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Review: J.EDGAR - Die mächtigste Narzisse der Welt

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Fakten:
J. Edgar
USA. 2011. Regie: Clint Eastwood. Buch: Dustin Lance Black. Mit: Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Judi Dench, Josh Lucas, Jeffrey Donovan, Ed Westwick, Damon  Herriman, Ken Howard, Lea Thompson, Stephen Root, Gunner Wright, Jessica Hecht, Christopher Shyer u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der war einer der wohl mächtigsten Männer der USA: J. Edgar Hoover, der Leiter und Gründer des FBI. Geformt von seiner gläubigen Mutter, vernarrt in den Kampf gegen Kriminalität und den Kommunismus, revolutioniert er die Polizeiarbeit. Doch auch solch eine große Persönlichkeit wie Hoover hat Geheimnisse, Sehnsüchte und dunkle Seiten.





Meinung:
Regungslos starrt J. Edgar Hoover auf den Fußboden seines geräumigen Büros, sein Blick ist fest auf einen bestimmten Punkt fixiert, doch dabei keinesfalls als leer oder gar verträumt zu bezeichnen. Hoover war kein Träumer. Beinahe 50 Jahre im Dienste des Staates stecken ihm bereits in den müden Knochen; er, der kleine Johnny aus Washington, der eigentlich Pastor werden wollte und sich dann doch fast ein halbes Jahrhundert als Chef des FBI an der Spitze der bürokratischen Nahrungskette Amerikas halten konnte. Nachgesagt wurde ihm viel, zu viel möchte man meinen, nicht zuletzt, dass er sogar der mächtigste Mann der Welt wäre, an dem sich sämtliche Präsidenten, und Hoover war ihnen allen ein Dorn im Auge, nichts anhaben konnten, egal wie missmutig sie an seinem Stuhl gerüttelt haben. Aber sein Leben, vor allem im Hinblick auf seine privaten Gepflogenheiten, war immer umklammert von Mythen, Gerüchten und Vorurteilen, gezeichnet von medialen, gesellschaftlichen und politischen Stigma.


J. Edgar und seine Mutter in inniger Zweisamkeit
Wie also nähert man sich einer Persönlichkeit, die sich nie hat in Seele blicken lassen und doch einen so ungemein großen Einfluss auf die Staatsarbeit und deren Diener ausübte und selbst heute noch für massig Diskussionsstoff sorgt? Ohne Frage, Hoover war ein Mensch, der gleichermaßen geliebt und gehasst wurde und sich mit derart vielen fachbezogenen Fehlern wie menschlich-ethischen Unstimmigkeiten durch sein Amt schlug, dass man ihm seinen Posten nicht einmal ein Jahr hätte anvertrauen sollen. Hoover war ein machtbesessener Konservativer, der nach außen hin mit seiner puritanische Ideologie hausieren ging und von jedem seiner Angestellten ein Maximum an Disziplin erwartete, in seinem stillen Kämmerlein aber fleißig Geheimakten anfertigte, um zu verhindern, dass ihm – welche seiner Kellerleichen auch immer aufgedeckt werden sollte – niemand von außerhalb an das Bein pinkeln konnte. Aber J.Edgars vordergründige Egomanie hatte mehrere Ziele.


Natürlich war Hoovers Arbeit beim FBI mit jeder Menge Obsessionen verbunden, er brauchte diesen Posten, musste sich auf Details und dabei in Unkosten stürzen, um seinen krampfhaften Perfektionismus zu frönen, aber seine humorlose, vollkommen stringent wirkende Ich-Bezogenheit war auch eine Stütze dafür, die Kompetenzen und Wirksamkeit der Bundespolizei stetig zu erweitern und ihrer Effektivität im Umgang mit Beweisen, Chronologien und Tatbeständen auf den höchsten professionellen Stand zu hieven. Clint Eastwood weiß, dass dieses „Wie“ bei einer Biographie eine schwerwiegende Rolle spielt und das Ergebnis in der Vergangenheit gerne eine katastrophale Form angenommen hat. Deswegen wählt er zusammen mit dem hervorragenden Drehbuchautoren Dustin Lance Black den wohl besten Weg: Er greift markante Fakten und Anhaltspunkte in J.Edgars FBI-Vita auf, legt den Fokus aber nicht auf die sterile Abarbeitung dieser, sondern ist beinahe – nachdem alle Formalitäten geklärt wurden – durchgehend am Menschen hinter dieser mächtigen Fassade interessiert.


Auch im Alter bleibt Hoover auf seinem Posten
Und dieser Mensch, sein Innenleben, seine intimen Denkweisen und Ansichten, bleiben nun mal bis heute ein Geheimnis – genau wie der Inhalt seiner still und heimlich verfassten Geheimakten. Der elementare Punkt ist es da, das Skript nicht im Gossip-Schwurbel zu ersaufen; Plausibilität muss gerechtfertigt werden und der Person J.Edgar Hoover – auch wenn wir nie wissen werden, ob auch nur irgendetwas davon der Wahrheit entspricht – einen realitätsnahen Hintergrund und dem Biopic damit ein kraftvolles, weil glaubwürdiges Fundament zu verleihen. Und das gelingt dem Duo Eastwood und Black mit versierter Bravour – wenngleich man dem Endprodukt nun die gelegentlichen narrativen Durststrecken nicht gänzlich absprechen kann. Aber die werden im nächsten Augenblick wieder problemlos durch die hervorragende Performance von Leonardo DiCaprio wettgemacht, der hier nun endgültig (dieses Mal aber wirklich!) in den Schauspielolymp eingezogen ist.


Es ist nicht nur beeindruckend, dass sich Clint Eastwood – der ja nun auch nicht unbedingt als weltoffener Lebemann gilt – dem Privatleben von Hoover so urteilsfrei angenommen hat. Es begeistert auch gleichermaßen, wie subtil die Beziehung zwischen Hoover und seinem engsten Vertrauten Clyde Tolson (Armie Hammer) herausgearbeitet wird und „J.Edgar“ nicht zur Rekonstruktion einer staubiger FBI-Chronik macht, sondern vielmehr zur leisen Liebesgeschichte, in dem ein Mann Gefangener zweier Welt wird und sich der Homophobie seiner Mutter beugen, den stählernen Glanz des FBI repräsentieren und sich dabei auch noch gegen seine eigenen Gefühle stemmen muss. All das ist vereint natürlich unmöglich, gerade seine Liebe zu Tolson verleiht ihm auch einen zwischenmenschlichen Rückhalt, der Hoover vor der vollkommenen, inneren Einsamkeit und Depression gerettet hat. „J. Edgar“ ist erneut ein reifes Alterswerk Eastwoods, der mal wieder über den eigenen Tellerrand blickt und Hoover nicht nur als Monstrum, sondern auch als emotionalen Menschen zeigt, auc
h wenn er kein glücklicher war - Aber wer kann das schon von sich behaupten?


7,5 von 10 Küssen auf die Stirn


von souli

Review: TAFFE MÄDELS – Sandra Bullock und Melissa McCarthy sorgen für Recht und Ordnung

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Fakten:
Taffe Mädels (The Heat)
USA. 2013. Regie: Paul Feig. Buch: Katie Dippold. Mit: Sandra Bullock, Melissa McCarthy, Marlon Wayans, Thomas F. Wilson, Michael Rapaport, Taran Killam, Janes Curtis, Demián Bichir, Spoken Reasons, Bill Burr, John Ross Bowie, Keith Middlebrook u.a. Länge: 118 Minuten.
Ab 31. 10. 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.



Story:
Die unterkühlte und einzig auf ihren Job fixierte FBI-Agentin Sarah Ashburn hat nur ein Ziel im Leben: Sie möchte die Karriereleitung stetig eine Stufe höher erklimmen, bis sie irgendwann an der Spitze angekommen ist und die alleinige Herrschaft besitzt. Durch ihren intuitiven Spürsinn ist sie zwar ein Ermittlungsass, doch  ihre besserwisserische Art macht sie im Kollegium vollkommen unbeliebt. Nachdem Sarah nach Boston versetzt wird, um die Handlungskreise der Mafia infiltrieren, trifft sich auf die korpulente Polizistin Det. Joyce Nelson, die ebenfalls als hervorragende Ordnungshüterin gilt, jedoch fernab den üblichen Konventionen. Nun muss das ungleiche Duo gemeinsam agieren, doch nicht nur die Verbrechenswelt macht den Beiden zu schaffen, sondern auch ihre von Grund auf verschiedenen Mentalitäten.





Meinung:
Reduziert man das in Michigan geborene Multitalent Paul Feig auf seinen inhärenten Qualitätsstatus des bisherigen Schaffens, so wird es doch nach der Fragestellung in geselliger wie fachbewanderter Runde schnell zu einem kollektiven Schweigen kommen. Dass soll nicht heißen, dass wir es bei Paul Feigs künstlerischen Outputs mit waschechten Dilettantismus zu tun bekommen, in irgendeiner Art und Weise wertvoll oder wirklich redenswert waren seine Werke bis dato allerdings nie. Mit seinem größten kommerziellen Erfolg „Brautalarm“ konnte sich Feig die Tür in den mit einem durchaus formidablen Budget gepickten Mainstreambereich für die Zukunft sichern. Letztlich wollte seine chaotisch-feministische Brautjungfernkomödie „Brautalarm“ aber vor allem durch fehlenden Pointen und dem proletarischen Vulgärhumor glänzen – Der Konsenswiederhall innerhalb der breiten Masse ließ die Kassen natürlich klingeln, denn schmutzige Worte aus gespitzen Frauenmündern kommen an. Mit seiner neuen Buddy-Komödie „Taffe Mädels“ schlägt Regisseur Paul Feig in eine ähnliche Kerbe, weiß im Gegensatz zu „Brautalarm“ jedoch nicht komplett zu verärgern.


Sarah hat den richtigen Riecher
Wer ein Kind der 1980er Jahre ist oder sich nicht nur die allwöchentlichen Wiederholungen der bereits vor 10 Jahren totgelaufenen Telenovela „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu Gemüte führt, der kann mit dem Begriff „Buddy-Movie“ natürlich bestens hantieren. Leser die nun aber ein großes Fragezeichen über den Kopf vorfinden sollten und sich in einen vor Scham erröteten Stotterzustand manövrieren, auf Grund der fehlenden Wortkenntnis, denen sei hier noch einmal auf die hilfsbereit Sprünge geholfen: Ein klassisches Buddy-Movie zeichnet sich vor allem durch die konträrer Charakterisierung seiner beiden Hauptdarsteller aus, die sich natürlich nahezu ausgeschlossen im Polizeidienst in die Quere kommen und gegen ihren Willen dazu gezwungen werden, miteinander zu ermitteln. Dabei gibt es dann die heißgeliebten Wortgefechte, jede Menge Explosionen und eine schleichende Akzeptanz der beiden Protagonisten, die wahrscheinlich noch durch ihre Vergangenheit gezeichnet sind und irgendwann während ihres brisanten Alltags realisieren, dass sie sich doch eigentlich ganz gut leiden können.


Heutzutage wird diese kinematographische Thematik zwar nach wie vor immer wieder von verschiedenen Künstlern aufgegriffen und das Ergebnis lässt sich in den verschiedensten Bewertungseinheiten wiederfinden, nur fehlen diesen Filmen einfach der nonchalante Charme und das adäquate (Subgenre-)Feeling, wie es die goldenen Jahre von Haus aus besaßen. „Taffe Mädels“ ist ebenfalls unter der Gattung Buddy-Movie einzuordnen, nur es ist in diesem Fall vordergründig interessant, dass wir es nicht mit zwei Männern als Hauptgespann zu tun bekommen, sondern mit zwei emanzipierten Damen. Und da hat Peter Feig erneut auf eine Schauspielerin zurückgegriffen, der er einst mit „Brautalarm“ eine vollkommen fragwürdige Oscar-Nominierung verschaffen konnte: Melissa McCarthy. Die extrovertierte Amerikanerin, die hier als Mullins tatsächlich ihren erträglichsten Auftritt abliefert, zeichnet sich durch ihr mehr als locker-obszönes Mundwerk aus – Und ist damit auch allseits gefragt innerhalb der Branche. Ihr gegenüber steht Everybody's Darling Sandra Bullock als leicht soziopathische Sarah. „Taffe Mädels“ kann da von Glück reden, dass die antithetischen Schauspielerin durchaus harmonieren.


Dicke Luft liegt... nun ja, in der Luft
Man muss sich nur einmal durch den Kopf gehen lassen was passiert wäre, wenn Sandra Bullock und Melissa McCarthy als divergentes Polizistenduo keine passende Einheit vor der Kamera gebildet hätten, wie wir es zum Beispiel im katastrophalen Ausmaß in Kevin Smiths massivem Bauchklatscher „Cop Out“ zwischen Bruce Willis und Tracey Morgan erfuhren: „Taffe Mädels“ wäre ein auf Zelluoid gebannter Haufen Langeweile. Tatsächlich retten die beiden Stars das was möglich ist, während ihnen der Entfaltungsfreiraum durch das vollkommen energielose und kongruente Drehbuch oftmals negiert wird. „Taffe Mädels“ legt sein gesamtes Gewicht auf die Schultern der Hauptdarstellerinnen, was wiederum zur Folge hat, dass jede Nebenrolle vollkommen belanglos aus dem Fokus gedrängt wird und das gehaltlose Allerlei seine unterhaltsame Dynamik ausnahmslos aus den Reibereien der Damen ziehen möchte – Abermals ohne Erfolg. Die Geschichte ist dazu natürlich ein reines Luftloch und dient letztlich als stupide Projektionsfläche für verbale Duelle und kraftlos-subalterne Actionpieces.


Peter Feigs feminine Buddy-Komödie „Taffe Mädels“ ist zwar keine pubertärer Vollkatastrophe wie sein „Hangover“-Epigone „Brautalarm“, doch von einem temporeichen wie spannenden Unterhaltungsfilm ist Feig unzählige Meilen entfernt. Letztlich ist es Sandra Bullock und Melissa McCarthy zu verdanken, dass der Film nicht vollkommen aus den Fugen gerät, die den Karren aus dem Dreck des despektierlichen Drehbuches ziehen und einen Hauch von Kurzweil in ihrer Arbeitsmoral implizieren. Gesehen haben muss man „Taffe Mädels“ nicht, denn irgendetwas im Ansatz Bleibendes wird hier keinesfalls geboten.


4 von 10 Hoden in Tic-Tac-Größe


von souli


Review: MINDHUNTERS - Profiler-Island

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Fakten:
Mindhunters
USA, 2004. Regie: Renny Harlin. Buch: Wayne Kramer, Kevin Brodbin. Mit: Kathryn Morris, LL Cool J, Christian Slater, Johnny Lee Miller, Clifton Collins jr., Patricia Velasquez, Val Kilmer, Eion Bailey, Will Kemp, Cassandra Bell u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als finale Prüfung werden 7 angehende FBI-Profiler von ihrem knallharten Ausbilder Harris auf einer Insel ausgesetzt, die sonst zu Übungen der Navy Seals genutzt wird. Dort wird ein Serienkillerfall unter realistischsten Bedingungen simuliert, der die Spreu vom Weizen trennt. Kaum hat sie Simulation begonnen, stirbt einer von ihnen einen qualvollen Tod. Die restlichen sechs müssen sich eingestehen, dass ein echter Killer auf der Insel sein Unwesen treibt. Aus Training wird blutiger Ernst und das Misstrauen wächst. Einer von ihnen muss der Psychopath sein, der den nächsten Todesfall sogar zeitlich exakt ankündigt.


                                                                                      
 
Meinung:
Reststarruhm der 90er versammelt sich in einem Wannabe-Look-alike-A-Movie, welches nur ein B-Movie des damals noch jungen Jahrtausends ist, mit allen Schwächen, aber immerhin auch so was wie Stärken. "Mindhunters" ist im Kern natürlich nichts anderes als das 10-(in dem Fall eher 7)-kleine-Jägermeister-Prinzip, eingebettet in einer überkonstruierten, mit fortlaufender Spielzeit immer haarstreubenderer Story, die nach ganz strengen Kriterien gnadenlos in der Luft zerrissen werden könnte. Aber da zieht dann halt der B-Movie-Joker, was will das Ding denn eigentlich von mir? Es will mich unterhalten, ist sich seiner Unglaubwürdigkeit (hoffentlich, mal grob geschätzt) sicherlich total bewusst und bedient sich fleißig in der Genre-Klischee-Kantine, dabei aber immerhin flott und kurzweilig aufgewärmt.


So sehen Profis aus...
Yes, of course, sieben angehende FBI-Profiler, von denen (wie sich später herausstellt) jeder selbst ein mittelschweres Trauma oder eine Zwangsneurose mit sich rumschleppt (Pack schlägt sich, Pack verträgt sich) werden vom sadistisch-perfiden CSI-Academy-Harris (nicht ein  selbstironischer G.W. Bailey, sondern ein grimmiger, bierernster Val Kilmer) auf die Serien-Killer-Manöver-Insel verfrachtet, auf der selbst das allmächtige Auge der totalen Überwachung zu blöd für DEN Maulwurf der Killer-FBI-Geschichte ist. Wer der klischeehaft zusammengewürfelten Hampelmänner (und Frauen, Emanzipation ist wichtig) denn nun der (scheinbar) motivlose, handwerklich enorm geschickter Hobbybastler und Uhrenfetischist ist, darum dreht sich "Mindhunters". Einer ist es, klarer Fall, nur ist es die verschrobene Blondine mit der Nichtschwimmerschwester, der coole Typ, der früher mal ein Star war, der Quoten-Neger mit den Tatoos, Sick-Boy auf H-Entzug, die heiße Braut, die keiner kennt, der Rolli-Fahrer (bestimmt!), die anderen Opfer...äh, Stars...oder der Harris mit der dicken Lippe. Who is it?

Er ist nicht der Killer...wahrscheinlich.
Klingt enorm doof und mal genau genommen, kaum abzustreiten. "Mindhunters" schlittert oft sehr knapp an Blödsinn und Trash vorbei, macht aber tatsächlich Spaß. Eben weil wohl jedem klar sein sollte, das ist etwas sehr weit oben drüber. Der Film hat Drive, kaum Längen, und Abziehbilder-Galiosfiguren, deren übertrieben-brutale Dahinscheidungen als drollig bewertete werden können (der blaue Gnadenflatschen der FSK, verglichen mit sonst verstock-arschten Entscheidungen, ist lustig und bezeichnend für die planlose Willkür). Hier wird mehr gebastelt als auf der Waldorfschule, Glaubwürdigkeit (trotz bemüht cleverer "ich hab das vorher gewusst" Klugscheißerei) ist schwer auszuklammern, dann macht das ansprechend umgesetzte Killer-Die-Very-Hard-Spektakel sogar Freude. Ernst nehmen geht gar nicht, wenn das der Sinn war, Fehlschuss. Aber selbst wenn nicht: Das Endprodukt erwischt den Tellerrand, zwischen "auf den Boden gefallen" und "das kann man doch noch essen"...Dreck reinigt den Magen, angeblich...wie "Mindhunters".

6 von 10 Timetables

Review: HUNDSTAGE - Wenn ein Banküberfall schief geht

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Fakten:
Hundstage (Dog Day Afternoon)
USA. 1975. Regie: Sidney Lumet. Buch: Frank Pierson. Mit: Al Pacino, John Cazale, Charles Durning, Chris Sarandon, Beluah Garrick, James Broderick, Carol Kane, Lance Henriksen u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Drei junge Männer wollen am heißesten Tag des Jahres eine Bank in Brooklyn ausrauben. Doch so ziemlich alles geht schief, was nur schief gehen kann. Einer der Bankräuber bekommt kalte Füße und es ist kaum Geld da. Stattdessen aber rückt die Polizei an und umstellt die Bank. Die übrigen zwei überforderten Bankräuber nehmen also die Bankangestellten als Geiseln – und es entwickelt sich eine Situation, mit der die beiden Bankräuber nicht gerechnet hätten.





Meinung:
“I'm a Catholic, I don't want to hurt anybody.”

Drei Kerle kommen an einem heiß-schwülen Tag kurz vor Schließung in eine Bank. Ihr Ziel: sie wollen Geld. Aber nicht abheben, natürlich nicht. Zumindest nicht legal. Sie wollen die Bank ausrauben. Aber noch bevor es richtig los geht ist einer schon wieder weg. Er will nicht mehr. Aber wenigstens die Autoschlüssel soll er doch bitteschön da lassen. Die anderen beiden machen dann eben zu zweit weiter. Und die stattliche Beute kann sich mehr als sehen lassen: 1100 Dollar. Ja, richtig gehört. Hat sich wirklich gelohnt. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, rückt auch noch die Polizei mit geschätzten 1100 Mann an. Für jeden Dollar einen. Was also tun? Klar, die Bankangestellten als Geisel nehmen. Und gemeinsam mit ihnen nach Algerien fliegen. So zumindest der Plan. Während der Geiselnahme wird der Anführer Sonny zum Liebling der Medien und des Publikums außerhalb der Bank. Und Sonny genießt es, diese Stimmung anzuheizen. Doch die Geiselnahme, von der Sonny dachte, sie schnell regeln zu können, zieht sich, bis sie sich im packenden Showdown auflöst.


“Kiss me.” - “What?” – “Kiss me. When I'm being fucked, I like to get kissed a lot.” 

Sal (links) und Sonny wissen nicht, was sie tun sollen.
Al Pacino als Anführer Sonny ist mal wieder perfekt, bringt gefühlvolle Situationen genauso gut auf die Leinwand wie seine Hilflosigkeit und auch die überdrehten Sequenzen, wenn Sonny mit der Polizei und der Öffentlichkeit agiert. Dazu wirft er mit coolen Sprüchen nur so um sich. Allein durch Pacino ist der Film schon sehenswert. Er vereint Genuss, Anspannung, Humor, Verzweiflung – perfekt. John Cazale spielt den zweiten Geiselnehmer Sal. Hervorragend, wie er den gutgläubigen, verunsicherten und etwas dümmlichen Mann mit der Waffe verkörpert. Der viel zu früh verstorbene John Cazale hat übrigens nur in fünf Filmen mitgespielt („Der Pate 1+2“, „Der Dialog“, „Die durch die Hölle gehen“ und „Hundstage“), aber alle waren für den Oscar als bester Film nominiert und drei haben den Preis auch gewonnen. Das ist dann wohl der Inbegriff einer guten Rollenauswahl. Ein dritter wichtiger Darsteller, mal von den guten Chris Sarandon und Charles Durning abgesehen, wäre wohl auch noch zu nennen: die Hitze! Sie ist als ständiger Begleiter präsent, sie mischt sich ins Geschehen ein, bringt immer mehr Anspannung und Druck in die Situation.


“Is there any special country you wanna go to?” – “Wyoming.” – “Sal, Wyoming is not a country.”

Die Story ist genial geschrieben. Dialoge zwischen Witz und Ernsthaftigkeit. Ein bisschen Satire auf Polizeiarbeit, ein bisschen auf die Medien. Spannend. Und absolut authentisch. Nebenbei hat sich dieser Banküberfall wirklich so abgespielt. Am 22. August 1972 versuchten John Wojtowicz und Salvatore „Sal“ Naturile in Brooklyn die Chase Manhattan Bank zu überfallen. Und auf ihrem Versuch, der nicht so verlief, wie sie sich das vorgestellt hatten, basiert dieser Film. Bei seinem geringen Budget von nur 1,8 Mio. US-Dollar spielte er übrigens über 50 Mio. US-Dollar ein.


Irgendwas läuft hier doch verdammt schief.
Die Inszenierung Sidney Lumets ist, wie man es von ihm nicht anders gewohnt ist, großartig. Von der ersten Minute an ist ein unheimlicher Spannungslevel vorhanden. Der Zuschauer ist schon nach wenigen Momenten mitten drin im Geschehen. Er leidet und hofft mit den Protagonisten. Er lacht über groteske Situationen. Er kann die Mischung aus Euphorie und bedrückender Stimmung förmlich fühlen, genau wie die Hitze (den Spruch mit dem „Mitschwitzen“ lass ich hier mal außen vor, auch wenn er absolut zutrifft). Wenn man übrigens bedenkt, dass der Film aber bei so kalten Temperaturen gedreht wurde, dass bei den Außenszenen eigentlich sogar den Atem der Schauspieler sichtbar war, ist diese Leistung, diese Darstellung der Hitze, noch einmal höher einzuschätzen. Musik gibt’s keine. Überhaupt keine. Außer dem Song „Amoreena“ von Elton John am Anfang und ein wenig Gedudel aus dem Radio. Es sind sonst nur diverse Geräusche zu hören. Und die bringen noch mehr Beklemmung und auch noch mehr Spannung.


Insgesamt ist der Film eine extrem spannende Bankraubgeschichte. Ein Psychogramm eines überforderten Geiselnehmers. Ein satirisch angehauchter Thriller mit genialer Geschichte und super Dialogen. Ein wichtiger Verstreter des „New Hollywood“. Oder anders ausgedrückt: „Hundstage“ ist eine hervorragende und psychologische Geschichte über einen missglückten Banküberfall am heißesten Tag des Jahres.


9,5 von 10 Schweißflecken auf dem Hemd