Posts mit dem Label Diane Kruger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Diane Kruger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: DAS VERMÄCHTNIS DER TEMPELRITTER – Schnitzeljagd durch die amerikanische Historie

Keine Kommentare:


Fakten:
Das Vermächtnis der Tempelritter (National Treasures)
USA. 2004. Regie: Jon Turtletaub. Buch: Jim Kouf, Cormac Wibberley, Marianne Wibberley. Mit: Nicolas Cage, Justin Bartha, Diane Kruger, Sean Bean, Jon Voight, Harvey Keitel, Christopher Plummer, Oleg Taktarov, David Dayan Fisher u.a. Länge: 126 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Benjamin Franklin Gates und sein Gefährte Riley sind auf der Suche nach dem Schatz der Tempelritter. Im ewigen Eis finden sie einen wichtigen Hinweis, doch ihr Geldgeber Ian verrät und versucht sie zu töten. Die beiden können entkommen und findet heraus, dass die Antwort auf die Frage wo der Schatz ist, sich auf der Unabhängigkeitserklärung befindet. Um an diese heran zu kommen, bittet Benjamin seine Ex Abigail um Hilfe.





Meinung:
Jerry Bruckheimer ist einer der begehrtesten Superstars im Film- und Fernsehwesen. Dabei hat sich der mit deutsch-jüdischen Wurzeln ausgestattete Detroiter weder als großer Schauspieler einen Namen gemacht, noch hat er sich durch seine flinke Fingerfertigkeit als Regisseur auszeichnen können. Bruckheimer hingegen gehört zur A-Liga der Produzentenriege und ist seit den 1980er Jahren, in denen er kostbare Verträge mit Paramount Pictures und Disney unterzeichnete, die erste Wahl, wenn es um tosende Sommer-Blockbuster geht. Ob „Top Gun“, „Armageddon“ oder auch die „Fluch der Karibik“-Trilogie: Jerry Bruckheimer mischte bei ihnen allen mit; doch das ist nur ein kleiner Einschnitt in seine reichhaltigen Event-Kino-Partizipation. Man kann sich aber fast immer sicher sein, wenn man es mit einer Bruckheimer-Produktion zu tun bekommt, gibt es auch ordentlich Krawumm zu bestaunen. Das Problem ist ja bekanntlich nur, dass computergeneriertes Getöse nicht immer gleichzusetzen mit einer echten (Spaß-)Sause ist.


Lauf Nicolas, lauf!
„Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist auf den ersten Blick bereits als waschechte Jerry Bruckheimer-Produktion zu enttarnen, gehört aber zu den Werken, die sich weder richtig loben lassen wollen, noch den klaren Groll auf sich ziehen. Regisseur Jon Turteltaub („Last Vegas“), dessen Filmographie weder Fisch noch Fleisch ist, bekommt es mit dem Drehbuch von „Das Vermächtnis der Tempelritter mit einem mal mehr, mal weniger drängenden „Indiana Jones“-Plagiat zu tun. Nicolas Cage („Tokarev“), der als Benjamin Franklin Gates selber über acht Ecken Teil der amerikanischen Geschichte ist, stellt sich in die Tradition seiner Familie und begibt sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Schatz der Tempelritter. Verankert werden die Hinweise auf jenen Schatz vom Skript dann im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, vom Nationalarchiv der Vereinigten Staaten, der Independnce Hall, der Trinity Church, bis hin zu den interessant-konstruierten Geheimräumen unterhalb des Friedhofes. „Das Vermächtnis der Tempelritter“ jongliert dabei durchweg mit Chiffren und möchte den Zuschauer zum großen Rätselraten animieren.


Der Zuschauer heftet sich an die Fersen von Nicolas Cage, Diane Kruger („Inglourious Basterds“) und Justin Bartha („Hangover 3“), die gewiss keine schauspielerische Höchstleistungen glänzen, aber den Umständen entsprechend agieren. Über ein Gros seiner Handlung erstreckt sich „Das Vermächtnis der Tempelritter“ dann auch mit jeder Menge Tempo und weiß durchaus zu unterhalten, auch wenn Wendungen immer absehbar bleiben und unsere Hauptdarsteller von den Bösewichten selbst aus einem Meter Entfernung prinzipiell verfehlt werden. Etwas gehemmt wird die gute Stimmung allerdings spätestens in den letzten 40 Minuten, wenn sich bereits ein ordentlichen Maß an Zufällen und Last-Minute-Rescues angehäuft haben, diese in ihrer überspitzten Integration dann jedoch nur noch störend auffallend. „Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist gewiss nie wirklich spannnend, weil er sich doch immer als familientaugliche Schnitzeljagd mit vorhersehbarem Ausgang versteht, doch diese sich zunehmend häufenden Zwischentöne sind im letzten Drittel mehr als lästig. Dass hier auch zum Teil der symptomatische Patriotismus leibt und lebt, muss wohl kaum noch erwähnt werden. Unterhaltsam aber bleibt der Film.


5 von 10 historischen Bifokalbrillen


von souli

Review: INGLOURIOUS BASTERDS - Das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit

Keine Kommentare:


Fakten:
Inglourious Basterds
USA. BRD. 2009. Regie und Buch: Quentin Tarantino. Mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Diane Kruger, Til Schweiger, Eli Roth, Daniel Brühl, Michael Fassbender, Gedeon Burkhard, August Diehl, Mike Myers, Sönke Möhring, Sylvester Groth, Jacky Ido, Martin Wuttke, Samm Levine, Julie Dreyfus, Christian Berkel, B.J. Novak, Omar Doom, Bo Svenson, Ken Duken, Volker Zack Michaelowski, Rod Taylor, Alexander Fehling, Enzo G. Castellari, Jana Pallaske, Ludger Pistor u.a. Länge: 154 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Es war einmal in einen von den deutschen besetzten Frankreich: Lt. Aldo Raine ist stolzer Amerikaner und führt eine Truppe von eiskalten wie gewitzten Soldaten über die deutsche Grenze mit nur einem Ziel: Nazis töten und skallpieren. Als Aldos Truppe erfährt, das Hitler höchstselbst bei einem Filmpremiere in Paris anwesend ist wollen sie ihn und seine Entourage töten. Zu ihrem Glück hat die Betreiberin des Kinos auch noch eine offene Rechnung mit den Nazis.





Meinung:
Wer „Inglourious Basterds“ nun wirklich als inhaltlose Posse eines hochmütigen Spielkindes im Körper eines frenetisch gefeierten wie endlos ikonisierten Regisseurs stigmatisieren möchte und dem Film dazu einen pejorativen Umgang mit der internationalen Zeitgeschichte vorwirft, dem ist unter Umständen der Bezug zu einem ganz entscheidenden Kennzeichen im Œuvre Quentin Tarantinos abhanden gekommen: Die grenzenlose respektive kindisch-hemmungslose Cineastik. Natürlich hält sich „Inglourious Basterds“ nicht an historische Fakten, verkauft ein schwarzes Kapitel der Vergangenheit als episodenhaftes Märchen und will den zweiten Weltkrieg so nicht anhand von niedergeschriebenen Tatsachen aus staubigen Geschichtsbüchern festlegen, doch respektlos oder gar verachtungswürdig ist hier keine Sekunde der wie im Fluge verstreichenden 160-minütigen Laufzeit. Vor allem relativieren sich diese missbilligenden Urteile bereits dadurch, dass Quentin Tarantino in „Inglourious Basterds“ einzig und allein seine unnachahmliche Cinphilie gebündelt hat und in einem so effektiven wie intelligenten Rausch aus allen Rohren feuert, dass eine auf Sachverhalten beruhende Ernsthaftigkeit nun gar nicht infrage kommt. 

Auch Nazis mögen Spieleabende
Wenn man sich also einen Film von Quentin Tarantino ansieht, dann kann man sich wohlig auf Charaktere einstellen, die mit all der inszenatorischer wie rhetorischer Finesse auf Kult getrimmt wurden, einzelne und grandios proportionierte Kapitel, die sich wie ein Reißverschluss zusammenziehen, aber dadurch nie eine scheinheilige Doppelbödigkeit vorgaukeln wollen, um dem Zuschauer in irgendeiner Weise die eigene Überintelligenz zu verkaufen, und natürlich jede Menge grenzgenialer Dialoge, die belangloses Palavere als einnehmendes Faszinosum verpacken und dabei gerne gepaart mit Blut, Blei und Gewalt auftreten. Mit der Grundlage des zweiten Weltkrieges sollte es Tarantino dann vor allem im letzten Punkt nun wirklich nicht an möglichen Szenarien mangeln, auch wenn dem Videothekenjunkie gerne die despektierliche Gewaltverherrlichung angeheftet wird, in dem er die rohe Brutalität mit lockeren Sprüchen und fetziger Musik koppelt und ihr den eigentlichen Charakter entzieht. Wenn jedoch in „Inglourious Basterds“ Ennio Morricone ertönt und ein von Soldaten gefürchteter Basterd den Schädel eines Offiziers mit einem Baseballschläger zu Brei schlägt, dann glühen zwar die Augen des Zuschauers, doch von einer bedenklichen Apotheose kann nicht die Rede sein.


Hans Landa, the King of Cool
Tarantino stellt mit „Inglourious Basterds“ vor allem sein brillantes Verständnis in Sachen Perzeption und Interaktion mit dem Rezipienten unter Beweis, in dem er Sympathie, Antipathie, Begeisterung und Animosität nach Lust und Laune durcheinander würfelt und dem Zuschauer ihm wie einen treu-blöden Köter an der Leine folgen lässt, bis er sich schließlich im großen Finale selbst in die heiligen Hallen eines Lichtspielhauses wagt und seinem Publikum durch die jubelnden Gesichter des Naziregiments bei der Uraufführung des Propagandafilmes „Stolz der Nation“ den Spiegel vor Augen hält. „Inglourious Basterds“ ist eben nicht nur ein Spiel der verschiedenen Situationen im Mantel differenter Genre-Elemente, sondern auch ein mit den unterschiedlichen Perspektiven jonglierendes Glanzstück, in dem der Meister mit der markanten Kinnlade hinter der Kamera sozusagen den Weg nach Hause gefunden hat. Wenn die Flammen das Kino langsam verschlingen, dann ist das die größtmögliche Huldigung und der demütigste Kniefall, den Tarantino realisieren hätte können. Nicht nur die Nationalsozialisten scheitern an der Macht des Kinos, auch Tarantinos Leben würde wohl ohne das Medium Film keinerlei Sinn mehr machen.


Man muss sich dann noch einmal vor Augen halten, mit was für einem Cast Quentin Tarantino hier auffährt, ganz zu schweigen von der formalen Brillanz, dann zeigt sich erneut das hervorragende Händchen für die eigenwillige Schauspielerwahl, in der Tarantino inzwischen natürlich alle Türen offen stehen und engagiert werden kann, wer will. Mit einem Höchstmaß an Authentizität scheut sich der Titan nicht vor Untertiteln und besetzt seine Charaktere mit Schauspielern der passenden Nationalität. Ganz besonders schön, und das hat nichts mit falschen Nationalstolz zu tun, ist, dass die Schauspieler aus Deutschland endlich eine würdige Entfaltungsebene genießen dürfen und nicht in zweitklassigen Streifen unbedeutende Nebenrollen verkörpern müssen. Da glänzen Leute wie Daniel Brühl (!) Christoph Waltz (!!) und August Diehl (!!!!), dem die beste Szene des gesamten Filmes gehört, neben internationalen Speerspitzen wie Brad Pitt und Michael Fassbender, ohne sich mit despektierlichen Manierismen in den Vordergrund drängen zu wollen. „Inglourious Basterds“ ist eben noch genau der Film, den man von einer Marke wie Tarantino erwartet. Kudos.


8,5 von 10 Gläsern Milch


von souli


Hier geht’s zu einer weiteren Meinung

Review: SEELEN - Wo die Liebe hinfällt, wachsen in einem Körper zwei Seelen

2 Kommentare:


 
Fakten:
Seelen (The Host)
USA. 2013. Regie: Andrew Niccol. Buch: Andrew Niccol, Stephenie Meyer (Vorlage). Mit: Saorise Ronan, Max Irons, Jake Abel, Chandler Canterbury, Frances Fisher, Diane Kruger, William Hurt, Emily Browning, Scott Lawrence. Länge: 126 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. 11. 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
In geraumer Zukunft ist beinahe die gesamte Erdballbevölkerung den sogenannten Seelen zum Opfer gefallen, die sich als extraterrestrische Lebensformen in die Menschen einnisten, um das Leben dieser Person weiterzuführen. Eine Handvoll Personen setzt ich jedoch gegen die Übergriffe der Seelen zur Wehr und verschanzen sich in den tiefen Höhlen der entlegenen Wüstenberge – Ihre Unterlegenheit ist allerdings rapide. Unter den Protestierenden befindet sich auch Melanie, die sich auf einer Fußreise durch die neue Welt Hals über Kopf in den Schönling Jared verliebt, weniger Sekunde später der sogenannten Sucherin in die Fänge geht. Melanies Körper wird annektiert und soll durch die Seele der Wanderer ersetzt werden, Melanie stemmt sich mit aller Kraft gegen die Verdrängung, um ihrem Schwarm Jared nicht zu verlieren. Zusammen mit Wanderer kann sie fliehen, doch auch Wanderer verliebt sich schon bald und es kommt zu innerkörperlichen Konflikten…




Meinung:
Der Name Stephenie Meyer zählt seit dem seit dem Jahre 2006 wohl zu den bekanntesten weltweit. Warum Frau Meyer eine derartige Popularität genießen und inzwischen auch genüssliche Bäder im  überquellenden Geldbunker nehmen darf, lässt sich mit einem Wort auf den Punkt bringen: „Twilight“. Ihre florierende Tetralogie rundum die Dreiecksbeziehung zwischen Vampir Edward, Wolf Jacob und Mensch Bella war ein finanzieller Gassenhauer und konnte jede finanzielle Erwartungen problemlos sprengen. Selbstredend und mehr als verständlich waren auch die schnell folgenden Verfilmungen, die Robert Pattinson und Kristen Stewart zu Teenie-Idolen und Taylor Lautner zum Posterboy modellierten. Das Box-Office-Resultat stand am Ende für 5 Filme bei beachtenswerten 1,3 Milliarden Dollar und „Twilight“ hat sich seinen Rang als einer der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten ohne Frage gesichert.


Junge Liebe im Nirgendwo
Stephenie Meyer hat nach diesen exorbitanten und mehrfach ausgezeichneten Kassenschlagern den Stift natürlich nicht aus der Hand gelegt und im Jahre 2008 ihren Sci-Fi-Liebes-Roman „Seelen“ auf den Markt gebracht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Erfolg nicht immer mit Qualität gleichzusetzen ist, dass ist aber natürlich nicht nur in Adaptionsbereichen der Fall, in dem ein erfolgreicher Roman auf die Leinwand manövriert wird, um die Kassen klingeln zu lassen, sondern auch im Filmgeschäft per se, man denke nur an die sämtlichen Bockbusterschinken, die sich von „Transformers“ bis „Battleship“ durch die Kinematographie bewegen und die Massen anziehen. Aus welchem Grund? Der Wunsch nach dumpfer Unterhaltung und großen Schauwerten siegt. Verwerflich ist das nicht, nur sollte ein derartiger Blockbuster doch einen Funken Seele besitzen und nicht nur als langweilige Materialschlacht über die Leinwände flimmern. Mit „Twilight“ (Buch und Film) war es natürlich ähnlich. So erfolgreich das Buch auch war, qualitativ hervorstechend und rhetorisch eindrucksvoll waren sie allesamt nicht. Im Fall von „Seelen“ scheint jedoch endlich Gerechtigkeit aufzuflammen: Der Film war ein kommerzieller Flop und hat sich diese Brandmarkung auch redlich verdient.


Dabei ist es wieder ein äußert trauriger Anblick, wenn wirklich fähige Leute für ein unbrauchbar umgesetztes Format wie „Seelen“ vergewaltigt werden. Das fängt auf dem Regiestuhl mit Andrew Niccol an, der einst mit Filmen wie „Gattaca“ oder „Lord of War“ wirklich großartige Werke inszeniert hat und seinen Feinsinn für Atmosphäre und Dialoge eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Sein Talent für Sci-Fi-Ornamente war es wohl auch, das ihm die zweifelhafte Ehre erweis, den Regiestuhl des „Twilight“-Epigonen „Seelen“ zu besetzen. Wenn man den Vergleich zwischen „Gattaca“ und „Seelen“ zieht, dann lasst sich leicht erkennen, dass Niccol mit „Gattaca“ eine eigene Vision besaß, der er die Sterilität dieses Zukunftsbildes hervorragend anpassen konnte, ohne geleckt oder aufgesetzt zu wirken. In „Seelen“ schreit die monochrome Asepsis nach Studiofront und artifizieller Kalibrierung, die jede Stimmung eliminiert. Gleiches gilt natürlich auch für das Ensemble, denn wo sich Saorise Ronan sichtlich bemüht agiert, dem schwachen Drehbuch aber unterliegt und William Hurt als bärtiger Rebellenanführer gänzlich verschenkt ist, frönt der restliche Cast mutwillig die Arbeitsverweigerung.


Mit der Sucherin (Diane Kruger) ist nicht zu spaßen
Die Ausgangslage ist dabei gar nicht mal so uninteressant, wie sie oftmals gemacht wird: Ein dystopischer Kontext, in dem die Bodysnatcher die Überhand gewinnen und dadurch einen seelischen Konflikt in einem Körper kreieren, der das Plateau für emotionale Kontroversen darstellt. Storytechnisches Potenzial  ist vorhanden, nur kämpft „Seelen“ mit gravierenden Defiziten, die dem Film von Beginn an untersagen, wirklich etwas aus dem ansprechenden zu fabrizieren. Das große Problem ist, dass weder die Inszenierung noch die Schauspieler oder das Drehbuch es wirklich schaffen, Gefühle zu evozieren und dem Zuschauer zu verdeutlichen, dass er es hier  mit Charakteren zu tun bekommt, die unter ihrer blassen Oberfläche affektive Schichten besitzen. Letztlich versagt auch „Seelen“ erneut an seiner Charakterisierung der Protagonisten, denn obgleich der Kampf um das Überleben beginnt, die zweisame Stille einkehrt, oder der Konflikt zwischen Melanie und Wanda wieder in den Mittelpunkt gerückt wird: Es ist einfach ausdruckslos und vollkommen indifferent. Ganz zu schweigen von sämtlichen Logiklöchern, der abgeschotteten Mormonenideologie und jeder Menge Schmalz, die in dieser Form aber wohl von Anfang an zu erwarten waren.


Fazit: Wo sich der sehnsüchtige Wunsch nach formidablem Eskapismus in der adaptierten Belletristikperistase bereits nach wenigen Minuten jeden Reiz entzieht, weiß „Seelen“ weder seine Genre-Motive akkurat zu chiffrieren, noch die seelische Rivalität innerhalb der Fusion mit zwischenmenschlichem Gewicht auszuformulieren. Gefühle werden im prasselnden Regen vorgegaukelt, für den Zuschauer aber nie deutlich gemacht, genau wie die dystopische Grundbedrohung der Lage keinerlei Spannung aufkommen lässt, wenngleich sich die Inszenierung Niccols' zwar angenehm zurückhalten möchte, um nicht im tosenden Actiondonnerhall unterzugehen, die Kehrseite der Medaille jedoch ist, dass der Film sich über die gesamte Laufzeit in seiner ganzen Trägheit von A nach B schleppt und keinerlei Höhepunkte zu bieten hat. Die Belanglosigkeit siegt und wenn die Imagine Dragons ihren neusten Hit im Abspann jodeln durften, ist von den vergangenen 130 Minuten rein gar nichts Nennenswertes geblieben.


3 von 10 Knutschattacken im prasselnden Regen


von souli

Review: MR. NOBODY (Director's Cut) - Jared Letos fragmentarische Suche nach dem richtigen Schritt

Keine Kommentare:

Fakten:
Mr. Nobody
Frankreich, Belgien, Deutschland, Kanada. 2010. Regie und Buch: Jaco Van Dormael. Mit: Jared Leto, Diane Kruger, Sarah Polley, Juno Temple, Toby Regbo, Linh Dan Pham, Rhys Ifans, Thomas Byrne, Clare Stone Natasha Little, Michael Riley, Daniel Mays, Allan Corduner Anders Morris, Emily Tilson u.a. Länge: 138 Minuten (Kinofassung), 155 Minuten (Director’s Cut, nur auf Blu-ray erhältlich). FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Menschheit hat im Jahre 2092 endgültig den Tod besiegt und erfreut sich an ihrer Unsterblichkeit. Der 118 Jahre alte Nemo Nobody ist der letzte sterbliche Mensch und versucht kurz vor seinem Ende sich an sein Leben zu erinnern.




Meinung:
Jede ernstzunehmende Rezension sollte dem pietätvollen Ziel folgen, einem bestimmten Film mit der nötigen Seriosität und Fairness zu begegnen, auch wenn das affektive Verdammen so manches Mal von befreiender und verführerischer Natur erscheinen mag, im Gegensatz zu einer fundierten Auseinandersetzung mit dem abgeschlossenen Werk. Geht man dieser kompromissvollen Prämisse strikt aus dem Weg und lässt sich dennoch zu einem rhetorischen Frustabbau hinreißen, sollte man sich – wie immer – darüber im Klaren sein, das die Subjektivität in jedem Maß dem objektiven Kriterium abgeschworen hat. „Mr. Nobody“ bietet sich unter diesem Gesichtspunkt als leichte Beute für einen von nachhaltiger Wut und Enttäuschung gezeichneten Verriss an, damit würde man letzten Endes aber nicht nur der eigentlichen Intention des Drehbuches Unrecht tun, sondern auch der inszenatorischen Umsetzung des Filmes.


Über „Mr. Nobody“ lässt sich in komprimierter Simplizität mit Leichtigkeit behaupten, dass der Film schlussendlich genau das geworden ist, was er auch sein möchte – Und das ist in diesem Fall keinesfalls despektierlich gemeint. Eigentlich ist dieses Siegel doch eine vollständige Befriedigung für jeden ambitionierten Filmemacher. Es gibt nur ein gravierendes Problem: Die Rezipienten, ihre Auffassungsgabe und der damit zusammenhängende individuelle Geschmack. Der wiederhallende Vorwurf, „Mr. Nobody“ würde auf seinem anspruchsvollen Philosophieplateau versagen, weil er diese Thematik nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Tiefendurchleuchtung verarbeitet, ist von vornherein schon nicht gerechtfertigt, da Regisseur und Autor Jaco van Dormael zu keiner Zeit den Anspruch hegt, hier eine weitreichende Abhandlung über die Existenzbedeutung des Individuums mit essentiellen Mehrwert abzuliefern. Genauso wenig nachvollziehbar ist die Argumentation, „Mr. Nobody“ für seine aseptische Optik anzukreiden.


Hat man nun das Glück und kann sich gänzlich auf „Mr. Nobody“ einlassen, so wird einem eine zuckersüße Sentimentalitätenbombe par excellence geboten. Darf man jedoch nicht Teil dieses unmethodischen Hochgefühls werden, bleibt auch das Herz über die gesamte Dauer verschlossen und die Geschichte rundum Nemo, den folgenschweren Entscheidungen seines Lebens, wissenschaftlichen Bezugspunkten und großen Mengen an zwischenmenschlichen Implosionen und Explosionen, entpuppt sich nur als klebriges „Was wäre wenn“-Prinzip, das jegliche Segmente aus allen kinematographischen Himmelsrichtungen zusammenkratzt und sich in seinen nährwertlosen Zuckerwattemantel einkuschelt. Der emotionale Einklang zwischen der Illusion und dem Betrachter greift nicht ineinander, jede Anekdote gleicht schwammigen Pseudo(Intellektualität) und die 155 Minuten verstreichen zwar schmerzlos, dafür aber immer wieder mit einem gewissen Bruchteil an unfreiwilliger Komik und konzipierter Leere, die den Gesamteindruck einfach in die Bedeutungslosigkeit lenken, so lebensbejahend und schön die (Liebes-)Botschaft unter dem überladenden Durcheinander auch sein mag.

4 von 10 abergläubischen Tauben

von souli