Posts mit dem Label Bill Paxton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bill Paxton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: THE CIRCLE - Schöne, neue Welt

1 Kommentar:

Fakten:
The Circle
USA. 2017. Regie: James Ponsoldt. Buch: James Ponsoldt, Dave Eggers (Vorlage). Mit: Emma Watson, Tom Hanks, Karen Gillan, Ellar Coltrane, Glenne Headly, Bill Paxton, John Boyega, Patton Oswalt, Judy Reyes, Nate Corddry, Mamoudou Athie, Roger Joseph Manning Jr., Joey Waronker, Michael Shuman, Nick Valensi, Beck, Regina Saldivar, Katie Costick u.a. Länge: ca. 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 7. September 2017 im Kino.

Story:
Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job in der angesagtesten Firma der Welt ergattert: beim "Circle", einem Internetkonzern, der alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die alles abgewickelt werden kann. Mae stürzt sich voller Begeisterung in die schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, Gratis-Konzerten und coolen Partys. Während sie innerhalb der Firma immer weiter aufsteigt, wird sie vom charismatischen Firmengründer Eamon Bailey ermutigt, an einem für den "Circle" bahnbrechenden Experiment teilzunehmen. Die Teilnahme an dem Experiment und ihre Entscheidungen zugunsten des "Circles" beeinflussen zunehmend das Leben und die Zukunft ihrer Freunde und Familie. Und dann ist da auch noch ihr mysteriöser Kollege Kalden, zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt...




Meinung:
Mit The Circle gelang Romanautor Dave Eggers ein echter Bestseller. Die Geschichte eines gigantischen Unternehmens, eine Art fiktiver Zusammenschluss von Apple, Facebook und Microsoft, dass die Privatsphäre für antiquiert erklärt, wirkte zwar schon bei Buchveröffentlichung wenig visionär, an der kräftigen Aussage des Romans ändert dies aber nichts. Nun hat sich Hollywood dran gemacht, den Stoff zu verfilmen. Unter der Regie von James Ponsoldt, der zuletzt mit The End of the Tour bereits gelungen eine Romanverfilmung durchführte, protzt The Circle nun mit einer Besetzung, die für alle Generationen etwas bietet. Das hilft dem Film aber auch nicht weiter.


Im Grunde lässt sich The Circle zunächst nur wenig vorwerfen. Die Inszenierung ist gut und gefällig, die Darsteller geben sich keine Blöße und Ponsoldt versucht so gut es geht die damals noch dystopischen Entwürfe des Romans so zu übernehmen, dass sie für das Publikum gleichermaßen bekannt wie befremdlich wirken. Was er aber nicht tut, ist sein Publikum zu fordern. The Circle läuft auf exakten Bahnen ab, versucht sich ab dem zweiten Akt mehr schlecht als recht als Thriller und generiert Charakterentwicklungen und moralische Schockmomente die zu vorhersehbar und konstruiert wirken. Dazu kommt, dass er das ganze Konstrukt am Ende mit breiter Hüfte wieder einreißt. The Circle ist ein Film, der belehren, der aufklären will, der sich aber dabei niemals traut wirklich durchzugreifen. Er verklärt die Gefahr vom Verlust der Privatsphäre zum letztlich simpel lösenden Problem. Es ist diese Ambivalenz zwischen Aufklärung und Angst vor Überforderung, die den Film letztlich scheitern lassen.


Ist The Circle also eine Katastrophe von Film? Nein, bei weitem nicht. Was Ponsoldt nämlich ganz hervorragend gelingt ist, dass einem das alles irgendwie bekannt vor kommt. Tom Hanks als Firmenchef ist .B. die fleischgewordene Manifestierung eines Trugbildes. So wie ihn der Film zeigt, so wirken die Jobs, Zuckerbergs und Gates auf uns. Ein Rattenfänger, dem wir blind folgen. Inszenatorisch weiß The Circle also, wie er Assoziationen heraufbeschwören muss. Nur wie er diese wieder einreißt und offenlegt, damit hat die Romanverfilmung ihre klaren Defizite.

4 von 10 Energy Drinks

Review: TITANIC - Das wahre Können des James Cameron

Keine Kommentare:



Fakten:
Titanic.
US. 1997. Buch und Regie: James Cameron. Mit: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Kathy Bates, Billy Zane, Frances Fisher, David Warner, Jonathan Hyde, Charlotte Chatton, Gloria Stuart, Suzy Amis, Bill Paxton, Lewis Abernathy u.a. Länge: 194 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Die hundertjährige Rose erzählt in der Gegenwart einigen Meerestauchern von ihren Erlebnissen auf der Titanic und wie sie ihre große Liebe Jack Dawson kennenlernte.





Meinung:
Eigentlich sollten sich einleitende Worte erübrigen, wenn es um diesen Film geht. Wer kennt ihn denn schon nicht, den Film, der lange Zeit der erfolgreichste Filme war und der ein seltsames Phänomen begründet. Es gibt keinen anderen Film, bei dem von der Gesellschaft von einem Mann so krampfhaft erwartet wird, dass er ihn nicht mag. Es gibt keinen anderen Film, bei dem man sich als Filmfan so sehr fühlt, als müsse man sich schämen, wenn man ihn mag. Der Filmtitel scheint rhetorisch mit den Worten „Echt!?“ und „Nee, oder?“ untrennbar verbunden zu sein. Nicht so bei den Muscheln, euren mutigen Helden, die einmal reinen Tisch machen wollen. Mit einem Film und der unverständlichen Reaktion vieler Eingeweihten und Unwissenden.



Es sind nämlich (so scheint es, so muss es sein) hauptsächlich Menschen, die den Film gar nicht gesehen haben, aber der Meinung sind, darüber abkotzen und im „lustigsten“ Fall die sexuelle Orientierung des männlichen „Titanic“-Fans in Frage zu stellen. Dabei scheinen diese militanten Augenverschließer gar nicht zu wissen oder gar wissen zu wollen, was ihnen entgeht, wenn sie sich bewusst unter dem Druck eines verklärten (halb-)allgemeinen Tenor dem Film nicht offenbaren. Denn auch wenn der Film zugegebenermaßen voll und ganz auf seine emotional wuchtige Kraft baut, funktioniert das Werk von James Cameron auch in Gedanken, auf dem Papier und in einer analysierbaren Facette. Der Ozeanriese funktioniert als eine Metapher für den Menschen und seine immer spitzer zulaufende Vorstellung von einem Leben. Die Gier, die Fantasie der Macht, die Maximierung des Seins und der leichtfertige Umgang mit eben diesen Eigenschaften vereinen sich zu einem Schiff, das traumhaft anzusehen ist und verblendet. Rose fragt den Herren, der die RMS Titanic entworfen hat, ob Sigmund Freud ihm etwas sage. Er verneint. Aber die machohafte Einstellung ist deutlich geworden und wird immer wieder deutlich, wenn die Männer das Schiff als „sie“ bezeichnen und auf dem Deck nach der Kollision mit Eisbrocken Fußball gespielt wird.


"Was, es gibt hier keine Bildunterschriften?! Aber wieso???"
Aus heutiger Sicht lässt sich ebenso einfach wie schnell über die Geschichte des Schiffes und all der Verantwortlichen urteilen. Fanatisches Streben nach Macht und Prestige sei schlecht, die Menschen jagten einem augenscheinlichen Traum nach, ohne zu wissen, dass der Traum sich eigentlich als Verderben entpuppen würde. Jedoch nutzt Cameron die Rahmenhandlung in der Gegenwart mehr als geschickt, um einerseits ein ausgefeiltes dramaturgisches Konstrukt zu erstellen und andererseits, um die Werte und Lehren der alten Zeit in Relation zu setzen. Auch heute noch vergeigen wir zu viel Zeit damit, unerklärten und ziellosen Instinkten nachzujagen. Die Taucher suchen nach einem Diamanten und finden „nur“ Zeichnungen. Sie sind enttäuscht von ihrer Wertlosigkeit. Eine Einstellung, die jedem Zuschauer und Protagonisten am Ende des Filmes unerklärlich scheint. Die Vereinigten Staaten werden gleichzeitig entlarvt, als Land, dessen Motto ein vergessener Traum ist, der vielleicht mal existierte, aber nur noch verrotten in den tiefsten Jagdgründen aufzufinden scheint. Als Symbol für Freiheit und Gleichheit inszeniert, ist es eigentlich eine Aristokratie, in der eine konstante Hierarchie herrscht und auch eben das auch so bleiben soll. In dem Aspekt genießt „Titanic“ nach wie vor den Pluspunkt der aktuellen Relevanz.



Zugegeben, all das kann man schnell übersehen, wenn man einen 180-Minüter schaut, der einem auch diese Hintergründe nicht ins Ohr schreit, sondern entdeckt werden müssen. Aber selbst wenn man den Hintergrund beiseitelässt und sich nur auf die emotionale Komponente des Werkes konzentriert, selbst dann nimmt der Film mit seiner monumentalen Größe gefangen. Es ist einer der größten Stärken von James Camerons Arbeit: Er wiegt den Zuschauer zunächst seicht in er Hand, gibt ihm etwas Zeit, um es sich gemütlich zu machen und begeht mit ihm dann eine Rundfahrt, die ihresgleichen sucht. Camerons Griff schlingt sich immer fester zu und seine Schritte werden immer größer, aber man ist gezwungen mitzuhalten und anfangs scheint eben dies auch noch federleicht vonstatten zu gehen. Und auch wenn der Film altbekannt ist und man alle Szenen und kleineren Sätze mitsprechen und die Lieder mitsammen kann, ist man gebannt, hat Spaß und blendet komplett alles aus, was noch so kommen mag. Bei der 80-Minuten-Marke ist es dann schließlich so weit. Rose soll ihre Augen schließen und Jack vertrauen, er breitet ihre Arme aus und gemeinsam fliegen sie in ihre eigene Welt, in der Freiheit existiert und Rose sich von ihren gesellschaftlichen Fesseln befreien kann, obwohl sie eigentlich privilegiert ist. In solchen Momenten kann der Film seine ganze Kraft auf den Zuschauer einwirken lassen.


„Titanic“ hilft es sicherlich, dass die Produktionshintergründe so bombastisch und erstklassig sind, sodass Effekte, Dramaturgie, Schauspieler, Kostüm, Beleuchtung und Musik wirklich ziemlich ausgefeilt bis herausragend sind. Aber doch scheint es letztendlich Camerons fähige Führung zu sein, die alle Elemente verbindet und vor einem realen Hintergrund ein dreistündiges Theaterstück inszeniert, das Drama, Katastrophe, Coming of Age und Romantik ebenso elegant wie wirkungsvoll verbindet, sodass die 180 Minuten auch bei der zehnten Sichtung noch immer flüssig über die Bühne gehen. Das Schiff transformiert zu seinem Symbol des Menschen für Freiheit, Gier, Idiotie, Neid, Liebe und Gefühl. Es ist ein weitreichender Mix, aber einer, der jedem Element die gleiche Aufmerksamkeit und das gleiche Können widmet, wie den anderen, sodass letzten Endes nirgends Einsparungen auszumachen sind. Das verdient Respekt und Anerkennung und nicht etwa Häme, unerklärten Hass oder Ignoranz. Ein letztes Wort soll noch James Horner gebühren, der gestern ums Leben kam. Seine Musik ist es, die bleibt und die Jahre überdauern wird und die mit einem Menschen unglaubliche Dinge anstellen kann. Ihre Pracht, Präzision und Perfektion fließt in diesem Werk mit den Bildern ineinander und lässt einen mehr fühlen, als man erwarten würde. „Titanic“ ohne Horner? Möchte man sich nicht vorstellen.


9 von 10 french girls


von Smooli

Review: NIGHTCRAWLER - Ein Film der Ambivalenzen

Keine Kommentare:


Fakten:
Nightcrawler
USA. 2014. Regie und Buch: Dan Gilroy. Mit: Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed, Rene Russo, Bill Paxton, Ann Cusack, Kevin Rahm, Kethleen York, Jonny Coyne, Michael Hyatt, Eric Lange u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 27. März auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Lou Bloom lebt in Los Angeles, behaust ein kleines Apartment und verdient sein Geld mit illegalen Geschäften wie Betrügereien oder dem Stehlen von Baumaterial. Doch er will mehr, er will einen richtigen Job! Doch sein Streben nach einer Anstellung bleibt erfolglos. Als er nachts Zeuge wird, wie ein Kamerateam einen Polizeieinsatz rund um einen Autounfall filmt und er erfährt, dass man diese Aufnahmen den städtischen TV-Sendern verkaufen kann, ist sein Interesse geweckt. Lou tauscht ein geklautes Rennrad gegen eine Kamera und geht nachts selbst auf die Jagd, nach großen, spektakulären Bildern, die er der abgebrühten News-Redakteurin Nina verkaufen kann. Schnell feiert Lou durch seine durchtriebene und waghalsige Art Erfolge und stellt mit dem obdachlosen Rick noch einen Gehilfen an. Doch Lou will noch mehr Erfolg und er ist auch bereit Grenzen dafür zu verschieben oder gleich zu brechen.





Meinung:
Sein Bruder, Tony Gilroy, bewies mit seinem Regiedebüt ein gutes Gespür für eine tolle Geschichte, grandiose Darsteller und eine fesselnder Inszenierung. Ob Dan Gilroy mit „Nightcrawler“ ebenfalls solch ein grandioses Werk abliefert wie sein Bruder mit „Michael Clayton“?


Lou und sein "Angestellter" beim Arbeitsgespräch
Die Medienschelte, die „Nightcrawler“ betreibt, ist angriffslustig und plakativ. Sie negiert sich gegenüber Graustufen und funktioniert als fratzenhafte Spiegelung des medialen Wahns der Skandale, großen Bilder und emotionalen Trubels. Lou Bloom erweist sich dabei als eine Art Frankensteins Monster dieser Welt. Er ist die menschgewordene Essenz einer Gesellschaft, die Erfolgsdruck als genauso attraktiv und begehrenswert beschreibt wie alltägliche Nettigkeiten. Bloom ist so smart wie rücksichtslos, so charmant wie durchtrieben, so eloquent wie radikal. Ein Wolf im Schafspelz, der schnell versteht, wie die Regeln des Systems funktionieren, wie man sie optimal befolgt und somit Erfolge feiern kann. Eine ethische Komponente gibt es dabei nicht und wenn doch eine erscheint, versandet sie in der Scheinheiligkeit. Lou Bloom ist „Bild“ und „heftig.de“ in Menschengestalt. Das Plakative an „Nightcrawler“ ist aber keine Passivität oder ungeschicktes Denken, sondern Teil der Offenlegung, die der Film praktiziert. Dan Gilroy nutzt Simplizität um einen Kreislauf sichtbar zu machen. Wenn am Ende von „Nightcrawler“ die Autos über die nächtlichen Straßen von Los Angeles heizen, sie dem Gegenverkehr ausweichen, sie sich überschlagen und gegen andere Fahrzeuge knallen, dann ist klar, dass die mediale Realität die Normalität vollends bestimmt. Das von den Marktschreier-Medien propagierte Weltbild, wir haben es längst angenommen und es zu unserem gemacht. So erweist sich Lou Bloom als absoluter Autonomer, hat er doch verstanden was zu tun ist, um das Spiel, das System so zu nutzen, dass man darin wandeln kann, ohne sich zu verändern und gleichzeitig Erfolge zu feiern. Er ist ein Monster, welches Egoismus und Gier so kongenial einnahmt hat, dass es adrett zu ihm passt. Lou Bloom ist das kompromisslose Ideal eines modernen Menschen. Sehr furchteinflößend.


Ausnahmsweise steht Lou einmal im Scheinwerferlicht
Jake Gyllenhaal („Enemy“) verkörpert diesen Lou Bloom mit solch einer rasiermesserscharfen Präsenz und dennoch ist es schwer in klassisch zu katalogisieren. Bloom ist zwar ein klar taktierender, eloquenter Egozentriker, der mit vermeintlich liberalem Narzissmus durch die Welt geht und der sich selbst als Gutmensch sieht und sich so auch seiner Umwelt verkauft. Zeitgleich schlummert aber in ihm etwas. Etwas zittrig-fiebriges. Wie ein Monster im Keller, welches nicht von äußeren Umständen freigelassen wird, sondern nur von Bloom selbst. Ein Mann wie Dr. Jekyll und Mr.Hyde, der eigenständig zwischen den Polen wechseln kann. Wie Gyllenhaal das spielt ist schlicht und ergreifend sensationell und schlägt die Qualität seinen gefeierten Auftritt in „Prisoners“ noch einmal um Längen. Dank Gyllenhaal ist Blooms garstige Seele jederzeit spürbar und präsent und dennoch umweht ihn der scheinbar unverdrängbare Schleier des Charmanten. Furchteinflößend superb, vor allem durch die Koppelung, bzw. Fixierung an den gesellschaftskritischen Kontext. Das neben Jake Gyllenhaal da nicht mehr viel Platz bleibt verwundert nicht. Aber die Nebenakteure Riz Ahmed („Four Lions“) und Rene Russo („Lethal Weapon 3“) geben sich dennoch Mühe neben Bloom darstellerisch zu bestehen. Ein wahrer Härtetest, den sie allerdings bestehen, besetzen sie doch die Nischen des menschlichen Wesens, die Bloom nicht ausfüllen will oder noch nicht kann. Gyllenhaal, Ahmed und Russo (schön sie endlich mal wieder in einer echten Rolle mit Charakter zu sehen): die Besetzung von „Nightcrawler“ ist schlicht und ergreifend betörend.


Die besten Bilder für Lou Bloom
Betörend sind nicht nur Gyllenhaal und die endlich wieder darstellerisch geforderte Rene Russo, sondern auch die Bilder von „Nightcrawler“. Kameramann und Oscar©-Preisträger Robert Elswit, der u.a. bereits einige Meisterwerke von Paul Thomas Anderson („Boogie Nights“, „Punch-Drunk Love“, „There Will Be Blood“) kinetisch eingefangen hat, erzeugt hier Bilder die zum einen äußert Klar aufgenommen und bebildert wirken und dennoch immer eine passive Ruhelosigkeit sowie Aggression beinhalten. Hinter den glatten Digitalbildern schlummert die Rauheit der Millionenmetropole Los Angeles. Elswit gibt den Charaktere des Lou Bloom quasi mit seinen Straßen- und Stadtporträts wieder: hinter einem klaren Äußeren verbirgt sich eine gewaltvolle Kraft. „Nightcrawler“ ist in vielen Bereichen ein Film der Ambivalenzen und auch deshalb so verdammt gut.


Also ist Dan Gilroys Regiedebüt ähnlich gelungen, wie das Debüt seines Bruders Tony aus dem Jahre 2007? Ja, das ist es. Beides Meisterwerke; beide exerzieren intelligentes wie unterhaltsames Kino mit Kern und Aussage, welches den Hauch des New Hollywoods beinhaltet. „Nightcrawler“ ist einer der besten Filme des Jahres und eine weitere Visitenkarte für die schauspielerischen Qualitäten von Jake Gyllenhaal.


10 von 10 Weitwinkelaufnahmen

Trailerpark: Lass den Jake mal reden - Teaser Trailer zu NIGHTCRAWLER mit Jake Gyllenhaal

Keine Kommentare:



Nein liebe X-Men-Fans, “Nightcrawler” wird nicht der Film über den gleichnamigen Mutanten sein, der in „X-Men 2“ Zuschauer und Fans verzückte. Dieser „Nightcrawler“ ist ein Drama mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle. Unter der Führung von Regisseur Dan Gilroy spielt Gyllenhaal den Journalisten Lou Bloom, der für eine Top Story in die kriminelle Unterwelt abtaucht. Der erste Teaser hat klar seinen Star im Fokus und macht zumindest uns relativ neugierig auf den Film, der aktuell noch keinen deutschen Starttermin hat. Außerdem noch mit dabei sind Rene Russo und Bill Paxton.

Review: EDGE OF TOMORROW - Und täglich grüßt die Invasion

Keine Kommentare:


Fakten:
Edge of Tomorrow
USA, UK, Süd-Korea. 2014. Regie: Doug Liman. Buch: Christopher McQuarrie, Jez Butterworth, John-Henry Butterworth, Hirsohi Sakurazaka (Vorlage). Mit: Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton, Noah Taylor, Brendan Gleeson, Jonas Armstrong, Dragomir Mrsic, Kick Gurry, Tony Way, Lara Pulver, Charlotte Riley, Jeremy Piven, Marianne Jean-Baptiste u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren.
Ab 9. Oktober 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Die Menschheit befindet sich im Krieg. Die Alienrasse der Mimics versucht die Erde einzunehmen. Das Militär hofft den Feind in Europa schlagen zu können, doch es endet in einem Fiasko. Dass muss auch Ex-Major Bill Cage einsehen, der an erster Front steht und wenige Minuten nach der Beginn der großen Schlacht stirbt. Doch das ist nicht das Ende, denn Cage erwacht wieder am Vortag der entscheidenden Schlacht.





Meinung:
Trailer sind schon was Schönes. Mal eben in der Mittagspause schauen was Neues an der Filmfront gibt, oder den Trailer, den man bereits dutzendfach gesehen hat, daheim einfach noch mal ansehen, um zu analysieren, welcher Film einen genau erwartet, wenn man ein Ticket dafür löhnt. Doch leider haben Trailer auch die dumme Angewohnheit uns etwas zu suggerieren, was letztlich vielleicht gar nicht stimmt. Der zweieinhalb minütige Werbefilm zu „Edge of Tomorrow“ etwa, hinterlässt den Eindruck, dass es sich hierbei um einen düsteren, pessimistischen Sci-Fi-Film handelt, der dem aktuellen Blockbustertrend folgt und versucht eine phantastische Geschichte ernst und ohne zu viel Freude an der Sache an den Mann zu bringen. Eine absolute Fehlaussage.


Erwarten den Tod: Bill Cage
„Edge of Tomorrow“ ist zweifelsohne ein Film dessen braungraue Optik auf den ersten Blick nicht gerade suggeriert, dass es sich hierbei wohl um einen der vergnüglichsten Blockbuster des Sommers (vielleicht sogar des ganzen Jahres) handelt. Visuell irgendwo zwischen „Der Soldat James Ryan“ und „World Invasion: Battle Los Angeles“ angesiedelt, folgt Regisseur Doug Liman („Mr. & Mrs. Smith“, „Die Bourne Identität“) zu Beginn noch einer recht freudlosen Tonalität. Doch bereits nach wenigen Minuten, dann wenn Ex-Major Bill Cage (Tom Cruise) bei seinem Vorgesetzten (Brendan Gleeson) aufläuft gibt es die Kehrtwende und hinter dem Alien-Invasion-Plot zeigt sich der höchstamüsante Kern, der natürlich in erster Linie dadurch entsteht, dass Held Cage (ein echter Feigling) in eine Zeitschleife gerät und von da an immer wieder sterben muss, um zu lernen die Alienrasse der Mimics zu besiegen. Das Sterben des Helden ist dann auch das Epizentrum von „Edge of Tomorrow“ und sorgt für einige äußerst heitere Momente, auch wenn Bill Cage sichtbar die Angst im Gesicht steht, kurz bevor sein Lebenslicht erlöscht wird.


Für Emily Blunt würde nicht nur Tom Cruise sterben wollen
Das Highlight in „Edge of Tomorrow“ sind dann auch nicht die durchaus ansehnlichen Actionszenen, in denen Soldaten im Kampfpanzeranzug sich durch den Sand eines Strandes kämpfen, sondern die Momente, in denen Bill Cages im Sekundentakt das Zeitliche segnet und plötzlich wieder am Vortag der großen Schlacht erwacht. Doug Liman nutzt dieses Gag häufig, lässt aber genügend Raum zwischen den Abschnitten und entwirft ganz nebenbei eine, trotz überdeutlichen Sci-Fi-Aspekten, eine Welt, die authentisch, roh und markant daher kommt. Dabei bleibt er aber der Übertreibung treu. Alleine wie Darsteller Bill Paxton den Sgt. Farell mimt ist eine einzige, herrliche Überspitzung eines gängigen Klischees: mit Schnauzbart, pathetischen Reden und breiten Schultern dient diese Figur als endgültiger Schlüssel dafür, dass „Edge of Tomorrow“ alles ist, nur eben nicht ernst zunehmen. Ob der Roman „All you need is kill“ von Hirsohi Sakurazaka, auf den der Film beruht, einen ähnlichen, humoresken Weg geht, müssen die sagen, die das Buch gelesen haben. Jedenfalls haben die Drehbuchautoren (u.a. auch ChristopherMcQuarrie, der nach „Jack Reacher“ zur Kreativentourage von Tom Cruise gehört) einen guten Job gemacht, solange niemand wirklich ausgearbeitete Figuren und clevere Twists erwartet.


„Edge of Tomorrow“ ist nicht frei von Fehlern. Am Ende fehlt Liman dann doch der Mut mehr aus dem Film zu machen, als ein typisches Helden-Vehikel für seinen großen Star Tom Cruise. Vor allem beim Showdown verabschiedet sich „Edge of Tomorrow“ zu drastisch von seinem vorher genutzten Konzept sowie Tonus und biedert sich der spaßbefreiten Konkurrenz an. Bis dahin unterhält Doug Liman sein Publikum allerdings ohne größere Schnitzer und selbst wenn das Ende im Vergleich zum Rest schon etwas abfällt wirkt es qualitativ eher wie ein kleiner, verzeihbarer Ausrutscher und nicht wie das große Stolpern auf der Zielgeraden.


7 von 10 Waffensicherungen