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LOGAN - THE WOLVERINE - Das Duo der Grimmigkeit on the road zum Comic-Abgesang

2 Kommentare:


Fakten:
Logan – The Wolverine (Logan)
USA. 2017. Regie: James Mangold. Buch: Len Wein, Christopher Yost, Craig Kyle, Michael Green, Scott Frank. Mit: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Boyd Holbrook, Stephen Merchant, Elizabeth Rodriguez, Richard E. Grant, Eriq La Salle, Elise Neal, Quincy Fouse, Al Coronel, Frank Gallegos, Anthony Escobar, Reynaldo Gallegos, Krzysztof Soszynski, Stephen Dunlevy u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 2. März 2017 im Kino.


Story:
Im Jahr 2029 gibt es kaum noch Mutanten. Charles Xavier (Patrick Stewart) und Logan aka Wolverine (Hugh Jackman) müssen versuchen, mit dem Verlust der X-Men zurechtzukommen. Zusätzlich haben die beiden Männer mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen, denn während die Alzheimer-Erkrankung von Professor X fortschreitet, bildet sich Logans Selbstheilungskraft langsam zurück.Unterdessen planen Menschen wie Dr. Zander Rice (Richard E. Grant) und Donald Pierce (Boyd Holbrook) die Entwicklung einer mächtigen Waffe und setzen dafür die wenigen überlebenden Mutanten gefangen, die sie finden können. Für Logan gilt es deshalb, sich ein letztes Mal aufzuraffen, um sie zu besiegen und im Zuge dessen ein Mädchen namens Laura (Dafne Keen) zu retten, das sein junger weiblicher Klon ist.





Kritik:
Macht mal halblang mit dem ganzen Hype - James Mangold ist kein Zauberer, selten ein bemerkenswerter Regisseur, auf jeden Fall weiterhin nicht derart vom Genre abgekoppelt, dass man seines „Logan“ wegen eine Sternstunde für den Superhelden-Eintopf ankündigen müsste. Ein Ausnahmefall ist dennoch gegeben, so wie sich die X-Men-Marke Wolverine hier als Mythos verselbstständigt und mit einem R-Rating bewaffnet auf die Wahrhaftigkeiten des unsterblichen Heldenstatus hinsteuert, Zyklen der (Selbst-)Aufgabe mutagener Individuen als Roadtrip cineastischer Americana aufarbeitet. Man kann nicht aus seiner Haut – jenes Leitthema wird folglich Urheber aller Stärken und Schwächen jenes grimmigen Comic-Abgesangs, welcher es sich zudem noch explizit aus „Mein großer Freund Shane“ ausleihen muss, um seine Position für alle Zielgruppen ersichtlich darzustellen. An Subtilitäten mangelt es daher schon von Anfang an, wenn es um die Vermittlung der Lage Amerikas um 2029 geht, immens dem gegenwärtigen Zeitgeist der Angst vor dem Rechtsruck angepasst: Da steht schon die Mauer zwischen Texas und Mexiko, die Umwelt ohnehin voll sinestrer Gangs, Prollpatrioten, Schergen in immer wiederkehrerenden Jeep-Kolonnen, angeführt von einem Bösewicht namens Donald (Boyd Holbrook) – später gibt es sogar „Make corn great again“ und Folter oben drauf, falls die Sozialkritik bis dahin noch nicht durchsichtig genug war. Im Schatten solch dystopischer Zustände sind Mutanten wie Logan (Hugh Jackman), Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) oder der Albino-Hellseher Caliban (Stephen Merchant) der jahrelangen Verfolgung her rar geworden und binnen karger Verstecke auf permanenter Flucht, wobei insbesondere erstgenannter Ex-Hero mit Adamantium-Klingen allmählich jede Hoffnung aufgegeben hat.


Um die eigene Sterblichkeit beraubt und mit immer schwereren Verletzungen in lediglich physischer Selbstheilung erfahren, boxt und schlitzt er als Chauffeur noch die letzte Knete durch, doch er hat die Schnauze voll und den Suizid als letzte schleichende Amtshandlung ins Auge gefasst. Mit jener Abgeklärtheit brüstet sich der Film dann auch in eine Gangschaltung der Räude hinein, wie er sich im Vergleich zum Rest des Franchise freier und menschlicher äußern kann, aber inhaltlich ständig um dieselben Konflikte wie bisher greift, jede Handlungsentwicklung und emotionale Deutung so ausformuliert vorwegnimmt, wie die Geradlinigkeit des Scripts ohnehin abseits einer Spannungskurve arbeitet. Es fällt also teils frustrierend repetitiv aus, wie man das Einschreiten der Bösewichte als Pflichterfüllung runterzählt, gleichsam Topoi aus der Mottenkiste wie „Du kannst ja doch sprechen!“, bösen Wissenschaftlern und reaktionären Rednecks wieder begegnet, während das Spektrum charakterlicher Entwicklungen bei einer Laufzeit von über zwei Stunden konsequent klein gehalten wird. Man kann nicht aus seiner Haut und da könnte man Hugh Jackman und Co. Eintönigkeit unterstellen, wenn denn nicht das Engagement zum Dauerzustand so genüsslich ruppig umgesetzt wäre, in der Verweigerung der Selbstreflexion umso dringlicher die Spannung an Entscheidungen ballt, eben den Ausbruch ins Ich staut, ohne Brotkrümel des Pathos auf dem Weg verstreuen zu müssen. Die Spitzen dazu finden sich höchstens in der simplifizierten, aber nicht allzu grellen Abarbeitung bestimmter Lebensmodelle, wie jene der Arbeiterklasse binnen der Bilderbuchfamilie Eriq LaSalles, während man als Zuschauer am ehesten an Action-Schauwerten hängt, die anhand der Eskalation rabiater Körperschnitzelei in Szenarien direkt aus „Universal Soldier“ und „Kinder des Zorns“ leiten.


Japp, auch Kids dürfen hier einen Blutsturm entfesseln, was in Zeiten von „Stranger Things“ und „Kick-Ass“ zum guten Ton gehört, mit Neo-Mutantin Laura (Dafne Keen) im hiesigen Werk dann auch ein Maskottchen erhalten, das vielerlei Charakteristika, Traumata sowie Erinnerungen der (Un-)Schuld und des Missbrauchs mit unserem Titelhelden teilt, Beschützerinstinkte weckt, aber mitunter mehr austeilen kann als der alte Wolf. Xavier im Rollstuhl, tatsächlich noch das drolligste Mitglied im Trio auf Abwegen, vergleicht das mit der Rolle einer Löwenmutter, inzwischen ist dessen Gehirn via Demenz jedoch zur Massenvernichtungswaffe geworden. Bei der Druckwelle an Psi-Kräften muss man unbedingt jene Szene gesehen haben, in der sich Logan durch Hotelflure und Bösewichte ratscht, während die Leinwand lautstark im Mentalblock wackelt! Sie ist auch eine der wenigen Innovationen in diesem Best-Of an meist ernstgenommener Comic-Ikonographie, das zudem mit den Merkmalen des Westerns, der „Mad Max“-Endzeit, der inländischen Wurzel des home of the free, der Sehnsucht aufgelöster Grenzen und natürlich Johnny Cash oben drauf anbandelt. Wie man's schon liest, ist Innovation dann vielleicht auch nicht sooo wichtig, wenn die reichhaltige Mischung jenes Best-Ofs Punktlandungen der Effizienz erfüllt. Herrje, die Prämisse ist ja auch irgendwo ein Traum kompakter Wunscherfüllung, allein von der Optik und Präsenz der Grundstimmung her ambitionierter, intimer, ehrfürchtiger und behutsamer, als man es sich nach einem Ursprung wie „X-Men Origins: Wolverine“ je erhofft hatte. Kleine Schönheitsfehler fallen trotzdem auf und hemmen manch Bindung ans verkappte Charakterkino – z.B., wenn Marco Beltramis Score anfangs noch allzu platt darauf hinweist, welche Szene (eigentlich jede) von sentimentaler Bedeutung ist und wie man sich fühlen soll, obgleich das Visuelle an sich schon jede Entdeckung pointiert gewichtet. Im Verlauf wird die Mucke dann auch öfters abgeblendet, um den Moment für sich selbst wirken zu lassen, wenn man auch von der Melodramatik des Genres nie ganz Abschied nehmen wird.


An anderer Stelle jedoch versagt jene Melodramatik und springt konfus von einem Ton in den nächsten, wenn das Dahinscheiden einer beliebten Figur mit einer splattrigen Häckselarbeit nebenan verknüpft wird. Und dann gäbe es ja ohnehin diese Diskrepanz zwischen einer Antagonistenfront, die als hassliebenswert vorbereitet, von der Inszenierung her jedoch konstant im Muss-jetzt-sein-Faktor fallen gelassen wird. Da gibt’s bestimmt noch einige dramaturgische Mängel mehr in petto, im Endeffekt verstärkt der Film daran sowie via dufter Kuriositäten im Detail aber eher noch die Empathie zum ambivalenten Pflichtgefühl seines Helden und dessen Genres, wenn er sich und den narrativen Strukturen/Längen um seiner selbst überlassen ist, im hohen Alter immerhin die volle Wut ausspielen kann und dafür von der nächsten Generation bewundert wird, der er auch im Strom an Enttäuschungen und Vergänglichkeiten zu sagen weiß: Werdet nicht so und macht nicht das, wofür man euch geschaffen hat. Solchen Extremen dichtet der Film zudem noch eine Vorzeigedualität an, die dann wieder darauf hinführt, woran die X-Men an sich zeitlos bleiben werden, nämlich an der Einigkeit füreinander und gegen das Böse. Das Schlussbild dazu könnte nicht perfekter ausfallen, mit einer Träne im Knopfloch am Einzelgänger für jedermann verarbeitet, wie man der Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, schlicht der Universalität des Comicbuchs mehr als gerecht wird. Bis dahin hatte man einiges Plätschern binnen mehrerer Filme hingenommen, da kommt Mangolds Neuester auch nicht ganz aus seiner Haut, aber immerhin mal mit einem bittersüßen Bekenntnis zum Charakter an, in dem sich die Klischees, Querverweise und Unstimmigkeiten nun der natürlichen Bestialität wegen (jetzt wirklich mal, versprochen!) als Markenzeichen des Imperfekten auszudrücken versuchen, anstatt sich hauptsächlich aufs Spektakel einzustellen.


6,5 von 10 geklauten Sonnenbrillen

vom Witte

Review: ANNABELLE – Gänsehaut vor Langeweile

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Fakten:
Annabelle
USA. 2014. Regie: John R. Leonetti. Buch Gary Dauberman.
Mit: Annabelle Wallis, Alfre Woodward, Ward Hurton, Brian Howe, Eric Ladin, Tony Amendola, Kerry O’Malley, Ivar Brogger, Tree O’Toole, Christopher Shaw, Michelle Romando, Morganna May u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 19. Februar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1967. Mia und John erwarten ihr erstes Kind, als sie nachts von einem satanistisches Pärchen überfallen werden. Die Polizei schreitet ein, die Eindringlinge sterben. Einer von ihnen richtet sich dabei selbst und hinterlässt auf einem Exemplar aus Mias Puppensammlung ein seltsames, blutiges Zeichen. Nach diesen Geschehnissen ziehen Mia und John um, doch das Grauen geht mit ihnen mit.





Meinung:
Dass James Wan das kontemporäre Horrorkino für sich in Anspruch genommen hat, würde man zu gerne als Schnellschussgerücht herunterbrechen, doch es ist genau die Person des in Malaysia geborenen und in Australien aufgewachsenen Filmemachers, die in den letzten Jahren die kommerziellen Erfolge in diesem doch reichlich abgebrannten Genre einfahren durfte. Nachdem sein spottbillig produzierter Indie-Streifen „Saw“ 2004 auf reichlich Gegenliebe gestoßen ist und ein unsägliches Franchise auf den Plan rief, folgte im Jahre 2010 „Insidious“. Angelehnt an den altmodischen Grusel, wie man ihn in den ehrenvollen 1970er Jahren noch in qualitativer Verlässlichkeit um die Ohren geschlagen bekommen hat, bewies Wan mit „Insidious“ vor allem, dass in ihm vielleicht ein guter Handwerker steckt, der weiß, wie er die Kamera positionieren und scharfstellen muss, aber nicht, wie man einen Film mit einer adäquater, einer in sich stimmigen Atmosphäre auszukleiden hat. „Insidious“ war daher auch eher quälend laut, denn einnehmend schaurig.


Böse Puppe: Annabelle
Gleiches gilt auch für seinen grässlichen Nachfolger „Insidious: Chapter 2“ und den marginal besseren Blockbuster „Conjuring – Die Heimsuchung“, der mit einem unheimlich befremdlich wirkenden Hype versehen wurde. Und weil „Conjuring – Die Heimsuchung“ die Kassen klingeln lassen konnte, entschloss man sich selbstredend dazu, der belanglosen Vitrinenpuppe Annabelle aus „Conjuring – Die Heimsuchung“ eine Vorgeschichte zu spendieren. Ulkigerweise ist Annabelle ihrem – sollte man jedenfalls bei dem Titel NICHT vermuten – eigenen Film ähnlich egal, wie sie es schon „Conjuring – Die Heimsuchung“ war, wo sie in den ersten Minuten für den paranormalen Spuk sorgen durfte, anschließend aber brav im Schränkchen verharrte. „Annabelle“ schafft es zwar, ihrem vermeintlichen Antagonisten dahingehend zu etablieren, dass es einen „Sinn“ ergibt, warum sie in Verbindung mit so mancher übersinnlichen Tat gebracht werden könnte, er vergisst es aber vollständig, eine gewisse Bedrohung von ihr ausgehen zu lassen, weil sie den Film über schlichtweg nicht präsent ist - Und das soll schon etwas heißen.


Das Böse lauert überall
Immerzu hockt sie in der Ecke, grinst debil durch die Gegend und wird dann eingeblendet, wenn sich „Annabelle“ mal wieder in den stupidesten Schocksequenzen ergießt, die ihre Wirkung natürlich wieder aus überlaut eingestreuten Toneffekten entziehen sollen. Wer Horror also als tosenden Krawall und planloses Geplärre definiert, der ist hier mal an der richtigen Baustelle angekommen, stilistisch hält sich John R. Leonetti, der zuvor die Kameraarbeit in „Insidious“, „Insidious: Chapter 2“ und „The Conjuring – Die Heimsuchung“ übernahm, ganz nah an Vorbild James Wan und besitzt ebenso keinerlei Verständnis für ein inspiriertes Gruselflair. Aber wo „The Conjuring – Die Heimsuchung“ immerhin noch mit seinem ansehnlichen Retro-Chic auffiel und in (weeeeenigen) Einzelmomenten zu punkten wusste, hat „Annabelle“ bereits der klinische Tod ereilt und die Spannungskurve lässt sich in einem ähnlichen Ausmaß von eingeschlafenen Füßen entdecken. Wenn sich „Annabelle“ dann auch noch an visuellen Referenzen zu „Rosemaries Baby“ versucht, denunziert sich dieses formelhafte Vehikel endgültig selbst.


Der Grund dafür, dass sich eine talentierte Schauspielerin wie Annabelle Wallis („Peaky Blinders“) für ein solch katastrophales Drehbuch verballhornen lässt, liegt auf der Hand, und doch ist es schade, weil Wallis durchaus in der Lage ist, sich in vergangenen Perioden vollends zu akklimatisieren. Hier agiert sie leblos und passt sich den Gebaren des gesamten Filmes an: Ungreifbar, steif, distanziert und lustlos. Die Einspielergebnisse aber werden am Ende des Tages schon stimmen und weitere Spin-offs zu „Conjuring – Die Heimsuchung“, von dem uns im nächsten Jahr auch eine Fortsetzung beehren wird, stehen mit Sicherheit schon bereit, um endlich in die Tat umgesetzt zu werden. Prost Mahlzeit.


2 von 10 kugelrunden Babybäuchen


von souli

Trailerpark: "The Conjuring" erhält Spin-Off - Erster Trailer zu ANNABELLE

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The Conjuring“ von James Wan erhält mit “Annabelle” nun sein erstes Spin-Off. Der Plot des Horrorfilmes ist bislang noch unbekannt und auch der erste Trailer verrät noch nicht all zu viel. Klar ist nur, dass die  Puppe Annabelle, die in „The Conjuring“ zu sehen war und von Fans mit zig Theorien bzgl. ihrer Herkunft bedacht wurde, eine gewichtige Rolle spielt. Regie führt John R. Leonetti, der zuvor als Kameramann für James Wan tätig war und dessen Regie-Vita mit „Mortal Kombat: Annihilation“ und „The Butterfly Effect 2“ so kurz wie dürftig ausfiel. „The Conjuring: Annabell“ startet bei uns am 9. Oktober.


Review: PREDATORS – Hunde, wollt ihr ewig leben?

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Fakten:
Predators

USA. 2010. Regie: Nimród Antal. Buch: Michael Finch, Alex Litvak. Mit: Adrien Brody, Alice Braa, Topher Grace, Laurence Fishburne, Oleg Taktarov, Walton Goggins, Mahershalalhashbaz Ali, Louis Ozawa, Carey Jones u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Es gibt schönere Arten aufzuwachen, als mitten im freien Fall. Ein Glück dass der Fallschirm sich öffnet. Doch ob es so ein Glück ist, zu leben, dass muss sich noch zeigen für den Söldner Royce, der sich nun mit sieben anderen Fremden durch einen Dschungel schlagen muss. Wie sie genau hier herkamen? Wer dafür antwortlich ist? Das weiß keiner. Doch eines wird schnell klar: jemand jagt die Gruppe und es ist kein Mensch.





Meinung:
Ein Klassiker, dessen immense Bedeutsamkeit gerade in den etwas ruppigeren Genre-Zirkeln wie in Stein gemeißelt steht: „Predator“ von 1987. John McTiernan war es einst, der uns nach einer Drehbuchvorlage von Jim und John Thomas zusammen mit Arnold Schwarzenegger in die Untiefen des zentralamerikanischen Dschungels führte und mit einem beinahe unbesiegbaren Feind konfrontierte: Unsichtbar, blitzschnell, mit Wärmewahrnehmung (Thermografie) und allerhand Waffen ausgestattet, die die Technologie des Menschen bei Weitem überschreitet. Der Predator wurde – wie auch der Film – über Nacht zur gefeierten Kultfigur und Arnold Schwarzenegger bezog selbstredend den Thron der maskulinen Action-Heroen. Natürlich musste auch aus „Predator“ anschließend ein Franchise gestrickt werden, doch wie schon bei „Stirb langsam“, der ebenfalls unter der Ägide von John McTiernan stand, ist die Faszination für das Sujet lange erloschen. Nach „Predator 2“ und dem doppelt gescheiterten Monster-Clash „Alien vs. Predator“ wie „Alien vs. Predator 2“ sollte das Thema eigentlich durch gewesen sein. Eigentlich.


Royce und Anhang kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind
Filmgeek Robert Rodriguez („The Faculty“, „From Dusk Till Dawn“) aber wollte das Monster aus den unbekannten Weiten des Weltraums noch nicht fallen lassen und griff auf einen alten Drehbuchentwurf zurück, den Alex Litvak und Michael Finch bearbeiten und für die Leinwand gerecht aufbereiten sollten. Dass Rodriquez „Predators“ bei „Predators“ letzten Endes zwar nur als Produzent tätig sein wird, war von Anfang klar und stimmte etwas traurig, doch mit dem Ungar Nimrod Antal („Motel“) konnte man ebenfalls einen durchaus fähigen Filmemacher für das Projekt engagieren. Aber was nützen all die Ambitionen und all das Talent, wenn das Drehbuch schlichtweg für die Tonne ist und selbst simpelsten Fan-Service negiert? „Predators“ war zweifelsohne gut gemeint und konnte bei Verkündigung gleichwohl hohe Erwartungen schnüren, das Ergebnis muss sich aber als herbe Enttäuschung brandmarken lassen. Und das nicht nur aufgrund einzelner Ungereimtheiten, es ist die Masse an Defiziten, die das phantastische Abenteuer in die Knie zwingt.


Ein Predator der Klasse Fishburne. Bitte nicht füttern
„Predators“ führt ein reziprokes Verhältnis zum Original von 1987, wie bereits die Exposition offen festmacht: War es in den 1980er Jahren noch der Predator, der von einem Raumschiff auf die Erde geschmissen wurde, wachen in „Predators“ nun acht Menschen im freien Fall auf: Darunter der Söldner Royce (Adrien Brody, „King Kong“), der mexikanische Auftragskiller im Namen des kolumbianischen Drogenkartell Cuchillo (Danny Trejo, „Machete Kills“), der russische Speznas-Soldat Nikolai (Oleg Taktarov, „Das Vermächtnis der Tempelritter“), die israelische IDF-Scharfschützin Isabelle (Alice Braga, „Elysium“), der zum Tode verurteilte Schwerverbrecher Stans (Walton Goggins, „Django Unchained“), der Yakuza Hanzo (Louis Ozawa) und der Mediziner Edwin (Topher Grace, „Spider-Man 3“). Eine bunte Mischung möchte man meinen, die sich durch ihre ganz differenten (Kämpf-)Fertigkeiten auszeichnen und einiges an Charakter-Dynamik heraufbeschwören sollte. Aber Pustekuchen. Die Figuren sind Stereotypen, langweilig, nichtssagend und die meiste Zeit nur damit beschäftigt, müde One-Liner mit verschreckter Fratze auszurotzen.


Es tangiert den Zuschauer herzlich wenig, wer hier im abgedroschenen „10 Negerlein“-Prinzip nun ins Gras beißt, zieht die Topographie doch viel eher die Blicke auf sich und verweist darauf, in eine fremde Welt gestolpert zu sein. Eine grüne Hölle, die ihre fremdartige Flora und Fauna schnell zum Höhepunkt der Szenerie ernennt, weil weder Figuren, noch die eigentlichen Stars, die Predators, in irgendeiner Art und Weise für Spannung sorgen wollen. Da verwässern auch einige kreative Einfälle, schlägt man sich doch einzig durch einen höhepunktbefreites Töten-oder-getötet-werden-Actioner, der zwar auf Old-School macht, sich aber dann doch bereitwillig in billigen Effekten suhlt. Für Fans ist „Predators“ eine Beleidigung und Denkmalschändung bar jeder Moral (dieser Twist!!!), für alle anderen bleibt es ein lahmes und viel zu zahmes B-Movie, nach dem schon am nächsten Tag kein Hahn mehr krähen wird.


4 von 10 intergalaktischen Schoßhündchen


von souli

Review: PARANORMAL ACTIVITY: DIE GEZEICHNETEN – Warm Up für Phase fünf

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Fakten:
Paranormal Activity: Die Gezeichneten (Paranormal Activity: The Marked Ones)
USA. 2014. Regie und Buch: Christopher B. Landon. Mit: Andrew Jacobs, Richard Cabral, Molly Ephraim, Gabrielle Walsh, Jorge Diaz, Cathrine Toribio, Noemi Gonzalez, Julian Works, Katie Featherston, Micah Sloat u.a. Länge: 84 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 15. Mai 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Jesse wohnt unter der Wohnung einer alten Frau. Als diese ermordet wird und er sich aus Neugier zutritt zu ihren vier Wänden verschafft, stellt er fest, dass sie anscheinend eine Okkultistin war. Als wäre das nicht gruselig genug, findet er auch noch ein Foto von sich, was ihm Alpträume bereitet, die scheinbar kein bloßes Hirngespinst sind, sondern Realität.





Meinung:
Die „Paranormal Activity“-Reihe gibt sich inzwischen als ein echtes Phänomen in der Filmwelt zu erkennen: Finanziert für lachhafte 15.000 US-Dollar, erzielte der Erstling weltweit einen Umsatz von beinahe 200 Millionen Dollar. Kommerziell war das natürlich ein brachialer Jackpot schlechthin, aber auch qualitativ wusste Oren Pelis Found-Footage-Schocker von 2007, in dem eine zentral im Schlafzimmer des Pärchens Katie und Micah installierte Kamera gepflegten (Pseudo-)Realismus suggerierte, zuweilen für reinrassige Gänsehaut zu sorgen. Geschuldet war das der bravourösen Manipulation auf der Bildebene, die dieser Stil in seinem Minimalismus auf den angespannten Zuschauer auszuüben wusste, wollte man doch irgendwann in jedem schummerigen Winkel eine geisterhafte Silhouette erkennen, sich gleichzeitig aber auch in den eigenen Räumlichkeit in Sicherheit wissen. Den durch den immensen Profit quasi in Stein gemeißelten Fortsetzungen gingen dieses Gefühl des Unbehagens zum Teil etwas abhanden, obgleich das Horror-Genre (Bis auf „Paranormal Activity 4“, der war nun wirklich furchtbar) mit Gewissheit reichlich Schlechteres zu beherbergen hat.


Jesse ahnt Böses, doch ein Selfie muss dennoch drin sein
Neben den „Paranormal Investigations“-Vehikeln, die forciert nun schon glatte fünfmal die enorme Erfolgswelle des „Paranormal Activity“-Franchise reiten wollten, ging man nach dem miserablen viertel Kapitel einen Schritt, der von Anfang an nach billigem Marketingfeldzug roch und wohl nur dazu dienen sollte, die fette Cash Cow genüsslich weiter zu melken. Anstatt nämlich folgerichtig direkt „Paranormal Activity 5“ in die Lichtspielhäuser zu bringen, entschied man sich dafür, erst mal ein Spin-Off mit dem Titel „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ zu inszenieren, welches sich vordergründig von der dämonischen Besessenheit rundum Katie distanzierte, hinten raus aber dann doch einige analoge Brücken zu den Vorgängern schlug. Ob das nun nötig war, lässt sich wohl nach kurzer Betrachtung relativ einstimmig verneinen. „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ jedoch bildet eine deutliche Steigerung zum kläglich gescheiterten vierten Teil, selbst wenn Christopher B. Landon (fungierte ab „Paranormal Activity 2“ als Drehbuchautor) hier keinesfalls an die Wurzeln der frischen Klasse des ersten Teils anknüpfen kann.


Beta Carotin müsste helfen. Ist gut für die Augen
Angesiedelt ist „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ nun im katholischen Hispano-Viertel des kalifornischen Oxnard. Hauptcharaktere sind Jesse und Arturo, zwei Jugendliche, die den Tonfall des Films mit pubertären Scharmützeln auflockern sollen, ihn aber so auch hier und da ins Lächerliche drängen, obgleich die Nerven des Zuschauers durch ihr adoleszentes Geplänkel nie wirklich strapaziert werden. Es dauert eben seine Zeit, bis „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ wirklich auf den Punkt kommt und offenbart, in welche Richtung sich die Geschichte noch entwickeln wird. Dokumentiert wird das alles wieder durch eine aus voyeuristischen Antrieben heraus eingefügte Videocam, die sich komplett auf das subjektive Empfinden und die Impressionen seiner Protagonisten beschränkt, während sich im Hintergrund die Potenz des hiesigen Hexenzirkels langsam entblättert. Tatsächlich gelingt es „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ gegen Ende so etwas wie eine packende Atmosphäre zu evozieren, in dem er dicht formulierte Referenzen zu den Vorgängern schlägt, obwohl er sich durchweg den schlichten Mitteln bedient, an denen sich ein Großteil der Filmwelt bereits viermal zuvor stoßen musste.


„Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ ist – wen wundert es schon – natürlich nicht im Geringsten daran interessiert, den mystischen Kreis des Reihe zu schließen respektive die Einleitung dafür zu offerieren. Der Hybrid aus Teenie-Flic und Found-Footage-Horror allerdings weiß in einigen Szenen durchaus zu gefallen und fährt dann mit einem actionlastigen Finale auf, welches nicht nur als Fan-Service bestens aufgeht, sondern auch das paranormale Treiben in mal mehr, mal weniger stimmungsvollen Einstellungen illustriert. Sicher keine große Kunst, dafür ist das Konzept an und für sich auch schon viel zu ausgelutscht, aber auf niedriger Basis noch durchaus unterhaltsam.


4 von 10 ausgebreiteten Pentagrammen


von souli