Endlich
ist er da! Der erste Teaser zu "Marvels The Avengers 2: Age of Ultron”, der bei
uns Ende April nächsten Jahres anlaufen wird. Mit der gewohnten Besetzung
versehen und frischen Darstellern wie Elizabeth Olsen, Aaron Taylor-Johnson und
Thomas Kretschmann, wird Regisseur Joss Whedon, da sind wir uns sicher, wieder
ein fulminantes wie wunderbar unterhaltsames Spektakel auf die Leinwand
zaubern. Also wir freuen uns drauf.
Fakten: Kill
your Darlings - Junge Wilde
USA. 2013. Regie: John Krokidas. Buch: Austin Bunn, John Krokidas. Mit: Daniel
Radcliffe, Dane DeHaan, Ben Foster, John Huston, Elizabeth Olsen, Michael C.
Hall, Jennifer Jason Leigh, David Cross, David Rasche, Kyra Sedgwick, John
Cullum u.a. Länge:104 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 23. Mai auf
DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Endlich raus aus New Jersey. Der junge Allen Ginsberg, der später zu einem
der wichtigsten und bedeutendsten Dichter Amerikas wird, kann auf der Columbia
University endlich aufblühen, denn hier herrscht die Freiheit und die Kunst
sowie einige Gleichgesinnte u.a. Jack Kerouac und William S. Burroughs.
Meinung: Dass
die Beat Generation im Kino längst kein unbehandeltes Blatt Papier mehr
darstellt, wissen wir spätestens seit David Cronenbergs kafkaesken Trip „Naked
Lunch“, der auf einem Roman von William S. Burroughs, einem der vier
Mitbegründer jenes literarischen Affronts, basiert. Und auch der zum Workaholic
mutierte James Franco war bereits in Rob Epsteins und Jeffrey Friedmans „Howl –
Das Geheul“ in der Rolle des Allen Ginsberg zu sehen. Doch durften wir in
diesen Filmen wirklich etwas über die Menschen hinter der Beat Generation,
ihrem Seelenleben und ihren Motivationen erfahren? Wer waren Allen Ginsberg,
Lucien Carr, Jack Kerouac und William S. Burroughs überhaupt? Mit „Kill Your
Darlings – Junge Wilde“ versucht Regisseur und Drehbuchautor John Krokidas
dieser Frage eine Antwort zu offerieren, zerbricht aber an den Konventionen
einer filmischen Biografie – Was gerade in dies-m Fall mehr als paradox
anmutet. Und doch bleibt ein Film, der trotz, oder gerade in seinem Scheitern
einige interessante Ansätze bereithält.
Allen und seine große Liebe
Wer eine allumfassende Psychologisierung des Quartetts erwartet, der muss sich
enttäuschen lassen, denn das Drehbuch stellt die Beziehungen zwischen Allen
Ginsberg und Lucien Carr eindeutig in das Zentrum der Geschichte. Dass es Jack
Kerouac und William S. Burroughs dabei in Kauf nehmen müssen, als Randfiguren
zu fungieren, ist gleich doppelt schade: Nicht nur ihre Charaktere, die gerade
die Jugendkultur ihrer Zeit maßgeblich beeinflussten, sind n hochinteressant,
sie werden auch von zwei nicht minder interessanten Darstellern verkörpert:
Jack Huston in Poser-Laune und Ben Foster als von Drogen beflügelter Poet.
Immer wieder reißen sie den Film durch ihre schiere Präsenz an sich, um dann
wieder fallengelassen zu werden. „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe
spielt weiterhin gegen eben jenes Image des Zauberlehrlings an, zieht im Angesicht
des gesamten Casts aber den Kürzeren, gelingt es ihm doch eigentlich nie
wirklich, die tiefen Emotionen seiner Figur ansprechend zu formulieren. Anders
als Dane DeHaan als androgyner Avantgardist Lucien Carr, der nicht umsonst
längst zum heißesten Eisen der Nachwuchsriege gezählt wird.
Der Hammer im Haushalt ersetzt nicht den Poeten
Die Beat Generation setzte sich zum Ziel, das festgefahrene
(Literatur-) Establishment durch eine eigens kreierte Anarchie die Regeln
und Sittsamkeit jener Instruktionen in sich zusammenbrechen lassen: Chaos für
die Entfaltung der Sinne. Wenn Ginsberg, Carr und Burroughs ihr Weltbild durch
den Konsum von Rauschgift transzendieren, kommt es zu einer Montage, die in
ihrer Metaphorik natürlich reichlich abgestanden wirkt, in ihrer Visualisierung
aber dennoch gefällt: Immer mehr Bücher werden aus dem Regal gezogen, zerrissen
und einzelne Seitenfetzen an eine Pinnwand geheftet. Am Ende entsteht daraus
eine fragmentarische Collage der Kunst, die das Alte in eine neuen Kontext
übersetzt und die Resonanz ihres Tuns wie ein Meer der Offenbarung große Wellen
schlagen lässt. Derlei Momente aber bleiben Mangelware, weil sich „Kill Your
Darlings – Junge Wilde“ ganz und gar konventionellen Mustern bekräftigt und
bloß keine Risiken eingehen möchte, die erst auf der interpretativen Basis keimen
und blühen.
Das Leben, so Lucien Carr, ist ein Kreis, der nur darauf wartet, endlich
aufgebrochen zu werden. „Kill Your Darlings – Junge Wilde“ gibt sich in seiner
Dramaturgie ebenfalls als Kreis, startet mit einer Rückblende, einer Prolepse,
auf die der Film in gut 100 Minuten hinarbeitet, um diesen Kreis zu schließen.
Dabei wird mit den Parolen der Beat Generation jongliert, die Liebe als Wirrnis
manifestiert, welche sich letzlich auch der Selbstzerstörung geschlagen gibt.
Als Zeitdokument ist „Kill Your Darling - Junge Wilde“ oftmals zu sehr an
Anachronismen geheftet, versucht das Geschehen durch zeitgenössische Musik zu
konterkarieren, als Charakter-Portriät gefällt der Film zwar besser, gerade
durch seine größtenteils guten bis sehr guten Schauspielleistungen, hat aber
zur eigentlichen Thematik keinerlei sinnstiftenden Spitzen zu verzeichnen.
Interessant aber bleibt „Kill Your Darling – Junge Wilde“, weil er die Beat
Generation nicht nur von innen, sondern auch von außen dechiffrieren möchte.
Das klappt nicht, ist formelhaft und eingeengt, aber doch so fähig, das Leben
selbst als Zick-Zack-Linie innerhalb der narrativen Kreisbahn immer wieder ins
Zittern zu bringen.
Fakten: Godzilla
USA. 2014. Regie: Gareth Edwards. Buch: Max Borenstein, David Callaham. Mit:
Aaron Taylor-Johnson, Elizabeth Olsen, Ken Watanabe, David Straithairn, Bryan
Cranston, Sally Hawkins, Carson Bolde,
Juliette Binoche, Victor Rasuk, Richard T. Jones, Patrick Sabongui, Jared
Keeso, u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 23. September 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.
Story:
1999 kam es in einem japanischen Atomkraftwerk zu einer Katastrophe. Einer der
Angestellten, der Amerikaner Joe Brody, der aus persönliche n Gründen von
diesem Ereignis traumatisiert ist, glaubt nicht an die offizielle Begründung
für das Unglück, welches angeblich durch ein Erdbeben ausgelöst wurde. 15 Jahre
später versucht Joes Sohn Ford seinen Vater zur Rückkehr in die USA zu bewegen.
Doch Joe kann ihn überreden mit ihm die gesperrte Unglückszone zu untersuchen.
Dort erkennt Joe dieselben Warnzeichen wie einst vor 15 Jahren und tatsächlich
kommt es erneut zur Katastrophe. Doch diesmal ist es kein Erdbeben, sondern ein
gigantisches Monstrum, genannt Muto, welches eine Schneise der Verwüstung nach
sich zieht. Niemand kann es aufhalten, außer vielleicht sein natürlicher Feind,
ein weiteres Monster.
Meinung: Neun Jahre nachdem das
U.S.-Militär Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abwarf und somit nicht nur
den zweiten Weltkrieg beendete, sondern auch ganz Japan in ein Traumata stürzte
stieg das Filmmonster Godzilla erstmals aus dem Ozean, um die Insel Odo und
später auch Tokio zu verwüsten. Während im Westen der Welt dies oft belächelt
wurde, da Godzilla sichtbar ein im Gummikostüm verkleideter Stuntman war der
Miniaturstädte zertrampelte, wurde das Monster aus dem Meer in seiner Heimat
schnell zum Kult wie auch zum Maskottchen. Godzilla symbolisiert bis heute das
japanische Trauma von 1945. Das Monstrum, welches durch atomare Strahlung
erschaffen wurde und in den späteren 28 Filmen nicht nur als alleiniger
Zerstörer, sondern auch als Helfer der Menschen auftrat, um diese vor anderen
gigantischen Kreaturen zu beschützen, kehrt nun unter die Regie von Gareth
Edwards auf die internationale Leinwand zurück, nachdem Roland Emmerich 1998 mit seinem Versuch Godzilla einem westlichen Publikum schmackhaft zu machen
gescheitert ist, auch wenn der Film zumindest finanziell nie der große
Kassenflop war, für den er immer wieder gehalten wird.
Dass man nur Teile von Godzilla sieht istdie Regel
Gareth Edwards, der mit „Godzilla“ erst seinen zweiten Spielfilm abliefert, hat
ein Herz für gigantische Kreaturen. Dies hat er in seinem Erstlingswerk „Monsters“
bereits bewiesen. Dieser stille Film, in dem ein Pärchen vor einer von riesigen
Tentakelwesen verursachten Apokalypse fliehen, empfahl Edwards für den
amerikanischen Zweitversuch, es noch einmal mit Godzilla zu versuchen. Und so
viel sei hier an dieser Stelle schon gesagt, gescheitert ist Edwards nicht. Er
versteht es wirklich gut das Urvieh sowie die Hochhausgroßen Mutos in Szenen zu
setzen, bis es allerdings dazu kommt vergeht eine Menge Zeit, die vollgestopft
ist mit Expositionen, menschlichen Schicksalen und Figuren, die für Edwards
oder zumindest für Autor Max Borenstein, der hier eine Story von David Callaham
(welcher mit Sylvester Stallone „The Expendalbes" schrieb) zu Papier brachte, letztlich Vorrang
haben, vor dem epischen Kampf der Kolosse. Das ist einer der großen Haken bei „Godzilla“,
die Figuren sind allesamt so redundant und austauschbar, dass die gezeigten
Schicksale den erzählerischen Fluss des Films mehr als nur einmal blockieren.
Godzilla und die Mutos haben eine Schwäche für Sightseeing
Dabei sind viele der vorgestellten Charaktere letztlich reine Staffage. Dies
trifft vor allem auf die Figur Joe Brody zu, gespielt von Bryan Cranston ("Total Recall", "Argo". Wird
dieser zu Beginn noch groß vorgestellt, so wird er wenig später schon wieder
plump fallen gelassen und am Ende bleibt die Frage im Raum stehen, wofür er überhaupt
nützlich war? Vielleicht ja nur, um die Fans von „Breaking Bad“ ins Kino zu
locken, immerhin suggerierte der Trailer ja, dass Cranston eine entscheidende
Rolle spielen wird. Wenn der Abspann über die Leinwand rollt und noch einmal
der Cast schwarz auf weiß zu bestaunen ist, lässt es sich nicht mehr
verleugnen, dass Stars wie eben Cranston aber auch Sally Hawkins ("Blue Jasmine", "Happy-go-Lucky") oder Juliette
Binoche ähnlich verheizt wurden, wie die Gebäude, die zwischen Godzilla und den
Muto einfach plattgewalzt werden. Auch Vorzeige-Japaner Ken Watanabe ("Letters from Iwo Jima", "Batman Begins") bleibt
blass und darf als asiatisches Morgan Freeman-Pendant lediglich Dinge erklären
und den Namen Godzilla japanisch aussprechen. Das Argument, dass ja Godzilla die
wichtigste Figur sei und die lieblosen bis uninteressanten menschlichen
Charaktere völlig irrelevant sind, hat dabei keinen Bestand. Zum einen weil
sich der Film an ihnen sowie ihrer oftmals lästigen Backgroundstory labt, zum
anderen weil ein mitfiebern mit bloßen Pappschablonen enorm schwierig, wenn
nicht sogar unmöglich ist.
Der asiatische Morgan Freeman und Assistentin
So ist das Drehbuch klar die größte Schwäche im zweiten Versuch Godzilla auch
dem westlichen Markt schmackhaft zu machen. Dafür hat Regisseur Edwards ein
wirklich feines Händchen dafür Katastrophen zu inszenieren. Egal ob mit einem
direkten Blick auf die Geschehnisse, oder als Beobachter nach dem Desaster,
Edwards präsentiert fesselnde Bilder und wenn bei ihm ganzeStädte und Landstreifen verwüstet werden, dann geschieht dies nicht klinisch sauber wie etwa bei J.J. Abrams „Star Trek Into Darkness“, sondern epochal und drohend. Egal ob Häuserwände bersten oder
Flutwellen über die Küste schwappen und ganze Straßenzüge niederreißen, das
Gefühl der Bedrohung ist stets präsent und in den vielen, guten Momenten fast
schon physisch spürbar. Kameramann Seamus McGarvey fängt alles dazu mit einem
guten Blick für das große Ganze ein. Trotz der wilden Hektik von fliehenden
Menschenmassen verliert man als Zuschauer nie den Überblick und ist dennoch
immer mittendrin. Da ist es umso enttäuschender, dass die 3D-Version des Films
nicht wirklich dazu beiträgt. Wer also die Wahl hat, kann mit ruhigem Gewissen
die Fassung ohne Brille ansehen.
Cranston, nachdem er das Script gelesen hat
Eine alte Regel des Monsterfilms, die vor allem von Steven Spielbergs „Der
weiße Hai“ aufgestellt wurde, besagt, dass es gut ist, wenn man das Monster
immer wieder nur schemenhaft zeigt und erst im Grand Finale in voller Pracht
präsentiert. „Godzilla“ hält sich teilweise daran. Doch während der Hai bei
Spielberg von Beginn an präsent ist, bleibt Godzilla dann doch zu lange im
Schatten. Wenn er sich dann endlich zeigt und der perfekt animierte,
gigantische Klumpfuß den Asphalt zermalmt, gefolgt von seinem ikonischen
Schrei, der in einem gut ausgerüsteten Kinosaal die Sitze zum vibrieren bringt,
dann dürfen sich nicht nur Fans des Ungetüms freuen. Doch diese Freude wird
rasch ausgebremst, denn Edwards inszeniert die meisten Kämpfe zwischen Godzilla
und den Mutos aus einer menschlichen Sicht. Will sagen: wenn die Riesenviecher
sich bekriegen, sieht man dies meist nur auf Fernsehbildschirmen im Hintergrund.
Diese Taktik verfolgt Edwards leider zu konsequent. Denn was zu Beginn wirklich
Spannung erzeugt, wird leider zur repetitiven Angelegenheit. Beim gefühlt
zehnten Mal, wo ein Gigantenkampf angeteasert,
dann jedoch wieder unter Ausschluss des Publikum ausgetragen wird, könnte einem
fast die Lust vergehen.
Da ist er! Godzilla in voller Pracht. Ja, so muss ein Monster aussehen
Aber nur eben nur fast. Denn „Godzilla“ bietet zum einen in den letzten 20
Minuten ein Finale aus dem Bilderbuch, zum anderen wird hier nie, zu keiner
Zeit versucht den König der Monsters in ein Korsett zu stecken was ihm nicht
passt. Während Roland Emmerich 1998 mit seiner Version alles Mögliche
versuchte, um Godzilla adäquat auf Hollywood-Verhältnisse zu bringen und aus
der sonst so groben, klobigen Riesenechse eine Art Superdinosaurier machte,
pocht Gareth Edwards bei seiner Version auf die Einhaltung des Originals. Dies
bedeutet, dass Godzilla, obwohl er an den Rechnern der Traumfabrik entstanden
ist, immer noch ein unförmiges, klobiges Monstrum ist. Das Design erinnert also
an den echten Monsterkönig und auch die Geschichte, mit ihren Verweisen an
Hiroshima ist eine klare Verbeugung an die Herkunft Godzillas. Mag sein, dass
diese Ehrungen nicht alle immer sehr elegant daher kommen aber sie funktionieren
und wenn man am Ende schließlich Zeuge wird, wie Godzilla gegen die Mutos
kämpft, dabei Wolkenkratzer in sich zusammen fallen, als wären sie aus
Legosteinen, dann verbindet der Film eine audiovisuelle apokalyptische
Atmosphäre mit überzüchteter, maßloser Action. Das Ergebnis ist pure Wucht.
Eine Wucht, die dem Film vielleicht geschadet hätte wenn man sie bereits direkt
zu Beginn losgelassen hätte. So gesehen war es dann eventuell doch die richtige
Entscheidung den Monsterclash immer
nur anzudeuten.
Der zweite amerikanische Godzilla ist nicht das Highlight geworden was sich
viele gewünscht haben. Mit zu vielen Schwächen plagt sich der Film herum, doch
wenn er seine Qualitäten präsentiert, dann tut er dies mit Nachdruck und Verve.
Und irgendwie passt es ja auch, dass bei diesem „Godzilla“ die menschlichen
Figuren allesamt nicht über den Status von Nichtigkeiten hinauskommen. Man
stelle sich nur vor, was Godzilla denken muss, wenn zu seinen Füßen diese
zweibeinigen Ameisen sieht, wie sie rennen und schreien. Vermutlich wird er
sich denken, dass diese Winzlinge vollkommen egal sind. Wenn man den Film also
mit den Augen eines riesigen Monsters schaut, sollte dieser Kritikpunkt ja
vielleicht wegfallen. Probiert es einfach mal aus. Aber bitte guckt wo ihr
hintretet.