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Review: T2 TRAINSPOTTING - Sag Ja zum Sequel

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Fakten:
T2 Trainspotting (T2: Trainspotting)
GB, 2017. Regie: Danny Boyle. Buch: John Hodge, Irvine Welsh (Vorlage). Mit: Ewan McGregor, Johnny Lee Miller, Ewan Bremner, Robert Carlyle, Anjela Nedyalkova, Kelly Macdonald, Scot Greenan, James Cosmo u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
20 Jahre ist es her, seitdem Mark seine Junkie-Freunde übers Ohr haute und sich mit der Kohle ihres gemeinsamen Deals aus dem Staub machte. Nun ist er zurück. Das Wiedersehen mit Spud und Sick Boy ruft gemischte Emotionen hervor. Ausgerechnet jetzt gelingt Begbie die Flucht aus dem Knast. Und der hält bekanntermaßen wenig von Vergeben und Vergessen…

                                                                     

Meinung:
„Die Welt verändert sich, auch wenn wir es nicht tun.“

Mit seinem damals zweiten Kinofilm gelang dem späteren Oscar-Preisträger Danny Boyle nicht nur sein großer Durchbruch, es war beinah ein Urknall. Trainspotting, die Verfilmung des Romans von Irvine Welsh (hielt den Rekord für das meistgeklaute Buch Großbritanniens), avancierte über Nacht zum Kultfilm, hat über die Jahre nichts von seinem Status eingebüßt, ihn höchstens noch ausgebaut. Junge Männer aus der Unterschicht vom Edinburgher Stadtteil Leith, die Ja zum Leben, aber genauso offen und ehrlich Ja zu Heroin sagten. Trainspotting wurde zum popkulturellen Phänomen und nicht nur für seinen Regisseur, sondern auch für seine damals noch wenig bekannten Darsteller zum Karrieresprungbrett. 2002 veröffentlichte Irvine Welsh mit Porno eine literarische Fortsetzung, seitdem schien es gemachte Sache, dass der Film bald folgen würde. Gerüchte gab es viele, konkret wurde wenig bis nichts. Letztlich war es auch klar, dass das Projekt nur mit dem Originalteam realisierbar wäre, alles andere würde kaum Akzeptanz finden. Die Jahre vergingen und als wohl kaum noch jemand damit rechnete, war er plötzlich da: Nicht Porno, sondern T2 Trainspotting. Und sie sind (fast) alle wieder da. Kaum zu glauben!
Fast wie in alten Zeiten...


Statt Welsh’s Folgeroman direkt zu adaptieren, verwenden Boyle und sein Autor John Hodges nur gewisse Bausteine dessen Handlung, erzählt wird etwas ganz Anderes. Der eigentliche Plot von T2 Trainspotting dient fast nur als roter Faden, um die Protagonisten nach 20 Jahren wieder zu vereinen. Wie es ihnen in dieser Zeit ergangen ist, wird in wenigen Nebensätzen schnell abgehandelt, was soll man auch groß berichten, wir sehen ja wo sie noch oder wieder stehen. Heimkehrer Mark hatte den Absprung nach Amsterdam in ein solides, seriöses Leben geschafft und steht nun nach Verlust von Job, Frau und Wohnung wieder vor dem Nichts. Nur clean ist er immer noch. Simon (bewusst kaum noch Sick Boy genannt, man wird schließlich älter) hängt nicht mehr an der Nadel, dafür nicht minder exzessiv mit der Nase im Schnee. Offiziell betreibt er das heruntergekommene Pub seiner Tante, praktisch hält er sich mit dilettantischen Erpressungsversuchen durch brisante Sextapes über Wasser. Spud fixt immer noch. Ist inzwischen Vater, versucht sich als Gelegenheitsarbeiter, aber am Ende ist die Sucht immer stärker. Und Begbie? Der sitzt seit Jahren hinter schwedischen Gardienen und wartet vergeblich auf Haftverkürzung, denn von seinem cholerischen, explosiven Gemüt hat er nichts verloren. Ebenso wie von den Rachegelüsten gegenüber Mark, der ihn und die Jungs damals abzockte und im Stich ließ.


...nur Franco ist noch etwas verstimmt.
T2 Trainspotting ist ein Film über das Heimkehren, das Älterwerden, aber nicht das Erwachsenwerden. Der Ausreißer hat es probiert, ist gescheitert und findet als einzigen Anlaufpunkt den Ort, an den er eigentlich nie mehr zurückkehren wollte. Aber wo soll er hin? Hier ist sein Zuhause, auch wenn sich vieles drastisch verändert hat. Nicht die Menschen, zumindest die meisten, Leith ist nicht mehr das versiffte Drecksviertel. Alles ist moderner, schneller, anonymer, er und seine Freunde scheinen wie ein Relikt vergangener Tage. Born Slippy ist nur noch ein kaum wahrnehmbares Echo irgendwo im Hinterkopf. Boyle’s Film hat den Charakter eines Klassentreffens, auf das man im Vorfeld gar nicht so richtig Lust hat, trotzdem neugierig ist und am Ende froh ist, dass man hingegangen ist. Natürlich schwelgt der Streifen in Erinnerungen, suhlt sich in der Vergangenheit und kann theoretisch als ausgedehnter Fan-Service betrachtet werden, was er auf gewisse Art und Weise auch ist. Und doch ist es viel mehr. Alles kommt einem bekannt vor, man begegnet seiner Jugend und kommt im selben Zuge zu der melancholischen Erkenntnis, dass nichts mehr so ist wie es mal war. Nur man selbst ist nicht entscheidend von der Stelle gekommen. Älter, etwas ruhiger, nicht mehr so sorglos, aber inzwischen reicht es nicht mehr ganz optimistisch Ja zum Leben zu sagen, das schon lange nicht mehr geantwortet hat.


T2 Trainspotting hätte nicht zwingend sein müssen. Rein theoretisch ein Sequel, auf das man mühelos verzichten könnte, nach dem niemand gekräht hätte, wenn es nie zustande gekommen wäre. Aber jetzt, wo es plötzlich und nach der ganzen Zeit auch irgendwie immer noch unerwartet da ist, fühlt es sich doch richtig an. Sogar ein Bisschen wichtig. So bitter er doch ist, es hat was Versöhnliches, etwas Abschließendes, ein Wiedersehen mit alten Freunden. Und wenn eines außer Frage steht: Alle Beteiligten scheinen richtig Bock auf diesen Film gehabt zu haben. Man spürt es einfach und kann es nur zu gut nachvollziehen. Letztlich sind auch sie alle wieder zuhause. Und wir damit doch irgendwie auch. Home bitter-sweet Home.

7 von 10 alten Schallplatten

Review: BYZANTIUM - Die Bürde der Unsterblichkeit

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Fakten:
Byzantium
Groß Britannien, Irland, USA. 2012. Regie: Neil Jordan. Buch: Moira Buffini. Mit: Saoirse Ronan, Gemma Arterton, Sam Riley, Johnny Lee Miller, Daniel Mays, Maria Doyle Kennedy, Warren Brown, Tom Hollander, Thure Lindhardt, Caleb Landry Jones u.a. 118 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 27. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Seit über 200 Jahren wandeln Clara und ihre Tochter Eleanor über die Welt und ernähren sich vom Blut der Menschen. Während Clara ihr Leben genießt missfällt ihrem Nachwuchs zunehmend das Vampirdasein und möchte sich einmal in ihrem Leben länger niederlassen. Als die beiden in einer kleinen Küstenstadt untertauchen, erkennt Eleanor, dass ihr dieser Ort aus ihrem kurzen Leben als Mensch bereits vertraut ist.





Meinung:
Neil Jordan meldet sich zurück. Nach dreijähriger Pause nicht nur als Regisseur, sondern gleichzeitig in der Welt der Vampire. Fast 20 Jahre nach seinem Welterfolg "Interview mit einem Vampir" kommt nun "Byzantium", jedoch ohne bundesweiten Kinostart direkt für den Heimkinomarkt. Betrachtet man jetzt zum Jahresende die Kinostarts 2013, etwas verwunderlich und im noch größeren Maße ärgerlich. Sequels, Remakes, Reboots, Multimillionen-Mega-Flops, viel Durchschnitt bei groß angekündigten "Highlights", ausgerechnet dieser Film darf gar nicht erst an den Kinokassen mitmischen. Wahrscheinlich ist er einfach nicht das, was allgemein als massenkompatibel bezeichnet wird. Bewusst. Gerade deshalb mehr als nur den neugierigen Blick wert.


Clara und Eleanor haben keine Lust auf Vergnügen
Um konkreter zu werden: "Byzantium" ist einer der besten Blutsauger-Filme dieses Jahrtausends. Übertroffen nur noch von den (ebenfalls) ungewöhnlichen Genrevertretern "Shadow of the Vampire", "So finster die Nacht" und "Durst". Was sie alle gemeinsam haben: Sie begegnen der oft erzählten Vampirthematik auf anderen Wegen, verlassen sich nicht ausschließlich auf die gängigen Zutaten, interpretieren den Mythos eigensinnig und schaffen ihr eigenes, kleines Universum. Zudem sind es keine reinen Genrefilme, die in erster Linie die Horrorfanfraktion ansprechen. "Byzantium" erinnert in seiner melancholisch-sehnsüchtigen Grundstimmung am ehesten an "So finster die Nacht", mit einer augenscheinlich kleinen Prise "Twilight", wobei sich dieser Eindruck schnell zerschlägt. Während Bella und Edward sich anschmachteten und vor sich hin glitzerten, schafft Neil Jordan eine Art Coming-of-Age Tragödie mit märchenhaften Anleihen, Subtext und bittersüßen Momenten, voller Fantasie und leicht poetischer Bildsprache. Bedacht in seinem Tempo und ausgeklügelt in seiner Erzählweise wird viel Wert auf die Charaktere gelegt, gezielt natürlich auf die "junge" Eleanor (Saoirse Ronan, wie oft zerbrechlich und doch stark wirkend) und ihre "Begleiterin" Clara (Gemma Arterton, diesmal nicht nur, aber auch sexy). Auf einer rastlosen Flucht vor mysteriösen Verfolgern verkörpern sie zwei völlig unterschiedliche Frauentypen. Eleanor als eher introvertierter "Teenager" im Zwiespalt zwischen ihrer (unnatürlichen) Existenz und dem, was diese von ihr verlangt, Clara als starke Beschützerin, die im ältesten Gewerbe der Welt die wohl älteste Aktive der Welt ist. Während die Eine sich nur von denen ernährt, deren Tage praktisch eh schon gezählt sind, greift die Andere immer auf die zurück, die es "verdient" haben. Wieso, wird später erläutert. Erstklassige gespielt, von beiden.


Hm, Lippenstift aus frischer Leber. Leider nicht Kussfest.
Nach einem interessanten - wenn auch nicht großartigen Auftakt - zündet "Byzantium" speziell in der zweiten Hälfte, wenn Jordan in Rückblende immer wieder in die Vorgeschichte der Frauen eintaucht, um das vorher Gezeigte zu untermauern und ihm seine Relevanz zu geben. Nun erfahren wir, wer Clara ist, vor allem WARUM sie die ist, die sie ist...und die sind, die sie ISST. Unterdrückung, Demütigung und Missbrauch hat sie erleiden müssen, bis sie (versehentlich) in einen Kreis vorstieß, der exklusiv der männlichen Dominanz vorbehalten war. Sie sprengt das Gefüge, bricht die Regeln und muss dafür 200 Jahre lang untertauchen. Emanzipation im Mantel des Genrefilms, ein klares Statement von Autorin Moira Buffini, die auch das zugrundeliegende Bühnenstück verfasste. Jordan setzt es (leider eben nicht) für die große Leinwand um und kann dabei seine Stärke im mystischen Bereich ausspielen. Schauderhaft schön und absolut einprägsam: Der Ursprungsort des Bösen. Eine Höhle in einem Felsmassiv, umgeben von "blutenden" Wasserfällen und Schwärmen von Fledermäusen, in dessen Inneren etwas lauert. Nicht gesichtslos, dennoch anonym. Vampire können sich nicht gegenseitig erzeugen, sie werden nur dort geschaffen, durch ES. Diese Vampire sind immun gegen Sonnenlicht, interessieren sich einen Dreck für Knoblauch und christliche Symbole, schlafen nicht in Särgen und bedienen sich als Waffe nicht ihrer Eckzähne, sie "zapfen" die Beute mit dem Fingernagel an. Viel Stilbruch, der "Byzantium" seine ganz eigene Identität gibt.


Diesen eigenwilligen Ansätzen und der fachmännischen Inszenierung ist es zu verdanken, dass dieser Film nicht nur noch ein Vampirfilm ist, die inzwischen (mal wieder) aufgrund von Überfütterung für Ermüdungserscheinungen beim Publikum sorgen. Das ist ein stimmungsvoller, intelligenter und vielschichtiger Beitrag, der nicht zwangsläufig beim durchschnittlichen Genreliebhaber ankommen wird. Dafür sollten speziell die Leute aufmerksam werden, denen der übliche Output zu monoton und beliebig ist oder um Horrorfilme grundsätzlich einen Bogen machen. "Byzantium" ist nicht perfekt, aber anders und das sehr gekonnt. Ein kleines (echtes) Highlight dieses Jahres, das leider entdeckt werden muss, um nicht in den Regalen den Helden(Un)tod zu sterben.


7,5 von 10 Verstößen gegen die Frauenquote


von JackoXL


Mutter und Tochter Blutsauger ruhen sich aus, dabei kenne sie soulis Meinung ja noch gar nicht


Meinung:
Nostalgische Romantiker haben es dieser Tage äußerst schwer, sich dem gravierenden Paradigmenwechsel im florierenden Vampir-Sujet anzupassen. Die vornehmen Grafen aus den nebulösen Schlössern, irgendwo im wilden Nirgendwo der karpatischen Weiten residierend, sind ein schillerndes Fragment stilvoll zerbröckelnder, aber keinesfalls gänzlich verstummender Erinnerungen. Den betörenden Untoten weht ein postmoderner Wind um die Eckzähne, jene hypnotische Erotik wird durch die unentwegt asexuelle Attitüde niedergedrückt; von der puritanischen Aufrechterhaltung tradierter Mythen im Universum der Blutsauger ganz zu schweigen: Die durstigen Wiedergänger sind nicht nur äußerlich blass, ihnen ist auch der einnehmende Glanz im Wandel der Gezeiten vollkommen abhanden gekommen. Sie schmücken vielmehr die Zimmerwände kreischender Heranwachsender oder fungieren einzig als charakterlose Bestien im nächtlichen Kolorit.


Beide sind leichenblass, aber nur er wird lieben bleiben
Sollte es also an Neil Jordon liegen, der mit seiner opulent bebilderten Vampir-Chronik „Interview mit einem Vampir“ einen Meilenstein des Kinos der 1990er Jahre geschaffen hat, die anmutig und schauderhafte Ehre mit dem gar mysteriös anklingenden „Byzantium“ zurück in das inzwischen erschreckend abgeflachte Genre zu tragen? Die Antwort darauf ist von zwiegespaltener Natur: Seine durchaus facettenreiche Theater-Adaption ist ohne Frage einer der besten modernen Vertreter seiner Zunft, zeichnet sich aber auch abermals dadurch aus, die letzte Konsequenz im Umgang mit der sublimen Vielfalt an thematischen Ansätzen vermissen zu lassen. In erster Linie aber bezieht „Byzantium“ dadurch Pluspunkte, dass er sich nicht zwanghaft im kontemporären Usus verrennt, aber gleichzeitig auch die achtungsvolle Verzahnung zum althergebrachten Standard herleiten möchte, wie ihn „Interview mit einem Vampir“ noch in voller Pracht genoss. Jordan wendet sich von traditionellen Leitlinien ab und verzichtet nicht nur auf Knoblauch, Kruzifixe und die pulverisierende Kraft der Sonne.


Eleanor auf den Spuren ihrer menschlichen Vergangenheit
„Byzantium“ geht sogar so weit, den Vampiren sich ihrer (Mord-)Instrumente, die Reißzähne, zu entledigen und die Stillung ihres Blutdurstes durch einen Fingernagel zu ermöglichen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Eleanor (Saoirse Ronan) und Clara (Gemma Arterton), die sich seit 200 Jahren durch die Welt schlagen und wahre Unikate ihres Geschlechts in einer patriarchalisch dominierten Domäne darstellen. Wer sich nun erhofft, dass Jordan den feministischen Skopus, der sich zwangsläufig aus dieser ansprechenden Konstellation ergibt, wirklich auf den Zahn fühlt und ausbaut, um diesen in emanzipatorische Bahnen zu leiten, der täuscht. Allgemein ist Jordans Ägide fortwährend ambitioniert und durchzogen von zwischenmenschlichen (Interessen-)Konflikten, die oftmals nur angeschnitten werden, anstatt diese auch entsprechend zu sezieren, gerade wenn es um Eleanors Integration in die Außenwelt geht.


Neil Jordan distanziert sich also von der Mythologie und legt seinen Fokus stringent auf das Innenleben seiner Protagonistinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während sich Clara nämlich als Prostituierte vertritt und den oft verloren gegangen Sex des Genres wieder lasziv an sich reißt, ist Eleanor eine für immer im Körper einer 16-jährigen Gefangenen.  „Byzantium“ erhält gerade durch die zerbrechlich-ambivalente Darstellung von Saoirse Ronan, die immer wieder zwischen Resignation und Rebellion oszilliert, eine ungemein melancholische Note, die den Vampiren selbst weit weg von seinem angsteinflößenden Vorbild führt und näher zum Habitus eines Menschen. Dazu trägt auch die historische Ebene bei, die dann passend eingestreut wird, wenn die Tragik einzelner Charakter stärker herauskristallisiert werden soll und ideologische Motivationen so verständlicher aufzeigt. Wirklich fesselnd ist „Byzantium“ aber gerade dann, wenn er die Bürde der Unsterblichkeit aufzeigt und auf donnernd-adäquate Fotografien (Blutwasserfall im irischen Geröll) findet, da verzeiht man auch gerne einige Schönheitsfehler.


6 von 10 Blutigen Metamorphosen


von souli

Review: MINDHUNTERS - Profiler-Island

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Fakten:
Mindhunters
USA, 2004. Regie: Renny Harlin. Buch: Wayne Kramer, Kevin Brodbin. Mit: Kathryn Morris, LL Cool J, Christian Slater, Johnny Lee Miller, Clifton Collins jr., Patricia Velasquez, Val Kilmer, Eion Bailey, Will Kemp, Cassandra Bell u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als finale Prüfung werden 7 angehende FBI-Profiler von ihrem knallharten Ausbilder Harris auf einer Insel ausgesetzt, die sonst zu Übungen der Navy Seals genutzt wird. Dort wird ein Serienkillerfall unter realistischsten Bedingungen simuliert, der die Spreu vom Weizen trennt. Kaum hat sie Simulation begonnen, stirbt einer von ihnen einen qualvollen Tod. Die restlichen sechs müssen sich eingestehen, dass ein echter Killer auf der Insel sein Unwesen treibt. Aus Training wird blutiger Ernst und das Misstrauen wächst. Einer von ihnen muss der Psychopath sein, der den nächsten Todesfall sogar zeitlich exakt ankündigt.


                                                                                      
 
Meinung:
Reststarruhm der 90er versammelt sich in einem Wannabe-Look-alike-A-Movie, welches nur ein B-Movie des damals noch jungen Jahrtausends ist, mit allen Schwächen, aber immerhin auch so was wie Stärken. "Mindhunters" ist im Kern natürlich nichts anderes als das 10-(in dem Fall eher 7)-kleine-Jägermeister-Prinzip, eingebettet in einer überkonstruierten, mit fortlaufender Spielzeit immer haarstreubenderer Story, die nach ganz strengen Kriterien gnadenlos in der Luft zerrissen werden könnte. Aber da zieht dann halt der B-Movie-Joker, was will das Ding denn eigentlich von mir? Es will mich unterhalten, ist sich seiner Unglaubwürdigkeit (hoffentlich, mal grob geschätzt) sicherlich total bewusst und bedient sich fleißig in der Genre-Klischee-Kantine, dabei aber immerhin flott und kurzweilig aufgewärmt.


So sehen Profis aus...
Yes, of course, sieben angehende FBI-Profiler, von denen (wie sich später herausstellt) jeder selbst ein mittelschweres Trauma oder eine Zwangsneurose mit sich rumschleppt (Pack schlägt sich, Pack verträgt sich) werden vom sadistisch-perfiden CSI-Academy-Harris (nicht ein  selbstironischer G.W. Bailey, sondern ein grimmiger, bierernster Val Kilmer) auf die Serien-Killer-Manöver-Insel verfrachtet, auf der selbst das allmächtige Auge der totalen Überwachung zu blöd für DEN Maulwurf der Killer-FBI-Geschichte ist. Wer der klischeehaft zusammengewürfelten Hampelmänner (und Frauen, Emanzipation ist wichtig) denn nun der (scheinbar) motivlose, handwerklich enorm geschickter Hobbybastler und Uhrenfetischist ist, darum dreht sich "Mindhunters". Einer ist es, klarer Fall, nur ist es die verschrobene Blondine mit der Nichtschwimmerschwester, der coole Typ, der früher mal ein Star war, der Quoten-Neger mit den Tatoos, Sick-Boy auf H-Entzug, die heiße Braut, die keiner kennt, der Rolli-Fahrer (bestimmt!), die anderen Opfer...äh, Stars...oder der Harris mit der dicken Lippe. Who is it?

Er ist nicht der Killer...wahrscheinlich.
Klingt enorm doof und mal genau genommen, kaum abzustreiten. "Mindhunters" schlittert oft sehr knapp an Blödsinn und Trash vorbei, macht aber tatsächlich Spaß. Eben weil wohl jedem klar sein sollte, das ist etwas sehr weit oben drüber. Der Film hat Drive, kaum Längen, und Abziehbilder-Galiosfiguren, deren übertrieben-brutale Dahinscheidungen als drollig bewertete werden können (der blaue Gnadenflatschen der FSK, verglichen mit sonst verstock-arschten Entscheidungen, ist lustig und bezeichnend für die planlose Willkür). Hier wird mehr gebastelt als auf der Waldorfschule, Glaubwürdigkeit (trotz bemüht cleverer "ich hab das vorher gewusst" Klugscheißerei) ist schwer auszuklammern, dann macht das ansprechend umgesetzte Killer-Die-Very-Hard-Spektakel sogar Freude. Ernst nehmen geht gar nicht, wenn das der Sinn war, Fehlschuss. Aber selbst wenn nicht: Das Endprodukt erwischt den Tellerrand, zwischen "auf den Boden gefallen" und "das kann man doch noch essen"...Dreck reinigt den Magen, angeblich...wie "Mindhunters".

6 von 10 Timetables