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Review: T2 TRAINSPOTTING - Sag Ja zum Sequel

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Fakten:
T2 Trainspotting (T2: Trainspotting)
GB, 2017. Regie: Danny Boyle. Buch: John Hodge, Irvine Welsh (Vorlage). Mit: Ewan McGregor, Johnny Lee Miller, Ewan Bremner, Robert Carlyle, Anjela Nedyalkova, Kelly Macdonald, Scot Greenan, James Cosmo u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
20 Jahre ist es her, seitdem Mark seine Junkie-Freunde übers Ohr haute und sich mit der Kohle ihres gemeinsamen Deals aus dem Staub machte. Nun ist er zurück. Das Wiedersehen mit Spud und Sick Boy ruft gemischte Emotionen hervor. Ausgerechnet jetzt gelingt Begbie die Flucht aus dem Knast. Und der hält bekanntermaßen wenig von Vergeben und Vergessen…

                                                                     

Meinung:
„Die Welt verändert sich, auch wenn wir es nicht tun.“

Mit seinem damals zweiten Kinofilm gelang dem späteren Oscar-Preisträger Danny Boyle nicht nur sein großer Durchbruch, es war beinah ein Urknall. Trainspotting, die Verfilmung des Romans von Irvine Welsh (hielt den Rekord für das meistgeklaute Buch Großbritanniens), avancierte über Nacht zum Kultfilm, hat über die Jahre nichts von seinem Status eingebüßt, ihn höchstens noch ausgebaut. Junge Männer aus der Unterschicht vom Edinburgher Stadtteil Leith, die Ja zum Leben, aber genauso offen und ehrlich Ja zu Heroin sagten. Trainspotting wurde zum popkulturellen Phänomen und nicht nur für seinen Regisseur, sondern auch für seine damals noch wenig bekannten Darsteller zum Karrieresprungbrett. 2002 veröffentlichte Irvine Welsh mit Porno eine literarische Fortsetzung, seitdem schien es gemachte Sache, dass der Film bald folgen würde. Gerüchte gab es viele, konkret wurde wenig bis nichts. Letztlich war es auch klar, dass das Projekt nur mit dem Originalteam realisierbar wäre, alles andere würde kaum Akzeptanz finden. Die Jahre vergingen und als wohl kaum noch jemand damit rechnete, war er plötzlich da: Nicht Porno, sondern T2 Trainspotting. Und sie sind (fast) alle wieder da. Kaum zu glauben!
Fast wie in alten Zeiten...


Statt Welsh’s Folgeroman direkt zu adaptieren, verwenden Boyle und sein Autor John Hodges nur gewisse Bausteine dessen Handlung, erzählt wird etwas ganz Anderes. Der eigentliche Plot von T2 Trainspotting dient fast nur als roter Faden, um die Protagonisten nach 20 Jahren wieder zu vereinen. Wie es ihnen in dieser Zeit ergangen ist, wird in wenigen Nebensätzen schnell abgehandelt, was soll man auch groß berichten, wir sehen ja wo sie noch oder wieder stehen. Heimkehrer Mark hatte den Absprung nach Amsterdam in ein solides, seriöses Leben geschafft und steht nun nach Verlust von Job, Frau und Wohnung wieder vor dem Nichts. Nur clean ist er immer noch. Simon (bewusst kaum noch Sick Boy genannt, man wird schließlich älter) hängt nicht mehr an der Nadel, dafür nicht minder exzessiv mit der Nase im Schnee. Offiziell betreibt er das heruntergekommene Pub seiner Tante, praktisch hält er sich mit dilettantischen Erpressungsversuchen durch brisante Sextapes über Wasser. Spud fixt immer noch. Ist inzwischen Vater, versucht sich als Gelegenheitsarbeiter, aber am Ende ist die Sucht immer stärker. Und Begbie? Der sitzt seit Jahren hinter schwedischen Gardienen und wartet vergeblich auf Haftverkürzung, denn von seinem cholerischen, explosiven Gemüt hat er nichts verloren. Ebenso wie von den Rachegelüsten gegenüber Mark, der ihn und die Jungs damals abzockte und im Stich ließ.


...nur Franco ist noch etwas verstimmt.
T2 Trainspotting ist ein Film über das Heimkehren, das Älterwerden, aber nicht das Erwachsenwerden. Der Ausreißer hat es probiert, ist gescheitert und findet als einzigen Anlaufpunkt den Ort, an den er eigentlich nie mehr zurückkehren wollte. Aber wo soll er hin? Hier ist sein Zuhause, auch wenn sich vieles drastisch verändert hat. Nicht die Menschen, zumindest die meisten, Leith ist nicht mehr das versiffte Drecksviertel. Alles ist moderner, schneller, anonymer, er und seine Freunde scheinen wie ein Relikt vergangener Tage. Born Slippy ist nur noch ein kaum wahrnehmbares Echo irgendwo im Hinterkopf. Boyle’s Film hat den Charakter eines Klassentreffens, auf das man im Vorfeld gar nicht so richtig Lust hat, trotzdem neugierig ist und am Ende froh ist, dass man hingegangen ist. Natürlich schwelgt der Streifen in Erinnerungen, suhlt sich in der Vergangenheit und kann theoretisch als ausgedehnter Fan-Service betrachtet werden, was er auf gewisse Art und Weise auch ist. Und doch ist es viel mehr. Alles kommt einem bekannt vor, man begegnet seiner Jugend und kommt im selben Zuge zu der melancholischen Erkenntnis, dass nichts mehr so ist wie es mal war. Nur man selbst ist nicht entscheidend von der Stelle gekommen. Älter, etwas ruhiger, nicht mehr so sorglos, aber inzwischen reicht es nicht mehr ganz optimistisch Ja zum Leben zu sagen, das schon lange nicht mehr geantwortet hat.


T2 Trainspotting hätte nicht zwingend sein müssen. Rein theoretisch ein Sequel, auf das man mühelos verzichten könnte, nach dem niemand gekräht hätte, wenn es nie zustande gekommen wäre. Aber jetzt, wo es plötzlich und nach der ganzen Zeit auch irgendwie immer noch unerwartet da ist, fühlt es sich doch richtig an. Sogar ein Bisschen wichtig. So bitter er doch ist, es hat was Versöhnliches, etwas Abschließendes, ein Wiedersehen mit alten Freunden. Und wenn eines außer Frage steht: Alle Beteiligten scheinen richtig Bock auf diesen Film gehabt zu haben. Man spürt es einfach und kann es nur zu gut nachvollziehen. Letztlich sind auch sie alle wieder zuhause. Und wir damit doch irgendwie auch. Home bitter-sweet Home.

7 von 10 alten Schallplatten

Review: STEVE JOBS - Ein Superman voller Kryptonit

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Fakten:
Steve Jobs
USA. 2015. Regie: Danny Boyle. Buch: Aaron Sorkin, Walter Isaacson (Vorlage). mit: Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen, Katherine Waterston, Jeff Daniels, Michael Stuhlbarg, John Ortiz, Sarah Snook, Perla Haney-Jardine, Ripley Sobo, Makenzie Moss, Adam Shapiro u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 24. März 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Seine Vision veränderte die Welt und trieb ihn fast in den Ruin: der Entwurf und Bau eines Computers für jedermann. Über die ersten Anfänge, die Entwicklung des legendären, alles revolutionierenden Macintosh, bis hin zum Neuanfang mit dem iMac im Jahr 1998, nimmt uns Steve Jobs mit ins Epizentrum der digitalen Revolution und zeichnet zugleich das vielschichtige Portrait eines ihrer brillantesten Köpfe.




Meinung:
Ein Rauen geht um, wenn man seinen Namen sagt und eigentlich jeder hat eine Meinung zu dem Mann, den einige für einen der größten Pioniere moderner Technologie halten, andere wiederrum für einen Soziopath, der andere für seine Zwecke ausbeutete. So oder so ist die Person Steve Jobs ein höchst interessanter sowie ambivalenter Charakter. Nach seinem Tod im Jahre 2011, kamen zig Bücher, Reportagen und Artikel heraus, die ihn würdigten oder diskreditierten. Als Außenstehender wusste man da eigentlich gar nicht, wo genau man sich positionieren soll. 2013 erschient mit „Jobs“ auch das erste Biopic rund um den Apple-Chef. Eine recht bieder bebilderte Biographie ohne sonderlichen Nutzen. Warum danach jetzt noch der Film „Steve Jobs“ erscheint wirkt unnötig, aber auf ihn zu verzichten würde ein großes, qualitatives Loch in Kinojahr 2015 reißen, denn der Film vom britischen Kultregisseur Danny Boyle erweist sich als kleines Meisterstück.


Jobs und seine Assisstentin
Allerdings darf man von „Steve Jobs“ nicht erwarten, dass es sich um ein reinrassiges Biopic handelt. Basierend auf den Bestseller von Walter Isaacson werden jeweils die letzten Minuten vor den drei wichtigsten Produktvorstellungen des Jobs nachgestellt. Wie viel davon der Wahrheit entspricht? Wer weiß das schon. „Steve Jobs“ pocht aber eh zu keiner Zeit auf der „based on true event“-Pauke. Der Film konzentriert sich darauf eine Figur zu beleuchten, ob diese rea existiert hat und komplett fiktiv ist, erweist sich als recht irrelevant. Ja, Biopic-Puristen werden hier wenig finden. Weder werden alle historischen Ereignisse der Firma Apple durchgekaut, noch wird exorbitant viel Zeit darauf verwendet den Zuschauer mit Expositionen zu füttern. „Steve Jobs“ ist ein Film der von Beginn an ein einziges Ziel erfolgt und dass ist einen Charaktere vorzustellen, so dass man als Ende selbst entscheiden kann welcher Mensch diese Steve Jobs war. Im Film wird aber keineswegs das Original abgebildet, sondern mehr dessen filmische Kopie. Wenn man so will ist dieser Film eine Huldigung, eine Anklage sowie auch eine Skizze eines fiktionalen Imitats einer realen Person.


Beste Freunde mit Differenzen: Woz und Jobs
So oder so wirkt das Ganze obwohl es all diese Personen gibt (oder gab) und vieles was gesagt wird auch einen wahrhaftigen Background hat, mehr wie ein erfundenes Drama. Das liegt vor allem an Drehbuchautor Aaron Sorkin, der mit „The Social Network“ bereits einen angeblichen Soziopath beschrieb. Genau wie damals glänzt auch „Steve Jobs“ durch Sorkins brillante Schreibarbeit. Die Dialoge sind diamantgeschliffen und werden trommelfeuerartig vorgetragen. Dabei ist zu beobachten, dass jede Figur, die mit Jobs kommuniziert eine andere Art von Dialogdynamik auslöst. Es gibt z.B. einen lautstarken Disput zwischen Jobs und seinem ehemaligen Vorgesetzten. Dieser Dialog gleicht einem Krieg: Jedes Wort ein surrendes Projektil, jede Atempause ein Waffenstillstand. Das ist zwar höchst anstrengend, verfehlt dennoch aber nicht seine narrative Wirkung. Gewiss, kein normaler Mensch redet so, aber das Thema Realität wird bei „Steve Jobs“ – wie bereits erwähnt – recht offen ausgelegt, was ohne Zweifel nicht nur die Angehörigen des Apple-Mitbegründers auf die Barrikaden treibt.


Selbst das macht er stilvoll
Was dem ganzen Dialogzauber gegen Ende etwas die Kraft nimmt, ist die repetitive Natur des Ganzen. In zwei Stunden wird Jobs stetig mit denselben Personen und Anliegen konfrontiert. Das schlaucht, erreicht aber niemals solch negative Auswirkungen, dass es sich wirklich schädlich bemerkbar macht und Sorkin selbst erlaubt sich wegen diesem Konzept gegen Ende auch eine kleine Meta-Bemerkung. Ganzzeitig frisch bleibt dagegen die Inszenierung von Oscar-Preisträger Danny Boyle, der sich nach „Steve Jobs“ hoffentlich endlich daran macht die langversprochene „Trainspotting“-Fortsetzung namens „Porno“ umzusetzen. Boyle ist bekannt und beliebt (bei einigen natürlich auch gefürchtet und verhasst) für seine Visualität. Doch bei „Steve Jobs“ hält er sich im Rahmen. Gewiss, hin und wieder erlaubt er sich mit den Bildern zu spielen, es wirkt aber nicht aufgesetzt und bringt eine gewisse Frische in den Film. Letztlich zeigt sich aber Boyle Erfahrung, dass er das Drehbuch sowie die Darsteller auf deren Qualitäten reduziert und dies sauber und ohne Hektik einfängt. Boyle ist eben ein versierter Filmemacher.


Ist dieser Mann ein Freund oder ein Feind von Jobs?
Und diese arbeiten gerne mit Leuten zusammen, die ihre Vision teilen. Vielleicht arbeitet Boyle deswegen hier erneut mit Kameramann Alwin Küchler zusammen, der bereits in Boyles Sci-Fi-Drama „Sunshine“ und „Trance“ für die richtige, optische Stimmung sorgte. Bei „Steve Jobs“ gelngt es Küchler mit einfachen Kniffen und Mitteln sogar das jeweilige Jahr visuell einzufangen, einfach durch eine Regulierung des Filmkorns. Gewiss ist das eine höchst simple Methodik, aber sie funktioniert und hilft immens bei der Immersion, die im Verlauf des Films zu keiner Zeit irgendwelche Risse oder Sprünge bekommt. Der Film wirkt wie aus einem Guss. Die einnehmende Simplizität die man den Apple-Geräten zusagt, sie wurde hier wirklich wunderbar auf den Film übertragen, ohne dabei wie ein überlanger Werbespot für den Computergiganten zu wirken. Die Gefahr besteht so oder so nicht, denn für einen Commercial setzt sich Autor Sorkin viel zu kritisch mit dem geschlossenen Apple-Systemen auseinander.


Fassbender beim Text lernen
Natürlich sind die besten Dialoge, die fokussiertes Regie und beste visuelle Ausrichtung nutzlos, wenn die Darsteller nicht überzeugen. Doch damit hat „Steve Jobs“ wirklich keinerlei Probleme. Michael Fassbender und Kate Winslet sind großartig, was wahrscheinlich jeder schon vorher gedacht, bzw. gewusst hat. Doch auch Abseits der beiden größten Namen gibt es darstellerisch Großes zu sehen und damit ist vor allem Seth Rogen gemeint, den die meiste wohl eher aus modernen Klamaukfilmen wie „Bad Neighbors“ oder „Ananas Express“ kennen. Doch bei „Steve Jobs“ beweist Rogen das er auch ein exzellenter Darsteller ist. Er spielt Jobs Freund und Wegbegleiter Steve „Woz“ Wozniack so wunderbar nuanciert und ungekünstelt, dass eine reine Freude ist ihm beim Spielen zu zusehen. Dabei gelingt Rogen es zum ersten Mal, sich von seiner sonstigen Attitüde zu trennen. Wenn er mit Fassbender verbal interagiert, dann ist es vergessen welche Stars hier zu sehen sind. Plötzlich ist man als Zuschauer mitten drin in einer Szenerie, die authentisch und wahrhaftig wirkt. Eine perfekte Illusion, deren Reiz und nach lange nachwirkt.


Mehr ein Komponist, als ein Erfinder: Steve Jobs
Dabei verwendet der Film erstaunlich wenig Energie darauf, diese Illusion mit den übermittelten Ticks und (teils absonderlichen) Eigenheiten von Jobs zu füttern. Immer wieder gibt es Andeutungen und ab und an auch eine konkrete Bebilderung, aber trotz allem bleibt ein menschlicher Kern übrig, selbst dann wenn Boyle und Sorkin den Gott der Apple-Nutzer von seiner (scheinbar) schlimmsten Seite zeigen. Es ist natürlich recht ernüchternd, dass Sorkin im Prinzip Jobs genau so einfängt wie einst Mark Zuckerberg. Aber der Film-Jobs hinterlässt nicht wie der Film-Zuckerberg den Eindruck eines antisozialen Genies, sondern eines Mannes, der in seiner eigenen Welt beheimatet. Ein Außenseiter mit dem Willen nach oben zu gelangen und diese Grenze immer wieder voranzutreiben. Steve Jobs wirkt also im Film wie ein Superman in einer Welt aus Kryptonit. Eben ein Kämpfer, der sich anpassen muss. Das zu sehen ist hochgradig fesselnd.

„Steve Jobs“ beweist was man mit einem guten Drehbuch, tollen Akteuren und einer versierten Regie erreiche kann: Ein energiegeladener und vitaler Film, dessen Kraft und Qualität teils sogar berauschende Züge annimmt. Es sollte nur klar sein, dass „Steve Jobs“ kein Biopic ist, sondern ein unglaublich redseliges, treibendes und vitales Charakterdrama, dessen Darsteller sich Hoffnung machten sollen bei der Oscar-Verleihung 2016 ein Wort mitzusprechen.


8,5 von 10 vorgetäuschten Hallos

Review: 28 DAYS LATER und 28 WEEKS LATER - Long live the Infected

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Fakten:
28 Days Later
GB, 2002. Regie: Danny Boyle. Buch: Alex Garland. Mit: Cillian Murphy, Naomie Harris, Brendan Gleeson, Christopher Eccleston, Megan Burns, Noah Huntley, Stuart McQuarrie, Luke Mably, Leo Bill, Junior Laniyan, Ray Panthaki, Sanjay Rambaruth, Marvin Campbell u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Jim erwacht in einem Krankenhaus, in das er vor Wochen mit einer Kopfverletzung eingeliefert wurde. Es ist verlassen, komplett. Das allein wäre schon befremdlich genug, doch es kommt noch besser: Als Jim die Klinik verlässt, findet er seine Heimatstadt London menschenleer vor. Verwirrt stolpert er durch die verwaisten Straßen der sonst so pulsierenden Metropole. In einer Kirche stößt er auf einen Leichenberg...und endlich andere Menschen. Doch die scheinen vollkommen wahnsinnig, stürzen sich wie wilde Tiere auf ihn. Jim wird von Selena und Mark gerettet und aufgeklärt. Vor 28 Tagen brach ein Virus aus, das die Menschen binnen Sekunden in rasende Bestien verwandelt. Das Land scheint verloren. Auf ihrem Weg durch London treffen sie auf Frank und seine kleine Tochter Hannah. Gemeinsam klammern sie sich an den letzten Strohhalm: Ein Radiodurchsagen verweist auf einen Militärstützpunkt, wo sich Soldaten verschanzt haben.





Meinung:
Mit "28 Days Later" belebte Danny Boyle das jahrelang brachliegende Genre des Zombie-Films, ohne einen echten Zombie-Film zu drehen. In vielerlei Hinsicht. Im Anschluss folgten das "Dawn of the Dead" Remake von Zack Snyder, die "Resident Evil"-Reihe, die neue Zombie-Trilogie von George A. Romero sowie etliche ähnliche B-Reißer, die lebenden Toten waren wieder en vogue. Dabei handelt dieser Film gar nicht von Zombies, Boyles "Monster" sind infizierte Menschen, keine Untoten. Sie sind lebendig, sterblich, erinnern nur optisch und von ihrem Verhalten an das Zombiebild, das Romero einst prägte. Auch sonst ist "28 Days Later" kein typischer Vertreter des Horrorgenres, viel mehr ist es ein apokalyptisches Seuchen-Szenario, quasi ein Katastrophenfilm, der sich natürlich in die Horror-Schublade stecken lässt, aber eben nicht der klassische Vertreter seiner Zunft.



"Uh, da drin gibt's ja frische Überlebende"
Einen solchen Film hätten Boyle damals wohl nur die Wenigsten zugetraut. Der Überraschung über seine Partizipation an so einem Projekt sollte sich als großer Glücksgriff herausstellen, denn gerade weil Boyle nicht der normale Genreregisseur ist, ist "28 Days Later" weit mehr als der vielleicht zu erwartende Gore-Streifen. Genau genommen ist er das überhaupt nicht. Boyle gelingt das Kunststück, seine infizierten Schreckgespenster kaum in Erscheinung treten zu lassen, sie spielen eigentlich nur eine Nebenrollen, bilden die Kulisse für eine Geschichte um das plötzliche Ende der Zivilisation. Protagonist Jim (Cillian Murphy in seiner ersten großen Rolle) landet vollkommen unvorbereitet in einer Welt, die sich innerhalb weniger Tage in eine trostlose Wüste aus Tod und Einsamkeit verwandelt hat. Die in ihrer gespenstischen Ruhe und beeindruckenden Leere spektakuläre Sequenz in den leergefegten Straßen Londons ist atemberaubend, von ihrer Erscheinung wie Wirkung. Nach einer kurzen Attacke der enorm bedrohlich und effizient-zackig in Szene gesetzten Wüteriche haben die für lange Zeit Feierabend, im Mittelpunkt steht nun die Gruppe Überlebender. Die Bedrohung durch ihre bestialischen Mitmenschen ist zwar allgegenwärtig, doch dafür brauchen sie nicht alle 5 Minuten ein Blutbad zu veranstalten. "28 Day Later" bezieht seine enorme Spannung durch die wenig reißerische, dafür enorm bedrückende Schilderung seiner Szenerie, die weitaus realistischer erscheint als in vergleichbaren Filmen. Dem zugute kommt wohl seine britische Herkunft, der gesamte Look wirkt authentischer und weniger auf Hollywood-Schick gebürstet.


 
"Lauf Forrest, lauf!"
Regisseur Boyle erweist sich als genau der richtige Mann für diesen Film. Ihm kommt es mehr auf die Dramaturgie, die Figuren, deren Schicksale, die zwischenmenschlichen Momente und die Tragik der Situation an. "28 Days Later" bietet ein Skript, das weit aus dem Einheitsbrei des Genres herausragt, fast mehr Drama als Horror oder Thriller, dabei trotzdem oder gerade deswegen so mordsmäßig spannend und klug umgesetzt. Speziell im letzten Drittel werden alle positiven Aspekte des Films grandios vereint und bilden einen der besten Genrefilme dieses Jahrtausends. Die glaubhaft und nicht einfach nur banal-zweckdienlich charakterisierten Figuren müssen um ihr Leben kämpfen, nicht gegen die augenscheinliche Bedrohung von außen, sondern gegen den weitaus gefährlicheren Feind von innen, ihre eigene Spezies, die in Extremsituationen nichts mehr von Moral und Ethik hält. Die Infizierten sind nur noch Mittel zum Zweck, werden gar wie Waffen eingesetzt, das Monster im Mensch tritt zu Tage und demaskiert unsere hässliche Natur. Nichts davon wirkt aufgesetzt oder hastig herbeigeführt, Boyle baut alles konsequent-glaubhaft auf und entlädt es ungemein wirkungsvoll. Zwischen dem ganzen Not, Elend, Schmerz und Sterben bleibt bei ihm genug Platz für leise Momente der Hoffnung, sogar fast idyllisch-schöne Momente, wie auch schmerzhaften Situationen abseits von Blut und Schweinkram. Die Mischung macht es, die ist hier nahezu perfekt.


"28 Days Later", der wohl beste (Nicht)Zombiefilm nach Romero's ersten beiden "...Dead"-Filmen und ein absolutes Highlight seit der Jahrtausendwende. Einer der intelligentesten, sensibelsten, emotionalsten Beiträge dieses Genres. Schlicht hervorragend, in allen Belangen.


8,5 von 10 Bestien in Menschengestalt


von JackoXL




Fakten:
28 Weeks Later
GB, ES, 2007. Regie: Juan Carlos Fresnadillo. Buch: Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, E.L. Lavigne, Jesus Olmo. Mit: Rose Byrne, Robert Carlyle, Jeremy Renner, Idris Elba, Catherine McCormack, Imogen Poots, Macintosh Muggleton, Harold Perrineau, Amanda Walker, Shahid Ahmed u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Knapp 6 Monate sind nach dem verheerenden Virusausbruchs vergangen. Der letzte Infizierte scheint gestorben, das amerikanische Militär beginnt mit der Widerbesiedelung Englands in einer überwachten, speziell eingerichteten Sicherheitszone. Dort trifft Don endlich seine Kinder Tammy und Andy wieder. Ihre Mutter Alice ließ er bei einem Angriff der Infizierten zurück, um sein eigenes Leben zu retten. Als die Kinder die Sicherheitszone heimlich verlassen, treffen sie in ihrem alten Elternhaus auf ihre Mutter. Die Soldaten sind ihnen gefolgt und nehmen Alice in Gewahrsam. Das Unglaubliche: Obwohl sie gebissen und das Virus in sich trägt, ist es bei ihr nicht ausgebrochen. Der Schlüssel zur Heilung? Doch so weit kommt es nicht: Als Don seine Frau sehen will, infiziert er sich und der Wahnsinn beginnt erneut. Das Militär kann den erneuten Ausbruch der Epidemie nicht verhindern und sieht nur noch die Alternative der totalen Vernichtung. Gemeinsam mit Biologin Scarlet und dem abtrünnigen Soldat Doyle gelingt Tammy und Andy die Flucht aus dem Sperrgebiet. Ihr Vater, oder was von ihm übrig ist, will seine Kinder aber nicht so einfach aufgeben.




Meinung:
Fünf Jahre nach dem überragenden "28 Day Later" folgte das unweigerliche Sequel, diesmal jedoch ohne Danny Boyle auf dem Regiestuhl. Der Spanier Juan Carlos Fresnadillo übernahm und durfte damit erstmals eine große, internationale Produktion in Szene setzen. Das Fresnadillo Talent besitzt lässt sich kaum abstreiten, nur ob er sich mit dieser schwierigen Fortsetzung einen Gefallen getan hat? Teilweise...



Heute im Blickpunkt: Frischfleisch
Trotz des vorhandenen Potenzials für ein Sequel, eigentlich war "28 Weeks Later" von vornherein ein zwiespältiges Anliegen. Danny Boyle's Film bestach in erster Linie durch seine außergewöhnliche Mischung aus genrespezifischen Zutaten und gleichzeitig dem Abweichen von ausgetrampelten Pfaden. Bei ihm standen die Figuren, das Szenario und dessen Auswirkung im Fokus, weniger Action und Gore. Dieser Weg ließ sich kaum noch einmal so bestreiten und so kam es auch. "28 Weeks Later" ist viel deutlicher der Genrefilm, von dem sich der Erstling in vielen Punkten noch entfernt. Das muss nicht zwangsläufig negativ sein, doch gerade im direkten Vergleich fällt die Fortsetzung deutlich ab. Obwohl sich Fresnadillo als Regisseur alle Mühe gibt. Nur das Skript (an dem er auch mitwirkte) ist meilenweit entfernt von der Vorlage und ist selbst unter weniger kritischen Gesichtspunkten eher durchschnittlich.


 
Die Infizierten sind nicht wasserscheu
In Sachen Tempo und Blutzoll geht "28 Weeks Later" - wie zu erwarten - mehr in die Offensive als der oft nur subtil-bedrohliche Vorgänger. Allein die Eröffnungsszene steht stellvertretend dafür. Die ist handwerklich blitzsauber gemacht, toll gefilmt, stimmungsvoll, alles kein Problem. Nur ist sie eigentlich auch das Highlight des Films. Danach wird sich zwar um einen Aufbau der Geschichte bemüht, das infizierte Pack nicht zu früh aus dem Sack gelassen, nur letztendlich wartet man als Zuschauer nur darauf. Was dann folgt, ist relativ einfallslos und enttäuscht zum Ende hin leider sehr. Rasant-knackig ist das alles, keine Frage, nur die Geschichte und ihre Figuren sind vielleicht nur halb so interessant wie bei Danny Boyle. Unterhaltsam und technisch gut umgesetzt ist "28 Weeks Later", kann nur nie dieses Unbehagen und Mitfiebern erzeugen wie fünf Jahre zuvor. Der Cast ist wirklich gut, die Effekte zünftig und sehenswert, langweilig wird es keine Sekunde. Aufgrund der großen Fußstapfen aber alles nur ganz okay und irgendwie ein gezwungenes Sequel, das statt ruhiger Spannung, moralischen Zwiespälten und ernsthaft bewegenden Momenten eher auf schnelle Schnitte, blutiges Make-Up und einen erhöhten Leichenberg setzt. Für das Genre sicher nicht fehl am Platz, nur eben kein Hit mehr.


"28 Weeks Later" ist kein schlechter Film, nur geht genau so schnell und gut rein wie zügig wieder raus, da bleibt nicht viel hängen. Sehr gehobener Durchschnitt mit guten Momenten in einer leider sehr belanglosen und an entscheidenden Stellen nicht ausgiebig genug genutzten Geschichte. Interessante Aspekte, wie z.B. die Motivation von Robert Carlyle's Figur und dessen innerliche Konflikte (vorher und nachher) werden allenfalls angerissen, aber dann nicht vernünftig auf den Punkt gebracht. Schade, da wäre mehr drin gewesen. So ordentlich das alles aussieht, es fehlen diese prägnanten Momente, dieses gewisse Etwas. Solider Film für Fans des Genres generell, aber nicht für alles Fans von "28 Days Later".


6 von 10 gescheiterten Neustarts


von JackoXL