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ASSASSIN'S CREED - Justin Kurzels von Gewalt und Sterblichkeit besessener Blockbuster

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Fakten:
Assassin's Creed
USA. 2016. Regie: Justin Kurzel. Buch: Bill Collage, Adam Cooper, Michael Lesslie. Mit: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling, Michael Kenneth Williams, Denis Ménochet, Ariane Labed, Khalid Abdalla, Essie Davis, Matias Padin, Callum Turner, Carlos Bardem, Javier Gutiérrez, Hovik Keuchkerian, Crystal Clarke uvm. Länge: 148 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 27. Dezember 2016 im Kinol


Story:
Mit einer revolutionären Technologie, die seine genetischen Erinnerungen entschlüsselt, erlebt Callum Lynch (Michael Fassbender) die Abenteuer seines Vorfahren Aguilar im Spanien des 15. Jahrhunderts. Callum erkennt, dass er von einem mysteriösen Geheimbund, den Assassinen, abstammt und sammelt unglaubliches Wissen und Fähigkeiten, um sich dem unterdrückenden und mächtigen Templerorden in der Gegenwart entgegenzustellen.




Kritik:
Wer für einen Film von Justin Kurzel bezahlt, bekommt auch einen Film von Justin Kurzel geliefert. Ganz gleich, ob man nun eine Neuverfilmung von „Macbeth“ oder eine Adaption der Videospielreihe „Assassin's Creed“ besucht und bekannte Erzählmuster erwartet: In diesen beweist sich so oder so jener Australier, welcher einen anhand seiner „Morde von Snowtown“ in den Schlund der Gewalt trieb und unterkühlte Analysen dessen mit Charakteren versuchte, die weniger Sympathieträger als menschliche Monster waren, schlicht gefangen im Zyklus eines von außerhalb vergessenen Daseins, der gegenseitigen Zerfleischung überlassen. Genau die Art emotionale Zermürbung, mit Höchstwerten im befremdlich schön-hässlichen Stilexzess, ist nun also auch in seiner Interpretation des oben genannten Ubisoft-Franchise omnipräsent, für welches er erneut seine „Macbeth“-Hauptdarsteller Michael Fassbender und Marion Cotillard gewinnen konnte und von außen hin glauben lässt, dass ein regulärer Blockbuster zu Weihnachten ins Kino einlädt. Auch wenn das Gros an Schauwerten und inhaltlichen Topoi berechenbar geradlinig ausfällt, wird man selten so wie hier vom Nihilismus zerbombt, mit permanent finsterer Brutalität konfrontiert, die via 130-Millionen-Dollar-Budget ein Abbild an Jahrhunderten nebeneinander stellt, welche sich an Unterdrückung nichts schenken und von sich aus auch ausnahmslos in jener Manier repräsentiert werden. Entsättigt und voll harter Kontraste im Farbspektrum, mit dem seelenzerschmetternd lauten Soundtrack von Jed Kurzel auf Terrortrieb eingestellt, lässt der Adler der Ewigkeit seinen Blick auf Generationen an Assassinen fallen, die im Spanien des 15. Jahrhunderts stilecht per Muttersprache um den Einfluss der Inquisition fürchten und somit ihren Geheimbund zum Morden einschwören, die Wurzel des freien Willen im Menschen zu beschützen (= ein Apfel aus dem Garten Eden), was sich sodann im abgefuckten Leben von Blutsnachkomme Callum Lynch (Fassbender) fortsetzt.


Der hat als Kind schon reichlich Schrammen im Parkour inklusive Bike abgefangen, gleichsam ein Drama innerhalb der Familie mitgekriegt, das in furchteinflößender Mechanik die Klinge ausstreckt, vom Kodex des Tötens und Sterbens murmelt, dass er in seiner Verzweiflung und Wut zwangsweise verstoßen wird, bis er 30 Jahre später nun schließlich im Todestrakt enden soll. Als Zuschauer glaubt man, den Tod gleich mit zu empfangen, so wie Kurzel jede schleichende Ahnung mit der Kamera akzentuiert, die Gefahr in der Stille des Einzelnen mit krassen Knalleffekten aufzeichnet und natürlich mit Blut wie Leichen an unsere Vergänglichkeit erinnert. Seine Vision zieht er bis in die Todeszelle durch, wo Lynch das Empfangen seiner Sterblichkeit fürchten muss, was jedoch als eine der wenigen Instanzen gewertet werden kann, in denen Kurzel Empathie evoziert. Laut eigener Aussage hat man es eben mit einem Gewalttäter zu tun, der sein Leben lang Angst und Schrecken lebt, was auch so reinforciert wird, als möchte man Zack Snyder Konkurrenz machen. Denn was erwartet ihn/uns im Nachleben? Eine Gefangenschaft als Versuchsobjekt im geheimnisvollen Animus, einer Technologie mit Pseudo-Nazi-Symbol oben drauf, anhand derer Dr. Sophia Rikken (Cotillard) sowie ihr Vater Alan (Jeremy Irons) den Probanden mental durch die Erinnerungen seiner Vorfahren schleusen, um das Eden-Macguffin aufzufinden sowie das Ende der Gewalt im Abtöten der Individualität zu erwirken. Die Motive sind solch widersprüchlicher Logik untergeordnet wie ihre jeweiligen Parteien auch von der Inszenierung nicht eindeutig identifiziert werden können. Sie landen ihrer selbst willen ambivalent im Diskurs an Grautönen und menschlichen Unvermeidlichkeiten, während man Callum die kargen Flure entlang tritt und schleift, auf dass er sofort ohne Vorbereitung in die Medieval-Matrix eingesteckt gehört – wohlgemerkt nachdem man ihm bei der ersten Flucht dazu angestiftet hat, Selbstmord zu wagen.


Nun klingt das schon an sich trist und grimmig genug, doch das Prozedere geht dafür noch mit einem Druck voran, den man sich wie eine morbide Variante der „Fury Road“ vorstellen muss, nur dass Kurzel noch weit chaotischer mit Actionszenen hantiert. So begibt er sich also ins Wechselspiel der Vergangenheit und Gegenwart, welches durchaus repetitiv, unkonzentriert und gleichförmig zum Schluss der Schicksalsanerkennung kommt, bis dahin jedoch von einer konsequenten Atmosphäre profitiert, die optische Leckerbissen vom Schmerz der Weltgeschichte sowie ein Charakterspektrum liefert, das in seiner Rohheit einen ehrfürchtigen Biss vorweisen kann – ganz zu schweigen davon, dass dieses währenddessen noch von Geistern des Gewissens drangsaliert wird. In den besten Momenten jener Probe/Psychose der (Seelen-)Gefangenschaft entsteht daraus eine intime Pein, die wirklicher nachhallt, als es eine Videospielverfilmung von dem Format normalerweise verdient hätte. Gleichsam wenig bleibt von den sonstigen Werten des Menschsein hängen, wenn auch noch die mittelalterliche Zone in atemberaubenden Kameraflügen über dem Ekel des religiösen Krieges schwebt, verbrannte Leichen und dogmatische Unbarmherzigkeit vor den Latz knallt, dass ständig mit dem Schlimmsten gerechnet werden muss. Das ist nicht fern von damaliger Realität und nicht minder immersiv à la „Es ist schwer, ein Gott zu sein“, aber eben auch auf Extreme fokussiert, die sich selbst jeden Raum zur Differenzierung nehmen. Wenn im kakophonischen Fieber dann noch die Akrobatik der Assassine zur Unterhaltung einladen soll, ist es wahrscheinlich schon zu spät, so wie der Film die Permanenz leidenden Daseins ballt und die Gegenwehr dazu hingegen im geschulten Totschlag findet. Sophia ist da als Mittler noch am Ehesten moralisch zwischen den Stühlen, wie sich auch Callum/sein Vorfahre Aguilar an ihr mit der Notwendigkeit der Gnade befassen will.


Doch deren Befreiung geschieht eher aus der Erkenntnis, dass die Machtlosigkeit gegenüber falschen oder fehlenden Götzen nur vorübergehend besteht, sobald sich das Kollektiv der Assassinen als geistig verbundene Schläfer entpuppt und über die Dimensionen des Seins hinweg mit der Pflicht meuchelnder Gerechtigkeit anbandelt. Gut, dass man das als Zuschauer (abgesehen von kleinen Edgelords im Publikum) nicht allzu heroisch empfangen kann, schließlich kommt jene Machtfantasie mit einer Drastik zum Ausbruch, die Helden und Bösewichte gleichermaßen brachial erscheinen lässt, dem Protagonisten die Worte „Nicht jeder verdient es, zu leben.“ in den Mund legt und Sophia erschüttert zurück lässt. Bei solch einer Kompromisslosigkeit bleibt aber auch sonst manch gemeinsamer Nenner auf der Strecke, wenn das Spektakel in seinem von Gewalt abhängigen Weltbild doch noch dem narrativen Konsens angeheftet bleiben will, ohne entsprechende Kontraste an Ethik herauszuheben. Vage zu bleiben und von dort aus nicht weiter greifen zu wollen, ist irgendwann eben nicht mehr genug. Selbst in der Verquickung der Gezeiten regiert der Ist-Zustand, Reflexionen zum Gewesenen offenbaren lediglich veränderte Konstellationen der Gewalt oder eben den Bezug zum Macguffin, was den Film trotz seiner Intensität an zwischenmenschlicher Spannung der Belanglosigkeit anfällig macht, ihn mehrmals um sich selbst drehen und seine Darsteller energisch wie verbraucht zugleich erscheinen lässt. Einige starke Ansätze zum Verständnis untereinander tauchen da noch bereichernd auf, doch für solche Spitzen der Gänsehaut hat man einiges an konzeptionell ungenauem Frust abzuarbeiten. Die Ambition zum Stil als Unikum im Franchise-Modell ist da also gewiss keine Todsünde und hebt Kurzels nihilistisches Manifest eindeutig von der Masse heraus, doch mit dem Stempel durchweg harter Wahrhaftigkeiten ist noch lange kein vollständiges Gesamtwerk gegeben.


6 von 10 harschen Klingensounds

vom Witte

Review: MACBETH - Ein Kraftakt

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Fakten:
Macbeth
Großbritannien, 2015. Regie: Justin Kurzel. Buch: Todd Louiso, Jacob Koskoff, Michael Lesslie, William Shakespeare (Vorlage). Mit: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Sean Harris, Jack Reynor, David Thewlis, Paddy Considine, Elizabeth Debicki, David Hayman, Hilton McRae, Ross Anderson, Maurice Roéves, Seylan Baxter, Lynn Kennedy, Rebecca Benson, Lochlann Harris, Barrie Martin u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: noch keine Freigabe. Ab 7. April 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Angetrieben von seiner ehrgeizigen Ehefrau und der Prophezeiung, Herrscher von Schottland zu werden, ermordet der Heerführer Macbeth König Duncan und besteigt den Thron. Von Habgier und Machthunger getrieben, beseitigt das Paar in der Folge alle, die ihnen gefährlich werden können. Doch ihrer mit Blut getränkten Schreckensherrschaft droht schon bald der tiefe Fall…




Meinung:
„Macbeth“ gehört neben „Hamlet“ und „Romeo und Julia“ zu den wohl bekanntesten Tragödien des englischen Dichters William Shakespeare. Roman Polanski war einer der vielen Regisseure, die sich an einer Filmadaption versuchten (die übrigens von Hugh Hefner mitproduziert wurde). Nun nimmt sich der Australier Justin Kurzel dem Stoff an. Ein durchaus gewagtes Projekt, immerhin ist es erst der zweite Spielfilm von Kurzel, dessen Debüt „Die Morde von Snowtown“ allerdings bereits bewies, dass man den Regisseur als Filmemacher ernst nehmen sollte.


Macbeth, dem Wahnsinn nahe
Unter Kurzels Regie wurde die Tragödie ordentlich entschlackt. So fehlt z.B. die Figur des Donalbain (der zweite Sohn von König Duncan) völlig. Störend sind diese Reduzierungen nicht, immerhin gelingt es der 2015er Variante von „Macbeth“ so die Geschichte des schottischen Edelmannes in  unter zwei Stunden zu erzählen. Der Ansatzpunkt dieser Variante ist dabei recht interessant. Macbeth ist hier ein vom Krieg und der damit einhergehenden Grausamkeit gebrochener Mann. Der Tod seines einzigen Kindes treibt ihn weiter hinein in eine fast schon paralysierende Ohnmacht. Seine Frau, deren Herz nach dem Tod des Kindes erkaltet ist, erweist sich somit als Antriebskraft für eine mörderische Intrige, die Macbeth bald zum König machen wird. Was folgt ist Wahnsinn und Schicksal. Ein Wirbelsturm der Emotionen, vorgetragenen in den klassischen, lyrischen Worten von Shakespeare. Ähnlich wie es Kultfilmer Baz Luhrman in seiner Version von „Romeo und Julia“ machte, mit dem Unterschied, dass der Australier ein gegenwärtiges Setting mit moderne Pop-Ästhetik mit klassischem Wortlaut kreuzte und somit eine mitreißende, weitschweifige Symbiose generierte.


Lady Macbeth spinnt ihre rücksichtslose Intrige
Justin Kurzels „Macbeth“ hingegen bleibt klassisch, jedoch im visuellen Bereich höchst ambitioniert. War Luhrmans „Romeo und Julia“ ein buntes Potpourri, so ist der neue „Macbeth“ wie ein Kupferstich aus Dreck, Nebel, Blut und Schlamm. Als hätte Hieronymus Bosch die schottischen Highlands graphisch festgehalten. Innerhalb dieser ambivalenten Bilderfluten aus Schönheit und Schrecken, geht die Tragödie ihren Lauf. Dabei macht Kurzel keine Gefangenen. Die Theatralik der Vorlage wird voll ausgespielt. Es gibt erdrückend brutale Momente, genau wie fast schon etwas zu irrwitzig anmutende Monologe, in denen die Darsteller so viel Kraft in jedes einzelne Wort und jede kleinste Mimikfalte legen, dass es durchaus fesselnd ist, gleichzeitig aber auch einem passiven Kraftakt für den Zuschauer gleicht. Darauf muss man sich einlassen können und vor allem auch wollen, ansonsten wird man in der dargereichten Flut aus epochaler Lyrik und schmutzig-schöner Bildern untergehen. Es lohnt sich allemal. Sämtliche Darsteller, vor allem Marion Cotillard und Michael Fassbender, spielen den letzten Funken Energie aus sich heraus. Dass die beiden Darsteller und Regisseur Kurzel als nächstes die Verfilmung der erfolgreichen Videospielreihe „Assassin’s Creed“ angehen, kann durchaus als gutes Zeichen für das Projekt gewertet werden.


Auf dem Schlachtfeld trifft Macbeth das Schicksal
Die 2015er Kinoversion von Shakespeares „Macbeth“ erweist sich also als anstrengendes aber nachhaltig befriedigendes Leinwanderlebnis, dargereicht mit all den verschiedenen Facetten einer klassischen Tragödie. Von Gewalt über Reue, von der altehrwürdigen Hybris-Struktur hin zur späten Erlösung, die gleichsam auch etwas Destruktives beinhaltet. Das alles inszeniert Justin Kurzel so radikal wie gnadenlos. Sein „Macbeth“ versucht, trotz den genannten und anderen Kürzungen des Originalstückes, nicht sich zu sehr an Modernität anzubiedern - auch wenn der Look des Films gewiss auch Fans von Regisseuren wie Ridley Scott und Zack Snyder zusagen wird. Dieser „Macbeth“ ist rau und räudig, so wie die zerklüfteten, menschenfeindlichen Landstriche von Schottland, auf denen der Film spielt. Dass er dazu zum größten Teil an Originalschauplätzen, meist sogar im freien, gedreht wurde, unterstreicht das kraftvoll-karge Gemüt dieser „Macbeth“-Variante, die neben Justin Kurzel übrigens auch Kameramann Adam Arkapaw (der zuvor u.a. auch die erste Staffel „True Detective“ einfing) einiges an Reputation einbringen wird und sollte.


„Macbeth“ von Regisseur Justin Kurzel ist ein strapazierender Film aber zeitgleich auch wirklich ein kleines Kinoevent. Toll gespielt, grandios bebildert und gesegnet mit viel Kraft. Ob dieser Version von William Shakespeares Tragödie ein guter Einstiegspunkt ist, darf jedoch bezweifelt werden. Dafür ist die Verfilmung dann doch zu lyrisch, theatralisch und unwillig sich der Moderne komplett zu unterwerfen. Das ist einer von vielen Gründen, warum dieser „Macbeth“ so gut und vor allem so eigen ist.


7,5 von 10 Scheiterhaufen

Trailerpark: Düster und epochal - Erster Trailer zu MACBETH

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Der australische Regisseur Justin Kurzel präsentierte dieses Jahr in Cannes mit „Macbeth“ seinen neuen Spielfilm. Besetzt ist die Shakespeare-Adaption mit Marion Cotillard und Michael Fassbender. Kurzel, dessen Drama „Die Morde von Snowtown“ höchst beeindrucken und traumatisierend war, scheint hier die klassische Geschichte in  opulenten wie düsteren Bildern wiederauferstehen zu lassen. Aktuell arbeitet Kurzel übrigens an der Verfilmung des Videospiels „Assassin’s Creed“, erneut besetzt mit Cotillard und Fassbender. Wir freuen uns auf beide Filme, vor allem aber auf „Macbeth“ der nun endlich seinen ersten Trailer erhalten hat. Viel Spaß mit.

Review: BLOOD TIES - Toll besetzter Bruderzwist

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Blood Ties
USA 2013 Regie: Guillaume Canet. Buch: James Gray, Guillaume Canet, Bruno Papet (Vorlage), Michel Papet (Vorlage), Jacques Maillot (Vorlage), Frank Urbaniok (Vorlage). Mit: Clive Owen, Billy Crudup, Marion Cotillard, MilaKunis, James Caan, MatthiasSchoenaerts, Zoe Saldana, Lily Taylor, Noah Emmerich, Griffin Dunne, Jaime Hector, Eve Hewson, Yul Vazquez, John Ventimiglia, Domenick Lomardozzi u.a Länge: 128 Minuten FSK: ab 16 Jahren Ab 25 September auf DVD und Blu-Ray erhältlich


Story:
Chris und Frank sind 2 Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten! Chris ist ein Ex-Knacki und Frank ein Cop und gerade als Chris wieder versucht sein Leben halbwegs zu regeln, scheint er aufgrund vieler Einflüsse aus seiner Vergangenheit wieder in die Kriminalität abzurutschen.





Meinung:
2008 noch war Guillaume Canet noch Hauptprotagonist im französischen Streifen "Les liens du sang", der im deutschen Raum besser bekannt ist als „Rivals“. Knapp 4 Jahre später sitzt er auf dem Regiestuhl für das amerikanische Remake „Blood Ties“, der schon mit einem namenhaften Cast protzen kann!


Ein gesunder Streit zwischen Brüdern
Die ungleichen Brüder werden von Clive Owen und Billy Crudup dargestellt, die ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten sehr gut verkörpern können, jedoch aufgrund ihrer Charakterzeichnung wenig Abwechslung bieten. Der restliche Cast besteht aus vielen bekannten Namen, von denen viele Charaktere jedoch nur Silhouetten bleiben, da ihnen weder Tiefe noch Sympathie vermittelt wird. Lily Taylor beispielsweise hat neben James Caan die wohl kürzeste Screentime, worauf diese beiden ihr Talent nicht entfalten können. Zumindest ist es lobenswert, dass der Cast eine Menge Abwechslung bieten, ganz im Gegensatz zur Geschichte, denn über 2 Stunden lang wird diese ganz ruhig und routiniert erzählt, leider auch ohne richtige Höhepunkte. Umso mehr bekommt man als Zuschauer das Gefühl, als würde der Film sich im Kreis drehen und man weitaus länger als 2 Stunden sieht. Glücklicherweise gelingt es dem Film zwischenzeitig auch Tempo zu gewinnen, doch verzettelt er sich leider letztendlich  in zu vielen ungeklärten Sachen.


Egal ob Cop oder Gangster, knutschen tun sie alle gerne
Immerhin schafft es Guillaume Canet die Atmosphäre der 70er Jahre unheimlich authentisch wirken zu lassen. So wirkt nicht nur die Umgebung unfassbar echt, auch die ruhige Kamera fängt genau die richtigen Bilder ein. Auch der dunklere Farbton wird unterstützt durch die kühle und raue Gewaltdarstellungen (auch wenn die Bluteffekte leider miserable nach Computer aussehen). Auch im Soundtrack scheint man stilsicher zu sein und so bietet man eine Mixtur von rockiger 70er Jahre Musik, wenn gleich zu Beginn „New York Groove“ von Ace Frehley ertönt. Im Großen und Ganzen schafft man es fast die inhaltlichen Mängel nur durch die audiovisuelle Gestaltung und Inszenierung auszumerzen, aber auch nur fast. So wirken viele Charakterentscheidungen merkwürdig, die Genrewahl zwischen Krimi, Thriller und Drama zu unausgewogen und einige Hauptdarsteller mehr als unterfordert. Doch zumindest gelingt  Clive Owen, der den Chris mit einer unfassbaren Kälte spielt, mit viel Engagement zu wirken.


„Blood Ties“ ist zwar überdurchschnittliches Thriller-/Drama-/Krimi-Kino, bleibt jedoch weit hinter seinem Potential zurück. Sprichwörtlich verderben viele Köche den Brei und so verhält es sich hier mit den Schauspielern. Viele Charakterdarsteller wirken zu unterfordert, durch die Unausgewogenheit in der Erzählung schleichen sich viele Längen in den Film und doch bleibt der 70er Charme, die starke Atmosphäre und genau Hauptprotagonisten. Für einen Unterhaltungsfilm wirkt „Blood Ties“ leider etwas zu anstrengend, dürfte aber zumindest bei Fans von (größtenteils) spannenden Filmen für einen guten Abend sorgen.


6 von 10 sich brüderlich versöhnende Punkten


von Hueftgold

Review: EIN GUTES JAHR – Sonnengefluteter Traum vom Paradies

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Fakten:
Ein gutes Jahr (A Good Year)
USA. 2006. Regie: Ridley Scott. Buch; Marc Klein, Peter Mayle (Vorlage). Mit: Russell Crowe, Marion Cotillard, Albert Finney, Freddie Highmore, Didider Bourdon, Tom Hollander, Isabelle Candellier, Jacques Herlin, Abbie Cornish, Archie Panjabi, Rafe Spall, Richard Coyle, Kenneth Cranham u.a. Länge: 108 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Max arbeitet an der Börse von London und ist ein echter Erfolgsmensch. Als er jedoch vom Tod seines Onkels Henry erfährt, bei dem er Teile seiner Kindheit verbrachte, erschüttert dies seine kalte Welt schon ein wenig, obwohl er zu Henry gut 10 Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Da Henry kein Testament aufgesetzt hat und Max der einzige Verwandte ist, erhält er Henrys Wohnsitz, ein kleines Chateau in Frankreich. Um dies zu verkaufen reist er dorthin, doch dort kehren nicht nur schöne Erinnerungen zurück, nein, Max lernt auf wieder die angenehmen Seiten des Lebens zu schätzen.





Meinung:
Dass Ridley Scott in Sachen individueller Handschrift zu den großen (Mainstream-) Regisseuren gehört, die jene in ihrer kreativen Hochphase der späten 1970er respektive frühen 1980er Jahre („Alien –Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt“) augenscheinlich vergessen haben, lässt sich bei der Betrachtung seiner heutigen Werke nicht schwer attestieren. Ob „Gladiator“, „Königreich der Himmel“, „American Gangster“ oder „Prometheus – Dunkle Zeichen“: Sie alle glänzen weitestgehend mit formaler Brillanz, doch ihnen fehlt der markante, der erinnerungswürdige, cineastische Ausdruck, wenngleich der zum Ritter geschlagene Brite immer noch in der Lage ist, gutes bis sehr gutes Unterhaltungskino zu entwerfen. Neben seinen filmischen Ausflügen in die antike Vergangenheit oder in eine noch fernere Zukunft, die vor allem durch ihre opulente Bildsprache geprägt waren, versuchte sich Scott mit „Ein gutes Jahr“ auch an einem etwas leichteren, etwas beschwingteren Stoff.

 
Ach nee, wat is' dat schön hier.
In der Hauptrolle ist Russell Crowe zu sehen, der sich dank seiner Performance in Scotts „Gladiator“ einen Goldjungen auf den Kaminsims stellen durfte. Als Börsenmakler Max Skinner gemahnt Crowes Darstellung oftmals an sein hochnotpeinliche Spiel in Ron Howards Behindertenporno „A Beautiful Mind“. Mehr zuckend, denn bedacht gestikulierend, um einen komödiantischen Ertrag zu erzielen, gockelt Crowe als gefühlskalter Geschäftsmann, der nach der Maxime lebt, dass „ein Mann erst dann ein Mann ist, wenn er seine erste Million macht“, durch die aseptischen Gebäudekomplexen, deren Design bei einem Regisseur wie Ridley Scott gewiss nicht zufällig einer futuristischen Architektonik gleichkommen. In kalten Blautönen gehalten, scheint das Leben in London vollends dem Materialismus beziehungsweise dem Kapitalismus verpflichtet. Nachdem Max vom Tod seines Onkels Henry (gespielt vom großen Albert Finney) erfährt, dass er wohl als letzter Verwandter das Chateau samt Weinberg in der Provence erbt.

 
So spielen Engländer Tennis
Ein gutes Jahr“ arbeitet von dort an, also genau dann, wenn Max in Frankreich eintrifft, mit einem gar biederen Antagonismus, in dem er die idealisierte Vorstellung arbeitswütiger und gewissenloser Yuppies in beide Richtungen kippen lässt, um ein Extrem mit dem anderen auszuspielen: Das lieblose London hier, das sonnenflutete, ja, das märchenhafte Frankreich auf der anderen Seite. Die Provence, das Chateau, die gesamte Umgebung scheint wie aus einem Traum – der natürlich immer in Relation mit der grellen Reklametafel steht – gefallen und weckt stetig Urlaubsfeeling. Dass aber weder Crowe besonders komödienerprobt ist, noch Scott ein besonders gutes Händchen für diese Art von Timing besitzt, ist gerade in einige hauruckartigen Slapstickeinlagen erkennbar. Und doch: Auch wenn „Ein gutes Jahr“ nicht nur mit Klischees jongliert, sondern sich geradezu freimütig in sie hineinfrisst, ist „Ein gutes Jahr“ doch ein angenehmer, ein leicht bekömmliches Vergnügen, dass durch sein sommerliches Gemüt auch genau in dieser Jahreszeit genossen werden sollte.


Aber „Ein gutes Jahr“ ist nicht nur aufgrund seiner herrlichen (Landschafts-)Aufnahme ein relativ schöner Film, sondern auch deshalb, weil er im Kern versucht, etwas Elementares zu vermitteln: Max, der als Kind die glücklichsten Jahre seines Lebens bei seinem Onkel verbracht hat und sich seinen philosophischen Blick auf die Dinge aneignete, hat vergessen zu lieben. In Frankreich stellt Max dann wieder fest, dass er zurück in seine Kindheit reisen kann, ohne selber zum Kind zu werden. „Ein gutes Jahr“ behandelt auch ganz leise Themen wie Reife und den Befreiungsschlag von einer offensichtlichen Desillusion. Da kommt es Max natürlich ungelegen, dass ihm die gewohnt wunderbare Marion Cotillard („Der Geschmack von Rost und Knochen“) als Fanny Chenal aus dem emotionalen Tiefschlag weckt. Und auch wir als Zuschauer können uns allein des magischen Grundnote damit anfreunden, dass Crowe trotz Schema-F-Dramaturgie vom Arschloch zum Bonvivant geläutert wird. Ein Traum bleibt ein Traum, auch wenn er so transparent wie hier formuliert wird.


5 von 10 Flaschen verdorbener Wein


von souli