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Review: STRAIGHT OUTTA COMPTON – Vom Ghetto in die Charts

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Fakten:
Straight Outta Compton
USA. 2015. Regie: F. Gary Gray.
Buch: Alan Wenkins, Andrea Berloff, S. Leigh Savidge, Jonathan Herman. Mit: O'Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Neil Brown Jr., Aldis Hodge, Carra Patterson, Alexandra Shipp, Paul Giamatti, Elena Goode, Keith Powers, Joshua Brockington, Sheldon A. Smith, Cleavon McClendon, Aeriél Miranda, Lisa Renee Pitts, Angela Elayne Gibbs u.a. Länge: 147 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 14. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mitte der 80er Jahre ist Compton, gelegen am Stadtrand von L.A., einer der gefährlichsten Orte der USA. Die Hauptstadt der Gangs mit der höchsten Kriminalitätsrate des Landes prägt fünf junge Männer nachhaltig. Sie beginnen, ihre bitteren Erfahrungen in radikal ehrlicher Musik zu verarbeiten. In ihren Texten rebellieren sie gegen den brutalen Alltag, die Polizeiwillkür und ihre scheinbar aussichtslose Lage. Mit dem Album Straight Outta Compton geben N.W.A. (Niggaz Wit Attitudes) einer unterdrückten Generation eine explosive Stimme und einen neuen Sound, die das Land und die gesamte Musikindustrie bis heute nachhaltig aufmischen.





Meinung:
Ihre Songs lassen sich heute wunderbar als grimmige Zeitkapseln rezipieren: Vielleicht nicht das, was man gemeinhin als komplex bezeichnen würde, aber mit entsprechender Wut im Bauch auf jene Missstände aufmerksam machen, die die Hip-Hop-Combo N.W.A. in ihren aktiven Jahren wirklich bewegt hat. Wer sich etwas mit der Geschichte des Gangsta-Rap vertraut gemacht hat, der kommt um die Niggaz Wit Attitudes und ihren famosen Aufstieg natürlich nicht herum; und den perfekten Filmstoff hat das Leben auch schon parat gelegt: Eine Handvoll Ghettokids spielt sich an die Spitze, drückt der Szene nachhaltig ihren markanten Stempel auf, muss dann aber auch im Erfolgstaumel erkennen, dass der Kapitalismus nicht vor der in Compton gegründeten Loyalität untereinander haltmacht. Und als Zeitporträt, das nicht nur „der gefährlichsten Band der Welt“ detailliert Aufmerksamkeit zukommen lassen möchte, sondern auch das lokale Lebensgefühl im suburbanen Gegenentwurf zum Westküstensehnsuchtsort thematisiert, darf man „Straight Outta Compton“ als durchaus authentisch werten. Dass F. Gary Grays Biopic allerdings einem ungemein konventionellen Narrativ unterlegen ist, macht dann auch schnell die üblichen Genre-Mankos sichtbar: Egal, wie stark sich Dr. Dre und Ice Cube im Hintergrund der Produktion auch dafür eingesetzt haben mögen, dass die Geschichte von N.W.A. hier akkurat rekonstruiert wird, als Zuschauer findet man emotional keine Ankerstellen, weil sich alles aus einem Topoi speist, die Filmbiografien schon seit drei Ewigkeiten so öde und uninspiriert machen: Nur verbürgtes Nacherzählen, anstatt ein eigendynamisches Erfahrbarmachen.


5 von 10 erschütternden Diagnosen


von souli




Meinung:
Natürlich handelt es sich bei „Straight Outta Compton“ um ein Baby von den Geldmagneten Dr. Dre und Ice Cube, die sich selbst und dem verstorbenen Eazy-E ein Denkmal setzen wollen. Einen triftigen Grund für die Verfilmung gibt es nicht wirklich, aber der Erfolg scheint den Köpfen hinter dem Werk Recht zu geben. Aber dennoch muss man irgendwie abwägen, ob der Film wirklich so toll ist, wie alle Welt zu behaupten scheint. Folgt man dem Geschehen etwas anteilnahmelos, mag man sicher dazu neigen, den Film abzunicken und durchzuwinken. Schließlich sieht das alles top aus, stört nie das Auge und folgt schematisch den altbekannten Wegen und Pfaden der „Rise-and-Fall“-Lehre. Setzt man sich jedoch etwas näher mit dem Film auseinander, fallen mehrere Sachen auf. Erstens existieren nur noch Erinnerungen an Dre, Cube und Eazy-E, aber NWA hatte fünf Mitglieder, die hier komplett rechts und links liegen gelassen werden. Wirtschaftliches Kalkül natürlich. Wie das bei der Langfassung des Films ist, lässt sich nur spekulieren. Das hinterlässt durchaus einen faden Beigeschmack nach der Sichtung, fällt aber während der Vorstellung nicht weiter auf. Was da jedoch auffällt, ist die Tatsache, dass der Film es reihenweise verpasst, die mitunter politischen Aussagen der Hip-Hop-Formation ernst zunehmen und in den Film zu integrieren. Der Rassismus wird hier beinahe wie ein Relikt aus den 80ern dargestellt, als das rot-blaue Licht der Polizeiautos immer wieder die Nacht der Nachbarschaft erleuchtete. Am Ende ist aber alles gut, weil man weiß, dass der Beat-Doktor noch den ein oder anderen Star formen wird. Ermüdend ist der Film selten, wirklich unter den Durchschnitt rutscht er wie andere Vertreter des Rap-Biopics zu keiner Zeit, aber überraschen tut er nicht und man muss doch deutlich sagen, dass er thematisch und inhaltlich weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt.


5,5 von 10 fetten Beats


von Smooli

Review: LAUF JUNGE LAUF - Ein ermüdendes Gesamtprodukt

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Fakten:
Lauf Junge Lauf
BRD, Frankreich, Polen. 2013. Regie: Pepe Danquart. Buch: Heinrich Hadding, Pepe Danquart, Uri Orlev (Vorlage). Mit: Kamil Tkacz, Andy Tkcaz, Elisabeth Dunda, Rainer Bock, Itay Tiran, Jeanette Hain, Adrian Topol, Sebastian Hülk u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Srulik, neun Jahre alt, kann während des Zweiten Weltkriegs dem Warschauer Ghetto entfliehen und beschließt in den Wäldern abzuwarten, bis der Krieg vorüber ist. Doch der Plan scheitert. Srulik ist der Kälte, dem Hunger und der Einsamkeit nicht gewachsen. Er sucht nach einem Unterschlupf, doch wem kann er in diesen finsteren Zeiten trauen?





Meinung:
Wiedermal dient die Geschichte für eine filmische Reflektion alter Gräueltaten. Das dacht sich auch Pepe Danquart, der mit „Lauf Junge Lauf“ ein klassisch historisches Szenario bietet. Der arme Jude muss vor den Nazis fliehen und begibt sich auf eine Reise, die für ihn nicht nur eine Herausforderung darstellt, sondern auch nur sein Leben verschlechtert.


Auf der Suche nach Nahrung und Sicherheit: Srulik
Schnell fällt auf, dass der Regisseur hier wieder Mals den Deckmantel der Geschichte benutzt, um zu zeigen, dass ein kleiner jüdischer Junge den Trubel des Lebens nur aufgrund der deutschen Meinung seiner Religion durchleben muss und fortan auf seiner Reise nichts weiter als einen Leidensweg durchlebt. Immer wieder gibt es besondere Lichtblicke auf der unschönen Reise des Jungen, allerdings dienen diese nur um den Zuschauer manipulativ darauf vorzubereiten, dass wenige Augenblicke später die Traurigkeit und Gemeinheit Überhand ergreift. Man zerstört die schönen Passagen mit einem Anblick feinster Gräueltaten, die schnell ihren Zweck verfehlen. Die Übernahme der Tragik tut dem Film ganz und gar nich gut, denn auch wenn jeder der Geschichte mächtig ist (und gleichzeitig über den Leidensweg der Juden informiert ist) wirkt „Lauf Junge Lauf“ mit zunehmender Laufzeit ermüdend. Auch die Inszenierung wirkt langatmig und anstrengend und so wirken die 103 Minuten deutlich länger, was auch an der Tatsache liegt, dass der Film ohne Höhepunkte erzählt wird. „Lauf Junge Lauf“ ist ein geschichtliches Dokument mit klarer Kategorisierung der Fraktionen. Der böse Deutsche, der das Leben des Jungen zu einer wahren Tortur macht und der arme Junge, der trotz trauriger Umstände immer tiefer  in den Sumpf der Qualen abrutscht und einen Schicksalsschlag nach dem anderen durchleben muss (Höhepunkt dabei ist sogar der Verlust einer Hand).


Der Film hat weder Raffinesse noch Abwechslung, da er sich einem klaren Muster vollzieht und zwar einem roten Faden folgt, der jedoch nur darauf abzielt, dass sich der deutsche Zuschauer nochmals erinnert fühlt an seine Vergangenheit. Zwar ist es beachtlich, welche Leistung der Jungschaupieler Andrzej Tkacz zeigt, dennoch kann auch er nichts am Drehbuch ändern, das nur vorhat einprägende Bilder zu schaffen, die den Zuschauer die klare Beendigung des Leidensweg vom Jungen Jarek erhoffen lassen. Aus „Lauf Junge Lauf“ ist ein ermüdendes Gesamtprodukt geworden, dass zwar mit Potenzial daherkommt, aber dieses mit Leichtigkeit versenkt. Die leidensfixierte Inszenierung funktioniert schon nach kurzer Zeit nicht mehr und dass man trotz dessen ein gutes Ende bietet, setzt dem ganzen Geschehen noch das Krönchen auf. Ein ganz furchtbarer Film.


2 von 10 leidende Fluchtpunkte


Hueftgold

Review: BRICK MANSIONS – Ein Vermächtnis zum Davonlaufen

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Fakten:
Brick Mansions
Frankreich, Kanada.2013. Regie: Camille Delamarre. Buch: Robert Mark Kamen, Luc Besson, Bibi Naceri.
Mit: Paul Walker, David Belle, RZA, Carlo Rota, Catalina Denis, Robert Maillet, Kwasi Songui, Ayisha Issa, Bruce Ramsey, Gouchy Boy, Ryan Trudeau, Kalinka Petrie u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 21. November 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Detroit, 2018: Teile der Stadt gehören ganz und gar den Kriminellen. Polizei und Politik kann nur noch machtlos mitansehen, wie Gangster und Dealer ihre Macht immer weiter ausbauen. Undercover-Cop Damien ist einer der wenigen, der noch etwas unternimmt. Aber auch innerhalb der gefährdeten Bezirke gibt es Menschen die sich für ein besseres Leben ohne Kriminalität einsetzen. Einer von ihnen ist Lino und eben dieser Lino muss mit Damien zusammen arbeiten, den Kingpin Tremaine hatLinos Freundin entführt. Als wäre das noch nicht genug plant die Regierung die kriminellen Bezirke mit einer Bombe endgültig zu beseitigen.





Meinung:
Es war ein Eindruck dessen, welch tragische Kraft die Ironie des Schicksals doch imstande ist zu entfalten: Sunnyboy Paul Walker, Held der bisher sechsteiligen „Fast & Furious“-Reihe, musste sein Leben ausgerechnet in einem roten Sportflitzer lassen, nachdem dieser im kalifornischen Valencia mit 160 km/h erst einen Laternenmast, dann einen Baum rammte und schließlich in lodernden Flammen aufging. Sein Tod löste einen medialen Sturm der Bestürzung aus, der Walker posthum zu einem Star erklärte, der er zu Lebzeiten in Wahrheit nie war. Während die Diskussionen um die gewaltig gestauten Dreharbeiten zu „Fast & Furious 7“ momentan immer noch auf Hochtouren laufen, wurde Paul Walkers letzten, vollends abgedrehten Film „Brick Mansions“ kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Das Remake der französischen EuroCorp-Produktion „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ sorgt, ganz im Gegensatz zu seiner Vorlage, allerdings nur für wenig Pläsier und schließt die Karriere Walkers, auch wenn es gemein klingt, aus filmhistorischer Sicht wohl absolut adäquat ab.


Lino halt Tremaine in Schach
Paul Walker war nie ein besonders guter Schauspieler. Es war vielmehr seine naturgegebene sympathische Ausstrahlung, die das blonde Teilzeitmodel beliebt machte, konnte Walker selbst doch als Zugpferd aufgrund seines Namens nie große kommerzielle Erfolge feiern. Dass „Brick Mansions“ nun als Vermächtnis von Paul Walker gilt, ist dahingehend passend, als dass der Film dem qualitativ äußerst mäßigen Œuvre seiner Person nun mal einen qualitativ äußerst mäßigen Schlusspunkt setzt. Der Kreis schließt sich also, wenn auch viel zu früh. Aber genug von Paul Walker an dieser Stelle. Erinnern wir uns doch noch einmal zurück an „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“, mit der „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel sein sicheres Händchen in Sachen Action-Inszenierung bewies und den Parkour-Kracher ohne jeden unnötigen Ballast ganz straight durch den grauen Vorort von Paris scheuchte. Heute wird „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ aufgrund seiner Dynamik in Genrekreisen zu Recht geliebt, denn wenn man sich zum Ziel setzt, einen Film nicht über seine Narrative zu entfalten, sondern über seine Kinetik, dann muss das nun mal ohne Umschweife so gemacht wer den.


"Hey, du warst super in 'Running Scared'"
Regisseur Camille Delamarre aber hat das in seinem Debüt nicht verstanden. Als Cutter für Filme wie „Colombiana“, „Lockout“ und „96 Hours“ hat er schon bewiesen, gerade bei Letzterem, dass er sein Handwerk nicht unbedingt beherrscht. „Brick Mansions“ ist keine adrenalingeladene Sause, wie es „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ war, „Brick Mansions“ negiert sich in seiner fragmentarischen Struktur freiweg jede Möglichkeit auf energetischen Temporeichtum. Dass der Handlungsort von Paris nach Detroit verlegt wurde, ist ein aufgrund des dort vorherrschenden industriellen Abbaus nur logisch, jedoch hat das Drehbuch in diesem Fall keinerlei Sinn für den sozial-kulturellen Subtext, der noch in „Ghettoganz – Die Hölle vor Paris“ immer wieder mal durchschimmern durfte. Aber wenn es um die Action geht, versagt „Brick Mansions“ ebenfalls kläglich: Retorten-Charakter trifft auf zuweilen höchstgradig unübersichtliches Handkameragewirr, während der Schnitt, wie könnte es bei Delamarre anders sein, dem spaßhemmenden Chaos treu-doof huldigt. Da ist es dann nur passend, dass er Damien (Paul Walker) einen familiären Background anheftet, während Lino (David Belle) seine Ex-Freundin aus den Fängen des Fieslings Tremaine (RZA) befreien möchte.


Brick Mansions“ wäre selbst für den Direct-to-DVD-Markt ein uninteressanter Vertreter des ominösen Einheitsbreis. Wenn man sich mal wieder gepflegte Parkour-Action zu Gemüte führen möchte, dann sind die ersten Anlaufstellen gewiss „Ghettoganz – Die Hölle vor Paris“ wie auch die Fortsetzung „Ghettoganz – Ultimatum“ von 2009. Mit „Brick Mansions“ hat sich letztlich niemand einen Gefallen getan, und dass ein Film, der gerade durch seine vigoröse Inszenierung punkten sollte, sich schlussendlich wie ein zusammengeklaubtes Plagiat anfühlt, dem eben jede kinetische Triebkraft abhanden gekommen ist, sprich für sich und für den Remakewahn im Allgemeinen.


3 von 10 doppelten Spielen auf politischer Ebene


von souli

Review: NEW JACK CITY - Crack regiert die Stadt

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Fakten:
New Jack City
USA, 1991. Regie: Mario Van Peebles. Buch: Thomas Lee Wright, Barry Michael Cooper. Mit: Wesley Snipes, Ice-T, Allen Payne, Chris Rock, Judd Nelson, Mario Van Peebles, Michael Michele, Bill Nunn, Russel Wong, Bill Cobbs, Christopher Williams, Vanessa Williams, Tracy Camilla Johns, Anthony DeSando u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ende der 80er steigt Nino Brown innerhalb weniger Jahre zum Crack-König von New York auf. Er und seine Gang, die Cash Money Brothers, überschwemmen die Straßen mit der Teufelsdroge, scheffeln Geld ohne Ende, haben sich eine Festung erbaut, die scheinbar niemand stürmen kann. Detective Stone setzt die ungleichen Cops Scotty Appleton und Nick Peretti auf die Zerschlagung von Ninos Königreich an. Ein schwerer Kampf. Es gelingt ihnen, den Junkie Pookie von der Straße zu holen, ihn vom Stoff runter zu bringen und bei Nino einzuschleusen. Das geht gehörig schief, deshalb geht Appleton nun selbst undercover.

                                                                            



Meinung:
"New Jack City" war seinerzeit ein kleiner Aufreger, griff er doch ein brandaktuelles Thema auf, dem sich beispielsweise auch Dennis Hopper mit "Colors - Farben der Gewalt" drei Jahre zuvor widmete, wobei schon diverse Differenzen zwischen den beiden Filmen bestehen, aber ähnlich viele Schnittpunkte. In "Colors" ging es um die Gangproblematik in Los Angeles Ende der 80er, den verzweifelten, hilflosen Kampf der Cops gegen die wütende Energie der Straße, die Selbstzerfleischung der schwarzen Perspektivlos-Gesellschaft, ausgetragen auf einem blutigen Schlachtfeld. "New Jack City" zeigt nicht verstreute Ghetto-Kids beim Abknallen um Brotkrumen und ist nicht so konsequent aus der Sicht der Gesetzeshüter inszeniert. Dennoch atmet "New Jack City" die gleiche Brisanz und dessen Zeitgeist, erzählt von dem gleichen Problem.


Nino steht selbst über dem Gesetz
Diesmal gibt es nur das Gesicht des Bösen, Wesley Snipes als Crack-Guru Nino Brown, der es vom Kleinganoven an die Spitze eines Elend-Imperiums schafft, der seine Brüder und Schwestern mit der Mode- und Todesdroge dieser Zeit versorgt. Mario Van Peebles gelingt es zum Teil durchaus, in einem seiner wohl besten Filme als Regisseur, das Thema an den Eiern zu packen und unverblümt-schonungslos aufzuzeigen, was sich in den weniger schicken Straßen der USA damals abgespielt hat. Sprengstoff hat "New Jack City" durchaus, verschönt nichts und will aufrütteln. Schwarzes Kino mit Stallgeruch, Blaxploitation-Kino zumindest im Ansatz, auf einen neuen "Shaft" darf aber nicht gehofft werden. Van Peebles zeigt einiges, inszeniert es ganz ansprechend, kratzt aber letztendlich nur an der Oberfläche, schafft keine Tiefe, erzählt eine simpele Story und ist manchmal so prollig wie seine Figuren. Die Darsteller sind bis auf einen präsenten Snipes durchschnittlich, wenn auch halbwegs namenhaft, was nicht unbedingt für ihre Qualität spricht. Oder wer ist schon heiß auf einen Streifen mit Ice-T in der Hauptrolle? Immerhin, er ist ganz in Ordnung, was hat der später nicht für Gurken gedreht, da ist man hier fast zufrieden. Überraschung aus heutiger Sicht: Der junge Chris Rock überzeugt als crack-süchtiger Spargeltarzan, bringt seine abgejunkt-verzweifelte Figur glaubhaft rüber, während er heute als lustig-quaselnder Afro-Ami in "bester " Eddie Murphy Tradition nur noch nervt.


Hätte "New Jack City" ein besseres, einfallsreicheres Script, mehr Tiefgang und weniger austauschbare Szenen, er wäre wohl ziemlich gut. Denn er hat die Ansätze, eine ordentliche Regiearbeit und will was bewegen. So bleibt es ein einigermassen vernünftiges B-Movie mit zeitlich-szenischem Einschlag und einem passenden Soundtrack versehen.

6 von 10 Crack-Pfeifen

Review: END OF WATCH - L.A. aus der Sicht von Cops

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Fakten:
End of Watch
USA. 2012. Regie und Buch: David Ayer. Mit: Jake Gyllenhaal, Michael Peña, Anna Kendrick, Natalie Martinez, Frank Grillo, David Harbour, Cody Horn, America Ferrera, Kristy Wu, Maurice Compte, Cle Sloan, Shondrella Avery, Yahira’Flakiss, Hugh Daly, Jaime Fitz Simons u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Police Officer Brian Taylor filmt seinen Polizeialltag für ein Studienprojekt mit einer Kamera. Die Kamera wird Zeuge wie Taylor und sein Partner und bester Freund Mike Zavala ihren Dienst in South Central Los Angeles absolvieren. Dabei bekommen es die zwei Männer mit Gangs, arroganten Kollegen und Ruhestörern zu tun. Ein harter Job, der Taylor und Zavala mehr als einmal fordert.





Meinung:
David Ayer ist ein Cop-Spezialist. Als Autor („Training Day“) und Regisseur („Harsh Times“, „Street Kings“) hat er sich einen Namen als als Cop-Experten von Hollywood gemacht. Bis jetzt war er aber mehr Gesetzeshütern im Anzug interessiert, mit „End of Watch“ ändert er diesen Blickwinkel und schaut einfachen Polizisten im Schmelztiegel von Los Angeles über die Schulter. Aber nicht nur der inhaltliche Blickwinkel ändert sich, sondern auch der optische. Ayer nutzt die Methodik einer Mockumentary. Mit wackligen DigiCam-Bildern, Nahaufnahmen, die jede Pore und jeden Schweißtropfe zeigen und grellen Lichtreflexionen, versucht Ayer das Flair von Authentizität und Realität zu erzeugen.  Es gelingt ihm, auch wenn sich die Frage öfters während „End of Watch“ aufdrängt, wer jetzt eigentlich die Kamera in Händen hält?



„End of Watch“ punktet durch seine Atmosphäre, jedoch verzichtet David Ayer auf eine stringente Geschichte. Sein Cop-Movie möchte keine spannungsaufbauende Handlung erzählen, sondern versucht sich lieber daran die Routine der Officers einzufangen. Eine Routine, die sich dann jedoch gewissen funktionellen Regularien unterwirft. Taylor und Zavala, beide durchgehend überzeugend verkörpert von Jake Gyllenhaal („Donnie Darko“, „Prince of Perisa - Der Sand der Zeit“) und Michael Peña („GangsterSquad“, "World Invasion: Battle Los Angeles“), scheinen keinen einzigen normalen Arbeitstag zu haben. Schießereien, Menschenhändler, Vergewaltiger, das ist ihr Alltag. Zwar wirken die Gespräche der beiden Freunde zwar durchaus echt, doch spätestens beim dritten zufällig gefundenen Verbrechen, welche krasse Gegenteile zu Bagatelle-Delikten sind, verwirkt „End of Watch“ seinen realistischen Konsens. Natürlich braucht ein Cop-Thriller/Drama auch Höhepunkt, aber Ayer drückt zu viele davon innerhalb kurzer Zeit in die Non-Handlung hinein und überfüllt den Film damit, vor allem weil er auch das Privatleben seiner zwei Helden noch zwischen die Einsätze quetscht.



„End of Watch“ ist kein zweiter „Colors – Farben der Gewalt“ und er schleppt, trotz dem Verzicht einer richtigen Story, zu viel Ballast mit sich herum, doch die Straßen von Los Angeles wirken lebendig, immer wieder gelingt es David Ayer die Anspannung der Cops spürbar zu machen. Der Film wirkt in seinen besten Momenten fast schon organisch und obwohl „End of Watch“ ein Cop-Film ist, und dies ein regelrechtes Testosteron-Gebiet ist, gelingt es Ayer die Frauenfiguren nicht vollends zu Staffagen zu degradieren. Anne Kendrick („Up in the Air“, „PitchPerfect“) als Freundin von Officer Brian Taylor oder Cody Horn ("Twelve", „Magic Mike“) und America Ferrera ("Ugly Betty", "Eine für 4") als Kollegen, verlieren sich nie in Plattitüden, auch wenn sie vernachlässigbare Randnotizen bleiben, die dem dramaturgischen Part von „End of Watch“ wohl aufwerten sowie, im Falle von Kendrick, Phasen ohne Hektik integrieren sollen. Und tatäschlich, die Szenen außerhalb des Einsatzwagens, innerhalb der Familie vermitteln das Gefühl von Sicherheit und Ruhe. Eine willkommene Abwechslung.


David Ayers Mockumentary (bitte nicht mit Found Footage verwechseln) ist ein durchaus gelungenes Thriller-Drama, welches dank guter Darsteller und einem wirklich eindringlichen Umgang mit dem gezeigten Milieu spannende Unterhaltung bietet.


7 von 10 mexikanischen Hochzeiten