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Review: WISH I WAS HERE – Jetzt sei doch endlich du selbst

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Fakten:
Wish I Was Here
USA. 2014. Regie: Zach Braff. Buch: Adam J. Braff, Zach Braff.
Mit: Zach Braff, Kate Hudson, Joey King, Mandy Patinkin, Josh Gad, Jim Parsons, Ashley Greene, Donald Faison, Pierce Gagnon, James Avery u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: noch keine Freigabe erhalten. Ab 26. März 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

 

Story:
Aiden (Zach Braff) arbeitet als Schauspieler in Los Angeles, hat aber schon seit Jahren keinen größeren Erfolg mehr vorweisen können. Gemeinsam mit seiner Frau Sarah (Kate Hudson) und seinen Kindern Grace (Joey King) und Tucker (Pierce Gagnon) kommt er nur knapp über die Runden. Die Rechnung für die teure Privatschule zahlt sein Vater Saul (Mandy Patinkin). Als ihn eines Tages die Nachricht vom bevorstehenden Krebs-Tod seines Vaters erreicht, droht Aiden endgültig den Halt zu verlieren.





Meinung:
Wieviel Feelgood-Soße kann ein Mensch vertragen, bis ihm die Galle hochkommt? Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Zach Braff wagt 10 Jahre nach seinem Regiedebüt 'GARDEN STATE' in die Richtung einen riskanten Versuch, der sogar mit Hilfe von Kickstarter-Kohle finanziert werden musste, auch wenn die Hälfte vom Budget schon im Sack war. Was aus den insgesamt 6 Millionen Dollar herauszuholen war, ist gar nicht mal so unbeachtlich: technisch ist alles angenehm, professionell und glatt, der Cast bietet fast durch die Bank weg einige mehr oder weniger bekannte und gut aufspielende Gesichter und die Abwechslung in den Settings ist vom Aufwand her auch nicht zu verachten, ein paar CGI-Effekte gibt es ebenso zu verbuchen. Für diese positiven Elemente muss man aber einen Film in Kauf nehmen, der seine Themen so hart und schmalzig auf die Nase und Tränendrüse drückt, dass man ihm am Liebsten in die Fresse schlagen möchte: Erfülle deine Träume! Werde stark durch deine Familie! Finde dich selbst! Sei ein Individuum! Sei aber auch gläubig! Wir sind alle sehr traurig (Original-Zitat)! Ich habe Angst! Sterben ist nicht schlimm! Wiedergutmachung! Schicksal, Karma, Liebe, Für-Sich-Selbst-Einstehen, etc., etc., etc.

 
Bitte lächeln fürs Familienalbum
Alle diese pathetischen Lebensweisheiten werden anfangs mit einer forcierten Schlagfertigkeit vorgetragen, welche den potenziellen Humor jener formelhaften Dramödie schon schnell als gestelzte Wahrhaftigkeit ausweist, bis dann allmählich jeder Charakter wie durch das Umlegen eines Schalters angesichts des nahenden Verlustes geradezu wie ein Mantra die umliegenden Broschüren verinnerlicht, sein inneres Ich findet, spirituellen Einklang in Glückskeks-Phrasen mit nachdenklichem Blick zu den Sternen verteilt und sich in Werbespot-Zeitlupen dem drollig-pseudoliberalen Spießerleben Marke 'Tut das, was ihr wollt' hingibt - ALLE MAL LACHEN, SIND WIR NICHT GLÜCKLICH?! Natürlich im launigen Wechselspiel mit tränenreicher Abschiedsstimmung, bei dem Braff im Gegenzug seinem Quasi-Autisten-Nerd-Bruder Josh Gad ironischer Weise immer Vorwürfe macht, dass er u.a. im Augenblick gerade woanders ist und sein persönliches Ding durchzieht - UNSER VATER LIEGT IM STERBEN UND DU BIST NICHT DA!!! - aber selber dauernd Ausflüge mit seinen homeschooled Kindern machen. Ganz schlimme, heuchlerische Arschloch-Selbstgefälligkeit ad maximum. Und dennoch tut der Film durchweg so lieb, so übermäßig-clever im Dialog, so lebensbejahend, so randvoll mit profunden, gleich-klingenden Indie-Balladen, die das Herz erwärmen sollen, dass man das kalte Kotzen kriegt.


Für jede Lebenslage die richtige Perücke
Und wenn das nicht schon genug wäre, biedert sich Braff auf der bestialisch-einlullenden Quest nach Sympathie (siehe auch Elmyra aus TINY TOONS) gleichsam an das Klischee-beladene Bild seiner vielen Supporter an, lässt seine Charaktere triviale Star-Trek- und Burger-Maskottchen-Fakten aufzählen, bettelt um Nostalgie mit Referenzen an Mr. Miyagi und Clips aus LeVar Burtons 'READING RAINBOW' (dessen Neuauflage ebenso erfolgreich durch Kickstarter finanziert wurde, wie es der Zufall so will) und huldigt der Geek-Kultur mit einer Rekreation des Comic-Con-Events, bei dem ein Furry-Meetcute mit einer zornigen Ashley Greene vom Anfang des Films knapp gegen Ende nochmal aufgegriffen wird, indem sie sich ohne Weiteres von Josh Gad im Spaceman-Anzug von hinten knallen lässt. Aber keine Sorge wegen irgendeiner möglichen Misogynie! Oh nein, man nehme zum Beispiel Kate Hudson - die lässt sich als supporting wife die Avancen ihres sleazigen Bürokollegen nicht gefallen, da darf Braff schließlich sogar noch ihre Ehre mit einer mutigen Konfrontation verteidigen, woraufhin der böse Mann sogar seinen Job verliert. Und siehe da: aus ihrer Uneinigkeit, was sie mit ihrem Leben anfangen soll (siehe jeden anderen Charakter im Film), wächst letztendlich die Freude am Surfen! Und auch Braffs Tochter Joey King löst sich von den indoktrinierten Regeln der früheren Privatschule ab und wird ganz sie selbst, lernt schwimmen! (Wasser = Symbol der Freiheit und so).


Ach, was sage ich da - JEDER wird er selbst und alle kommen zusammen im Angesicht des langsam am Krebs sterbenden Vaters, lernen dabei Versöhnung, den Sinn des Lebens und werden glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Für jeden Topf gibt es nun mal einen Deckel, für jeden konstruierten Gag eine künstliche Träne, für jedes Gefühl einen aufgeblasenen Song, für jeden Sonnenstrahl ein Lächeln, für jede Ungehobeltheit eine Respekterweisung, für jeden Film dieser Art eine schon längst ausgeschöpfte Formel. Das Leben ist schön, wir lieben uns, Glück und Weisheit für alle: die wohl räudigste und beleidigenste Filmerfahrung des Jahres.


2 von 10 individuellen Perücken


vom Witte

Review: WHITE HOUSE DOWN - Es kracht in Washington D.C.

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Fakten:
White House Down
USA. 2013. Regie: Roland Emmerich. Buch: James Vanderbilt. Mit: Channing Tatum, Jaime Foxx, Maggie Gyllenhaal, Joey King, Jason Clarke, James Woods, Richard Jenkins, Jimmi Simpson, Nicholas Wright, Rachel Lafevre, Lance Reddick, Michael Murphy, Matt Craven, Jake Weber, Kevin Rankin, Barbara Williams, Anthony Lemke, Garcelle Beauvis, Falk Hentschel, Kyle Gatehouse, Peter Jacobson, Jackie Geary u.a. Länge: 131 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 9. Januar 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Cop John dachte, es wird ein ganz normales Vorstellungsgespräch für einen Posten als Bodyguard. Doch zum einen ist ein Vorstellunggespräch im Weißen Haus niemals eine gewöhnliche Angelegenheit und zum anderen wird er Zeuge wie eine schwerbewaffnete Einheit das Weiße Haus zu einem Kriegsschauplatz verwandelt. Für John beginnen gefährliche Stunden, in denen er nicht nur zum Schützer des Präsidenten James W. Swayer wird, sondern auch noch seine elfjährige Tochter, die ihm zum Vorstellungsgespräch begleitet hatte, retten muss.




Meinung:
Roland Emmerich war Zeit seiner Karriere immer dafür bekannt, inzwischen ist er dafür in gewisser Weise natürlich auch gebrandmarkt, denn sein Ausflug in historische Gefilde mit „Anonymous“ war nie mehr als ein laues Lüftchen, seine künstlerische Befriedigung darin zu finden, möglichst viele Lokalisationen mit kultureller und politischer Bewandtnis zu pulverisieren. Ob Alien-Invasion oder brachialer Naturkatastrophe, Emmerich, unser schwäbischer Spielbergle, hatte trotz seiner gerne revolutionären Anwendung von CGI-Effekten immer das Problem, dass ihm der falsche Nationalstolz ins amerikanische Exil viel zu sehr in Herz gewandert ist. Soll heißen, auch wenn es schon zu genüge wiederholt und erwähnt wurde: Emmerich möchte amerikanischer sein, als die echten Amerikaner. Sein aufgesetzter Patriotismus zerstört das Sehvergnügen, denn von intentionaler Ernsthaftigkeit konnte der Regisseur ja noch nie Gebrauch machen, entweder stumpf und laut oder gar nichts.


Sawyer bekommt wohl keinen Friedensnobelpreis mehr
Es sollte bis ins Jahre 2013 dauern, in dem sich Roland Emmerich endlich auf diesen profitablen Kompromiss eingelassen hat – Allerdings auch nicht mit letzter Konsequenz, was seinen Terroristen-Klopper „White House Down“ eben auch davon abhält, ein wirklich guter Film zu sein. Aber, und das ist ein großes Aber, Emmerich beweist über weite Strecken genau den Humor, den sein großer Klassiker „Independence Day“ nur als Scheinbild angab, um seinen Patrioten möglichst viel Sympathie einzuflößen. In Wahrheit aber hatten nur die an traditionellen Werten klammernde Bevölkerung aus den Vereinigten Staaten ihren Spaß an diesem dämlichen Sci-Fi-Reißer, auch wenn wir uns vor Augen halten müssen, dass wir uns in einem Genre befinden, in dem die Kriterien, die am Realismus des Szenarios und den visualisierten Handlungen haften, eher milde ausfallen durften. „Independence Day“ scheiterte letztlich an diesem unsäglich pathetischen Überdruss von patriotischem Heroismus. Genau diesem erdrückenden Defizit geht „White House Down“ aus dem Weg, jedenfalls in kategorischer Dominanz.


Mit plastischen Charakterzeichnungen hatten es die Drehbücher zu einem Emmerich-Film ja nun auch noch nie, genau wie es eine These bleibt, dass seine Filme eine wirkliche Botschaft haben – Dafür fehlen nun einfach die Indizien. Es zählt der Unterhaltungsfaktor, der dem Zuschauer mal erlaubt sich nicht auf Einzelheiten und ineinandergreifende Handlungsebenen zu konzentrieren; Emmerich möchte sein Publikum mit Schauwerten (über-)sättigen und anhand distinguierter und vollkommen schematischer Helden von Explosion zu Erdbeben führen. In „White House Down“ geht diese Rechnung auch zum ersten Mal auf und es ist auch noch ausgerechnet der sonst so hölzern agierende Frauenschwarm Channing Tatum, dem sich der Rezipient im Kampf gegen die Terroristen bereitwillig anschließt, ohne durch überzogene Coolness oder unsympathische Charakteristiken dazu genötigt wird, sich doch eher den Bösewichtern des Films anzuschließen. Tatum bekam mit John Cale eine Figur zugesprochen, die auch zuweilen eine Karikatur auf das eigene Image des Schönlings ist, aber das Tatum ja durchaus Humor besitzt und sich auch mal komplett zum Affen macht, hat er ja schon in Seth Rogens Endzeit-Party „Das ist das Ende“ bewiesen.


Dieser Cale ist ein Normalo, irgendwie bodenständig, zwar mit Fähigkeiten gesegnet, die bei brenzligen Handgreiflichkeiten durchaus förderlich sein können, aber er will auch nur ein guter, von seiner Tochter angehimmelter Vater sein und sich irgendwie durchs Leben schlagen. Wenn dann James Foxx als Präsident James Sawyer als zweiter großer Leading-Anker auftritt, dann beweist Tatum, dass er eben nur wirklich gut funktionieren kann, wenn er einen Schauspieler an seiner Seite hat, der ihm die nötigen Bälle zuspielt, man denke nur an „21 Jump Street“; als alleiniger Frontmann ist er hingegen nahezu unbrauchbar. Man darf hier keine Meisterleistungen erwarten und die fordert Emmerich auch nicht, zu keiner Zeit, versierte Empathie ist nicht nötig, man muss den Charakteren einzig und allein gerne durch das – in diesem Fall – unterjochte Weiße Haus folgen. Und dies schaffen Jamie Foxx und Channing Tatum mühelos.


Amerikanische Renovierungsmaßnahmen
Was „White House Down“ also locker über den Emmerich-Standard à la „The Day After Tomorrow“ und „2012“ hebt, ist die Tatsache, dass der Regisseur sich hier mal nicht auf einer plumpen Effekte-Schlacht ausruht – keine Frage, wenn das Repräsentantenhaus in sich stürzt, dann ist das famos anzusehen und großartig in Szene gesetzt – sondern einen in seinen besten Momenten fast altmodisch wirkenden Action-Film inszeniert. Dabei ist es vor allem der selbstironische Ton, den das Drehbuch immer wieder einlenkt und die Lage nie als bierernstes Stilisieren von dem immensen Wert des amerikanischen Nationalstolzes verkauft, in dem alles und jeder getötet werden darf, der nicht nach den Regeln des Weißen Hauses tanzt - „Olympus Has Fallen“ lässt grüßen. „White House Down“ macht wirklich viel Spaß, ist hin und wieder wohlig selbstreferenziell und kann seine sauberen Schläge- und Schießereien fortwährend unterhaltsam verhökern. Ganz von seinen nationalistischen Manierismen lösen kann sich Emmerich aber nicht und wenn mit wehender Präsidentenflagge auf dem Vorhof des Weißen Hauses in Zeitlupe auf die Knie gefallen wird, dann wirkt das beinahe konterkariert zu den luftigen Referenzen im Präsidentenwohnsitz.


Hätte sich der Film diese gelegentlichen Ausreißer gespart und die üppige Laufzeit von 130 Minuten auf gut 20 Minuten weniger gestrafft, dann hätte „White House Down“ das Zeug zum Action-Highlight des Jahres gehabt, denn Emmerich weiß genau, wie er es krachen lassen kann – wenn auch in diesem Fall nur mit Fäusten und Feuerwaffen und nicht mit Riesenwellen und gigantischen Tornados. Von daher darf sich „White House Down“ zu den Überraschungen des Kinojahres zählen, auch wenn doch etwas Wehmut mitschwingt, denn hier wäre eben doch einiges mehr drin gewesen, für zwischendurch ist Emmerichs neuster Streich allerdings allemal geeignet.


5 von 10 Präsidenten mit Panzerfäusten


von souli


Review: DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ - Wenn Technik wahre Magie übertrumpft

2 Kommentare:


Fakten:
Die fantastische Welt von Oz (Oz – The Great and Powerful)
USA. 2013. Regie: Sam Raimi. Buch: Mitchel Kapner, David Lindsay.Abaire. L. Frank Baum (Vorlage). Mit: James Franco, Michelle Williams, Rachel Wesiz, Mila Kunis, Zach Braff, Joey King, Tony Cox, Bill Cobbs, Bruce Campbell, Abigail Spencer u.a. Länge: 129 Minuten. Auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Berufsmagier Oscar Diggs arbeitet für einen Wanderzirkus und verzaubert sein Publikum mit seinen Tricks und Illusionen. Leider hat er eine Schwäche für schöne Frauen und bekommt deswegen den Zorn eines wütenden Ehemanns zu spüren. Oscar flieht mit einem Heißlustballon und gerät in einen Wirbelsturm, der ihn direkt in die magische Welt von Oz befördert. Hier wird er bereits sehnlich erwartet, denn laut einer alten Prophezeiung soll er das Land vor der bösen Hexe retten.





Meinung:
Das Zauberland Oz, von 1900 bis 1920 erdacht und verfasst von Autor L. Frank Baum, ist wohl das amerikanische Märchen schlechthin. In mehreren Büchern fing Baum seine Zauberwelt ein und dank des Filmklassikers „Der zauberhafte Land“ und Judy Garlans Evergreen „Somewhere ober the Rainbow“ ist das Reich von lebenden Vogelscheuchen, ängstlichen Löwen und bösen Hexen auch hierzulande bekannt, wenn auch nicht mit dem gleichen Umfang wie in den USA. Sam Raimi, der einst mit Filmen wie „Tanz der Teufel“ die Zensoren heraufbeschwor und später mit „Spider-Man“ bewies, dass Superhelden viel Geld in die Kinokasse spülen können, inszenierte nun ein farbenprächtiges Fantasy-Spektakel und erklärt dem geneigten Publikum wie der große Zauberer überhaupt nach Oz kam.


Erklärt Oscar einer Puppe wie man trampt?
James Franco spielt diesen Zauberer auf eingängige Weise und dass dieser eigentlich so gar keine heldenhaften Züge hat und lieber mit Lug, Betrug und Schmeichelei seinen Weg geht, macht bereits zu Beginn deutlich, dass in „Die fantastische Welt von Oz“ nicht die Stärke, sondern der Intellekt einen Heden formt und so vollzieht sich die allmähliche Wandlung vom selbstüberschätzten Illusionisten hin zum Retter von Oz ohne sonderliche, charakterliche Überraschungen. Aber gut, Sam Raimi ist klar auf unkomplizierte Familienunterhaltung aus. Dennoch ist „Die fantastische Welt von Oz“ immer dann am stärksten, wenn Raimi Gefahr und Unheil auf die bunte Welt loslässt. Ausflüge in dunkle Wälder, die Wandlung von etwas Gutem in etwas Böses und die Demaskierung versteckter Gefahren sind unglaublich eindringlich eingefangen und könnte bei dem einen oder anderen jüngeren Zuschauer durchaus für den einen oder anderen Schreck sorgen. Aber Raimi lässt immer die Farben überwiegen. Auch wenn manche grausigen Visagen erstaunliche Ähnlichkeiten mit Raimis Fluch-Horror „Drag me to hell“ haben, so versteht er es doch die magische Welt nie zu einem Ort ohne Hoffnungen zu machen. Hier gibt es für alles eine Lösung und jede Gefahr, wie groß sie auch sein mag, kann überwunden werden. Das ist liebenswert gemeint und leidet gewiss nicht an der erzählerischen Herzlichkeit, sonder an der Technik, denn „Die fantastische Welt von Oz“ erweist sich trotz Affen mit Flügeln, lebender Porzellanpuppen und singender Zwerge als wenig magischer Ort.


Hüte haben im Zauberland von Oz gerade Konjunktur
Das größte Problem was „Die fantastische Welt von Oz“ hat ist sein Look. Die bunten Farben prallen mit voller Kraft gehen den Sehnerv und sättigen das Verlangen nach Kolorit, welches durch die ersten 20 Minuten, die uns Raimi in stimmungsvoller schwarzweiß und 4:3-Optik verbringen lässt, geschürt wurde. Doch diese Zauberwelt Oz präsentiert sich zu unnatürlich. Unnatürlich in der Hinsicht, dass alles zwar perfekt geformt und ausgefüllt ist, es aber niemals die eigene Ausstrahlung kühler, computeranimierter Bilder loswird. Egal wie warm die Sonne über gigantische Glockenblumen strahlt, die gelbe Ziegelsteinstraße sich ihren Weg durch üppiges Grün bahnt und Goldschätze ganze Räume ausfüllen, das alles wirkt zu artifiziell. Das Gefühl etwas magisches, etwas unerklärliches zu erleben bleibt damit fast vollkommen aus. Somit erklärt „Die fantastische Welt von Oz“ nicht nur innerhalb der Filmhandlung Technik zur wahren Magie, sondern auch inszenatorisch. Es hat schon etwas erschreckendes, dass aus einer Vorlage, die die Macht der eigenen Vorstellung feiert, nun in ein aufgedonnertes Abenteuer verwandelt wurde, welches aussagt, dass es scheinbar keine Grenzen gibt, dieses Zeugnis aber in Form einer bunt-technisierten Ausstrahlung gleichzeitig widerlegt.


„Die fantastische Welt von Oz“ scheitert leider daran den Zauber von Oz einzufangen. Den Darstellern, die sichtbar Spaß mit ihren Rollen hatten, ist zu verdanken, dass Sam Raimis so farbenprächtige wie starre Technikdemonstration aber noch in empathischen Bereichen funktioniert und somit dem ähnlich gelagerten und enttäuschenden "Alice im Wunderland" von Tim Burton überragt. Wer sich wirklich verzaubern lassen will, der sollte zu „Das zauberhafte Land“ (1939) oder „Oz – Eine fantastische Welt“ (1985) greifen.


4 von 10 fliegenden Pavianen