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Review: BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE – Das Ende des Versteckspiels

1 Kommentar:


Fakten:
Batman v Superman: Dawn of Justice
USA. 2015. Regie: Zack Snyder. Buch: David S. Goyer, Chris Terrio. Mit: Ben Affleck, Henry Cavill, Jesse Eisenberg, Amy Adams, Jeremy Irons, Diane Lane, Gal Gadot, Holly Hunter, Laurence Fishburne, Tao Okamoto, Scoot McNairy, Callan Mulvey, Jeffrey Dean Morgan, Lauren Cohan, Ezra Miller, Jason Momoa, Mark Edward Taylor, Alan D. Purwin u.a. Länge: 151 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Batman alias Bruce Wayne, jener überragende Streiter für Recht und Ordnung in Gotham City, fürchtet, dass selbst die Aktionen eines gottähnlichen Superhelden wie Superman außer Kontrolle geraten könnten, wenn er nicht ständig beaufsichtigt wird. Deshalb legt er sich jetzt mit dem meistverehrten modernen Retter in Metropolis an, während die Welt darüber streitet, welche Art Helden sie eigentlich braucht. Und da Batman und Superman nun einander bekämpfen, taucht unversehens eine neue Bedrohung auf, durch die die Menschheit in brisante Gefahren von ungeahnten Ausmaßen gerät.




Meinung:
Be their hero, Clark. Be their angel, be their monument, be anything they need you to be... or be none of it. You don't owe this world a thing. You never did.“ Es sind deutliche Worte von Belang, die Martha Kent (Diane Lane) ihrem überirdischen Adoptivsohn Clark (Henry Cavill) mit auf den steinigen Weg gibt. Gewichtige Worte, die man sich als Zuschauer unbedingt noch mehrfach durch den Kopf gehen lassen sollte, bringen sie doch den zentralen Konflikt der gesamten Geschichte rundum Superman und seine Daseinsberechtigung auf Erden adäquat zum Ausdruck. Denn, auch Sentorin Finch (Holly Hunter) bringt es in ihrem reichlich expliziten Misstrauen gegenüber dem humanoiden Alien auf den Punkt: Wir sollten nicht länger darüber parlieren, ob wir einen Superman überhaupt brauchen oder nicht. Schließlich weilt er doch unlängst unter uns, was den Diskurs um seine Person respektive sein Handeln auf eine neue Ebene manövriert – nicht, was KANN Superman tun, sondern, was SOLLTE er tun. Und auf welchem Recht fußt sein Tun?


Mies gelaunt und ohne Eltern: Batman
„Batman v Superman: Dawn of Justice“ behandelt diesen durch und durch moralischen Themenkomplex. Und hätte man sich hier noch entschiedener damit beschäftigt, welche Bedeutung dem Umstand beigemessen wird, in unserer Welt ein Superheld zu sein (sprich: jemand, der anderen vermutlich in allen Belangen überlegen ist), hätte Zack Snyder („Man of Steel“) vermeintlich DIE Comic-Verfilmung abgeliefert, den Rest zu knechten. Angesichts der Umsetzung von „Batman v Superman: Dawn of Juice“ schnellt einem jedoch vielmehr der Aphorismus von römischen Dichters Sextus Aurelius Properz ins Gedächtnis, der besagt: „In großen Dingen genügt es auch, sie gewollt zu haben.“ Zutreffend, gerade wenn wir einmal abwägen, in welcher Verfassung die hochbudgetierten, von Major-Studios katalysierten Comic-Verfilmungen heutzutage überhaupt noch sind, einen gewissen Eigengeschmack in das wie auf risikobefreitem Autopilot vor sich hin schlurfende Getriebe zu extrahieren. Man kann Zack Snyder indes mit Sicherheit einiges an den Kopf werfen, doch seine Superman-Interpretation(en) unterliegen niemals der Gefallsucht der Marvel-Schmiede.


Nass und Halbwaise: Superman
Die Persistenz, mit der Zack Snyder seine eigene Version des Mann aus Stahls auf die Leinwände dieser Welt gefeuert hat, war, ist und bleibt beeindruckend. Ein guter Film muss daraus noch lange nicht entstehen und sein „Man of Steel“, die erste Annäherung seitens Snyder an den Mythos Superman aus dem Jahre 2013, war eine Herausforderung, wie man sie im Blockbustersektor kaum noch zu sehen bekommt. Ein vom manischen Bewegungsdrang und einer megalomanischen Zerstörungswut durchströmter Koloss, der den Zuschauer so sehr in den Sessel presste, dass es schon weh tat, dem überbordenden Geschehen auf der Leinwand zu folgen. „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist ein ähnlich paralysierender Kraftbolzen, Reizüberflutung in Reinkultur eben. Gerade wenn sich Superman, Batman (Ben Affleck), Wonder Woman (Gal Gadot) und der von Lex Luther (Jesse Eisenberg) ins Leben gerufene Doomsday, eine kryptonische Anomalie, ein mit unendlicher Energie angeheizter Planetenzerstörer, in der finalen Materialschlacht so richtig auf die Ömme geben.


Bewaffnet und der Elternstatus ist unbekannt: Wonder Woman
Interessant wird „Batman v Superman: Dawn of Justice“ aber nicht durch seinen Effektbombast, so immersiv er sich auch gestalten mag. Zack Snyder hingegen baut auf die Gegenüberstellung der titelgebenden Heroen, um daraus auch zur ethischen Meditation des Sujets zu bitten. Bruce Wayne ist anders als Clark kein Kind der Liebe, sondern ein Kind der Gewalt. Bruce wurde im Schmerz geboren und der von Ben Affleck verkörperte Fledermausmann ist ein verbitterter, desillusionierter Vigilant, der es als persönliche Beleidigung erachtet, dass die Menschen Superman als eine Art Erlöser feiern – es ist gerade das Messianische, was Bruce verurteilt. Superman wiederum wird hier nun mehr als Individuum definiert, dass sich in einer Bestimmung wiederfindet, die ihm längst zur Bürde geworden ist. Clark hat erkannt, dass das Privileg, ein Auserwählter zu sein, immer auch den Fluch mit sich bringt, die Rolle des ewigen Außenseiters einzunehmen. Was, wenn er nicht mehr die passende Antwort auf alles Böse in der Welt sein möchte? Was, wenn er schlichtweg nicht zu den Menschen passt?


Reich und mit Haaren (daher keine Eltern von Nöten): Lex Luthor
Batman und Superman jedenfalls finden sich in einer Welt wieder, in der das Selbstverständnis des Superhelden aufs Vehementeste hinterfragt sieht. Und „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist so sehr im tagesaktuellen Geschehen eingegraben, lebt so sehr von einem gegenwärtigen Gefühl globalisierter Kollektivängste, dass sich die Frage, warum sich Clark überhaupt nicht mehr von Superman unterscheiden würde, problemlos beantworten lässt: Das Versteckspiel hat sich vollends abgenutzt. Superman kann nur dort Hoffnung bringen, wo es eine Chance gibt, Hoffnung keimen zu lassen. Vielleicht aber steht es diametral zur Natur des Menschen, Hoffnung als universaler Möglichkeit anzunehmen, was ihn dazu bewegt, alles zu zerschlagen, was im ersten Augenblick fremd erscheint. Für diese Angst steht Batman Pate: Er hat gesehen, welch urgewaltige Kräfte Superman imstande ist zu entfesseln. Und wenn Superman bemerkt, dass sich ein nicht zu unterschätzender Teil der Menschheit missmutig ihm gegenüber präsentiert, wer versichert dem anderen Teil, dass Superman weiterhin im Interesse der Menschen agiert?


Groß, böse und hat wahrscheinlich seine Eltern gefressen: Doomsday
Dass den logischen Kausalitäten im pathosgetränktes Affektkino eines Zack Snyder wenig Raum eingeräumt wird, lässt sich auch an „Batman v Superman: Dawn of Justice“ erkennen, der gehetzt, inkohärent, ja, in seiner beinahe zu kompakten Raffung dafür sorgt, die beiden Ikonen der Superhelden-Branche unter einen Hut zu bekommen, ihre eigenen Universen im Zusammenprall aber doch immer noch zu distanziert erscheinen lässt und mehrwertige Ansätze gerne mal unter den Tisch fallen lässt: Die Handhabung der 'neue Religion', die dabei ist zu expandieren, nachdem die ersten Bürger begonnen haben, ihre Gebete in Richtung Superman zu senden. Die Herangehensweise an den Diskussionsstrang um Supermans Rolle als strafmündige Person. Was bringt ein Rechtsapparat, wenn ihm so deutlich die eigenen Grenzen aufgezeigt werden? Wie muss der verfassungsmäßige Paradigmenwechsel erfolgen, damit sich die Instanzen der Justiz nicht stetig im Angesicht des extraterrestrischen Allmächtigen aus den Angeln hebeln lassen? Angesprochen werden diese Aspekte, aber sie werden (tragischerweise) nicht grundlegend vertieft.


Dennoch bleibt „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ein sehenswertes, hochambitioniertes Erlebnis. Zack Snyder denkt in die richtige Richtung, muss seinen facettenreichen Inhalt nur noch ausgereifter, fokussierter angehen, dann steht außer Frage, wer die Oberhand im Clinch um Marvel und DC gewinnen wird. So bleibt vorerst eine (überwiegend formal) beeindruckende Zusammenführung der (womöglich) bedeutungsvollsten Superhelden überhaupt, die sich nicht durch Zugeständnisse an festgewachsene Sehgewohnheiten artikuliert, sondern ein düsteres Eigenleben entwickelt und im bis zum Exzess dynamisierten Chaos genauso berstende Druckwellen entfacht, wie im (raren) Stillleben der Emotionen. Kudos gibt es zum Ende noch einmal für den sagenhaft chargierenden Jesse Eisenberg, dessen eigenwilliges Porträt eines blutjungen Lex Luthors schlichtweg famos ist. Ein Clown mit schwarzer Seele, der noch nicht weiß, in welche Richtung er diese Dunkelheit in seinem Inneren kanalisieren soll, aber radikal und intelligent genug ist, sich ihr zu bemächtigen, zappelt dort sarkastisch durch die aufgescheuchte Gegend. Man darf gespannt sein, wie Zack Snyder seinen Werdegang weiterverfolgen wird. Das allerdings gilt für alles Kommende.


6,5 von 10 Bürden, ein Held zu sein


von souli

Review: BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE – Der größte Gladiatorenkampf aller Zeiten?

1 Kommentar:

Fakten:
Batman v Superman: Dawn of Justice
US, 2016. Regie: Zack Snyder. Buch: Chris Terrio, David S. Goyer. Mit: Henry Cavill, Ben Affleck, Gal Gadot, Jesse Eisenberg, Amy Adams, Jeremy Irons, Holly Hunter, Scoot McNairy, Jason Momoa, Ezra Miller, Michael Shannon u.a. Länge: 151 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Der brachiale Kampf zwischen Superman und General Zod hat in Metropolis verheerende Spuren hinterlassen. Ganze Ortsteile wurden pulverisiert, unzählige Zivilisten sind zu Tode gekommen und eine gigantische Spur der Verwüstung war das Resultat. Auch Bruce Wayne wurde von den Ereignissen persönlich getroffen, denn er hat den Wayne Tower mitsamt Personal verloren und steht dem fliegenden Superhelden daher alles andere als freundlich gesinnt gegenüber. Es entbricht eine Debatte in der Gesellschaft, ob Superman strahlender Retter oder übermächtiges Alien ist, welches früher oder später sämtliches, menschliches Leben auslöschen wird. Alles läuft auf eine entscheidende Konfrontation zwischen Batman und Superman hinaus, bei dem der milliardenschwere Großkonzern-Erbe Lex Luthor im Hintergrund ebenfalls seine Finger im Spiel hat.





Meinung:
Zack Snyder und vor allem seine Filme sind schon länger eine gerne genutzte Zielscheibe der Kritik. Viele interpretieren die überbordende Visualität des Regisseurs als faschistoide Ästhetik, welche sämtliche Grenzen der Logik außen vor lässt und sich vornehmlich auf einen schwülstig aufgeladenen Körperkult der Protagonisten fokussiert. "Style over Substance" wird Snyder seit seinem Langfilmdebüt "Dawn of the Dead", dem Remake von George A. Romeros Klassiker, vorgeworfen und bietet auch bei seinem aktuellen Werk "Batman v Superman: Dawn of Justice" eine breite Angriffsfläche.


Angebetet wie ein Gott
Die Fortsetzung zu "Man of Steel" ist wenig überraschend bis zum Anschlag überstilisiert, bietet erneut viele Szenen, in denen platte Erlösersymbolik sowie offensichtliche Jesus-Analogien wie auch schon im Vorgänger kaum zu übersehen sind und rutscht in seinem unaufhörlichen Bestreben, durch extrem grimmige Mimik ernste oder bedrückte Gesichtsausdrücke zu erzeugen, bisweilen in unfreiwillig komische Gefilde. Nichtsdestotrotz markiert diese Fortsetzung in gewisser Weise einen erfreulichen Weg in die richtige Richtung. Während "Man of Steel" oftmals unter der schwerfälligen Bedeutungstheatralik der typischen Produktionshandschrift von Regisseur Christopher Nolan förmlich kollabiert ist und schließlich in ein überlanges, alle Sinne pulverisierendes Finale in Form eines absoluten CGI-Overkills verfallen ist, enthält "Batman v Superman: Dawn of Justice" vermehrt vertraute Motive und Elemente aus dem bisherigen Schaffen des Regisseurs. Gerade die erste halbe Stunde des Films ist unglaublich bruchstückhaft, springt von einem Handlungsstrang zur nächsten Figur zu einem neuen Schauplatz und wieder zurück und fällt dabei durch extrem wirre Schnittfolgen auf, die leicht als schludriges Handwerk aufgefasst werden können.


Gerüstet für den großen Kampf
Tatsächlich verstärkt dieser fiebrige Schnitt den völlig entrückten Charakter der Inszenierung nur noch stärker und sorgt dafür, dass der Film, welcher realen Terror und bedrohliche Situationen vor allem zu Beginn wie surreale Höllentrips in Szene setzt sowie montiert, selbst so wirkt, als befände man sich im Albtraum einer konventionellen, glatt gebügelten Comicverfilmung. Snyder nähert sich durch diesen Stil wieder mehr seinem gewohnten Exzess und knüpft durch die zusätzliche Verwendung irritierender Traumsequenzen oder unvermittelter Gewalteinbrüche an den unberechenbaren, munter Regeln brechenden Fantasy-Bombast an, wie ihn beispielsweise "Sucker Punch" bereits bot. Inhaltlich schlagen die Ausmaße des verheerenden Finales aus "Man of Steel" nun deutlich weitere Kreise und stellen den Status sowie die Bedeutung von oder eben Bedrohung durch Superhelden in unserer Gesellschaft in Frage. Eine Thematik, wie sie ebenfalls in Snyders vermutlich besten Werk "Watchmen" Verwendung fand. Das Drehbuch von Chris Terrio und David S. Goyer weist allerdings auch einige nicht zu übersehende Schwachpunkte auf.


Auch sie mischt irgendwann kräftig mit
Die Tatsache, dass hier zu gleichen Teilen eine Fortsetzung der Ereignisse aus "Man of Steel" erzählt, sowohl Bruce Wayne/Batman als neue Schlüsselfigur integriert als auch eine Brücke zur kommenden "Justice League" – Verfilmung geschlagen werden soll, macht den Plot oftmals stark überfrachtet und lässt diverse Aspekte trotz der bereits üppigen Laufzeit von 2,5 Stunden noch zu kurz kommen. Genauso verhält es sich mit manchen Nebenfiguren und deren Handlungssträngen. Die Art und Weise, wie mit Lois Lane zum Beispiel in der Geschichte verfahren wird, ist miserabel geschrieben und macht aus einer eigentlich ungemein wichtigen Bezugsperson von Clark Kent kaum mehr als bloße Stichwortgeberin oder Dame in Not, die mal wieder gerettet werden muss. Wesentlich interessanter, weil ambivalenter und vor allem kontroverser verfährt der Film mit seinen beiden zentralen Hauptfiguren. Batman und Superman wirken in ihrem eigenen Film mitunter wie gebrochene, unberechenbare Psychopathen und als Zuschauer ist man teilweise ratlos, auf wessen Seite man sich moralisch in diesem als spätes Duell ausgelegten Konflikt überhaupt schlagen soll.


Ben Affleck ist dabei womöglich vielleicht der beste Bruce Wayne, den man bislang in Realform gesehen hat. Er gibt den exzentrischen Milliardär als geschädigten, bulligen Einzelkämpfer, dessen Batman nichts weniger ist als ein Amok laufender Berserker, der sich manchmal ohne Rücksicht auf Verluste durch Gegnerhorden mäht. Auch aus Clark Kent wird man nicht so richtig schlau. Henry Cavill spielt die Figur wie auch schon im Vorgänger zwar mit einer gewissen Sympathie, wirkt aber immer noch blass und unterstreicht dadurch die Art von Kent, der nach wie vor eher isoliertes Alien denn strahlender Retter ist und nie vollständig in der Gesellschaft ankommen kann. Fragezeichen hinterlässt zudem Jesse Eisenberg, der gänzlich auf bizarres Overacting setzt und Lex Luthor als komplett überdrehten Kasper spielt, der eher wie ein ungeschminkter Joker wirkt. Doch gerade die Entscheidung, zwischen die ohnehin schon äußerst ernsten und grimmigen Protagonisten einen Gegenspieler zu positionieren, der durch grellen Irrsinn auffällt, wirkt letztlich nur folgerichtig. "Batman v Superman: Dawn of Justice" nimmt sich ausgiebig Zeit, lässt die titelgebende Auseinandersetzung als kurzen Höhepunkt in die Geschichte krachen und verfällt letztlich in ein neues Szenario, das bedauerlicherweise an den Vorgänger erinnert. Hier wird das finale CGI-Übermaß hingegen als apokalyptisches Inferno eingesetzt, das nicht zu lange andauert, nur um zu einem Schluss zu führen, der den Ausblick auf die "Justice League" mit leisen Pessimismus vollführt und somit überraschend wie konsequent ausfällt.


7 von 10 blutende Superhelden



von Pat

Review: SUCKER PUNCH - Ein Ärgernis in Strapse und Zeitlupe

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Fakten:
Sucker Punch
USA. 2011. Regie: Zack Snyder. Buch: Zack Snyder, Steve Shibuya. Mit: Emily Browning, Abbie Cornish, Jenna Malone, Vanessa Hudgens, Jamie Chung, Carla Gugino, Oscar Isaac, Jon Hamm, Scott Glenn. Länge: 110 Minuten (Extended Cut: 127 Minuten). FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Nach dem Tod ihrer Mutter lebt Babydoll mit Schwester und ihrem grausamen Stiefvater in ihrem Haus. Nachdem sie aus versehen ihre Schwester tötet, nutzt der Stiefvater die Chance und lässt sie in eine Nervenheilanstalt einweisen, wo sie eine Lobotomie bekommen und so ruhig gestellt werden soll. Um mit der Situation in der Anstalt besser zurechtzukommen, flüchtet sich Babydoll in Fantasiewelten, in der sie gemeinsam mit den anderen Insassinnen als Actionheldinnen und erotische Tänzerinnen ums Überleben kämpfen muss und gleichzeitig ihre Flucht vorbereiten will.




Meinung:
Style over Substance. Eigentlich ist das die beste Beschreibung für einen Zack Snyder-Film. Optik übertrumpft Inhalt. Das war bei „300“ so, das war bei „Watchmen“ so, bei „Man of Steel“. Es ist sein Markenzeichen. Manchmal funktioniert es ganz gut, manchmal überhaupt nicht. Aber hier, bei „Sucker Punch“, da ist das anders. Hier heißt es nicht „Style over Substande, denn es ist keine Substance vorhanden. Das letzte bisschen Dreck, was nach dem Kehren auf dem Boden liegen geblieben ist, das ist kein Inhalt, das ist Schund! Alles wird für eine möglichst coole Optik geopfert. Oder zumindest für das, was der gute Zack für cool hält. Inhaltsleerer Müll quillt aus den Mündern der Schauspielerinnen, die außer ihren körperlichen Vorzügen leider allesamt nichts auf der Pfanne haben. Strapsen und Ärsche allein macht noch keine gute Performance. Wobei es nicht unbedingt an den Mädels, an Oscar Isaac und auch nicht an Carla Gugino liegen muss, das möchte ich hier klarstellen.


Heiße Frauen mit großen Waffen - alles nur ein Traum?
Klar könnte man mit viel gutem Willen auch ein bisschen Inhalt und ein bisschen weniger Aussage in diesem Film finden. Alles sehr konstruiert, natürlich. Und selbst diesen Film als Satire, Parodie oder Karikatur des männlichen Blicks auf die Gesellschaft zu sehen, ist wohl mehr Wunschtraum als Realität. Aber mit sowas kennt sich Snyder ja aus. Wie dem auch sei, selbst wenn man dem Regisseur und Drehbuchschreiber jetzt unterstellt, dass er wirklich satirische Absichten verfolgt hatte und das Bild der Frau als Sexspielzeug und Gewalt zum Amüsement des männlichen Zuschauers (im Film dargestellt durch Oscar Isaac, den Vater, Geliebten und Arbeitgeber der Mädchen), der dann auch letztlich selbst als Alphatier in dominanter Art und Weise eingreift, dass er das alles wirklich als Karikatur eines gesellschaftlichen Männlichkeitsbildes sehen will, so ist er dennoch triumphal gescheitert, denn für Satire brauchts dann doch ein bisschen mehr als nur klischeehafte Übertreibungen bis zum Abwinken. Im Übrigen nimmt ihm den Film als Satire in Anbetracht seiner sonstigen Rollenbeschreibungen wohl niemand ab.


Die Träume sind das nächste. Babydoll will vor der grausamen Realtität in der Psychatrie fliehen, darum flieht sie in eine grausame Traumrealität. Und dann nochmal in eine grausame Traum-in-Traum-Realität. Dass die Tänze der Mädels in den Träumen Kampfchoreos sind, schön und gut. Gute Idee. Aber das wars auch wieder mit Lob. Mal davon abgesehen, dass viele Szenen seltsam bekannt vorkamen (er wird doch nicht bei Harry Potter, Herr der Ringe oder gar dem Soldat James Ryan (schlecht)…. ähm…adaptiert haben), so frag ich mich wirklich, ob der Snyder das Ernst meint?! Erst kommen Riesensamurai, die ihre großen Kampfdödel schwingen (und mit Kampfdödel sind ihre Waffen gemeint, capisce?). Dann gasgefüllte Gasmaskensoldatenroboter aus dem Deutschen Reich im ersten Weltkrieg. Danach sind sie sogar nach Mittelerde gesprungen und haben mit Hilfe ihrer Maschinengewehre Frodo den Weg zum Schicksalsberg freigeräumt. Oder halt, war es doch eher der Hobbit und sie sind bei Smaug gelandet? Egal, es ist zumindest spätestens hier SCHEIßE! Und vielleicht sollte jemand Peter Jackson sagen, dass sein Drache tot ist und die beiden übrigen Hobbit-Filme damit überflüssig.


Die Männer in weiß führen die süße Babydoll ab
Also, inhaltlich ist das gar nichts. Nicht in seiner Aussage, nicht in seinen fantastischen Elementen der Traumebenen und auch nicht . Bleibt also der Style, die Stärke von Snyder. Und ja, ein gewisser Style ist vorhanden. Die Actionszenen sind gut choreografiert, die Kostüme sind in Ordnung – gegen Strapse kann ich als Mann auch schwer Argumente vorbringen. Aber was er sonst so bietet, das mag vielleicht noch ein hyperaktives Resusäffchen gut finden, aber für viele könnte es einfach, ja, zu viel werden. Die Szenen, in denen auf CGI verzichtet wurde, die kann man wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Aber viel schlimmer sind die Zeitlupen. Ich hab nichts gegen Zeitlupen, in „300“ sind sie ja gut und auch von der Menge her gut eingesetzt. In „Watchmen“ war es schon hart an der Grenze. Aber hier lässt Snyder beinahe alles in Zeitlupe ablaufen. Nicht nur die Actionszenen (hier übrigens bei jeder Bewegung jedes Mädchens). Aber das reicht ihm nicht, er bringt eine Zeitlupe, wenn sich ein Schlüssel im Schloss dreht, wenn eines der Mädchen blinzelt, wenn Babydoll aus einem Fenster klettert. Wenn irgendjemand von A nach B geht. Welche Folge hat das? Genau, der Film wird träge. Langsam. Und dann auch uninteressant. Die fast genausooft eingesetzten Großaufnahmen von allem und jedem tragen dazu ebenfalls bei.


Madam Gorski will Babydoll zum Tanzen verleiten
Dann ist wie auch bei „Watchmen“ die Musik ein wichtiger Bestandteil des Films. Die Filmmusik an sich mag ja eigentlich ganz in Ordnung sein, nichts herausragendes, aber auch nichts schlechtes. Und wieder passen einige Songs perfekt in den Film, andere wiederum machen alles kaputt. Halt, falsch, sie machen nichts kaputt. Denn dann müsste zuvor schon etwas dagewesen sein, was man kaputt machen könnte. Aber da ist nichts. Auf die Vergewaltigung einiger genialer Songs (WAS ZUM TEUFEL HAT SNYDER MIT QUEEN GEMACHT!) will ich auch gar nicht eingehen. Aber der Film ist insgesamt einfach nur zu einem überdimensional großen Musikvideo geworden. Das Problem dabei? Wenn ich Musikvideos ansehen will (will ich nicht) und Musikvideos noch auf den Musiksendern laufen würden (tun sie nicht), dann hätte ich einen der Sender eingeschaltet (hab ich nicht). Ich wollte immer noch einen Film sehen (konnte ich nicht) und kein Musikvideo (denn einzig und allein das war „Sucker Punch“).


Optische Reizüberflutung bis zum Erbrechen, Musik im Überfluss, wenig Story, keine Aussage. Mit den eigentlich doch bemitleidenswerten Mädels kann man so gar nicht mitfühlen, ihr Schicksal ist dem Zuschauer (mir) genauso scheißegal wie es dem Regisseur ist. Grauenhafte Geschlechterbilder. Und am Ende des Films kann mann sich eigentlich nur Fragen, wie ein Actionfilm, in dem heiße Mädels in Strapsen Orks, Roboter, Riesensamurai und deutsche Soldaten abballern so langweilig sein kann, und frau wird sich fragen, was um alles in der Welt das gewesen sein soll. Höchstens wenn man auf billige Computerspiele steht und durch einen Cocktail aus Ritalin, LSD, Aufputschmittel und Hustensaft zufällig immer in genau der richtigen Stimmung ist, die die Szene erfordert, dann könnte man unter Umständen den Film etwas abgewinnen. Ansonsten bleibt zu sagen, dass der Film nicht nur Zeitverschwendung ist, sondern auch im Nachhinein ein absolut ärgerliches Erlebnis bleiben wird. Vielleicht würde eine Gehirnlobotomie ja helfen, das Gesehene zu vergessen.


1 von 10 Actiontanzeinlagen in Strapsen