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Kritik: SAUSAGE PARTY – ES GEHT UM DIE WURST - Das vulgärste, derbste Animationsspektakel des Jahres

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Fakten:
Sausage Party - Es geht um die Wurst (Sausage Party)
US, 2016. Regie: Conrad Vernon, Greg Tiernan. Drehbuch: Seth Rogen, Evan Goldberg, Kyle Hunter, Ariel Shaffir. Mit: Seth Rogen, Kristen Wiig, Jonah Hill, Bill Hader, Michael Cera, James Franco, Danny McBride, Paul Rudd u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
In einem Supermarkt hoffen die Lebensmittel sehnlichst darauf, von Menschen eingekauft zu werden. Für sie sind Menschen gottgleiche Wesen, die sie mit ihrem Einkauf in eine Art Paradies befördern. Vor allem das Würstchen Frank kann es kaum erwarten, aus der Packung genommen und endlich mit seinem heißgeliebten Brötchen Brenda vereint zu werden. Als ein Senfglas nach dem Kauf wieder umgetauscht wird, berichtet es allerdings grauenvolle Details von der anderen Seite. Die Lebensmittel werden mitunter misstrauisch und wollen herausfinden, was außerhalb des Supermarkts mit ihnen geschieht...




Meinung:
Vielleicht war der Wechsel hin zum Animationsfilm der einzig konsequente Schritt für Evan Goldberg und Seth Rogen. Nachdem das Comedy-Duo mittlerweile über eine Vielzahl von Filmen wie "Superbad", "This Is the End" oder "Bad Neighbors" hinweg ihr typisches Humor-Konzept in Form von vulgären Wortspiele, verkifften Exzessen, unangenehmer Situationskomik und spaßigen Popkulturreferenzen ausschöpfte, wurde es so langsam Zeit für einen Tapetenwechsel. Selbst der Diktator Nordkoreas war vor den beiden nicht sicher und wurde in "The Interview" zur Zielscheibe, was vorab eine regelrechte Kontroverse auslöste. Nun hat das Duo den Horizont gewissermaßen erweitert und eine ungezügelte Animationskomödie geschaffen, die zum ersten Mal seit "South Park: Bigger, Longer & Uncut" mit einem R-Rating versehen wurde.


Was die Lebensmittel da wohl gerade sehen?
Dieses Rating wird in "Sausage Party" auch prompt bis zur Schmerzgrenze ausgereizt, wenn dem Zuschauer bereits in den ersten Minuten nach einer anfangs heiteren Gesangseinlage mehr Schimpfwörter um die Ohren fliegen als er zählen kann. In der Geschichte des Films geht es um Lebensmittel in einem Supermarkt, deren größter Traum darin besteht, von den Menschen, die sie als Götter ansehen, eingekauft zu werden und dadurch in eine Art Paradies zu gelangen, in dem sie ein Leben in vollkommener Glückseligkeit erwartet. Als allerdings so langsam klar wird, was mit den Lebensmitteln alles passiert, sobald diese in den Haushalt der Menschen gelangen, entwickelt sich das Schicksal einzelner Charaktere zu einem knallharten Überlebenskampf, während ein Großteil immer noch am Glauben an ein höheres Paradies festhält. Überraschenderweise haben die Autoren in ihrem Werk ein paar Überlegungen zu blindem Fanatismus, Atheismus und Konflikten zwischen ethnischen Minderheiten parat, die man ihnen vorab vermutlich gar nicht zugetraut hätte. "Sausage Party" offenbart in einigen Szenen jedoch durchaus kritische Momente, in denen unterschiedliche Ansichten und Konfliktpunkte bezüglich Glaube, Religion oder Sexualität hinterfragt werden.


Erste Verluste lassen nicht lange auf sich warten
Über weite Strecken dominiert jedoch der gewohnte Humor des Goldberg/Rogen-Duos, der sich hier bedauerlicherweise zu sehr abnutzt und nicht immer richtig in das Korsett einer eher zweitklassig animierten Komödie passen will. Sexuelle Anspielungen von Würstchen, die sich gerne ganz tief in den Öffnungen der Brötchen vergraben wollen, endlose Schimpfwort-Kaskaden oder ein willkürlich eingestreuter Drogentrip offenbaren wenig, was man mittlerweile nicht schon zuhauf in den anderen Filmen der Autoren gesehen hat, weshalb "Sausage Party" zu oft den Eindruck von altem Wein in neuen Schläuchen erweckt. Die Momente, in denen die absurden Möglichkeiten des zugrundeliegenden Konzepts auf offensivste Weise ausgetestet werden, sind aber trotzdem von großartigen Einfällen geprägt. Wie hier bisweilen Impressionen von Kriegsszenarien reflektiert oder grausame Todesarten der Lebensmittel auf ebenso bizarre wie intelligente Weise realisiert werden, lässt erahnen, was für ein gewaltiges Potential in diesem Werk schlummert. Ausgeschöpft wird es von den Verantwortlichen allerdings nur in vereinzelten Szenen, zwischen denen sich immer wieder humoristischer Stillstand bemerkbar macht, bei dem der Eindruck entsteht, die Idee für einen grandiosen Kurzfilm musste irgendwie zu einem Langfilm gestreckt werden.


Zur Höchstform läuft "Sausage Party" dann aber im großen Finale auf, in dem sich der Streifen schließlich in einen gigantischen Exzess verwandelt, welcher die ansonsten eher gemütlichen Sehgewohnheiten des Genres endgültig zerschmettert. Nur alleine für diesen Schlussakt, bei dem die Reaktionen zwischen schrillen Lachkrämpfen, peinlich berührter Befremdlichkeit und ungläubigem Entsetzen pendeln dürften, lohnt sich die Sichtung dieses Animationsfilms, in dem sich ansonsten wirklich unterhaltsame Einzelmomente mit redundanten Gags und einer Geschichte abwechseln, in der durchaus nachdenkliche, tiefgründige Ansätze auf platten Leerlauf treffen.


6 von 10 aufgepumpte Intimduschen




von Pat

Review: ENTERTAINMENT – Ein unbequemer Blick auf die Comedy-Szene

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Fakten:
Entertainment
US, 2015. Regie: Rick Alverson. Buch: Rick Alverson, Gregg Turkington, Tim Heidecker. Mit: Gregg Turkington, John C. Reilly, Tim Heidecker, Michael Cera, Tye Sheridan, Amy Seimetz, Dean Stockwell u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 15. September 2016 im Kino.


Story:
Ein namenloser Comedian tourt mit seinem überaus unkonventionellen Bühnenprogramm durch die Mojave-Wüste. Seine Reise führt ihn in kleinere Bars oder auf überschaubar besuchte Geburtstagspartys, wo seine kontroversen Auftritte gelangweilte bis aggressive Reaktionen hervorrufen. In seinem Inneren ist der stets traurig-deprimiert dreinblickende Comedian aber ein zutiefst unglücklicher, einsamer Mensch, der sich zunehmend zwischen Kunstfigur und dem Menschen dahinter verliert und auf dem Weg durch die Mojave-Wüste skurrile Begegnungen macht, während sein Ziel ein ungewisses bleibt.




Meinung:
Nur wenige Filmtitel führen wohl so in die Irre wie der von Rick Alversons "Entertainment". Von Unterhaltung könnte dieser depressive, dunkle Brocken kaum weiter entfernt sein, denn schon lange ist es keinem Film mehr gelungen, den Zuschauer in einen derart unbequemen Dauerzustand des unbeholfenen Zähneknirschens zu versetzen, bei dem das Gefühl entsteht, als würden Fäuste auf die Magengrube einschlagen.


Untypischer könnte ein Komiker kaum aussehen
Ein in die Jahre gekommener, skurril aussehender Stand-up-Comedian tourt durch die Mojave-Wüste, um überwiegend unbeeindruckte bis genervte Zuschauergrüppchen in kleineren Bars oder auf Geburtstagspartys mit seinem Bühnenprogramm zu bespaßen. Bei diesem Programm handelt es sich allerdings nicht um die altbekannte Aneinanderreihung mal mehr, mal weniger zündender Gags. Der namenlose Komiker agiert ausnahmslos mit einer Kombination aus groteskem Anti-Humor, gemeinen Beleidigungen gegen protestierende Leute aus seinem Publikum oder bizarren Pointen, die so schlecht sind, dass sie die Bezeichnung gar nicht verdienen. "Entertainment" wirkt so, als hätte Quentin Dupieux, einer der aktuell auffälligsten Surrealisten des Kinos, "Inside Llewyn Davis" von Ethan und Joel Coen mit einem Stand-up-Comedian anstelle eines erfolglosen Folk-Musikers als Hauptfigur gedreht. Alversons Film folgt einer eigenen verschrobenen Logik, die einem Road-Trip ähnelt, mit dem Unterschied, dass sich der Protagonist auf seiner Reise die ganze Zeit um sich selbst dreht und am Ende kein erfüllendes Ziel erreichen wird, sondern endgültig in Trauer und Verzweiflung ertrinkt.


Einige Stars haben sich auch in den Film verirrt
Der Regisseur reißt dem öffentlich verbreiteten Eindruck der Comedy-Szene, bei der praktisch durchwegs gut gelaunte Künstler einen Gag nach dem anderen reißen und Menschenmassen zum Lachen bringen, die falsche Maske vom Gesicht und reduziert den amerikanischen Traum auf ein staubig-karges Skelett. Der Comedian wird auf monotone Weise mit seinen seelischen Schmerzen alleine gelassen und ist kaum noch dazu fähig, seine eigentliche Leidenschaft, das Publikum zu bewegen und in Gelächter zu versetzen, ausüben zu können. Zu limitiert sind die Menschen, die ihm nach seinen Auftritten zwar zu einer gelungenen Performance gratulieren, von seiner echten Persönlichkeit jedoch kaum weiter entfernt sein könnten, die er bewusst mit übertrieben gekünstelter Stimmlage im Verborgenen hält und mittlerweile scheinbar selbst nicht mehr zwischen Kunstfigur und Mensch unterscheiden kann. Hauptdarsteller Gregg Turkington ist die Sensation des Films, denn eine Präsenz wie er sie in jeder Szene zeigt, sieht man eher seltener bei Schauspielern. Die Figur seines Comedian gibt es dabei wirklich, denn in Gestalt von Neil Hamburger tourt Turkington bereits seit ungefähr 20 Jahren vorwiegend durch die USA, wobei er die Gemüter aufgrund seiner gewöhnungsbedürftigen Art mit voller Absicht spaltet.


Gewöhnungsbedürftig ist auch "Entertainment", der vielleicht auch als Meta-Film gelesen werden kann, in dem Regisseur und Hauptdarsteller der Kunstfigur ein bitteres Denkmal errichten, das sich vor dem tragischen Kern des Comedian mithilfe von episodenhaften, surrealen Begegnungen sowie einsamer Verzweiflung verneigt und in einzelnen Momenten, wie beispielsweise der unvergleichlich schockierenden Geburtsszene in einer Toilette, zum Staunen bewegt. Veredelt mit heutzutage kaum noch verwendeten CinemaScope-Bildern ist diese tonnenschwere, finstere Odyssee ins absolute Nichts ein Werk, das nicht jedem zusagen wird. Wer sich dagegen auf den anfangs eher repetitiv wirkenden Erzählfluss einlassen kann, wird mit einem intensiven, niederschmetternden Film belohnt, den man in solch einer Form nicht allzu oft sieht.


8 von 10 unter dem Arm gehaltene Drinks



von Pat

Review: SUPERBAD - Schwänze, Sprit und Männerfreundschaft

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Fakten:
Superbad
USA, 2007. Regie: Greg Mottola. Mit: Michael Cera, Jonah Hill, Christopher Mintz-Plasse, Bill Hader, Seth Rogen, Martha MacIsaac, Emma Stone, Aviva Baumann, Kevin Corrigan u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kurz vor ihrem Highschoolabschluss und dem Gang aufs College wollen Seth und Evan ihre letzte Chance nutzen, bei den heißesten Mädchen der Schule zum Schuss zu kommen. Der Schlüssel dafür und Eintrittskarte für deren Party: Alkohol. Gemeinsam mit Weichei Fogell und dessen gefälschten Ausweis sollte das kein Problem werden. Natürlich läuft alles aus dem Ruder…

                                                                        


Meinung:
„Hast du nie gehört wie eine gesagt hat: „Ah, gestern Abend war ich so breit, hätte ich bloß nicht mit diesem Typen gevögelt?“…Wir könnten dieser Fehler sein!“

Mehr als dieser Fehler sein zu können rechnen sich Evan (Michael Cera) und Seth (Jonah Hill) überhaupt nicht aus oder streben (offen) Größeres an. Rein optisch nicht unbedingt der Traum jeder scharfen Highschoolbraut müssen sie sich ihre Nische suchen, um doch noch vor dem näher rückenden Schulabschluss zum Ziel zu kommen. Alkohol muss ran, nicht nur um ihre Chancen beim schönen Geschlecht zu erhöhen, sondern um überhaupt erst auf der angesagten Party aufschlagen zu können. Der gefälschte Ausweis von Mehr-oder-weniger-Kumpel Fogell (Christopher Mintz-Plasse) soll ihnen das ermöglichen.


Drei coole Typen und ein todsicherer Plan.
Wenn das so einfach wäre wie es sich anhört, wäre der Film nach 20 Minuten vorbei. Das nerdige Außenseiter-Trio im Hormonstau erlebt eine Odyssee, in der auch zwei wenig pflichtbewusste Polizisten eine entscheidende Rolle spielen, bis sie endlich auf der heißersehnten Party eintreffen. Klingt alles nach dem typischen Teenie-Krawall-Klamauk um saufen, ficken und eine Aneinanderreihung erniedrigender Fremdschamaktionen, was hier den postpubertären Kiffer-Geistern von Seth Rogen (auch als einer der Cops vor der Kamera aktiv) und Kumpel Evan Goldberg unter der Schirmherrschaft von deren Dauerproduzent Judd Apatow entsprungen ist. Dabei ist „Superbad“ hinter seinen (zahlreichen) Peniswitzen kein derberer „American Pie“-Ableger, der seine Figuren ausgiebig der Lächerlichkeit preisgibt und am liebsten über sie lacht, wenn sie mal wieder mit runtergelassener Hose erwischt werden. Im Geiste ist der Film von Greg Mottola („Paul – Ein Alien auf der Flucht“) viel näher an den 80er-Jahre-Comig-of-Age-Komödien eines John Hughes („Ferris macht blau“), passt diesen natürlich inhaltlich und vom deutlich freizügigeren, brachialeren Humorverständnis seiner Teenagergeneration an. Zoten und vulgäres Gelaber kann man da nicht außenvorlassen, das Herz hat der Film dabei aber immer am rechten Fleck. Trotz und gerade wegen ihrer deutlichen Fehler und Macken sind die Protagonisten immer sympathisch und nicht nur zu albernen Schießbudenfiguren degradiert, die genüsslich von einem Fettnäpfchen ins nächste gestoßen werden.


McLovin und seine neue Gang.
Die Jagd nach dem allmächtigen Zaubertrank Alkohol ist eher MacGuffin (oder MacLovin?) in einer Geschichte um echte Freundschaft und Zukunftsängste, was „Superbad“ besonders zum Ende hin in einigen sehr ehrlichen und herzlichen Momenten thematisiert, die ihn deutlich von der Masse der üblichen Party-Gedöns-Filmchen absetzen. Der Spaß und gesellige Schenkelklopfernutzen soll dem nicht geopfert werden, natürlich ist das in erste Linie eine leicht verdauliche (dabei alles andere als familientaugliche) Komödie, die aber weitaus weniger primitiv daherkommt, als man es zunächst vermuten mag. Viele Gags sind wirklich gut getimt, einige Dialoge und Oneliner zum Schießen („Weißt du, wie viele Lebensmittel Schwanzform haben? Die Besten!“), bei allen Beteiligten ist der Spaß und die Hingabe an das Projekt zu spüren. Hinter seiner prolligen Fassade schlummert ein liebevoller und schöner Film über das Erwachsenwerden, die Wichtigkeit von (Männer)Freundschaft und dem Punkt im Leben, wenn die Weichen neu gestellt werden. In seinen letzten Szenen bringt das „Superbad“ ganz wunderbar auf den Punkt und wird trotzdem kein geheuchelt-rührseliges, künstlich-steifes Moralstück, bei dem entschärfend die Handbremse gezogen wird. John Hughes hat es genauso gemacht…nur wesentlich braver, eben am Puls seiner Zeit.


Ein deutliches Problem hat der Film, das fast unvermeidliche im Dunstkreis von Rogen, Apatow & Co: Die finden selten eine gesunde Länge. Auch „Superbad“ braucht nie und nimmer zwei Stunden für seine Geschichte, könnte locker 20 Minuten (wenn nicht mehr) abspecken. Der Schere würden dann natürlich auch der ein oder andere Gag zum Opfer fallen, das scheinen die Herren einfach nie übers Herz zu bringen. Spricht für den Glauben in das eigene Produkt, ist aber nicht unbedingt von Vorteil für das Gesamte. Doch selbst in (Komödien)Überlänge ist „Superbad“ noch ein gar nicht mal so unreifer Spaß, den sich auch Skeptiker solcher Filme mal eine Chance geben sollten. 

7 von 10 fehlenden Vornamen

Review: MAGIC, MAGIC – Seelenbefreiung im Land am Ende der Welt

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Fakten:
Magic, Magic
USA. 2013. Regie und Buch: Sebastián Silva.
Mit: Juno Temple, Michael Cera, Emily Browning, Cataline Sandino Moreno, Vicente Lenz Burnier, Agustin Silva, Luis Dubbó u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 26. Juni 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die introvertierte Alicia macht mit ihrer Cousine Sarah und deren Freunden Urlaub in Chile. Eigentlich soll der Urlaub Alicia die Möglichkeit eröffnen endlich etwas von der Welt zu sehen, doch die Gruppe, mit der sie unterwegs ist, beunruhigt Alicia zunehmend. Vor allem die Annäherungsversuche von Brink verstören die junge Frau immer mehr.





Meinung:
Chile, das Land am „Ende der Welt, wo der Teufel seinen Poncho verlor“, so ein Sprichwort, ist gerade aufgrund seiner klimatischen Kontradiktion für Globe-Trotter interessant: Dort gibt es nämlich nicht nur die Anmut des pazifischen Ozeans zu bestaunen, sondern auch die schneebedeckten Gipfel der Anden, grüne Seenregionen und spröde Wüsten – Für Naturdokumentationen also ein echtes Schlaraffenland. Filmisch aber konnte uns der letzte Ausflug in das südamerikanische Land im Januar mit „Aftershock“ nicht gerade in Verzückung setzen. Eli Roth, der dort als Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent in Personalunion fungierte, präsentierte einen blutig-zynischen Genre-Film, dem so ziemlich alles missraten ist, was einem solchen Projekt nur missraten kann. Der chilenische Autorenfilmer Sebastián Silva aber lädt uns nun mit „Magic, Magic“ in sein Heimatland und beweist, dass Chile sicherlich kein Indikator für schlechtes Material sein muss. Ganz im Gegensatz: „Magic, Magic“ ist sogar nach Jeff Nichols „Mud“ und Takashi Miikes „Lesson of the Evil“ der nächste große Knaller des diesjährigen Direct-to-DVD-Markts.


Alicia weiß nicht mehr, wem sie trauen kann
Sebastián Silva stellt sich mit seiner dritten Regiearbeit „Magic, Magic“ ganz in die Tradition subtiler Psycho-Thriller der Marke „Ekel“. Wie schon im internationalen Durchbruch von Roman Polanski, steht auch in „Magic, Magic“ mit Alicia eine junge Frau im Mittelpunkt, die zusehends an ihren Psychosen zu zerbrechen droht. Juno Temple („Die Drei Musketiere“, "Dirty Girl") spielt diese Alicia mit einer beeindruckend pointierten Performance, in der sie ihren Terror im Kopf niemals an eine plakative Gestik und Mimik verschenkt, sondern den bipolaren Tonus des Films über die gesamte Strecke wahrt. Und in dieser permanenten Mehrdeutigkeit liegt primär die Stärke vom Drehbuch: Wir erfahren „Magic, Magic“ durch die Emotionen seiner Protagonistin und müssen folgerichtig ihren pathologischen Zustand am eigenen Leibe spüren. Silva treibt sodann ein trügerisches Spiel mit unserer Wahrnehmung, in dem er die konkreten Grenzen zwischen Realität und Halluzination, zwischen den psychischen Auswirkungen von Alicias Angststörung und dem Tatsächlichen zunehmend verschwimmen lässt: Wo wir anfangs ein etwas unsicher wirkendes Mädchen vorgestellt bekommen, finden wir uns bald verloren im Irrgarten ihrer geschundenen Seele wieder.


Versucht Sarah Alicia wirklich zu helfen?
Magic, Magic“ lässt die stupiden Psychologisierungsversuche aber in der Waschküche verrotten: Ursprünge für ihre psychische Störung bleiben weitestgehend ungeklärt, der Grund für ihre mögliche Traumatisierung damit auch angenehm im Verborgenen. Das Motiv des sich anbahnenden Todes jedoch zieht sich von Anfang durch das Szenario. Symbolbehaftete Tierwesen stanzen die schmerzhaften Facetten ihrer gequälten Innenlebens mit dem inszenatorischen Faible für Naturmystik synergetisch immer weiter aus. Silva aber lässt sich viel Zeit, bereitet die Klimax im Finale schleichend-bedrückend vor und schafft es so, „Magic, Magic" im Kontext des „seltsamen“ Verhaltens seiner Hauptdarstellerin, eine soziologische Komponente anzufügen, die die, durchaus verständlichen, Reaktionen ihrer Mitmenschen thematisiert: Erst wird sie belächelt, mit verständnislosen Blicken herabgewürdigt, bis die Mundwinkel irgendwann nach unten klappen und feststeht, dass Alicia offensichtlich dringend Hilfe benötigt. Neben Emily Browning als Alicias Freundin, beeindruckt gerade der undurchsichtige Michael Cera, den mal eher als schlaksigen Pausenclown und schüchternen Vollnerd aus Filmen wie „Superbad“ und „Juno“ in Erinnerung behalten hat.


Im Endeffekt ist „Magic, Magic“ gewiss kein Horrorfilm, sondern ein psychologisch-grundiertes Charakter-Drama, in dem sich eine junge Frau auf den steinigen Pfad ihrer Seelenbefreiung begibt. Ob Silva ihr dann auch ihre ersehnte Katharsis erlaubt, ist in Anbetracht der Vorkommnisse aus der rationalen Perspektive eigentlich erst mal zu bestätigen, wenn auch nicht vollends. In diesem Augenblick, wenn man schließlich glaubt, Alicia wäre am Ziel angekommen, sie dürfte sich endlich fallen lassen, erlaubt „Magic, Magic“ wieder durchaus Zweifel am Gezeigten, ja eigentlich an der persönlichen Perzeption im Generellen. Wenn Silva es sich  zum Ziel gesetzt haben sollte, den Frühwerken eines Roman Polanskis Tribut zu zollen, dann kann man ihm für „Magic, Magic“ nur gehörige Anerkennung schenken. Sicher ist das noch nicht auf dem komplexen Niveau des polnischen Meisters, aber er rückt ihm so nah auf den Pelz, wie schon lange kein Film mehr.


7,5 von 10 indianischen Kräutern


von souli

Review: DAS IST DAS ENDE – Apokalypse à la Seth Rogen, James Franco und Co.

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Fakten:
Das ist das Ende (This is the End)

USA. 2013. Regie: Seth Rogen, Evan Goldberg. Buch: Seth Rogen, Evan Goldberg, Jason Stone. Mit: Seth Rogen, Jay Baruchel, Jonah Hill, James Franco, Danny McBride, Craig Robinson, Rihanna, Emma Watson, Jason Segal, Aziz Ansari, Paul Rudd, Channing Tatum, Michael Cera, Christopher Mintz-Plasse u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 17. Dezember 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Eigentlich ist Jay Baruchel kein Fan der Großstadt und ganz besonders Los Angeles ist ihm da ein geographischer Dorn im Auge. Doch um mit seinem alten Kumpel Seth Rogen ein Wochenende ganz entspannt zu chillen, mit jeder Menge Alkohol, Gras und einem 3D-Fernseher, macht sich Jay auf die Reise. Als sich die erste Qualmwolke aus dem Wohnzimmer Rogens verflüchtigt  hat, kommt dieser auf die Idee, die Einweihungsfeier von James Francos neuer Villa zu besuchen. Wenig angetan wird Jay mitgeschleppt und steht schon schnell allein in der Ecke, während sich die Bande um James Franco, Craig Robinson, Jonah Hill und Seth Rogen prächtig amüsiert. Als es zu einer enormen Erschütterung kommt und blaue Plasmastrahlen vom Himmel geworfen werden, nimmt der Abend eine unerwartete Wendung.





Meinung:
Irgendwie wollen sie einfach nicht aus der Filmwelt verschwinden und die verschiedensten Regisseure mit noch so differenten Kunstauffassungen versuchen sich zunehmend mit funkelnden Augen daran. Gemeint sich die filmischen Weltuntergänge, verursacht durch bombastisch zelebrierte Naturkatastrophen oder heimtückische Invasionen extraterrestrischer Lebensformen. Ob man nun an Roland Emmerichs ausufernde Zerstörungswut wie in „Independence Day“ und „2012“ denkt, an Steven Spielbergs „Krieg der Welten“-Interpretation oder das Comic-Spektakel „Marvel's The Avengers“, der die Kinosäle im letzten Jahr gehörig zum Beben brachte - Die Zeichen stehen in allen Fällen in Richtung Apokalypse, der sich nur ein paar dahergelaufene US-Amerikaner (oder eben egomanische Superhelden) entgegenstellen können.  Mit „Das ist das Ende“ wird dem Sujet nun eine neue Facette zugesprochen, denn wie man es sich bei dem Kanadier Seth Rogen und seinem Compagnon Evan Goldberg vorstellen kann, sind das Ziel hier nicht beeindruckende CGI-Bilder, sondern das Erschüttern des Zwerchfelles.


Seth und Jay trauen ihren Augen nicht
Sollte man Fan von Seth Rogen und Evan Goldberg sein, die bereits in den Highlights „Beim ersten Mal“, „Superbad“ und
Ananas Express“ auf unterschiedliche Weise kollaborierten, dann erweist sich natürlich die Begutachtung der Beteiligten von „Das ist das Ende“ als reinsten Festmahl, gerade auch dann, wenn man sich vom Humor eines Judd Apatow, dem letzten Könner der amerikanischen Kino-Comedy, ebenfalls angesprochen fühlt. „Das ist das Ende“ ist ein auf Zelluloid gebanntes Treffen der (Film-)Buddies, die sich nicht nur vor der Kamera des Öfteren über den Weg laufen, sondern sich auch im sagenumwobenen Real Life hin und wieder die Hände schütteln. Da wären die alten Bekannten wie Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Jay Baruchel, Danny McBrige und Craig Robinson – Sie alle gehören zum Stamm eines Judd Apatow. In „Das ist das Ende“ dienen ihre Figuren jedoch keiner fiktiven Kreation, sondern die gesamte Sippe bleibt ihrem Namen treu und jeder einzelne spielt in ganz eigener Art und Weise sein Alter Ego, während Kurzauftritte von Michael Cera, Emma Watson, Paul Rudd, Rihanna oder Channing Tatum die Suppe zusätzlich salzen.


Schon im Jahre 2007 hatten Seth Rogen und Jay Baruchel in ihrem Kurzfilm „Seth and Jay vs the Apocalypse“ gegen das Ende gekämpft und darauf gehofft, einen hochkarätigen Interessenten für den Stoff zu finden, um ihn als Leinwandaktration zu vermarkten. Durch Rogens enormen Aufstieg in der Filmwelt und der ihm inzwischen angeheftete Status eines Superstars, war es nun an der Zeit, die Zügel zusammen mit Evan Goldberg selbst in die Hand zu nehmen. Wer von „Das ist das Ende“ nun ein wirklich ernstzunehmendes Weltuntergangsszenario erwartet, das sogar noch den Anspruch einer Charakter-Studie innerhalb es Lagerkollers  hegt, der hat wohl nur wirklich wenig Ahnung davon, für welche Art von Film der Name Seth Rogen in Wirklichkeit steht. Obgleich es hier – gerade im letzten Drittel – immer wieder zu actiongeladenen Sequenzen kommt, liegt der Schwerpunkt natürlich auf den humoristischen (=niveaulosen) Keilereien der Truppe, die sich immer irgendwie gegenseitig ausstechen wollen, aus Angst nicht selber ins Gras beißen zu müssen.


In Unterhosen überlebt es sich besser
Wenn sich die Männer aber für kurze Zeit mal einig werden und sich nachts gemeinsam eine Schlafparzelle teilen, um vorher noch zu diskutieren, ob man denn nun in Löffelchenstellung einschlafen sollte oder doch lieber Po an Po, dann evoziert „Das ist das Ende“ einen leichten homoerotischen Tonus, der zwar ohne Frage nie den eigentlichen Ernst seiner Lage torpediert  oder dem Zuschauer einen neuen Blick auf die Charakteren erlaubt, dennoch erscheinen diese Szene zuweilen deutlich gefühlvoller und in sich stimmiger, als es das Team vorher wohl geplant hätte – Ganz zu schweigen vom Einsatz des Whitney Houston Schlagers „I will always love you“. Geht es um das zentrale Qualitätsmerkmal, die Gagdichte und der Spaßpegel, erweist sich „Das ist das Ende“ doch als laues Lüftchen innerhalb des Schaffens aller Beteiligten, auch wenn die Idee eines kollektiven Überlebenskampf durch die Augen postpubertärer Prominenter durchaus seinen Reiz hat – allerdings nur von temporärer Natur.


Selbstreferenziell wird das eigene Image persifliert und in der typischen Manier eines Seth Rogen durch den obszönen Kakao gezogen, doch wer hier wirklich ein anarchisches Vergnügen erwartet, in dem die innovativen Gags dominieren, der wird gnadenlos enttäuscht und mit hängenden Schultern niedergeschlagenen den Kinosaal verlassen. Soviel offensichtliche Freude das Team auch an den Dreharbeiten gehabt hat, „Das ist das Ende“ ist viel zu handzahm geworden und suhlt sich letztlich ohne jeden Esprit in abgestandenen Sperma- und Penisplattitüden. Was aber nicht heißen soll, dass „Das ist das Ende“ gar keine Treffer ins Humorzentrum seines Publikums landen würde, nur sind es nie die großen, aufgeblähten Knaller, sondern die Nebensächlichkeiten, die wirklich spontan und ungeniert erheitern können. Aber auch die Schauspieler unterliegen letzten Endes ihrer Selbstgefälligkeit, denn wo zum Glück die (vulgäre) Selbstironie in Ehren gehalten wird, ist „Das ist das Ende“ dann eben doch nur ordinäres Schaulaufen durch die alteingesessenen Konventionen. Irgendwo bleibt es sympathisch, aber nicht frei von den spaßhemmenden Manierismen der maskulinen Diven.


Partytime! Denn 5 Punkte sind besser als 4
Fazit: Natürlich ist „Das ist das Ende“ bis zu einem gewissen Punkt ein spaßiges Unterfangen, vor allem für Fans der Judd Apatow und Evan Goldberg Filmfamilie. Doch die Gagdichte lässt deutlich zu wünschen übrig und während die angepeilten Lacher nicht so recht für Schenkelklopfer sorgen wollen, sind es eher Kleinigkeiten, die hier wirklich amüsieren, nur um das Ruder wirklich rumzureißen einfach zu spärlich auftreten. Letztlich ist „Das ist das Ende“ kein Totalausfall und in seinem postpubertären Rahmen ein sympathisches Weltuntergangsfilmchen, doch eine herbe Enttäuschung ist es dennoch, was Seth Rogen und seine Buddies hier fabriziert haben.


5 von 10 verklebten Pornoheften


von souli