Posts mit dem Label Radha Mitchell werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Radha Mitchell werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: SILENT HILL - Geglückter Transfer

Keine Kommentare:


Fakten:
Silent Hill
Kanada, Frankreich. 2006. Regie :Christophe Gans. Buch: Roger Avary. Mit: Radha Mitchell, Sean Bean, Jodelle Ferland, Alice Krige, Kim Coates, Laurie Holden, Deborah Kara Unger, Tanya Allen, Christopher Britton u.a. Länge: 126 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Rose und Christopher sind die Adoptiveltern der kleinen Sharon. Das Familienglück könnte perfekt sein, doch Sharon leidet unter mysteriösen Alpträumen, in der immer wieder der Ort Silent Hill auftaucht. Gegen den Willen von Christopher reist Rose mit ihrer Tochter ins kleine Städtchen, welches scheinbar von dunklen Mächten beherrscht wird.





Meinung Jacko:
Aus der unrühmlichen Masse der grausamen Game-Adaptionen sticht „Silent Hill“ von Christophe Gans („Crying Freeman“, „Pakt der Wölfe“) erfreulich deutlich heraus und dürfte die bis heute einzige ihrer Art sein, die sowohl dem Spiel weitesgehend treu bleibt, als auch als Film an sich zu überzeugen weiß. Zumindest mehr, als angesichts der „Kollegen“ zu erwarten war. Während z.B. ein Paul W.S. Anderson bei der Steilvorlage „Resident Evil“ jeglichen Respekt vermissen ließ und sich offenbar einen Dreck um den Flair der Vorlage scherte, hält sich Gans sehr fachkundig und akribisch bemüht an die Stimmung des Spiels, kann sie erstaunlich exakt übertragen. Statt einer coolen Ballerorgie gibt es Survival-Horror im Vorhof zum Fegefeuer, abstrakte Höllenwesen im Ascheregen, einen nicht greifbaren Albtraum der dann am besten ist, wenn das Geheimnis um das verfluchte Minenstädtchen noch ungelüftet ist. Beginnt der Film zu erklären, wird das unrunde und eigentlich nur zweckdienliche Skript zu offensichtlich, die Stärken von „Silent Hill“ liegen ganz klar nicht in der Geschichte. Die Präsentation macht den Reiz aus. Die unheilvollen Sets, das verstörende Creature-Design, der schauderhafte Score, seltene, dann allerdings sehr drastische Gewalteinlagen (FSK: 16 zum Teil verwunderlich), all das, was schon das Spiel auszeichnete. Gans zeigt, dass er die Spiele nicht nur kennt, sondern sie auch mag, sich ihrer Vorzüge bewusst ist und versucht, das direkt zu nutzen. In der Hinsicht macht er alles richtig. Selber spielen macht immer noch mehr Spaß, doch letztendlich zeigt der erste filmische Ausflug nach „Silent Hill“, dass der Transfer von Videospielen auf dieses Medium tatsächlich möglich ist, wenn man denn weiß wie.


6,5 von 10 heulenden Sirenen.




Meinung souli:
Qualvoll winden sich deformierte Körper im Ascheregen der verlorenen Stadt, Missgestalten, Dämonen, Bestien; ein überdimensionaler Schmelztiegel namens Silent Hill erwartet den Zuschauer, ein vom Surrealismus übermannter Mikrokosmos, in dessen Innenraum Abstraktion und Wahnsinn, Mystik und Horror in einer gar infernalischen Atmosphäre harmonisch aufeinander abgeglichen werden, um das unsichtbare Band zwischen Mutter und Kind in sinnbildhafter Kulisse nachhaltig zu akzentuieren. Audiovisuell verübt „Silent Hill“ eine höchstgradig stimulierende Wirkung auf sein Publikum aus und kann diese monochrome Vorhölle der verkohlten Vergangenheit, diesen perversen Sündenpfuhl des religiösen Fanatismus, gekonnt enthüllen. Dass das Drehbuch einzelne Handlungsfäden nur zu gerne lose durch die Gegend baumeln lässt, anstatt sie zu einem homogenen Ganzen zu formen, bremst „Silent Hill“ in seiner Effektivität, in seiner unwiderlegbaren Intensität, viel zu oft aus. Christopher Gans beweist hiermit aber dennoch mehr als überzeugend, dass es auch gute Videospielverfilmungen geben kann, gerade auch deshalb, weil er der Adaptation jenen Game-Charakter lässt. Am Ende muss man sich nur noch der Entscheidung stellen, ob man an den Schrei des Untergangs klammert oder doch in zermürbender Stille langsam verblasst, denn eine Sache ist sicher:  Aus manchen Alpträumen wacht man nicht mehr auf.


6 von 10 Schlächtern mit Pyramidenschädel



Hier geht's zur Review von Silent Hill: Revelations

Review: PITCH BLACK - PLANET DER FINSTERNIS - Fürchte die Dunkelheit

Keine Kommentare:


Fakten:
Pitch Black – Planet der Finsternis (Pitch Black)
USA, Australien. 2000. Regie: David Twohy. Buch: Jim Wheat, Ken Wheat, David Twohy. Mit: Radha Mitchell, Vin Diesel, Cole Hauser, Keith David, Rhiana Griffith, Lewis Fitz-Gerald, Claudia Black, John Moore, Simon Burke, Les Chantery u.a. Länge: 108 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein interstellarer Frachter stürzt auf einen Wüstenplaneten ab. Nur ein kleiner Teil der Besatzung überlebt den Crash, darunter auch der Kopfgeldjäger Johns sowie der Schwerverbrecher Riddick. Doch dieser erweist sich nicht als größtes Problem, denn unter der Oberfläche des Planeten hausen aggressive Monster. Diese erweisen sich zwar als lichtscheu, doch die Überlebenden sehen sich mit einer baldigen Sonnenfinsternis konfrontiert.




Meinung:
In den unendlichen Weiten des Weltalls sind schon viele Charaktere der Filmgeschichte an ihre physischen wie psychischen Grenzen gestoßen. So grausam die Schwärze des kosmischen Raums auch des Öfteren dargestellt wird, sie ist nicht minder faszinierenden, denn die Galaxien und die dazugehörigen Planetensysteme, die es zu entdecken gibt, mit ihren unbekannten geographischen wie ökologischen Verhältnissen, ermöglichen den Platz für die künstlerische Freiheit und können für die Entfaltung der unbändigen Innovationskraft sorgen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, auch wenn es eine extrem abgewetzte Phrase ist, dass es Sci-Fi-Filme wie Sand am Meer gibt – Dabei schlägt auch das Qualitätsbarometer in jegliche Richtungen aus und trägt vom bodenlosen Schrott bis zum Jahrhunderte überstehenden Meisterwerk jede erdenkliche Maske. Dass viele dieser Genre-Filme den eigenen Ansprüchen nicht genügen, liegt natürlich keinesfalls an einer chronischen Ideenarmut, vielmehr verrennen sich Autoren und Regisseure im ewig gleichen Typus des breitgefächerten Sujets.


Nachtwanderungen waren schon in der Schule scheiße
Auch „Pitch Black“ von David Twohy beginnt wie ein Stereotyp des Sci-Fi-Kinos, stringent ausgerichtet nach dem altbewährten Schema F: Ein enormes Raumschiff gerät in einen Meteoritenschauer und strandet schließlich auf dem titelgebenden Wüstenplaneten. In diesen Minuten ist bereits mit Leichtigkeit festzustellen, dass „Pitch Black“ kein Film ist, der seine Schwerpunkte auf narrative Werten legt, sondern sich ausschließlich den audiovisuellen Aspekten seiner Inszenierung verschrieben hat. Mit überfrachteten Farbfiltern und assoziativen Stimmungsmontagen, die der Bedrohung und der Orientierungslosigkeit, anstatt der Psychologisierung der Crew unter die Arme greifen, weiß „Pitch Black“ rein ästhetisch mehrmals ansprechende Duftnoten zu setzen. Hat sich der Rezipient aber erst einmal an diese überspannten Formalitäten und dominanten Stilmittel gewöhnt, ob nun der grelle Lichteinfluss bei Tag, schließlich scheinen auf diesem Planeten gleich drei Sonnen, oder die schattierte Ausstaffierung der Monster bei Nacht, wird „Pitch Black“ immer langsamer und büßt viel von der stimulierenden Wirkung seiner Optik ein.


Der einzig anhaltend schöne Kniff in der Umsetzung von „Pitch Black“ ist der, dass der Film der offenen Konfrontation mit den dort heimischen Monstern konsequent aus dem Weg geht, diese so zu im Schatten agierenden Bestien macht und so humane Urängste aufgreift – Der Mensch fürchtet sich vor allem was er nicht sehen, aber dessen animose Präsenz fühlen kann. Darüber hinaus fehlt es „Pitch Black“ aber ganz einfach an Drive und Pepp: Edel-Trash ohne richtige Zugkraft, auch wenn sich sowohl das Drehbuch, als auch die Umsetzung vollkommen im Klaren darüber sind, in welchen künstlerischen Sphären sie sich bewegen und welche technischen wie handlungsbezogenen Ausführungen sich in ihrem Rahmen bewegen. Am Ende ist es Vin Diesel, der „Pitch Black“ das Fundament auf einem angenehmen, aber wenig berauschenden Genre-Projekt sichert und den Film nicht doch noch unter die Durchschnittsgrenze trudeln lässt. Seine Darstellung als gewissenloser Mörder Riddick, der sich nach und nach zum bestimmenden Alphatier der Truppe in Not mausert, ist fernab jeder schauspielerischen Finesse, aber so vehement auf cool getrimmt, dass dieser Riddick tatsächlich ein unverkennbares, karikaturistisches Charisma an den Tag legt, auch wenn die noch mehr ersehnte Ikonisierung seiner Figur eher belächelt werden darf.


5 von 10 Augenoperationen für 20 Mentholzigaretten


von souli

Review: SILENT HILL: REVELATION - Ein Alptraum aus Ernüchterung und Enttäuschung

Keine Kommentare:

Fakten:
Silent Hill Revelation
USA. 2012. Regie und Buch: Michael J. Bassett. Mit: Adelaide Clemens, Kit Harrington, Sean Bean, Carrie-Anne Moss, Malcolm McDowell, Martin Donovan, Radha Mitchell, Deborah Kara Unger, Eric Pitt, Peter Outerbridge, Jefferson Brown, Milton Barnes, Heather Marks, Roberto Campanella u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 18. April auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D.

Story:
Verfolgt von einem geheimen Kult, ist Harry mit seiner Tochter Heather seit Jahren auf der Flucht. Doch egal wie sehr Harry versucht seine Tochter zu beschützen, in Alpträumen  und Visionen zieht sie es immer wieder nach Silent Hill, jenem geheimnisvollen Ort, in der Heathers Mutter einst um das Leben ihrer Tochter kämpfte. An ihrem 18. Geburtstag muss sich Heather aber doch dem Kult stellen, denn dieser hat ihren Vater nach Silent Hill entführt. Zusammen mit ihrem Schulfreund reist sie in die mysteriöse Stadt, um Harry zu retten.




Story:
Videospielverfilmungen. Ein langes Wort mit sieben Silben, welches sofort eine Abwehrhaltung auslöst. Das ist durchaus berechtigt. Verfilmte Games wie „Far Cry“, „Street Fighter“ oder „Max Payne“ haben den Ruf dieser Filmgattung zu Recht auf einer Ebene der Erwartung gezogen, in der ich schon zufrieden bin, wenn das Ergebnis, zumindest rudimentär, als zufriedenstellend, wenn auch nicht vollends überzeugend zu bezeichnen ist (gutes Beispiel: „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“). Dabei gab es in den letzten Jahren viele Videospiele, die nicht nur mit ihrer Technik sowie Mechanik, sondern auch mit einer interessanten Geschichte, zu begeistern wussten.Zu diesen Spielen zählt ohne einen Hauch von Zweifel die „Silent Hill“-Reihe aus dem Hause Konami. Die Games, die zum Genre des Survival-Horrors gehören und sich von ihrem Konkurrenten „Resident Evil“ - welche filmtechnisch bereits mehrmals unterirdisch realisiert und fortgeführt wurde - dadurch unterscheiden, dass hier kein billiger Trash mit Jumpscares im Vordergrund steht, sondern psychologischer Horror, der sich in seinem Design klar bei Filmen wie „Jacobs Ladder“ inspirieren ließ.



Der französische Regisseur Christopher Gans verfilmte den ersten „Silent Hill“ im Jahre 2006 und erschuf damit die wohl beste Videospielverfilmung bisher. Seine Version des Stoffes war nicht frei von Fehlern und erlaubte sich hinsichtlich seiner Vorlage einige Freiheiten. Es gelang ihm aber diese wirklich gut einzubauen, so dass wohl nur hartgesottene Fans des Spiels sich darüber echauffiert haben. Nun lag es am Briten Michael J. Bassett („Deathwatch“, „Wilderness“, „Solomon Kane“) das Sequel zu Gans Verfilmung zu realisieren. „Silent Hill: Revelation“ orientiert sich, wie sein Vorgänger, auch an den Konami-Spielen, jedoch nicht an „Silent Hill 2“, dem besten Teil der Reihe, sondern am dritten. Die Macher haben aber keineswegs den Zweier übersprungen, sondern führen die Handlung nur konsequent fort, da in der Videospielserie „Silent Hill 2“ für sich alleine steht und eine separate Geschichte verfolgt. Dennoch ist es schade, dass eben dieses Spiel nicht auf Zelluloid gebannt wurde. Gehört es doch dank seiner grandiosen Geschichte und seiner verstörenden psychologischen Komponente zum Besten was die Videospielindustrie in den 1990er Jahren hervorbrachte. Aber auch „Silent Hill 3“ war ein gelungenes Spiel und die Hoffnungen, dass die Verfilmung ähnlich überzeugt wie Gans‘ Film waren durchaus hoch.


Fans von Games wie Filmen haben eine große Gemeinsamkeit: sie müssen Frust und Enttäuschungen aushalten können. Egal ob als aktiver Spieler oder passiver Zuschauer, oft genug werden die Erwartungen nicht eingehalten oder gar übertroffen. Häufig sieht man sich als Konsument damit konfrontiert, dass der langherbeigesehnte Film (oder Spiel) nicht die erhoffte Qualität erreicht. So ist es leider auch mit „Silent Hill: Revelation“. Regisseur und Autor Michael J. Bassett gelingt es nicht mit seinem Vorgänger gleich zu ziehen. Ganz im Gegenteil. Sein „Revelation“ erweist sich als optisch überbrodelndes Höllenfest, was trotz seiner Vielzahl von Monstrositäten, Spukgestalten und Fratzen nie wirklich stimmungsvoll wirkt. Streute Christopher Gans die Wechsel zwischen normaler und Schattenwelt noch gezielt und vor allem wirkungsvoll ein, so tötet Bassett die Stilistik seines Films dadurch, dass er ohne Rhythmus und atmosphärischem Taktgefühl immer wieder und ohne breaks in die Vollen geht. Das Anormale wird bei „Silent Hill: Revelation“ schnell zum Gewöhnlichen und verliert somit sehr schnell seine abschreckende wie auch sog hafte Wirkung. Selbst die Musik von Videospielkomponist Akira Yamaoke (der bereits die Spiele kongenial musikalisch verpackte) vermag nicht mehr so recht zu fesseln. Dazu kommt, dass sich „Silent Hill: Revelation“ klar als 3D-Film versteht, er also diverse Male überdimensionale Mordinstrumente und bösartige Antagonisten gen Kameralinse streckt. So kommt das Gefühl auf, es handel sich mehr um eine Attraktion auf einem Jahrmarkt. Zugebenen, es passt im Kontext zum Design des Films, spielen doch entscheidende Szenen auf einem Rummelplatz. Dennoch wirkt sich diese inszenatorische Selbstgefälligkeit abwertend auf die Stimmung aus. Wer also nur eine Geisterbahnfahrt erwartet, sollte zufriedengestellt sein, wer allerdings wieder genauso gut und eindringlich in das „Silent Hill“-Universum eintauche will, wie bei der ersten Verfilmung, wird hier bitter enttäuscht.


 
In Silent Hill versagen selbst Duracell-Batterien
Es funktioniert einfach so vieles nicht bei „Silent Hill: Revelation“. Hauptdarstellerin Adelaide Clemens sieht ihrer Vorlage zwar ähnlich und Bassett zeigt seinem Zuschauer, die die Vorlage kennen, immer wieder Szenen, die 1:1 aus dem Spiel entnommen wurden, aber Clemens („The Great Gatsby“) versagt leider völlig dabei ihre Rolle auszufüllen. Nicht nur dass ihre Heather – nett ausgedrückt – äußerst naiv agiert, nein, sie bewirkt auch nie, dass man mit ihr mitfühlt. Egal wie oft sie schreit, sich versteckt oder vor den Kreaturen der Hölle davonläuft (was sie in den 94 Minuten verdammt oft tut), ihre Charakterisierung ist zu einfach zu roh. Auch ihr Gefährte (Kit Harrington, bekannt aus "Game of Thrones") bleibt freundschaftlicher Hülle ähnlich blass und leblos wie ihre diversen Häscher, die zwar wie im Vorgänger wieder aus abscheulichen wie absonderlichen Deformationen bestehen, die aber ihre CGI-Herkunft nicht verbergen können. In Teil eins waren diese schrecklichen Geschöpfe noch ein ganz anderes Kaliber. Christopher Gans engagierte professionelle Tänzer und steckte sie in Kostüme. Das Ergebnis: so seltsame wie aber auch furchterregende Schreckgestalten , die mit Liebe zum Detail designt waren und nicht nur der damaligen Hauptfigur Rose (Radha Mitchell) furchteinflößten. Ein wenig fühlt sich „Revelation“ in seinem Monsterdesign an, wie das Prequel von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Der alte Film hatte wunderbare, meist handgemachte Monster-, Ekel- und Schockeffekte. In der versuchten Reanimation des Originals von 2011 wurde diese durch austauschbare Special Effects aus dem Großrechner ersetzt. Ein wahrer Stimmungskiller. Natürlich muss aber erwähnt sein, dass auch Gans‘ „Silent Hill“ mehrfach aus dem Spuk aus dem Rechner zurückgegriffen hatte, aber eben nicht ausschließlich.


Nur auf „Silent Hil: Revelation“ herumzuhacken und Gans‘ Film zur ultimativen Verfilmung zu stilisieren, wäre aber auch nur bedingt fair. Auch der erste Teil versäumte es größtenteils das menschliche Konstrukt aus Furcht und Schuld, welches die Spiele auch mit unterbewussten, sexuellen Elementen nutzten, zu bedienen. Es bleibt ein reiner Überlebenskampf gegen Dämonen und einen mysteriösen Kult. Dennoch schlägt der Vorgänger seinen Nachfolger ansonsten in fast allen Bereichen. Nur beim Härtegrad (die FSK hatte beim Tag der Bewertung wohl einen guten Tag) und dem kopieren der im Spiel vorhandenen Figuren versucht „Revelation“ das Zocker-Herz mehr zu befriedigen. Das bringt den Film aber auch nicht weiter, vor allem weil Regisseur Michael J. Bassett diese Momente scheinbar wahllos präsentiert und sie somit mehr als störender Fremdkörper ohne Substanz daherkommen, als ein Stilmittel oder eine Hommage.


Nach gut eineinhalb Stunden „Revelation“, nach dem nun zweiten filmischen Höllentrip in die Stadt, in der es Asche regnet und individuelle Alpträume wahr werden, bleibt Ernüchterung und große Enttäuschung zurück. Ernüchterung deswegen, weil die erste Verfilmung der früher gefeierten Videospielserie immer noch das Beste verfilmte Videospiel ist und große Enttäuschung, da Regisseur und Autor Michael J. Bassett mit seiner ersten Hollywood-Produktion nicht mehr abgeliefert hat als eine vergessenswerte Fahrt auf der Geisterbahn einer Dorfkirmes. Immerhin wurde hier das Spiel „Silent Hill 3“ verhunzt und nicht der superbe zweite Teil, auch wenn dies nur eine kleiner Trost für die Gamerseele ist.

2 von 10 Ascheregenwolken

Review: NICHT AUFLEGEN - Gefangen in der (Telefon)Zelle

Keine Kommentare:
http://data1.blog.de/blog/f/filmtexte/img/Nicht-Auflegen.jpg
                                                                            

Fakten:
Nicht auflegen! (Phone Booth)
USA, 2002. Regie: Joel Schumacher. Buch: Larry Cohen. Mit: Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland u.a. Länge: 78 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Stu ist ein selbstverliebter PR-Manager, arrogant, großkotzig, erfolgreich. Wie so oft sucht er für ein Telefonat mit seiner Beinahe-Geliebten eine öffentliche Telefonzelle auf, damit seine Ehefrau nichts davon mit bekommt. Diesmal wird jedoch er angerufen. Ein fremde Stimme ist zu hören. Der Mann scheint ihn gut zu kennen und sogar zu beobachten. Als Stu das Gespräch beenden will macht ihm der Fremde unmissverständlich zu verstehen, dass der durchgeladen und entsichert ist...


                   

Meinung:
Die Idee zum Film geisterte schon Jahrzehnte durch Hollywood, selbst Alfred Hitchcock hatte Interesse an einer Umsetzung. Am Ende realisierte es Joel Schumacher, gerade noch rechtzeitig. 2002 gehörten Handys schließlich schon zum guten Ton, Telefonzellen starben aus. Heute wäre der Film wohl gar nicht mehr zu drehen gewesen.


Das Konzept ist so einfach und in seiner Schlichtheit so gut. Ein Mann steht in einer Telefonzelle, bedroht von einem Scharfschützen. Daraus lässt sich naturgemäß kein Actionspektakel zaubern, dafür eine Art Kammerspiel. Joel Schumacher, bei dem von Top bis Flop immer alles möglich ist, liefert eine durchwegs saubere Regiearbeit ab. Besonders die Herangeheinsweise stellt sich als goldrichtig heraus. In Echtzeit gedreht, nur knappe 78 Minuten Laufzeit. Die sehr begrenzte Vorlaufzeit, in der Protagonist Stu ausschließlich durch Telefonate und sein arrogantes Verhalten charakterisiert wird, erweist sich als vollkommen ausreichend. Mehr muss über ihn nicht erfahren werden, der Rest ergibt sich aus der Haupthandlung. In der passiert effektiv nicht viel mehr, als ein Telefonat zwischen Stu und seinem unbekannten Richter und Henker in einer Person. Etwas mehr natürlich schon, doch das ist der Kern der Handlung. Stu gerät in ein perfides Spielchen, bis ins Detail durchgeplant. Durch einen tödlichen Schuß wird es zum Medienspektakel, in dessen Mitte der eigentlich widerliche Kotzbrocken steht, der in wenigen Minuten zum bemitleidenswerten Opfer wird. 


Noch ganz entspannt: Stu.
Diese Wandlung, die sich letztendlich auch auf den Charakter von Stu überträgt, ist selbst in der kurzen Zeit absolut plausibel. Zu sehr und direkt wird er in einem lebensbedrohlichen Szenario in die Ecke gedrängt, hat keine Chance sich wie sonst irgendwie rauszuwinden. Sein Leben, sein ganzes Handeln liegt in den Händen des Unbekannten. Diese Situation ist beklemmend, hochspannend und gleichermaßen geschickt wie intensiv inszeniert. Es wird viel mit Splitscreen und Bild-in-Bild Montagen gearbeitet, wodurch sich der Zuschauer nie zu weit von Stu und seinem gläsernen Gefängnis entfernt. Die Hilflosigkeit ist jederzeit spürbar, das Damoklesschwert baumelt unerbittlich über ihm und droht jeden Moment zu fallen. Das ist die besondere Stärke von "Phone Booth". Er hat eine einfache Idee und nutzt diese sehr geschickt. Es braucht keinen Firlefanz, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Genau wie Regisseur Schumacher ist Colin Farrell auch so ein unberechenbarer Faktor, da geht viel nach oben oder unten. In dem Fall geht der Daumen klar nach oben, Farrell passt nicht nur gut auf die Rolle, er füllt sie auch überzeugend aus. "Phone Booth" ist für eine Hollywoodproduktion mit prominenten Cast erstaunlich wie erfreulich simpel gehalten und verschenkt somit die gute Grundidee nicht. Das ist keine Selbstverständlichkeit und wäre oft, im Sinne von Studiobossen und Produzenten, nicht genug gewesen. 


Unter Strich können nur wenige Details kritisiert werden. So packend die gesamte Handlung ist, den ein oder anderen überraschenden Einfall hätte es vielleicht noch geben können. Zudem wird dem Killer zwar grob eine Motivation gegeben, so richtig mag sich das Treiben dann doch nicht erschließen. Das stört aber letztendlich kein Stück. Ein sehr kurzweiliger Thriller mit hervorragender Idee. Nicht genial, aber unbestreitbar sehr sehenswert.

7,5 von 10 prähistorischen Telefondingern