen. Dass es dem Sicherheitsmann am Ende von Teil 1 tatsächlich gelingt, die Eindringlinge zu überführen und sein geliebtes Kaufhaus wieder vom fiesen Gesocks zu befreien (Überraschend, was?), bedeutet rein gar nichts, außer das Aufbereiten moralisierender Binsenweisheiten: Jeder kann ein Held sein, auch der dicke, einsame, trottelige Mann, den wir über die gesamte 90-minütige Laufzeit ausgelacht haben – eben weil er dick, weil er einsam und weil er trottelig ist. Dass es „Der Kaufhaus-Cop 2“ nicht gut mit seiner Hauptfigur meint, wird schon daran deutlich, dass in den ersten Minuten nicht nur die Ehe zu Amy (Jayma Mays), für die Paul zuvor noch durch seine romantische Bekenntnis zum Helden heranwachsen durfte, nach einer Woche in die Brüche gehen darf, sondern auch Pauls Mutter wird mal von einem Milchwagen mal eben aus dem Weg geräumt.


Ein Dicker macht sich zum Horst... Brüller, oder?

Einige Tränen später haben sich diese Schicksalsschläge aber schon wieder in der höhnischen Tonalität des Filmes aufgelöst und es darf nach Las Vegas gereist werden, wo Paul Blurt nach sechs Jahren erneut die Chance bekommt, sein heldenhaftes Talent unter Beweis zu stellen. Gab sich „Der Kaufhaus-Cop“ noch als seichter „Stirb langsam“-Epigone zu erkennen, dürfen in „Der Kaufhaus-Cop 2“ immer mal wieder Anklänge zum Rache-Actioner „96 Hours“ durchschimmern, steht im zweiten Teil doch auch viel deutlicher die Beziehung zwischen Paul und seiner Tochter im Fokus. Das Konzept der Erstlings, welches Teil 2 mit beschiedenen Variationen noch einmal aufwärmt, wird zur Geduldsprobe für den Zuschauer, der nie die Möglichkeit bekommt, zusammen mit Paul Blart gegen die Bösewichte anzutreten, weil wir vom verlogenen Duktus beider Filme kontinuierlich in eine überhebliche Position gedrückt werden, in der wir uns unbedingt über Paul, sein Übergewicht, seine Unerfahrenheit im Umgang mit Frauen, seine Trotteligkeit lustig machen müssen.



Und wie anstrengend das ist, wird vor allem in den Momenten deutlich, in denen durch Pauls Einsamkeit leise Ansätze einer dissoziativen Realitätsstörung lugen: Pauls Edelmut hätte man problemlos in eine pathologische Relation mit seinen überdeutlichen Machtphantasien stellen können, dafür aber sind „Der Kaufhaus-Cop“ und „Der Kaufhaus-Cop 2“ selbstverständlich die falschen Anlaufstellen – Empfehlen möchte man an dieser Stelle deswegen den unfassbar galligen „Shopping-Center King“, der seinen Sicherheitsmann nicht in der angeblichen Gutmütigkeit abholt, sondern in seinem faschistischen Wahnsinn, der sich durch ein Mindestmaß an Macht zusehends potenziert. Das „Der Kaufhaus-Cop“-Double aber verlässt sich auf die mimischen Verrenkungen und den Slapstick seines Stars und bleibt dabei so seelenlos wie gehässig: High-Concept-Malen-nach-Zahlen-Mainstream-Family-Comedy von der hässlichen, billig arrangierten und nur auf marktwirtschaftliches Kalkül geeichten Seite.


Teil 1:  3 von 10 flotten Segwaytänzen
Teil 2  2,5 von 10 bornierten Kunstdieben


von souli

Review LAST VEGAS - "Hangover" in der Ü60-Variante

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Fakten:
Last Vegas
USA 2013. Regie: Jon Turteltaub.
Buch: Dan Fogelman. Mit: Michael Douglas, Robert DeNiro, Morgan Freeman, Kevin Kline, Mary Steenburgen, Romany Malco, Michael Ealy, Bre Blair, Keith Middlebrook, Jerry Ferrera, Roger Bart, Joanna Gleason, Curtis “50 Cent” Jackson, Stefan "Redfoo" Gordy u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 27. März 2014 auf DVD und Blu-ray in Handel erhältlich.


Story:
Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, doch nun sehen sich
Archie, Paddy, Billy und Sam nur noch unregelmäßig. Doch als Billy eine jüngere Frau heiraten will, kommen seine drei besten Freunde zu ihm nach Las Vegas, um gemeinsam eine Junggesellenabschiedsparty zu feiern. Doch dabei bleibt es nicht, denn alte Zwistigkeiten, neue romantische Verwicklungen und jede Menge Chaos warten auf die alten Herren.





Meinung:
Das Kino ist heute schon weit mehr als 100 Jahre auf dem Buckel, da verwundert es doch schon ziemlich, dass die Filmschaffende erst jetzt auf die brillante Idee gekommen sind, das Zielpublikum 60+ massentauglich für sich zu entdecken. Nach äußerst erfolgreichen Tragikomödien wie „Das Beste kommt zum Schluss“, „Zwei vom gleichen Schlag“, „Wenn Liebe so einfach wäre“ und „Best Exotic Marigold Hotel“ (der es dieses Jahr auch zu einem Sequel bringen wird) zeichnete sich ein fluffiger Trend ab, der nun in Jon Turtletaubs „Last Vegas“ fortgesetzt wird. Dabei steht in erster Linie aber nicht das Thema im Mittelpunkt, sondern die prominente Besetzung um Hollywoodgrößen wie Kevin Kline („Silverado“), Robert DeNiro („Wie ein wilder Stier“), Morgen Freeman („Sieben“) und Michael Douglas („Wall Street“), für die man einzeln noch vor gut 20-25 Jahren den Kinosaal aufgesucht hätte.


No Country for Old Men? Pah, von wegen!
Möchte man es sich ganz einfach machen und „Last Vegas“ in einem Satz beschreiben, so könnte man den Film als 'bemüht selbstironisch erzählte Geriatrieversion eines belanglosen „Hangover“-Verschnitts bezeichnen'. Nur, steht hier nicht das inzwischen ikonisch vermarktete Wolfsrudel, welches in „Hangover 3“ seinen hoffentlich letzten Atemzug getan hat, im Mittelpunkt, sondern eben eine vierköpfige Truppe Senioren unterschiedlichster Couleur, die in Vegas die Fetzen fliegen lassen wollen: Da hätten wir den gutsituierten Womanizer (Douglas), den trauernden Griesgram (De Niro), den ulkigen Opi von nebenan (Kline) und Morgan Freeman (Freeman). Wie schon die in der Einleitung erwähnten Filme von ähnlicher Statur, behandelt auch „Last Vegas“ die Höhen und Tiefen des Alters. Der Verlust von langjährigen Beziehungen, freundschaftlich wie zwischenmenschlich, die körperliche Gebrechlichkeit und die Reduktion auf den physischen und psychischen Verfall durch Mitmenschen. Jedoch ist „Last Vegas“ nicht sonderlich daran interessiert, den Alterungsprozess (über-)sentimental herauszuarbeiten oder sich in Theatralik zu wälzen.


Zwischen Paddy und Billy gibt es noch einiges zu klären
Vielmehr setzt das Drehbuch von Dan Fogelman ("Crazy Stupid Love", "Unterwegs mit Mum") auf unnötig  schnelllebige, inkomplexe, schnellverständliche Situationskomik, die vor allem auf die Kosten des Alters der Hauptprotagonisten gehen. Das bringt den Nachteil mit sich, dass die Gags schon nach wenigen Minuten so riechen, wie die Darsteller unter dem Arm nach drei Stunden in der prallen Wüstensonne Nevada. Was man „Last Vegas“ allerdings zugutehalten kann, ist die Tatsache, dass er seine Figuren dahingehend ernst nimmt, dass er ihnen allen durchweg den gleichen Spielraum erlaubt und niemanden auf halber Strecke im Regen stehen lässt. Vor allem aber sticht Kevin Kline aus dem spielfreudige Altersensemble heraus, der nach einer gefühlten Ewigkeit und unnötigen Auftritten in Filmen wie „Freundschaft plus“ mal wieder richtig ungebremst mit Vollbart und Baskenmütze agieren darf. Man muss „Last Vegas“ in seiner Altersthematik so verstehen, dass er sich weder an Heucheleien labt, noch wirklich Tiefgang ermöglichen möchte. Ziel ist es hier, Kurzweil zu entfachen und das Publikum über 100 Minuten bei Laune zu halten – ohne dieses auch nach dem Abspann noch weiter mit dem Gezeigten beschäftigen zu wollen.


Jon Turtletaub, der sich zuvor mit Filmen wie „Das Vermächtnis der Tempelritter“ schon mit antiken Schätzen beschäftigte, serviert mit „Last Vegas“ einen anspruchslose, aber nie verlogene Rentner-Komödie, die sich ganz auf die namhafte Besetzung und die daraus entstehende Dynamik verlässt. Das ist zwar fast durchgehend oberflächlich, aber gerade noch sympathisch, auch wenn man den Film zwei Stunden nach dem Abspann wieder vergessen hat. Trotzt Altersbonus eine durch und durch redundantes Lustspiel.


4 von 10 Viagras von der Gattin


von souli und stu

Review: LIBERACE – ZU VIEL DES GUTEN IST WUNDERVOLL – Michael Douglas und Matt Damon präferieren Poposex

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Fakten:
Liberace (Behind the Candelabra)
USA. 2013.
Regie: Steven Soderbergh. Buch: Richard LaGravenese, Alex Thorleifsen (Vorlage), Scott Thorson (Vorlage). Mit: Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Rob Lowe, Dan Aykroyd, Debbie Reynolds, Boyd Holbrook, Nicky Katt, Paul Reiser, David Koechner, Tom Papa, Cheyenne Jackson u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: freigegeben ab 12Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mit 17 lernt Scott den Pianisten Liberace kennen, der in den 1970er Jahre einer der bekanntesten und beliebtesten Entertainer sowie der größten Showact von Las Vegas ist. Scott und Liberace werden ein Paar und genießen ein Leben im Luxus und im Glamour. Doch ihre Homosexualität bleibt ein Geheimnis und nach und nach kriselt es in der Beziehung.





Meinung:
Immer wieder beteuerte der renommierte Star- und Showpianist Wladziu Valentino Liberace in der Öffentlichkeit seine Heterosexualität - Selbst vor Gericht schwor er sie unter Eid. Die Angst davor, ein Outing könnte seine durch und durch flamboyante Karriere im streng konservativen Amerika geradewegs verpuffen lassen, war stets präsent. Liberace war eine extravagante Koryphäe, die die Massen durch seine pure Ausstrahlung mühelos um die Finger wickeln konnte. Mit einem geschätzten Vermögen von 100 Millionen Dollar, 13 Villen, 17 Hunden und einer in ihrer gefälligen Dekadenz gar absurd anmutenden Pianosammlung, suhlte sich der Entertainer mit den polnisch-italienischen Wurzeln seit seinem Durchbruch in den 1960er Jahren im ausufernden Luxus. Der Mann hatte alles, die Menschen lagen seinem Talent zu Füßen und doch war es ihm nie vergönnt, unbeschwert zu seiner Sexualität zu stehen. Es mag ironisch klingen, doch für sein Outing sorgte letztlich sein viel zu früher Tod an den Folgen von AIDS. Aber das Leben im Rausch, im ständigen Überdruss, bringt seine schweren Opfer nun mal so mit sich und auch eine prominente Größe wie es „Mr. Showmanship“ war, ist vor einem derartigen Schicksal nicht geschützt. Wer aber war Liberace wirklich? Was für eine Person verbarg sich wirklich hinter dem geliebten Chinchillapelz, hinter den markant-funkelenden Ringen an beiden Händen? Steven Soderbergh liefert darauf mit seiner Biografie „Liberace“ eine äußerst interessante Antwort.

 
Glamour pur: Liberace
Dass „Liberace“ Amerika auch heute noch „zu schwul“ war, von unzähligen Produktionsfirmen abgelehnt wurde und erst dank HBO Films verwirklicht werden konnte, spricht nicht unbedingt dafür, dass sich die engstirnigen Maschen der heteronormativen Gesellschaft im Umgang mit Homosexualität in der heutigen Zeit etwas gelockert haben – Was natürlich einem Armutszeugnis gleichkommt. Traurig ist es auch, dass Steven Soderbergh hiermit, ausgerechnet mit seinem wohl besten Film, den Abschied aus der Branche kundtat, um sich anderen künstlerischen Projekten ganz in Ruhe widmen zu können. Dabei zeigt sich die Ägide Soderbergh so pointiert und versiert wie nie und verlässt sich nicht einfach auf ihre formelhafte Nüchternheit, auf ihre kühle Distanz zum jeweiligen Sujet, mit der er zuvor Werke wie „The Girlfriend Experience“, „Contagion“ und „Side Effects“ auszeichnete. „Liberace“ hingegen erlaubt Gefühle und schafft es auch, den Zuschauer auf seine ganz eigene Art zu berühren, selbst wenn sich die charakteristische Note in Soderberghs auch hier nicht gänzlich vermeiden lässt. Menschlichkeit nämlich wird in „Liberace“ endlich groß geschrieben und dank des fantastischen Hauptdarstellerduos um Michael Douglas und Matt Damon auch ohne ein Mindestmaß an Zynismus in zwei vortrefflich geschliffenen Charakter-Portriäits herübergebracht. Michael Douglas spielt sich nach seiner schweren Krebserkrankung sichtlich frei von jedem Ballast und Matt Damon ist wohl endlich an einem Punkt angekommen, an dem er auch die letzten Zweifler in den hintersten Reihen verstummen lassen darf.

 
stu macht souli eine Freude
Die Einführung in die glitzernde Welt des Liberace beginnt wunderbar campy wie verspielt und labt sich in seiner ironischen Überspitzung genüsslich an jeder Menge Pomp und Kitsch. Liberace (Michael Douglas) ist längst Liberace und seine Show ein klares Muss eines jeden Besuches in Las Vegas. In diese permanent aus allen Winkeln wie ein Kaleidoskop strahlenden Welt, stolpert Scott (Matt Damon), der eigentlich das Ziel hatte, irgendwann als Tierarzt durchzustarten, sich vom Charme des deutlich älteren Liberaces aber schnell angezogen fühlt und auf Wunsch des Entertainers zu ihm zieht: Der glamouröse Lifestyle hat ein neues Mitglied. Schön an „Liberace“ ist, dass er sich nicht auf eine dämliche Gender-Debatte herablässt und in seiner zentrierten Figurenkonstellation geschlechtsspezifischen Brennpunkten hinterhereifert. Die Probleme, die Liberace und Scott in ihrer gemeinsamen Zeit durchstehen, könnten so – oder ganz ähnlich – auch in einer heterosexuellen Beziehung aufkommen. Während sich Scott nämlich noch von den Illusionen des hedonistischen Umfelds zehren kann, ist Liberace längst kein Träumer mehr, sondern vollständig in der Realität angekommen. Und zu dieser Realität gehören Perücken, Pillen und Schönheitsoperationen nun mal dazu, während sie alle nur den oberflächlichen Versuch in einem ebenso oberflächlichen Terrain darstellen, bloß nie in der Einsamkeit zu versinken. Liberace ist genauso exaltierte Diva, genuso der eitle Gockel mit allem Drum und Dran, wie er auch der kleine Junge ist, der nach Liebe fleht, auch wenn seine ständigen Partnerwechsel in diesem Kontext keine klare Konstante erlauben.


Im Kern folgt „Liberace“ einem relativ konventionellen Erzählschema, angereichert mit schickem Schmuck, üppigen Roben und dem materiellen Reichtum, von dem noch die vierte Generation seiner Nachfahren leben könnte. Doch das Drehbuch verankert sich nicht in der Karriere auf der Bühne; das Zwischenmenschliche steht ganz eindeutig im Mittelpunkt, der einfühlsame Blick hinter den Kandelaber. „Liberace“ ist dabei niemals ausschweifend, sondern betont feinfühlig und durchwandert die emotionalen Stadien von der Liebe zur Ernüchterung mit einer taktvollen Zärtlichkeit, die ihre Lacher, die aber nie herablassend oder böswillig auf Kosten der Charaktere gehen, gewiss mit sich bringt, wie man sie von einem Film von Steven Soderbergh wohl in dieser Form nicht erwartet hätte. „Liberace“ ist ein egozentrisches Liebes-Drama, in dem sich zwei Männer, die doch eigentlich nie wirklich erwachsen geworden sind, die schönsten, die glücklichsten Jahre ihres Lebens teilen und doch wissen, dass ihre Beziehung nicht auf Dauer halten kann. Das wohlige Gefühl der Zweisamkeit jedoch bleibt bestehen, wenn auch nur als Teil unvergesslicher Erinnerungen.


7 von 10 legeren Garderoben


von souli

Review: DER UNGLAUBLICHE BURT WONDERSTONE - Es fehlt der Zauber

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Fakten:
Der unglaubliche Burt Wonderstone (The Incredible Burt Wonderstone)
USA. 2013. Regie: Don Scardino. Buch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley. Mit: Steve Carrell, Olivia Wilde, Steve Buscemi, Jim Carrey, James Gandolfini, Alan Arkin, Brad Garrett, Jay Mohr, Michael Bully Herbig, Gillian Jacobs, Luke Vanek, Mason Cook, David Copperfield, Zachary Gordon u.a. Länge: 101 Minute. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Sein Name ist Burt Wonderstone. Seit seiner Kindheit ist der von der Zauberei fasziniert und er hat den Aufstieg zusammen mit seinem Freund Anton geschafft. Las Vegas liegt ihm zu Füßen. Doch über die Jahre wird Burt faul und seine Show verliert massiv Zuschauer, während neue, hippe Stars die Branche übernehmen. Nach einem Zerwürfnis mit Anton muss Burt wieder bei null anfangen.





Meinung:
In den 1990er gab es dank des Magiers David Copperfield einen regelrechten Zauber-Boom. Mit klassischen Tricks, wie der versägten Jungfrau, die pompös und theatralisch aufgeblasen wurden, war Copperfield nicht nur beim deutschen Privatsender RTL ein gerngesehener Haus- und Hofgast. Doch Zeiten ändern sich nun mal. Zwar sorgen bekannte Zauberer wie Copperfield oder der Niederländer Hans Klok immer noch für ausverkaufte Bühnenshows, doch die ihre Auftritte zur Prime Time in den Medien sind vorbei. Zum Glück gibt es ja noch Las Vegas, jene legendäre Stadt der Sünde und der Lichter, die von Casinos und gigantischen Hotelkomplexen beherrscht wird. Dort gibt es sie noch, die großen Shows der Zauberer, doch eine neue Generation hat vor einigen Jahren begonnen die Elite vom Thron zu stoßen. Statt aalglatten, geschniegelten und geschnörkelten Illusionisten, sind jetzt Leute wie David Blaine und Kriss Angel („Mind Freak“) an der Spitze der Zunft. Ihre Zauberei hat dabei nur noch wenig zu tun, mit den Tricks der alten Meister. Aus der Show ist reine Performance und Selbstdarstellung geworden, die mehr an die infantilen Selbstverletzungen der „Jackass“-Crew erinnern, statt an Houdini und Konsorten. Dass die Zeit von überlebensgroßen Shows, Glitzeranzügen und Betonfrisuren vorbei ist, muss auch Burt Wonderstone feststellen. Der egoistische, selbstverliebte Magier muss sich im Spielfilmdebüt des „30 Rock“-Regisseurs Don Scardino damit auseinandersetzen, dass er den Wandel in der Zauberbranche verschlafen hat. Wie das am Ende ausgeht? Nun, dazu muss man kein Magier oder Wahrsager sein, denn „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ ist ungefähr so berechenbar, wie die ersten Tricks eines Kindes, aus einem Zauberkasten für Anfänger.


Auf diesem Bild versteckt sich eine Perücke
Das eine Film, vor allem eine Komödie, nicht erreichen kann, dass man als Zuschauer noch überrascht wird, ist nur dann fatal, wenn der Humor des Films nicht funktionieren, bzw. nicht zünden will. „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ leidet aber auch darunter. Seine Pointen sind teilweise so grobschlächtig, dass ein Metzger damit Schweine halbieren kann. Das anvisierte Ziel des Films, die neue Garde der Zauberer (sprich: Blaine und Angel) zu karikieren und gleichzeitig die klassischen Illusionisten, die Münzen hinter Ohren hervorzaubern, zu huldigen gerät immer mehr zu einer reinen, zwanghaften Gagparade, deren Figuren auch dann noch wie aus Plastik wirken, wenn sie abgeschminkt außerhalb der Bühne agieren. Egal ob die Titelfigur, sein liebenswürdiger Kollege Anton oder Assistentin Jane, sie alle kommen über den Status einer charakterlichen Konzeptzeichnung nicht hinaus. Einzig bei Him Carreys rolle des Steven Gray, ist dies verzeihlich, dient diese Figur doch nicht nur als Antagonist, sondern auch das Kritik an Kriss Angel und David Blaine in parodistischer Form.


 

Profirunde: Hier verstecken sich sogar zwei Perücken
Natürlich ist Burt Wonderstone auch als eine verkörperte Persiflage angelegt, doch selbst dann, wenn Steve Carrell seiner Rolle etwas Wahres, etwas Menschliches hinzufügen soll, bleibt ein unelastischer, spröder Eindruck zurück. Da ist es merh als enttäuschend, dass „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ auf eine mehr als ansehnliche Darstellerriege zurück greifen kann. Hauptdarsteller Carrell hat in Filmen wie „Little Miss Sunshine“ oder „Dan – Mitten im Leben“ bereits bewiesen, dass er als Darsteller auch außerhalb von Krawall- und Frontalkomödien überzeugen kann, davon ist hier aber wenig zu sehen. Seinen Co-Stars ergeht es da ähnlich. Olivia Wilde („Tron: Legacy“, „Cold Blood“) wird in die wenig reizvolle Rolle der ewig weiblichen Vernunft gequetscht und darf nicht mehr tun als moralische Statements abgeben und gut auszusehen, während der viel zu früh verstorbene James Gandolfini das vermögende Arschloch mimt. Ansonsten beehrt Steve Buscemi den Film noch und Michael Bully Herbig darf auch ein paar Mal einige Sätze und wenig brauchbare Gags zum Film beisteuern. Wer aber glaubt, Herbig hätte in „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ wirklich eine Funktion täuscht sich aber, wie das Publikum bei einer großen Zaubershow.


„Der unglaubliche Burt Wonderstone“ hat gewiss enormes Potenzial, doch aus seiner Geschichte macht er nicht mehr als ein wenig erquickliche Verkettung von müden Gags mit schlaffen Pointen. Der Versuch seine Titelfigur innerhalb weniger Szenen von einem antisozialen Zauberstar zu einem liebenswürdigen Entertainer zu wandeln, erweist sich dazu noch als äußerst schaler Taschenspielertrick ohne Finesse. Eigentlich ist der gesamte Film frei von jeglichen Feinheiten. So wirkt „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ wie ein Zauberer mit grobmotorischen Wurstfingern, der versucht eine Spielkarte in seinem Ärmel zu verstecken. Magie sieht anders aus. Gelungene Komödien ebenfalls.


3 von 10 Tauben mit fehlenden Knochen