Er
war Beetlejuice und Batman, doch jetzt wird Michael Keaton zu „Birdman“. Im
neusten Film von Alejandro G. Inárritu ("Buitiful"), einer schwarzen Komödie, die bei uns am 15. Januar 2015 in die
Kinos kommen soll, spielt Keaton einen einst gefeierten Superhelden-Darsteller,
der nun versucht auf dem New Yorker Broadway wieder Fuß zu fassen. Meta-Ebene,
ich hör‘ dich trapsen. Der erste Teaser sieht umwerfend aus und wir hoffen,
dass der fertige Film am Ende uns ähnlich überzeugt. Auch Besetzungstechnisch
lässt „Birdman“ auf Großes hoffen, denn Edward Norton, Emma Stone, Andrea
Riseborough, Zach Galifnakis, Naomi Watts und Amy Smart geben sich die Ehre.
Fakten: Enemies – Welcome to the Punch (Welcome to the Punch)
Großbritannien, USA. 2013. Regie und Buch: Eran Creevy. Mit: James McAvoy, Mark
Strong, Peter Mullan, Jason Flemyng, Elyes Gabel, Jonathan Harris, Andrea
Riseborough, David Morrissey, Daniel Mays u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegeben ab 16
Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Der Londoner Cop Max hat es nie überwunden, dass ihm Gangster Jacob vor
einigen Jahren ins Ausland entwischte. Als Jacobs Sohn Ruan bei einem
Raubüberfall angeschossen und verhaftet wird, ruft dies Jacob aber zurück in
die alte Heimat. Für Max ist klar, dass er diese Chance nutzen muss. Doch so
einfach wie sich Max das vorgestellt hat ist es nicht.
Meinung: Jeder Polizist im Film muss zwangsläufig auf
seinen ganz persönlichen Nemesis treffen, um ihn entweder konventionell zu
richten und damit die polternden Dämonen der Vergangenheit aus den Seelen
aller Beteiligten seiner Schandtaten zu vertreiben, oder gegebenenfalls im
Umkehrschluss an ihm und seinem Intellekt zu scheitern. Interessanter ist
natürlich die zweite Variante, in der man nicht nur sieht, wie der eigentliche
Anti-Held bis an seine physische und psychischen Grenzen gepeitscht wird,
sondern diesen auch erliegt und dadurch einen Realismus offenbart, der
verdeutlicht, dass den Helden in unserer Welt nicht immer ein Sieg vergönnt
sein darf. Exemplarisch für das menschgewordene Duell der zwei differentiellen
Seiten des Gesetzes steht das Aufeinandertreffen von Al Pacino und Robert De
Niro in Michael Manns Jahrhundertwerk „Heat“: Es wird immer präsenter, dass
sich die Beiden viel ähnlicher, näher sind, als sie es zuvor vermutet
hätten, doch diese Erkenntnis rettet nicht vor dem unausweichlichen Schicksal.
-"Du warst super in 'X-Men'." -"Danke, ich mag deine Frisur."
Nun hat sich mit dem britischen Cop-vs-Gangster-Thriller „Enemies –
Welcome to the Punch“ ein ähnlicher Genre-Vertreter mit der thematischen Grundlage
von „Heat“ in die Regale hiesiger Videotheken geschlichen, allerdings ist es
wirklich nur dieser Ansatz, der einen Vergleich zwischen diesen beiden Werken
legitimieren würde, alles darüber hinaus würde beinahe an einem zünftigen
Ausmaß Blasphemie grenzen. Teil des Konflikts der Gegensätzlichkeiten sind hier
James McAvoy (als obsessiver Polizist) und Mark Strong (als Gauner mit
Edelattitüde). Es ist so, dass sich „Enemies – Welcome to the Punch“ in seiner
Charakterzeichnung in einem relativ soliden Rahmen bewegt, es jedoch nie
bewerkstelligt bekommt, einen Blick über den obligatorischen Tellerrand zu
erhaschen. Während McAvoy also wie besessen seinen delinquenten Gegenpart
observieren möchte, verletzt dieser ihn erst recht in seiner Ehre und stellt ihn
so bloß, dass seine Manie nicht mehr nur beruflich scheint, sondern sich
gerade dadurch auch nach einem seelische Ablassventil sehnt.
Ansprechend ist das per se ja schon, und auch „Enemies – Welcome to the
Punch“ fordert in seiner strukturierten Formation nicht nach dem großen Gähnen,
aber es ist seit Jahren so, dass eine Thematik wie diese nicht mehr überraschen
oder wirklich überwältigen kann. Wenn man sich schon nicht wirklich am leise
flackernden Feuer der Charaktere die Finger verbrennen kann, wie soll ein Werk
dann noch stolz sein Haupt erheben, wenn ebenfalls die Story bereits zum alten
Eisen gehört? Und quasi alles was „Enemies – Welcome to the Punch“ in luftigen
90 Minuten erzählt hat man bereits viel zu häufig in anderen Filmen serviert
bekommen. Die Versatzstücke einer handelsüblichen Crime-Parade im Kontext einer
nicht minder dominanten Heist-Story sind nach wie vor nett anzusehen, es fehlt
nur der rechte Knalleffekt, der einen Film wie „Enemies – Welcome to the Punch“
endlich über den Durchschnitt hievt.
Schwarz kommt auch bei Gangstern nie aus der Mode
James McAvoy und Mark Strong sind sichtlich darum bemüht, aus ihren
Rollen das Beste zu machen – was ihnen eigentlich auch über die Laufzeit gut
gelingt, auch wenn die Performance McAvoys gelegentlich etwas verkrampft-bemüht
erscheint, während ein Kaliber wie Mark Strong natürlich eine charismatische
Präsenz an den Tag legen kann, mit der sich nur wenige Kollegen messen können.
Obgleich der Inhalt nun reichlich eindimensional und furchtbar einfach
gestrickt daherkommt, ist „Enemies – Welcome to the Punch“ formal so in seinen
Style verliebt, dass es die in Blaufiltern getränkten Kompositionen tatsächlich
schaffen, eine Atmosphäre zu kreieren, die ihr festes Zeitdokument vollkommen
aus den Angeln hebt: Denn postmodern der inszenatorische Fokus, mutet die Optik
deutungsweise ein futuristisches Szenario im urbanen Asphaltdschungel an – Und
dieser Kontrast ist ein echter Blickfang.
„Enemies – Welcome to the Punch“ ist ein Opfer der kinematographischen
Gegenwart, denn alles, was der Film dem Zuschauer inhaltlich kredenzt, wirkt
schlicht überholt und altbacken. James McAvoy und Mark Strong jedoch ziehen den
Karren relativ gut aus dem Dreck und sorgen mit ihren ansprechenden
Darstellungen für den nötigen Kurzweil, der dann durch die visuelle Qualität noch
angenehm abgerundet wird. Immerhin verrennt sich der Film zu keiner Zeit in
stumpfen Ballerorgien, die sind tatsächlich wohldosiert und hämmern dann los,
wenn es nicht anders geht.
Fakten: Oblivion
USA. 2013. Regie: Joseph Kosinski. Buch: Michael Arndt, Karl Gajdusek, Joseph
Kosinski (Vorlage). Mit: Tom Cruise, Olga Kurylenko, Morgan Freeman, Nikolaj
Coster-Waldau, Andrea Riseborough, Melissa Leo, Zoe Bell u.a. Länge: 125
Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 15. August auf DVD und Blu-ray
erhältlich.
Story: Das Jahr 2077. Nach einem gewonnenen Krieg gegen eine außerirdischen Rasse
ist die Erde nur noch ein Trümmerfeld und zum Großteil lebensfeindlich für
Menschen, so dass die Überlebenden auf eine Raumstation evakuiert wurden. Auf
dem ehemals blauen Planeten suchen derweil spezielle Drohnen nach Ressourcen.
Diese Drohnen werden von Technikern und Monteuren vor Ort überprüft und gewartet.
Einer davon ist Jack Harper. Er und seine Assistentin sind kurz davor ihren Dienst zu beenden und ebenfalls zur Raumstation zu fliegen, doch dann häufen sich Komplikationen.
Meinung: Bereits
mit seinem ersten Spielfilm „Tron: Legacy“ zeigte sich, das Regisseur Joseph
Kosinski ein Händchen für Stil und Optik hat. Narrativ war die langersehnte
Fortsetzung des Disney-Kultfilms zwar genau so steril und kalt wie die Bilder
aus dem inneren der Computerwelt, aber trotz dieser Kritik war es klar, dass
Kosinski ein Meister der Bilder ist. Diesen Ruf verfestigt er nun mit seinem
zweiten Film „Oblivion“, der auf einem Comic des Regisseurs basiert, welches
vor einigen Jahren erschien.
Jack genießt die Aussicht
„Oblivion“ ist, lässt man die Exposition außen vor, einfache Sci-Fi-Kost. Ein Genre-Beitrag,
der wegen seiner reduzierten Figurenanzahl an den Klassiker wie „Der Omega-Mann“
oder den Kassenhit „I am Legend“ erinnert. Tom Cruise fliegt, fährt, wandert
und sinniert in einer apokalyptischen Welt und damit Bilder erzeugt, die wirklich erstaunlich sind.
Gedreht u.a. in Island und mit Filmtricks versehen, die sich ohne Probleme
organisch ins Gesamtbild einpassen, erweist sich „Oblivion“ als Eintrittskarte für
eine visuelle Welt des Staunen und Schwärmens. Diese Welt, die eher unüblich
fürs Genre sich dem Tageslicht wonnenhaft hingibt, ist der größte Reiz des
Films. Hinzu kommt, dass Kosinski wie bei „Tron: Legacy“ auch modernem Design
und Architektur frönt. Oftmals scheint es fast so, als ob die Designer von
Apple beim Look von Ausrüstung, Vehikeln und Unterkunft mitgewirkt haben. Das
Ergebnis: egal ob das apokalyptische Outback oder der Skytower, in dem Held
Jack Harper mit seiner Assistentin Vika wohnt, alles wirkt kalt, beinhaltet
aber auch eine Weite, der sich schwer zu entziehen ist.
Gestatten, der Erkläronkel
Der beeindruckenden Optik und dem imposanten wie eingänglichen Design stehen
allerdings einige Faktoren entgegen, die „Oblivion“ von seinem visuellen
Höhenflug zurückzerren auf den Boden seiner Schwächen und Verfehlungen. Ganz
vorne in diesem Kabinett sind die wenigen aber doch sehr wichtigen Charaktere.
Während Tom Cruise routiniert seine Heldenrolle mit Sonnyboy-Image abspult,
darf Morgan Freeman auch nicht mehr tun, als mal wieder den Erklär-Onkel zu
mimen. Als größte Schwäche im Cast erweist sich Ex-Bondgirl Olga Kurylenko, die
mit einem einzigen Gesichtsausdruck versucht, durch den Film zu kommen. Das
Ergebnis ist oftmals unfreiwillig komisch. Aber auch ohne Kurylenko wäre es
mehr als offensichtlich, dass „Oblivion“ kein Film der interessanten Figuren
ist, eher im Gegenteil. Die Entwicklung des Helden geschieht ohne erzählerischen
Enthusiasmus, verkommt sogar zu einer reinen Pflichtübung, die weder zu fesseln
noch zu verblüffen vermag. Kosinskis ist zu verkrampft darauf Held Jack Harper als
Projektionsfläche zu nutzen. Dass dabei seine Assistentin Vika (Andrea Riseborough,
„Happy Go-Lucky“, „Alles was wir geben mussten“) trotz einer Liebelei nicht
mehr ist als ein Designerstück im Skytower macht es nicht leichter den
aufkeimenden Zwist zwischen den Beiden gefühlsmäßig ernst zu nehmen.
So schön kann die Welt nach ihrem Untergang sein
„Oblivion“ hat dasselbe Problem wie Kosinskis „Tron: Legacy“: seine optische
Wucht wird von seinen narrativen Schwächen aufgehoben. Zumindest verzichtet
Kosinski hier auf esoterisches Techno-Geschwurbel, welches den Film in die
Länge zieht und zerrt. Vielleicht liegt dies an Co-Autor Michael Arndt (erhielt
für sein Script von „Little Miss Sunshine“ einen Oscar), der als eine Art
Ghostwriter wohl noch die eine oder andere Verbesserung ins Drehbuch
einbrachte. Aber auch so ein versierter Schreiber wie Arndt konnte nicht
verhindern, dass „Oblivion“ sich in einem wenig ertragreichen und sehr
trostlosen Strudel aus Plottwists ergibt und sich damit ordentlich verhebt.
Handlungstechnische Ähnlichkeiten zu einem kleineren Sci-Fi-Film, dessen Titel
hier nicht verraten wird, der vor einigen Jahren nicht nur Genre-Fans begeisterte,
sind dabei vorhanden. Allerdings ist es, alleine schon wegen der Herkunft als
Comic, unwahrscheinlich, dass Joseph Kosinskis für sein „Oblivion“-Finale sich
als bloßer Imitator versuchte. Dennoch ist es höchst anregend zu beobachten,
dass ein kleiner Sci-Fi-Beitrag trotz Ermangelung von großer tricktechnischer
wie optischer Brillanz dem großen Blockbuster zeigt, wie man Sci-Fi packend und
aufrichtig (im Bezug auf Handlung und Figuren) inszeniert und in Form bringt.
Joseph Kosinskis „Oblivion“ bietet im Gesamtblick noch genug Anziehungspunkte,
um nicht – ähnlich wie „Tron: Legacy“ – komplett im hochtechnosierten Morast zu
versacken. Als optisches Bonbon ein wirklich ansprechender Film, aber als Erzählung,
als Geschichte die den Zuschauer nicht nur in eine fremde, futuristische Welt
einführt, sondern auch Spannung und Empathie erzeugt versagt „Oblivion“ im
großen Stil. Ein Film wie eine dekorative Kugel aus Glas: hübsch anzusehen aber dennoch kalt und leblos.