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Review: OPEN WINDOWS - Im Internet gibt es keinen Platz für Menschlichkeit

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Fakten:
Open Windows
Spanien, USA. 2014. Regie und Buch: Nacho Vigalondo. Mit: Elijah Wood, Sasha Grey, Neil Maskell, Michelle Jenner, Julián Villagrán, Carlos Areces, Raúl Cimas, Miguel Noguera u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 27. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nick ist einer der wohl größten Fans von Schauspielerin Jill Goddard. Seine Freizeit verbringt er damit das neuste Bildmaterial zu seinem Star zu finden, um dieses auf seiner Website zu posten. Als er dann ein Dinner mit seinem Star gewinnt, scheint alles perfekt für ihn zu laufen, doch während er in einem Hotelzimmer sitzt und darauf wartet, dass sein gewonnenes Date erscheint erhält er eine  mysteriöse Nachricht und plötzlich liegt es alleine an Nick seine Angebetete vor einem Psychopathen zu retten.





Meinung:
Der Begriff 'Fleischbeschau' sollte Sasha Grey nicht allzu fremd sein. Als Pornodarstellerin hat sie sich einen Ruf damit aufgebauten, immerzu bis an die Grenzen zu gehen und in einer Szene auch mal einen Verschleiß von über einem Dutzend Männern aufzuweisen. Sasha Grey hat diese freizügige und gesellschaftlich immer noch mit Verachtung gestraften Form der Selbstverwirklichung aus eigenen Stücken gewählt, wollte sie doch zum Aushängeschild moderner Pornographie heranwachsen und den Zuschauer zur Kreativität animieren, anstatt ihn einfach nur blindlings konsumieren zu lassen. Die Tage, in denen Ganzkörperbesamungen auf der Agenda von Frau Grey standen, sind inzwischen jedoch passe. Unter der Regie von Steven Soderbergh hat die bürgerlich als Marina Ann Hantzis bekannte Sasha Grey in „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ schon unter Beweis gestellt, dass sie auch im seriösen Schauspielgefilde durchaus in der Lage scheint, Fuß zu fassen und Vorurteile Lügen gestraft. Eine Ausnahme?


 
Vorsicht Sasha, hinter dir!
Nun, Aufschluss über diese Frage wird uns auch „Open Windows“ nicht geben, auch wenn Sasha Grey in diesem als dramaturgisches Gravitationszentrum auftritt, allerdings die meiste Zeit doch die zweite Geige spielt. Interessant ist es da vielmehr zu beobachten, gleiches galt schon für „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“, wie es dem Film in treffender Fasson gelingt, das Leben der Sasha Grey als mediale Persönlichkeit auf der Meta-Ebene zu reflektieren, in dem er sie als von der Männerwelt belagerte Genre-Schauspielerin Jill agieren lässt. Nacho Vigalondo, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion, ist sich seiner Besetzung also vollkommen im Klaren und nutzt ihre Vergangenheit, um „Open Windows“ nicht nur als stilistisch originellen Thriller aufzuziehen, sondern auch, um ihm im Kontext der verschwimmenden Menschlichkeit im digitalen Zeitalter des weiteren vielschichtige Facetten zu injizieren. Ein formalistisches Direct-to-DVD-Vehikel bleibt sein „Open Windows“ letzten Endes dennoch.

 
Vorsicht Sasha, vor dir! Also, dein Bademantel ist offen
„Open Windows“ ist aufgrund seiner Aufmachung allerdings ein interessantes Experiment, spielt sich das Geschehen doch beinahe unentwegt auf dem Laptopbildschirm von Nick (Elijah Wood) ab, der sich als inbrünstiger Fanblogger von Jill zu verstehen gibt und eigentlich dem gewonnenen Meet & Greet entgegenfieberte. Die Pläne fallen abrupt ins Wasser, als ein Fremder plötzlich Kontakt mit ihm aufnimmt und erklärt, dass Jill das heutige Treffen abgesagt hat. Dabei modelliert „Open Windows“ eine optische Zergliederung durch die verschiedenen Fenster und Tabs innerhalb des Bildschirmes, auf dem Nick durchweg seine Augen gerichtet hat, die dem Zuschauer in hektischen Schwenks und kruden Schnitten die nötige Übersicht verleihen: Ein echter Desktop-Thriller und dazu auch noch in Echtzeit dargeboten. Sein gimmickhafter Stil aber nutzt sich schnell ab, hat man sich erst einmal mit der Visualisierung akklimatisiert und „Open Windows“ scheitert an einem uralten Manko: Der durchgehenden Spannungskurve. Spätestens nach gut einer Stunde Laufzeit verheddert sich die Narration in Überzeichnungen, um einen hanebüchenen Finale sondergleichen in die Hände zu fallen.


Dabei steckt hier in Ansätzen (dann und wann auch mehr) ein Film, der die kontemporäre (Über-)Technifizierung unserer Gesellschaft hinter dem Konglomerat aus rechteckigen Tableaus kritisch beäugt. Wie viel Platz für Menschlichkeit und Moral kann in einer Welt bestehen, die sich schon lange nicht mehr direkt in die Augen gesehen hat, sondern einzig über Pop-ups kommuniziert? In der jeder ein anonymer Fake sein kann, anstatt zu seinem wahren Ich zu stehen? „Open Windows“ ist nicht umsonst ein Genre-Film, der obsessives Verhalten, den Verlust jedes ethischen Maßstabs, digitalen Voyeurismus, Manipulation und die Missachtung jedweder Privatsphäre thematisiert. Hinten raus ersäuft er in seiner Over-the-Top-Attitüde, ist schlichtweg nicht mehr ernst zu nehmen, setzt Twists vor Cleverness, vor allem aber inszenatorische bleibt er doch empfehlenswert und rückt die räumliche Begrenzung in einen virtuelle Dimension, in der wir alle binnen weniger Mausklicks zu Gefangenen werden können.


5 von 10 Tastenkombinationen


von souli

Trailerpark: Elijah Wood stalkt Sasha Grey - Erster Trailer zu OPEN WINDOWS

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Mit „Timecrimes“ gelang Regisseur Nacho Vigalondo eine kleine Genreperle, die trotz ihrer stiefmütterlichen Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray doch einen gewissen Kultstatus erreichen konnte. Nach seiner Mitarbeit beim Episodenfilm „The ABCs of Death“ hat Vigalondo nun seinen zweiten Spielfilm am Start. Den ersten, spanischen Trailer könnt ihr hier sehen. In „Open Windows“ geht es um einen Fan, der seine Liebe zu einer Schauspielerin recht obsessiv betreibt. Hauptdarsteller des Thrillers, der bis jetzt keinerlei Release-Datum inne hat, sind Elijah Wood und Ex-Pornostar und Künstlerin Sasha Grey, die in Steven Soderberghs tollem „The Girlfriend Experience“ bereits beweisen konnte, dass sie mehr kann als männliche Gelüste zu befriedigen. Für Wood scheint dies die zweite Psychopathenrolle zu sein. Anscheinend hat er durch sein Mitwirken in „Alexandre Ajas Maniac“ Gefallen daran gefunden. Warum auch nicht. Der ewige Hobbit tut gut daran, sein Image in eine erwachsenere Richtung zu lenken, was er ja auch mit seiner Beteiligung an der großartigen Comedy-Serie "Wilfred" tut.






Review: I MELT WITH YOU - Suizidale Drogen-Posse

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Fakten:
I melt with you
USA. 2011. Regie: Mark Pellington. Buch: Glenn Porter, Mark Pellington. Mit: Rob Lowe, Thomas Jane, Jeremy Piven, Christian McKay, Carla Gugino, Arielle Kebbell, Sasha Grey, Tom Bower, Joe Reegan, Victoria Bruno, August Emerson, David Lowe u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
 

Story:
Tim, Richard, Ron und Jonathan sind Freunde seit ihren gemeinsamen Studententagen. Mittlerweile haben sie die Uni längst hinter sich gelassen und haben Jobs sowie Familie. Um die alten Zeiten zu feiern, treffen sie sich jedes Jahr für eine Woche in einem Strandhaus. Hemmungslose Partys stehen im Vordergrund, doch dieses Mal läuft einiges anders. Das Wiedersehen gerät außer Kontrolle.




 Meinung:
„Genießt eure Freiheit“. Mit diesem Satz entlässt Lehrer Richard (Thomas Jane) seine Schüler in die Ferien. Er selbst wird dies befolgen, indem er sich mit seinen drei besten Freunden trifft. Nur sie vier Männer, ein hübsches Strandhaus, Alkohol, Drogen und Sex. Doch Regisseur Mark Pellington („Arlington Road“) ist wenig an einer feuchtfröhlichen Buddy-Comedy interessiert. Zwar steht auch in „I melt with you“ der Exzess im Mittelpunkt, doch dieser erhält keinerlei komödiantischen Duktus. Pellington verfolgt ein anderes Ziel. Die vier Männer, die hier feiern, stellen sich ihren geplatzten Lebensträumen. Ein schmerzhafter Prozess, vor allem dann, wenn man ihn mit Ehrlichkeit führt.


Hör auf zu heulen. So mies ist das Leben auch nicht.
Das größte Problem von „I melt with you“ ist eben das, dass er nie wirklich ehrlich ist. Er reduziert das Leben auf puren Negativismus und die Mid-Life-Crisis als unausweichliches Ende einer glücklichen Existenz. Versteckt Pellington diese Botschaft anfänglich noch im visuellen Farbensumpf, bricht sie recht schnell aus dem Film heraus. Das Wiedersehen alter Freunde wird dann zu einem kompromisslosen Trip. Ein Trip mit einem simplen Ziel: Destruktion. „I melt with you“ erweist sich als künstlerisch ansehnliches, aber inhaltlich sehr biederes und versteiftes Werk, welches lediglich an psychischer wie auch physischer Zerstörung Gefallen findet. Die Motive, die diese Prozesse einleiten und auslösen bleiben jedoch im Dunkeln oder werden nur spärlich und allzu bieder angerissen. Das hat zur Folge, dass diese suizidale Drogen-Posse weder das Herz noch das Hirn wirklich erreicht. Lediglich der Sehnerv wird, dank der hervorragenden, farbsymbolischen Bilderfluten, herausgefordert.


„I melt with you“ wirkt wie pures Prestige. Ein versuchter Aufschrei gegen gesellschaftliche Erwartungen und den daraus resultierenden Druck, der Träume und Hoffnung zerquetscht. Ich wurde an „Fight Club“ erinnert. Auch hier erwehrt sich jemand dem Trott seines Lebens auf aggressive, psychotische Weise. „I melt with you“ wirkt fast so, als ob die einstigen Anhänger des Prügel-Clubs nun erkennen müssen, dass ihre einstige Rebellion auch nicht mehr war als ein Hirngespinst, welches einem regelmäßige Einkommen und einer Familie gewichen ist. In diesem filmübergreifenden Kontext entwickelt sich durchaus ein gewisser, wenn auch sehr flüchtiger, Reiz. Der ändert indessen nichts daran, dass Regisseur Mark Pellington hier nicht mehr abliefert als ein selbstgefälliges Melodrama mit lebensablehnender Tendenz, deren Hülle im genuinen Glanz erstrahlt und funkelt. Genau der richtige Film, um sich das Leben zu nehmen – oder ihn einfach zu vergessen. Tut was ihr wollt. Genießt eure Freiheit.

3 von 10 Teufelsdreiern

Review: THE GIRLFRIEND EXPERIENCE - Über Geld und die Illusion nicht allein zu sein

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Fakten:
The Girlfriend Experience
USA. 2009. Regie: Steven Soderbergh. Buch: Brian Koppelman, David Levien, Mit: Sasha Grey, Chris Santos, Timothy Davis, Peter Zizzo, Glenn Kenny, Vincent Dellacera, Kimberly Magness, Mark Jacobson u.a. Länge: 77 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Christine Brown arbeitet als Escort-Dame. Unter dem Namen Chelsea begleitet sie Kunden zu Empfängen, hat Sex mit ihnen oder gibt ihnen das Gefühl an ihrem Leben teilzuhaben. Christines Freund Chris, der als Fitness-Trainer arbeitet, weiß von ihrem Beruf und versucht es zu akzeptieren, dass sie mit anderen Männern schläft.




Meinung:
Steven Soderbergh gehört wohl zu den interessantesten Regisseuren unserer Zeit. Der Amerikaner bedient seit vielen Jahren das große Blockbuster-Kino genauso wie ein etwas anspruchsvolleres Publikum. Ob er nun Hochglanz-Produktionen wie die „Ocean’s Elevene“-Reihe inszeniert oder im Sektor des Low Budget Films unterwegs ist, wie etwa „Voll Frontal“, bei dem sich die Darsteller sogar selbst um ihr Catering kümmern mussten, Soderbergh pendelt zwischen den Budgetwelten, verliert dabei aber niemals seinen ganz eigenen Stil. Nun, nach knapp drei Jahren erscheint in Deutschland endlich sein Blick auf das Leben einer Escort-Dame für den Heimkinomarkt. „The Girlfriend Experience“ ist ein ehrlicher wie nüchterner Blick auf die Mechanismen des Berufs und zeitgleich auch ein Kommentar zu unserer heutigen Zeit.




Christina alias Chelsea: Ein Frau für besondere Stunden
Aufmerksamkeit genierte der Film nicht nur durch seine Thematik, sondern vielmehr durch seine Hauptdarstellerin Sasha Grey. Diese war lange Zeit eine Ikone, der modernen US-Pornoindustries. Für viele war Grey nie wirklich eine gewöhnliche Aktrice, sondern mehr ein Phänomen. Mit ihren eigenwilligen, oftmals die Standards der Adult Film Industry sprengenden Filme und Performances, wurde sie zu einem der ganz großen Superstars des Marktes. 2009 stieg sie aus, macht seitdem erfolgreich Musik und ist auch als Künstlerin anerkannt. Soderbergh, der einen Artikel über Grey las uns sie danach unbedingt für die Rolle der Christine/Chelsea wollte, verlässt sich bei „The Girlfriend Experience“ voll und ganz auf ihre Ausstrahlung und auch wenn (Ex-)Pornodarsteller/innen nicht den besten Ruf haben, was schauspielerisches Talent außerhalb des Koitus haben, so spielt Sasha Grey hier doch sehr überzeugend. Vielleicht hat sie Talent, vielleicht hat ihre berufliche Vergangenheit und ihre Rolle auch einfach nur genügend Gemeinsamkeiten? Wer weiß. Wer sich hier aber eine Softcore-Variante von Greys früheren Filmen erhofft, hat sich geirrt. „The Girlfriend Experience“ ist ein ernsthafter Versuch den beruflichen wie auch privaten Alltag einer Escort einzufangen, ohne dabei auf alte, verstaubte Stereotype zurückzugreifen.


Christine gibt einem Journalisten ein Interview
Steven Soderbergh erzählt den Film ohne chronologische Reihenfolge und stichpunktartig. Es gibt nur einen losen Handlungsrahmen. Er springt immer wieder zu einzelnen Szenen. Wir sehen Chelsea, wie sie mit einem ihrer Kunden kuschelt, fast so, als ob sie mit ihm wirklich liiert wäre. Wir werden Zeuge, dass ihre Dienste eine erweitere Fassung von Prostitution sind. Sex ist hier nicht alles, oftmals auch gar nicht existent. Sie verkauft ihren Körper, aber auch ihre Präsenz. „The Girlfriend Experience“ zeigt Bilder voller emotionaler Intimität, die dann zerrissen werden, wenn Chelsea den Raum verlässt, in ein Taxi steigt und ihr Honorar zählt. Gleichzeitig werden wir Zeuge wie ihr Lebensgefährte Chris, der vom Job seiner Freundin weiß, versucht beruflich weiterzukommen, sich aber nur auf der Stelle dreht. Er wirkt verloren in dieser Welt. Die wenigen Momente, die er mit seiner Freundin hat wirken wie Aufzeichnungen aus einer früheren Zeit. Oftmals erzeugt das Zusammensein des Paares auch den Eindruck, dass er auch ein Kunde ist.


„The Girlfriend Experience“ ist ein, vor allem durch seine punktuelle Inszenierung etwas wirr und auch recht anstrengend geratener Versuch sich einer Welt bewusst zu werden, in dem Geld alles ist. Dies ist die Kernaussage des Films: Wir können uns alles kaufen. Nicht nur Sex, sondern auch Zärtlichkeit oder die Illusion nicht allein zu sein. Wir leben in einer Gesellschaft des Geldes. „The Girlfriend Experience“ lässt daran keinerlei Zweifel und erlaubt uns einen kurzen Blick auf eine Form der Prostitution, bei der Sex zweitrangig ist.

8 von 10



von stu






Meinung:
Den beruflichen Ethos heutiger Pornodarstellerinnen vergegenwärtigt Steven Soderbergh vorbehaltlos als selbstbewusst strahlende Gewissen- wie Standhaftigkeit ihrer selbst. Wo Künstler dieser Gattung von der Gesellschaft zwar immer wieder gerne mit angewiderten Blicken abgestraft werden, ist es für diese heute keine wirkliche Schwierigkeit mehr, den stigmatisierten Tellerrand zu überqueren und auch im ernstzunehmenden Fachjargon Fuß zu fassen, anstatt eine solche Karriere von vornherein an suppressiven Klippen in tausend Hoffnungssplitter zerschellen lassen zu müssen. Wen verwundert es da schon, dass Porno-Queen Sasha Grey inzwischen auch Hauptrollen in Spielfilmen übernimmt und sich in diesen tatsächlich nicht in voller Gänze blamiert.



Für Geld gibt es alles, sogar Umarmungen
Geht es aber um das Inhaltliche, dann stellt sich das altbekannte Problem Soderberghs ein: Der Mann überschätzt sich in einem a-b-n-o-r-m-a-l-e-n Ausmaß. In „Girlfriend Experience“ macht der Tausendsassa erneut auf neophil-progressiven Beziehungs- und Gegenwartsanalytiker, und möchte die frigide Zerrissenheit einer jungen Frau mit der kapitalistischen Disparität der amerikanischen Metropolen gleichsetzen - Und das in äußerst knapp bemessenen 70 Minuten. Was Soderberghs hastige Hybris in dieser Sisyphusarbeit zerstört, hält hingegen sein künstlerisches Verständnis für klinisch-sterile Fotografien - die auch hier wieder symptomatisch für eine ganze Generation stehen sollen - in der mäßig rettenden Balance. Ein marginaler Trost.


Zu sagen hat Soderbergh letzten Ende auch in „Girlfriend Experience“ zeitweise erschreckend wenig und lässt dabei die durchaus ansprechende Prämisse mit der bedeutungsschwangeren Modalität seiner Ägide kollidieren, um das hohle Innere seiner Narration freizuschlagen und auch wirklich für jeden Konsumenten erkennbar zu machen. Es ist ein mühevolles Unterfangen, „Girlfriend Experience“ richtig anzufassen und zu kategorisieren; ein Regelfall im Schaffen Soderberghs, aber dieser unfertige und anmaßende Nachgeschmack auf der Zunge währt einfach zu dominant. Wahrscheinlich war es schon ein weiser Schritt, die Filmkarriere (erst mal) an den Nagel zu hängen, obgleich gerade sein Abschiedsprojekt „Side Effects“ Lust auf mehr gemacht hat. Aber man soll bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist, und wirklich "schön" war es mit Soderbergh schließlich nur sehr, sehr selten.


4 von 10 bezahlten Umarmungen


von souli