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Review: DER SPION UND SEIN BRUDER – Humor voll am Limit

2 Kommentare:

Fakten:
Der Spion und sein Bruder (The Brothers Grimsby)
GB/US, 2016. Regie: Louis Leterrier. Buch: Sacha Baron Cohen, Phil Johnston. Mit: Sacha Baron Cohen, Mark Strong, Rebel Wilson, Penélope Cruz, Isla Fisher, Ian McShane, Scott Adkins, Gabourey Sidibe u.a. Länge: 83 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 21. Juli 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Sebastian ist einer der Top-Agenten des MI6, der Aufträge mit zuverlässlicher Präzision erledigt. Eines Tages gerät einer seiner Einsätze allerdings außer Kontrolle, als Sebastians Bruder Nobby völlig überraschend mitten in das Manöver platzt, da dieser seinen Bruder seit der gemeinsamen Trennung vor 28 Jahren sucht. Nobby ist eine freundliche, naive Seele, aber nett ausgedrückt nicht der hellste Zeitgenosse. Zusammen sind die beiden nun auf der Flucht, da sie sowohl von Gesetzeshütern verfolgt werden als auch einen Terror-Anschlag verhindern müssen...




Review:
Der britische Brachial-Komiker Sacha Baron Cohen hat mit seinen Werken bisher immer polarisiert und für extreme Reaktionen gesorgt. In Filmen wie "Borat" oder "Brüno", mit denen Cohen Figuren aus seinen TV-Formaten erstmalig in die Kinos brachte, bewegte er sich in den als "Mockumentarys" angelegten Werken auf einem schmalen Grat zwischen satirischer Entlarvung und derben Gags ganz weit unterhalb der Gürtellinie sowie fernab jeglichen guten Geschmacks. Nachdem Cohen bereits mit seiner Komödie "Der Diktator" den Schritt hin zum vollständig Fiktiven vornahm, ist "Der Spion und sein Bruder" ohne jegliche dokumentarische Einschübe ebenfalls ein reiner Spielfilm.


Der Erstkontakt der Brüder und gleichzeitig das erste Fiasko
Satirischen Tiefgang lässt der extreme Comedian, der hier wieder maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, mittlerweile fast komplett hinter sich. Stattdessen treibt er das Maß an grenzdebilen Reißern, schwarzhumorigen Eskalationen sowie geschmacklosen, politisch unkorrekten Gags respektlos auf die Spitze. Mit einer als "Elefanten-Szene" bereits im Vorfeld zu zweifelhafter Berühmtheit gelangten Einlage dürfte Cohen der wohl abstoßendste, ekelerregendste Coup seiner bisherigen Filmographie gelungen sein, bei dem ungefähr nach der Hälfte der Laufzeit auch die Letzten abschalten dürften, die bereits in vorherigen Szenen an ihre persönlichen Geschmacksgrenzen gestoßen sind. Überhaupt richtet sich der Humor in "Der Spion und sein Bruder" nur an Hardcore-Anhänger von Cohen, die bereit sind, auch über derbe Seitenhiebe gegen soziale Minderheiten, Homosexuelle, AIDS-Erkrankte oder körperlich Benachteiligte zu lachen. Aufgrund des stumpfen Konglomerats an billigen Fäkalwitzen, gewalttätigen Aussetzern, folgenreichem Slapstick und schwindelerregenden Tiefschlägen verpuffen viele Späße etwas wirkungslos, wobei bei diesem Rundumschlag durchaus einige Treffer dabei sind, bei denen man sich leicht unangenehm unterhalten fühlen darf.


Wo die beiden auftauchen, bleibt kein Stein auf dem anderen
Die auffällig kurze Laufzeit von nur 83 Minuten wird allerdings nicht alleine von einem einzigen Gagfeuerwerk bestimmt, sondern versucht sich darüber hinaus in der Vereinigung unterschiedlicher Stilrichtungen, was nur bedingt funktioniert. Als klassische Agentenfilm-Parodie hakt "Der Spion und sein Bruder" lediglich Allgemeinschauplätze ab, bietet exotische Locations, stoische Widersacher (hier in Form des physisch wie immer überaus präsenten Scott Adkins), einen albern nachgeahmten Akzent von Ur-Bond Sean Connery und zum Ende hin eine äußerst hanebüchene Motivation der Bösen. Diese genüsslich auf die Schippe genommenen Elemente können aber nur schwer darüber hinweg täuschen, dass die Geschichte an sich von vorne bis hinten vorhersehbar, belanglos und somit überflüssig ist und dadurch die kurzweiligen Gags unnötig ausbremst. Zusätzlich wurden störende Rückblenden in den Film eingesetzt, welche die Kindheit der späteren ungleichen Brüder in ein emotionales Verhältnis setzen sollen. Diese Form der übermäßigen Gefühligkeit steht dem Werk ganz und gar nicht und wirkt ebenfalls befremdlich in Verbindung mit dem ansonsten respektlos-rücksichtslosen Tonfall.


Die Verpflichtung von Action-Regisseur Louis Leterrier, der meist durch unübersichtliche Schnitt-Gewitter negativ auffällt, führt bei diesem Film hingegen zu einem positiven Effekt, denn der Regisseur verleiht dem eh schon kurzen Film ein ziemlich flottes Tempo. Auch der sonst im ernsten Charakter-Fach einzuordnende Mark Strong hat sichtlich Freude daran, im Zusammenspiel mit dem auf vielen Ebenen komplett blankziehenden Cohen aufzudrehen. "Der Spion und sein Bruder" bietet Freunden des extremen Humors somit einige wirklich derbe Steilvorlagen, um in hemmungsloses Gelächter auszubrechen, doch als Gesamtwerk wirkt der Film oftmals zu unentschieden zwischen anarchischem Gagfeuerwerk, bei dem längst nicht jeder Witz zündet, alberner Parodie und unpassend emotionalen Einschüben.


5,5 von 10 mit HIV infizierte Promis



von Pat

Review: DAME, KÖNIG, AS, SPION - Die Bürokratie der Geheimnisse

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Fakten:
Dame, König, As, Spion (Tinker, Tailor, Soldier, Spy)
UK, Frankreich. 2012. Regie: Tomas Alfredson.
Buch: Bridget O’Connor, Peter Straughan, John le Carré (Vorlage). Mit: Gary Oldman, Mark Strong, John Hurt, Benedict Cumberbatch, Toby Jones, David Dencik, Ciarán Hinds, Colin Firth, Kathy Burke, Stephen Graham, Arthur Nightingale, Simon McBurney, Zoltán Mucsi, Péter Kálloy Molnár, Ilona Kassai, Imre Csuja u.a. Länge: 127 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
England, Anfang der 70er Jahre: Der britische Geheimdienstchef, von allen nur Control genannt, vermutet einen sowjetischen Doppelagenten in den eigenen Reihen und schickt daher den Agenten Jim Prideaux in geheimer Mission nach Budapest. Was dabei als Informationsaustausch geplant war, welcher die Identität des Verräters enthüllen sollte, endet jedoch in einem Desaster. Kurz darauf wird Control entmachtet und der pensionierte Top-Spion George Smiley wird überraschend wieder aktiviert, um den Auftrag fortzuführen. Gemeinsam mit dem jungen Peter Guillam macht er sich so daran, den Verräter in den eigenen Reihen ausfindig zu machen. Doch was als relativ einfache Mission beginnt, entwickelt sich schnell zu einem tödlichen Katz- und Mausspiel, bei dem nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Wer ist letztlich der Verräter im inneren Zirkel des britischen Geheimdienstes und welche Rolle spielt der geheimnisvolle Agent Ricki Tarr, der ebenfalls auf Mission in Budapest war? Das Spiel um Täuschung wie Verrat beginnt…





Meinung:
Hört man die Begriffe England und Geheimdienst assoziiert man wohl automatisch James Bond. Nun, wer mit dieser Erwartungen an die Verfilmung des Romans von John le Carré herangeht, kann nur enttäuscht werden, denn großes Buhei, exotische Schauplätze und irrwitzige Aktionen sucht man bei „Dame, König, As, Spion“ vergebens. Trotz allem ist der Film des Regisseur Tomas Alfredson, der bereits mit seiner ersten Literaturverfilmung „So finster die Nacht“ Großes schuf, ein cineastischer Schatz. Ein grandioser Film und ein Highlight des Spionage-Genres. Tomas Alfredson führt uns Zuschauer in die Welt des britischen Geheimdienstes, zurzeit des Premierministers Edward Heath, 1973, ein. Dabei verzichtet der schwedische Regisseur auf typische, romantisierte Muster der Ermittlungsdienste. Alle Charaktere, die der Film präsentiert, sind vielschichtige, menschliche Mikrokosmen. Es ist packend dabei zu zusehen, wie sie agieren, wie sie empfinden und wie sie versuchen in dem Strudel aus Verrat, Geheimnissen, Gefahr und Anschuldigungen zu Recht zu kommen. Das erfordert von einem aber absolute Konzentration. Jede kleinste Geste, jeder kurze Blick könnte etwas bedeuten.


Lacht selten: George Smiley
Die durch und durch komplexe Handlung ist ebenfalls ein Faktor, der den Film großräumig erscheinen lässt und jede Unachtsamkeit  von Seiten des Publikums kann die Verständlichkeit empfindlich stören. Doch die bedingungslose Aufmerksamkeit lohnt sich. „Dame, König, As, Spion“ entwirft eine solch realistische und authentische Welt, wie sie nur selten in Werken rund um Spione und Geheimdienste zu sehen war. Der filmische Umgang mit den Figuren verfestigt diese Wirkung. Echte Helden gibt es hier nicht. Die Taten der Agenten sind meist triste, düstere Aufträge jenseits von astralem, heroischem Ruhm.  Regisseur Alfredson zeigt uns die Bürokratie der Geheimnisse und die findet nicht nur in schmutzigen Hinterzimmern mit ominösen Schattenmännern statt, sondern auch auf, bzw. hinter den Schreibtischen landestreuer, meist älterer Herren. Seine Komplexität generiert der Film nicht nur durch seine Vielschichtigkeit seiner Figuren, sondern auch durch seine narrative Struktur. Ohne Dekrete schickt uns Alfredson in die Vergangenheit, beleuchtet frühere Aktionen ohne es dabei eilig zu haben. Aber auch hier hat alles einen Sinn, eine Bedeutung und hilft dabei die Suche nach dem Maulwurf im Inneren des Circus (so wird der Geheimdienst intern im Film genannt) noch fesselnder und vor allem reizvoller zu gestalten.


Handelt es sich hier bei wirklich um ein Opfer?
Ohne ein herausragendes Ensemble wäre dies alles aber wohl nicht möglich, aber „Dame, König, As, Spion“ besitzt ohne Zweifel eine Darstellerriege der Extraklasse. Gary Oldman, der hier in die Fußspuren des legendären Alex Guinness tritt, der in der gleichnamigen Mini-Serie der BBC von 1979 ebenfalls George Smiley spielte. Oldman, zuletzt eher in Bombast-Produktionen zu sehen die sein darstellerisches Talent eher marginal herausforderten,  liefert hier neben seiner Performance als drogensüchtiger Bad-Cop aus „Léon – Der Profi“ vielleicht die beste Leistung seiner Karriere ab. Sein George Smiley ist ein kühler Denker. Ein stiller Beobachter mit einer außergewöhnlichen Tiefe. Ihnen als Sympathieträger zu bezeichnen wäre unpassend, denn ob Smiley nun ein Vaterlandsfreund ist oder einfach nur seine Chance nutzen will um innerhalb der Geheimdienst-Hierarchie aufzusteigen wird nie richtig geklärt. Wie die meisten Charaktere im Film, hat dieser George Smiley kein Geheimnis, nein, er selbst ist eines. Wir, die Zuschauer müssen selber herausfinden was im Kopf dieses spröden Mannes mit den dicken Brillengläsern vorgeht. Dass ist so faszinierend wie hochspannend.


„Dame, König, As, Spion“ ist ein Meisterwerk. Mit seiner ruhigen, unaufgeregten Art, seinem apodiktischen Umgang mit dem Mythos des kalten Krieges und der Geheimdienstarbeit  entfacht der Film eine so unaufgeregte, aber innerlich dennoch brodelnde Spionage-Geschichte, die glänzend erzählt und ausnahmslos superb gespielt ist. Massives Kino ohne epochale Verwöhnungen und falschen Pathos. Ein Film, der stur und stilsicher, von seinen eigenen Qualitäten überzeugt, seiner Handlung und seinen Figuren folgt. Der Zuschauer wird dabei zwar nicht an die Hand genommen und sachte sowie instruktiv geführt, aber auch das ist attraktiv. In Zeiten, in denen selbst große Blockbuster, trotz simplen Prämissen, das Publikum mit Erklärungen überschütten, ist „Dame, König, As, Spion“ eine wirklich willkommene und höchst meisterliche Abwechslung.


10 von 10 gelben Zetteln an der Aktentasche

Review: KINGSMAN: THE SECRET SERVICE – Prolet im Maßanzug

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Fakten:
Kingsman: The Secret Service
USA. UK. 2015.
Regie: Matthew Vaughn. Buch: Jane Goldman, Matthew Vaughn, Mark Millar (Vorlage). Mit: Taron Egerton, Colin Firth, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Sophie Cookson, Michael Caine, Mark Hamill, Sofia Boutella, Jack Davenport, Corey Johnson u.a. Länge: 129 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 30. Juli 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als Kind verlor Eggsy seinen Vater, als dieser im Einsatz für sein Vaterland sein Leben opferte. Harry Hart, der damalige Freund und Kollege seines Vaters, möchte dies wieder gut machen und versucht aus Eggsy einen Geheimagenten zu machen, denn Harry gehört zu einer streng geheimen Organisation von Gentleman, die für die Sicherheit der Welt tagtäglich ihr Leben riskieren. Eggsy willigt widerwillig ein und muss ein sehr spezielles Training absolvieren. Derweil plant der Internet-Milliardär Valentin einen großen, diabolischen Coup.





Meinung:
Es gibt mal wieder eine neue Comicverfilmung. Diesmal aber keine mit einem oder mehreren Helden mit Cape und Superkräften, sondern eine Agentengeschichte. Beruhen tut „Kingsman: The Secret Service“ auf dem gleichnamigen Comic von Mark Millar, dessen Werke seit jeher für brutale wie gewitzte, aber auch moralisch stets sehr fragwürdige Geschichten und Figuren stehen. Mit „Wanted“ kam 2008 die erste Millar-Verfilmung in die Kinos und machte – auch wenn die Vorlage eindeutig gewagter und zeigefreudiger war – klar, wie rigoros, stupide aber auch faszinierend unseriöse Action, die sich letztlich doch nur um ihren Selbstzweck dreht, sein kann. Nach dem erfolgreichen „Kick-Ass“ und dem weniger erfolgreichen Sequel, kommt nun also „Kingsman: The Secret Service“ zu uns. Ein Film der Spaß macht, der aber auch seine klar erkenntlichen Makel besitzt.


Harry versucht Eggsy die Welt der Gentleman näher zu bringen
Eigentlich müssen die Namen Matthew Vaughn und Mark Millar gar nicht im Abspann erwähnt werden, denn jeder der „Kick-Ass“, die unterhaltsame Verfilmung des gleichnamigen Comics von Millar gesehen hat, wird zwangsläufig auffallen, dass „Kingsman: The Secret Service“ von den beiden Herrschaften stammt, denn die Comicverfilmung fügt sich stilistisch nahezu identisch ins „Kick-Ass“-Korsett ein. Das bedeutet, dass auch die komödiantische aufgepumpte Agenten-Action sich mit sichtbarer Impertinenz und Freude an der Regelübertretung immer wieder dem blutigen Schabernack hingibt. Dies geht soweit, dass Vaughn dem ewigen Gentleman Colin Firth gleich dutzende von Menschen töten lässt, während eines Amoklaufs. Diese Szene, die inszenatorisch so wahnsinnig übertrieben ist, dass man eigentlich schon gar nicht mehr von einem Augenzwinkern sprechen kann - sondern mehr von zwei geschlossenen Augen - wird gewiss die Zuschauerschaft spalten: Hirnrissige wie verrohende Gewaltphantasie oder doch hemmungslose wie leidenschaftliche Over-the-Top-Action? Definitiv wirkt diese Szene irritierend. Irritierend weil der Härtegrad hier, trotz akustischer Verbalisierung, in die Höhe schießt und die gallige wie satirische Approbation, die sich „Kingsman: The Secret Service“ selbst erteilt, dann doch zu fadenscheinig und vor allem zu redundant wirkt. Trotzdem, stellt man scheinheilige wie ideologische Moralbedenken bei Seite, gehört diese Szene zu einen der Höhepunkte des Films. Sie wird letztlich am Ende überboten von einem grandios inszenierten Farbenspiel explodierender Köpfe, welches allerdings gar nicht einmal so gewalttätig wirkt. Unglaublich was Farben ausmachen können.


Bilderrätsel: Finde den Fehler
Abseits dieser einen großen Irritation funktioniert „Kingsman: The Secret Service“ als gut geschmierte Unterhaltungsmaschinerie, die durch den Newcomer Taron Egerton sowie Colin Firth, der mit seiner Rolle sein eigenes Image konterkarikiert und dies mit großem Genuss tut, gleich zwei Schauspieler besitzt, die den Film tragen können. Samuel L. Jackson als lispelnder Gutmensch-Verbrecher, Mark Strong als Q-Ersatz und Michael Caine als altehrwürdiger Spionagechef machen die Besetzung dann vollends komplett und rund. Dabei beruhen ihre Figuren ganz klar auf den Regularien der alten Bond-Filme und so überrascht es eher wenig, das Vaughn und Millar ständig die Klassiker entweder rezitieren oder sie liebevoll durch den Fleischwolf drehen. Einhergehend damit versteht sich „Kingsman: The Secret Service“ auch als popkultureller Kommentar aufs Sub-Genre der Agentenfilme und serviert dem Publikum dazu noch eine Art Best-of der aktuell beliebtesten Actionfilm-Elemente. Das wirkt zwar des Öfteren etwas zu aufgesetzt und auch ein wenig zu singulär und dezidiert (etwa die kurze Parcours-Einlage von Held Eggsy), als sauber produzierter, sehr neckischer Spaß gewährt der Film aber insgesamt zwei sehr vergnügliche Stunden.


„Kingsman: The Secret Service“ wirkt wie ein Spin-Of von „Kick-Ass“. Ob man Vaughn und Millar dies nun zugutehält, oder die Ausbeutung einer bekannten Rezeptur kritisiert ist neben der (schon sehr plakativ auf Skandal getrimmten) Amokszene die große Unsicherheit der Action-Komödie. Am Ende ist „Kingsman: The Secret Service“ aber dann ein teurer Spaß, der pubertäre bis fast schon infantile Action- und auch Gewaltphantasien in comichafte Chuzpe kleidet und damit ein erfrischendes Erlebnis geniert. Mag sein, dass diese Frische durchzogen ist von verlogener Faulheit, aber es hilft dennoch nichts, es macht manchmal halt einfach Spaß einem Film zu sehen, der mit großer Liebe und Stolz zum (von langer Hand geplanten) Anecken durchzogen ist, dabei zeitgleich jedem der will den Stinkefinger präsentiert und trotz allem seinem Genre auf eine fast schon innige und sehr verbundene Weise huldigt. Ein Prolet im Maßanzug bleibt ein Prolet, aber dieser hier sieht wirklich verdammt gut darin aus.


7,5 von 10 Cheeseburger mit Spezialsauce

Review: THE IMITATION GAME - EIN STRENG GEHEIMES LEBEN - Benedict Cumberbatch knackt den Code

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Fakten:
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
UK, USA. 2014. Regie: Morten Tyldum.
Buch: Graham Moore. Mit: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Charles Dance, Allen Leech, Rory Kinnear, Mathew Beard, Jack Bannon u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Mathematiker Alan Turing arbeitet während des zweiten Weltkriegs im Bletchley Park. Dort soll er mit Kollegen die Codes der Nazis entschlüsseln. Eine schwere Aufgabe, die Turing an seine Grenze bringt. Aber auch seine heimliche Homosexualität lastet schwer auf ihm.





Meinung:
Sieht man sich eine Biographie aus Hollywood an, so erschleicht einen immerfort der Eindruck, dass diese Produktionen bedacht auf den geringsten Widerstand nur den Dienst nach Vorschrift ableisten. Emblematisch dafür ist Ron Howards „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“ heranzuziehen, eine der größten filmischen Katastrophen des neuen Jahrtausends. Hier nämlich wird kein Wert darauf gelegt, den brillanten Metaphysiker John Nash nach realen Gegebenheiten gerecht zu werden, sondern den geistlichen Verfall aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie in ganz und gar abenteuerliche Bahnen zu kanalisieren. Natürlich lässt sich auch diametral zu derlei rührseligen Verlogenheitsbrei Material entdecken, welches trotz seiner hollywood'schen Herkunft durchaus brauchbar ist: Da wäre James Mangolds „Walk the Line“ oder auch Taylor Hackfords „Ray“. Formelhaft, mit Sicherheit, aber keinesfalls trivialisierend. Nun schafft es in Deutschland ein nächstes Biopoic in die Lichtspielhäuser: „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“, in Szene gegossen von Morten Tyldum, der nun auch in der Traumfabrik angekommen scheint.


Turing und seine baldige Verlobte
Zuvor hat sich Morten Tyldum für den eisigen Thriller „Headhunters“ verantwortlich gezeigt, mit „The Imitation Game – ein streng geheimes Leben“ erfährt der Norweger das Privileg, die Geschichte - beziehungsweise Ausschnitte davon - von Alan Turing auf die großen Leinwände zu projizieren. Wer nun beschämt zugegeben muss, noch nie etwas von dieser Person gehört zu haben, dem sei Trost gespendet: Über beinahe 70 Jahre hat sich das Vereinigte Königreich auch redlich damit abgemüht, den hochintelligenten Kryptoanalytiker und seine Verdienste für die Welt gnadnelos unter Verschluss zu halten. Turing nämlich hat nicht nur die Grundlage für unsere heutiges Computersystem abgeliefert, sondern zu Zeiten des zweiten Weltkrieges daran gearbeitet, die mit der Enigma verschlüsselten Funksprüche aus Deutschland zu dechiffrieren. Seine Arbeit in der militärischen Dienststelle Bletchley Park hat letzten Endes dafür gesorgt, dass sich der Krieg um ganze zwei Jahre verkürzte und das Leben von 14 Millionen Menschen bewahrte. Ein Bilderbuchheld, möchte man meinen. Aber wieso hat man es erst geschafft, ihn im Jahre 2013 durch seine Begnadigung als einen solche anzuerkennen?


Turing und sein Arbeitsgerät
Alan Turing war homosexuell – Seiner Zeit ein Verbrechen, was entweder Gefängnisstrafe oder chemische Kastration bedeutete. Und die Umstände seiner Hormonbehandlung, die Turing nach und nach zur somatischen Ruine deformierten, sollen ihn dann auch in den 1950er Jahre zum Selbstmord gezwungen haben. Ja, „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ hätte mühelos zur Stangenware aus dem Biopic-Fundus geraten können, in diesem Falle aber muss der Schriftzug „Based on a True Story“ kein Grund sein, die Nackenhaare streng aufzurichten. Morten Tyldum und Graham Moore sind weniger daran interessiert, entscheidende Eckdaten und Lebensstationen von Alan Turing in erschlagender Überschallgeschwindigkeit abzugrasen und so möglichst viele Informationen zu transportieren, sondern es wird tatsächlich versucht, dem über Dekaden so harsch verleugneten und bedingt durch „Unzucht“ und „sexueller Perversion“ erbärmlich verurteilten Turing ein angemessen Denkmal zu errichten. Der jahrelange Umgang mit seiner Persönlichkeit ist selbstredend ein Armutszeugnis, nicht zuletzt deswegen ist es ein signifikanter Schritt, einen Film über seine außergewöhnlichen Meriten abzuliefern.


Codeknacker unter sich
Man mag „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ als konventionell titulieren, seine Bildsprache ist es zweifelsohne, gewichtig aber ist die Handhabung des Hauptakteurs, der von Benedict Cumberbatch im gewohnt famosen „Sherlock Holmes“-Modus verkörpert wird. Die Erzählstruktur, die sich über drei Zeittableaus tranchiert zeigt, besitzt im Kontext des Charakters seines ungeliebten Helden gar metaphorisches Profil. Anstatt den Charakter von Alan Turing zu konkretisieren, ihn in Schublade zu bannen, ist es „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ daran gelegen, den Menschen, der einen Großteil seiner Zeit mit dem Entziffern von Codes verbrachte, selber als personifiziertes Rätsel aufrechtzuerhalten. Die Übergänge zwischen mathematischem Genius und dem inkompatiblen Sozialverhalten sind fließend, Herangehensweise und Kreuzung beider Parteien jedoch immer pietätvoll, wenn auch von einer klaren Linie historische Klitterung begleitet. Dass seine Homosexualität gerne auch mal als Plot Point instrumentalisiert wird, um ein fiktives Abkommen zwischen einem UdSSR-Spion und Alan Turning dramaturgisch zuzuspitzen, mag da etwas unglücklich erscheinen, ist die sexuelle Orientierung doch immerzu mit sozialer Isolation codiert.


Man kommt nicht umhin zu sagen, dass auch „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ extra für die Oscar-Season produziert wurde, doch im Gegensatz zu vielen, vielen anderen Vertretern des Biopic-Topos hat man es hier wenigstens bewerkstelligt, die Größe seiner Hauptfigur nicht zu banalisieren, sondern immer den Glanz des Rätselhaften beizubehalten. Die Zeit, von der „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ berichtet, ist ohnehin vom Imaginieren und Täuschen dominiert, während Mark Strong als MI-6-Vorgesetzter den herrischen Puritanismus wie den ekelhaften Zynismus einer Institution repräsentiert, die ihre Helden für einen Krieg über die Klingen springen lässt, der doch vor allem Spaß machen sollte. „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ ist schickes Historienkino, nicht frei von Unwahrheiten und Schönheitsfehlern, aber einnehmend gespielt und mit ehrenwerten Absichten behaftet.


6 von 10 Äpfeln zum Mittag


von souli