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Review: STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI - Auf zu neuen Pfaden

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Fakten:
Star Wars: Die Letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)
Regie und Buch: Rian Johnson. Mit: Daisy Ridley, Mark Hamill, Adam Driver, Oscar Isaac, John Boyega, Domhnall Gleeson, Carrie Fisher, Andy Serkis, Laura Dern, Benicio del Toro, Kelly Marie Tran, Gwendoline Christie, Billie Lourd, Peter Mayhew uvm. Länge: 151 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 14. Dezember 2017 im Kino.

Story:
Rey (Daisy Ridley), mit den Erfahrungen ihres ersten großen Abenteuers in den Knochen, geht bei Luke Skywalker (Mark Hamill) auf dem Inselplaneten Ahch-To in die Lehre. Luke ist der letzte Jedi, der letzte Vertreter des Ordens, auf dem die Hoffnung ruht, dass Frieden in der Galaxis einkehrt. Doch die Schergen der Ersten Ordnung lassen Meister und Schülerin in der Insel-Idylle nicht lange in Ruhe. Und einer von Lukes ehemaligen Schützlingen, Kylo Ren (Adam Driver), hat die finstere Mission noch längst nicht beendet, die ihm Snoke (Andy Serkis) auftrug…




Meinung:
Vor zwei Jahren gelang es Regisseur J. J. Abrams das wohl beliebteste Filmfranchise aller Zeiten von dem furchtbaren Nachgeschmack der Prequels zu befreien. Er brachte Star Wars mit The Force Awakens wieder auf Kurs und leutete die neue Trilogie mit einem Paukenschlag ein. Doch mit der Zeit wurden die Stimmen derer immer lauter, die dem neuen Film zu große Ähnlichkeiten zu der alten Trilogie und hierbei insbesondere Episode 4 attestieren wollten. Es brauchte also einen frischen Wind in der weit weit entfernten Galaxie. Dieser trat in Form von Rian Johnson auf. Von Beginn an wurde die Wahl des Regisseurs begrüßt und der Cast machte in Interviews immer wieder klar, dass er interessante und auch riskante Entscheidungen getroffen hat. Doch ob das reicht um nun auch die Kritiker von Force Awakens auf seine Seite zu holen?

Die Sorge, dass wir mit The Last Jedi einen zweiten Empire Strikes Back bekommen, erweist sich zum Glück als unbegründet. Rian Johnson beschreitet komplett neue Pfade und geht große Risiken ein. Risiken, die sich meist auszahlen, aber nicht jedem gefallen werden. Als Grundhandlung des Films dient ein recht simpler Konflikt. Das gibt Johnson Zeit und Raum um sich auf die Charaktere und deren Entwicklung zu konzentrieren. Entwicklungen, die mit vielen Überraschungen daher kommen. Überraschend sind diese nicht zuletzt, weil Johnson ein Meister darin ist, den Zuschauer in die Irre zu führen. Immer wenn man denkt, man hätte den Code seines Filmes geknackt, macht er eine 180° Wende. Das hält die Spannung am Leben, die den ganzen Film durchzieht.

Auch visuell beschreitet Johnson neue Pfade, ohne dabei aber den von J.J. Geprägten Stil über Bord zu werfen. The Last Jedi ist ein unheimlich schöner Film, voll von tollen Einstellungen und Ideen. Herausragend sind dabei nicht nur die großen Set pieces, sondern auch kleine Charaktermomente. Beidem widmet Johnson seine volle Aufmerksamkeit und beides präsentiert er in atemberaubenden Bildern, die man sich am liebsten an die Wand hängen möchte. Aufgrund der technischen Möglichkeiten und auch seiner brillianten Ideen, mausert sich The Last Jedi damit zum visuell interessantesten der Star Wars Filme. Wenn man von Effekten spricht, muss man im Bezug auf Star Wars im gleichen Atemzug natürlich auch die Kreaturen erwähnen. Hier beweist Johnson erneut viel Kreativität. Die schon im Trailer angedeutete Casino-Szene wird von den merkwürdigsten Lebensformen bevölkert. Die auffälligsten Neuankömmlinge in der Galaxie sind aber wohl die schon im Vorfeld vielfach diskutierten Porgs. Bei dem süßen Anblick der Pinguin artigen Wesen, machte sich die Sorge breit, dass man hier etwas ähnlich nerviges wie Jar Jar präsentiert bekommt. Doch versteht sich Johnson zum Glück darin, die Porgs genau richtig zu dosieren. Man darf also auch nach dem Film pro Porg sein.

Nicht gänzlich, wohl aber anteilig muss sich Johnson auch für die Leistung seiner Darsteller verantworten. Das ist aber in keinem Fall negativ gemeint, denn der gesamte Cast macht seine Sache außerordentlich gut. Die alten Hasen schlüpfen erneut in ihre Rollen und schaffen es, den Charakteren neue Facetten zu verleihen und die Neuzugänge in Form von Kelly Marie Tran, Laura Dern und Benicio del Toro fügen sich nahtlos in die Welt ein. Alle drei bekommen im Film gut was zu tun und hinterlassen einen bleibenden Eindruck – wenn auch auf komplett unterschiedliche Art und Weise. Keinesfalls unerwähnt sei die großartige Performance von der leider viel zu früh verstorbenen Carrie Fisher, die sich mit The Last Jedi ein würdiges Denkmal setzt und sich mit einem Augenzwinkern von uns allen verabschiedet.

Nach den ganzen Lobgesängen auf Regisseur Johnson, sei auch ein wenig Kritik erlaubt. Im Gegensatz zu J.J., macht dieser wesentlich mehr Gebrauch von CGI. Das bemerkt der Zuschauer weniger in den wirklich toll animierten epischen Szenen, als viel mehr in den kleinen Charaktermomenten. Im Jahr 2017 sollte man als Zuschauer nicht mehr erkennen dürfen, wenn zwei Darsteller vor einem Greenscreen stehen. Insbesondere dann nicht, wenn ein Film so hoch budgetiert ist wie Star Wars. Auch inhaltlich muss sich Johnson einige Vorwürfe gefallen lassen. So ist die Geschichte von The Last Jedi nicht so sauber und flüssig erzählt wie die von The Force Awakens. Johnson macht immer wieder Schlenker, die sich wie Fremdkörper im sonstigen Geschehen anfühlen und den Fluss des Films stören. Ebenso gelingt das ständige hin und her schneiden zwischen den einzelnen Handlungssträngen nicht immer so mühelos, wie es sollte. Das ist zwar alles Meckern auf hohem Niveau und stört den Filmgenuss kaum, hätte aber auch recht einfach vermieden werden können.

Fazit: Mit The Last Jedi beschreitet Rian Johnson neue Pfade, die nicht jedem gefallen werden. Anstatt sich auf das große Ganze zu konzentrieren, widmet sich der Regisseur eher den Konflikten seiner Charaktere. Der von Spannung durchzogene und mit Überraschungen gefüllte Film ist eine würdige Erweiterung der Star Wars Saga, die uns mit großer Hoffnung auf die Zukunft des Franchises blicken lässt.

9 von 10 Porgs

von Tobias Bangemann

Review: mother! - Ein Film, der sich in die Synapsen frisst

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Fakten:
mother!
USA. 2017. Regie und Buch: Darren Aronofsky. Mit: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Ed Harris, Michelle Pfeiffer, Domhnall Gleeson, Kirsten Wiig, Jack Gleeson, Stephen McHattie u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 14. September im Kino.

Story:
Ein Dichter und seine junge Ehefrau leben allein in einem großen viktorianischen Haus auf dem Land. Eines Tages steht ein fremder Mann  und kurz darauf dessen Gattin vor der Tür, die der Dichter beide begeistert einlädt, bei ihnen zu wohnen. Als überraschend auch noch die Söhne des Ehepaars auftauchen, eskalieren die Spannungen im Haus...




Meinung:
Jedes Wort zu mother! wäre eines zu viel. Der neue Film von Darren Aronofsky ist ein Werk, welches definitiv das Publikum spalten, ja vermutlich sogar auseinanderreißen wird. In Zeiten von ewigem Konsens in den Multiplexen hat solch ein filmischer Faustschlag durchaus etwas belebendes. Aber damit es funktioniert, ist es wohl wirklich zwingend notwendig ohne Vorwissen sich die Leinwand zu setzen und hinab zu tauchen, in die Vision von Aronofsky, der nach seinem Noah... nein, wir schweigen.

Was gesagt werden kann von unserer Seite ist aber, dass mother! mehr Ereignis als wirklich Film ist. Anhänger von Kohärenz, klar definierter Logik und einem deutlich erkennbaren Storystrang werden hier wohl nur mit hängenden Schultern, schüttelnden Köpfen und enttäuschten Blicken den Saal verlassen. Aronofsky ist die vordergründige Geschichte erst mal ziemlich egal. Es geht um das, was dahinter steckt und vor allem um die Gefühle, die es auslöst. Wer sich darauf einlassen kann und will, könnte vielleicht ein unvergesslichen Trip im Kino erleben. Denn mother! ist wüst, löst zunehmend Unbehagen aus, konfrontiert sein Publikum mit der eigenen Machtlosigkeit und versilbert dies alles dazu mit einer großen Portion Orientierungsverlust. Ein Werk welches stetig und wankend umherspringt: Sanft und aggressiv, leise und laut, Lachen und Weinen, Singen und Schreien, energetisch und katatonisch, lebendig und tot. Ein Drahtseilakt, bei dem jeder Absturz zum Konzept gehört und einem Schlag in den eigenen Körper gleichkommt. Verstörender war Kino eines großen US-Studios seit Jahren nicht mehr.

Zu mother! kann und sollte wohl nur ein Rat erteilt werden: Hingehen und ansehen. Am besten im Kino, wo sich das superbe Sound Design und die fokussierten Bilder richtig in die Synapsen brennen und hineinfressen können. Ob einem das gefällt steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber alleine die Erfahrung sollte es wert sein. In diesem Sinne: Willkommen in der Apokalypse.

8 von 10 unerwarteten Besuchen

Review: STAR WARS: EPISODE VII - DAS ERWACHEN DER MACHT - Ein Film für alle, die das Kino lieben

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Fakten:
Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens)
USA. 2015. Regie: J.J. Abrams. Buch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt. Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Adam Driver, Oscar Isaacs, Carrie Fisher, Domhnall Gleeson, Mark Hamill, Peter Mayhew, Andy Serkis, Lupita Nyongo’o, Max von Sydow, Gwendoline Christie, Anthony Daniels, Kenny Baker, Yayan Ruhian, Iko Uwais, Greg Grunberg, Ken Leung, Tim Rose, Kiran Shah, Simon Pegg u.a. Länge: 135 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Luke Skywalker ist verschwunden. Die „Erste Ordnung“, die aus dem scheinbar zerstörten Imperium erwuchs, ist auf der Suche nach ihm, genau wie der Widerstand. Hingezogen in diese Suche werden zum einen der Stormtrooper Finn sowie die Schrottsammlerin Rey. Zusammen geraten sie in ein großes wie gefährliches Abenteuer.





Meinung:
Nachdem „Lost“-Creator J. J. Abrams nicht nur dem „Mission: Impossible“-Franchise mit seiner Regiearbeit beim dritten Teil der Reihe wieder neue Impulse verleihen konnte, nachdem John Woo die Serie zuvor mit „Mission: Impossible II“ gnadenlos havarieren ließ, sondern auch dem „Star Trek“-Universum eine gelungene Frischzellenkur mit „Star Trek“ und „Star Trek Into Darkness“ verabreichte, in dem er die aufregenden Geschichten um Captain Kirk und Mr. Spock in ein frisches Prequel-Gewand kanalisierte, stand dem New Yorker Multitalent mit seiner Arbeit an „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ nun seine wohl größte Herausforderung bevor. Ob es sich dabei nun um ein Privileg oder doch eher um eine Bürde handelt, die J. J. Abrams zu stemmen hatte, möchte man als Außenstehender nicht wirklich kategorisieren. In jedem Fall hat es der Filmemacher aber gewagt, sich dem Flaggschiff des Fandom anzunehmen und einer gigantischen Anhängerschaft gestellt, die die Enttäuschungen über George Lucas Prequel-Trilogie noch immer nicht ganz verkraftet hat.


Luke ist aber alt geworden
Es sollte sich bei „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ um einen Film handeln, der sich wie Balsam um die geschundene Fanseele legt. Dies zu betonen wurden die Verantwortlichen im Vorfeld nicht müde; und nachdem erste Bilder vom Set im Internet auf sich aufmerksam machten, auf denen J. J. Abrams nicht vor einem Greenscreen posierte, sondern sich inmitten von handgemachten Modellbauten präsentierte, war die Vorfreude selbstredend schon reichlich angeheizt. Nachdem dann auch der Trailer die Erwartungen innerhalb von gut zwei Minuten noch einmal ins Astronomische potenzierte, sah man sich wie so oft mit einem selbstgesteckten Problem konfrontiert: Der eigenen Erwartungshaltung. Doch egal, wie extrem man sich von „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ endlich wieder einen ECHTEN Star-Wars-Film ersehnt hat – J. J. Abrams kann sich nun endgültig als Künstler definieren lassen, der zu seinem Wort steht. Diese Episode VII ist genau das Werk geworden, welches man sich als Fan des Franchise so inständig gewünscht hat.


Oh schaut doch mal, die Soldaten aus Panem sind auch mit dabei
Mit der glattpolierten Digitaloptik eines „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ und Co. hat „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht nichts mehr gemein. J. J. Abrams hat erkennbaren Wert darauf gelegt, die Physis zurück ins „Star Wars“-Universum zu bringen, was nicht nur bedeutet, dass wir uns über den abgenutzten Look der Sternenjäger, Frachter und Raumstationen erfreuen können, der uns an das verbogene Metall eines „Krieg der Sterne: Episode IV - Eine neue Hoffnung“ gemahnt. Die Charaktere sind wieder aus Fleisch und Blut, sie leiden, mühen ihre abgekämpften Körper durch die Wüste, durch den Wald, über das Eis – und handeln auch mal aus eigennützigem Antrieb. Mit Finn (John Boyega, „Attack the Block“), Rey (Daisy Ridley) und Poe Dameron (Oscar Isaac, „A Most Violent Year“) bekommen wir Figuren, die sich irgendwann auch in die Ahnengalerie der Serie einreihen dürfen, um ihren rechtmäßigen Platz neben Han Solo (Harrison Ford, „Jäger des verlorenen Schatzes“), Luke Skywalker (Mark Hamill, „Kingsman: The Secret Service“) und Ben Kenobi (Alec Guiness, „Der kleine Lord“) einzunehmen.


Herrje, Uhura ist traurig, aber wieso nur?
Bereits der Auftakt beweist, mit welcher Klasse „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ seine Figuren einzuführen versteht: Während sich der neue Maskenbösewicht Kylo Ren (Adam Driver, „Inside Llewyn Davis“) anfangs als gewissenloses Monstrum darstellt, welches den Genozid an der Zivilbevölkerung des Planeten Jakku veranlasst, verbirgt sich hinter einer Sturmtrupplermontur Finn, der bereits im Kindesalter von der First Order (einem neuen Konzept des Imperiums) rekrutiert wurde, aber nicht in der Lage ist, dem Mord an Unschuldigen auf Kommando beizuwohnen: Sein mit blutverschmierter Held inmitten eines regelrechten Infernos zählt wahrscheinlich zu den eindrucksvollsten Bildern, die das „Star Wars“-Franchise insgesamt hervorgebracht hat. Dass in Finn die helle Seite der Macht stärker als die dunkle ist, steht außer Frage, doch in erster Linie geht es ihm darum, sich nur möglichst schnell möglichst weit von den finsteren Fängen der First Order zu distanzieren – und da stößt er auf den renommierten Renaissance-Piloten Poe und seinen quirligen, mit brisanten Informationen ausgestatteten Astromechdroiden BB-8.


Chewie is back! Ernsthaft, wer kennt Chewie nicht?
Noch besser aber gefällt Rey, eine drahtige Schrottplünderin, die sich auf dem von Krieg gebeutelten Planeten Jakku eigenständig beigebracht hat, wie man auf eigene Faust überlebt. Ihre Figur birgt das unbändige Potenzial in sich, die Rolle des Luke Skywalker zu beerben, „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ jedenfalls veranschaulicht sie als eine so renitente wie smarte Persönlichkeit, die die Macht in sich trägt und nur einen Stimulus benötigt, um sich dessen in dieser identitätslosen Zeit (die Jedi-Ritter respektive der galaktische Bürgenkrieg werden für Mythen gehalten) gewahr zu werden. Dass sich dazu auch ein Kylo Ren weniger als erbarmungsloser Antagonist entpuppt, sondern als innerlich zerrissenes und letztlich zu beeinflussbares Kind, auf dessen Helm der gesamte Kampf von Gut gegen Böse farbdramaturgisch festgehalten wird, stellt nur noch weiter unter Beweis, dass das Drehbuch von „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ den Basiskoordinaten des Originals die unbedingte Treue geschworen hat.


Zurück zum Ursprung der Mythologie aber scheint indes nur auf den ersten Blick bisweilen die Devise gewesen zu sein. Ohne Frage, „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ bereitet reinrassigen Fanservice auf, mit jeder Menge Easter Eggs, Querverweisen und cineastischen Referenzen versehen. J. J. Abrams aber ist in der Lage, seine Star-Wars-Revitalisierung mit einer Eigendynamik durchströmen zu lassen, die sich aus der Synergie des hintergründigen Wissens des Zuschauers und der hier dargebotenen neuen Zeitrechnung zusammensetzt: Nostalgie verkommt hier keinesfalls zum Deckmantel, unter dem es sich zu verstecken gilt. Das Alte umrahmt vielmehr das Neue und lässt den offenherzigen Fan sowie den unberührten Neuling über gut 140 Minuten auf einer eskapistischen Wolke durch das innig geliebte Universum im interstellaren Raum treiben, welches einst so bahnbrechend, stilprägend und liebevoll mit „Krieg der Sterne“ von George Lucas initiiert wurde. Man kann J. J. Abrams für diesen Siegeszug wahrlich nur gratulieren.


8,5 von 10 Echos aus der Vergangenheit


von souli

Review: THE REVENANT – DER RÜCKEHRER – Der pure Kampf ums Überleben

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Fakten:
The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)
2015, US. Regie: Alejandro González Iñárritu. Buch: Alejandro González Iñárritu, Mark L. Smith. Mit: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Paul Anderson, Lukas Haas, Brendan Fletcher, Forrest Goodluck u.a. Länge: 156 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab 06.Januar 2016 im Kino.


Story:
Der Trapper Hugh Glass führt ein Team auf einer Expedition im Jahr 1823 durch die Wildnis von Nordamerika. In einem unachtsamen Moment wird er von einem Bären attackiert und schwer verletzt. Seine Team-Kollegen möchten ihn nicht zurücklassen, sehen sich aber gezwungen, genau das zu tun. Der skrupellose John Fitzgerald wird unter anderem beauftragt, für ein würdiges Begräbnis zu sorgen, sobald Glass seinen Verletzungen erliegt. Dieser denkt allerdings nur an sich und verbuddelt Glass, um ihn zum Sterben zurückzulassen. Der ist allerdings nicht so einfach tot zu kriegen und begibt sich von nun an auf eine Rache-Mission, auf der er um das eigene Überleben kämpfen muss.





Meinung:
Für Alejandro González Iñárritu konnte es zuletzt kaum besser laufen. Seine mit Stars gespickte Satire "Birdman", die so gedreht wurde, dass sie wie ein einziger Long-Take wirkte, war nicht nur bei Kritikern ein voller Erfolg, sondern gewann auch noch entscheidende Oscars wie "Bester Film", "Beste Regie", "Bestes Originaldrehbuch" und "Beste Kamera". Nun meldet sich der Regisseur mit "The Revenant" zurück, ein Film, der im Vorfeld bereits für handfeste Schlagzeilen sorgte. Von menschenunwürdigen Drehbedingungen konnte man lesen, von Crewmitgliedern, die frustriert das Handtuch warfen und von einem Regisseur, der alle Beteiligten zum Äußersten getrieben hatte und darauf bestand, in chronologischer Reihenfolge und ausschließlich mit natürlichem Licht zu drehen.


Leo als Lastenesel (der Mann kann einfach alles spielen)
Diese außergewöhnlichen, kräftezehrenden Produktionsbedingungen merkt man dem fertigen Film nun auch in jeder Sekunde an. "The Revenant" ist ein unglaublich intensives Seherlebnis, bei dem sich Erschöpfung, Verzweiflung und Wahnsinn oftmals vom fiktiven Geschehen des Films direkt auf den Betrachter selbst übertragen. Die wieder einmal atemberaubende Kameraarbeit des virtuosen Emmanuel Lubezki, die brillante Musikuntermalung und die authentische Wucht der Schauplätze, aus denen der Regisseur das Maximum an eisiger Kälte, Matsch, Regen aber auch wunderschöner Naturkulisse schöpft, erzeugen im Zusammenspiel eine Wucht, die den Betrachter nach der Sichtung ausgelaugt und wie paralysiert zurücklassen. Iñárritu schildert dabei einen auf wahren Ereignissen beruhenden Überlebenskampf des Trappers Hugh Glass, der im 19. Jahrhundert auf einer Expedition von seinem Team notgedrungen zurückgelassen wird und speziell einem extrem skrupellosen Mann aus diesem Team aufgrund persönlicher Gründe fortan nach dem Leben trachtet. Hierdurch entsteht gleich auf mehrfacher Ebene ein verbitterter Kampf, denn Glass muss Nahrung und Wasser finden, wobei ihm die unberechenbare Tierwelt inmitten der Wälder, aber auch feindlich gesinnte Indianer stets das Leben kosten können.


Hat Tom Hardy etwa einen Geist gesehen?
Aus dieser Ausgangslage kreiert Iñárritu einige Szenen und Momente, die an Intensität kaum zu überbieten sind und die man wohl so schnell nicht mehr vergessen wird, sobald man sie gesehen hat. Auch wenn sich in die Handlung über die doch recht lang geratenen 2,5 Stunden Laufzeit ein paar Durststrecken eingeschlichen haben und die Geschichte an einigen Stellen an unnötigen Nebenschauplätzen verweilt, obwohl der konzentrierte Überlebenskampf sowie Rache-Trip der Hauptfigur alleine sicherlich genügt hätte, ist "The Revenant" so erbarmungslos, so packend und so aufsaugend in seiner gesamten Wirkungsweise, dass diese Längen schnell vergessen sind. Sobald Glass vor die nächste unmenschliche Herausforderung gestellt wird, Iñárritu manchmal auch Ausschweifungen in mystische Fiebertraum-Sequenzen unternimmt oder die zähneknirschenden Darsteller zu Höchstleistungen peitscht, kann man sich dem Bann kaum noch entreißen und will sich manchmal zwingen, nicht zu blinzeln. Getragen wird der Film dabei von einem bahnbrechenden Leonardo DiCaprio, der hier wirkliche Höllenqualen durchleiden muss und die schmerzhafte Reise seiner Figur zu jedem Moment perfekt verkörpert. Auffällig ist außerdem Tom Hardy, der mit schwer verständlichem Südstaaten-Slang und purem Wahnsinn in den Augen zu einem gewaltigen Gegenspieler aufsteigt.


Alejandro González Iñárritu hat es sich also eindeutig nicht leicht gemacht mit seinem "The Revenant". Vom schwarzen Humor und der gewissen Zugänglichkeit seines "Birdman" ist hier nichts mehr übrig geblieben. Dieser Film stellt seine Zuschauer auf die Probe und verlangt ihnen wie seiner Hauptfigur so einiges ab. Belohnt wird man trotz einer Längen und erzählerischer Ausreißer mit einem besonderen Seherlebnis von unglaublicher Intensität, welches meisterhaft inszeniert sowie hingebungsvoll gespielt wurde und einige Szenen enthält, die man nicht mehr so schnell vergessen wird.


8,5 von 10 Pferden, die zur nächtlichen Unterkunft zweckentfremdet werden


von Pat

Review: STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT - Grandioses Recycling

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Fakten:
Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens)
USA. 2015. Regie: J.J. Abrams. Buch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt. Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Adam Driver, Oscar Isaacs, Carrie Fisher, Domhnall Gleeson, Mark Hamill, Peter Mayhew, Andy Serkis, Lupita Nyongo’o, Max von Sydow, Gwendoline Christie, Anthony Daniels, Kenny Baker, Yayan Ruhian, Iko Uwais, Greg Grunberg, Ken Leung, Tim Rose, Kiran Shah, Simon Pegg u.a. Länge: 135 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Luke Skywalker ist verschwunden. Die „Erste Ordnung“, die aus dem scheinbar zerstörten Imperium erwuchs, ist auf der Suche nach ihm, genau wie der Widerstand. Hingezogen in diese Suche werden zum einen der Stormtrooper Finn sowie die Schrottsammlerin Rey. Zusammen geraten sie in ein großes wie gefährliches Abenteuer.





Meinung:
„Star Wars“. Überall. Im Supermarkt kann man „Star Wars“-Treuepunkte sammeln, auf den weihnachtlichen Wunschlisten der Kinder stehen Actionfiguren und Videospiele rund um den wohl niemals endenden Krieg der Sterne und die Städte sich zugekleistert mit den Werbepostern, zu dem Film, der die Prequel-Trilogie vergessen lassen und das Franchise in eine neue, bessere Zukunft lenken will. Neuer Kommandeur der Operation Sternenkrieg ist J.J. Abrams. Der war bereits dafür zuständig das „Mission: Impossible“- sowie das „Star Trek“-Franchise wieder salonfähig zu machen, bzw. wiederzubeleben. Beides mit Erfolg und auch bei „Star Wars“ ist es ihm gelungen den alten Zauber wiederzuerwecken. Das Blockbusterjahr 2015 konnte nicht besser enden, als mit diesem Geschenk an die alten „Star Wars“-Fans.


Finn auf der Flucht in ein großes Abenteuer
Dieses Geschenk hat aber, da muss man ehrlich sein, auch seine Macken und Tücken – vor allem für diejenigen, die „Star Wars“ als unterhaltsame Filmreihe sehen, aber keine Fanboys sind. „Das Erwachen der Macht“, so der Titel der nun mehr siebten Episode der Reihe, ist von seiner Geschichte her, nämlich sehr deutlich – eigentlich schon überdeutlich – eine abgewandelte Kopie des aller ersten Teils aus dem Jahre 1977. Wieder wird ein Droide gejagt, weil er in Besitz eines sogenannten MacGuffins ist, erneut besitzen die Bösen eine gewaltige Waffe und auch von den Locations erinnert viel an die Ur-Trilogie. Das ist oftmals wirklich feister Fan-Service, aber trotz allem funktioniert er. Die Geschichte entwickelt sich ohne zu stolpern und vor allem erweisen sich die neuen Figuren als unglaublich charismatisch. Ex-Sturmtruppler Finn changiert zwischen liebenswertem Großmaul und ängstlicher Reserviertheit, während Schrottsammlerin Rey kurz gesagt einfach nur ein sensationell ist. Darstellerin Daisy Ridley ist die Entdeckung des Films und mit welcher Selbstverständlichkeit, Abrams hier eine weibliche Heldin in den „Star Wars“-Kosmos integriert, ist schlicht und ergreifend grandios.


Das Imperium hat noch immer die größten Waffen
Auch „Girls“-Darsteller Adam Driver als neuer Darth Vader, Kylo Ren, ist toll. Seine Figur spiegelt die bekannten Begierden und Verlockungen, die wir von Luke Skywalkers Ausbildungszeit als Jedi kennen, nur dass Ren eben auf der dunklen Seite steht. Das Besondere bei den genannten Figuren: Sie bleibt stets menschlich. Selbst Kylo Ren verkommt niemals zur bloßen Einbahnstraße. Die alten Recken hingegen haben sich wenig weiterentwickelt, allerdings spielen diese auch nicht unbedingt die erste Geige. Han Solo darf sich erneut als bärbeißiger Schmuggler profilieren und Fans von Chewbacca kommen auch voll auf ihre Kosten. Zu Leia und Luke wird hier aber nichts gesagt. Nur so viel: Sie Darsteller in ihren bekannten Rollen wiederzusehen ist schlicht und ergreifend ein Fest für Fans. Ja, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ist schlicht und ergreifend pure Bedienung der Fans und Abrams macht das wirklich mehr als anständig, vor allem weil trotz allem überall durchschein, dass Episode VII auf der Beginn, bzw. ie Profilierung neuer Helden und Schurken sind. Am Ende des Films hat man Finn und Rey ins Herz geschlossen, wünscht sich insgeheim auch einen Droiden wie BB-8 und fragt sich, was das Imperium (die diesmal noch deutlich als Nazis gezeigt werden) wohl als nächstes vorhat.


Okay, sein wir ehrlich, diese Review wurde durch eine rosarote Fanbrille geschrieben. Eventuell kommt in den nächsten Tagen noch eine etwas differenzierte Kritik, aber selbst die dicksten Brillengläser nostalgischer Verklärung können nicht darüber hinweg täuschen, dass „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ das Franchise mit ganz viel Kinomagie in die Zukunft führt und dafür neue Figuren auffährt, die man einfach nur lieben muss. Eine alte Liebe, neu entfacht. Danke Mr. Abrams.


9 von 10 Droiden-Thumbs-Up