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Review: ZOMBIE – DAWN OF THE DEAD – George A. Romero auf dem Zenit seiner Kunst

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Fakten:
Zombie – Dawn of the Dead
USA, Italien. 1978. Regie und Buch: George A. Romero. Mit: Ken Foree, Gaylen Ross, David Emge, Scott H. Reiniger, David Early, Richard France, Fred Baker, Rod Stouffer, James A. Baffico, Tom Savini, Daniel Dietrich u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die kürzlich Verstorbenen erheben sich aus Ihren Gräbern und kehren als lebende Tote zurück, um die Menschen zu jagen und zu fressen. In dem allgemeinen Chaos droht die Zivilisation zusammenzubrechen. Es werden Räumungskommandos organisiert, welche von Haus zu Haus ziehen, um die Infizierten zu töten. Zu einem dieser Kommandos gehören auch Peter und Roger, die von dieser Aufgabe aber die Nase voll haben. Zur gleichen Zeit versucht ein Fernsehsender, für den auch Stephen und Francine arbeiten, so lange wie möglich zu senden, um die restliche Bevölkerung auf dem Laufenden zu halten. Als der Ansturm der Zombies immer weiter zunimmt schlägt Stephen vor, mit dem Firmenhelikopter vom Dach des Senders zu flüchten. Auf der Landeplattform stoßen noch Peter und Roger dazu. Als der Sprit des Helikopters zur Neige geht landen sie auf dem Dach einer Shopping-Mall in welcher sie alles finden, was sie brauchen um lange überleben zu können. Zunächst müssen sie das Einkaufscenter aber noch von den Zombies befreien...




Meinung:
Man wird sie nie vergessen, die letzten Bilder, die George A Romero dem Zuschauer in „Die Nacht der lebenden Toten“ voller zynischer Kälte serviert hat: Alles schien verloren, nicht wegen der Allgegenwart der Zombies, sondern wegen den Menschen, unter dem Banner einer Bürgerwehr verkehrend, die in einem exorbitanten Blutrausch durch das Land gewütet sind. Die Apokalypse schien nicht mehr verhinderbar, sie hat unlängst begonnen – und das wahrscheinlich schon vor dem Ausbruch der Epidemie. Ganze zehn Jahre mussten sodann in Kauf genommen werden, bis George A. Romero endlich die finanziellen Mittel zur Verfügung standen (ein gewisser Italiener namens Dario Argento hat freundliche Unterstützungsarbeit geleistet), sein heute zum Klassiker avanciertes Debüt endlich fortzusetzen. Das Ergebnis ging erneut in die Annalen Filmgeschichte ein: Mit „Zombie – Dawn of the Dead“ erreichte George A. Romero nicht nur den Zenit seiner Kunst; „Zombie – Dawn of the Dead“ ist ein echter Segen für das Horror-Genre, weil er geistreich weiterführt, was „Die Nacht der lebenden Toten“ schon kongenial losgetreten hat.

 
Zombies? Oder doch nur die 1970er?
Im Klartext bedeutet das: „Zombie – Dawn of the Dead“ ist herausragendes Genre-Kino, weil es permanent in der Lage ist, die Grenzen des Genres zu durchbrechen und somit in Richtung Ewigkeit durchzustarten. Das Bedrohungsszenario, in welches „Die Nacht der lebenden Toten“ den Zuschauer von jetzt auf gleich gestoßen hat, wird konsequent weiterentwickelt. Die untote Übermacht breitet sich exponentiell aus, die Menschheit steht vor dem Ende und die letzten Übriggebliebenen müssen sich an einen deprimierenden Restbestand ihrer Existenz gewöhnen, in dem es keinen Raum mehr für die freie Entfaltung gibt, sondern nur noch der Kampf um das bloße Überleben verbleibt. Zusammen mit Stephen (David Emge), Peter (Ken Foree), Roger (Scott H. Reiniger) und Fran (Gaylen Ross) versuchen wir als Zuschauer, irgendwie einen Platz in diesem heillosen Chaos zu finden, der für kurze Zeit eine gewisse Sicherheit und Ruhe verspricht, denn nicht nur die Zombies sind auf wankender Jagd nach Menschenfleisch, der sich selbst als gesetzlos glaubende Teil der Gesellschaft marodiert durch die Städte.

 
Eindeutig die  1970er.
Mit dem Hubschrauber gelangt unser Protagonistenquartett zu einem Einkaufszentrum (die Monroeville Mall, nunmehr ein regelrechtes Nerd-Mekka), in dem sich zwar auch reichlich Untote herumtummeln, allerdings bieten die Lagerräume doch ein geräumiges Refugium, in dem eine verlängerte Verschnaufpause im Bereich des Möglichen scheint. Wie schon in „Die Nacht der lebenden Toten“ baut George A. Romero in seiner Settingwahl auf einen begrenzten Sektor, wenn auch sicherlich nicht so beengt wie das Landhaus inmitten der Provinz. Wo man in „Die Nacht der lebenden Toten“ im „intimen“ Rahmen miterleben konnte, wie Romero innerfamiliäre Kernstrukturen dekonstruierte, schreit die Mall in „Zombie – Dawn of the Dead“ natürlich nach klaffender Konsumkritik mit dem Holzhammer: Die Zombies selbst taumeln wie zu Lebzeiten durch die Gänge, wollen ohne Unterlass fressen, konsumieren, verbrauchen. Selbstverständlich lässt sich „Zombie – Dawn of the Dead“ in diese Richtung interpretieren, das Ambiente schreit ja geradezu danach. Allerdings geht Romero tiefer, ihm liegt es nicht daran, den beinahe schon auf Automatismen basierenden Kaufrausch der amerikanischen Gesellschaft aus- und bloßzustellen.

 
Made my day
Das Einkaufszentrum, die Konsumhölle, das Schlaraffenland, die Kathedrale des Kapitalismus, wird vielmehr zur psychologische Projektionsfläche, auf der Romero bisweilen satirisch demonstriert, wie sich die menschliche Psyche im Angesicht ihres tendenziellen Untergangs verhält. Zuerst einmal muss nicht alles verloren sein, wenn der gleichberechtigte Gemeinschaftssinn weiterhin Bestand hat. Es bilden sich Freundschaften, Entscheidungen werden im gesunden Plenum getroffen, das Schwelgen im Materialismus, in einer Zeit, in dem das Materielle keinen Wert mehr besitzt, bringt für einige Momente etwas Spaß in den trüben Alltag, wenn die Regale geplündert werden und einem am Ende sogar noch das Geld aus der Kasse entgegenspringt. „Zombie – Dawn of the Dead“ besitzt dabei immer wieder ein pointiertes Händchen für Humor, schildert das Leben im Einkaufszentrum als intensive Bestandsaufnahme, in der die vier Akteure auf die harte Tour lernen müssen, sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen. Das temporäre Verdrängen von Sorgen und Grauen aber birgt im Anschluss nur noch schwerwiegenderen Kummer in sich.


Für Liebe ist in dieser Zeit kein Platz mehr, das werden Fran und Stephen in einer regelrechten Ohnmacht lernen, und wer die Chance hat, alles besitzen zu können, wird für nichts mehr Verwendung finden. „Zombie – Dawn of the Dead“ ist als humanistisches Manifest, welches an Nächstenliebe, an Verbundenheit und auch an Hoffnung glaubt, deswegen so effizient, weil es auch folgerichtig offenbart, dass sich all die Menschlichkeit nicht immer als Schlüssel für eine echte Perspektive zeigt – Aber es macht vieles, auch in derart düsteren Zeiten, erträglicher. Und all die unterschiedlichen Charaktertypen, die „Zombie – Dawn of the Dead“ interagieren lässt, studiert George A. Romero, um sie den schlurfenden Wiedergängern adäquat gegenüberzustellen. Stephen, Fran, Peter und Roger müssen realisieren, dass die Zombie ein Teil von ihnen sind und eine Zukunft nur dann gewährleistet scheint, wenn dem Morden der Menschen endlich Einhalt geboten wird. Da keimt aus der Essenz des „Zombie – Dawn of the Dead“ auch ein zutiefst pazifistisches Plädoyer: Gesellschaften werden nicht auf Blut errichtet, sie versinken zwangsläufig darin.


8,5 von 10 abgetrennte Schädeldecken


von souli

Review: DAWN OF THE DEAD - Zackiges Remake

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http://medienjournal-blog.de/wp-content/uploads/2011/06/dawn_of_the_dead_ver3.jpg


Fakten:
Dawn of the Dead
USA, 2004. Regie: Zack Snyder. Buch: James Gunn. Mit: Sarah Polley, Ving Rhames, Jake Weber, Mekhi Phifer, Ty Burrell, Michael Kelly, Kevin Zegers, Michael Barry, Lindy Booth, Jayne Eastwood, Boyd Banks, Inna Korobkina, R. D. Reid, Tom Savini, Ken Foree u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.



Story:
Urplötzlich stehen die Toten aus ihren Gräbern auf und haben richtig Hunger. Die Apokalypse kommt blitzschnell, eine kleine Gruppe von Überlebensexperten rettet sich in eine Mall. Draussen lauert der Tod, drinnen die Bestie Mensch auf Survival-Modus.




                     


Meinung:

"When there's no more room in hell..."
 
Moment mal, das gab es schon. Pfui, braucht niemand. Eigentlich richtig, aber so passt das schon.


Es hätte so ein schöner Morgen werden können...
George A. Romeros "Dawn of the Dead" ist - da kann, aber sollte man kaum drüber streiten - der beste Zombie-Film bisher und jeder Versuch einer Neuauflage grenzt an Blasphemie, nur wildert das Remake von Zack Snyder sehr respektvoll in den Jagdgründen eines Klassikers. Romero prägte das gesamte Genre erst durch "Night of the Living Dead" und perfektionierte es durch "Dawn of the Dead". Der Zombie-Film starb, mangels Futter, schnell aus, erst Danny Boyle belebte es durch "28 Days Later" neu, obwohl er nur Infizierte, aber keine "klassischen" Zombies zeigte. Die echte Wiedergeburt fand ausgerechnet durch eine eigentliche Totgeburt statt. Totgesagte leben länger...


Snyder, zu Letzt oft gescholten und nicht immer zu unrecht, erweisst sich als würdiger Totengräber, gibt dem Höllen-Szenario einen zeitgemässen und kommerziell effektiven Anstrich, der niemals respektlos mit der Vorlage umgeht. Die diversen Änderungen geben dem Film einen komplett neuen Anstrich, aber nur so ist ein Remake überhaupt zu rechtfertigen. Wer will denn eine 1:1 Fassung von "Dawn of the Dead" sehen? Das sind die gleichen Leute, die auch das Remake von "Psycho" mögen.
Um es kritisch zu sehen: Snyder (und James Gunn, Autor und absoluter Genre-Nerd) hebeln bewusst die ruhige, apokalyptische Stimmung des Originals aus, indem sie enorm auf die Tube drücken. Ihre Zombies haben nicht nur ordentlich Marmelade in den Muskeln, sie sind zudem viel aggressiver und weniger tollpatschig. Ganz anders, nicht so subtil, aber ein Remake darf ruhig mehr Gas geben...wenn es denn funktioniert.


Jeder fängt mal klein an.
Das tut es. Die bedrohlich-vernichtende Stimmung von Romeros Film erreicht das tapfere Snyderlein niemals, aber kratzt kurz am Beinchen und kann mit einem effizienten Druck punkten. Teilweise fühlt man sich schon in das Kaufhaus `78 zurückversetzt....nicht immer, aber manchmal. Den Geist der Vorlage haben Snyder & Gunn durchaus verstanden und versuchen ihn umzusetzen. Gelingt mehrfach, nur gewissen Zugeständnissen an das moderne Publikum ist es wohl geschuldet, dass der neue "Dawn of the Dead" manchmal etwas glatt wirkt. Es muss nicht jeder Patrone in Zeitlupe zu Boden fallen, damit die Szene wirkt. Tendenziell ist das ein Remake nach Mass. Beruft sich auf die Vorlage, kann sie unmöglich kopieren, aber gibt sein Bestes, um nicht als fader Aufguss zu enden.


Schneller, brachialer, trotzdem weniger erschreckend und mit dem sozialen Kritikpunkt nur am Rande, rockt der "Dawn of the Dead" des neuen Jahrtausends erstaunlich gut. Was da alles schief gehen kann, siehe "The Fog", "The Hitcher" oder "The Stepfather". Da wurde Remake-Potenzial mit Anlauf gegen die Wand gefahren, "Dawn of the Dead" reisst Wände ein, die bis heute keine Sollbruchstelle liefern.



"...the dead will walk the earth."

Allein wegen den liebevollen Cameos von Tom Savini und Ken Foree, inklusive dieses denkwürdigen Zitats, ist "Dawn of the Dead" kein Rotz aus der Mikrowelle, sondern eine zeitgemässe Neuinterpretation. Soll es auch geben...


7 von 10 verkaufsoffenen Sonntagen

Review: ZOMBIE 2 - DAS LETZTE KAPITEL - Endstation Mensch

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Fakten:

Zombie 2 - Das letzte Kapitel (Day of the Dead)
USA, 1985. Regie & Buch: George A. Romero. Mit: Lori Cardille, Terry Alexander, Joseph Pilato, Jarlath Conroy, Anthony Dileo Jr., Richard Liberty, Sherman Howard, Gary Howard Klar, Ralph Marrero, John Amplas u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Apokalypse ist eingetreten, die lebenden Toten haben den Erdball bevölkert, in einem unterirdischem Bunker haben sich eine Hand voll Soldaten versammelt, der Wiederstand gegen das lebendige Gammelfleisch, aber die eigentliche Gefahr kommt nich von draußen, sondern von innen.





                                               
Meinung:
Der Abschluss von George A. Romeros (ersten) Trilogie ist stilsicher und absolut konsequent, der Kreis schließt sich, in jeglicher Hinsicht. "Night of the Living Dead" zeigte die Auferstehung der Toten, es gab kaum Erklärungen, es ließ das Szenario für sich sprechen. Zehn Jahre später kam "Dawn of the Dead", der schilderte, wie die Menschheit vernichtet wurde, die lebenden Toten die Zivilisation auffraßen. "Day of the Dead" ist das Finale, das Ende vom Ende. Und was ist das Ende? Wir sind es!


Auch Tote wissen ein gutes Buch zu schätzen
Romeros Reihe hatte immer einen sozial-kritischen Ansatz, aber bei "Day of the Dead" ist er so offensichtlich wie nie zuvor. Die unvermeidliche Dystopie findet hier seinen Höhepunkt, alles scheint, aufbauend auf den Vorgängern, einfach logisch sein Ende zu finden. Das gefährlich-abgehangene Gammelfleisch spielt lange kaum eine Rolle, die wahre Gefahr geht von den lebenden Menschen aus. Das ist so radikal wie bei keinem der Vorgänger: In Extremsituationen sind wir gefährlicher, als die eigentliche Bedrohung. Spannung existiert bei "Day of the Dead" immer dann besonders, wenn die Zombies keine Rolle spielen. Aber wenn, dann richtig....


An der Stelle sei, wiedermal, mein Liebling Tom Savini erwähnt, der einen exzellente Job macht. Die Masken und besonders die Effekte, sind unglaublich. Kein Wunder, dass die FSK da über dem Eimer hängt, sagenhaft, CGI für die Tonne! "Day of the Dead" ist ein sehr würdiger Abschluß von Romeros Lebenswerk, in etwa gleichwertig mit "Night of the Living Dad" (obwohl eben ganz anders), und hinter dem Filet-Stück "Dawn of the Dead", dem Zombie-Film schlechthin. Aber das ist ja schon mal was.


7,5 von 10 abgelaufenden Fleischwaren

Specials: GENRE-AUSREIßER oder: Was? Der hat das gedreht?! -

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Wir präsentieren euch eine kleine Liste von Filmen, die etwas Besonderes sind. Nicht etwa weil sie innovativ wären oder einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, sondern weil sie von Filmemachern inszeniert wurden, von denen man solche Werke nicht erwartet hätte. Es sind Genre-Ausreißer, Filme die oft in der Historie der jeweiligen Regisseure vergessen, bzw. nicht berücksichtigt werden oder für ungläubiges Kopfschütteln sorgen. Frei nach dem Motto: „Was? Der hat sowas gedreht? Hätte ich nicht gedacht.“



Wes Craven macht Musik


Wohl kein anderer Regisseur unserer heutigen Zeit ist so festgelegt auf ein Genre wie Wes Craven. Angefangen mit Pornofilmen drehte er seinen erste zeitlosen Klassiker des Horrors im Jahre 1972 mit dem hochgelobten wie auch mannigfaltig diskutieren, zensierten, verteufelten aber auch gefeierten „The Last House on the Left“, welches das Sub-Genre des Rape & Revenge aus der Taufe hob. Es folgten weitere Horrorfilme, von denen vor allem „Hügel der blutigen Augen“ sich einen Kultstatus erarbeitete. 1984 erschuf Craven dann mit „A Nightmare on Elm Street“ nicht nur den ikonischen Schlitzer Freddy Krüger, sondern auch ein Franchise, welches noch heute bestand hat. In den 1990er galt Wes Craven als nicht mehr salonfähig, bis er sich mit dem Meta-Meisterwerk „Scream“ furios zurückmeldete. Viele glauben, dass Craven die ersten drei „Scream“-Filme in Folge drehte, doch durch den enormen Erfolg der ersten zwei Teile konnte er sich einen lang gehegten Traum erfülle und bei einem Drama Regie führen. 1999 kam dann „Music of the Heart“ in die Kinos, mit niemand geringerem als Meryl Streep in der Hauptrolle. Der sehr sentimentale Film kam weder beim Publikum noch bei der Kritik sonderlich gut an und konnte sich selbst bei vielen Craven-Fans nicht wirklich durchsetzen. Nach diesem Ausflug ins Reich der Tränendrüsen, machte Craven dann das, was er am besten kann: Horrorfilme.




Peter Jackson kämpft für einen vergessenen Filmpionier


Dass Peter Jackson vor der Realisierung der „Herr der Ringe“-Trilogie sich einen Namen mit spritzigen Horrorkomödien gemacht hat, ist wahrlich kein Geheimnis und auch seine Drama „Heavenly  Creatures“ mit Melanie Lynsik (bekannt als Rose aus der Sitcom „Two and a Half Men) und Kate Winslet, die mit dieser Rolle James Camerons Aufmerksamkeit ergatterte und dank ihm und seinem Epos „Titanic“ zum Superstar wurde, ist im allgemeinen Kanon von Jackson Filmographie kein unbekanntes Werk. Ganz anders verhält es sich mit „Forgotten Silver – Kein Oscar für Mr. Kenzie“, einer mittellangen Fake-Doku, die Jackson zusammen mit seinem Freund Costa Botes im Jahre 1995 realisierte. Es geht um den fiktiven Colin McKenzie und die Ungerechtigkeit, dass dieser Filmpionier nie einen Academy Award gewonnen hat. Wer nicht weiß, dass es sich hierbei um eine Lüge handelt, wird vor allem in der ersten Hälfte wirklich alles glauben, was Jackson und Botes hier vorsetzen. Erst später wird es spürbar unglaubwürdig, weil diverse Filmschnipsel zu gestellt wirken. Genau dann verliert „Forgotten Silver“ auch an Fahrt, nicht aber an Leidenschaft und Liebe zum Detail. Eine hübsche Anekdote ist übrigens, dass Jackson dem „Ringe“-Darsteller Sean Astin (Samwise) den Film zeigte und dieser danach Jackson überreden wollte, die Doku größer zu bewerben, um Colin McKenzie endlich den Ruhm zu bescheren, den er verdient hätte.




George A. Romero und Ritter auf zwei Rädern


Wer Zombie sagt, wird irgendwann nicht umher kommen auch den Namen George A. Romero auszusprechen. Der Godfather of the Dead ist für seine Filme rund um Untote und den Verfall der Gesellschaft so bekannt, wie auch beliebt. Dass Romero auch Horrorfilme ohne taumelnde, menschenfleischfressende, verwesende Wiederkehrer inszenierte, ist auch nur ein kleines Geheimnis. Mit „Martin“, „Crazies“ „Der Affe im Menschen“ oder der Verfilmung des Romans „Stark“ von Stephen King, konnte Romero mehr als einmal nicht nur Horrorfans, sondern auch Kritiker wohlwollen stimmen.  Im Jahre 1981, zwischen „Dawn of the Dead“ (1978) und „Creepshow“ (1982), inszenierte Romero den Film „Knightriders“ (nein, hat nix mit David Hasselhoff und K.I.T.T. zu tun) mit Ed Harris in der Hauptrolle. Darin geht es um Schausteller, die als motorisierte Ritter durch Amerika ziehen und Shows veranstalten. Dabei machen ihnen ein bestechlicher Sheriff und ein geldgeiler Veranstalter das Leben schwer. Der Film war kein großer Erfolg, sollte aber für Romero-Fans sicher ein interessanter Zeitvertreib werden, da sich hier viele Darsteller tummeln, mit denen Romero auch seine Zombie-Apokalypsen drehte, z.B. Ken Foree, Tom Savini und Scott H. Reiniger. Ebenfalls nett: ein Cameo von Stephen King zusammen mit seiner Gattin. Ach ja, der Film ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben, es gibt aber eine wesentlich längere R-Rated-Fassung. Wer dort aber, wie bei Romero üblich, mehr Gewalt erwartet irrt sich. „Knightriders“ ist kein Film mit ausufernden Brutalitäten.




John Carpenter und der Sternenmann

Was ist nur mit John Carpenter los? Früher drehte er Filmklassiker, die noch heute Bestand haben und wohl auch noch in hundert Jahre zitiert und beschwört werden, aber dann war irgendwann die Luft raus. Viele meinen ja, dass Carpenter vor den 1990er Jahren nur Klassiker schuf. Dem ist aber nicht so. Mit der Sci-Fi-Schmonzette „Starman“ von 1984 inszenierte Carpenter einen Film, der zwar ein phantastisches Grundgerüst hatte, der aber mit seinen sonstigen Werken, vor allem mit deren Härtegrad und Pessimismus nicht viel gemeinsam hatte. Hauptdarsteller Jeff Bridges, der für seine Rolle eines Außerirdischen, der die Gestalt des verstorbenen Mannes einer einsamen, jungen Witwe (Karen Allen) annimmt, bekam eine Oscar-Nominierung. Dennoch ist „Starman“ wohl Carpenters unbekanntester Film, weil wohl die wenigsten vom Regisseur solcher illustren Werke wie „Halloween – Die Nacht des Grauens“, „Assault – Anschlag bei Nacht“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“ eine gefühlvolles Drama mit Sci-Fi-Anleihen erwarten.




Jerry Zucker, der Herr der Tränen



Wer kennt die Abkürzung ZAZ? Niemand? Gut, wer kennt den „Die Nackte Kanone“, „Top Secret“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“? Ja, da klingelt‘s doch. ZAZ ist die Abkürzung für die Macher dieser Filme: Jerry Zucker, Jim Abrahams und David Zucker. Irgendwann gingen sie getrennte Wege. Während Jim Abrahams und David Zucker ihren bevorzugten Genre, den Spoof-Movies, treu blieben und z.B. „Hot Shots“ oder „Scary Movie 3 + 4“ inszenierte (diesmal aber nicht als Team, sondern jeder für sich), drehte Davids Bruder Jerry  gleich zwei Filme, die zwar recht bis überaus bekannt sind, die aber sicher kein Zuschauer mit dem Mann in Verbindung bringen, der u.a. dafür verantwortlich ist, das Leslie Nielsen alias Lt. Frank Drebin die Queen von England „flachlegte“. Mit „Ghost – Nachricht von Sam“ und „Der erste Ritter“ inszenierte Jerry Zucker, also zwei Filme, die vor allem das Herz, die Tränendrüse und den genervten Partner (vornehmlich männlich) reizen, nicht aber das Zwerchfell. Damit feierte er große Erfolge, stieg aber nach „Der erste Ritter“ erst wieder 2001 auf den Regiestuhl und drehte „Rat Race“. Davor und danach war er mehr als Produzent aktiv, u.a. bei Doug Limans Agenten-Drama „Fair Game“ mit Naomi Watts und Sean Penn. Interessant ist es aber, dass Zucker den Tränen treu blieb, egal ob nun das Auge vor Rührugn oder vor Lachen nass wurde.




Oliver Stone und das eiskalte Händchen

Bereits 1974 inszenierte Stone, der später mit kritischen Filmen wie „Platoon“, „Geboren am 4. Juli“ oder „Wall Street“ für Furore sorgte, seinen ersten Film „Seizure“. Es war ein Horrorfilm ohne sonderliche Relevanz und Qualität.  Sieben Jahre später drehte Stone dann den Schocker „Die Hand“ mit Michael Caine in der Rolle eines Comiczeichners, der bei einem Unfall seine Hand verliert, die danach aber scheinbar ein mörderisches Eigenleben entwickelt und gar nicht daran denkt im Bio-Abfall kompostiert zu werden. Trotz ordentlicher Kritiken floppte der Film in den Kinos und beendete Stones Regie-Karriere fürs erste. Nun war er dazu gezwungen irgendwie Geld zu verdienen und übernahm das Script für das Remake des Paul Muni Gangsterfilms „Scarface“,  der 1984 mit Al Pacino und unter der Regie von Brian DePalma erschien. Der Rest ist Filmgeschichte und eröffnete Stone die Chance sich erneut als Regisseur beweisen zu dürfen. Diesmal aber mit Erfolg und über die Jahre  erarbeitete er sich mit seinen kritischen Filmen den Ruf des politischen, provokanten und vor allem streitbaren Regisseurs.




Habt ihr noch einen Genre-Ausreißer? Wenn ja, dann lasst es uns wissen.
Eure Muscheln.