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Review: FLUCHT AUS L.A. - Blindschleiche statt Klapperschlange

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Fakten:
Flucht aus L.A. (Escape from L.A.)
USA, 1996. Regie: John Carpenter. Buch: John Carpenter, Debra Hill, Kurt Russell. Mit: Kurt Russell, Stacy Keach, Steve Buscemi, George Corraface, Cliff Robertson, A.J. Langer, Peter Fonda, Pam Grier, Valeria Golino, Michelle Forbes, Bruce Campbell u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Nach einem verheerenden Erdbeben im Jahr 2000 wurde Los Angeles vom Festland abgeschnitten und dient nun als Hochsicherheitsgefängnis für das totalitäre Regime der USA. Nun, 2013, steht die Welt am Rande eines Krieges. Ausgerechnet jetzt hat sich die Tochter des US-Präsident auf die Seite der Rebellen geschlagen und mit einer Satellitensteuerung in L.A. untergetaucht, mit der sich die Welt in Sekundenbruchteilen kontrollieren ließe. Die Zeit drängt und mal wieder bleibt der Regierung keine Wahl: Erneut zwingen sie Outlaw Snake Plissken zu einem Himmelfahrtskommando in den Moloch. Mit einem tödlichen Virus infiziert hat er nur 10 Stunden Zeit die Steuerungseinheit wiederzubeschaffen, damit er das rettende Gegengift bekommt.






Meinung:
Snake Plissken ist wieder da, gerechnet hatten damit wohl nur die Wenigsten. 15 Jahre nachdem ihn John Carpenter in „Die Klapperschlange“ durch das Sodom und Gomorra des ehemaligen New York City jagte und damit nicht nur einen Klassiker des Science-Fiction-Kinos schuf, sondern gleichzeitig diesen Charakter zur Kultfigur stilisierte. Nebenbei auch der große Durchbruch seines Darstellers Kurt Russell. In „Flucht aus L.A.“ kehrt der wortkarge Augenklappenträger aus dem Vorruhestand zurück, um erneut unfreiwilligen seiner verhassten Regierung „dienen zu dürfen“.


Neue Stadt, alte Probleme, dumm gelaufen.
Eine gewisse Skepsis gegenüber diesem verspäteten, unerwarteten Sequel lässt sich kaum vermeiden und vermutlich hatte seine Realisierung auch was mit den einknickenden Karrieren seiner Stars zu tun. John Carpenter hatte zwar zwei Jahre zuvor mit „Die Mächte des Wahnsinns“ den bis heute stärksten Film nach dem Ende seiner absoluten Höchstphase (Ende der 70er/Anfang der 80er) inszeniert, der Film wurde jedoch seinerzeit mit gemischten Gefühlen aufgenommen und war kein großer, finanzieller Erfolg. Wie schon seit Jahren. Es musste also dringend wieder die Kasse klingeln. Kurt Russell, der diesmal auch am Skript mitschrieb, steckte Mitte der 90er ebenfalls in einem kleinen Tief, zählte nicht mehr zu der Elite im Actiongenre und sah wohl in der Reanimation seiner prägnantesten Filmfigur die Chance auf ein Comeback. Das mag spekulativ sein, doch nicht nur deshalb erscheint „Flucht aus L.A.“ wie eine Notgeburt, die gezwungen eine Geschichte wieder aufbrüht, die kaum sinnvoll fortzusetzen ist. Wohlwollend ließe sich argumentieren, es würde sich um eine Hommage an das eigene Original oder eine Semi-Remake wie z.B. „Tanz der Teufel 2“ handeln, nüchtern betrachtet wird sich einfach wiederholt und dann sogar mehr schlecht als recht.


Bruce Campbell als Mickey Rourke.
Statt New York dient nun eben Los Angeles als Freilaufgehege für das kriminelle Gesindel, welches in seiner anarchischen Gesellschaft eigentlich mehr Freiheiten genießt als das Volk abseits der Mauern in der strengen, nach selbstgerecht-faschistoider Moral gesäuberten Militärdiktatur. Wieder gilt es zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ein dringend benötigtes Gut zurück zu beschaffen und natürlich kommt dafür nur der dauernd totgesagte Staatsfeind Nr.1 in Frage. Obwohl „Flucht aus L.A.“ klar ein Sequel ist, erinnert es in der Tat mehr an eine Neuauflage mit abgeändertem Setting. Neues fällt Carpenter, Russell und der ebenfalls am Skript tätigen Debra Hill dabei kaum ein, wenn nur in Details, die mit dem Standortwechsel zu tun haben, im Prinzip so aber auch schon im Erstling zu sehen waren. Jetzt wie damals werden einst schillernde Stadtteile zur abscheulichsten Brutstätte des Wahnsinns. In New York war der Broadway geschmückt von aufgespießten Köpfen, die Kanalisation bevölkert von Kannibalen, in Beverly Hills jagen nun von plastischer Chirurgie grotesk Entstellte nach frischen Körperteilen. Mit Sicherheit noch die beste Idee des gesamten Films, inklusive eines Auftritts vom fast bis zur Unkenntlichkeit „verschönten“ Bruce Campbell als Ober-Schnippler. Dieser bizarre Moment sowie einige ironische Anspielungen und sarkastische Spitzen können leider weder über die vorherrschende Einfallslosigkeit, dem allgemein stimmungsraubenden Stilbruch und die stellenweise fast albern wirkende Inszenierung hinwegtäuschen.


Aus Snake ist ein schöner Schmetterling geworden.
Carpenter kopiert sich inhaltlich zwar ohne falsche Scham selbst bis sich die Balken biegen, verwirft gleichzeitig jedoch die brillante Atmosphäre seines Originals, die es bis heute zu einem Meisterwerk seines Genres macht. Trotz roher Gewalt und verlotterter Freaks in den Straßen von L.A., trotz Gewitter, Erbeben und Tsunamis, die unheilvolle Finsternis, den apokalyptischen Hölle-auf-Erden-Charakter kann und will die Fortsetzung gar nicht aufrechterhalten. Bunter, flippiger, mit nicht zu übersehendem Comic-Flair versucht der Regisseur seinen Film vielleicht zeitgerechter zu gestalten, seinen Anti-Helden mehr amüsante One-Liner raunen zu lassen und jede Figur mehr schrill als bedrohlich zu präsentieren. Von den Sidekicks wie Steve Buscemi und Peter Fonda bis hin zum Oberschurken George Corraface, sie alle sind viel zu gut gelaunte Hampelmänner. Der Duke von New York hätte sich Cuervo Jones in seinen Taco gestopft. Damit lädt  Carpenter eine seine stärksten Waffen (die er zumindest mal hatte) mit Platzpatronen. „Flucht aus L.A.“ erinnert mehr an einen zwar zynischen, dennoch nicht wirklich schrecklichen Vergnügungspark, in dem letztlich alles gar nicht so ernst gemeint ist. Wahrscheinlich ernst gemeint, dadurch nur noch katastrophaler sind die Effekte, wenn es über das handgemachte hinausgeht. Selbst für 1996 ist das CGI erbärmlich und wäre eigentlich in der Form nicht mal nötig, beachte man was Carpenter früher mit kleinem Geld durch geschickte Regie darstellen konnte.


Selbst am Ende wird sich so haarklein am Original orientiert, dass es ungefähr den Effekt hat wie die Gags von Otto Waalkes: Früher war das geil, aber immer die gleiche Pointe ist witzlos. „Flucht aus L.A.“ ist bezeichnend für den Abstieg des einstiegen Genies John Carpenter. Er war mal der Zeit voraus und als er nur noch mit ihr gehen wollte, kam nicht mehr viel bei rum. An einigen Stellen ist das gerade noch leidlich unterhaltsam, im Gesamten und besonders im Vergleich mit dem sensationellen Original eigentlich nah an einer Frechheit. Über solche Filme freuen sich die Fans nicht, sie fühlen sie veräppelt. Das wollte Carpenter sicher nicht, aber er wollte die letzten zwanzig Jahre bestimmt auch nur gute Filme machen, das Ergebnis ist traurige Realität.

4 von 10 (nicht!) perfekten (CGI)Wellen

Review: URLAUB IN DER HÖLLE – Hetzjagd im Namen des Satans

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Fakten:
Urlaub in der Hölle a.k.a. Vier im rasenden Sarg (Race with the Devil)
USA. 1975. Regie: Jack Starrett. Buch: Wes Bishop, Lee Frost. Mit: Peter Fonda, Warren Oates, Loretta Swit, R.G. Armstrong, Lara Parker u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Zusammen mit ihren Ehefrauen fahren Frank und Roger in den Campingurlaub. Bei einem nächtlichen Zwischenstopp werden sie Zeuge, wie eine okkulte Sekte eine junge Frau tötet. Als sie bemerkt werden, müssen sie flüchten und können ihre Verfolger abhängen – vorerst.






Meinung:
Wenn „Urlaub in der Hölle“ eines ist, dann voll und ganz ein Kind seiner Zeit. Wir müssen uns zurück in die glorreichen 1970er Jahre versetzen; eine Dekade, in der der Okkultismus nicht mehr nur am äußersten gesellschaftlichen Rand florierte, sondern sich längst Einzug in unsere wohlbehütete Nachbarschaft verschaffte (dafür dürfen wir wohl nicht zuletzt Roman Polanskis „Rosemary's Baby“ danken) und die Jünger des Teufels könnten dem infernalischen Handwerk des Gehörnten womöglich schon ein Stockwerk tiefer frönen. Auch das Paranoia-Kino feierte in den 1970er Jahren Hochkonjunktur und bestach durch politisch-engagierte Ableger („Die Unbestechlichen“), wie auch im Science-Fiction/Horror-Segment („Die Körperfresser kommen“). Mischt man diesen Elementen noch einen deftigen Spritzer an Ressentiments gegenüber dem (amerikanischen) Hinterland bei, dann haben wir die wesentlichen Bestandteile beisammen, aus denen sich „Urlaub in der Hölle“ (der damals auch unter dem tollen Titel „Vier im rasenden Sarg“ beworben wurde) nach und nach zusammensetzt.


Postkartenmotiv für die Lieben daheim
Im komfortablen Wohnmobil düsen Roger (Peter Fonda) und Frank (Warren Oates) mit ihren Frauen dann auch schnurstracks in Richtung Colorado, um der sengende Hitze der texanischen Weiten für einige Zeit abzuschwören und den Skiurlaub in den Rocky Mountains auszukosten. Zwischendurch wird dann einfach irgendwo Halt gemacht, unter freiem Himmel diniert und das Nachtlager eingerichtet. Schon in den ersten Minuten, wenn „Urlaub in der Hölle“ einige Stunts mit dem Motorbike und die dazugehörigen Rennszenen hinter sich gebracht hat (Roger ist schließlich passionierter Speedway-Profi), fördert das Drehbuch auch die mit dem Wohnmobil verbundenen amerikanischen Ideale ans Tageslicht: Ein Amerikaner hat das Recht, sich dort heimisch zu fühlen, wo er will, solang er den nationalen Boden unter seinen Füßen spürt. Da kommt die Mobilität natürlich gerade recht. Der Spaß aber findet dann sein jähes Ende, wenn Roger und Frank eines abends Zeuge werden, wie eine nackte Frau bei einem satanischen Ritual vor lodernden Flammen geopfert wird. Von Entspannung im winterlichen Idyll kann von dort an keine Rede mehr sein und eine unermüdliche Hetzjagd findet ihren atmosphärischen Auftakt.


-"Ah, eine Schlange!" - "Ah, Peter Fonda!"
Aber wo wir gerade bei der Atmosphäre des Films sind: Es gibt durchaus eine Handvoll Momente, die verfehlen ihre Wirkung nicht und ein rechter Gruselfaktor ob der unsicheren Lage stimmt ein in das Geschehen. Auch wird man zuweilen von dem Gefühl geplagt, ständig mehrere Paar Augen im Nacken hängen zu haben. Man darf von „Urlaub in der Hölle“ trotzdem keine treibende Hochspannung erwarten, die einem Klassiker-Status gerecht werden würde. Dafür nimmt sich das Narrativ nicht nur im Mittelteil zu viel Dampf raus, er ist irgendwo auch zu einfach gestrickt, was ihn nur zu gerne konventionell erscheinen lässt. „Urlaub in der Hölle“ aber ist ein uriges Unterfangen, in dem noch klare Geschlechterrolle propagiert werden und der Mann (inklusive permanenter Zugeständnisse an seine Maskulinität) die Hosen hat, der sich ab einem bestimmten Punkt dazu gezwungen sieht, mit Waffengewalt gegen die wachsende Bedrohung vorzugehen. Die Damen hingegen blättern hilflos durch Enzyklopädien über die Dämonologie oder kreischen sich die Stimmbänder rissig. Besonders gut wird das in der Szene dargeboten, in denen die Vier in ihrem Wohnwagen von zwei Klapperschlangen attackiert werden.


Ein echter Mann schützt sein Eigentum nun maö. Wenn dann sechzig Minuten überstanden sind und ein ulkiges Gespräch mit dem Dorfsheriff getätigt wurde, der die Satanisten für Hippies hält (Ist ja auch geradezu charakteristisch für Hippies, dass diese Katzen das Fell abziehen und sich dann mit dem Blut einschmieren), darf es nochmal richtig rappeln im Karton und „Urlaub in der Hölle“ setzt auf polternde Action-Sequenzen, in denen Menschen auf Autos springen, kurz bevor sich diese spektakulär überschlagen. Es ist schon ein unterhaltsamer Film, den Jack Starrett („Ein Fall für Cleopatra Jones“) da ins Leben gerufen hat, wenn auch beileibe kein schaurig-feuriges Opus. Dafür muss man auch sagen, dass die eigentlichen Kontrahenten in ihrer Motivation die Grundierung fehlt und die okkulte Gesinnung einfach mehr Hintergrund bekommen hätte MÜSSEN. So sind es austauschbare Fieslingen, die genauso gut dem Ku-Klux-Klan angehören hätten können. Sehenswert bleibt er, gerade auch, wenn man ihn in seinem zeitlichen Kontext liest.


6 von 10 flackernden Lagerfeuern


von souli

Review: AUßERGEWÖHNLICHE GESCHICHTEN - Feurige Gäule, nervige Doppelgänger und der pure Wahnsinn

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Fakten:
Außergewöhnliche Geschichten (Histoires extraordinaires)
FR, IT, 1968. Regie: Roger Vadim, Louis Malle, Federico Fellini. Buch: Roger Vadim, Pascal Cousin, Louis Malle, Clement Biddle Wood, Daniel Boulanger, Federico Fellini, Bernardino Zapponi, Edgar Allan Poe (Vorlage). Mit: Jane Fonda, Peter Fonda, Alain Delon, Brigitte Bardot, Terence Stamp, James Robertson Justice, Salvo Randone, Francoise Prévost, Marlène Alexandre, David Bresson, Peter Dane, Georges Douking, Philippe Lemaire u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.



Story:
Drei Regisseure setzen drei Geschichten von Edgar Allan Poe um. Eine despotische Gräfin wird ein geheimnisvolles Pferd zum Verhängnis, ein Mann wird sein Leben lang von einem Doppelgänger verfolgt und ein Schauspieler begegnet dem Leibhaftigen.






                                                                           
Meinung:
Ein hochinteressantes, partiell großartiges – sogar meisterhaftes – Kleinod. Drei namenhafte Regisseure verfilmen drei Geschichten von Edgar Allan Poe, zusammengefasst unter dem eher unspektakulären Titel „Außergewöhnliche Geschichten“. Wie so oft sind nicht alle Teile gleichwertig, was eine Bewertung insgesamt erschwert und besonders denen nicht gerecht wird, die herausstechen. In diesem speziellen Fall fällt leider die erste Episode von Roger Vardim („Barbarella“) etwas aus dem qualitativen Rahmen, sonst wäre das ein wirklich außergewöhnlicher, fantastischer Film. Louis Malle („Fahrstuhl zum Schaffot“) steigert sich bei seiner Episode deutlich und Federico Fellini („La Strada“) veredelt das Werk mit seinem finalen Beitrag, der nicht weniger ist als ein Meisterwerk und allein schon das Ansehen mehr als nur rechtfertigt.


1. Metzengerstein.
Eine junge, bildhübsche Gräfin regiert grausam über ihr Reich. Jane Fonda strahlt mit ihrem (von Ehemann Roger Vardim) lassiv in Szene gesetzten Sexappeal eine enorme Kraft aus, eine weibliche Version des Caligula, zwischen purem Sadismus und sündhaften Orgien. Als sie ihr Cousin (Peter Fonda) zurückweist, schlägt die verwöhnte Göre zurück, geht einen Schritt zu weit und beschwört damit ihr eigenes Ende herauf, welches in Form eines mysteriösen, schwarzen Hengstes sie symbolträchtig ins Fegefeuer führt.


Die idyllischen Landschaften der Gräfin.
Die Vorlage ist unverkennbar ein typischer Stoff von Poe (wie auch die weiteren Folgen des Films). Die Hauptfigur – in dem Fall Jane Fonda – ist voller Sünde und erntet am Ende das, was sie einst gesäht hat. Eingeholt von den Geistern der Vergangenheit, von der Schuld, kommt das Schicksal auf geheimnisvollen Sohlen (oder eher Hufen) daher. Die Story hat was, nur gelingt Vardim nicht eine so packende Umsetzung. Die verspielte Ausstattung, der schön bizarre Score und die Präsenz der Fonda stechen hervor, der surreale Touch wird leider nicht so effizient und verstörend ausgearbeitet wie bei Malle und besonders Fellini. Der leicht verruchte Look der Episode sowie sein schmuddeliger Tango von Sex, (sehr) dezentem Grusel und gerechter Strafe üben einen nicht zu leugnenden Reiz aus, der große Funke wird dabei trotzdem nicht entfacht. Ein ganz netter Auftakt, der allerdings nur bedingt Lust auf mehr macht.


2. William Wilson.

Der verzweifelte William Wilson gesteht im Beichtstuhl, einen Mord begangen zu haben. Er erzählt dem Pater seine Lebensgeschichte, in der er seit Kindertagen von einem Doppelgänger verfolgt wird.

 
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Ein schönes Gesicht entstellt nichts.
Schon der Beginn der Episode steckt „Metzengerstein“ locker in die Tasche. Louis Malle begeistert mit einer effektvollen, ausdrucksstarken Inszenierung, hat mit Alain Delon ein wahres Ass im Ärmel und zudem eine deutlich bessere Geschichte erwischt. Das Duo Malle/Delon, unterstützt von einer betörenden Brigitte Bardot, setzt die psychologisch wie moralisch hochinteressante Geschichte um das andere Ich, den bösen oder guten Zwilling, Engelchen und Teufelchen, der fleischgewordenen Antimaterie packend und handwerklich seht stark um. Eine verstörende, clevere Geschichte, die so auch locker einen ganzen Film tragen könnte und von einem Hitchcock nicht besser hätte verfilmt werden können. Hitchcock und Poe, das wäre was gewesen...


3. Toby Dammit.

Ein ehemaliger Shakespeare - Schauspieler kommt nach Rom, um seine gefallene Karriere mit einem religiösen Italo-Western endgültig zu begraben. Er erlebt einen Trip zwischen Wahn und Wirklichkeit, um am Ende den Teufel persönlich zu treffen.


Mit Vollgas in die Hölle.
Die mutigste, extravaganteste und eindeutig beste Episode liefert Federico Fellini ab. Er interpretiert die Vorlage von Poe sehr eigen, transportiert sie in die Gegenwart und macht daraus einen dellirischen Fiebertraum, der auf einem kaum wahrnehmbaren Grat von verzerrter Realität, wunderschön-verstörendem Wahnsinn und psychologischer Dekonstruktion tanzt. Ein surrealer Horrortrip wie bissige Entlarfung und Abrechnung mit dem selbstverliebten, wohl oft idiotischen Zirkus des Filmgeschäfts, das Fellini hier genüsslich und künstlerisch auf höchtem Niveau ohrfeigt. Terence Stamp spielt, als hätte er seine Seele an den Teufel verkauft, Fellini inszeniert es, als wäre er eben dieser. Bilder, Beleuchtung, Einstellungen, Ausstattung, Schnitt, Setdesign, jeder Nebendarsteller und Komparse, alles scheint nicht von dieser Welt. Voller Symbolik und Metaphern schwelgt Fellini in seiner Komposition, kompromisslos und unnachahmlich brennt er ein diabolisches Höllenfeuer ab, welches einen aufsaugt, mitreißt und mit einem grandiosen Ende belohnt. Ein unfassbarer Ritt, ein Genuss auf allen Ebenen, für sich isoliert gesehen ein zweifelloses Meisterwerk.


Am Ende steht das Gesamtwerk: Episode eins schwächelt, zwei gefällt sehr, drei zieht einem die Schuhe aus und gibt sie nicht zurück. Wenn der Auftakt besser wäre, großartig ohne jeden Zweifel. So steigert sich der Film von okay bis famos. Klare Empfehlung und wenn man etwas in seinem Leben gesehen haben sollte, dann Fellinis abartig geile Poe-Variante, die so wohl niemand auch nur versucht hätte. Chapeau.

7,5 von 10 Pferden, Doppelgängern und Ferraris.

Review: OPEN SEASON - Männer, Monopoly, Menschenjagd

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Fakten:  
Open Season
USA, ES, GB, AR, CH, 1974. Regie: Peter Collinson. Buch: Liz Charles-Williams, David D. Osborn (Vorlage). Mit: Peter Fonda, Cornelia Sharpe, John Phillip Law, Richard Lynch, Alberto de Mendoza, William Holden, Helga Line, Didi Sherman, Concha Cuetos, May Heatherley u.a. Länge: 94/97 Minuten (deutsche/US-Version). FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Drei Freunde fahren zu einem Jagdurlaub in ihre Waldhütte. Die ehemaligen Kriegskameraden haben es dabei aber nicht auf Wild abgesehen. Vor Jahren haben sie schon ein junges Mädchen vergewaltigt, in Vietnam kam die Lust am Töten dazu, Hobbys wollen gepflegt werden. Sie entführen ein Pärchen und verschleppen es in die Hütte. Nachdem sie den Mann erniedrigt und sich mit der Frau amüsiert haben, lassen sie sie frei. Für eine halbe Stunde. Das ist ihr Vorsprung. Dann wird geladen, entsichert und die Jagd beginnt.





Meinung:
Es ist weder Enten- noch Hasensaison, echte Kerle jagen auf Augenhöhe.

Böser 70er Survival-Reißer nach dem Roman "The All Americans" von David D. Osborn, hier auch am Skript beteiligt. Drei aufgekratzt-heitere, Waffen-geile Vollarschlöcher langweilen sich nach dem Vergnügunspark Vietnam in ihrem gutsituierten Oberschichtleben gewaltig, aber vergewaltigen und töten kann man ja auch hier, wenn alles gut geplant ist. In fester Tradition geht es Jahr für Jahr in ihre Waldhütte. Da wird gesoffen, gesungen, Monopoly gespielt. Ach, und vorher natürlich was zum Ficken und späterem Jagen aufgesammelt.


Bondage zum Aufwärmen.
Heftige (körperliche) Gewalteruptionen gibt es lange nicht zu sehen, was "Open Season" definitv auch nicht nötig hat. Die perversen Entführer sind mit ihrer guten Laune und dem sichtlichem Spaß am perfiden Spielchen mit den verunsicherten Opfern Bedrohung und psychisch gewalttätig genug. Zu was das Trio in der Lage ist und auf was alles hinauslaufen wird, ist dem Zuschauer schon nach wenigen Minuten klar, ihre "Spielgefährten" wider Willen können das nur vermuten. Das (trotzdem deutlich zu) lange Vorgeplänkel in der Hütte wird so nicht langweilig oder büßt an Intensität ein. Dennoch wirkt die Aufteilung der Laufzeit etwas unglücklich, die eigentliche Jagd beginnt erst im letzten Drittel. Fällt insgesamt etwas zu knapp aus, ist dafür zynisch-knackig und durchaus packend umgesetzt. Die beissende Kritik am American Way of Life, den oft vertuschten Gräueltaten in Vietnam, der inoffiziellen Zwei-Klassen-Gesellschaft und der Faszination am scharfen Geschoss kommt zur Geltung, auch wenn wohl nicht so wie in der Vorlage (mir nicht bekannt). "Open Season" ist dann doch eher ein Survival-Thriller, der allerdings seinen Unterton durchaus zum Ausdruck bringt und nicht als völlig platt oder aussagelos abgestempelt werden kann. Sicher nicht optimal umgesetzt, für Fans solcher Szenarien (grob: "Beim Sterben ist jeder der Erste", "Die letzten Amerikaner") und 70er-Rape & Revenge-Thrillern eine Empfehlung.


Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte dabei umbedingt auf die knapp drei Minuten längere US-Version zurückgreifen, die auf der deutschen DVD von KNM enthalten ist. Die Scheibe an sich ist sonst eine einzige Unverschämtheit, eine solche Bildqualität gab es seit schlimmsten VHS-Zeiten nicht mehr zu bestaunen. Dafür kann zwischen den Versionen gewählt werden. Die Kürzungen zur deutschen Variante beziehen sich nur auf die Story, sind dabei entscheidend für den Gesamteindruck. Das Finale wird so erst richtig rund. Die Jäger bekommen ein (befremdlicheres) Profil, da nur so ein Blick in ihr Leben abseits ihres Hobby gewährt wird und der Schluss bekommt einen ganz anderen Anstrich. Warum, wird natürlich nicht verraten. Gibt einen halben Punkt oben drauf.

6,5 von 10 Jagdgewehren

Review: FUTUREWORLD - Die Zukunft startet jetzt.

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Fakten:
Futureworld
USA, 1976. Regie: Richard T. Heffron. Buch: Mayo Simon, George Schenck. Mit: Peter Fonda, Blythe Danner, Arthur Hill, John P. Ryan, Yul Brynner, Burt Conroy, Dorothy Konrad, John Fujioka, Dana Lee u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Zwei Jahre nach der Katastrophe in "Westworld" eröffnet der futuristische Freizteitpark "Delos" erneut. Die neueste, angeblich absolut sichere Attraktion ist "Die Welt von Übermorgen". Zur Eröffnung werden auch der damals kritische Reporter Chuck Browning und seine Kollegin Tracy Ballard eingeladen. Die Betreiber gewähren ihnen eine uneingeschränkten Einblick hinter die Kulissen. Als die Journalisten hinter die Wahrheit kommen, ist es fast zu spät....



                                                                          



Meinung:
Eine Fortsetzung zu Michael Crichton's Science-Fiction-Hit "Westworld" war naheliegend und per se keine dumme Idee, wenn das Konzept der Vorlage nicht einfach erneut abgespielt wird. Erfreulich: Das passiert auch nicht. Ernüchternd: Die Stärken des Erstlings kommen kaum zur Geltung. Der investigative Schnüffler mit der schicken Brille und sein blondes Anhängsel a.k.a. "halt den Schnabel" kommen einer riesigen Sauerei auf die Spur, die gut in das Paranoia-Kino der 70er passt, leider sehr früh zu durchschauen ist. Nur ein kleiner Makel in einer Fortsetzung, die gesamt gar nicht so verkehrt, allerdings doch enttäuschend ist. 

Die Reise ins Übermorgen, klingt super.
Sehr erdend: Das tolle Setting von "Westworld" wird fast nicht genutzt. Statt durch nachgestellte Szenarien zu irren, laufen unsere Protagonisten fast ausschliesslich durch langweilige Hintergründe, der Flair des Vorgängers ist nur grob enthalten. Hier und da werden Ideen und Ansätze aus "Westworld" verwendet, nur viel zu selten und spärlich. Immerhin wird nicht der Ablauf nur kopiert, was zu erwarten wäre. Der Gedanke ist neu und zeitlich passend, technisch astrein umgesetzt, bleibt trotzdem hinter den Erwartungen zurück. Peter Fonda und Blythe Danner dürfen sich vie zu selten in die versprochenen Traumwelten stürzen, und wenn, manchmal sehr albern. Der kultige Cowboy-Cyborg - dargestellt von Yul Brenner - gibt sich kurz die Ehre, dafür in einer lächerlichen und einzig für seine Figur geschriebenen Sequenz, die eine der größten Schwachstellen des Fims verkörpert. Crowd-Catcher, unnötig und sogar ärgerlich.


Fuck the Future!
An sich ist der Ansatz nicht schlecht und rettet ein gut inszeniertes Sequel über alle Defiztite hinweg. Zu lang, zu ineffizient, seinen Grundgedanken zu wenig nutzend und insgesamt nicht wichtig genug, aber unterhaltsam. Lässt nur wahnsinnig viel verbrannte Erde erkennen, hat zu viel unfreiwilligen Humor und simple Logikfehler, einfach verschenkt. Dennoch nicht schlecht, besser als heutige Schnarchnasen im Genre, mit mehr Kreativität und Zeitgeistkritik. Für Fans des Originals sehenswert, aber nicht auf dessen Niveau. Leider.


6 von 10 Cyborgs.