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ROGUE ONE: A STAR WARS STORY - Auf die Größe des Imperiums kommt es an

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Fakten:
Rogue One – A Star Wars Story
USA. 2016. Regie: Gareth Edwards. Buch: Tony Gilroy, Chris Weitz, Gary Whitta, John Knoll. Mit: Felicity Jones, Diego Luna, Alan Tudyk, Donnie Yen, Wen Jiang, Ben Mendelsohn, Forest Whitaker, Riz Ahmed, Mads Mikkelsen, Jimmy Smits, Alistair Petrie, Genevieve O'Reilly, Ben Daniels, Paul Kasey, Stephen Stanton, Ian McElhinney uvm. Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 15. Dezember 2016 im Kino.


Story:
Die Galaxie befindet sich im Wandel, und das Imperium bringt ein Sternensystem nach dem anderen unter seine Kontrolle. Der Todesstern fungiert dabei als unbesiegbares Symbol in einem Kampf, der bereits entschieden scheint. Doch die Rebellen-Allianz hat eine letzte Mission in die Wege geleitet, um das Schicksal der Galaxie zu ändern: Die Widerstandskämpfer, unter ihnen die zunächst widerwillige Halbwaise Jyn Erso (Felicity Jones), wollen die Pläne des Todesstern stehlen, um die Zerstörung weiterer Planeten, die sich nicht dem Machtarm des Imperators unterwerfen wollen, zu verhindern.




Kritik:
Die
Franchise-Ausschlachtung nach Marvel-Format, der entbehrliche Fanboy-Hype, die unausweichliche Skepsis gegenüber Spin-Offs, die Produktionsschwierigkeiten unter Beihilfe von Tony Gilroy, etc., etc. - auch wenn alle äußeren Faktoren dagegen sprechen, ergibt „Rogue One: A Star Wars Story“ letzten Endes dennoch eine angenehme Überraschung. Im Grunde bestätigt der Film aber auch nur die Qualitäten seines Regisseurs Gareth Edwards, dessen Leistungen innerhalb seiner zwei letzten Werke, „Monsters“ und „Godzilla“, im Verlauf der Jahre so kleingeredet wurden, dass man's beinahe schon glaubte. Dabei geht seine Autorenschaft hier erneut voll auf, wenn er den Krieg im Krieg der Sterne an die Front der Emotionen holt, von der Überwältigung Einzelner erzählt und dafür tief in die Mythologie der Space-Oper greift, um Gigantisches wie Fremdartiges als Sinnbild der menschlichen Probe zu ballen. Das schließt natürlich auch ein, dass er sein Ensemble an Charakteren nicht so eindeutig an Wiedererkennungswerte koppelt, wie sie Vorgänger J.J. Abrams konstruierte, doch wo dieser per bunter Retro-Pastiche ankam, sind die Funktionen von Jyn Erso (Felicity Jones), Cassian Andor (Diego Luna) oder Saw Gerrera (Forest Whitaker) diffuser, bewusst auf stets unsicherem Boden aufgeteilt. Das geht schon von der leichten Handkamera aus, die in ihrer Erdung gen Cast klaustrophobische Stellungen einnimmt, ehe der Blick zum Horizont, der Zerstörung dessen und darüber hinaus, die Massen des Imperiums offenbart, wie die Planetenzerstörer in stiller Kälte über den Köpfen schweben, von dort aus eine Zerstörung erwirken, die Edwards sinnlich durch die Dimensionen trägt, machtlos beobachtet.

 
Dieser Horror der Demut, der seine Perspektiven am Spektakel vorbei auf die Gewissenlosigkeit des Bösen richtet, wird oftmals der Fokus innerhalb der Bemühungen jener Rebellen, welche untereinander schon von Misstrauen gekennzeichnet sind, sowieso ohne das Selbstverständnis der Magie aus vorherigen Episoden auskommen müssen. Stattdessen begibt sich Edwards mit ihnen ins Peitschen der Elemente, schon im Intro auf karge Felder unter Wind und Regen, in denen die galaktische Fehde ihr Fieber der Gewalt ausstößt, zwischen Galen Erso (Mads Mikkelsen) und Orson Krennic (Ben Mendelsohn) die ideologische Bekehrung einprügelt, in der Uniformen alles von sich abperlen und der Karriere wegen in die Lumpen der Unfreiwilligen fallen lassen. Dieses Abbild an Macht-/Missbrauchs-Verhältnissen, mehrmals im Verlauf des Films variiert, löst virtuos die Vergleiche mit Akira Kurosawa ein, die man der Reihe seit jeher anrechnet und setzt die Gefälle des Wesens Krieg dann auch im Spiel von Licht und Schatten um, dass man für knapp 130 Minuten eine Liaison mit dem allzu gegenwärtigen Spektrum an Widerständen und Vertrauensfragen eingeht. In diesem Sinne bricht der Film oftmals mit dem Konsens an Eskapismus, den man allgemein mit der Marke „Star Wars“ verbindet (auch wenn er nur ein Teil derer ist), so wie sich die Geschichte ihrer selbst willen von der Title-Scroll-Pflicht löst, bei der Einführung aller wirkenden Parteien schon auf eine Desorientierung fern festgelegter Sympathien setzt und es insofern schwieriger macht, das ersehnte Quäntchen Hoffnung anzutreffen. Es passt ins Jahr 2016, dass wir auch in diesem Rahmen mit moralischen Grautönen zu hadern haben, Druckwellen an Pessimismus nachspüren und den Schluss der Aufopferung ziehen.

 
Der Fatalismus nimmt überhand und behält sich dafür auch ein Finale vor, das makaber wie ein Veit Harlan den Sieg ohne Sieger empathisiert - „Das Imperium schlägt zurück“ bekommt Konkurrenz. Edwards kommt zwar auch nicht vom Grundriss der Heldensage weg, doch selbst wenn der Wille zur Wiederwehr hochgeschaukelt wird, verkneift er sich naiven Pathos, lässt anstelle dessen die Verzweiflung aufschwellen, welche ihren Idealen nur schwer in die Augen sehen kann, während diese unbarmherzig getilgt werden. Deren (ewige) Präsenz lässt sich aber nicht leugnen und dafür holt die Regie ein Gesamtbild raus, das seine Mammuteffekte der Phantastik in verlebte Kulissen nach „Solaris“-Art einspannt, sich vermummt durch den Sand schleppt, mit hageren Haaren und klobiger Rüstung auf nasse Schluchten hievt, an dreckigen Schläuchen atmet, unter Freunden wie Feinden Kugeln und Granaten einschießt, ebenso Roboterhirne aufschraubt. Die taffe, sehr direkte Montage zu solchen Eindrücken sucht dieses Jahr ihresgleichen! Daran werden auch durchaus im Voraus vermutete Actionszenarien aufgearbeitet, doch die bringen eine kernige Spannung mit sich, weil Edwards in der Ratlosigkeit seiner Helden eine Spontanität aus diesen schöpft, die lediglich in geringsten Anteilen mit der Blockbuster-Standard-Anlaufstelle Humor reagiert – der angebliche Szenenstehler-Android K-2SO (Alan Tudyk) belässt es da dann auch mehr bei trockenen Bemerkungen. Kein Wunder also, dass der Fan-Service minimalen Einfluss hat, zwar trotzdem stört oder auch befremdet (Stichwort: digitale Verjüngung), sich jedoch nimmer in die Belange des charakterlichen Nukleus einmischt. Da muss man sich auch mal diese ungemein starke Jyn Erso reinziehen, welche von einem Trauma ermordeter Vertrauenspersonen ins nächste rutscht, permanent die Enttäuschung verlorener Zeit durchlebt und quasi im Schockzustand den Vorstoß gegen das Imperium mobilisiert, deren Gefahren ohnehin eine ermattende Grobheit vorleben.

 
Deren Todesstern erreicht in diesem Sinne auch ein Gewicht wie nie zuvor, das in der schlichten Bewegung der Schatten und Laser zum gnadenlosen Monster manifestiert, welches Obermotz Krennic seinem sterbenden „Publikumvorstellen will. Wenn der Mann redet, spuckt die Arroganz zudem so kurzatmig, dass sich selbst Darth Vader in Zurückhaltung übt, gerade in einer Subtilität, in der das rote Lichtschwert die alleinige Lichtquelle wird, einen Albtraum von der dunklen Seite der Macht aus evoziert – vom Gedanken lesenden Tentakelviech als Vorschau ganz zu schweigen. Edwards ist da wie gesagt geschickter als Abrams unterwegs, wenn es um die Kräfte des Schreckens geht, ironischerweise findet er sodann das meiste Licht, eben den unbedingten Glauben an die helle Seite der Macht, im Blinden, Chirrut Îmwe (Donnie Yen). Als Typ ist man ihm allerdings näher als manch Mitglied der an Jedi-/Sith-Kräften beerbten Skywalker-Sippe, so abgeklärt denen das Schicksal schon in die Wiege gelegt wird, er sich hingegen mit Vertrauen herantastet, nicht durch Ären an Backstory definiert ist und nimmer 100%-ig aufgeklärt wird, gerade darin aber greifbar bleibt, ohne rein kalkulierbare Rollenmodelle der knappen Emotionalisierung wegen zu bestätigen. Der Großteil an hier kontinuierlich erarbeiteten Sympathieträgern operiert in jener Erzählweise, braucht sich im Dialog dann auch nicht auf simplistisches Phrasendreschen einlassen, eher auf die Ambivalenz an taktischen Manövern reagieren und dort am Konkretesten wirken, wo die Allianzen zum Guten noch umstritten sind. Hallt da die Hoffnung nach, die man im Strudel an schweren Verlusten nicht aussprechen kann, aber in jeder potenziellen Chance festhält?


Sich in der Waage um Aufgabe und Fortschritt zum Optimismus einzufinden, wird da sowohl der stärkste Antrieb als auch die konzeptionelle Schwäche des Films, wenn er seine Gewichte aufs Bewusstmachen brutaler Größenverhältnisse verlagert, die Erlösung aus deren Willkür im Verstecken bzw. als trojanische Pferde erwirkt und zu guter Letzt für die gute Sache sterben muss. Jene (Selbst-)Zerstörung bedingt er sogar mit Ankündigung, solange ein Mann wie hundert gegen die Truppen des Terrors antreten kann/will. Ein Kriegsfilm, wie er leibt und lebt, inklusive „For Yadha!“ und „May the force be with us“ als Schlachtrufe der Rechtschaffenheit, ohne in die Falle des Jingoismus zu tappen, was eben nur anhand des Nihilismus im Imperium sowie der Hoffnungsverdrossenheit binnen der Rebellion gelingt. Das lässt sich als Produkt einer Disney-Unterhaltungsmaschinerie teilweise schwer schlucken und treibt manchmal deutlich in trüben Gefilden der Todessehnsucht herum, signalisiert aber auch den Wachstum für eine Serie, die ihre Differenzierungen von Gut und Böse wie Macht und Ehre inzwischen wieder hauptsächlich mit Knalleffekten zu verknüpfen drohte. Bei Edwards wird der Furcht wegen nicht chargiert, beim Glauben an die Macht aber erst recht nicht via Nerd-Zynismus ironisiert, sondern (selbst in vermeintlich gedämpften Phasen) auf die Kadrierungen, rauen Flächen und Natürlichkeiten eines Krieges vor langer, langer Zeit in einer weit entfernen Galaxis konzentriert. Fantasievoll, brutal und ehrlich nah dürfte die Enttäuschung unter Einbeziehung aller sorgfältigen filmtechnischen Qualitäten und Eigenarten also eher gering ausfallen.


7 von 10 Baller-Gnomen


vom Witte

Review: LOST RIVER – Viele, viele bunte Bilder

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Fakten:
Lost River
2015.
USA. Regie und Buch: Ryan Gosling. Mit: Christina Hendricks, Eva Mendes, Saoirse Ronan, Ben Mendelsohn, Iain De Caestecker, Matt Smith, Reda Kateb, Barbara Steele, Ben Mendelsohn u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 8. Oktober 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Billy und ihr Sohn Bones müssen sich in fremde Welten wagen, als ihnen der Bankrott droht. Sie bekommt einen Job in einem Nachtlokal, das vorsichtig ausgedrückt „andersartig“ ist und er versucht den Fluch zu brechen, der über der Familie und ihrem Wohnort zu Lasten scheint.





Meinung:
„A Ryan Gosling Film“ steht in großen Buchstaben auf der Leinwand. Dahinter zu sehen: ein loderndes Feuer. Das mag sicherlich nicht die bescheidenste Variante sein, um sein Regie-Debüt anzukündigen, aber auch nicht die schlechteste. Zumal macht es gleich zu Beginn deutlich, dass Gosling es ernst meint, dass er sich nicht nur die Zeit vertreiben will und vor allem ist sofort erkennbar, von wem Gosling seine Kenntnisse, seinen Stil und seine Vorlieben hat. Die harten Kontraste, das rote Licht, das von den Bildern eingesogen wird. Dann mal wieder das blaue Licht. Eine düstere Welt, die zwar kaputt und armselig, aber nicht ohne Werte zu existieren scheint. Sogar die Musik kommt einem bekannt vor. All das schreit förmlich nach Nicolas Winding Refn (der auch an zweiter Stelle der „Special Thanks“-Kategorie im Abspann steht). Thematisch geht Goslings Geschichte jedoch vornehmlich andere Wege.



Andere Wege, größere Wege, die leichter zu finden, leichter zu befahren sind und leichter zum Ziel bringen. Und so nutzt er die ersten paar Sekunden, um Kulisse nach Kulisse zu zeigen. Eben die einfachste Form, um dem Zuschauer das Setting zu verdeutlichen. Amerika. Detroit. Ruinen. Kapitalismus im Endstadium. Der amerikanische Traum ist zum Synonym für das Wunschdenken geworden. Und auch wenn die Figuren es nicht wahrhaben wollen, haben sie es wohl schon lange akzeptiert. Sie leben in einem Ort, an dem niemand mehr interessiert ist. Propaganda-Videos über die Vergangenheit der  Gegend versuchen aus einer Geschichte der rücksichtslosen Zerstörung, eine der Neufindung zu machen. Aber letztendlich ist auch daran niemand interessiert. Ein Ort, in der die einzige machtvolle Instanz ein Jugendlicher namens Bully ist, der selbst seine Freunde misshandelt und entstellt, bis sie aussehen, als würden sie direkt aus einem Albtraum kommen. Und das ist gar nicht mal so weit gefehlt. In den Werken von Refn kommen die surrealen Elemente in den Wesen der Figuren zum Vorschein. Hier sind sie ein fester Bestandteil der Handlung.



Während Bully „seine“ Stadt terrorisiert, versucht Billy Geld zu verdienen, damit sie ihr Haus weiterhin abbezahlen kann. Ihr Haus ist eines der letzten, das in diesem Ort noch bewohnt ist. In der Nachbarschaft wird eines nach dem anderen von Baggern dem Erdboden gleichgemacht. Auch Billys Haus wird als mangelhaft eingestuft und bekommt damit die Verurteilung zum Tode. Letztendlich ein Gnadenstoß. Ein Haus, das nichts mehr wert ist. Aber doch, das Haus hätte einen sentimentalen Wert, kontert Billy dann. Eine Aussage, über die in diesem Amerika nicht einmal mehr müde gelächelt wird. Sentimentaler Wert existiert nicht mehr. Nicht in diesem Ort, nicht in dieser Bevölkerungsschicht. Darauf hat Billy ganz einfach kein Recht. Sentimentalität ist genau so fehl am Platz wie Stolz, Hoffnung und Selbstrespekt. Das Licht am Ende des Tunnels ist nicht die Erlösung, sondern das Höllenfeuer. Feuer ist auch nahezu omnipräsent im Film. Wie eingangs erwähnt, findet es seinen Platz im Vorspann und sogar im Abspann ist es zu sehen. Flammen und Funken, die die Nacht erleuchten und die Dunkelheit erhellen. Schlecht sieht das alles auch nicht aus. Manche Bilder könnte man sich so an die Wand hängen, wenn man denn wollte.



Das Problem ist allerdings, dass Herr Gosling es nicht schafft, mit diesen Bildern einen Rhythmus entstehen zu lassen, geschweige denn diese pulsierende Gestalt, die die Filme von Nicolas Winding annehmen und damit wie ein weiteres Wesen im Raum wirken. Nein, leider nicht. Dafür wird der Fluss des Films zu oft durch kleinere Ungenauigkeiten unterbrochen. Kleinere Ungenauigkeiten, die sich anstauen, zuweilen sogar größer werden und dann am Ende einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Der Film ist nicht mutig genug, um einen eigenen Pfad zu finden. Zusätzlich verwirrend ist die Tatsache, dass Gosling sich bei der Geschichte, die bestimmt irgendwo ein Stück weit autobiografisch zu verstehen ist, überhaupt nicht die Geduld nimmt, um Tiefergehendes zu erzählen. Der Film bleibt, anders als seine Charaktere, lediglich an der Oberfläche. Der Zuschauer wird relativ schnell in diese Welt katapultiert und dann von Gosling allein stehen gelassen. Und so beobachtet man dann halbergriffen das Treiben und zuckt letztendlich mit den Achseln, wenn bis zum Ende eigentlich nichts Bedeutendes passiert. Geplant, gelungen und vollendet wirkt das nicht.


Dass Ryan Gosling sich visuell und stilistisch an seinen Vorbildern bedient, ist durchaus legitim und auch passend. Aber wenn er es so deutlich tut, dann muss er sich auch Vergleiche gefallen lassen. Er zeigt, dass er die letzten Jahre nicht in der Nase gebohrt, sondern beim Filmemachen ein wenig aufgepasst hat. Dennoch vermag er es nicht, die relative inhaltsleere, bzw. Schlichtheit der Geschichte durch seine überstilisierte Bilder zu verdecken. Eine emotionale Bindung zu den Charakteren wird versucht mittels lauter Musik und Close-Ups aufzubauen. Spannung und Dramatik werden eher mit Lärm geltend gemacht. Und auch wenn die Geschichte einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss hat, bleibt am Ende eine gewisse Leere im Raum stehen. Ein Gefühl der Unvollständigkeit und der Bedeutungslosigkeit macht sich breit. Gosling mag das 1x1 des modernen Filmemachens kennen. Aber auch wenn man sich wünscht, dass man von ihm noch viel erhoffen darf, kommt man nicht über die schmerzende Wahrheit hinweg, dass sein Debüt enttäuschend war.


5 von 10 brennenden Fahrrädern


von Smooli

Review: SLOW WEST - Fassbender wird zum Garanten

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Fakten:
Slow West
UK. 2015. Buch und Regie: John MacIean. Mit: Michael Fassbender, Kodi Smit-McPhee, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius, Rory McCann, Michael Whalley, Alex MacQueen, Brian Sergent, Jeffrey Thomas, Andy McPhee, ua. Länge: 85 Minuten. FSK: noch unbekannt. Ab dem 30. Juli 2015 im Kino.


Story:
Jay und Silas sind auf der Suche nach Jays Liebe. Was Jay nicht weiß: Auf sie wurde ein saftiges Kopfgeld ausgesetzt, weshalb sie auch nicht die einzigen sind, die sich auf den Weg zu der jungen Schönheit gemacht haben.





Meinung:
Michael Fassbender ist ein beeindruckender Mann und Künstler. Im Herzen des Verfassers dieser Zeilen ist er mit seiner Rolle als Lieutenant Archie Hicox in „Inglourious Basterds“ angekommen, was sich zwei Jahre später mit dem großen „Shame“ verfestigt hat. Mittlerweile ist er sicherlich einer der Hauptgründe für den Erfolg der modernen „X-Men“, zudem gab’s eine Oscar-Nominierung für „12 Years A Slave“ und demnächst wird er in einer der am heißesten erwarteten Spiel-Verfilmungen der letzten und nächsten Jahre auf der Leinwand auftauchen. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass es bei Fassbender gut läuft. Aber dennoch lässt er es sich nicht nehmen immer wieder zwischendurch in kleinen Independant-Produktionen aufzutauchen. Im letzten Jahr war das „Frank“, in diesem Jahr ist das „Slow West“.


Ach kommt, als ob Kodi Smit-McPhee sich jemals rasieren müsste
Selbst, oder vor allem, für eingefleischte Western-Fans wird dieser Film zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig sein. Nicht qualitativ, aber visuell-stilistisch und thematisch. Weit und breit gibt es keine Anzeichen von langgezogener, opernhafter Epik. Es gibt keine amoralischen Antihelden, keine Huren, keine Saloon-Besitzer, die den Eintritt verwehren. Ebenso wenig lässt sich der Film den klassischen Heimatfilm-Western aus dem frühen Hollywood zuordnen. Anstelle einer Wüste zeichnen sich die Landschaftsaufnahmen durch ein überaus ungewohntes grün aus. Ist das tatsächlich Gras? Die Sonne brennt nicht erbarmungslos vom Himmel, stattdessen schweben ein paar Wolken unter dem weiten Blau. Zeitweise sind die farbfrohen Aufnahmen von einer derartigen Schönheit, dass man den Kitsch-Stempel auspacken müsste, würde man nicht so gebannt den Bildern folgen ob ihrer Schönheit. Es sind Bilder eines fremden Optimismus, die durch die thematische Ambivalenz entstehen. Bei dem Protagonisten Jay handelt es sich nämlich um einen Ausländer, genauer: um einen Schotten, der das große weite Amerika für das Land der Hoffnung hält. Doch Hoffnung worauf eigentlich? In seinem Heimatland gehört er einer gehobenen Schicht an. Er hat sich also quasi degradiert, um in Amerika seine Jugendliebe zu finden.


Blut und Qualm. Ein echter Mann, dieser Fassbender
Um nicht der steten Gefahr ausgesetzt zu sein, ist er ein Bündnis mit Silas (Fassbender) eingegangen, der Amerikaner ist, sich ganz gut auskennt in dieser Welt - und Jays Optimismus als Naivität versteht. Während Jay Tourist ist, ist Silas Zynist. Unter jedem Stein gibt es einen Banditen, der einem ohne zu blinzeln eine Kugel in den Rücken jagen würde. Silas lebt in einer Welt voller List und Gier, in der ein Mord ebenso aufregend ist wie eine Mahlzeit. Etwas, was auch Jay, ganz zu seinem Unbehagen, mit der Zeit langsam lernen muss, wenn er einen Fremden fragt, ob er Mördern nicht seine Gesellschaft verweigere. „Ich wäre ein einsamer Mann, wenn ich das täte.“, lautet da die Antwort. Die Tode um einen herum gehen einen nichts an, solange man selbst am Leben ist. Wieso sollte man seine Einstellung, seine Ziele und Wege ändern, wenn man einen Fremden umlegen musste? Tatsächlich erzählt der Film nach außen hin weniger eine Geschichte als mehr eine Kette von Ereignissen. Hinter der Fassade jedoch sieht man ein Werk über kollidierende Weltsichten, Verhaltensweisen und Moralcodice, das in eine Coming-of-Age-Geschichte im Westerngewand verpackt wurde.


Debütregisseur John MacIean gelingt etwas erfrischend Kleines, wenn er die leichten Veränderungen seines Filmes in ein fürsorgliches Konstrukt bettet, das von Anfang an existiert und wirklich solide am Leben erhalten wird. Die farbfrohen Bilder stehen mit der Zeit in einem krassen Kontrast zu der erbarmungslosen Natur der amerikanischen Gesellschaft, in der man entweder ein Wolf ist oder seine letzten Tage zählt, bis man einem Wolf über den Weg läuft und eine Kerbe in dem Griff seines Revolvers wird. Während die raue Welt gekonnt zeigt, dass ein Zweckbündnis eine hohen und Freundschaft gar keinen Stellenwert besitzt, lernen die beiden Männer voneinander und von ihrem Umfeld und haben, wenn sie an ihrem Ziel ankommen, einen Weg hinter sich, der selbst in einem Road Movie nicht fehl am Platze wäre. Ebenso ungewohnt wie die visuelle Komponente des Werkes ist letztendlich der Humor des Films, der von absurd bis britisch-tiefschwarz jeglichen Bereich abdeckt und manchmal in einem herzhaften Lacher endet und manchmal in Verzweiflung, wenn der Witz so pechschwarz kommt, dass man gar nicht lachen mag. „Slow West“ ist ein kleiner aber ziemlich feiner Western geworden, der sich weniger um die Stereotypen und Mechanismen des Genres kümmert und mehr daran interessiert ist, seine Geschichte auf eigene und sympathische Art und Weise zu Ende zu erzählen.


6,5 von 10 Herzschlägen


von Smooli

Review: BLACK SEA - 20.000 Meilen unter dem Meer – Männer allein im U-Boot

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Fakten:
Black Sea
UK. 2014. Regie: Kevin Macdonald. Buch: Dennis Kelly. Mit: Jude Law, Scoot McNairy, Tobias Menzies, Jodie Whitaker, Konstantin Khabenskly, Ben Mendelsohn, Karl Davies, Robert Schofield, Mihal Arensie, Paul Terry u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: freigegeben a 12 Jahren. Ab 29. Januar 2015 im Kino.


Story:
Jude Law sucht Nazigold im Schwarzen Meer. Kevin Macdonald (Der letzte König von Schottland) ist auf den Spuren von „Das Boot“ unterwegs und zwängt etwa ein Dutzend harte Kerle in einen Rostklumpen. Da ist Stress schon vorprogrammiert.





Meinung:

„Black Sea“ legt einen ordentlich Start hin und gibt dem Zuschauer ausreichend Beweggründe für die „Mission Nazigold“ (Wäre übrigens auch ein geiler Filmtitel gewesen). Ein U-Boot sei im Schwarzen Meer auf Grund gelaufen und durch natürliche Gegebenheiten konserviert – darauf mehrere Tonnen Gold. Für die Crew, welche alle mit Job-Problemen zu kämpfen haben, ist das der Weg ins Glück. Die Truppe setzt sich aus Russen und Schotten zusammen. Alles extrem grummelige Kerle, mehr als genug Grund also es heftig krachen zu lassen. Ex-Knackis und geldgierige Banker kollidieren ja schließlich gern und nichts ist schlimmer als die Wut des „kleinen Mannes“. „Black Sea“ schleppt die gleichen Probleme an, wie viele andere Survival-Filme. Er kommt einfach nicht ins Rollen. Die Handlung tröpfelt vor sich hin, während wir nette Kameraeinstellungen zu Gesicht bekommen. Kinematographie und Beleuchtung sind auf Top-Niveau, auch wenn das U-Boot nicht unbedingt taufrisch gerendert aussieht.


Dicke Luft unter Wasser
Die Sets sind dynamisch und das schummerige Licht versprüht viel Atmosphäre. Nein, das eigentliche Problem sind deftige Logiklücken, schlecht geschriebene Charaktere und dick aufgetragener Pathos. Wenn man manche Dialoge aus „Black Sea“ hört, dann möchte man sich das nächstbeste U-Boot schnappen und tief im Ozean versinken. Vollkommen unlogische Charakterwandlungen scheinen im Schwarzen Meerzur Tagesordnung zu gehören. Mal ist Jude Law ein wahrer Held, mal ist Ex-Knacki Frazer ein Arschloch – natürlich kann das im Minutentakt wechseln. Die Schauspieler geben sich zwar allesamt Mühe, können die eindeutigen Schwächen des Drehbuchs jedoch nicht mehr retten. Mit Jude Law, David Threlfall, Ben Mendelsohn und Michael Smiley hat man ja durchaus fähige Leute mit an Bord. Gegen Ende steigert sich die Handlung zu einem immer dümmlicheren Gewusel aus Aufsteigen und Absinken, bis man das U-Boot einfach zerstört sehen will. Macdonald verpasst mehr als einmal die Chance, den Film zu einem passenden Zeitpunkt zu beenden. Man hat stetig das Gefühl, dass da unbedingt noch etwas ans Ende geklatscht werden musste. So zerfasern sich die menschlichen Konflikte immer weiter und werden durch kitschige Rückblenden und repetitive Phrasen schnell ermüdend.


„Black Sea“ ist kein ärgerlicher Film aber letztlich so uninteressant, dass ich ihn wohl schnell vergessen werde. Die Handlung ist konstruiert und die „psychologischen Spielchen“ enden fast immer in peinlichem Pathos. Es fehlt nur ein Brad Pitt, der mit einem „Sag meinen Kindern, dass ich sie liebe“-Schild durchs Bild läuft. Ein Film, den man im Fernsehprogramm vielleicht mehr genossen hätte, wäre vielleicht was für „Tele5“.
„Do it for your family.
Do it for the baby.“


4 von 10 angeketteten Nazi-Skeletten


von Roldur