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Review: SPRING - LOVE IS A MONSTER - Unsterblich verliebt

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Fakten:
Spring – Love is a Monster (Spring)
USA, 2014. Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead. Buch: Justin Benson. Mit: Lou Taylor Pucci, Nadia Hilker, Francesco Carnelutti, Jeremy Gardner, Shane Brady, Vinny Curan, Augie Duke, Holly Hawkins u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 8.10.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach dem Tod seiner Mutter und dem Verlust seines Jobs zieht es den orientierungslosen Amerikaner Evan nach Italien. Dort lernt er die mysteriöse Schönheit Louise kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Sie scheint auch ihm sehr zugetan zu sein, nach einer Liebesnacht geht sie jedoch wieder auf Distanz. Evan lässt nicht locker und erobert langsam das Herz seiner Traumfrau, die jedoch ein dunkles Geheimnis hat…


                                                                                 

Meinung:
Gott sein Dank gibt es immer mal wieder solche Filme wie „Spring – Love is a Monster“, die das optimistische Fischen im trüben Genrebecken ab und an belohnen. Dabei entzieht er sich eigentlich jeder konkreten Genreklassifizierung, kreiert mutig und selbstbewusst sein ganz eigenes Gebräu, das mit Sicherheit nicht jedem schmecken wird und eine generelle Empfehlung ungemein schwierig macht. Oft sind es genau diese Filme, die dann aus der Masse herausstechen, wenn sie denn für das Individuum funktionieren.


Zu schön, um wahr zu sein?
Justin Benson und Aaron Moorhead liefern bei ihrem zweiten, abendfüllenden Spielfilm nach „Resolution“ (2012) und ihrem Segment zu „V/H/S: Viral (2014) eine ungewöhnliche Mixtur aus Horrorfilm, Beziehungsdrama und hoffnungslos romantischen Liebesfilm ab, der sich lange nicht direkt in die Karten gucken lässt und durch seine bewusst langsame Erzählweise das Risiko in Kauf nimmt, etliche, weniger aufgeschlossene Zuschauer mit einer ganz klaren Erwartungshaltung schon frühzeitig zu verlieren. Dabei dürfte es sich letztlich aber auch nicht um das Publikum handeln, der dieses kreative Kleinod entsprechend zu würdigen weiß. Schon lange bevor man ohne Vorkenntnisse auch nur die blasseste Ahnung haben könnte, in welche Richtung sich „Spring – Love is a Monster“ noch entwickeln wird, zeichnet ihn schon ein hohes Maß an behutsamer Charakterzeichnung und Plotentwicklung aus, die in dieser Form nun mal ihre Zeit erfordern. Die wird sich genommen, ohne dadurch in Monotonie oder Belanglosigkeit zu verfallen. Langsam? Ja. Langweilig? Nie. Viel zu schnell ist man interessiert an dieser vom Schicksal gebeutelten Person Evan (hervorragend: Lou Taylor Pucci, „Evil Dead“), dessen spontane Reise nach Italien eher den Charakter einer Flucht oder noch mehr einer von seinem Innersten getriebenen Suche hat – nur weiß er selbst noch nicht, wonach. Bis er es oder besser sie schließlich unverhofft gefunden hat, in Form von Louise (hinreißend: Die Münchnerin Nadia Hilker, die internationale Karriere kann kommen).


Morgen: Dringend das Bad putzen!
Zwei einsame Seelen finden sich vor traumhafter Kulisse, der Stoff, aus dem die Schnulzen sind. Doch nun beschreitet „Spring – Love is a Monster“ einen unkonventionellen und lange rätselhaften Weg, der seine Boy-meets-Girl-Story mit einer grob vergleichbaren Mischung aus „Under the Skin“ und „Katzenmenschen“, inklusive bizarren Horror- und Creature-Elemente im Stile von H.B. Lovecraft durchbricht, und trotzdem nicht endgültig in einem reinrassigen Genrebeitrag verläuft. Es ist nur ein (natürlich nicht unwesentlicher) Baustein in dem Gebäude aus sanften Melancholie, knisternder Romantik (die Chemie zwischen Pucci und Hilker ist stimmiger und echter als in den meisten, klassischen Liebesfilmen), einem feinen, nie unpassendem Humor, Tragödie und schlussendlich sogar einer gehörigen Portion Kitsch, was sonst oft alles zum Einsturz bringen kann. Die Kunst von Benson & Moorhead liegt exakt in dieser schwierigen Balance, jedes Element zuzulassen und ihm einen Platz im gesamten Konstrukt zu geben, ohne dass es dadurch Risse bekommt. Gegen Ende fühlt man sich fast sogar wie bei „Ariell, die Meerjungfrau“ bzw. „Splash – Jungfrau am Haken“, was die anderen Aspekte nicht zwangsläufig verdrängt. Der einzige, echte Kritikpunkt ist die zu frühe bzw. die generell komplette Lüftung des faszinierenden Geheimnisses, was den Film auf den letzten Metern ein gesundes Maß an Unklarheit und jeden Interpretationsspielraum nimmt, was ihn garantiert noch reizvoller gemacht hätte.


Dadurch kommt „Spring – Love is a Monster“ am Ende vielleicht doch noch ganz leicht dem konventionellen Publikum entgegen, dass bis dahin allerdings schon längst nicht mehr zugegen sein sollte. Er wird rührseliger, beruft sich auf ganz klassische Motive, aber selbst die fügen sich wunderbar in das Gesamtbild ein. Kann Liebe das Monster besiegen und gibt es eine Liebe, für die man bereit ist zu sterben, irgendwann? Ein wunderschöner Abschluss für ein wunderschönes, in atemberaubender Bildsprache vorgetragenes Horror-Märchen, dem selbst die Kitschkeule nicht schadet, sie macht den Deckel drauf. Es ist halt immer die Frage, wie einem das verkauft wird und unter welchen Bedingungen es man serviert bekommt. So bitte mehr davon.

7,5 von 10 toten Kaninchen

Review: FAHRRADDIEBE - Jagd der Abhängigkeit

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Fakten:
Fahrraddiebe (Ladri di biciclette)
Italien. 1948. Regie: Vittorio de Sica. Buch: Cesare Zavattini, Adolfo Franci, Geraldo Guerrieri, Suso Cecchi D’Amico, Vittorio de Sica, Luigi Bartolini (Vorlage). Mit: Lamberto Maggiorano, Enzo Staiola, Lianella Carell, Gino Saltamerenda, Giulio Chiari u.a.. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-Ray (Import) erhältlich.


Story:
Im Rom der Nachkriegszeit sucht Antonio Ricci, ein Mann aus ärmsten Verhältnissen und Vater von zwei Kindern, verzweifelt nach Arbeit. Mit einer neuen Anstellung als Plakatankleber könnte er seine Familie ernähren. Sie gerät jedoch gleich am ersten Arbeitstag in Gefahr, als ihm sein Fahrrad gestohlen wird, das er für diese Arbeit unbedingt braucht. Von der Polizei erfährt er keine Unterstützung. Mit seinem kleinen Sohn Bruno macht er sich auf die Suche nach dem Fahrraddieb.





Meinung:
Ein Film, in dem jedoch fernab gängiger Filmrealität gegen alle Widerstände im Leben konsequent verloren wird - wie es nun mal meist eher der Fall ist. Diese Pionierleistung des Neorealismus zeigt aber auch, dass man Im Leiden zumindest nicht alleine bleibt, selbst wenn man die vertrautesten Mitmenschen im Drang zum rettenden Glück hetzt, Hoffnungen sowie Ideale des Überlebens willen enttäuscht und als Illusion offenbart. Wie soll man aber auch als Einzelner kleine wie große Schwierigkeiten überleben, wenn schon Kleinigkeiten alles aufs Spiel setzen und die Voraussetzungen fürs komplexe Ganze von oben sabotieren? Wo dann auch das gesamte Umfeld mit derselben Erfahrung vertraut ist und sich ebenso geballt als verschlissene Menschlichkeit abgefunden hat? Hilfsbereitschaft weicht da dem Eigennutz oder dem gängigen "Da kann man leider nichts machen." - nicht gerade aus gleichgültigem Egoismus, sondern aufgrund von mehr oder weniger abgeklärten Stadien der Angst und Abgebrühtheit innerhalb der gesellschaftlichen Erfahrung.


Vater und Sohn sind verzweifelt
Das braucht sich als Strom an urbanen Bürgern nicht weiter erklären, selbst wenn der herzensgute und etwas naive Plakatierer Antonio (Lamberto Maggiorani) so leidenschaftlich sein Fahrrad sucht, mit dem sich erst Beruf und Lebensunterhalt für die Familie bewerkstelligen lassen. Der eventuelle Klau, den man im erdrückend stilisierten Nachkriegs-Rom ohnehin mit Anspannung erwarten muss, führt sodann zu einer Reise des Frusts, bei dem auch Sohn Bruno (Enzo Staiola) mit ansehen muss, wie sein Vater in der Verzweiflung durchgehend abgewiesen wird. Kollegen und Polizei versuchen da noch die Unterstützung, sehen aber auch schnell die Aussichtslosigkeit des Unternehmens ein, weil das Verschwinden als eines von vielen schnell im Strom der Gesamtmisere "Leben" untergeht. Aufgeben ist dennoch keine Option, wohl aber eher, weil man keine andere Wahl hat. Es ist ja nicht so, dass Vater und Sohn keine Lebhaftigkeit mehr vorweisen können - immerhin versuchen sie, zu vergessen und den Tag noch so gut es geht angenehm zu verleben, auch wenn dieser mehr von der Sehnsucht des Findens getrieben wird als von der Unbedarftheit, die man sich im Ansatz ausgedacht hatte, bis alles wieder niedergeschmettert wurde.


Regisseur Vittorio De Sica unterstreicht dies anfangs vielleicht etwas zu eindeutig emotionalisierend, weist mit festem Schwarzweiß und melodramatischer Musikpräsenz das soziale Mitleid aus. Später findet er darin dennoch eine ehrlich beobachtende Leichtigkeit und auch Euphorie, die mit Spannung die Entspannung erwarten möchten und in der Erkundung vieler Wege beinahe Abenteuerlust erzeugen; Hoffnung sowieso. Letztendlich stellt sich die Gestaltung aber der letzten Konsequenz, die im Alltag für Außenstehende als trivial empfunden werden müsste, hier aber als Verinnerlichung eines persönliches Schicksals herzzerbrechende Empathie erzeugt. Deshalb ist die eher pessimistische Ausgangslage des Films auch kein nüchternes oder gar zynisches Urteil über den Zustand der Welt geworden, sondern ein Hilferuf, der die Einsicht humanistischer Gemeinsamkeit illustriert und nachfühlen lässt - selbst wenn diese auch in antagonistischer Funktion bei verschiedenen Gesellschaftsgruppen wirken muss. Jeder für sich und Gott gegen alle.


7,5 von 10 verpassten Arbeitsplätzen


vom Witte

Review: DER TALENTIERTE MR. RIPLEY - Ein abgebrühtes Babyface

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Fakten:
Der talentierte Mr. Ripley (The Talented Mr. Ripley)
USA, 1999. Regie: Anthony Minghella. Buch: Anthony Minghella, Patricia Highsmith (Vorlage). Mit: Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Sergio Rubini, Philip Baker Hall, Celia Weston, Stefania Rocca u.a. Länge: 139 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Tom Ripley ist mittellos, dafür äußerst talentiert. Auf dem Gebiet der Täuschung. Durch eine Verwechslung kommt er an einen lukrativen Job: Der reiche Geschäftsmann Greenleaf beauftragt ihn, in Italien dessen Sohn Dickie aufzuspüren, den er fälschlicherweise für einen alten Collegefreund von Ripley hält. Für 1000 Dollar plus Spesen soll er ihn überreden, sein Lotterleben dort aufzugeben und endlich in die Heimat zurückzukehren. In Italien angekommen kann Tom sich tatsächlich mit Dickie und dessen Freundin Marge anfreunden, gesteht ihnen sogar schnell seinen Auftrag und gibt fortan mit Dickie das Geld seines Vaters mit vollen Händen aus. Doch bald schon kommt es zu Spannungen. Tom soll wieder in die USA zurück, dabei hat er sich schon längst nicht nur mit Dickie angefreundet, er identifiziert sich bereits mit ihm. Will sein Leben, alles, bedingungslos. Bei einer Bootstour kommt es zum Streit. Nur Tom kommt wieder an Land und muss nun ein Geflecht aus Lügen aufrechterhalten…





                                                                                       

Meinung:
Bereits 1960 erschien mit „Nur die Sonne war Zeuge“ eine französische Adaption des Romans „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith. Unter der Regie von Réne Clément schlüpft der damals international noch relativ unbekannte Alain Delon in die Rolle des gewieften Betrügers Tom Ripley, der eigentlich einen verwöhnten Millionärssohn davon überzeugen soll, seinen ausschweifenden Müßiggang unter der italienischen Sonne aufzugeben und endlich nach Hause zurückzukehren, stattdessen sich mit ihm anfreundet und auf Kosten des Familienoberhaupts das Dolce Vita genießt. Bis seine Mission abgeblasen, der Geldhahn abgedreht wird, Ripley sich in die Verlobte seines Freundes verguckt und beschließt, den Konkurrenten verschwinden zu lassen, um dessen Identität anzunehmen.


Auf lange Sicht ist hier jemand überflüssig...
Diese fast 40 Jahre später gedrehte Version von Anthony Minghella („Der englische Patient“) soll eindeutig nicht als Remake des zum Klassiker gewordenen und heute noch fantastischen Thrillers von Clément verstanden werden. Vielmehr wagt sich Minghella an eine neue Verfilmung der Romanvorlage, geht diese ganz anders an und erlaubt sich einige künstlerische Freiheiten in Bezug auf die Werktreue. Dennoch bleibt es logischerweise kaum aus, bei Kenntnis beider filmischer Umsetzungen sie miteinander zu vergleichen. Nicht in der üblichen Original/Remake-Gegenüberstellung, in der das Remake von vornherein schon mal mit schlechteren Karten spielt, sondern in ihrer Art den Stoff zu interpretieren. Rein formal lässt sich über Minghellas elegante, formvollendete Inszenierung kaum ein schlechtes Wort verlieren. Sein Film schmiegt sich an den Zuschauer wie ein maßgeschneiderter Anzug. In erlesenen Bildern und mit einem behutsamen Händchen baut er deutlich ausführlicher als Clément seiner Zeit die Handlung auf. Um es an Fakten zu markieren: Die damalige Eröffnungsszene gibt es auch bei Minghella…nach gut 35 Minuten! Bis dahin betreibt der Mann keine Zeitverschwendung, sondern nutzt den üppigen Vorlauf um die Figuren und ihre Beziehung zueinander zu festigen. Vor malerischer Postkartenkulisse erleben wir, wie der höfliche, etwas unsichere, milchgesichtige, dennoch offensichtlich mit allen Wassern gewaschene Überlebenskünstler Tom Ripley sich das Vertrauen des Lebemannes Dickie Greenleaf erschleicht.


Die Party ist vorbei, es muss Tacheles gesprochen werden.
Gegensätzlicher könnten sie kaum sein. Greenleaf ist ein braungebrannter, charismatischer Playboy. Ein Partylöwe und Schürzenjäger, dem die Welt nicht nur aufgrund seines Wohlstandes, sondern auch wegen seines sich kaum zu entziehenden Charmes zu Füßen liegt. Jeder sonnt sich gerne im Schatten seiner fast magischen Ausstrahlung. Auch Ripley. Ein käseweißer, aschfahler, unauffälliger Kerl mit hässlicher Cordjacke und dicker Buchhalterbrille. Schnell gelingt es ihm, sich in das Leben des Berufssohns zu schummeln, sich wie ein Parasit an ihm festzusaugen und von seinem Glanz zu zehren. Minghella beschreibt diesen Prozess in einem bedächtigen, jedoch nicht lähmenden Tempo detailliert und lässt bereits durchblitzen, dass Ripley mehr sein will als „nur“ ein guter Freund. Durchaus spannend, sogar (oder vielleicht ganz besonders) wenn einem der weitere Handlungsverlauf bekannt sein mag. Sogar ein (weder im Roman noch in der ersten Verfilmung vorhandener) homoerotischer Unterton wird suggeriert, der das Ganze noch etwas undurchsichtiger, eigenständiger macht und an sich gar kein uninteressanter Ansatz ist. Dank dieses ausgiebigen, individuellen Prologs schafft sich „Der talentierte Mr. Ripley“ bis dahin eine ganz klare Daseinsberechtigung und lässt gespannt darauf werden, wie sich der deutlich um psychologische Muster bemühte Aufbau entwickeln wird. Minghella will viel (Neues) aus dem Stoff herausholen, sehr löblich, nur stolpert er ausgerechnet dann über seine guten Vorsätze, als der Plot richtig ins Rollen kommt und sich wieder deutlicher „Nur die Sonne war Zeuge“ annähert.


Erkennt sich Ripley nicht mehr wieder?
Während Delon und sein Ripley eindeutig als gerissener, eiskalter Mörder und Identitätsdieb angelegt war, stolpert der hier von Matt Damon verkörperte Ripley eher unfreiwillig durch das Geschehen, handelt im Affekt und reagiert nur fast reflexartig mit einer durchtriebenen Hinterlist, die ihn selbst oft erschrecken zu scheint. Natürlich erzeugt auch das eine gewisse Spannung, allerdings lange nicht so packend und intensiv. Nicht nur die Figur des Ripley, auch das Skript mutet nun oft unsicher an, lässt seinen „Helden“ immer mal wieder anders, wechselhaft auftreten. Mal panisch, hektisch und bald bemitleidenswert, dann wieder skrupellos und erstaunlich überlegt. Ambivalenz ist in solchen Filmen zwar eigentlich eine schöne Sache, nur bleibt dieser Ripley für den Zuschauer die ganze Zeit über zu wenig greifbar, in seinem Handeln zu wenig konsequent, eigenartig-unangenehm (im negativen Sinne) fremd. Was will er, was soll er sein? Der vorher bemühte, psychologische Aspekt erfährt keine schlüssige Fortführung. Zumindest nicht in dem Maß, wie es erforderlich wäre. Dazu kommt ein Matt Damon, der diese – zugegeben, nicht einfache – Rolle nicht richtig zu stemmen vermag. Man könnte annehmen, er käme gerade von der eigenen Konfirmation und wurde in die Klamotten seines großen Bruders gesteckt. Zu selten lässt er irgendetwas aufblitzen, was ihn in seiner Rolle außergewöhnlich macht, ihr diese entscheidenden Konturen verleihen kann, zu denen auch das Skript nicht recht in der Lage ist. Das ist nicht dankbar, aber machbar. Zudem wird er auch noch von den Nebendarstellern locker überflügelt. Speziell Jud Law als Dickie Greenleaf und Philip Seymour Hoffman in einer sogar recht kleinen Rolle stehlen Damon alle gemeinsamen Szenen.


Die sich nun aufstauenden Kritikpunkte sind bedauerlich, denn die Geschichte ist nach wie vor enorm faszinierend wie im Kern großartig, die technische Umsetzung exzellent und – das muss man Minghella lassen – das Ende ist deutlich besser als damals bei Clément. Wie das aussieht und aussah, wird selbstverständlich nicht verraten. Man wird somit noch ganz versöhnlich aus „Der talentierte Mr. Ripley“ entlassen, der sicherlich auch insgesamt kein schlechter Film ist, sich jedoch eindeutig am eigenen Anspruch verhebt und besonders daran scheitert, dass es schon eine „einfachere“, in den wesentlichen Dingen (bis auf das Ende) jedoch deutlich bessere Verfilmung gibt, gegen die er nun mal keine Chance hat. Ihn sogar unnötig macht, ganz hart formuliert. 

5,5 von 10 gefälschten Unterschriften.

Review: MALIZIA - EIN MALIZIÖSES VERGNÜGEN - Eine nötige Zersetzung der Coming-Of-Age-Romantisierung

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Fakten:
Malizia – Ein maliziöses Vergnügen
Italien. 1973. Regie und Buch: Salvatore Samperi. Mit: Laura Antonelli, Turi Ferro, Alessandro Momo, Tina Aumont, Pino Caruso, Angela Luce, Stefano Amato, Grazia Di Marzà, Massimiliano Filoni u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Die hübsche Angela tritt ihre Dienste als Hausmädchen beim Witwer Don Ignazio an. Schnell sorgt die junge Frau für Spannungen zwischen dem Hausherren und seinem ältesten Sohn Nino. Als Ignazio Angela einen Heiratsantrag macht, verlangt diese das Einverständnis seiner Söhne.





Meinung:
Eine recht wohlhabende Familie mit 3 Söhnen verliert ihre Mutter. Schnell wird jedoch klar, dass die für diesen Anlass natürliche Trauer kaum vorhanden ist, die Beerdigung als überhastete Pflicht über die Bühne gebracht wird und nicht mal Fliegen von der Nase der Verstorbenen verscheucht werden, schließlich hat der betroffene Witwer eine abergläubische Furcht vor seiner Frau über den Tod hinaus, dass ihr Geist über dem Haus wachen könnte, obwohl er sich doch so dringlich und endlich frei von der zugeknöpften Hausherrin ein neues, weibliches Abenteuer anlachen will.

 
Angela mag keine langen Röcke. Ob sie Unterwäsche wohl mag?
Schließlich ergeht es unserem schon arg pubertierenden Jungsgespann genauso hormonversessen, allen voran dem ca. 15-jährigen Nino, der sich allmählich für Frauen bzw. deren körperliche Reize interessiert und sich schon auf der Rückfahrt von der Beerdigung an den Schenkeln einer drallen Tante vergreift, welche offenbar nix dagegen hat und ihn des Öfteren im Verlauf des Films zu sich einlädt. Aber sein wahres Objekt der Begierde tritt sodann das Erbe der Mutter an: das neue Dienstmädchen Angela (Laura Antonelli), welches mit seiner überbordenden Weiblichkeit den abgestumpften Herren des Haushaltes komplett den Kopf verdreht, auch wenn sie das selbst gar nicht so wahrnimmt. Schließlich buhlen die Buben und der Vater um ihre Anerkennung und um ihren Körper, glotzen durchs Schlüsselloch und schauen unter ihren Rock, sobald sie auf die Leiter steigt. Unseren Nino trifft es am Härtesten und so entfacht sich in ihm die rücksichtslose Lust, angetrieben durch das Macho-Geprotze auf dem Schulhof, sie zu erobern. Doch sein Vater will ihm zuvorkommen und Angela heiraten, was sie wiederum leicht widerwillig akzeptiert, da sie als Dienerin, sprich 'untere Person', zu gehorchen hat. Doch Nino will sie für sich allein und manipuliert ihren Einstand in die Familie so, dass sie beinahe niemals als Nachfolgerin der Mutter akzeptiert werden kann - ein Umstand, den nur noch der Priester, ein Freund des Vaters, zu brechen vermag.


Sorgt für Trouble: Angela
Doch hinter den Kulissen wird Angela klar, welchem herrischen Scheusal sie jetzt unterworfen ist: Nino, der pubertierende Forschsüchtige, der seine perfiden Spielchen mit ihr treibt und sie schließlich so zum Beischlaf verführen/erpressen will. MALIZIA ist ein recht kunstvoller Taumel der Leidenschaft, erhebt sich genüsslich in der fiebrigen Spannung des mediterranen Temperaments und seines ambivalent-katholischen Glaubensritus, konstruiert allerdings auch einen bitteren und abtrünnigen Abstieg in die Obsession, deren Opfer die unschuldige Angela wird. Unterstützt von einer außerordentlich schönen Kameraarbeit und Musikuntermalung gestaltet Regisseur Salvatore Samperi dieses erotische Szenario als tiefschwarze, diabolische Komödie und entlarvt naive Coming-Of-Age-Fantasien als tyrannische Chauvinismus-Farce. So macht er den Zuschauer auch zeitweilig zum freiwilligen Voyeur der holden Weiblichkeit und lässt uns mit dem noch unbelasteten Nino identifizieren - man wünscht ihm, dass er seine große Liebe Angela erobern darf, ähnlich wie in Tornatore's 'Der Zauber von Malèna'. Doch je ärger er sich um dieses Unterfangen bemüht, erkennen wir seine hässliche und manipulative Fratze, hat er es doch nur darauf abgesehen, in sie einzudringen und zu unterwerfen. Wir sehen sie dazu im Gegenschnitt immer stärker leiden, im erbitterten Widerwillen führt sie schließlich das aus, was man von ihr verlangt, dass sie schon zu einer Hure degradiert wird.


Das sitzt, vor allem beim männlichen Zuschauer. Da möchte man nämlich am Liebsten der armen Angela aushelfen und sie wie einen echten Menschen behandeln. Schließlich endet dort alles sowohl im unterschwelligen Wahnsinn, als auch oberflächlich in der konservativen Fesselung an eine fast vollends verkommene Familie. Armes Ding - und beinahe schon ein unverhältnismäßig fieser Film, der mir mit seinem Handling auch nicht sofort zusprach, weil ich glaubte ein zwar schön gestaltetes, aber äußerst chauvinistisch-masochistisches Werk gesehen zu haben. Aber da ich und der Film den kleinen Nino am Ende als schockierend-selbstgefälliges Monster gesehen haben, dass mit psychischer Gewalt an sein Ziel kam und infolgedessen so abgebrüht ist, dass es kaum noch lieben kann, waren die Linien klar gezogen. Und dennoch, das muss ich schon zugeben und dabei wie das Männer-Schwein aussehen, welches ich garantiert in mir habe: die Antonelli nackt zu sehen, ist an sich eigentlich nicht wirklich was Verkehrtes. Aber es ist nun mal falsch, wenn man sie dazu zwingen muss. Lasst euch das eine Lehre sein.


7 von 10 reizvollen Schlüssellöchern


vom Witte