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Specials: Vorm Feuerwerk noch schnell ein Fazit - Unsere Tops und Flops des Filmjahres 2013

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2013 liegt in den letzten Zügen, nun wird es auch für uns endlich einmal Zeit ein kleines Fazit zu ziehen. Kobbi, souli, Jacko und stu ziehen Bilanz. Ernennen ihre Top- und Flopfilme des Jahres und sinnieren über Überraschungen und die Zukunft. Viel Spaß und guten Rutsch,
eure Muscheln


Kobbi's 2013

Seine TOP 5

5. Die Tribute von Panem – Catching Fire
Als bester Blockbuster des Jahres schafft es „Catching Fire“ mit seiner starken Heldin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) den soliden Vorgänger zu toppen und mit ruhiger Kamera und verstärkter, der Zielgruppe angemessener Kritik an Politik und Gesellschaft nicht nur ein reiner Unterhaltungsfilm zu sein. > Zur Review

4. Der große Gatsby
Herrlicher Spagat zwischen grotesk überzeichneter Gesellschaftssatire und herzergreifender Liebesgeschichte, die besonders durch die Musik und relativ moderne Optik eine Verbindung zwischen den Zwanzigern und unserer Zeit herstellen kann. > Zu souli's Review

3. Stoker
Ästhetische Bilder, eine beeindruckend dichte Atmosphäre und unglaublich viele kleine Hitchcock-Anspielungen dieses visuellen Festschmauses lassen die doch stellenweise etwas dünne Story schnell vergessen. > Zur Review

2. Prisoners
Unheimlich packender Psychothriller über eine Kindesentführung, der das Thema der Gefangenschaft konsequent und variabel bei allen Figuren durchzieht und so auch den Zuschauer mitzittern lässt und damit fesseln kann. > Zur Review

1. Les Misérables
Eine Geschichte über Liebe, Kampf und Rache, große Emotionen und Gefühle, opulente Kostüme und Kulissen, fantastische Schauspieler und natürlich wunderbare Musik – für genau solche Filme wurde das Kino erfunden.

Seine Flop 5

5. Keinohrhase und Zweiohrküken
Obwohl hier auf kindgerechte und unterhaltsame Weise eine sinnvolle Moral präsentiert wird, können die mau animierten Tiere, die lieblose gestaltete Welt und vor allem die schlechten Synchronstimmen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Til Schweigers bester Film leicht unterdurchschnittlich bleibt. > Zur Review

4. Der Hobbit – Smaugs Einöde
CGI-Spektakel und schwächerer zweiter Teil der Hobbit-Trilogie, der als unfreiwillige und seelenlose Actionkomödie halbwegs funktioniert, dem aber seine Figuren genauso egal sind wie seine bruchstückhaft erzählte Geschichte und der gemessen an seinem Potential die größte Enttäuschung des Kinojahres darstellt. > Zu souli's Review

3. Get The Gringo
Phasenweise sogar solider B-Movie, bei dem Mel Gibson versucht, an seine alte Coolness heranzukommen, aber aufgrund der hirnverbrannten Story einfach keine rechte Chance bekommen will. > Zu Jacko's Review

2. Movie 43
Was auf Youtube (vielleicht) funktioniert, das muss als Spielfilm noch lange nicht klappen – eigentlich nur schade um den namhaften Cast, der zwischen Muschis, Scheiße und saublöden Flachwitzen in dieser schwachen Komödie total verheizt wird. > Zu stu's Review

1. Die Hochzeit unserer dicksten Freundin
Schreckliches Machwerk, das nicht nur mit der angewidertsten Fresse der Filmgeschichte (Kirsten Dunst), sondern auch ohne Witz, mit viel Ekel und erbärmlichen Schauspielerinnen aufwarten kann.

Was Kobbi noch empfehlen will…
ist „Schuld sind immer die anderen“. Zugegeben, der Titel ist recht irreführend, gerade, wenn man in der Liste der erfolgreichsten deutschen Filme des vergangenen Jahres Vertreter wie „Kokowääh 2“ oder „Fuck Ju Göhte“ entdeckt. Klischeebeladene, meist recht doofe, reine Feel-Good-Komödchen. Aber jedes Jahr gibt es ein paar gute, deutsche Filme, die leider beim Publikum gnadenlos durchfallen. Diese guten deutschen Kinoproduktionen führen ein Schattendasein, werden nach schwachem Einspielergebnis mit viel Glück mal irgendwo im Nachtprogramm ausgestrahlt und dann für immer vergessen. Einer dieser unbekannten, aber dafür hervorragenden deutschen Filme ist „Schuld sind immer die anderen“ von Lars-Gunnar Lotz, in dem der brutale, junge Straftäter Ben in einer Einrichtung des Freien Vollzugs auf Eva, eines seiner früheren Opfer, trifft, was sowohl Ben als auch Eva auf eine harte Probe stellt. Sperrig und unangenehm kommt der Film daher, ist wohl gerade deshalb voller Emotionen, lässt aber Klischees größtenteils weg und weiß vollends zu überzeugen. Aber auch diesem Film schien ein Schattendasein bestimmt zu sein, nur in wenigen Kinos in Deutschland bekam er im Frühjahr einen Starttermin. Bis im Sommer ARTE kam und den Film nur kurz nach seiner Kinoauswertung zur Prime-Time ausstrahlte. Natürlich ist das nur ein kleiner Schritt, natürlich ist das „nur“ ARTE und natürlich braucht man auch ein Publikum, das diesen Film dann auch ansieht, aber dieses Verhalten lässt hoffen, dass die kleinen, eigenen, guten Filme wenigstens nachträglich gefördert werden und ein bisschen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Wie der deutsch-französische TV-Sender möchte darum auch ich hier auf diesen kleinen, hervorragenden Film aus Deutschland noch einmal aufmerksam machen. Er hat es verdient.

Soulis 2013

Seine Top 5

5. Only God Forgives
Nicolas Winding Refn nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch die Hölle und dekonstruiert falsche Männerphantasie so brachial, wie es in dieser poetischen Potenz schon lange nicht mehr zu sehen war. > Zur Review 

4. The Innkeepers
Ti West bringt die Nostalgie zurück in das Genre und beweist dabei ein meisterhaftes Gespür dafür, die kalten Finger des subtilen Horrors langsam um den Hals des Zuschauers zu legen. > Zur Review

3. Der Geschmack von Rost und Knochen
Es ist ein authentischer und ungemein bereichernder Kraftakt, diese beiden Gestrandeten bei ihren gemeinsamen Gehversuchen zu beobachten. > Zur Review

2. The Act of Killing
Die Banalität des Tötens wird in ihrer psychologischen Grausamkeit darstellt und hinterlässt tiefe Narben. > Zur Review

1. The Master
Wuchtiges, gnadenlos menschliches Kino, ein Brocken von Meisterwerk, natürlich brillant gespielt. > Zur Review

Seine Flop 5

5. Prisoners
Eigentlich als Krimi-Meisterwerk des neuen Jahrtausends verkauft, ist „Prisoners“ so banal wie altbacken. Die tollen Bilder und ein hervorragender Jake Gyllenhaal lösen jedoch Glücksgefühle aus. > Zu Kobbi's Review

4. Star Trek Into Darkness
Wer seine Hoffnungen in „Stark Trek Into Darkness“ für den Blockbuster des Jahres gelegt hat, der wurde ebenso enttäuscht, denn am Ende blieb nur ein schnöder Schwanzvergleich zwischen aufmüpfigen Spitzbuben. Cumberbatch jedoch rettet das Ganze in den Durchschnitt. Schon wieder! > Zur Review  

3. Der Hobbit: Smaugs Einöde
Und der nächste Meister, der nicht mehr so recht weiß, wie man eine Geschichte erzählt UND den Zuschauer in eben diese einbindet. Zum Glück gibt es noch die Stimme von Benedict Cumberbatch, die lässt jeden Bildschirm beben. > Zur Review

2. Django Unchained
Es scheint so, als hätte der Meister der Hommage sein Mojo verloren und auch die Italo-Western nicht verstanden, denen er hier die letzte Ehre zollt. Schade drum, unterhaltsam ist der Unfug dennoch. > Zur Review

1. Man of Steel
Platt, oberflächlich, laut, laut, laut, laut. Und dumm. Richtig dumm. Aber sowas von dumm.
> Zu stu's Review

Was sagt souli zum Filmjahr 2013?
Was soll man über das Jahr 2013 schon groß sagen? Die großen Heilbringer zeichnen sich durch schwache Inszenierungen und verwaschene Narrationen aus. Erwartungen wurden nicht nur NICHT bestätigt, sie wurden gänzlich zur Farce ihrer eigenen Ambitionen degradiert und landetet – im besten Fall -, gerade so im Mittelfeld der Jahresauswertung. 2013 ist ein Jahr der Enttäuschungen, selbst dann, wenn man einige große Filmziele noch nicht abarbeitet hat. Gerade die diesjährige Blockbuster-Saison mauserte sich schlichtweg zur Katastrophe und durfte sich zum Ende des Jahre noch glücklich schätzen, dass wenigstens der zweite Teil von „Thor“ mächtig Eindruck machte. Egal, immerhin durfte man Joaquin Phoenix in „The Master“ bestaunen, denn das war schauspielerische Perfektion im reinsten Glanze. Nächstes Jahr dann aber bitte wieder mehr Qualität – oder weniger Geschmack, wer weiß.

Jackos 2013:

Seine Top 5

5. Take this Waltz
Der schönste Liebesfilm, den ich dieses Jahr sehen durfte. Wunderbar. > Zur Review

4. Stoker
Im Gegensatz zu Kim Jee-woon darf sein Landsmann Park Chan-wook beim US-Debüt seine Stärken ausspielen. Mehr davon. > Zu Kobbi's Meinung

3. Die Jagd
Moderne Hexenjagd in der dänischen Provinz. Erschreckend und großartig. > Zur Review

2. The Master
Das sperrige Meisterwerk von Paul Thomas Anderson, mit der besten Performance des Jahres (Joaquin Phoenix). > Zu souli's Review

1. Django Unchained
Tarantino machte endlich seinen Western. Das Warten hat sich gelohnt. > Zur Review

Seine Flop 5

5. Zimmer 205
Deutscher Horrorfilm, die Erste: Ein tolles Jahr für den heimischen Genrefilm. Da entsteht was...fragt sich nur was. > Zur Review

4. Upside Down
Kitsch-Alarm des Jahres. Das stehste' Kopf.

3. Sharknado
Asylum bleibt Asylum, aber geile Werbestrategie. Respekt. > Zur Review

2. Lost Place
Deutscher Horrorfilm, die Zweite: Immerhin im Kino und in 3D. War zumindest das unterhaltsamste Kinopublikum des Jahres (danke Leute, mit euch hat das Spaß gemacht. Ich sag nur: Szenenapplaus.) > Zur Review

1. Plastic Surgery Massacre (Plastic)
Deutscher Horrorfilm, die Dritte: Okay, genau genommen im Dezember 2012 gestartet, allerdings nur auf "ausgewählten" Festivals... oder im Partykeller von "Regisseur" Marcel Waltz. Gina-Lisa Lohfink gehört die Zukunft. > Zur Review

Jackos letzte Worte… für 2013
In meinen "letzten Worten" des Jahres will ich gar nicht direkt auf einen Film eingehen, sondern eher auf das Filmjahr gesamt. Was erschreckend markant war: Ganz viel grauer Durchschnitt. Natürlich mit positiven wie negativen Ausreißern, doch etliche Filme blieben im schalen Bereich jenseits von Gut und Böse. Meine  Enttäuschungs-5 kommt nicht ohne Grund und sie ließe sich noch locker verlängern. Es fehlte oft schlicht der Mut zur Lücke, mal etwas riskieren. Das war ausgesprochen selten der Fall. Viele große Namen dieses Jahres waren mir relativ egal und wurde komplett ausgelassen, ohne dass ich dabei ein schlechtes Gewissen habe. Gut, dann dürfte ich mir genau genommen kein Urteil erlauben, tue ich auch nicht. Ich behaupte ja nicht, dass Filme wie z.B. "Pacific Rim", "Man of Steel", "Die fantastischeWelt von Oz", "Oblivion" und wie sie alle heißen schlecht sind, ich habe nur nicht das Bedürfnis, sie mir anzusehen. Passiert ohnehin irgendwann, ihr Reiz hält sich jedoch in Grenzen. Selten waren mir so viele große Filme so gleichgültig wie in 2013. Hoffentlich ändert sich das im nächsten Jahr, denn eigentlich gehe ich gerne ins Kino. Nur will ich zwischen 7 und 13 Euro (nur fürs Ticket) für etwas ausgeben, dass mich nicht reizt? Eher nicht. Da warte ich lieber auf die Auswertung fürs Heimkino. Und selbst dann. Da greife ich eher zu DTV-Premieren, die vielleicht eine positive Überraschung darstellen. Bestes Beispiel war in diesem Jahr "Byzantium". Dafür wäre ich auch ins Kino gegangen. Tja, da war aber für den kein Platz. Ärgerlich. Na ja, alle Hoffnungen auf 2014. In diesem Sinne, ein frohes neues Jahr!

Stus 2013

Seine Top5

5.The World’s End tie Gravity
Der eine Filme rührte und amüsierte mich wie kein Zweiter, der andere beeindruckte mich durch seine visuelle Kraft. Gleichstand deswegen zwischen Edgar Wrights melancholischer Chaoskomödie und Alfonso Cuarons Weltall-Spektakel. > Zur "Gravity"-Review > Zur "The World's End"-Review

4. Der Geschmack von Rost und Knochen
Mit der Kraft die das Drama „Der Geschmack von Rost und Knochen“ ausstrahlt könnte man die Energieversorgung eines großen Landes für einige Jahre sicherstellen. Einfach sehr großes Emotionskino, das mit seinen Darstellern und seiner ungeschönten Ehrlichkeit überzeugt. > Zu souli's Review

3. Django Unchained
Eine gut geölte Unterhaltungslok von Film. Tarantino vermischt erneut effektiv und erinnerungswürdig Stile, Fakten und Fiktion. > Zu Jacko's Review

2. Zero Dark Thirty
Bigelows Film ist keine definitive Antwort. Bigelows Film ist eine Frage und diese stellt der ambitionierte Thriller konsequent und ungeschönt. Ein mehr als würdiger Nachfolger zu „The Hurt Locker“. > Zur Review

1. John dies at the End
Eine adäquate Zusammenfassung von Don Doscarellis Kuriositätenkabinett zu erstellen scheint genauso unmöglich für mich, wie russisches Roulette mit vollem Magazin lebendig zu überstehen. Ein pures, phantastisches Kuriosa ohne Wenn und Aber, an dem ich dieses Jahr mein Herz verloren habe. > Zu Jacko's Review  

Seine Flop 5

5. Olympus has fallen
Stupide, langatmig, schlecht getrickst und als Krönung wird hier alles erniedrigt was nicht weiß und männlich oder Morgan Freeman ist. Action at his worst. > Zu souli's Review

4. House at the End of the Street
Der kleine Bruder von Nett ist Scheiße und dieser hüftlahme Horrorfilme scheint das inzestuöse Ergebnis von beiden zu sein, nur das Nett seinen Namen in „Gewöhnlich“ geändert hat.

3. Man of Steel
Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Depriman. Snyders „Superman“-Reboot war wohl das lächerlichste und nervigste Wiedersehen mit dem Comic-Urgestein seit „Superman IV“. > Zur Review

2.Oldboy
Toll besetzt, aber inszenatorisch wie inhaltlich ein absolute missglückter Versuch das südkoreanische Original neu zu definieren. Eine Schande. > Zur Review

1. After Earth
Kein Sci-Fi-Abenteuer, sondern mehr eine Art Elendstourismus. Diesen Film durchzustehen war eine einzige Qual. > Zu souli's Meinung

stu wurde 2013 überrascht
Was soll ich zum Filmjahr 2013 nur sagen? Rückblickend kein wirklich schlechtes Jahr, auch wenn es mir nun, wenige Stunden vorm Jahreswechsel wirklich schwerfällt eine große Besonderheit, Schwäche oder Stärke her auszukramen. Größere Frauenrollen, die mehr sind als Abziehfiguren, habe ich in den Blockbustern vermisst, auch wenn Disneys „Frozen“ diesbezüglich mit Emanzipation überraschen konnte. Die größte Überraschung des Filmjahres 2013 war für mich aber das Remake von  Tanz der Teufel“, auch wenn ich damit meist auf Unverständnis stoße. Er gefiel mir, obgleich es eigentlich nicht mein favorisiertes Genre ist, alleine schon dadurch, dass es Regie-Newcomer Fede Alvarez gelang es einen einfachen, aber optisch stimmungsvollen Attraktionsfilm zu inszenieren, der bodenständig und hausgemacht wirkte und mir statt leblosen CGI-Effekte im Dauerfeuermodus (Gruß an „Man of Steel“) grafisc´h imposante Handmade-Abscheuchlichkeiten darbot. Ja, richtig gruselig ist die Necronomicon-Modernisierung nicht. Es ist eine anspruchslose Achterbahn, die schnell von einem Looping zum anderen heizt, aber nach pseudo-intelligenten Spukfilmen wie „Mama“ und Möchtegern-Philosophischen Schlachtplatten wie den „Saw“-Filmen empfand ich diese Art der Horror-Unterhaltung  als sehr ansprechend. Deswegen ist „Evil Dead“ für mich die positive Überraschung des Jahres. Ansonsten wünsche ich mir von 2014 in der erster Linie eines: gute Filme.

Review: THE MASTER - Joaquin Phoenix und das unkontrollierbare Tier in seiner Seele

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Fakten:
The Master
USA. 2012. Regie und Buch: Paul Thomas Anderson. Mit: Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Jesse Plemons, Rami Malek, Ambyr Childers, Laura Dern, Madisen Beaty, Lena Endre, Kevin J. O’Connor, Amy Ferguson, Patty McCormack, Fiona Dourif, Joshua Close, David Warshofsky, Steven Wiig, W. Earl Brown u.a. Länge: 143 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Ab 21. Februar 2013 im Kino.


Story:
Der alkoholkranke Kriegsveteran Freddie findet neuen Halt beim Intellektuellen Lancaster Dodd, der eine eigene religiöse Vereinigung ins Leben ruft. Dodds neuartiger Glaube findet immer mehr Anhänger, doch dem posttraumatisierten Freddie kommen immer mehr Zweifel an seinem geistigen Führer. Es kommt zum Konflikt.




Meinung:
„Man is not an animal. We are not a part of the animal kingdom. We sit far above that crown, perched as spirits, not beasts. I have unlocked and discovered a secret to living in these bodies that we hold.”


Amy Adams als Peggy, die Frau hinter Lancasters
Paul Thomas Anderson ist nicht mehr nur das Regiewunderkind, zu dem er durch Filme wie „Boogie Nights“ und „Magnolia“ stilisiert wurde, Paul Thomas Anderson ist ein moderner Visionär des Kinos, ein Meister seiner Klasse, und hat schließlich mit der bestialischen Charakterstudie „There Will Be Blood“ mehr als eindrucksvoll bewiesen, dass er in Sachen inszenatorischer Reife noch lange nicht am Ende seiner Reise angelangt ist. Anderson entwickelte sich von Film zu Film, jongliert mit seiner Themenvielfalt nach Belieben und setzte sich bereits so gut wie immer in jedem Bereich ein ganz eigenes Denkmal. Nun stellt man sich als Freund der Werke des Kaliforniers die Frage, wie man ein nahezu vollkommenes Monstrum wie „There Will Be Blood“ noch überbieten kann, wie man diese intensive Schauspielführung noch toppen soll, dieses exzellente und unvergessliche Gesamtpaket, bei dem wirklich jeder Aspekt, von der Kamera bis zum Musikeinsatz, maßgeschneidert tradiert wurde.


Die Antwort auf diese verzwickte Frage bleibt Anderson seinem Publikum auch nach seinem neusten Werk „The Master“ schuldig, der seinem bisherigen Opus Magnum „There Will Be Blood“ nicht das Wasser reichen kann. Wenn wir jedoch versuchen diese beiden Filme miteinander zu vergleichen, treffen wir auf das alte Trauerspiel mit den Äpfeln und den Birnen. Denn bleiben wir bei der Wahrheit, auch wenn „The Master“ nicht die enorme Durchschlagskraft von Andersons Geschichte über den machtbesessenen Ölbaron Daniel Planview hat, meldet sich der hochintelligente Filmemacher dennoch mit einem Meisterwerk zurück und demonstriert erneut, dass ihm an den Erwartungen des Mainstreampublikums rein gar nichts liegt und prügelt in all seiner erzählerischen Sperrigkeit auf die Sehgewohnheiten des Durchschnittskonsumenten ein.


Kurz vorm freien Fall: Freddie Quell
Im Vorfeld wurde zu genüge über Andersons Intention und die folgende Umsetzung von „The Master“ diskutiert. Die Debatten kreisten um die von L. Ron Hubbard 1954 ins Leben gerufene religiöse Bewegung namens „Scientology“. Ein Thema, das dank Tom Cruise, Will Smith, John Travolta und Konsorten unzählige Male durch den medialen Fleischwolf getrieben wurde und für den genügsamen Zuschauer narrensicher als dämonischer Sektenkult verkauft wird. Worum es nun in Wahrheit bei dieser Organisation geht, wissen die Wenigsten und wenn man zugehörige Fachbegriffe wie den „Thetan“ erwähnt, der Dreh- und Angelpunkt im „Scientology“-System ist, stößt man auf verwirrte Blicke. Mit „The Master“ nimmt Paul Thomas Anderson nur in Bruchstücken Bezug auf die Methoden und Prozeduren von „Scientology“ und die fiktive Gruppe „The Cause“ lässt sich als Sinnbild für jede religiöse Bündelung verstehen, die ihre aufgenommenen Lämmer indoktrinieren wollen.


In einer Sache lassen sich die Übereinstimmungen bezüglich The Cause und Scientology nicht abstreiten. Während Scientology versucht den Thetan, ein Wesen im verborgenen Gemüt des Menschen, aufzurichten und ihn so zu einem besseren wie leistungsfähigeren Individuum zu konstruieren, verfolgt auch The Cause genau dieses Ziel, den Menschen als Unikum zur allgemeinen psychologischen Rekonvaleszenz zu führen. Das Tier in der Seele des Menschen muss entfernt werden, der Mensch muss die volle Beherrschung über sich besitzen. Ein Handlungsschema, das man von innerartlichen Revisionsprozessen kennt, bei denen Pflanzen oder wilde Tiere einer genetischen Isolierung unterzogen werden. Wer nun also bei einer solch anspruchsvollen Thematik bereits desinteressiert abwinkt, wird an „The Master“ keinerlei Freude finden, genau wie der Teil des Publikums, der klare Spannungskurven verlangt und der Leinwand nur konzentriert folgen kann, wenn er einen Charakter zugesprochen bekommt, mit dem er sich identifizieren darf, denn dem ist sicher nicht so.


Lancaster Dodd im Kreise seiner "Schäfchen"
Im Mittelpunkt steht Freddie Quell. Ein antriebsloser Kriegsveteran, ein triebhafter Alkoholiker, ein unbändiger Raufbold, verkörpert von Joaquin Phoenix, der hier seine mit Abstand beste Karriereleistung abliefert und eine mimische wie gestikulierte Perfektion an den Tag legt, die schlichtweg den Atem raubt. Freddie ist einer von den Männern, die im Krieg einen klaren Auftrag vor Augen hatten und nun ohne Perspektive in den Tag leben. Was Freddie fehlt ist das Gefühl der Zugehörigkeit, eine Ersatzfamilie, ein Ort, an dem er so angenommen wird, wie er ist. Und hier schaltet sich The Cause in das Geschehen ein, angeführt von Lancaster Dodd, der in Form von einem der besten Charakterdarsteller unserer Zeit auftritt: Philip Seymour Hoffman. Hoffman ist einer der Schauspieler, bei dem wir uns inzwischen sicher sein können, dass seine Performances immer von einprägsamer Brillanz geziert sind, als Master Lancaster Dodd ist das nicht anders. Freddie ist der optimale Bewerber für The Cause und wird natürlich mit einem breiten Lächeln in die hypnotische Runde aufgenommen.


Der ziellos wandelnde Freddie in den Fängen der religiösen Gemeinschaft. Anfangs noch begeistert von seinem Umfeld, das ihm genau das Gefühl gibt, was er seit Ewigkeiten vermisst hat, muss er bald mit den ersten misstrauischen Anflügen in Bezug auf die Predigten und Ansprachen von Lancaster Dodd ringen. Was sich unter diesem Gesichtspunkt als äußerst interessant identifizieren lässt, ist die Tatsache, dass Anderson Freddie keinerlei psychologische Entwicklung gewährt. Es sind maximal winzige Facetten, momentane Erfassungen, die ihn für Sekunden in ein anderes Licht stellen. Konsequente und großspurige Veränderungen werden nicht absolviert, was eben genau zu dieser widersetzlichen Dynamik führt, von der sich viele Zuschauer schnell alleingelassen fühlen werden. „The Master“ ist im Allgemeinen eine distanzierte Bestandsaufnahme, ein Film ohne Anfang und ohne Ende, im Fokus steht die Beziehung zwischen den diametralen Charakteren Freddie und Lancaster.


Freddie im Fokus
Diese Freundschaft birgt etwas Faszinierendes in sich. Während Freddie ein animalischer Rüpel ist, der immer genau das tut, was er gerade für richtig hält, ist Lancaster ein revierender Ruhepol. Beide sind sich von Grund auf verschieden, doch Lancaster sieht in Freddie nicht nur das zügellose Tier, das The Cause aus ihm expatriieren möchte, sondern auch den Menschen, den er selber mit aller Macht unterdrücken muss. In der Gefängnisszene wird diese psychologische Gegendarstellung beeindruckend festgehalten. Freddie rastet in aller Unbändigkeit aus, Lancaster lehnt sich regungslos an sein Bett, um langsam von Freddies stürmischer Wut mitgerissen zu werden. Wenn wir uns dann noch vor Augen halten, dass das wahre Metronom im Herzen der Sekte als Randerscheinung durch Lancasters Frau Peggy Sue (wunderbar: Amy Adams) auftritt, die die wahre Strippenzieherin im Szenario ist, bekommt die Rollenverteilung einen weiteren, hochinteressanten Anstrich.


Wer nun eine kritische Auseinandersetzung gegenüber Scientology und Co. erwartet, der befindet sich auf dem Holzweg. Anderson geht den einzig richtigen Weg und beugt sich weder der Verteufelung solcher Sekten und begeht dadurch eine urteilssichere Dekonstruktion der Moralvorstellungen, noch ist es eine Romantisierung, die dem Ganzen einen schwärmerischen Tonus verleiht. „The Master“ bleibt ein Film über Menschen, über Schwächen und Sehnsüchte. Über Menschen, die ein Teil  einer standhaften Verbundenheit sein wollen, sich ihrer Natur aber nicht verweigern können und so sämtlichen Autoritäten geradewegs ins Gesicht treten. Wenn Anderson seinen renommierten Master an sich selbst zweifeln lässt, dann wird deutlich, mit welchem Scharfsinn der Regietitan seine Charaktere offenbart. Ohne Vorschriften und ohne Anbiederungen geht „The Master“ seinen Weg und als Zuschauer muss man sich an jeden noch so kleinen Zwischenton klammern, denn sonst rennt einem dieser unkonventionelle Brocken von Film gnadenlos davon.

10 von 10
 


von souli