Posts mit dem Label Judi Dench werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Judi Dench werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: MR HOPPY’S GEHEIMNIS – Roald Dahl’s „Wolke 9“

Keine Kommentare:


Fakten:
Mr. Hoppy’s Geheimnis (Esio Trot)
UK, USA. 2014. Regie: Dearbhla Walsh. Buch: Richard Curtis, Paul Mayhew-Archer, Roald Dahl (Vorlage). Mit: Dustin Hoffman, Judi Dench, James Corden, Richard Cordery, Pixie Davies, Jimmy Akingbola, Geoffrey McGivern u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: freigegebe ohne Altersfreigabe. Ab 2. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Vor fünf Jahren zog sie in den Stock unter Mr. Hoppy, die gutmütige wie freundliche Miss Silver. Sofort verliebt sich Mr. Hoppy in sie, doch er traut sich nicht, ihr seine Liebe zu gestehen. Als Miss Silver eine junge Schildkröte namens Alfie bekommt und Mr. Hoppy erfährt diese – zur Sorge der Besitzerin – nicht wächst, klügelt Hoppy einen Plan aus, um Miss Silver den Wunsch einer ausgewachsenen Schildkröte zu erfüllen.




Meinung:
Der gute, alte Roald Dahl sorgte mit seinen phantasievollen Geschichten nicht nur für volle Bücherregale, sondern mittlerweile auch für überfüllte Filmregale: „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Der Lorax“, „Der Grinch“, „Ein Kater macht Theater“ und viele, viele mehr haben den Namen Roald Dahl auch abseits von Papier und Buchdeckeln populär gemacht, auch wenn nicht alle Verfilmungen seiner Werke auf Gegenliebe stoßen. Mit „Mr Hoppy’s Geheimnis“ kommt jetzt eine weitere Geschichte aus seiner Feder in Form eines Films zu uns. Diesmal allerdings ohne einen deutschen Kinostart, trotz prominenter wie exquisiter Besetzung mit Judi Dench („James Bond 007 – Casino Royale“) , Dustin Hoffman („Die Reifeprüfung“) und Newcomer James Corden („Into the Woods“), der hier als begeisterter Erzähler fungiert.

 

Mr. Hoppy und die Liebe seines Spätlebens: Miss Silver
Woran dieser Verzicht einer Kinoauswertung liegt? Wahrscheinlich daran, dass der Film in den USA lediglich fürs Fernsehen produziert wurde. Das ist ihm auch durchaus anzumerken, trotz allem wirkt der weitestgehend hochklassig gefilmt und umgesetzt und außerdem, wer schaut schon auf technische Details, wenn Judi Dench und Dustin Hoffman mit sichtbarem Spaß am Spiel zu sehen sind. Der gesamte Film verfügt durchaus über einen verspielten Charme, eingefangen in hellen wie freundlichen Bildern und eine zweckmäßigen wie dezenten, sommerlichen Soundtrack. Das Problem mit welchem sich „Mr Hoppy’s Geheimnis“ herumschlägt ist, dass sich die einzelnen Ingredienzien nicht zu einem homogenen Ganzen vereinen. Die Mischung aus altersgeprägter Romanze und dezent chaotischer Komödie ergibt ein Alltagsmärchen, welches sich weidet in der Form ergebener Künstlichkeit. Das ist nur bedingt unterhaltsam und verliert nach und nach auch seine anfängliche Liebenswürdigkeit. Es verkommt zu einer steifen Angelegenheit, dem Abklappern einer festgelegten Route. Natürlich ist dies das Geheimnis vieler, nicht sogar aller Spielfilme, aber bei „Mr Hoppy’s Geheimnis“ spürt man regelrecht, wenn die Screenwriter (u.a. Richard Curtis, Regisseur von „Tatsächlich Liebe“) die Seite des Drehbuchs wechseln.


„Mr Hoppy’s Geheimnis“ bietet dafür aber auch wunderbare Stärken. Der Umgang mit der Alters-Thematik ist erfrischend und wird nicht nur auf Gebrechen und Tod reduziert. Wenn sich Dustin Hoffman wie ein Kind in Dame Judi Dench verliebt, so stillt dies ohne Weiteres unseren Wunsch nach alltäglicher Magie und Reinheit. Manchmal wirkt „Mr Hoppy’s Geheimnis“ ein wenig wie die Roald Dahl-Version von Andreas Dresen Liebesdrama „Wolke 9“. Ein hinkender aber kein abwegiger Vergleich. Aber keine Sorge, der Film von Regisseurin Dearbhla Walsh, die zuvor hauptsächlich britische Serien wie „Borgia“ oder „Shameless“ inszenierte, kommt ohne sonderliche Körperlichkeit aus.


5 von 10 faslchen Bussen

Review: PHILOMENA – Eine Frau auf der Suche nach Wahrheit

Keine Kommentare:


Fakten:
Philomena
UK. 2013. Regie: Stephen Frears. Buch: Steve Coogan, Jim Pope, Martin Sixsmith (Vorlage). Mit: Judi Dench, Steve Coogan, Michelle Fairley, Barbara Jefford, Anna Maxwell Matin, Mare Winningham, Sophie Kennedy Clark u.a. Länge. 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 12. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Philomena ist in einem Alter, in dem sie eigentlich ihren Ruhestand genießen sollte, doch ihrer Tochter gesteht sie, dass sie vor 50 Jahren ihr erstes Kind, einen Sohn, zur Adoption freigab. Nicht freiwillig, sondern auf Druck der katholischen Kirche. Sie selbst musste als Arbeiterin vier lange Jahre im Kloster schuften. Nach ihrer Entlassung beginnt sie ein neues Leben, doch will sie nun ihren Sohn finden. Der Journalist Martin Sixsmith hört von der Geschichte und unterstützt Philomena dabei ihren Erstgeborenen zu finden.





Meinung:
Im streng katholischen Irland der 1950er Jahre galt es als schwere Sünde, ein uneheliches Kind zu gebären. War dies dennoch der Fall, wurden die Frauen kurzerhand in ein Kloster verfrachtet; nicht nur, um dort ihr Kind auf die Welt zu bringen, sondern auch um danach – quasi als Sündenerlass – im Kloster der Zwangsarbeit verpflichtet zu werden. Philomena Lee ist eine dieser jungen Frauen, die sich in einer solchen Situation wiederfinden musste und hilflos dabei zusah, wie die hiesigen Ordensschwestern ihren Sohn Anthony leichtfertig zur Adoption freigaben. Heute ist Philomena schon über 70 und eröffnet ihrer Tochter das über Jahrzehnte still bewahrte Geheimnis, denn die nach wie vor streng gläubige Dame möchte endlich wissen, was aus ihrem unfreiwillig entwendeten Sohn geworden ist und macht sich zusammen mit dem US-Korrespondent Martin Sixsmith, der durch einen Skandal zurück in seine Vergangenheit als Journalist kehren muss, auf die Suche. Während sich die optimistische Philomena mit vollem Elan auf die Reise begibt, wittert Sixsmith hingegen vorerst nur das schnelle Geld...

 
Ein gutes Team: Philomena und Journalist Martin
Man möchte meinen, dass die Lebensgeschichte der Philomena ihren Ursprung nicht in der Realität, sondern in einem billigen Groschenroman vom stickigen Bahnhofskiosk gefunden hat: Eine junge Frau unterliegt ihren vollkommen natürlichen Trieben, wird daraufhin schwanger und eine Horde unbarmherziger Nonnen entreißt ihr gnadenlos ihren Erstgeborenen, weil es die religiöse Ideologie so vorschreibt und ein solches Dogma wird nicht in Frage gestellt, weil es nicht in Frage gestellt werden darf. Man würde sich anhand der aufgesetzten wie überzogenen Melodramatik, die diese Synopsis unentwegt suggeriert, schmunzelnd zurückziehen. Es ist allerdings so, dass der Fall Philomena tatsächlich der Wirklichkeit entspricht und in dem seiner Zeit von der Öffentlichkeit durchaus kontrovers aufgenommen Bestsellerroman „The Lost Child of Philomena“ dokumentiert wurde: Die unglaublichsten Geschichten schreibt nun mal immer noch das Leben. Und das Schöne am Medium Film – Natürlich auch an der Literatur - ist dann wohl immer noch, das er uns nachhaltig ermöglicht, Teil einer solchen zu werden und dem Zuschauer im besten Fall die Chance unterbreitet, sich ein eigenes Bild der Sachlage zu formen.

 
Philomena steht vor einer Mauer des Schweigens
Mit dem kundigen Genretausendsassa Stephen Frears, der sich zuvor schon durch Projekte wie „Mary Reilly“, „High Fidelity“ und schließlich auch „Die Queen“ auszeichnen konnte, hat „Philomena“ einen Regisseur gefunden, der ein extrem feines Gespür dafür besitzt, eine Geschichte sukzessiv zu entfalten und ein kalkuliertes Konzept immer frisch und leichtfüßig wirken zu lassen – Was natürlich auch in erster Linie den nuancierten Drehbuchvorlagen zu verdanken ist. „Philomena“ besitzt ein an und für sich wirklich gutes Skript, verfasst von Steve Coogan und Jeff Pope, welches sich angenehm darum bemüht, erdrückendem Sentiment zu umschiffen und den Weg der Philomena gefühlvoll, aber nicht manipulativ zu gestalten. Dass sich dieser löbliche Vorsatz auch größtenteils bewahrheitet, liegt nicht zuletzt an den fantastisch harmonierenden Hauptdarstellern. Während Steve Coogan seinen Martin Sixsmith vorerst als pragmatischen Zyniker anlegt, der wenig Interesse an einer obligatorischen „Human Interest“-Story zeigt, stellt Judi Dench erneut unter Beweis, warum sie zu den besten Schauspielerinnen ihrer Zunft gehört: Ihre Philomena ist eine kokette, ihren religiösen Wurzeln aber durch und durch devote Frau, die ihre sympathische Naivität genauso vertritt, wie sie schon im nächsten Augenblick von ihren Gefühlen, ihren Zweifeln übermannt werden kann.

 
Philomena und Martin genießen die Vorzüge des Reisens
Die große Stärke von „Philomena“ liegt neben seinen Akteuren aber ganz eindeutig in der ausbalancierten Narration, die die Tragik Philomenas immer in Ehren hält, die Komik innerhalb des Szenarios aber ebenfalls nie zu kurz kommen lässt – Und diese ist dann von einer wunderbar lakonisch-britischen Note besiegelt. Darüber hinaus weiß Frears ganz genau, wie er den Zuschauer berühren kann und bewahrt eine der emotionalsten Szenen der Films – und vielleicht auch des gesamten Kinojahres – bis zum Ende auf, um nicht nur die Protagonisten, sondern auch das Publikum geradewegs mit den Tränen kämpfen zu lassen. Schlussendlich wird dabei auch deutlich, dass „Philomena natürlich nicht nur eine familiäre wie journalistische Recherche nach Wahrheit ist; es geht hier letztlich auch um Vergebung, so schwer sie auch erscheinen mag. Durch diese Ansatz wird die anklingende Kirchenkritik zwar neutralisiert, aber auch das ist nur Teil des dramaturgischen Kalküls. Und genau das ist Problem von „Philomena“: Der Film ist sich in seiner Erzählung und Entfaltung einfach viel zu sicher, was ihn zeitweise konstruiert und nicht vollends menschlich wirken lässt.


„Philomena“ überzeugt über weite Strecken durch seinen einfühlsamen Umgang mit seinen Charakteren, während das Drehbuch dabei nie die wunderbare Balance zwischen Tragik und Komik vernachlässigt, was den Verlauf der Reise niemals langatmig oder überzogen erscheinen lässt. Gehemmt wird der Gesamteindruck letztlich durch die gelegentlich aufkeimende Methodik innerhalb der Narration, die „Philomena“ nicht immer menschlich, sondern offensichtlich konstruiert und abgebrüht wirken lässt. Nichtsdestotrotz hat Stephen Frears erneut einen überaus sehenswerten Film inszeniert, der nicht zuletzt dank seiner fantastischen Hauptdarsteller ohne Frage mehr als nur einen Blick wert ist.


6,5 von 10 geläuterten Nonnen


von souli

Review: J.EDGAR - Die mächtigste Narzisse der Welt

Keine Kommentare:


Fakten:
J. Edgar
USA. 2011. Regie: Clint Eastwood. Buch: Dustin Lance Black. Mit: Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Judi Dench, Josh Lucas, Jeffrey Donovan, Ed Westwick, Damon  Herriman, Ken Howard, Lea Thompson, Stephen Root, Gunner Wright, Jessica Hecht, Christopher Shyer u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der war einer der wohl mächtigsten Männer der USA: J. Edgar Hoover, der Leiter und Gründer des FBI. Geformt von seiner gläubigen Mutter, vernarrt in den Kampf gegen Kriminalität und den Kommunismus, revolutioniert er die Polizeiarbeit. Doch auch solch eine große Persönlichkeit wie Hoover hat Geheimnisse, Sehnsüchte und dunkle Seiten.





Meinung:
Regungslos starrt J. Edgar Hoover auf den Fußboden seines geräumigen Büros, sein Blick ist fest auf einen bestimmten Punkt fixiert, doch dabei keinesfalls als leer oder gar verträumt zu bezeichnen. Hoover war kein Träumer. Beinahe 50 Jahre im Dienste des Staates stecken ihm bereits in den müden Knochen; er, der kleine Johnny aus Washington, der eigentlich Pastor werden wollte und sich dann doch fast ein halbes Jahrhundert als Chef des FBI an der Spitze der bürokratischen Nahrungskette Amerikas halten konnte. Nachgesagt wurde ihm viel, zu viel möchte man meinen, nicht zuletzt, dass er sogar der mächtigste Mann der Welt wäre, an dem sich sämtliche Präsidenten, und Hoover war ihnen allen ein Dorn im Auge, nichts anhaben konnten, egal wie missmutig sie an seinem Stuhl gerüttelt haben. Aber sein Leben, vor allem im Hinblick auf seine privaten Gepflogenheiten, war immer umklammert von Mythen, Gerüchten und Vorurteilen, gezeichnet von medialen, gesellschaftlichen und politischen Stigma.


J. Edgar und seine Mutter in inniger Zweisamkeit
Wie also nähert man sich einer Persönlichkeit, die sich nie hat in Seele blicken lassen und doch einen so ungemein großen Einfluss auf die Staatsarbeit und deren Diener ausübte und selbst heute noch für massig Diskussionsstoff sorgt? Ohne Frage, Hoover war ein Mensch, der gleichermaßen geliebt und gehasst wurde und sich mit derart vielen fachbezogenen Fehlern wie menschlich-ethischen Unstimmigkeiten durch sein Amt schlug, dass man ihm seinen Posten nicht einmal ein Jahr hätte anvertrauen sollen. Hoover war ein machtbesessener Konservativer, der nach außen hin mit seiner puritanische Ideologie hausieren ging und von jedem seiner Angestellten ein Maximum an Disziplin erwartete, in seinem stillen Kämmerlein aber fleißig Geheimakten anfertigte, um zu verhindern, dass ihm – welche seiner Kellerleichen auch immer aufgedeckt werden sollte – niemand von außerhalb an das Bein pinkeln konnte. Aber J.Edgars vordergründige Egomanie hatte mehrere Ziele.


Natürlich war Hoovers Arbeit beim FBI mit jeder Menge Obsessionen verbunden, er brauchte diesen Posten, musste sich auf Details und dabei in Unkosten stürzen, um seinen krampfhaften Perfektionismus zu frönen, aber seine humorlose, vollkommen stringent wirkende Ich-Bezogenheit war auch eine Stütze dafür, die Kompetenzen und Wirksamkeit der Bundespolizei stetig zu erweitern und ihrer Effektivität im Umgang mit Beweisen, Chronologien und Tatbeständen auf den höchsten professionellen Stand zu hieven. Clint Eastwood weiß, dass dieses „Wie“ bei einer Biographie eine schwerwiegende Rolle spielt und das Ergebnis in der Vergangenheit gerne eine katastrophale Form angenommen hat. Deswegen wählt er zusammen mit dem hervorragenden Drehbuchautoren Dustin Lance Black den wohl besten Weg: Er greift markante Fakten und Anhaltspunkte in J.Edgars FBI-Vita auf, legt den Fokus aber nicht auf die sterile Abarbeitung dieser, sondern ist beinahe – nachdem alle Formalitäten geklärt wurden – durchgehend am Menschen hinter dieser mächtigen Fassade interessiert.


Auch im Alter bleibt Hoover auf seinem Posten
Und dieser Mensch, sein Innenleben, seine intimen Denkweisen und Ansichten, bleiben nun mal bis heute ein Geheimnis – genau wie der Inhalt seiner still und heimlich verfassten Geheimakten. Der elementare Punkt ist es da, das Skript nicht im Gossip-Schwurbel zu ersaufen; Plausibilität muss gerechtfertigt werden und der Person J.Edgar Hoover – auch wenn wir nie wissen werden, ob auch nur irgendetwas davon der Wahrheit entspricht – einen realitätsnahen Hintergrund und dem Biopic damit ein kraftvolles, weil glaubwürdiges Fundament zu verleihen. Und das gelingt dem Duo Eastwood und Black mit versierter Bravour – wenngleich man dem Endprodukt nun die gelegentlichen narrativen Durststrecken nicht gänzlich absprechen kann. Aber die werden im nächsten Augenblick wieder problemlos durch die hervorragende Performance von Leonardo DiCaprio wettgemacht, der hier nun endgültig (dieses Mal aber wirklich!) in den Schauspielolymp eingezogen ist.


Es ist nicht nur beeindruckend, dass sich Clint Eastwood – der ja nun auch nicht unbedingt als weltoffener Lebemann gilt – dem Privatleben von Hoover so urteilsfrei angenommen hat. Es begeistert auch gleichermaßen, wie subtil die Beziehung zwischen Hoover und seinem engsten Vertrauten Clyde Tolson (Armie Hammer) herausgearbeitet wird und „J.Edgar“ nicht zur Rekonstruktion einer staubiger FBI-Chronik macht, sondern vielmehr zur leisen Liebesgeschichte, in dem ein Mann Gefangener zweier Welt wird und sich der Homophobie seiner Mutter beugen, den stählernen Glanz des FBI repräsentieren und sich dabei auch noch gegen seine eigenen Gefühle stemmen muss. All das ist vereint natürlich unmöglich, gerade seine Liebe zu Tolson verleiht ihm auch einen zwischenmenschlichen Rückhalt, der Hoover vor der vollkommenen, inneren Einsamkeit und Depression gerettet hat. „J. Edgar“ ist erneut ein reifes Alterswerk Eastwoods, der mal wieder über den eigenen Tellerrand blickt und Hoover nicht nur als Monstrum, sondern auch als emotionalen Menschen zeigt, auc
h wenn er kein glücklicher war - Aber wer kann das schon von sich behaupten?


7,5 von 10 Küssen auf die Stirn


von souli

Review: JAMES BOND 007 - SKYFALL - No Country for Old Bond

Keine Kommentare:

Fakten:
James Bond 007 – Skyfall
Groß Britannien, USA. 2012. Regie: Sam Mendes. Buch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan. Mit: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Ben Whishaw, Naomie Harris, Rory Kinnear, Albert Finney, Bérénice Lim Marlohe, Helen McCrory, Ole Rapace u.a. Länge: 142 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Dt. Kinostart: 1. November 2012.


Story:
Der britische Geheimdienst verliert bei einem Einsatz ihren besten Agenten: 007, James Bond. Doch zum trauern bleibt wenig Zeit. Auf die Zentrale des MI6 wird ein Anschlag verübt und ein noch unbekannter Drahtzieher scheint es im speziellen auf Geheimdienst-Chefin M abgesehen zu haben. Doch diese kann auf ihren besten Mann zählen, denn Bond lebt. Er kehrt, noch stark gezeichnet von seinem letzten, fast tödlichen Einsatz, in den aktiven Dienst zurück.




Meinung:
Es ist kaum zu glauben, aber früher gab es eine Handvoll von Regisseuren, die Bond-Filme inszenierte. Terence Young, John Glen oder Guy Hamilton drehte mit Connery, Moore und Dalton die großen Abenteuer des britischen Agenten. Erst mit Pierce Brosnan erweiterte sich das Feld der Drahtzieher hinter der Kamera. Einzig Martin Campbell drehte zwei Bond und durfte beide Male sogar einen neue Darsteller ins kalte Wasser werfen: Pierce Brosnan in „GoldenEye“ und Daniel Craig in „Casino Royale“. Vor allem letzterer hinterließ großen Eindruck. Daniel Craigs 007-Debüt war rauer und härter als all seine Vorgänger. Hier wurde eine neue Art von Bond geschaffen. Wirklich überraschend war das nicht. Zum einen brachte jeder Bond-Darsteller einen eigenen, zeitgenössischen Stil mit , zum andere schien die Zeit von unzerstörbaren Helden vorbei. Statt James Bond stand Jason Bourne im Fokus. Doch „Casino Royale“ verhalf dem Agenten ihrer Majestät zu einem so sensationellen wie mutigen Comeback, denn Campbell und seine Autoren verzichteten auf die üblichen Bestandteile der Serie. Es gab keinen Q, keine Gadgets, keine Miss Moneypenny und wenn Bond hier kämpfte, dann knackten Knochen und zwar auch seine eigenen.


Der neue, harte Bond, er ist verletzbar. Das macht ihn bei vielen Puristen der Reihe sehr unbeliebt, sei’s drum, diese Frischzellenkur tat dem Superagenten gut, auch wenn Craigs zweiter Auftritt in „Ein Quantum Trost“ weit weniger aufregend war als „Casino Royale“, dessen direkte Fortsetzung er war. Nun, ist der dritte Bond-Film mit dem blonden 007 an der Reihe. Regie führt der Brite Sam Mendes, eher für tolle Dramen wie „American Beauty“, „Jarhead – Willkommen im Dreck“ oder „Away we go“ bekannt. Bereits „Ein Quantum Trost“ wurde von einem Regisseur inszeniert, Marc Forster, der sich auch eher mit anspruchsvollen Stoffen (z.B. „Drachenläufer“ oder „Monster’s Ball“) einen Namen machte und zumindest bei ihm war es nach Sichtung seiner Arbeit ersichtlich, dass er wirklich kein guter Actionfilm-Dirigent war. Mendes hingegen scheint diese Hürde genommen zu haben, aber der Reihe nach.


Bond und sein Widersacher, der ominöse Silva
Mendes holte sich mit Kameramann Roger Deakins und Komponist Thomas Newman zwei Leute ins Boot, mit denen er schon oft gearbeitet hat. Damit wurde zwar David Arnold, Bond-Komponist seit vielen Jahren übergangen, dies dürfte aber wohl nur ihm und ein paar hartgesottenen Fans auffallen. Der neue Score ist jedenfalls gelungen, auch wenn Newman schon weitaus bessere musikalische Arrangements abgeliefert hat. Deakins hingegen ist wahrlich ein Gewinn für Bond Nr. 23. Kein 007-Abenteuer sah jemals so gut aus, was auch daran liegt, dass Deakins und Mendes den Mut besitzen optische Spielereien und Markout-Moments in „Skyfall“ zu integrieren. Vor allem ein Zweikampf im gläsernen Stockwerk eines Hochhauses wurde superb und für Bond-Verhältnisse äußerst unorthodox gefilmt und hinterlässt bleibenden Eindruck. Den hinterlässt auch Javier Bardem, der als Bösewicht Silva mit seinen wenigen Auftritten den gesamten Film spielend an sich reißt. Silva ist wohl der vielschichtiges Gegenspieler, mit dem es 007 je zu tun bekam. Bardem spielt den großen Opportunisten mit viel Verve. Jede kleinste Mimik sagt etwas. Er strahlt offensive Homoerotik genauso zielsicher aus Wahnsinn und Gefahr. Nach "No Country for Old Men" beweist Bardem hier erneut, wie gut ihm die Rolle des Bösewicht steht. Dieser Silva ist aber nicht das größte Problem von James Bond, der hier wieder äußerst stilsicher von Daniel Craig verkörpert wird. Der größte Feind des Doppel-0-Agenten ist das Altern. Sein eigenes und dass der Welt um ihn herum. In Zeiten, in der die großen Bedrohungen von Individualisten ausgeht, das Internet zu einer mächtigen Waffe wird und wir alle stets unter Beobachtung stehen, ist es einfach schwer so zu agieren wie es Bond tut. Bond ist ein Relikt geworden, dem muss er sich stellen und genau dies sind die größte Qualität und die spannendsten Komponente an „Skyfall“.



Keine Sorge, James Bond lässt es immer noch krachen. Regisseur Mendes lässt einige eindrucksvolle Actionszenen von der Leine, die zwar nicht die Wucht und die Rasanz von „Casino Royale“ erreichen, die aber allesamt wesentlich attraktiver gefilmt und eingefangen sind als bei „Ein Quantum Trost“. Zuständig dafür ist wieder Alexander Witt, Second Unit Director. Der gute Mann hat einfach ein Händchen für gut gemachte Actionszenen. Wilde Verfolgungsjagden, Schusswechsel und Faustkämpfe stehen aber nicht unbedingt im Fokus von „Skyfall“. Sam Mendes will die Figuren des Films genauer ergründen, ihre Charaktere durchleuchten. Neben Bond und Silva spielt diesmal auch M, die resolute Chefin des MI6, eine gewichtige Rolle. Darstellerin Judi Dench, eine Grand Dame des britisches Kinos, nimmt hier eine gewichtige Rolle ein. Sie ist sozusagen das Bondgirl des Films, denn ich Sachen holder Weiblichkeit ist 007 zwar auch hier aktiv, seine Libido steht aber nicht so sehr im Fokus des Films wie etwa einst bei Roger Moore oder Pierce Brosnan. Das könnte Puristen missfallen, diese können sich aber dennoch freuen, denn „Skyfall“ schließt das ab, was „Casino Royale“ begann und „Ein Quantum Trost“ fortführte: die Formung von James Bond. Am Ende des Films, nach dem grandiosen Showdown, der die Elemente Feuer und Eis, die zu Bond ähnlich dazugehörig sind wie seine Walther PPK, macht Sam Mendes klar, dass die Metamorphose vom noch unerfahrenen Agenten („Casino Royale“) hin zum Rächer („Ein Quantum Trost“) zum großen Mythos Bond abgeschlossen ist. Vielleicht kehren deswegen hier auch einige Traditionen, wie etwa der Quartiermeister Q (ganz wunderbar: Ben Whishaw) wieder zurück in den aktiven Dienst? Diese Verwandlung hat aber ihren Preis. „Skyfall“ ist stellenweise äußerst regressiv. Nach dem typisch actionreichen Start gönnt sich der Film ein paar Dialoge und ein paar dramaturgische Aussetzer zu viel. Alles zwar im vertragbaren Rahmen, aber ohne diese Makel hätte Mendes es geschafft einen der besten 007 aller Zeiten abzuliefern. So ist sein Beitrag zur altehrwürdigen Reihe definitiv ein Primus, aber dennoch davon entfernt den großen Bonds wie „Goldfinger“ oder eben „Casino Royale“ das Wasser, pardon, den Wodka Martini zu reichen. Übrigens: Alle Fans von „Goldfinger“ müssen „Skyfall“ sehen, der Film beinhaltet nämlich einen ganz delikaten Cameo der mechanischen Sorte, der zum schwärmen anregt.


„Skyfall“ wirkt wie ein Schlussstrich, wie ein Abgesang an den modernen (Craig-) Bond. Ob die kommenden Abenteuer mit 007 wieder alle alten Gebräuche der Reihe nutzt wird sich zeigen, aber Regisseur Sam Mendes gelingt das Kunststück dem Film ein grandiosen Ende zu spendieren, welches sich endgültig anfühlt und dennoch Platz für Vorfreude lässt. Noch nie war die übliche Ankündigung, dass Bond zurückkehren wird, so wohltuend wie hier. Das „Skyfall“ vor allem im Mittelteil oftmals ein wenig verloren wirkt, stört da im Gesamtblick äußerst wenig. Mission erfolgreich abgeschlossen. Gute Arbeit Bond! Und alles Gute zum 50. Geburtstag.  


8
von 10 Aston Martins