Review: BEYOND THE BRIDGE - Tief im Kaninchenbau der Seele

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Fakten:
Beyond the Bridge
BRD, CH, 2015. Regie & Buch: Daniel P. Schenk. Mit: Maya Schenk, Thomas Koch, Eleanor Buechler, Jean-Noël Molinier, Carolina Schenk, Robert Matathia, Margot Gödrös u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD sowie als VoD hier erhältlich.


Story:
Marla kehrt nach zwei Jahren zurück nach Hause, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall verstarben und sie sich nun um den Verkauf des Anwesens kümmern will. Das große Wiedersehen mit ihren Freunden wird auf einer Hausparty gefeiert, auf der sie eine ihr unbekannte Pille einschmeißt. Fortan erlebt sie jede Nacht einen Albtraum, der erschreckend real wirkt. Was sie zunächst auf Nebenwirkungen des Drogenkonsums schiebt, scheint weit mehr zu sein…


            
                                                                    
Meinung:
„The truth is an ugly, yet simple animal.“

Das ließe sich auch mühelos über die zaghaften Versuche des Genrefilm aus dem deutschsprachigen Raum sagen, die sich bis auf ganz wenige Ausnahmen (wie immer an dieser Stelle: „Masks“ oder auch zuletzt „German Angst“) maximal mit „Er war stets bemüht“ links rauswinken lassen. Die Erwartungen sind somit - gelinde gesagt – gedämpft, wenn nun ein weiteres Low-Budget-Projekt (um konkrete Zahlen zu nennen: ca. 10.000 Euro) irgendwo aus dem Nichts auftaucht und mutmaßlich dort auch besser aufgehoben wäre. Denkste! Mit seinem über 5 Jahre entwickelten Spielfilmdebüt zeigt Daniel P. Schenk, dass sich ein guter Film in erster Linie nicht über das Budget definiert, auch mal die eigenen Grenzen deutlich aufzeigen darf, aber in den wesentlichen Elementen überzeugen kann: Idee, Hingabe und dem Rahmen entsprechend am Rande des Möglichen.


Spieglein an der Wand, ist das die einzige Marla Singer im Filmland
„Deutschsprachig“ ist hier nur regional korrekt. Um den Film international konkurrenzfähig zu gestalten, wurde direkt auf Englisch gedreht (kennt man von „Urban Explorer“, der auch nicht schlecht war). Das dies nicht die Muttersprache der Akteure ist wird an einigen Stellen durchaus ersichtlich, aber alles noch im vernünftigen Bereich und wenn es danach ginge, Arnie hätten sie seinerzeit nonstop zurückgeflogen. Ansonsten sind die darstellerischen Leistungen erstaunlich brauchbar, nicht nur für das Genre, sondern allgemein für die Voraussetzungen. In der Hauptrolle gibt Maya Schenk, die Schwester des Regisseurs, eine überzeugende Vorstellung. Zudem sind auch seine andere Schwester Carolina, seine Eltern und sogar das Elternhaus als Set zu sehen. Das spart Geld, erübrigt das lästige Anrufen daheim und – man höre und staune – es mindert die Qualität des Films überhaupt nicht. Wenn es nicht faktisch belegt wäre, es müsste gar nicht erwähnt werden, würde nicht auffallen. Das ist alles wesentlich besser als der übliche „Meine Familie, meine Garage, mein Film“-Krempel, der einem oft mit mehr Selbstbewusstsein als Kompetenz und dieser Klingelstreich-Mentalität versucht wird zu verkaufen. Wer aufmacht, ist selber schuld.


Also Pillen einzuwerfen ist das eine, aber rauchen?! Tzz.
Damit hat „Beyond the Bridge“ nichts oder zumindest nichts letztlich Relevantes zu tun. Das schmale Budget wird ausschließlich in wirkungsvoller Weise investiert, sprich die Geschichte in eine insgesamt effiziente Inszenierung zu verpacken. Besonderes Augenmerk liegt dabei natürlich auf den surrealen, bizarren Nacht(Traum?)-Sequenzen, bei denen sich Schenk ganz bewusst an der „Silent Hill“-Spielserie orientiert. Speziell die erste (und längste) dieser Szenen könnte in der Tat fast aus den nicht-actionorientierten Teilen der Spiele entnommen sein. Die Kamera folgt der Protagonistin meist direkt über der Schulter, mal arrangiert in der Ego-Perspektive oder wird in statischen Blickwinkel montiert, die dem Gefühl des Games sehr, sehr nahe kommen. Selbst das Sounddesign vermittelt diese unbehagliche Stimmung des Vorbildes, bei dem neben der beängstigenden Musik viel Wert auf den Klang von Effekten gelegt wird. Von dem Waldstück jenseits der Brücke dringt Marla Singer (!) immer tiefer in die Geheimnisse ihres Elternhauses ein, sammelt Hinweise, versteckte Schlüssel und öffnet Türen, die eigentlich für immer geschlossen bleiben sollten. Was zunächst nur eine nett gemachte Hommage zu sein scheint, entpuppt sich im weiteren Verlauf als gut durchdachter und überrumpelnder Mystery-Psychothriller mit nicht geringer Mindfuck-Qualität, der sich in seiner sauber konzipierten Pointe durchaus gewaschen hat.


Mit seiner – für so eine Produktion – recht üppigen Laufzeit von fast 110 Minuten ist „Beyond the Bridge“ vielleicht eine Spur zu lang ausgefallen und kann über die gesamte Strecke natürlich nicht verbergen, was er ist und wo er herkommt. Unter professionelleren Bedingungen würde der Film wahrscheinlich noch einiges mehr an Boden gut machen. Andererseits ringt er einem genau deshalb in dieser zu Kompromissen gezwungenen Form großen Respekt ab und lässt das enorme Talent erkennen, was in diesem Regisseur und Autor schlummert. Da mag man wohlwollend über leichte Defizite (die sich zum Teil wohl kaum vermeiden ließen) hinwegsehen, die unter anderen Bedingungen kritischer ins Gewicht fallen würden. Aus den gebotenen Möglichkeiten macht „Beyond the Bridge“ erfreulich viel und lässt hoffen, dass Daniel P. Schenk dadurch eventuell demnächst die Chance auf Größeres bekommt. Da kann jemand was, und offenbar nicht wenig. 

6,5 von 10 schwarzen Müllsäcken

Review: GENE RODDENBERRY'S EARTH: FINAL CONFLICT (Staffel 4) - Der Konflikt geht in seine vorletzte Runde

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Fakten:
Gene Roddenberry’s Earth: Final Conflict – Staffel 4
Kanada, USA. 2001. Regie: Brenton Spencer, Ross Clyde, Andrew Potter, James Head, Will Dixon u.a. Buch: Diverse. Mit: Kevin Kilner, Robert Leeshock, Lisa Howard, Jayne Heitmeyer, Von Flores, Lisa Howard, Melinda Deines, Anita La Selva, William DeVry, Frank Moore u.a. Länge: 22 Episoden á ca. 40 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Im 21. Jahrhundert befreit die außerirdische Rasse der Taelons die Menschheit von Hunger und Krieg. Als Gegenleistung möchten sie nur Freundschaft und kulturellen Austausch. Der überwiegende Teil der Menschen hält die Taelons für Götter und Heilsbringer, doch eine Minderheit zweifelt an den edlen Motiven der Aliens. Unter der Führung des Industriellen Jonathan Doors formiert sich eine Widerstandsbewegung und schleust ihre Agenten in den taelonischen Machtapparat. Der finale Kampf um die Vorherrschaft auf der Erde beginnt…




Meinung:
Mit der aktuellen Ausstrahlung im Wochenend-Nachmittagsprogramm sowie der Veröffentlichung der bisherigen drei Staffeln auf DVD konnte sich “Gene Roddenberry’s Earth: Final Conflict” neben der bereits bestehenden auch eine neue, nicht gerade unbeachtliche Fangemeinde aufbauen. Kein Wunder. Zum einen zeiht der Name von „Star Trek“-Schöpfer Roddenberry auch 25 Jahre nach dessen Tod und aktuell sind Sci-Fi-Serien – trotz einiger erfolgreicher Vertreter wie „Continuum“ – eher Mangelware.


Die Aliens wollten doch nur helfen? Von wegen.
In der vierten Staffel leiten die Serienmacher nun allmählich den Endspurt ein. Die verschiedenen Parteien beharken sich immer noch, doch nach diversen Entwicklungen und Schicksalsschlägen haben sich so einige Standpunkt teils deutlich verlagert. Die Geburt von Lilis Tochter erweist sich dabei als wohl größter Kniff der vorletzten Season von “Gene Roddenberry’s Earth: Final Conflict”. Das kleine Mädchen scheint die letzte Hoffnung für die Rasse der Jaridianer zu sein. Dass die Kleine in Gefahr schwebt sollte also klar sein und die Macher versuchen so gut es geht den Story-Angle aufzubauen und packend zu halten. Das gelingt nur bedingt, denn das Tempo und vor allem die Progression liegt oft genug brach. Dennoch erweist sich Staffel vier als eine der bisher stärksten, auch weil die Paranoia der vorangegangenen Seasons hier mehr angezogen wird. Da hätte man andere Handlungsstränge fast gar nicht mehr gebraucht, weil sie die Staffel so etwas zu künstlich strecken und aufplustern und nur wenige den großen Konflikt der Rassen wirklich weiter- , bzw. voranbringen. Vielleicht ist es aber auch Gewöhnungssache, denn “Gene Roddenberry’s Earth: Final Conflict” ist vom Inszenierungs- sowie Narrationssttil ein serielles Unterhaltungsformat alter Schule, mit heutigen Standards kann es nicht standhalten. Vor allem bei den Figurenzeichnungen ist das deutlich zu spüren.


Wer sich an der entworfenen Welt, der Geschichte mit samt ihrer Mythologie sowie den Charakteren von “Gene Roddenberry’s Earth: Final Conflict” bereits in den vorangegangen Staffeln rieb, wird also auch in der vorletzten Season wenig Gefallen an dieser Serie finden, die trotz aller Makel und Verfehlungen doch auf recht intelligente Weise das paranoide Spannungskino der 1970er Jahre aus Hollywood mit einer klassischen Sci-Fi-Serie kreuzt. Auch wenn dabei gerne einmal Situationen und vor allem Dialoge herauskommen, die gerne auch mal an eine Seifenoper erinnern. Den Machern gelingt aber öfters als bei den Vorgängern die Spannungsschraube anzudrehen, dennoch bleibt “Gene Roddenberry’s Earth: Final Conflict” wohl nur etwas für Fans klassischer Sci-Fi-Serien.


4,5 von 10 Alien-Babys

Review: TRIPLE 9 – Eine altbackene Geschichte und eine packende Inszenierung geben sich die Klinke in die Hand

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Fakten:
Triple 9
US, 2016. Regie: John Hillcoat. Buch: Matt Cook. Mit: Woody Harrelson, Kate Winslet, Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Aaron Paul, Norman Reedus, Gal Gadot, Clifton Collins Jr., Michael Kenneth Williams u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 05. Mai 2016 im Kino.


Story:
Eine Bande von Gangstern, die sich aus korrupten Cops und ehemaligen Söldnern zusammensetzt, führt für die Russen-Mafia einen Raubüberfall durch. Den Auftraggebern reicht dieser eine Einsatz allerdings nicht und sie fordern vor der Bezahlung einen weiteren. Die Gruppe sieht sich mit einem schier unmöglichen Coup konfrontiert, für den ihnen als letzte Möglichkeit nur ein Manöver in den Sinn kommt: Einen "Triple 9" auslösen, was im Polizei-Code einen Officer am Boden bedeutet...




Meinung:
Wer sich in jüngerer Vergangenheit mit der absoluten Speerspitze des Cop-Genres beschäftigte, stieß unweigerlich auf die von Publikum und Kritikern gefeierte erste Season des Serien-Hits "True Detective". Autor Nic Pizzolatto schuf einen Krimi-Plot, der grimmigen Nihilismus, surreale Mythologie, philosophisch angehauchte Dialoge, atmosphärische Wucht und ein grandios harmonierendes Hauptdarsteller-Duo in Form von Matthew McConaughey und Woody Harrelson enthielt. Diese Serie ist es, die einem stellenweise in den Sinn kommt, wenn man sich John Hillcoats "Triple 9" ansieht.


Alkohol kann bei diesem Job selten schaden
Gemäß dem Ratschlag, man beginnt am besten immer mit einem Knall, wird dieser Film von einem exzellent inszenierten, furios choreographierten Einstieg in Form eines Banküberfalls eröffnet. Hillcoat hat sein Handwerk als Regisseur definitiv verstanden und schafft es, den Zuschauer ab der ersten Minute in eine düstere Welt zu ziehen, die aus korrupten Cops, finsteren Russen-Mafia-Schergen, exzessiver Gewalt und bedrohlichem Pessimismus besteht. Zusammen mit dem wuchtig wummernden Score, an dem unter anderem auch Atticus Ross mitwirkte, hat der Regisseur mit diesem Film ein oftmals förmlich um sich schlagendes Atmosphäre-Monstrum geschaffen, das es in sich hat. Die Art und Weise, wie hier herkömmliche Razzien in unsicheren Gang-Gebieten, hitzige Schusswechsel oder angespannte Begegnungen wie Ausschnitte direkt aus der Hölle wirken, erinnert zudem an manchen Stellen an Denis Villeneuves "Sicario", der kürzlich eine ähnlich kraftvolle Aura ausstrahlte. Diese packende Inszenierung ist für "Triple 9" von ungeheurer Wichtigkeit, denn ansonsten folgt das Drehbuch von Matt Cook einem generischen Malen-nach-Zahlen-Cop-Thriller-Formular, in dem sich unglücklicherweise viel zu viele Figuren auf einmal befinden, deren Charakterisierung sträflich übergangen wird zugunsten des Abgrasens mal mehr, mal weniger bedeutender Plot-Punkte.


Spielt bemüht fies, kriegt aber wenig zu tun: Kate Winslet
Ein weiteres Argument für diesen Film ist der beeindruckend zusammengestellte Cast. Mit Woody Harrelson, Kate Winslet, Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Aaron Paul, Norman Reedus und noch einigen weiteren namhaften Stars hat man hier ein Ensemble, das aus alteingesessenen Publikumsmagneten, beliebten TV-Gesichtern oder momentan angesagten Oscar-Namen besteht. Dabei wird dem Streifen gerade diese Ansammlung vielversprechender, aufmerksamkeitserregender Darsteller paradoxerweise ein wenig zum Verhängnis. Wenn Aaron Paul auf der Bildfläche erscheint, werden viele automatisch an die grandios ausgearbeitete Figur des Junkies Jesse Pinkman aus "Breaking Bad" erinnert, während andere bei Norman Reedus an den Fan-Liebling Daryl Dixon aus "The Walking Dead" denken oder bei Kate Winslet eine Performance erwarten, die der talentierten Charakterdarstellerin würdig ist. Es sind diese Erwartungen und Vorstellungen, die man automatisch an einen solchen Cast stellt, welche der Film entweder bewusst oder unbewusst unterläuft, enttäuscht oder auch subversiv vor den Kopf stößt. Für Entfaltung bleibt den Figuren kaum Raum, immer wieder wechselt das Geschehen von einem Charakter zum anderen, während man in der nächsten Szene daran erinnert wird, dass der und der Schauspieler ja auch noch mit von der Partie ist.


Am besten lässt sich "Triple 9" daher als knallharte, atmosphärisch ebenso bedrückende wie packende Genre-Fingerübung betrachten, in der für ausufernde Emotionen, komplex gezeichnete Charaktere und clevere Überraschungen wenig Platz ist. Viel mehr verlangt der Film von seinem Publikum, dass es sich in diesem grimmigen Höllenschlund treiben lässt, von einer pessimistischen Situation über die verschwitzten Figuren hin zum nächsten Inferno, bis man am Ende gute Lust verspürt, eine Dusche zu nehmen. 


6 von 10 abgetrennte Köpfe



von Pat

Review: THE TRUST - Korrupte Cops, Krumme Dinger und Crazy Cage

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Fakten:
The Trust
US, 2015. Regie: Ben Brewer, Alex Brewer. Buch: Ben Brewer, Adam Hirsch. Mit: Nicolas Cage, Elijah Wood, Sky Ferreira, Jerry Lewis, Kevin Weisman, Steven Williams, Christie Beran u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 29. April 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Jim Stone und David Waters sind zwei Polizisten, die ihrem meist eher monotonen Alltag im Büro nachgehen. Als Jim mitbekommt, dass ein Heroin-Dealer eine auffällig hohe Kaution sofort zahlen kann, heftet er sich an dessen Fersen und stößt auf einen gut gesicherten Safe mit unbekanntem Inhalt. Zusammen mit David schmiedet er einen Plan, um die Kriminellen um deren Besitz zu erleichtern.




Meinung souli:
Langeweile ist eine Sünde, für die es keine Absolution gibt.“, sagte Oscar Wilde einmal. Und gerne darf man dieses Zitat auch in Verbindung mit „The Trust“ bringen. Jim Stone und David Waters nämlich sind Polizisten in Las Vegas, ihr Alltag besteht jedoch nicht, entgegen des allgemeinen Irrglaubens, aus spektakulären Ermittlungen querfeldein durch die Stadt der Sünde und dem Ausheben von Massengräbern im trockenen Wüstensand Nevadas. Stattdessen herrscht hier vor allem Monotonie. Langeweile. Man treibt so durch das Leben, man sitzt es regelrecht aus, man lässt es schlichtweg über sich ergehen. Tatsächlich ist dieser entlarvende Blick auf die verklärte Polizeiarbeit, genau in diesem geographischen Sektor, überraschend treffend: Zum Verbrecher avanciert man, weil man sonst nichts Besseres zu tun hat, während am Horizont das Lichtermeer von Las Vegas den Nachthimmel erhellt. Sorgen bereitet man sich also selber, weil man einfach keine hat. Nicolas Cage, der schon lange nicht mehr so gut in Szene gesetzt wurde, und Elijah Wood geben an vorderster Front ein Duo, welches sich ebenfalls in die thematische Offenlegung des Drehbuches einquartiert und zeitweise durch einen Humor besticht, der nie forciert wirkt, sondern irgendwie in die Situation hineinplatzt, was ihn umso natürlicher erscheinen lässt. Stone und Waters sind keine souveränen Alleskönner, sondern fehlerbehaftete Normalos, die mit einer Instanz konfrontiert werden, der man sich in anderen Genre-Streichen gerne mal entledigt: Die eigene Moralauffassung und ihre Dehnbarkeit. Sicherlich ist „The Trust“ nicht herausragend geglückt, doch der Nihilismus und der Sinn für das alltägliche Danebenhauen, mit dem die Gebrüder Brewer den Zuschauer entlassen, macht durchaus Lust auf mehr.


6 von 10 buschigen Schnauzbärten





Meinung Pat:
"The Trust" ist ein Film, den man grundsätzlich nicht gesehen haben muss. Das Drehbuch von Ben Brewer und Adam Hirsch verfolgt zwei nicht ganz so saubere Cops bei ihrem Plan, den gut gesicherten Safe einer Drogendealer-Bande um dessen unklaren Inhalt zu erleichtern. Die Geschichte des Films verläuft dabei recht unspannend, folgt bis auf kleinere, unerwartete Zwischenfälle strikt dem Schema F und hebt sich ansonsten kaum von zahlreichen anderen B-Movies ab, in denen man solch eine Handlung fast auf genau die gleiche Weise erleben durfte. "Nicolas Cage" lautet allerdings der Grund, weshalb man "The Trust" ruhig mal sehen kann. An der Seite von Elijah Wood, der hier bodenständig, aber dadurch leider auch ziemlich unauffällig spielt, liegt es wieder einmal alleine an Crazy Cage, die Laune beständig oben zu halten. Seinem Spitznamen macht der Schauspieler in einigen Szenen mal wieder alle Ehre, schiebt sich Zitronenscheiben in den Mund, über die er vorher Tabasco gießt, telefoniert mit irrwitzigem Dialekt nach Deutschland, verliert das ein oder andere mal ordentlich die Nerven, lässt folgerichtig der mit mächtigem Schnäuzer bestückten Gesichtsdisco freien Lauf und sorgt wie gewohnt für eine Menge Spaß. Auf der Zielgeraden nimmt sich "The Trust" schließlich doch noch ziemlich ernst, was dem locker-amüsanten Tonfall, den der Streifen vorab durch einen in kleinen Dosen entfesselten Cage, schräge Situationskomik sowie einen spritzigen Soundtrack, in dem manche Songs bestimmte Szenen ironisch aufbrechen, merklich schadet. Als knapp überdurchschnittliche Genre-Kost für zwischendurch und selbstverständlich beinharte Fans von Nicolas Cage taugt "The Trust" auf die Schnelle, ist aber fernab der skurril-köstlichen Cage-Momente aufgrund des ziemlich beliebigen Drehbuchs nach dem Abspann bereits recht flott wieder vergessen.


5,5 von 10 nicht ganz glatt verlaufende Coups


Unsere TV-Tipps der aktuellen Woche

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Unsere TV-Tipps von 25. April bis 1.Mai 2016

Montag, 25. April:
Ran (Drama) – 22:10 - ARTE
Black Sheep (Horror) – 23:50 – Tele 5
Todesangst (Thriller) – 23:30 – Servus TV

Dienstag, 26. April:
Pripyat (Dokumentation) 22:25 – 3Sat
The Green Prince (Dokumentation) – 22:30 - BR
Basic Instincts (Thriller) – 22:55 – Tele 5

Mittwoch, 27. April:
Enigma – Das Geheimnis (Thriller) – 20:15 – Tele 5
Viel Lärm um Nichts (Komödie) – 20:15 - ARTE
Der Exorzist – Director’s Cut (Horror) – 00:25 – Tele 5

Donnerstag, 28. April:
Somewhere (Drama) – 22:25 – 3Sat
Cinema Perverso (Dokumentation) – 22:45 - RBB
Othello (Drama) – 23:15 - ARTE

Freitag, 29. April:
Bridget Jones – Schokolade zum Frühstock (Komödie) – 20:15 – zdf_neo
Nur noch 72 Stunden (Thriller) – 22:35 – 3Sat
Grabbers (Komödie) – 23:05 – Tele 5

Samstag, 30. April:
Hotel Transsylvanien (Komödie) – 20:15 – Sat1
Das Mädchen mit den Perlohrringen (Drama) – 20:15 – Servus TV
Victoria, die junge Königin (Drama) – 20:15 - BR

Sonntag, 1. Mai:
Hamburger Hill (Kriegsfilm) – 22:25 – Tele 5
Das Netz (Thriller) – 22:30 – sixx
Monty Python‘s Der Sinn des Lebens (Komödie) – 02:05 – Tele 5

Review: THE DRESSMAKER – Fast wie ein Unverkehrsunfall, bei dem man nicht wegschauen kann

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Fakten:
The Dressmaker
AU, 2015. Regie: Jocelyn Moorhouse. Buch: P.J. Hogan, Jocelyn Moorhouse. Mit: Kate Winslet, Liam Hemsworth, Judy Davis, Sarah Snook, Hugo Weaving, Caroline Goodall, Kerry Fox, Rebecca Gibney u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 29. April 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach langer Abwesenheit kehrt Myrtle "Tilly" Dunnage in ihr kleines Heimatdorf im australischen Outback zurück. Die gutaussehende Schneiderin reist allerdings nicht ohne guten Grund an, denn außer der Nähmaschine hat sie ein düsteres Ereignis aus ihrer Jugend im Gepäck, dem sie sich nun stellen will. Die Dorfbewohner reagieren angespannt auf die Rückkehr von Tilly und schon bald geraten die Ereignisse zunehmend außer Kontrolle, je mehr Licht ins Dunkle gebracht wird...




Meinung:
In relativ unregelmäßigen Abständen gibt es Filme, die sich entweder gemäß ihres eigenen Inhaltes kaum vermarkten lassen oder vom Verleih von vornherein unter ungünstigen Bedingungen oder verzerrten Maßnahmen beworben werden. In die letztere Kategorie fällt beispielsweise "Drive" von Nicolas Winding Refn, der vor allem aufgrund der Trailer als schnittiger Actionfilm im Stil eines "The Fast and the Furious" verpackt wurde und sich schließlich als eigenwillige Mischung aus zärtlicher Poesie und brutal-surrealer B-Movie-Gewalt entpuppte. Ein Film wie "The Dressmaker" hingegen ist ganz klar der ersten Kategorie zuzuordnen und man möchte nicht mit denjenigen tauschen, die in der Marketingabteilung mit der Vermarktung dieses Streifens beauftragt wurden.


Kate Winslet erstrahlt in vollem Glanz
Um das Fazit direkt zu Beginn vorgezogen auf den Punkt zu bringen: "The Dressmaker" ist der inkohärenteste, tonal sprunghafteste sowie erzählerisch unentschlossenste Film, den es in letzter Zeit zu sehen gab. Regisseurin Jocelyn Moorhouse adaptierte den gleichnamigen Roman für ihren Film und erzählt von einer Frau, die nach langer Abwesenheit in ihr kleines Heimatdorf in Australien zurückkehrt. Der konkrete Grund für Tillys Rückkehr bleibt allerdings lange verschleiert, denn die Geschichte spinnt rund um die attraktive Schneiderin einen rätselhaften Murder-Mystery-Hintergrund, bei dem sie angeblich als kleines Mädchen einen gleichaltrigen Jungen getötet haben soll. Dieser ungewöhnliche Auftakt ist allerdings erst der Startschuss, denn viel mehr legt der Film zunächst einen Fokus auf das Dorf und seine Bewohner. "The Dressmaker" präsentiert sich in dieser Hinsicht, als wäre der Film zu gerne eine Art kauzig-skurriles, australisches Outback-Pendant zu "Twin Peaks", lässt den einzigartigen Charme und das liebevolle Herzblut von David Lynchs und Mark Frosts Kult-Kreation allerdings vollständig vermissen. Die Dorfbewohner geraten recht früh zu reinen Karikaturen, welche aufgrund von auffälligen Eigenheiten und Macken zum Lachen einladen sollen, aber eher das Gegenteil bewirken und als schriller Kontrast zur eigentlich ernsten Handlung stören.


Spätestens nach der Hälfte des mit vollen zwei Stunden Laufzeit deutlich zu lang geratenen Films läuft "The Dressmaker" endgültig aus dem Ruder. Moorhouse kombiniert kreuz und quer Elemente, die nicht zusammenpassen wollen und mischt emotionales Charakterdrama mit grotesker Satire, kitschige Romanze mit tragischen Schicksalsschlägen, die so plötzlich kommen, dass sie direkt wieder wirkungslos verpuffen, und lenkt das Geschehen zwischen Drama und Romanze in ein absurdes Finale, in welchem der Film schließlich auch noch Züge eines erzürnten Rache-Thrillers annimmt. Diese holprige Achterbahnfahrt der Genres und Gefühlslagen trifft auf den Cast ebenfalls zu. Am souveränsten agiert hier noch am ehesten Hauptdarstellerin Kate Winslet, die in dem heillosen Durcheinander stets versucht, Stil und Fassung zu wahren, während Liam Hemsworth auf den charmanten Schönling reduziert wird und Judy Davis als Mutter der Hauptfigur zwischen witzig und absolut nervtötend schaltet. An einigen Stellen möchte man den Verantwortlichen als Zuschauer fast schon Respekt zollen, dass sie auf so eine ungestüme und rücksichtslose Weise kombinieren, was man nicht kombinieren sollte, und damit ab und an sogar einige interessante Szenen erzeugen. Als Gesamtwerk ist "The Dressmaker" jedoch gescheitert und kaum faszinierend in seiner zerschossenen, schizophrenen Art, als dass hier ein ansatzweise gelungener Film oder eine schräge Perle, wie sie wohl beabsichtigt war, entstanden ist.


4 von 10 Sprünge ins Silo


von Pat

Review: SON OF SAUL – Ein Funken Menschlichkeit inmitten unvorstellbarer Grausamkeit

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Fakten:
Son of Saul (Saul fia)
HU, 2015. Regie: László Nemes. Buch: Clara Royer, László Nemes. Mit: Géza Röhrig, Molnár Levente, Urs Rechn, Todd Charmont, Jerzy Walczak, Gergö Farkas, Uwe Lauer u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.

Story:
1944 im Konzentrationslager Auschwitz ist der ungarische Jude Saul Ausländer Teil vom "Sonderkommando". Gegen einen zeitlichen Aufschub muss er unter anderem vor den verschlossenen Türen der Gaskammern Wache halten, Leichen wegzerren, Rückstände reinigen und Aschehaufen der verbrannten Toten wegschippen, bevor ihm irgendwann auch selbst der sichere Tod bevorsteht. Als er eines Tages in der Leiche eines kleinen Jungen seinen eigenen Sohn wiederzuerkennen scheint, will er diesem die letzte Ehre erweisen, indem er eine traditionell jüdische Beerdigung organisiert.




Meinung:
Wohl kaum ein Thema ist derart schwierig in filmischer Form zu erfassen wie der Holocaust. In der Geschichte des Kinos gab es zwar bereits diverse Annäherungsversuche und Interpretationen, doch nur den wenigsten Werken ist es gelungen, die Verbrechen und unvorstellbaren Grausamkeiten, bei denen Millionen Einzelschicksale betroffen waren, in einen adäquaten Rahmen zu bringen.


Ein Gesicht voller Verzweiflung, Wut und Trauer zugleich
Für sein Regiedebüt "Son of Saul" wählte der ungarische Regisseur László Nemes eine gleichermaßen ungewöhnliche wie radikale Herangehensweise, um den grausamen Alltag in Konzentrationslagern während des Nationalsozialismus abzubilden. Nemes bricht das Unbeschreibliche auf die Perspektive eines Einzelnen herunter und folgt in seinem Film dem ungarischen Juden Saul Ausländer, der Teil eines "Sonderkommandos" ist. Das bedeutet, dass er unter anderem vor den verschlossenen Türen der Gaskammern Wache halten, Leichen wegzerren, Rückstände reinigen und Aschehaufen der verbrannten Toten wegschippen muss. "Folgen" ist dabei wortwörtlich zu nehmen, denn die Kamera von Mátyás Erdély weicht Saul selten von der Seite, ist stets ganz nah an dessen Gesicht und schildert das chaotische, unübersichtliche sowie unvorstellbare Geschehen innerhalb des Konzentrationslagers aus einer beklemmend-reduzierten Enge, bei dem der Regisseur den Betrachter durch das 4:3-Format förmlich in jede Einstellung presst und ihn schließlich durch auslaugende Plansequenzen jeglicher Kräfte beraubt. Eine so realistische Darstellung des Holocaust-Horrors hat man wohl noch nie miterleben dürfen, wobei es letztendlich das gnadenlose Sound-Design ist, das dem Streifen seine unvergleichliche Atmosphäre verleiht.


Das Licht am Ende des Tunnels?
Maschinelle Laute, Schreie der Opfer, wütende Rufe der Wachen und ein oftmals unübersichtliches Stimmengewirr formen einen Klangteppich, der die Hölle greifbar werden lässt. Während sich Saul stets ganz nahe im Fokus befindet, belässt Nemes sämtliche Ereignisse im Hintergrund überwiegend in einer unscharfen Verzerrung. Eine milde Beschönigung findet hierdurch aber nicht statt, denn durch die dichte, eindringliche Tonkulisse entsteht der unangenehme Effekt, bei dem im Kopf von ganz alleine konkrete Bilder entstehen, welche die jeweilige Situation so niederschmetternd wie klar zum Ausdruck bringen. Neben der beeindruckenden Form erzählt Nemes eine Geschichte, in der Saul für die Leiche eines kleinen Jungen, in dem er seinen eigenen Sohn erkennt, eine angemessene, traditionell jüdische Bestattung organisieren will. Die Schwierigkeit liegt darin, dass er einen Rabbi finden muss, der diese Form der Bestattung durchführen kann. Moralisch ist "Son of Saul" daher nicht ganz eindeutig zu bewerten, denn es ist durchaus kontrovers, dass der Regisseur die Ereignisse des Holocaust mit einer fiktiv angelegten Handlung durchsetzt, bei dem er zusätzlich auf das Schicksal eines Einzelnen zurückgreift, emotionale Werte verhandelt und ein verzweifeltes Plädoyer an die Menschlichkeit einstreut.


Der vermutlich prägnanteste Satz im Film "Du hast die Lebenden für die Toten verraten" bringt das zentrale Dilemma der Hauptfigur tragisch auf den Punkt. Während seine Kameraden durch einen Aufstand noch auf einen möglichen Ausbruch in die Freiheit hoffen, unterscheidet Saul nicht mehr zwischen den unzähligen Leichen und den eigentlich Lebendigen, die für ihn jedoch unlängst Todgeweihte sind. Nemes verfolgt den unermüdlichen Willen einer innerlich ebenfalls lange toten Persönlichkeit, die zwischen richtig und falsch keine Unterscheidung mehr treffen kann und sich an einen letzten Funken des Erbarmens festklammert, um zumindest einen Hauch von Menschlichkeit in diesem fatalen Szenario spüren zu können. Am Ende findet Nemes, nachdem er sein Publikum spürbar angestrengt und erschöpft hat, zu einem gleichermaßen irritierenden wie befriedigenden Schlusspunkt, für den der Regisseur warmherzige Surrealität mit erschütterndem Realismus kreuzt und den riesigen Schrecken dieser Ära, die ihre Spuren bis heute in die Gegenwart zieht, tragisch auf den Punkt bringt.


7,5 von 10 Säckchen voller Sprengstoff


von Pat