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Review: THE VISIT – Oma und Opa geht es gut, sie sind eben alt und waren früher Hippies...

1 Kommentar:



Fakten:
The Visit
US, 2015. Regie & Buch: M. Night Shyamalan. Mit: Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Deanna
Dunagan, Peter McRobbie, Kathryn Hahn, Benjamin Kanes u.a. Länge: 94 Minuten. FSK:
Freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. Februar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das Geschwister-Paar Rebecca und Tyler reist für eine Woche zu ihren Großeltern. Da sich
ihre Mutter vor langer Zeit mit diesen verkracht hatte, haben Oma und Opa ihre Enkelkinder noch nie gesehen. Der Aufenthalt verläuft zunächst warmherzig und friedlich, doch schon bald merken die Geschwister, dass hier etwas nicht stimmt.





Meinung:
M. Night Shyamalan meldet sich mit einem neuen Film zurück. Für viele mag diese Aussage erstmal wie eine Warnung erscheinen. Zu stark hat der Filmemacher, der einst als Wunderkind oder sogar der nächste Steven Spielberg gehandelt wurde, nach seiner Twist- Ikone "The Sixth Sense" mit jedem nachfolgenden Film immer mehr Leute enttäuscht. Viele betrachten ihn mittlerweile nur noch als Parodie seiner selbst sowie belächelnswerten Regisseur grundsätzlich missratener Machwerke. Für "The Visit" dürfte Shyamalan nun so ziemlich alles egal gewesen sein. Der Regisseur drehte den Streifen zunächst unter Geheimhaltung und ohne jegliche Studio-Unterstützung durch Finanzierung aus eigener Tasche. Entstanden ist hierdurch ein Werk, mit dem Shyamalan jegliche Erwartungen endgültig niederschmettert und völlig übergeschnappt zu sein scheint.


Unser Autor Pat muss auch mal gelobt werden
Übergeschnappt allerdings im positiven Sinne, denn genau durch dieses Befreien von Studio-Zwängen und an ihn gestellte Forderungen wirkt der Film so frisch, ungezwungen sowie originell und dürfte daher das gelungenste Shyamalan-Werk seit längerer Zeit sein. Am auffälligsten sind die tonalen Brüche innerhalb des Geschehens. Die Handlung rund um das Geschwister-Pärchen Rebecca und Tyler, das für eine Woche zu den Großeltern reist, die ihre Enkelkinder noch nie sehen durften aufgrund des gespannten Verhältnisses zur Mutter der beiden, springt bereits früh zwischen albernen Comedy-Einlagen und wohligem Unbehagen hin und her. Da wäre beispielsweise Tyler, ein vorlauter Bengel, der sich selbst für einen aufstrebenden Rap-Star hält und bei jeder sich ihm anbietenden Gelegenheit einen unglaublich ulkigen Freestyle vom Stapel lässt, selbst wenn sich dieser um Kuchen dreht. Der Aufenthalt bei den Großeltern, liebevoll "Nana" und "Pop Pop" genannt, entwickelt sich allerdings schnell zur gruseligen Geisterbahnfahrt, denn auf die strikte Bettruhe ab halb 10 folgen schnell bizarre Ereignisse. Als Nana nachts nackt an der Wand kratzt oder Pop Pop in der Scheune sein Gewehr in den Mund steckt, weil er dieses doch bloß reinigen wollte, wird den Geschwistern früh klar, dass hier etwas nicht stimmt.


Wer "Psycho" kennt, könnte hier vielleicht im Vorteil sein
Was wirklich dahinter steckt, wird hier natürlich nicht verraten und von Shyamalan selbst in genüsslich verdrehter Weise aufgedeckt, doch es ist der absurde Weg, den der Regisseur beschreitet, welcher das Hauptereignis von "The Visit" darstellt. Man merkt Shyamalan und den Darstellern zu jedem Zeitpunkt an, wie viel Spaß sie bei der Produktion hatten. Dabei schlägt der Streifen unentwegt Haken zwischen alberner Komödie, ernstzunehmendem Psycho-Drama, heftigem Terror-Schocker sowie schlichtweg bizarrer Groteske. Wie schon in seinem unfreiwillig komischen Öko-Mystery-Thriller "The Happening" von 2008 gibt es hier sehr viel zu lachen, doch diesmal setzt Shyamalan ganz bewusst darauf, dass der Zuschauer mit ihm und seinem Film lacht, und keineswegs über ihn. Dabei rast der Regisseur bewusst durch die verschiedensten Stimmungslagen, während der Betrachter zwischen ungläubigem Staunen, herzhaftem Lachen und sattem Erschrecken gebannt wird. Shyamalan setzt zwar überwiegend auf subtilen Grusel und herrlich kuriose Elemente, die gewiss eine Rückkehr zu den früheren Wurzeln des Inders markieren, doch spätestens im völlig überzogenen Schlussakt dreht der Regisseur alle Regler auf Anschlag und setzt zum Frontalangriff auf die Nerven sowie den guten Geschmack an.


"The Visit" ist vermutlich einer der originellsten, unerwartetsten Horror-Späße des Jahres und zeigt einen M. Night Shyamalan, der endlich wieder sichtliche Freude an seinem Beruf gefunden zu haben scheint und mit kleineren Budgets merklich besser beraten ist.


7 von 10 Yahtzee-Spielrunden


von Pat

Review: DAS MÄDCHEN AUS DEM WASSER – Sinnbestimmung im phantastischen Wohnblock

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Fakten:
Das Mädchen aus dem Wasser (Lady in the Water)
USA. 2006. Regie und Buch: M. Night Shyamalan.
Mit: Paul Giamatti, Bryce Dallas Howard, Bob Balaban, Jeffrey Wright, M. Night Shyamalan, Freddy Rodriguez, Jared Harris, Bill Irwin, Sarita Choudhury, Noah Gray-Cabey u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Clevland Heep verdient sein Geld als Hausmeister einer Wohnanlage. Im Swimmingpool dieser entdeckt er eines Tages eine junge Frau, die scheinbar ertrinkt. Er rettet sie und erfährt von ihr, dass sie eine Art Nymphe ist, die von gefährlichen, wolfsartigen Wesen verfolgt wird.





Meinung:
M. Night Shyamalan hat in seinen Filmen noch nie etwas dem reinen Zufall überlassen – Jedenfalls nicht hinter der Kamera. Jedes Detail wurde wissentlich in den Verlauf des Geschehens intendiert, um dann später noch seinen rechtmäßigen Platz im Vexierspiel des Shyamalans einzunehmen: In ihrer salbungsvollen Semantik jedenfalls, also schlicht für sich genommen, sind die Werke des Inders nie wirklich unangenehm aufgefallen, dafür ist der Mann ein einfach viel zu findiger Handwerker, der schon in seinem Opus magnum „The Sixth Sense“ wusste, wie man eine symbiotische Verbindung aus Narration und Form kreiert. Man könnte jedoch sagen, dass es gerade sein großes Sahnestück war, welches ihn in eine Nische drückte, aus der sich nicht mehr herausbewegen konnte. Das Publikum erwartete einen Knalleffekt, der dem Film zum Ende seinen überwältigenden, charakteristischen Stempel aufdrücken wird und genau diesen Zeichen, Andeutungen und Zwischentönen einen großen Sinn verleiht. Spätestens aber nach „The Village“ wurde man müde, auf den staubigen Pfaden Shyamalans zu wandeln, zu abgenutzt schien sein Schema, obgleich er sich als Meister des Reduktion auftat, der Genre-Paradigma in sich zerfallen ließ und dadurch torpedieren konnte.


Cleveland und seine Nymphe
Nichtsdestotrotz musste etwas Neues her, eine filmische Horizonterweiterung, die nicht mehr länger in den üblichen Mustern zu treiben schien. Wieso also nicht ein originäres Märchen modellieren? Für M. Night Shyamalan, der nicht umsonst einen gewissen Steven Spielberg zu seinen Vorbildern zählt, war das eigentlich gar kein uninteressanter Schritt, immerhin beherrschte es M. Night Shyamalan immer ziemlich gut, eine Geschichte nach motivischen Regeln zu dechiffrieren, auch wenn informale Schlaglöcher oftmals nicht zu vermeiden waren. Interessant wäre es deshalb schon gewesen zu sehen, wie Shyamalan seine ganz eigene phantastische Welt innerhalb unserer Realität entwirft und von dem Kinderzimmer seiner Töchter auf die großen Leinwände projiziert. Mit seiner Kreativität, einem Budget von 70 Million Dollar, und einem Cast, der von dem großartigen Mimen Paul Giamatti angeführt wird, hätte das doch eine kleine Renaissance im Schaffen des ewigen Wunderkindes Hollywood werden können. Nach der Konsumierung von „Das Mädchen aus dem Wasser“ darf man jedoch ruhigen Gewissens resümieren, dass der gute Shyamalan dieses kostspielige Projekt doch besser nie in die Tat umgesetzt hätte.


Die bösen Scrunt haben was gegen Nymphen
Mit der relativ plakativen Symbolik in ihrer Gut-gegen-Böse-Dialektik innerhalb der Werke Shyamalans hat man inzwischen gelernt umzugehen. Und „Das Mädchen aus dem Wasser“ erstickt auch gewiss nicht an seiner esoterischen Penetranz, mit der Shyamalan einen mittelprächtige Wohnblock durchflutet und die Bewohner zur multikulturellen Gilde formt, in der jeder Charakter seiner ganz eigener Bestimmung folgen muss – Nicht nur für sich, sondern für das Wohle der gesamten Erdbevölkerung. Darüber hinaus gibt sich Shyamalan ebenfalls nicht die Blöße, sein träges Märchen als selbstreflexives Kino anzulegen, in dem er nicht nur durch dem Fabelwesen Narf (Bryce Dallas Howard) den Namen „Story“ gibt, auch ein Filmkritiker (Bob Balaban) darf den Schema der Erzählung zynisch deuten und an jener Vorhersehbarkeit krepieren. Das „Fremde“ bricht ein in die Normalität des Blocks, reißt sie aus ihrer Zurückgezogenheit heraus und frönt in dieser Herausforderung das Motiv der Selbstfindung. „Das Mädchen aus dem Wasser“ aber funktioniert weder als handelsübliches Märchen, noch kann er auf der Metaebene dem Ganzen irgendeinen Reiz verleihen.


In Wahrheit ist „Das Mädchen aus dem Wasser“ ein desaströser Egotrip, in dem sich der Regisseur und Autor nicht nur selbst zum erlösenden Märtyrer stilisiert, sein zwanghaft selbstreflexiver und von Esoterik verquarzter Duktus ist derart verzerrt-salbungsvoll, dass der Film kaum in der Lage dazu ist, den Zuschauer – und damit sind auch seine Kinder gemeint, für die er dieses verschwurbelte Debakel verbrochen hat - irgendwie unterhalten zu können: Der Anfang vom endgültigen Ende Shyamalans.


2,5 von 10 durchtrainierten Körperhälften


von souli

Review: THE SIXTH SENSE – Die Akzeptanz des Todes

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Fakten:
The Sixth Sense
USA. 1999. Regie und Buch: M. Night Shyamalan. Mit: Bruce Willis, Haley Joel Osment, Toni Collette, Olvia Williams, Mischa Barton, Donnie Wahlberg, Trevor Morgan, Greg Wood, Angelica Tom, Bruce Norris u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kinderpsychologe Dr. Crowe übernimmt den Fall des 9jährigen Cole, der sich seit einiger Zeit immer auffälliger verhält. Langsam gewinnt Crowe das Vertrauen des Jungen und dieser verrät ihm sein Geheimnis: er kann tote Menschen sehen.





Meinung:
Jeder, egal ob Cineast, Filmgeek oder doch Gelegenheitsglotzer, kam irgendwann schon einmal in Berührung mit M. Night Shyamalans „The Sixth Sense“. Damit ist auch gar nicht gemeint, dass man Shyamalans großen Durchbruch auch wirklich gesehen hat, vielmehr sind es die Wellen, die dieser Film seiner Zeit ausgelöst hat und wohl bis an jede Haustür gepeitscht sind: Irgendwie schien es so, als hätte dieser indische Filmemacher einen Weg gefunden, das Publikum in den Kinosesseln mal wieder so richtig zu überraschen und zu schockieren, in dem er ihre Perzeption in Frage stellte, ohne sie aber gezielt auf eine falsche Fährte locken zu wollen: Hollywood hatte ein neues Wunderkind in seine Obhut genommen und die allgemeinen Lobeshymnen kannten ab sofort keinen Stillstand oder Verhältnismäßigkeit mehr - „The Sixth Sense“, die Revolution des Psycho-Dramas. Man sollte sich – wie immer – eine gewisse Differenziertheit bewahren, bekommt man es mit einem Werk dieser Fasson zu tun, welches im Vorfeld bereits durch die höchsten Höhen der Kinematographie gehypt wurde. Fakt ist dennoch, dass Shyamalan einen wirklich verdammt starken Film ohne erkennbares Verfallsdatum inszeniert hat.


Cole und Dr. Crowe
Beeindruckend ist M. Night Shyamalans ungeheures Gespür für Atmosphäre und obwohl „The Sixth Sense“ erst seine zweite Arbeit darstellte, ist sie formal so durchkomponiert, dass man durchaus annehmen könnte, ein Meister der alten Schule hätte hier wieder die Zügel in die Hand genommen. Die Kameraarbeit von James Tak Fujimoto nimmt zumeist die Rolle des Beobachters, des Analysten ein, in dem sie sich vor das Geschehen stellt und die Worte aufsaugt und zu kategorisieren versucht, um durch ihre Distanz letztlich den Zugang zum Innenleben der Protagonisten zu ermöglichen: Stilistik als verdeckter Inhalt? Nicht ganz. Der reduzierte Schnitt, die zuweilen ungemein starre Kameraarbeit und natürlich James Newton Howards fantastischer Score mit seinen feinen Streichern und dem impulsiven Orchester sind die intensivierende Unterstützung der rhythmischen Narration – So wie es sich für einen guten Film nun mal auch geziemt. Man mag M. Night Shyamalan eine konservative Ägide vorwerfen, genaugenommen ist „The Sixth Sense“ aber ein Ausdruck konkreter Rückbesinnung auf effektive Tugenden. Denn die Technik spricht nicht für sich, sondern zeigt sich als funktionales Gerüst der inhaltlichen Tiefe.


Warum es in „The Sixth Sense“ wirklich dreht, wird erst im Laufe der Zeit wirklich sicht-bar, denn wo der verstörte, introvertierte Cole in den Fokus gerückt wird, dient seine Figur hingegen nach und nach als Projektionsfläche des Themenspektrums: Spirituelle, philosophische und auch zutiefst menschliche Aspekte gehen einher mit transzendenten Erfahrungen, mit dem, was wir fühlen, was uns um Erfahrungen reicher macht, wir aber rational unmöglich in Worte fassen können. „The Sixth Sense“ ist sowohl sensibilisierter Diskurs über das Leben nach dem Tod, wie auch psychologisches Seelendrama über die Zurückweisung desillusionierter Familienkonstrukte und der Angst vor der Enttäuschung Gottes und seiner Hilflosigkeit im Angesicht überirdischer Todesängste. Dabei beschreitet Shyamalan immer genau die Pfade, die die Handlung voranbringen, ohne sich in purer Effekthascherei oder genretypischen Gewaltexzessen zu suhlen: Der Horror entsteht hier im Kopf, und dieser Horror fungiert nicht als eigenständiger Gegenstand, sondern nur über die Sinne Coles, der lernen muss, dass nur er die Möglichkeit dazu hat, sich mit den Toten zu arrangieren, in dem auch er seine Sterblichkeit akzeptiert.


8 von 10 Brillen ohne Gläser


von souli

Review: AFTER EARTH - Die fragwürdige Gefühlskontrolle im Kampf ums Überleben

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Fakten:
After Earth
USA. 2013. Regie: M. Night Shyamalan. Buch: M. Night Shyamalan, Gary Whitta, Will Smith. Mit:  Jaden Smith, Will Smith, Zoë Kravitz, Sophie Okonedo, Glenn Morshower, Kristofer Hivju, Chris Gere, Isabelle Fuhrman u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Ab 17. 10. 2013 auf DVD und Blu-ray.


Story:
Nach einer Bruchlandung finden sich der junge Kadett Kitai Raige und sein Vater und kommandierender Offizier Cypher als einzige Überlebende einer Weltraummission auf einem fremden und lebensfeindlichen Planeten wieder – der Erde. Doch um Hilfe zu rufen ist aussichtslos, es sei denn Kitai gelingt es sich durch 100 Kilometer dichten Dschungel zu schlagen und ein Signal abzusetzen während der schwer verletzte Cypher im Wrack bleibt und ihn durch die Wildnis lotst. Dabei muss sich der Teenager nicht nur der gefährlichen Umwelt stellen, sondern auch aus dem langen Schatten seines Vaters treten.




Meinung:
Wer erinnert sich nicht an die ohrenbetäubenden Lobgesänge auf den indischen Filmemacher M. Night Shyamalan im Jahre 1999. Mit „The Sixth Sense“ war er verantwortlich für einen subtilen und wirklich gelungenen Psycho-Thriller, dessen schockierender Endtwist nicht nur zu den meistparodiertesten Szenen der Filmgeschichte gehört, sondern auch Haley Joel Osments legendäres Geständnis „I see dead people“ ist bereits ein eingebranntes Zitat im Kopf der Cineasten. Zwei Oscarnominierungen standen am Ende für das ernannte Wunderkind Shyamalan zur Verfügung, die Türen Hollywoods wurden ihm bis zum Anschlag aufgerissen und er konnte die künstlerische Freiheit genießen, von der weitaus talentierte Regisseure bis heute nur träumen dürfen. Doch Shyamalans Höhenflug sollte nicht von Dauer sein und seine kennzeichnenden Storywendungen wurden ihm schon bald zum Verhängnis, genau wie sich immer deutlicher abzeichnete, dass der Möchtegern-Autorenfilmer wenig von Schauspielführung und substantiellen wie opportunen Gedankengängen hält.



Kitai (Jaden Smith) sammelt Kraft
Stattdessen wurde der Zuschauer abermals für dumm verkauft, musste sich durch gähnend langweilige Szenerien prügeln und bekam im schlimmsten Fall noch eine religiöse Moralkeule über den Schädel gezogen. Das Ergebnis davon war ein kommerzieller Misserfolg nach dem anderen und die belächelnde Missachtung von Kritikern und Publikum. Wenn eine eigentlich hoffnungsvolle Karriere schlussendlich in ihre Einzelteile zerfallen ist, greift man als Betroffener natürlich nach jedem Strohholm und verrät bereitwillig seine eigenen Ansprüche und Standpunkte. Es ist daher auch rein gar nicht verwunderlich, dass sich Shyamalan auf dem Regiestuhl für einen Sci-Fi-Blockbuster wie „After Earth“ wiederfindet, denn seine Meinung interessiert in der Traumfabrik schon lange niemanden mehr und die obligatorischen Auftragswerke könnten mit Glück tatsächlich zurück in die alte Spur führen. In Falle von Shyamalan setzt ihm die Smith-Family-Produktion nun aber das frugale I-Tüpfelchen auf die vollends zerstörte Karriere.



Cypher (Will Smith) hat vergessen, was Angst bedeutet
Wenn man ganz ehrlich ist, dann war bereits nach der Ankündigung des Streifens klar, dass es keinem der Verantwortlichen hier um das Erreichen einer hochwertigen filmischen Qualität geht, die auch in Zukunft noch ein Wörtchen in den vorgeschriebenen Bestenlisten mitzureden hat. Sieht man sich die Namen auf den verschiedenen Positionen an, dann geht einem schnell ein Lichtlein auf: Während die Story von Will Smith persönlich stammt, waren für die Produktion Jada Pinkett Smith und Caleeb Pinkett verantwortlich, um schließlich Sprössling Jaden Smith die ganz große Bühne zu ermöglichen. Eine Familienproduktion samt Nepotismus in lächerlicher Reinform. Dabei trifft es Jaden Smith ganz besonders hart, denn ihm wurde hier DIE tragende Rolle aufs Auge gedrückt, die er unmöglich meistern kann.  Um im Stande zu sein, einen derartigen Film nahezu allein zu tragen, braucht man nicht nur Talent, sondern auch Charisma. Jaden Smith besitzt von beidem wenig bis gar nichts und stottert als Rangeranwärter Kitai ausdruckslos durch das Geschehen, während Papi Will als ehrfürchtiger General Cypher beinahe den gesamten Film mit gebrochenen Beinen im Raumschiffwrack vor sich hinvegetiert.


Schaut man sich einen Sci-Film an, in dem die Menschheit seit einem schweren Unglück gezwungen wurde, die Erde zu verlassen und auf dem Wüstenplaneten Nova Prime ein neues Zuhause zu finden, dann erwartet man doch vordergründig ein Handlungsgerüst, auf dem sich die kommende Geschichte weitestgehend – mehr oder weniger plausibel – aufbauen kann und durchaus einige tiefgängigen Emotionsfacetten erlaubt. Dabei erweisen sich die Charaktere als vollkommen leere Abziehbildchen, in der die militärische Denkweise immer vor der familiären Verbundenheit steht. Sind Vater Cypher und Sohnemann Kitai aber erst mal auf der verfremdeten Erde gestrandet, nimmt auch hier das Unheil seinen unausweichlichen Lauf. Dabei liegt das größte Problem einfach bei den Charakteren, die sich auch nach dem Absturz nicht verändern, unsympathische Schablonen bleiben und maximal zwei Gesichtsregungen im Repertoire haben. Fehlt der empathische Zugang, bleibt alles distanziert und langweilig. „After Earth“ ist dafür ein Paradebeispiel.



Unangenehme Zeitgenossen warten auf Kitai
Wer nun seine Hoffnungen auf bildgewaltige Montagen der Flora und Fauna der gefährlichen Erde legt, der wird enttäuscht, erweisen sich die kalibrierten Kompositionen doch nur als aufgeblasen und austauschbar, ohne jedes einprägsame Merkmal – ganz zu schweigen von ihrer scientologischen Symbolik. Und wo das Thema Scientology nun angesprochen wurde, lässt sich die informale Kohärenz zur Psychosekte einfach nicht verleugnen. Allein der Werbespruch „Danger is real - Fear is a choice“ kann kein zufälliges Leitmotiv sein, schließlich reflektiert dieser Satz das ideologische Konzept der Scientologen und lässt die Gefühlsverdrängung mit der geistigen Befreiung verschmelzen. Von Scientology-Propaganda zu sprechen wäre vielleicht etwas zu harsch formuliert, schließlich sind die Versatzstücke des Helden, der seine Angst überwinden und sich gegen Regeln widersetzen muss, um sie letztlich selbst nur huldigen, bereits normal in den Genresphären. Von ungefähr kommen diese Bezüge aber ganz sicher nicht.


Wenn wir uns dann aber auch von den Charakteren, den Scientology-Anleihen und den mäßig packenden Fotografien abwenden und uns nur auf die Narration und Inszenierung des eigentlichen Überlebenskampfes von Kitai fokussieren, dann stehen wir auch in diesem Fall mit leeren Händen da. Das elegische Tempo der höhepunktlosen Erzählungen verdeutlicht Shyamalans Desinteresse an Sci-Fi-Blockbustern mit eindringlicher Deutlichkeit und die vorherrschende Emotionsleere kann sich dank der eindimensionalen Charakterisierung im Generationskonflikt problemlos auf die energielose Vorführung legen. Die wiederkehrenden Flashbacks wirken dazu – genau wie die verkrampft-stoischen Gespräche zwischen Vater und Sohn - einfach nur unfreiwillig komisch und brechen den eh schon schläfrigen Erzählfluss bis nahe an den Nullpunkt runter. „After Earth“ ist unbedeutendes Geseiere, ohne jede philosophische oder zwischenmenschliche Substanz. Und als wäre das nicht schon genug, erwartet den Zuschauer noch eine plakative Öko-Botschaft, die dem grauenhaften Machwerk den mehr als passenden Stempel aufdrückt. Kino zum Vergessen.


2 von 10 Überforderten Kindersoldaten


von souli