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DIE IRRE HELDENTOUR DES BILLY LYNN – Große Show, wenig Emotionen

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Fakten:
Die irre Heldentour des Billy Lynn (Billy Lynn's Long Halftime Walk)
USA. 2016. Regie: Ang Lee. Buch: Jean-Christophe Castelli, Simon Beaufoy, Ben Fountain (Vorlage). Mit: Joe Alwyn, Garrett Hedlund, Vin Diesel, Steve Martin, Chris Tucker, Kristen Stewart, Arturo Castro, Mason Lee, Astro, Beau Knapp, Ismael Cruz Córdova, Barney Harris, Makenzie Leigh, Ben Platt, Bruce McKinnon, Deirdre Lovejoy u.a. Länge: ca. 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 2. Februar 2017 im Kino.


Story:
Nach einem schrecklichen Gefecht im Irakkrieg werden der 19-jährige Soldat Billy Lynn und seine Kameraden als Helden gefeiert und auf eine landesweite Siegestour durch die USA geschickt. Doch nach und nach geraten die wahren Geschehnisse am Golf ans Licht und die Enthüllung findet ihren Höhepunkt während der spektakulären Halbzeit-Show eines Football-Spiels an Thanksgiving. Die amerikanische Feier-Euphorie ist meilenweit von der Realität des Krieges entfernt...




Kritik:
Zu Beginn des Jahres 2017 starten gleich zwei Kriegs- bzw. Antikriegsfilme in Deutschland, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Mel Gibsons "Hacksaw Ridge" seinen Protagonisten als Kriegshelden heroisiert, erschafft Ang Lee mit "Die irre Heldentour des Billy Lynn" (Billy Lynn's Long Halftime Walk) einen krassen Gegenentwurf dessen und stellt die Frage, ob es im Krieg überhaupt Helden geben kann. Doch gehen wir einen Schritt zurück. Der zweifach oscarprämierte Regisseur Ang Lee hat sich seit seiner Zeit in Amerika immer wieder uramerikanischen Themen, wie Superhelden, Cowboys oder auch Woodstock gewidmet. In seinen Filmen beweist Lee nicht nur ein tiefes Verständnis für die amerikanische Kultur, sondern reflektiert über diese auf eine Art und Weise, wie es wohl nur ein Außenstehender zu tun vermag. Seine Werke sind eben keine typischen Superhelden- oder Cowboyfilme, sie entwickeln sich über das eigentliche Genre hinaus und werden zu etwas neuem, etwas größerem. Angesichts dessen ist die Erwartung an einen Antikriegsfilm von Lee, insbesondere zu Zeiten von furchtbaren Machwerken wie "Hacksaw Ridge", immens hoch. Doch auch wenn man Lee die Risiken, die er bei diesem Film eingegangen ist positiv anrechnen muss, ist er leider an seinen Ambitionen und wohl auch der hohen Erwartungshaltung der Zuschauer gescheitert.


Aber widmen wir uns erst einer der größten Stärken des Films – der Inszenierung. Ang Lee hat schon mehrfach bewiesen, dass er auf dem Regiestuhl wahre Wunder vollbringen kann. Seien es die atemberaubenden Kampfsequenzen in "Tiger & Dragon", die emotionale Kraft von "Brokeback Mountain" oder die unnachahmliche Schönheit von "Life of Pi". All diese Filme verdanken Lee einen Großteil ihres Erfolgs. Billy Lynn reiht sich problemlos in diese Riege von inszenatorischen Meisterleistungen ein. Dabei sticht vor allem die Szene hervor, in der Billy und seine Kumpanen in der titelgebenden Halbzeitshow auftreten müssen. Lee hat hier zu jedem Zeitpunkt die volle Kontrolle über das was der Zuschauer sieht – oder in diesem Fall eben nicht sieht – um damit die größtmögliche Wirkung zu erzielen. Genau diese Szene wird auch am Ende des Jahres zu dem besten aus 2017 zählen. Doch ähnlich wie schon bei "Life of Pi" hatte der Regisseur die Ambition, die technischen Aspekte des Films auf eine neue Ebene zu bringen. Anstatt mit 24 fps (Bildern pro Sekunde) filmte er Billy Lynn mit sage und schreibe 120 fps. Damit erreicht der Film mehr als die doppelte Anzahl an Bildern pro Sekunde, die der bisherige Rekordhalter "Der Hobbit" mit seinen 48 fps erreicht hatte. Als Gründe für diese technische Neuerung nannte Lee, dass er eine noch eindringlichere und realistischere Kinoerfahrung erzeugen wolle. Glaubt man den Kollegen aus Übersee – und das muss man, denn der Film kann weltweit in nur 6 Kinos in 120 fps gezeigt werden und keines dieser Kinos befindet sich in Europa – stört diese neue Technik eher das Sehvergnügen, als es zu bereichern. Zuschauer bemängelten das flache 3D und den teilweise hyperrealistischen Charakter der Bilder, der einen immer wieder aus dem Geschehen reißt. Die 120fps waren also ein Risiko, welches sich nicht ausgezahlt hat und vom Großteil der Zuschauer ohnehin nicht wahrgenommen werden kann.


Mit seinen Castingentscheidungen ging Lee dann ein weiteres Risiko ein. Joe Alwyn wurde für den Film nur zwei Tage nach seinem Abschluss an der London Royal Central School of Speech and Drama gecastet. Ein junges und unverbrauchtes Gesicht als Hauptdarsteller eines so großen Films zu wählen, beweist Mut seitens der Verantwortlichen. Mut, der ich aber leider nur zum Teil auszahlt. Während Alwyn zwar eine schauspielerisch tolle und sehr nuancierte Leistung abliefert, fehlt es ihm leider an Charisma, um einen so schweren Film auf seinen Schultern zu tragen. Zu seinem Glück funktioniert aber die Dynamik zwischen ihm und den anderen jungen Soldaten so gut, dass sie ihm einen Teil der Last abnehmen können. Auch in weiteren Nebenrollen besticht der Film mit ungewöhnlichen Castingentscheidungen. Während Vin Diesel als Sympathieträger mit nur wenigen, dafür aber sehr prägnanten Szenen eine durchaus nachvollziehbare Wahl ist, muss man sich fragen, was Ang Lee dazu bewogen hat, Kristen Mouthbreather Stewart als Schwester von Billy in Erscheinung treten zu lassen. Sie erfüllt zwar mit Ach und Krach ihren Zweck, bringt aber nicht ansatzweise das emotionale Gewicht zur Rolle, das benötigt wird. Ultimativ bricht der Cast leider unter dem immensen Gewicht des Films zusammen. Beschreibend für diesen Zustand ist, dass gerade Antischauspieler Vin Diesel eine der emotionalsten Szenen des Films zu verdanken ist.


Doch auch wenn sich die Risiken nicht ausgezahlt haben, kann Billy Lynn doch noch ein guter Film sein, oder? Nun ja, hätte sich jemand anders dem Drehbuch an- und im Vergleich zum Roman von Ben Fountain einige Veränderungen vorgenommen, dann hätte Billy Lynn vielleicht trotz all seines verfehlten Potentials ein guter Film werden können.Leider versteht sich der oscarprämierte Autor Simon Beaufoy ("Slumdog Millionär") aber nicht darin, die emotionale Bandbreite des Stoffs auf die Seiten des Drehbuchs zu übertragen.Was am Ende bleibt ist ein Film mit viel Potential, der aber an seinen eigenen Ambitionen scheitert und dem eine essenzielle Zutat für ein gutes Drama fehlt – Emotion.

4,5 von 10 I Love Yous

von Tobias Bangemann

Review: EIN TICKET FÜR ZWEI & ALLEIN MIT ONKEL BUCK – John Hughes inszeniert John Candy

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Fakten:
Ein Ticket für Zwei (Planes, Traines & Automobiles)
USA. 1987.
Regie und Buch: John Hughes. Mit: Steve Martin, John Candy, Laila Robins, Kevin Bacon, Dylan Baker, Michael McKean, Larry Hankin, Richard Herd, Edie McClurg u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Eigentlich will Werbefachmann Neal Page kurz vor Thanksgiving nur zügig von New York nach Chicago zu seiner Familie, doch das gestaltet sich als nervenaufreibendes und schier auswegloses Unterfangen. Alles beginnt mit dem Taxi, dass ihn der tapsige Duschvorhangvertreter Neil Griffith vor der Nase wegschnappt. Der Auftakt zu einer chaotischen Odyssee, die den gestressten Business-Man und den dauerquasselnden Elefant im Porzellanladen durch Gevatter Zufall zu Weggefährten wider Willen macht.





Meinung:
Aus dieser einfachen Prämisse macht John Hughes tatsächlich eine der besten Komödien der 80er, da er nicht nur auf das enorme Talent und die harmonische Chemie seiner Zugpferde Steve Martin und John Candy bauen kann, sondern ganz speziell seine Vorzüge als Regisseur gekonnt ausspielt. Hohes, dennoch niemals überdrehtes Tempo und perfektes Timing der Gags ist fast nur ein Teilaspekt, denn wenn Hughes etwas konnte, dann seine Figuren nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Er macht sich über Situationen lustig, sogar mit ausgeprägter Schadenfreude, allerdings nicht über Menschen und ihre Schwächen. Sein Personal wird nicht fahrlässig zu Clowns und Hampelmännern degradiert, die am Boden des oft trüben Comedy-Beckens nach schmutzigen, Fäkal-getränkten Lachern fischen. Zwischenmenschliche, herzliche Momente sind nicht aufgesetzt und oberflächlich, sie sind aufrichtig ernst gemeint. So ernst, wie sich Hughes seinen liebevoll skizzierten Figuren widmet. Mit einer sanften Tragik veredelt, dennoch zu keiner Sekunde schwermütig, kommt er nicht mit der groben Zuckerwatte-Kelle daher, unterhält stattdessen blendend und rührt mit einer stets nachvollziehbaren Empathie. Ein schwungvoller, immer wieder unterhaltsamer Spaß, mit dem Hughes bewiesen hat, dass er mehr war als der Teenie-Versteher.


7,5 von 10 verkohlten Kreditkarten


von JackoXL




Fakten:
Allein mit Onkel Buck (Uncle Buck)
USA. 1989. Regie und Buch: John Hughes.
Mit: John Candy, Jean Louisa Kelly, Macauly Culkin, Gaby Hoffmann, Laurie Metcalf, Amy Madigan, Elaine Bromka, Garret M. Brown, Mike Starr u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Da der Großvater schwer erkrankt ist, fahren die Eltern von Tia, Miles und Maizy für einige Tage weg. Da sich kein Babysitter finden lässt, übernimmt Buck, der Bruder des Vaters, den Job. Buck ist ein liebenswerter Chaot, der vor allem mit Tia, der ältesten Tochter, schnell aneinander gerät.





Meinung:
John Hughes hat uns mit seinen Teenie-Filmen immer wieder tief in die Seele der adoleszenten Protagonisten schauen lassen und damit auch die individuelle Phase der großen Veränderungen reflektiert, in der ein jeder mühsam die Hürden bis zur Eigenakzeptanz überwinden musste. Dass Hughes aber nicht nur den Kummer der Heranwachsenden bestens verstand, sondern auch die Erwachsenenwelt, manifestierte er mit seinem unglaublichen Sinn für Timing bereits in „Ein Ticket für zwei“. In „Allein mit Onkel Buck“ verknotete er quasi diese beiden motivischen Aspekte, in dem er John Candy als Buck mit der in der Blüte der Pubertät stehenden Tia, gespielt von Jean Louisa Kelly, kollidieren lässt. Wiedermal beeindruckend ist es, wie es Hughes scheinbar spielend gelingt, zwischen seriösen wie komödiantischen Passagen hin- und herzuspringen. Der Elefant im Porzellanladen, der – Klischee muss sein – sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, rückt den Haussegen in der Familie Bruders durch seine tollpatschige, aber immer aufrichtige Art wieder gerade und findet dadurch selber den verlorengeglaubten Halt in seinem Leben zurück. „Allein mit Onkel Buck“ kombiniert all die Stärken Hughes' vorheriger Filme und ebnet sich als ehrlich-einfühlsame Komödie den Weg in die Herzen seines Publikums.


7 von 10 Geburtstagspfannkuchen


von souli

Review: VATER DER BRAUT & VATER DER BRAUT 2 - Ein Vater sieht rot

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VATER DER BRAUT (1991)

Ob ein Remake des Vincente Minnelli Klassikers „Vater der Braut“ mit Spencer Tracy und Elizabeth Taylor nun wirklich Not getan hätte, sei einfach mal dahingestellt. Im Kontext der ewigen Debatten um die Daseinsberechtigung beliebiger Neuauflagen, ist Charles Shyers „Vater der Braut“ sicher eines der Positivbeispiele. Warum das so ist? Es ist dieses ungeheuer sichere Handling, mit dem sich das Drehbuch seiner Thematik widmet, ohne dabei jemals Gefahr zu laufen, in die austauschbare Gefilde der RomCom-/Familiengrütze zu rutschen. Dass „Vater der Braut“ unentwegt seinen immensen Charme versprühen und durchweg für Pläsier sorgen darf, liegt fraglos an Steve Martins energiegeladener Darbietung des George Stanley Banks. Ihm allein gehört die große Bühne, seine Mimik ist zuweilen zum Schreien und dank ihm verzeiht man dem Film die ein oder andere Rührseligkeit selbstredend. Letztlich gehört „Vater der Braut“ natürlich ohne Frage der Gattung 'Konservatives Feel-Good-Movie' an, dafür ist er aber einer der stärksten (und witzigsten) Vertreter dieser Klasse.


6,5 von 10 Schwänen in der Badewanne


EIN GESCHENK DES HIMMELS - VATER DER BRAUT 2 (1995)

Vincente Minnelli hat nur ein Jahr gebraucht, um „Vater der Braut“ mit „Ein Geschenk des Himmels“ eine Fortsetzung zu bereiten; Charles Shyer hingegen ließ sich ganze vier Jahre Zeit – Und fiel trotzdem auf die Nase. Nach dem (berechtigten) kommerziellen Erfolg des Erstlings waren die Erwartungen dementsprechend hoch, und sicherlich ist „Ein Geschenk des Himmels – Vater der Braut 2“ kein Totalausfall, was erneut fast ausschließlich an Steve Martin gelegen ist, der wieder sichtlich Freude an seiner Rolle zeigt. Doch vom Esprit des ersten Teils ist hierbei über weite Strecken wenig zu sehen und das Drehbuch mischt die mannigfachen Problematiken um das verkaufte Eigenheim, die doppelte Schwangerschaft, die Wechseljahre wie die Midlife-Crisis zumeist äußerst flügellahm in das obsolete Konzept vom Traum einer 'Heilen Welt'. Die aufgewärmten Gags haben dann und wann Retorten-Charakter, Kieran Culkin als mittleres Kind ist dem Film so dermaßen egal (Ein Wink mit dem Zaunpfahl?) und dass Martin Short als extravaganter Wedding-Planer eine bedeutend größere Screentime zugesprochen bekam, war abzusehen, entpuppt sich aber als vehementer Störfaktor. Nichtsdestotrotz ein erträglicher, aber sicherlich kein sonderlich guter Film.


5 von 10 schwitzenden Schwangeren


von souli

Specials: Unser OSCAR-ABC - Von Ups, Downs, Flitzern und Erich Kästner

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Heute Nacht ist es mal wieder soweit: Oscar-Nacht. Um euch auf das große Event einzustimmen präsentieren wir euch unser Oscar-ABC. Viel Vergnügen.




A wie „and the Oscar goes to“. Ursprünglich wurde der Gewinner eines Academy Awards mit dem Worten „and the Winner is“ verkündet. Doch ab 1989 wurde dies geändert, da die Academy der Meinung war, das diese Einleitung die Leistung der Nominierten, die ohne Oscars heimgehen müssen, zu sehr schmälern würde. In den ersten Jahren gab es immer wieder Stars, die damit Schwierigkeiten hatten u.a. Sylvester Stallone. 2009 scherzte Steve Martin bei der Überreichung der Trophäe mit den Worten: „and the loser aren’t“. Die Academy war darüber angeblich nicht erfreut. Witzig war es dennoch.





B wie Berry und Bullock. Heute Glück, morgen Pech. Das eine Mal erfolgreich, das andere Mal missglückt. Hier überzeugend, dort eine Katastrophe. Ja, ein Oscar ist kein Ticket für ein Leben ohne Probleme und Häme. Halle Berry weiß das. Für ihre Leistung in „Monster’s Ball“ noch mit dem Academy Award ausgezeichnet, drei Jahre später, 2005, mit einer Goldenen Himbeere für „Catwoman“ abgestraft. Immerhin hatte Mrs. Berry ja noch etwas Zeit zwischen den Ups and Downs. Bei Sandra Bullock waren es gerade einmal 24 Stunden. 2010 bekam sie zuerst eine Goldene Himbeere für „Verrückt nach Steve“ und am nächsten Tag einen Oscar für „Blind Side“. Beide empfingen die Negativ-Auszeichnung übrigens persönlich, was selten ist, und hatten noch ein Ass im Ärmel. Halle Berry parodierte einfach ihre Siegesrede von 2002, während Sandra Bullock mit einem Bollerwagen voller „Verrückt nach Steve“-DVDs auf die Bühne kam und diese im Publikum verteilte.


C wie Charity Clooney. George Clooney ist nicht nur das smarter Darsteller, sondern auch als Spitzbube und politisch engagierter Bürger bekannt. Im Jahre 2006 erhielt er den Academy Award für die beste Nebenrolle in „Syriana“. Doch Clooney sorgte nicht nur deswegen für Aufsehen. Da jeder Nominierte nicht nur die Chance erhält einen Oscar zu gewinnen, sondern auch ein Haufen von hochwertigen Geschenktüten (diese beinhalten u.a. Laptops, teures Parfüm usw.), nutze er die Chance und versteigerte diese medienwirksam auf eBay. Der Erlös ging an die Opfer des Hurrikans Katarina. Netter George.


D wie deutsch. Wenn ein deutscher Film nominiert ist, ist das Interesse unserer nationalen Presse natürlich immer etwas höher als sonst. Bis jetzt haben „Die Blechtrommel“ (1980), „Nirgendwo in Afrika“ (2003) und „Das Leben der Anderen“ (2007) einen Goldjungen in die Heimat gebracht. Aber auch abseits davon gab es eine Menge deutscher Preisträger. Bei der allerersten Verleihung war es sogar Emil Jannings, der für seine Hauptrolle in “Sein letzter Befehl“ in den allerersten jemals vergebenen Oscar für die beste männliche Hauptrolle bekam. Bis 2012 gab es übrigens über 40 deutsche Oscar-Preisträger.





E wie ein Dollar. Seit 1950 gibt es die Regelung, dass sich die Academy den Oscar für einen symbolischen Betrag von einem Dollar von einem Preisträger und deren Familie zurückkaufen kann. Damit will man verhindern, dass ein Preisträger die Trophäe verkauft und so dem Ruf des Oscars schadet. 2003 kam es deswegen zu einem Prozess. Orson Welles Tochter wollte seinen Goldjungen versteigern lassen. Die Academy klagte, aber verlor, denn Welles gewann seine Trophäe bereits 1942 für sein Script von „Citizen Kane“. Interessant: Trotz ihrem Sieg vorm Gericht sagte Welles Tochter die Versteigerung kurzfristig ab.


F wie Flitzer. Flitzer, dass nur schnell zu Erklärung, sind Menschen die bei großen Veranstaltungen wie etwa Fußballspielen den Ablauf dadurch stören, in de sie nackt über das Spielfeld rennen. Auch die Oscars hatten einen Flitzer. 1974, die Veranstaltung wurde von David Niven moderiert, huschte ein Nackedei über die Bühne. Ein echter Skandal? Vermutlich, wenn Niven es nicht trocken mit den Worten "Möglicherweise wird der Mann den einzigen Lacher, den er jemals bekommt dafür erhalten, dass er sich auszieht und anderen zeigt, wo er zu kurz gekommen ist" kommentiert hätte.


G wie Geld. Mit einem Oscar werden auch Filme ausgezeichnet, die keine Publikumslieblinge waren und finanziell gefloppt sind. Durch die Goldstatue werden aber genügend Leute ins Kino gelockt. Kurz: Ein Oscar macht aus einem leeren Kinosaal einen vollen. Diese Regel wurde 2010 aber gebrochen. Kathryn Bigelows „The Hurt Locker – Tödliches Kommando“ gewann zwar u.a. als bester Film und verwies sogar James Camerons „Avatar“ in seine Schranken, doch da der Film schon länger aus den Kinos verschwunden war, konnte der Academy Award nicht dabei helfen die Zuschauerzahlen und somit das Einspielergebnis zu erhöhen. Somit war „The Hurt Locker“ der erste mit einem Oscar für den besten Film ausgezeichnete Streifen, der im Kino nicht seine Kosten wiedereinspielen konnte.


H wie Host. In den ersten Jahren ihres Bestehens wurden die Preisverleihungen vom gerade amtierenden Präsidenten der Academy geleitet, bzw. moderiert. Danach wurde die Verleihung von mehreren Host geleitet. Erst 1980 gibt es einen prominenten Moderator, manchmal auch ein Duo. Der legendäre Bob Hope moderierte die Show ganze 17-mal und gilt bis heute als einer der besten Oscar-Hosts.





I wie Italien und Israel. Deutschland kann sich mit seinen drei Oscars für den besten ausländischen Film nicht beschweren. Israel wurde bis jetzt neun Mal für diese Kategorie nominiert und ging immer leer aus. Dem gegenübersteht Italien, die den Gewinner-Rekord halten. Ganze zehn Mal durfte sich Italien freuen. Der italienische Regisseur Vittorio De Sica bekam sogar 1948 den allerersten Oscar für einen nicht englischsprachigen Film, der bis 1957 noch als Ehrenoscar vergeben wurde. Bei den Academy Awards ist Italien also weltmeisterlich - auch ohne Elfmeter.


J wie John Williams.“Der weiße Hai“, „Star Wars“, „Indiana Jones“, „Superman“, „Kevin allein zu Hause“, „Harry Potter“. Alles Filmmusiken die sich ins Trommelfell eingebrannt haben. Dass so ein Ausnahmekomponist wie Williams einen Oscar gewonnen hat, sollte niemanden verwundern. Dennoch ist es schon erstaunlich, dass er die Trophäe fünfmal empfangen durfte und unglaubliche 43-mal nominiert war. Auch 2013 hat Williams Chancen auf einen Academy Award, für seine Musik zu „Lincoln“.


K wie Kästner. Erich Kästner ist eine Legende. Der Autor, Dichter und Denker schenkte uns unsterbliche Werke wie „Emil und die Detektive“ und er erhielt dreimal einen Oscar. Hä? Erich Kästner hat einen Oscar gewonnen? Ja, wenn auch nicht der große, deutsche Literat, sondern der große, deutsche Kamerakonstrukteur von Arri, der 1973, 1982 und 1992 einen Oscar für seine Arbeiten bekam.


L wie Liegestütze. Was zeichnet eine gute Rede aus? Die Emotionen? Die Dankbarkeit? Eine amüsante Note? Vielleicht hat sich diese Frage Jack Palance auch gestellt, als er 1992 für seine Nebenrolle in „City Slickers“ den Goldjungen bekam. Palance, der damals  72 Jahre alt war, entschied sich dafür sein sportliches Können unter Beweis zu stellen und vollführte ein paar Liegestützen. Einige sogar einarmig. Was für eine schöne Alternative.


M wie Maskerade. Zu den neueren Ritualen der Verleihung zählt, dass Ben Stiller in einem äußerst aufwendigen Kostüm, eines nominierten Films, einen Oscar verleiht. Egal ob als Na’Vi aus „Avatar“ oder Zwerg aus „Der Herr der Ringe“, Stiller zeigt sich optisch wandelbar. Anscheinend hatte er aber davon genug. Bei seinem letzten Oscar-Auftritt zeigte er sich in natura, ohne Kostüm und Schminke, aber selbst so erzeugte er einige Lacher. Stiller ist aber gewiss nicht der einzige „Verwandlungskünstler“. Whoopi Goldberg präsentierte sich als Host der Oscars ebenfalls sehr verwandelbar. Jede ihre Moderationen absolvierte sie in einem anderem, den nominierten Filmen, entsprechenden Outfit.





N wie Name. Wie der Academy Award zu seinem Namen Oscar kam? Nun, die Academy vertritt die Geschichte, dass einst eine Mitarbeiterin zu der kleinen Statue sagte, sie sehe aus wie ihr Onkel Oscar. Andere behaupten allerdings, der Name ging zurück auf Bette Davis (siehe Foto). Die glaubte nämlich dass der Award einem ihrer Ex-Männer ähnlich sieht. Was nun aber stimmt, weiß keiner. Es gibt aber noch wesentlich mehr Theorien zum Namen. Na ja, Hauptsache ist doch man kann die kühl klingenden Academy Awards mit einem einfachen, sympathischen Oscar abkürzen. Kaum zu glauben, dass die Academy Awards ganz offiziell immer noch nicht Oscar heißen und dass die Veranstalter in der Frühzeit der Verleihung mit diesem Spitznamen ganz und gar nicht glücklich waren.


O wie Ordnung. Als Prestige-Veranstaltungen von Rang und Namen achten die Veranstalter der Oscars natürlich auf Ordnung. Dazu zählt auch, dass die freien Plätze im Saal (das Kodak Theater, in dem der Preis die letzten Jahre verlieren wurde, hat stolze 3332 Sitzplätze) besetzt sind. Da aber immer der eine oder andere eingeladene Gast absagt und auch Hollywood-Stars mal aufs Klo müssen, engagiert die Academy seat fillers, die für ca. 120$/Stunde so tun als ob sie zum großen Hollywood-Zirkus dazugehören.


P wie Proteste. Große Stars im Publikum, Aufmerksamkeit en masse dank TV-Ausstrahlung und Presse, klar, ein Protest bei den Oscars lohnt sich. In der Historie der Awards gab es einige Proteste. 1973 kam es zum bekanntesten, als Marlon Brando seinen Oscar für seine Rolle in „Der Pate“ nicht persönlich abholte, sondern von einer Indianerin Sacheen Littlefeather. Damit wollte Brando gegen die schlechte Behandlung der amerikanischen Ureinwohner aufmerksam machen. Schon irgendwie ehrenwert, aber man könnte es auch so sehen: Wirst du nur lang genug schlimm behandelt, darfst du eines Tages einen Oscar abholen.


Q wie Quote. Mit einer Quote von 46% sind Dramen klar das erfolgreichste Genre bei den Academy Awards.


R wie Reinigung. Wenn ihr mal einen Oscar gewinnt und er euch durch ein Missgeschick in eine Schlammpfütze oder ins Katzenklo fällt, dann müsst ihr euch nicht abmühen. Ihr könnt euren Preis der Academy geben, diese reinigt ihn dann für euch. Aber Vorsicht, das kann auch schief gehen. Whoopie Goldberg, die ihre Trophäe für die Rolle des Mediums in „Ghost – Nachricht von Sam“ erhielt, gab das gute Stück im Jahre 2002 zwecks professioneller Säuberung an die Academy zurück. Diese beauftragte eine Zweitfirma mit der Arbeit, doch dort wurde der Oscar entwendet und erst einige Tage später an einem kalifornischen Flughafen im Müll gefunden.





S wie Sekunden. Wenn ihr jemals einen Oscar gewinnt, dann seit euch gewiss, dass der große Momente, von der Bekanntgabe eures Namens bis zum Abgang von der Bühne unter großem Jubel maximal 60-70 Sekunden dauert. Diese Zeit bezieht sich aus der Dauer zum Gang zur Bühne, sowie der Dankesrede, die 45 Sekunden nicht überschreiten darf. Wenn doch, wird der Preisträger via Musik daran erinnert, dass die Show weiter gehen muss. Als „Mutter“ des Zeitlimits gilt übrigens die Darstellerin Greer Garson, die bei ihrer Dankesrede, 1942, fast sechs Minuten lang ihre Dankbarkeit bekundete. Wer jetzt aber glaubt jeder Gewinner würde die 45 Sekunden nutzen, der irrt sich. Joe Pesci (Oscar 1991 für seine Nebenrolle in „Good Fellas“) sagte nur „Well, it's my privilege. Thank you.“ Noch kürzer machte es William Holden, als er 1954 die Trophäe für seine Darstellung in „Stalag 17“ bekam. Mit einem einfachen „Thank you.“ war sein großer Oscar-Moment auch schon beendet.


T wie tot. Bis jetzt wurde der reguläre Oscar, also keine Ehrenauszeichnung, zweimal posthum verlieren. 1977 an Peter Finch für seine Hauptrolle in „Network“, dass andere Mal 2009 an Heath Ledger für seine Performance des Jokers in „The Dark Knight“.





U wie unfair. Ohne größere Umschweife eine kurze Aufzählung von Filmemachern und Schauspielern, die unserer Meinung nach bei den Oscars übergangen wurden: Charlie Chaplin, Stanley Kubrick, Peter O’Toole, Ennio Morricone, Alfred Hitchcock, Sidney Lumet, Lauren Bacall (siehe Foto), Akira Kurosawa, Howard Hawks, Deborah Kerr, Blake Edwards, Sergio Leone und Barbara Stanwyck. Der größte Verlierer der Oscars ist übrigens Kevin O’Connell, ein Sound Designer der ganze 20-mal nominiert war (u.a. "Transformers") und niemals gewann. Da der gute aber immer noch sehr erfolgreich im Geschäft ist, hat er immer noch die Chancen zu gewinnen. Ob er nervös ist, wenn er von seiner Nominierung erfährt?


V wie Veranstaltungsort. Seit der ersten Verleihung, 1929, zogen die Oscars mehr als einmal um. Dabei blieben sie aber Hollywood, also Los Angeles, treu? Denkste. Von 1953 bis 1957 wurden die Trophäen in New York vergeben.


W wie Waldoscar. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Statue des Oscars nicht auf Metall, sondern aus Holz gefertigt. Der Bauchredner und Schauspieler Edgar Bergen erhielt 1938 sogar ein ganz besonderes Modell. Da er mit seiner Puppe Charlie so beliebt wie erfolgreich war, fertigte die Academy ihn einen Holzoscar, mit beweglichem Unterkiefer.


X wie X-Rated. Ein Film mit einem X-Rating, also einer Freigabe ab 18 Jahren, ist relativ selten und wird öfters an Pornos als an Mainstream-Produktionen vergeben. Auch bei den Oscars sind Filme mit solch hohen Altersfreigaben nicht gerne gesehen. Bisher schafft es lediglich John Schlesingers „Asphalt Cowboys“, mit Jon Voight und Dustin Hoffman, einen Academy Award für den besten Film zu gewinnen. Das war im Jahre 1970.


Y wie Youngster. Das Kinder nominiert für einen Oscar sind, kommt zwar nicht so oft vor, eine wirkliche Seltenheit ist es aber auch nicht. Dabei gab es mal eine Zeit, in der es einen Extra-Oscar, den Juvenile Award, gab. Mit diesem wurden minderjährige Schauspieler ausgezeichnet. Der Preis wurde von 1935 bis 1965 während der offiziellen Verleihung der Academy Awards vergeben. Zu den Preisträgern zählten u.a. Mickey Rooney, Shirley Temple und Judy Garland.





Z wie zzzzzz. Ja, die Oscars haben in den letzten Jahren gelitten. Die Verleihungen wurden immer langweiliger und generischer. Auch die Rückkehr von Billy Crystal, der das Events schon über fünfmal moderierte, im letzten Jahr hat da nicht viel gebracht. Unserer Meinung die enttäuschende Oscar-Show war die von 2011. Auf dem Papier war es ja noch ganz vielversprechend, diese von James Franco und Anne Hathaway moderieren zu lassen, doch das Ergebnis war höchstens als Schlaftablette zu genießen. Besser war da schon Seth MacFarlane. Dieser drückte der Verleihung 2013 seinen Stemüel auf und sang u.a. den Song "We saw your boobs".




Weitere ABCs gefällig? Wir hätten noch Der Herr der Ringe und James Bond im Angebot.