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Review: CHAPPIE - Ein Roboter zum knutschen

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Fakten:
Chappie
Südafrika, USA. 2015. Regie: Neill Blomkamp. Buch: Terri Tachel, Neill Blomkamp.
Mit: Dev Patel, Sharlto Copley, Watkin Tudor Jones, Yolandi Visser, Hugh Jackman, Sigourney Weaver, Jose Pablo Cantillo, Brandon Auret, Jason Cope, Bill Marchant, Kevin Otto, Johnny Selema, Anderson Cooper u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 9. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Südafrika in naher Zukunft: Um die horrende Kriminalität in den Griff zu bekommen setzt die Polizei Roboter ein. Deon arbeitet in der Firma, die diese Roboter entwickelt und produziert. Als er eine moderne, künstlichen Intelligenz entwickelt und diese verbotenerweise einem Roboter einsetzt, verstößt er damit nicht nur gegen die Vorschriften, sondern zieht auch die Aufmerksamkeit von Kleinkriminellen auf sich, die den Roboter nutzen wollen, um den großen Coup zu landen. Doch statt einer Killermaschine bekommen sie Chappie, einen Roboter, der zu Beginn mehr ein Kind ist, als ein Kämpfer.





Meinung:
Der südafrikanische Regisseur Neill Blomkamp liefert mit „Chappie“ seine dritte Regiearbeit ab und erneut lässt hier all das finden, was bereits seinen Erstling, der grandiosen „District 9“, ausgemacht hat: Futuristik die auf gegenwärtige Slumästhetik trifft, klar ausformulierte Actionszenen und natürlich ganz viel Gesellschaftskritik, vorgetragen mit glühenden Kanonen, die bei Blomkamp den altbewährten Holzhammer ersetzen. Nach „Elysium“, den Blomkamp mittlerweile selbst eher kritisch betrachtet (womit der zwar durchaus recht hat, was die positiven Qualitäten des Films mit Matt Damon und Jodie Foster aber keineswegs schmälert) ändert sich also recht wenig an seinem Stilistik. Störend ist dies allerdings nicht, denn Blomkamp ist aktuell scheinbar der Einzige Regisseur mit Blockbusterqualität, der zum einen ohne falsche Scham oder aufgesetzt Trash-Affinität dem Genre des Sci-Fi-Film huldigt  - und es obendrein mit viel Herz und Wärme bedient - , zum anderen inszeniert und verfasst er Filme, die ihre Aussage (auch wenn sie nicht immer sonderlich elegant formuliert ist) genauso ernst nimmt, wie seine effektvollen Schauwerte und die präsentierte, futuristische Welt.


Mami bringt Chappie das Malen bei
Bei „Chappie“ ist das nicht anders. Erneut bedient sich der Regisseur und Autor beim worldbuilding, welches er bereits 2009 für „District 9“ verwendete. Er beherrscht es mittlerweile wahrscheinlich mit verbundenen Augen. So gut und stimmungsvoll es auch ist, es bleibt zu hoffen, dass er bei seinem nächsten Projekt, „Alien 5“, sich von ihr befreit und sich, genau wie Roboter Chappie, weiterentwickelt, denn auch wenn sein Robo-Drama deutlich mit Schwächen zu kämpfen hat, so ist es doch einer der interessantesten Blockbuster der letzten Monate, weil Blomkamp stets versucht mehr zu erschaffen als wummernde Action und High-Tech-Brimborium. „Chappie“ z.B. spielt mit essentiellen, philosophischen Fragen. Das der Roboter eine defekte Batterie hat, kann er nicht aufgeladen werden, ist also zu sterben verdammt. „Warum hast du mich erschaffen, wenn ich doch sterbe?“ fragte der liebenswerte Roboter seinen Schöpfer, den Ingenieur Deon (Dev Patel, bekannt u.a. aus „Slumdog Millionär“). Eine gewichtige Frage. Das der Film wirklich Ansätze verfolgt diese zu beantworten ist so ehrenwert wie auch charmant. Am Ende gibt sich Blomkamp aber mit Plattitüden zufrieden. Ein Vordringen, tiefer in den Raum des Machbaren, das fehlt „Chappie“.


Chappie ist He-Man-Fan
Was er dafür besitzt ist neben einem eher verzichtbaren Faible für Slow Motion-Shots und Product Placement für die südafrikanische Band Die Antwoord, die hier als Gangsterpärchen auftritt, ein Herz für seinen Titelhelden. Es sind höchst einfache Empathie-Kniffe, die Blomkamp verwendet, um Chappie dem Publikum näher zu bringen, die teils sogar an den Kinderfilmklassiker „Das Schweinchen namens Babe“ erinnern, aber sie funktionieren bestens, in dieser modernen, actiongeladenen Neuinterpretation von „Nummer 5 lebt“, die auch deswegen hinter ihren Möglichkeiten bleibt, weil Blomkamp die Zuschauer nie wirklich fordert. Gut, das tat er eigentlich noch nie, doch hier, innerhalb der Handlung, verbergen sich so facettenreiche Gedankenexperimente und teils auch ethische (Grundsatz-)Fragen, dass es nicht ausreicht zuerst nur auf einen funktionellen Unterhaltungswert hinzuarbeiten. Dieser Wert kommt bei „Chappie“ auch immer wieder ins Stocken. Neben innigen wie amüsanten Momenten und einem Hugh Jackman, der sichtbar Freude daran hat einmal den Bösewicht zu verkörpern, verkrampft sich Blomkamp nämlich des Öfteren in recht renovierungsfällige Klischees und auch die (im Gesamtbild eher wenigen) Actionszenen, sind zwar alles andere als unschick, wirken jedoch meist zu wahllos, stellenweise sogar etwas zu aufgesetzt.


Ja, „Chappie“ steckt voller Fehler, doch der Film besitzt dafür eine unglaubliche Wärme. Der Ausdruck „das Herz am rechten Fleck“, er passt zum Film wie die sprichwörtliche Roboterfaust aufs Auge. Wie Neil Blomkamp mit (wirklich simplen) Mechaniken Sympathie sowie Empathie zum Titelheld aufbaut ist das wahre Highlight des enttäuschenden, aber letztlich doch gelungenen Films. Und am Ende, wenn es ähnlich wie in Christopher Nolans „Interstellar“ der Mensch ist, der Gottes Werk an sich reißt und dessen Regeln außer Kraft setzt, findet Blomkamp einen Schlusspunkt, in dem liebliche Hoffnung genau so viel Platz findet wie niederschmetternder Pessimismus. Diese wunderschöne Ambivalenz sowie sein großes Herz hat „Chappie“ Nolans großkotziger Weltraumopfer voraus, auch wenn man beide Filme wohl nur indirekt miteinander vergleichen kann.


6 von 10 Gummihühnern

Trailerpark: Christian Bale versucht sich als Moses - Erster Trailer zu EXODUS: GODS AND KINGS von Ridley Scott

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Ridley Scott widmet sich mal wieder der Historie. Nun gut, „Exodus : Gods and Kings“ ist mehr Bibel-/Fantas- als Sandalen-, bzw. Historienfilm, aber die im ersten Trailer gezeigten Bilder zeigen deutlich, dass Scott es einfach versteht große Bilder zu inszenieren. In seinem neuesten Werk, welches sich sichtbar selbst als Epos verstanden haben will, wird die alte, niemals aus der Mode kommende Geschichte von Moses und Ramses erzählt, die hier von Christian Bale ("American Hustle") und Joel Edgerton ("Der große Gatsby") gespielt werden. Endlich bekommt Edgerton also seine erste große Hollywood-Hauptrolle. Wurde ja auch Zeit. Daneben werden noch Aaron Paul ("Need for Speed"), Ben Kingsley (“Iron Man 3”), Sigourney Weaver („Alien“-Quadrilogy), Ben Mendelsohn („The Place beyond the Pines“), Indira Varma („Game of Thrones“) und John Turturro (“Transformers”) zu sehen sein. Der Film startet bei uns am 25. Dezember 2014 und wenn man dem Trailer Glauben schenkt, kommt da zumindest optisch großes auf uns zu, auch wenn wir ehrlich sind und mittlerweile dem Genre und dem Regisseur etwas reserviert gegenüber stehen.


Review: 1492 – DIE EROBERUNG DES PARADIESES – Legendenbildung à la Ridley Scott

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Fakten:
1492 – Die Eroberung des Paradies (1492 – Conquest of Paradise)
Spanien, Frankreich, USA. Regie: Ridley Scott. Buch: Roselyne Bosch. Mit: Gérard Depardieu, Sigourney Weaver, Armand Assante, Tchéky Karyo, Fernando Rey, Kevin Dunn, Frank Langella, Michael Wincott, Arnold Vosloo, Jack Taylor u.a. Länge: 149 Minuten. FSK: freigegeben a 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Geschichte des Entdeckers Christoph Kolumbus, der 1492 eine der größten Entdeckungen der Menschheitsgeschichte machte: den Toaster… oder Amerika. Da sind wir uns unsicher.





Meinung:
Da inszenierte der inzwischen schon zum Ritter geschlagene Ridley Scott mit „Alien“ und „Blade Runner“ zwei Filme, die ihm vollkommen zu Recht den Status eines Visionärs einbrachten und legte schließlich noch den Klassiker „Thelma & Louise“ Anfang der 1990 er Jahre nach, der seinen renommierten Ruf erneut betonierte. Ein Publikumsmagnet war Ridley Scott indessen allerdings nie und seine Filme mussten sich aus kommerzieller Sicht schon so manches Mal als rigorose Flops deklarieren lassen – Selbst „Blade Runner“ wurde seiner Zeit großzügig umgangen, was verdeutlicht, dass der Misserfolg an den Kinokassen nicht auf die despektierliche Qualität des Endprodukts zurückzuführen ist. Es gab aber auch Jahre, in denen Ridley Scott seiner Topform, die sich natürlich auch aus den Drehbüchern herauskristallisierte, aus vergangenen Tage kläglich hinterher eiferte, es aber maximal nur zu besserem Durchschnitt reichen wollte: Ob „Der Mann im Hinter-grund“, „Black Rain“ oder auch „White Squall“. Optisch immer auf der Höhe, inhaltlich zumeist grob fahrlässig.


"Es tut mir leid N'Chuk'ma, ich habe heute leider kein Foto für dich"
So auch „1492 – Die Eroberung des Paradieses“, der 1992 anlässlich des 500. Jahrestages der „Entdeckung“ Amerikas in die Kinos kam. Man möchte das Missglücken des Films auf die Unerfahrenheit der Drehbuchdebütantin Roselyne Bosch zurückführen, die Christoph Kolumbus und den Mythos seiner Person vollkommen Unreflektiert frönt, in dem sie den Charakter Kolumbus' von allen Ecken und Kanten befreit, um ihn als tadellosen Idealisten im hellsten Licht erstrahlen zu lassen. Natürlich fungiert Ridley Scott wie bei all seinen Abstechern in die internationale Historie mit geschichtlicher Achtlosigkeit, in dem das jeweilige Skript der Dramaturgie willen Fakten verfälscht respektive trivialisiert und die thematischen Schwerpunkte von Kolumbus' Expedition wie auch ihre für die gesamte Menschheit signifikanten Folgen in Bezug auf die Einleitung der Kolonialisierung Amerikas ideologisch verschiebt: „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ versteht sich als astreine Legendenbildung und für all die bestialischen Zwischentöne gehen von der Figur des Michael Wincott aus, während Kolumbus der Humanist bleibt, der eine gleichberechtigte „Neue Welt“ errichten möchte.


„1492 – Die Eroberung des Paradieses“ ist zeitweise so schnaubend langatmig und drückt die Geschichte Kolumbus' in plump proportionierte Etappen, in der sich der Film zu sehr auf das Zusammensein der Einheimischen und der Spanier fokussiert, die Parabel über die Bestie Mensch innerhalb der Kolonialisierung nur leidlich nachlässig anschneidet, um im letzten Drittel dann auf reißerisches Gemetzel zu setzen. Dass es Kolumbus damals genauso um das Gold und die Missionierung der Indios ging und er im Umgang mit diesen bei Wiederworten wenig zimperlich reagierte, wird von „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ durchweg unter den Teppich gekehrt. Die visuelle Klasse aber bleibt bestehen und Ridley Scott weiß, wie er Szenen inszenieren muss, damit sich die Bilder auch wirklich in das Gedächtnis brennen. So verwaschen der Film auch sein mag, wenn die Schiffe in See stechen und Vangelis imposant-pathetisches „Conquest Of Paradise“ ertönt, dann ist Gänsehaut angesagt. Ansonsten bleibt „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ ein befremdlich unausgegorener und gefühlloser Film.


5 von 10 überdimensionalen Kirchenglocken


von souli

Review: ALIEN-Quadrilogy - Im Weltraum hört dich niemand schreien (auch wenn du's viermal versuchst)

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Fakten:
Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Alien)
Groß Britannien, USA. 1979. Regie: Ridley Scott. Buch: Dan O’Bannon, ‚Ronald Shusett.
Mit: Sigourney Weaver, Ian Holm, Tom Skeritt, Veronica Cartwright, Yaphet Kotto, Harry Dean Stanton, John Hurt Länge: 117Minuten (Kinofassung), 116 Minuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Crew des Frachtraumschiffs Nostromo erwacht aus dem Kälteschlaf, da vom Planeten LV-429 ein Notsignal gesendet wird. Die Crew beschließt dem Signal nachzugehen. Auf dem Planeten finden sie keine Menschenseele dafür seltsame, eierförmige Gebilde.





Meinung:
Immer wieder beeindruckend, was aus einem kleinen Film für eine Druckwelle entstehen kann. "Alien" darf mit Fug und Recht als Meisterwerk bezeichnet werden, war und ist maßgebend für gleich mehrere Genres (Science-Fiction wie Horror). Leicht kurios, beachtet man mal, dass zur damaligen Zeit hier viele Newcomer am Werk waren und etliches umgeschrieben wurde, gerade das gibt eher Pluspunkte und hat "Alien" erst zu dem gemacht, was er heute ist und bewirkt hat. Ripley war ursprünglich eine männliche Figur, was sich rückblickend negativ auf die ganze Serie ausgewirkt hätte. Sigourney Weaver - eine der ganz Großen - wurde so zu der Heldin des Genres und der Filmgeschichte überhaupt. Eigentlich sollte der Film deutlich "spektakulärer" inszeniert werden, nur es fehlten die Mittel (die Pyramide aus "Alien Vs. Predator" war eine Idee für diesen Film). Gerade aus dieser Not machte Ridley Scott eine Tugend. Sein "Alien" ist klaustrophobisch, beengend, beängstigend langsam und Atmosphäre pur. Kein großer Schnick-Schnack, dafür wurde das verfügbare Kapital sinnvoll genutzt. Die wenigen Effekte sehen für ihre Zeit toll aus und werden nicht zum eigentlichen Höhepunkt degradiert. "Alien" ist mordsspannnend, beunruhigend und ist die Geburt (ohne Kaiserschnitt) einer Figur, wie sie das Kino nur selten erschafft. H.R.Giger, - der Vater des Monsters - hat eine Kreatur erschaffen, die seit dem nicht mehr übertroffen wurde. Stilprägend, wie der ganze Film. Suspense im Weltall, atemberaubend, absolut tödlich und bis heute das Maß aller Dinge. Wird auf ewig von ganz oben auf alles runterschauen und nur müde lächeln (bis auf ein anderes Ding, was von einst genialen Geist drei Jahre später das ewige Eis unsicher machte). Geht eigentlich nicht besser.


9 von 10 Facehugger


von JackoXL




Fakten:
Aliens – Die Rückkehr (Aliens)
USA. 1986. Regie: James Cameron. Buch: James Cameron, Walter Hill, David Glier. Mit: Sigourney Weaver, Michael Biehn, Carrie Henn, Paul Reiser, Bill Paxton, Jeanette Goldstein, Lance Henriksen, William Hope, Al Matthews, Daniel Kash, Mark Rolston u.a. Länge: 137 Minuten (Kinofassung), 154 Minuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ripley, die einzige Überlebende der Nostromo, wird nach Jahrzehnten im Kälteschlaf wiedererweckt. Niemand glaubt ihre Geschichte vom Wesen, welches die Crew bestialisch tötete, erst als der Kontakt zur neuaufgebauten Kolonie auf LV-426 abbricht, wird ihr Gehör geschenkt. Zusammen mit einer Gruppe Marines fliegt sie zur Kolonie um muss sich dort nicht nur einem Alien stellen.





Meinung:
„This time it’s war“ lautete der Werbeslogan zu „Aliens – Die Rückkehr“ und das war alles andere als ein Marketingtrick, denn Regisseur James Cameron verließ die Enge des Raumschiffs Nostromo und ließ Heldin Ellen Ripley im Sequel zusammen mit einer Gruppe tougher Marines gleich gegen ganze Hundertschaften von xenomorphen Killerwesen antreten. Action lautet beim zweiten Teil der Reihe die Agenda. Doch Cameron verlässt sich immer noch auf die Stärken von Ridley Scotts Sci-Fi-Meisterwerk: eine düstere Atmosphäre, deren pessimistische Ausweglosigkeit sich unaufhaltbar zuspitzt. Da Ripley hier von Beginn an als handelnde Heroine im Zentrum steht, ist dem Zuschauer wie ihr klar, dass die massiven  großkalibrigen Waffen des Militärs nicht mehr ausrichten werden, als Zeit zu schinden, bis die gnadenlosen, titelgebenden Aliens zum tödlichen Schlag ausholen. Filmtechnisch ist das alles, vor allem zur damaligen Zeit, äußerst eindrucksvoll und bietet einen Detailgrad, der schwer mit nur einer Sichtung erfassbar ist. Abseits des ganzen, martialischen Zirkus entwickelt „Aliens“ aber auch eine spannungsförderliche Sub-Ebene in seiner Narration. Denn hinter all den Horror und Tohuwabohu erzählt Cameron von einem Kampf zweier Mütter. Ein Kampf der mit Schleim, Feuer, Säure und Projektilen ausgetragen wird und dessen Klimax ein bis heute unerreichter Zweikampf ist. Riplex im Korsett eines Roboters gegen eine überlebensgroße Alienkönigin. Ein seltener Fall in der Filmhistorie, dass kraftvolle Action und eine intelligente Rollenentwicklung auf einen homogenen, gemeinsamen Höhepunkt zusteuern. Zumindest im Director’s Cut, der wohl zu den besten erweiterten Filmfassungen gehört, die es gibt und in der „Aliens – Die Rückkehr“ erst zur vollen Stärke gelangt.


8 von 10 Selbstschussanlagen


von stu




Fakten:
Alien 3
USA. 1992. Regie: David Fincher.
Buch: Vincent Ward, David Glier, Larry Ferguson, Walter Hill. Mit: Sigourney weaver, Charles S. Dutton, Charles Dance, Pete Postlethwaite, Paul McGann, Brian Glover, Ralph Brown, Lance Henriksen u.a. Länge: 114 Minuten (Kinofassung), 145 Minuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Rettungskapsel mit den Überlebenden des Vorfalls auf LV-426 stürzt auf dem Gefängnisplaneten Fiorina ab. Einzig Riley und ein blinder Passagier überleben den Absturz.





Meinung:
Nachdem Ridley Soctt mit „Alien“ die Filmwelt maßgeblich veränderte und James Cameron mit seiner fantastischen Fortsetzung „Aliens“ das Actionkino revolutionierte, war es nun an einem – für damalige Verhältnisse - kleinen Fisch der Branche gelegen, das Franchise in neue Höhen zu katapultieren: Niemand geringeres als David Fincher („Fight Club“) wurde das Privileg zu Teil, den Regiestuhl für „Alien³“ zu besetzen. Im Endeffekt muss man sagen, dass „Alien³“ sich innerhalb der Reihe wie ein tiefschwarzer Fremdkörper verhält und sein Dasein als Außenseiter, nicht zuletzt dank stetiger Ungereimtheiten hinter den Kulissen, fortwährend fristen muss. Natürlich kann das in erster Linie nichts Schlechtes bedeuten und dadurch vielleicht auch implizieren, David Fincher würde, was er auch tut, mit einer neuen Marschroute kokettieren und den dritten Teil zu einem in sich stimmigen, was nicht der Fall ist, Genrewerk machen. Wo sich die Inszenierung nämlich noch durch ihre Behäbigkeit auszeichnet und den Zuschauer durch die abgründige Atmosphäre in dieses (post-)apokalyptische, industriell besudelte Dreckloch von Gefängnisplaneten zieht, in dem Ripley auf kantig-bellende Häftlinge mit Schwielen an den Händen trifft, weiß das Drehbuch zuweilen nie, wie es einzelne Versatzstücke kohärent miteinander verbindet. Zwischen metaphorischen Religionsgedusel und (psycho-)sexueller Gruppendynamik, findet „Alien³“ keine angemessene Zeit, dem grauenhaft computergenerierten Alien einen Charakter zu verleihen. Lieber werden transzendente Muster und gelungene Einstellung der Vorgänger plagiiert und in die nihilistische Endzeitstimmung eingepflanzt – Bis Ripleys Katharsis dem Film einen von befremdlicher Schönheit ausgestanzten Schlusspunkt setzt. „Alien³“ weißt durch die pessimistische Disposition seines Settings zu gefallen, geht es aber um die inhaltliche Ebene, dann versagt der Finchers Debüt doch deutlich.


5 von 10 Glatzen im Feuersturm


von souli




Fakten:
Alien – Die Wiedergeburt (Alien: Resurrection)
USA. 1997. Regie: Jean-Pierre Jeunet. Buch: Joss Whedon.
Mit: Sigourney Weaver, Winona Ryder, Ron Perlman, Dominique Pinon, Gary Dourdan, Michael Wincott, Brad Dourif, Leland Orser, Raymond Cruz, Dan Hedaya, Kim Flowers, J.E. Freeman u.a. Länge: 104 Minuten (Kinofassung), 111 Mimuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach ihrem Freitod wird Ripley von Wissenschaftlern des Raumkreuzer U.S.M. Auriga via Klontechnik wiedergeboren, um so an die Alienkönigin zu kommen, die in ihr heranwuchs. Es kommt wie es kommen muss, die Aliens brechen aus und verwandeln das Schiff in ein Schlachtfest. Ripley und eine Gruppe von Weltraumpiraten versuchen die Flucht.





Meinung:
Ernsthaft? Ist „Alien – Die Wiederkehr“ eine Komödie?! Als Action-, Horror- oder Sci-Fi-Film funktioniert er nämlich nicht. Besonders wenn eine der Figuren den Mund aufmacht, dann schwingt oft unfreiwillige Komik mit, die, genauso wie merkwürdige Effekte und seltsame Sterbeszenen, dem Film einen Anstrich von Skurrilität und Lächerlichkeit geben. Vielleicht hätte man nicht unbedingt Regisseur Jean-Pierre Jeunet verpflichten sollen, der durch seine schwarze Komödie „Delicatessen“ aufgefallen ist und später auch noch für „Die fabelhafte Welt der Amélie“ verantwortlich war. Sein Alien-Teil ist nun eben auch eine Komödie geworden. Eine merkwürdige Splatter-Komödie mit vielen abgerissenen Körperteilen, Blut und Schleim. Aber einfach nur zum Lachen. Von Beklemmung ist herzlich wenig zu spüren, was an dem viel zu ausladenden Setting liegt. Sigourney Weaver als Ripley, die aus dem Nichts wieder zum Leben erweckt wurde und ganz nebenbei das Alien „geboren“ hat, läuft in dieser One-Woman-Show als meist gefühls- und emotionsloser Mega-Cyborg durch das die Stahlgitterlabyrinth, aus dem es aus jedem Eck blinkt und qualmt. Die übrigen Figuren sind, trotz eines bekannten Casts mit Namen wie Winona Ryder, Ron Perlman oder Michael Wincott, genauso unwichtig wie langweilig und verkommen zu Randerscheinungen. Von schauspielerischer Qualität kann man hier ohnehin nicht sprechen. Problem ist auch, dass das Alien, nein, die vielen Aliens viel zu oft gezeigt werden, wodurch man die Furcht vor ihnen schnell verliert. Die dunkle Bedrohung, die besonders im ersten Teil mehr zu spüren als zu sehen war, die gibt es zumindest nicht mehr. Und dass die Story dumm ist, das spar ich mir jetzt einfach mal. Mit einem schwachen Finale endet der vierte Teil und damit auch die bis dahin gute Alien-Saga. Zum Glück.


3,5 von 10 Liter menschliches Säureblut


von Kobbi