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Review: THE DROP - Brooklyn im Wandel der Zeit

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Fakten:
The Drop
USA. 2014. Regie: Michael R. Roskam. Buch: Dennis Lehane (Vorlage).
Mit: Tom Hary, James Gandolfini, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Morgan Spector, Michael Aronov u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Demnähst auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bob arbeitet in der Bar seines Cousins Marv. Wie die meisten Bars in Brooklyn wird diese öfters von der Mafia als Geldversteck, als sogenannter Drop, benutzt. Als die Bar eines Abends überfallen wird, haben die Täter leider kein Glück. Marvs Bar ist nicht der Drop, dennoch setzt der Überfall eine Spirale der Gewalt und des Misstrauens in Gang, die bald ihre Opfer fordert.





Meinung:
Wieso wohl sollte es verwerflich sein, sich an einer gewissen Erwartungsenthaltung zu orientieren, sieht man sich im Begriff dazu, einen x-beliebigen Film zu schauen? Weil eine objektive Voraussetzung, jenes Werk wahrzunehmen, womöglich darunter leidet? Wohl kaum, außer man richtet seine Meinung äußerst ostentativ gegen gewisse Namen und und Formen. Vielmehr ist diese kleine Vorabeinschätzung doch gerade dann schön, wenn sie anschließend nach Strich und Faden torpediert wird und sodann noch einmal nachhaltig unter Beweis stellt, dass Film heutzutage durchaus noch in der Lage, unvorhersehbar zu sein, erfreuliche Überraschungen zu generieren, anstatt sich der Schema-F-Dramaturgie anzubiedern und stocksteif nur so weit zu locken, wie es der weichgespülte Usus nun mal zulässt. Dass man von „The Drop – Bargeld“ von vornherein nichts Schlechtes erwartet hat, liegt schon allein an Autor Dennis Lehane, der auch die fabelhaften Vorlagen zu „Mystic River“, „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ und „Shutter Island“ abgeliefert hat, aber ein Fast-Meisterwerk? Wohl eher weniger.


Hundefreund und Barmann: Bob
Nichts anderes aber ist Michael R. Roskams amerikanisches Debüt: Ein nahezu brillantes Erlebnis, welches sich ganz geflissentlich gegen die „fetter, lauter, greller“-Devise der kontemporären Kinolandschaft stemmt und in seiner reduzierten Haltung beinahe schon als robuste Antithese zum sensationsgierigen Spektakel zu verifizieren ist. „The Drop – Bargeld“ besinnt sich auf das Gewicht minimalistischer Gestik und läuft niemals Gefahr, seine Geschichte manipulativ zu dramatisieren oder mit entbehrlichem Pathos aufzubauschen, obwohl sich das filmische Konstrukt geradezu dafür anbietet. Bob (Tom Hardy) jedenfalls arbeitet in der urigen Kneipe seines Cousins Marv (James Gandolfini), lässt gerne mal die ein oder andere Runde aufs Haus gehen und ist ohnehin eher als besonneneres Gemüt zu beschreiben. Dass die Bar sich in den Händen der tschetschenischen Mafia befindet, hat Bob längst akzeptiert, Marv hingegen hadert nach wie vor mit den sich verschiebenden Machtfronten, schwelgt in Erinnerungen, als man ihm noch Respekt zollte und sich von den Stühlen erhob, wenn er den Raum betrat.


Bob bekommt (noch mehr) Probleme
Ein Porträt dieses kalten Brooklyns, in dem nicht mehr die Amerikaner, sondern die Immigranten das Sagen haben, zeichnete schon James Gray mit dem famosen „Little Odessa – Eiskalt wie der Tod“ im Jahre 1994. Und es wäre natürlich eine Lüge, würde man proklamieren, dass „The Drop – Bargeld“ sein Milieu nicht studieren würde. Wie wir schon in „Mystic River“ und „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ in Erfahrung bringen durften, ist Dennis Lehane ein Meister in Sachen Etablierung grauer Umfelder und schafft es, die Authentizität über jede Straße, jeden Hinterhof und durch jede Seitengosse streifen zu lassen. „The Drop – Bargeld“ aber besticht vor allem durch seine Charakterzeichnungen: Wer Bob in diesen 110 Minuten begleitet, dem erstrahlt der Wert der Ambivalenz in neuem Licht, ist Tom Hardy in seiner ganz und gar zurückgezogenen Performance doch die Idealbesetzung dafür, nur mit einem einzigen Wimpernschlag mehr auszusagen, als es einige seiner nicht minder namhaften Kollegen in stundenlanger Method-Acting-Hysterie bewerkstelligen.


Mit Bob als durchaus humanistischen Fluchtpunkt der Handlung, entspinnt „The Drop – Bargeld“ eine von reeller Traurigkeit begleitete Studie über Einsamkeit sowie die Fragilität sozialer Identitäten und projiziert diese Aspekte auf den unweigerlichen Wandel der Zeit, der vor allem dem bulligen Marv zu schaffen macht: Es ist ein gesichtsloses Amerika, welches Lehane und Roskam perspektivieren und Bob, jemand der in der Lage dazu ist, sich an neue Umstände ohne großes Gezeter zu akklimatisieren, der seiner Arbeit nachgeht und sich nie dazu gezwungen sieht, seine Stimme zu erheben, weil es einfach nicht zu seinem Naturell entspricht, muss die Wunden der Vergangenheit noch einmal aufbrechen, um sie endgültig vernarben lassen zu können. Die Gewalt, die von Minute zu Minute näher rückt, ist in ihrem motivischen Ansatz, den schmalen Grat zwischen Regression und Eskalation betreffend, nahe der in David Cronenbergs „A History of Violence“ gelegen. Ein weiteres Indiz dafür, wie fantastisch „The Drop – Bargeld“ doch gelungen ist.


8 von 10 übel zugerichteten Hundewelpen


von souli

Review: THE MAN WHO WASN’T THERE - Die entrückte Tragödie der Seele

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Fakten:
The Man who wasn’t there
USA. 2001. Regie und Buch: Joel und Ethan Coen. Mit: Billy Bob Thornton, Frances McDermand, James Gandolfini, Michael Badalucco, Jon Polito, Tony Shaloub, Scarlett Johansson, Christopher Kriesa, Alan Fudge, Jennifer Jason Leigh, Richard Jenkins, Christopher McDonald, Jack McGee u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der schweigsame Barbier Ed Crane hadert mit der Monotonie seines Lebens. Als ein Kunde ihm anbietet, mit 10.000 Dollar Geschäftspartner seines florierenden Unternehmens zu werden, wittert Ed eine Chance, sein Leben zu ändern. Er will das Geld von Kaufhausbesitzer Big Dave erpressen, der mit Eds Frau ein Verhältnis hat. Doch Big Dave bekommt heraus, wer der anonyme Erpresser ist.





Meinung:
Schicksal und Zufall liegen immer ganz nah beieinander im Werk der Coen-Brüder. Meist scheint es so, als ob ihre Charaktere keinerlei Kontrolle darüber haben, was ihnen zuteil wird, doch im Grunde sind alle irgendwie schuldig, auch wenn sie es selber nicht so empfinden, u.U. sogar im Recht liegen - aber Karma oder was auch immer schlägt ohne Rücksicht ganz nach eigenem Ermessen zurück, bei den unvorteilhaftesten Momenten; unvermittelt, kryptisch, anarchisch und doch zielgerichtet mehr oder weniger gegen/für das Individuum. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob Joel & Ethan sich mit ihren Charakteren identifizieren oder mit der oberen, göttlichen Gestaltungshand - eine existenzialistische Gaudi kommt aber so oder so immer gut zusammen.


Mr. Crane und seine Kunden
So verhält es sich auch für den MAN WHO WASN'T THERE (Billy Bob Thornton), einem schwierig zu entziffernden Barbier. Er teilt durchweg auf noirigem Wege seine Gedanken mit uns, raucht eine nach der anderen weg, strahlt eine objektive Unbeeindrucktheit aus, scheint anfangs ein berechnender Zeitgenosse zu sein, ganz dem Schwarz-Weiß-1940er Zeitkolorit entsprungen - und doch hat er ganz bewusst nicht den blassesten Schimmer, lässt sich leichtgläubig auf dubiose Geschäfte ein und sorgt nicht nur für den persönlichen, sondern auch den Zerfall alle seiner Bekannten, auch wenn er es ab und an wirklich gut meint; sogleich über Leichen geht, aber dennoch geständig sein will (was ihm aber immerzu verwehrt bleibt). Die innere Verlorenheit macht sich bei ihm in jenen Lebensmomenten bemerkbar, jedoch keine Nervosität - denn sein Verständnis dafür, was ihm widerfährt, ist nicht bereit, lässt alles über sich ergehen. Und das ihm umgebende Universum ist auch nicht bereit, den Plan für seine Person mit ihm zu teilen. Nichts ist nun mal mehr sicher in dieser Welt, alles ist irgendwie geregelt, aber unterschwellig brodelt es unentwegt: kalter Krieg, Affären, Betrügereien, plakativer Enthusiasmus, angebliche UFOs und Verschleierungen/Verzerrungen der Wahrheit. Er findet auch folgerichtig keinen Halt, keinen festen Sinn fürs Dasein ("This hair...it just keeps growing...") und wird daher, auch von sich selbst, unbarmherzig zum Geist deklariert, fernab einer biederen und einfältigen Gesellschaft.


Immer im Hintergrund: der Mann, der nicht da war
Die einzige Heimat findet er bei abendlichen Klavierstunden der jungen Birdy Abundas (Scarlett Johansson), deren Vater er schon seit längerem kontinuierlich besucht. Bei ihr versucht er sodann auch, eine gewisse Aufgabe für sich zu finden, ihr Talent zu fördern, was ihr persönlich eigentlich völlig Schnurz ist, aber wofür er keine Kosten und Mühen scheut - sogar das einzige Mal im Film wirklich nervös erscheint, weil das vielleicht noch seine letzte Chance, auch auf Wiedergutmachung, ist. Was er und die Anderen nämlich nicht alles schon im Vornherein angestellt haben, um sich in diese nicht nur psychologisch missliche Lage zu bringen: für eine Investition in das Gebiet der Trockenreinigung erpresst er unter Pseudonym den Liebhaber seiner Ehefrau Doris (Frances McDormand), Big Dave Brewster (James Gandolfini), muss sich in der Verzweiflung der Beiden zig Verheimlichungen anhören, bevor er doch noch von Dave entlarvt wird und ihn im Kampfgemenge umbringt, woraufhin man aber seine Frau dafür anklagt, für die er schließlich doch noch ein entlastendes Geständnis ablegen will, das aber ebenso wenig überzeugend klingen würde wie ihr unausgereiftes Alibi.


 
Jung und schwarzweiß: Scarlett Johansson
Staranwalt Freddy Riedenschneider (Tony Shalhoub) mag in dem Fall wirkend zwar nicht gerade der ehrenvollste Faktor sein, so zynisch und egozentrisch-kaltschnäuzig er nach Gegenargumenten der Anklage sucht, aber in seinem Ehrgeiz erkennt er doch noch als eine der wenigen Figuren im Film die ernüchternde Realität der Geschichte, auch wenn er sie als sensationalistisches Emotions-Werkzeug ausbeutet: es gibt immer Zweifel in der Evaluierung der Wahrheit und wenn diese nicht direkt objektiv (nicht subjektiv!) vorliegt, beweisbar ist, kann man schlichtweg kein Urteil fällen. Doch bevor hier ein Urteil gefällt werden kann, nimmt sich Doris schon aus dem Nichts das Leben. Ist diese Handlung ihrerseits irrational oder gerade die pure Rationalität? Schließlich ist sie im Gegensatz zu ihrem unentschlossenen Barbier diejenige, die Initiativen ergreift, Halsabschneider und Vertreter von ihrem Grundstück schmeißt und kein Blatt vor dem Mund nimmt, wenn ihr etwas nicht passt (siehe ihren verachtenden Suff bei der Redneck- Hochzeitsfeier und ihr Anschnauzen des weinenden Mädchens im Gefängnis). Natürlich hat sie ihre Geheimnisse und "Sünden", wie jeder Mensch, aber sie scheint ab- und aufgeklärter, kennt sich selbst und das System, in dem sie lebt und auch für sich manipuliert. Unser Barbier dagegen, dieser selbsternannte Geist, ist schlicht unsicher, ziellos, zwar von Grund auf methodisch, aber auch mechanisch, umso tollpatschiger. Eben der "moderne Mann", wie ihn Riedenschneider verteidigend (und wissend) darstellt, in einem Menschenpool, der von oben beherrscht wird und glaubt, er könne von alleine fließen.


Er ist der tendenzielle Wandler zwischen den Welten, ein Systemfehler von zugleich offenbar überdurchschnittlichem Wissen/Selbstbewusstsein (alà Doris) und unbedachter Inkompetenz, der jede Situation gründlich erfassen, sogar voraussehen könnte, aber dennoch (im Nachhinein betrachtet) die falschen Entscheidungen trifft. Über allem steht trotzdem irgendwie noch immer das Unbekannte, die höhere Macht, die gegen ihn arbeitet, sich einmischt und jeden gemachten Schritt zunichte macht, mehr noch als der Barbier es von alleine könnte. Eine schwierige Sache, auch für den Zuschauer, da einen plausiblen Schluss zu ziehen, denn das System des Lebens lässt sich eben auch nicht so einfach entschlüsseln, antwortet letzten Endes immer plump mit dem Tod - da lässt der Film reichlich Zweifel, aber eben auch reichlich Denkwürdiges übrig; in einer durchweg eleganten, stimmungsvoll-enigmatischen Fassung, die zunächst Schwarzweißmalerei vermittelt, aber immerzu über den Kopf wirft. Die Coens können "Realität" nun mal nicht anders behandeln, dafür kann man dankbar sein.


8 von 10 Frisuren


vom Witte

Review: GENUG GESAGT - Probleme im zweiten Frühling

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Fakten:
Genug gesagt (Enough Said)
USA, 2013. Regie & Buch: Nicole Holofcener. Mit: Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Catherine Keener, Toni Collette, Ben Falcone, Tracy Fairaway, Eve Hewson, Amy Landecker, Tavi Gevinson u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Ab 18. April 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Eva ist eine alleinerziehende Mutter jenseits der 40, seit 10 Jahren geschieden und verdient ihr Geld als Masseuse. Ihre Tochter steht kurz davor, dass heimische Nest in Richtung College zu verlassen. Auf einer Party lernt sie Albert kennen, ebenfalls geschieden und alleinerziehend, nur auf den ersten Blick nicht unbedingt ihr Typ. Dennoch, als Albert sie zu einem Date einlädt, lässt sie sich darauf ein. Und siehe da: Zwischen ihnen funkt es leicht. Vor Eva und Albert scheint eine glückliche Zukunft zu liegen, bis sie feststellt, das Albert der Ex-Mann ihrer Kundin und neuen Freundin Marianne ist. Die hat sich öfter über ihren unmöglichen Ex bei ihr ausgelassen, nur da wusste Eva noch nicht, wer er ist. Mit diesem Hintergrundwissen im Kopf sieht sie Albert und ihre frische Beziehung mit ganz anderen Augen.



Meinung:
Einen schalen und bitteren Beigeschmack wird der Film von Nicole Holofcener immer haben: Er ist der letzte von James Gandolfini. Kurz nach Fertigstellung verstarb der charismatische Mime an einem Herzinfarkt. Als hätte er es geahnt spielt Gandolfini so wunderbar, ehrlich und zutiefst sympathisch. Der oft als Bad-Guy aufgetretene Hüne liefert mit Sicherheit eine seiner besten Leistungen. Als Partnerin ist Julia Louis-Dreyfus zu sehen, wohl am besten bekannt durch ihre Rolle in der Erfolgs-Sitcom "Seinfeld", die gut ein Jahrzehnt lang in den USA ein Riesenhit war, bei uns immer ein leichtes Schattendasein fristete. Ihre Filmkarriere kam nie richtig in die Spur. In dieser kleinen Produktion beweist sie, dass es nicht an ihren Fähigkeiten liegen kann. Inzwischen in einem Hollywood-kritischen Alter angelangt (zwischen sehr jung und sehr alt ist da wenig Platz), dürfte sie sich durch diesen Auftritt wieder ins Gedächtnis des Publikums und einiger Filmschaffender zurück spielen.



Es entstehen Zweifel
Ja, die Hauptdarsteller sind toll und die Chemie zwischen ihnen stimmt jede Sekunde. Man nimmt ihnen das Knistern untereinander voll und ganz ab. Sie harmonieren prächtig und dürfen sich einige amüsante, geerdete und glaubwürdige Dialoge um die Ohren hauen. So spaßig und charmant das alles kurzzeitig und partiell ist, "Genug gesagt" hat als Film an sich nicht viel Haltbarkeitszeit. Denn was er einem erzählt ist trotz seines netten Auftretens eher seichte Unterhaltung ohne wirklich markante Momente und wichtigen Inhalt. Es geht um Singles in den nicht mehr wirklich besten Jahren, deren Kinder langsam flügge werden und sie somit von der Einsamkeit bedroht werden. Durch Zufall finden sich zwei dieser Seelen, lernen sich kennen und lieben, werden jedoch durch einen noch größeren Zufall auf eine harte Probe gestellt. Der Stoff ist recht nett und hat durchaus Potenzial, nur weiß die Handlung niemals so zu gefallen wie die Darsteller und gesonderte Momente, in denen "Genug gesagt" seine angepeilte Qualität durchaus zu vermitteln vermag. Kitschig ist der Streifen zu keiner Sekunde, was in dem Genre schon mal etwas wert ist. Nur plätschert alles so harmonisch und sanft dahin, dass echte Highlight nicht auszumachen sind. Wenn es dann vorbei ist, bleibt die merkwürdige und ernüchternde Erkenntnis, dass das jetzt alles war. 

 
"Genug gesagt" könnte eine schöne, stille Perle sein und schafft es immer mal wieder, diesen Eindruck aufblitzen zu lassen. Nur beim Aufblitzen bleibt es. Ohne sein wunderbares Darsteller-Duo würde wenig hängen bleiben. Die erledigen ihren Job dafür so klasse, dass sich ein großer Zwiespalt auftut. Wohin mit dem Film? Schwierig. Die Mitte ist einerseits zu wenig, andererseits genau richtig und manchmal fast zu viel. Kann man sicher sehr mögen, trifft nur ganz sicher nicht auf jeden zu. Extreme Geschmacks- und Ansichtssache. Ausprobieren und dann urteilen, allein Gandolfini hat es verdient. 

 
5 von 10 Massagen bei der Ex

Review: NOT FADE AWAY - Viel Herz und wenig Pep

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Fakten:
Not Fade Away
USA, 2012. Regie & Buch: David Chase. Mit: John Magaro, Jack Huston, Will Brill, Dominique McElligott, James Gandolfini, Brahm Vaccarella, Gregory Perri, Bella Heathcote, Christopher McDonald, Brad Garrett u.a.  Länge: 112 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Ab dem 26.9.2013 im Kino. 



 
Story:
Inspiriert von der Musik der Beatles und besonders der Rolling Stones gründen Douglas und seine Freunde Anfang der 60er eine eigene Band. Douglas verschreibt sich im Lauf der nächsten Jahre vollkommen der Musik, was seine konservativen Eltern schwer verärgert. Die Band hat Potenzial, doch der grosse Erfolg will sich nicht einstellen.

                                                                    



Meinung:
Mit "Die Sopranos" schrieb David Chase junge Fernsehgeschichte. Mit "Not Fade Away" erzählt er eine teils autobiographische Story, was jederzeit zu spüren ist. Das, sowie der in diesem Jahr viel zu früh verstorbene James Gandolfini, sind die Prunkstücke seines Films, der sonst leider nicht das hergibt, was der Titel verspricht. Eher im Gegenteil.


 
Die Zottel-Kids lümmeln im Grünen...
Chase lag das Projekt wohl am Herzen, seine Bemühungen um Authentizität löblich. Zeitkolorit besitzt "Not Fade Away" ohne jeden Kompromiss. Immer wieder werden reale Ausschnitte aus Film und Fernsehen eingestreut, die aktuelle Geschichte von Politik und Gesellschaft erwähnt, die Musik dieser Zeit untermalt den gesamten Film. Chase ist ein Kind dieser Zeit und hat sie am eigenen Leib erlebt, definitiv spürbar. Nur vergisst er hinter diesen romantisch-melancholischen Anekdoten einen ernsthaft interessanten Film zu erzählen. Melancholisch wird der Zuschauer nur durch die Tatsache, James Gandolfini Monate nach seinem Tod noch mal auf der grossen Leinwand zu sehen. Der bullige Charakterkopf knallt den restlichen Cast mühelos an die Wand. Nur seine Nebenrolle kann das müde Script nicht retten. Dramaturgisch wirkt das stellenweise sehr unbeholfen, was in Anbetracht der Sopranos verwunderlich ist. 


 
...die Alten lieber auf dem Sofa.
Vieles wird grob angerissen, doch letztendlich vermag der Film nie ernsthaft mitzunehmen und die zwischenmenschlich wie gesellschaftlichen Baustellen verlaufen im Nichts. Der Umbruch im Denken der Jugend, das Streben nach Veränderung, der Konflikt zwischen den spiessbürgerlichen Eltern und dem auf Revolution gestimmten Nachwuchs, alles ist da und nichts zündet länger als mal ganz kurz für den Moment. Die Handlung wirkt sprunghaft, teilweise zähflüssig und kommt ohne jegliche Höhepunkte aus. Das Ganze erscheint ziellos und kann kaum bei der Stange halten. Interessant, dass ausgerechnet der Klassiker "Blow Up" in einer Szene im Kino gesehen wird und die Protagonisten darauf hin kritisieren, dass der Film keinen Sinn machen würde. Das erscheint fast schon lustig, betrachtet man diesen Film.


 
Ja, Sinn macht er schon, nur wird hier offensichtlich nach Höherem gestrebt, was nicht erreicht wird. Etwas verstreuter Witz, viel Jugend-Romantik, aber keine vernünftige Erzählstruktur. Es zieht und schleppt sich, kein Ansatz wird tauglich bis zum Schluss gebracht. Am Ende erscheint alles banal, jedes angestrebte Dramatik wirkungslos. Dazu kommen die blassen Jungdarsteller. Sie wirken bemüht, wie der Film insgesamt, strahlen aber kaum Präsenz aus. Das passt zum Gesamtbild. Ansatzweise interessant, effektiv wirkungslos. Schade, denn Chase wollte wohl seiner Jugend ein Denkmal setzen, welches kaum den nächsten Windstoss überleben wird. Viel gewollt und wenig gekonnt.


 
3,5 von 10 beinahe Chartstürmern 

Review: DER UNGLAUBLICHE BURT WONDERSTONE - Es fehlt der Zauber

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Fakten:
Der unglaubliche Burt Wonderstone (The Incredible Burt Wonderstone)
USA. 2013. Regie: Don Scardino. Buch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley. Mit: Steve Carrell, Olivia Wilde, Steve Buscemi, Jim Carrey, James Gandolfini, Alan Arkin, Brad Garrett, Jay Mohr, Michael Bully Herbig, Gillian Jacobs, Luke Vanek, Mason Cook, David Copperfield, Zachary Gordon u.a. Länge: 101 Minute. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Sein Name ist Burt Wonderstone. Seit seiner Kindheit ist der von der Zauberei fasziniert und er hat den Aufstieg zusammen mit seinem Freund Anton geschafft. Las Vegas liegt ihm zu Füßen. Doch über die Jahre wird Burt faul und seine Show verliert massiv Zuschauer, während neue, hippe Stars die Branche übernehmen. Nach einem Zerwürfnis mit Anton muss Burt wieder bei null anfangen.





Meinung:
In den 1990er gab es dank des Magiers David Copperfield einen regelrechten Zauber-Boom. Mit klassischen Tricks, wie der versägten Jungfrau, die pompös und theatralisch aufgeblasen wurden, war Copperfield nicht nur beim deutschen Privatsender RTL ein gerngesehener Haus- und Hofgast. Doch Zeiten ändern sich nun mal. Zwar sorgen bekannte Zauberer wie Copperfield oder der Niederländer Hans Klok immer noch für ausverkaufte Bühnenshows, doch die ihre Auftritte zur Prime Time in den Medien sind vorbei. Zum Glück gibt es ja noch Las Vegas, jene legendäre Stadt der Sünde und der Lichter, die von Casinos und gigantischen Hotelkomplexen beherrscht wird. Dort gibt es sie noch, die großen Shows der Zauberer, doch eine neue Generation hat vor einigen Jahren begonnen die Elite vom Thron zu stoßen. Statt aalglatten, geschniegelten und geschnörkelten Illusionisten, sind jetzt Leute wie David Blaine und Kriss Angel („Mind Freak“) an der Spitze der Zunft. Ihre Zauberei hat dabei nur noch wenig zu tun, mit den Tricks der alten Meister. Aus der Show ist reine Performance und Selbstdarstellung geworden, die mehr an die infantilen Selbstverletzungen der „Jackass“-Crew erinnern, statt an Houdini und Konsorten. Dass die Zeit von überlebensgroßen Shows, Glitzeranzügen und Betonfrisuren vorbei ist, muss auch Burt Wonderstone feststellen. Der egoistische, selbstverliebte Magier muss sich im Spielfilmdebüt des „30 Rock“-Regisseurs Don Scardino damit auseinandersetzen, dass er den Wandel in der Zauberbranche verschlafen hat. Wie das am Ende ausgeht? Nun, dazu muss man kein Magier oder Wahrsager sein, denn „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ ist ungefähr so berechenbar, wie die ersten Tricks eines Kindes, aus einem Zauberkasten für Anfänger.


Auf diesem Bild versteckt sich eine Perücke
Das eine Film, vor allem eine Komödie, nicht erreichen kann, dass man als Zuschauer noch überrascht wird, ist nur dann fatal, wenn der Humor des Films nicht funktionieren, bzw. nicht zünden will. „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ leidet aber auch darunter. Seine Pointen sind teilweise so grobschlächtig, dass ein Metzger damit Schweine halbieren kann. Das anvisierte Ziel des Films, die neue Garde der Zauberer (sprich: Blaine und Angel) zu karikieren und gleichzeitig die klassischen Illusionisten, die Münzen hinter Ohren hervorzaubern, zu huldigen gerät immer mehr zu einer reinen, zwanghaften Gagparade, deren Figuren auch dann noch wie aus Plastik wirken, wenn sie abgeschminkt außerhalb der Bühne agieren. Egal ob die Titelfigur, sein liebenswürdiger Kollege Anton oder Assistentin Jane, sie alle kommen über den Status einer charakterlichen Konzeptzeichnung nicht hinaus. Einzig bei Him Carreys rolle des Steven Gray, ist dies verzeihlich, dient diese Figur doch nicht nur als Antagonist, sondern auch das Kritik an Kriss Angel und David Blaine in parodistischer Form.


 

Profirunde: Hier verstecken sich sogar zwei Perücken
Natürlich ist Burt Wonderstone auch als eine verkörperte Persiflage angelegt, doch selbst dann, wenn Steve Carrell seiner Rolle etwas Wahres, etwas Menschliches hinzufügen soll, bleibt ein unelastischer, spröder Eindruck zurück. Da ist es merh als enttäuschend, dass „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ auf eine mehr als ansehnliche Darstellerriege zurück greifen kann. Hauptdarsteller Carrell hat in Filmen wie „Little Miss Sunshine“ oder „Dan – Mitten im Leben“ bereits bewiesen, dass er als Darsteller auch außerhalb von Krawall- und Frontalkomödien überzeugen kann, davon ist hier aber wenig zu sehen. Seinen Co-Stars ergeht es da ähnlich. Olivia Wilde („Tron: Legacy“, „Cold Blood“) wird in die wenig reizvolle Rolle der ewig weiblichen Vernunft gequetscht und darf nicht mehr tun als moralische Statements abgeben und gut auszusehen, während der viel zu früh verstorbene James Gandolfini das vermögende Arschloch mimt. Ansonsten beehrt Steve Buscemi den Film noch und Michael Bully Herbig darf auch ein paar Mal einige Sätze und wenig brauchbare Gags zum Film beisteuern. Wer aber glaubt, Herbig hätte in „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ wirklich eine Funktion täuscht sich aber, wie das Publikum bei einer großen Zaubershow.


„Der unglaubliche Burt Wonderstone“ hat gewiss enormes Potenzial, doch aus seiner Geschichte macht er nicht mehr als ein wenig erquickliche Verkettung von müden Gags mit schlaffen Pointen. Der Versuch seine Titelfigur innerhalb weniger Szenen von einem antisozialen Zauberstar zu einem liebenswürdigen Entertainer zu wandeln, erweist sich dazu noch als äußerst schaler Taschenspielertrick ohne Finesse. Eigentlich ist der gesamte Film frei von jeglichen Feinheiten. So wirkt „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ wie ein Zauberer mit grobmotorischen Wurstfingern, der versucht eine Spielkarte in seinem Ärmel zu verstecken. Magie sieht anders aus. Gelungene Komödien ebenfalls.


3 von 10 Tauben mit fehlenden Knochen