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Review: BRICK MANSIONS – Ein Vermächtnis zum Davonlaufen

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Fakten:
Brick Mansions
Frankreich, Kanada.2013. Regie: Camille Delamarre. Buch: Robert Mark Kamen, Luc Besson, Bibi Naceri.
Mit: Paul Walker, David Belle, RZA, Carlo Rota, Catalina Denis, Robert Maillet, Kwasi Songui, Ayisha Issa, Bruce Ramsey, Gouchy Boy, Ryan Trudeau, Kalinka Petrie u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 21. November 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Detroit, 2018: Teile der Stadt gehören ganz und gar den Kriminellen. Polizei und Politik kann nur noch machtlos mitansehen, wie Gangster und Dealer ihre Macht immer weiter ausbauen. Undercover-Cop Damien ist einer der wenigen, der noch etwas unternimmt. Aber auch innerhalb der gefährdeten Bezirke gibt es Menschen die sich für ein besseres Leben ohne Kriminalität einsetzen. Einer von ihnen ist Lino und eben dieser Lino muss mit Damien zusammen arbeiten, den Kingpin Tremaine hatLinos Freundin entführt. Als wäre das noch nicht genug plant die Regierung die kriminellen Bezirke mit einer Bombe endgültig zu beseitigen.





Meinung:
Es war ein Eindruck dessen, welch tragische Kraft die Ironie des Schicksals doch imstande ist zu entfalten: Sunnyboy Paul Walker, Held der bisher sechsteiligen „Fast & Furious“-Reihe, musste sein Leben ausgerechnet in einem roten Sportflitzer lassen, nachdem dieser im kalifornischen Valencia mit 160 km/h erst einen Laternenmast, dann einen Baum rammte und schließlich in lodernden Flammen aufging. Sein Tod löste einen medialen Sturm der Bestürzung aus, der Walker posthum zu einem Star erklärte, der er zu Lebzeiten in Wahrheit nie war. Während die Diskussionen um die gewaltig gestauten Dreharbeiten zu „Fast & Furious 7“ momentan immer noch auf Hochtouren laufen, wurde Paul Walkers letzten, vollends abgedrehten Film „Brick Mansions“ kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Das Remake der französischen EuroCorp-Produktion „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ sorgt, ganz im Gegensatz zu seiner Vorlage, allerdings nur für wenig Pläsier und schließt die Karriere Walkers, auch wenn es gemein klingt, aus filmhistorischer Sicht wohl absolut adäquat ab.


Lino halt Tremaine in Schach
Paul Walker war nie ein besonders guter Schauspieler. Es war vielmehr seine naturgegebene sympathische Ausstrahlung, die das blonde Teilzeitmodel beliebt machte, konnte Walker selbst doch als Zugpferd aufgrund seines Namens nie große kommerzielle Erfolge feiern. Dass „Brick Mansions“ nun als Vermächtnis von Paul Walker gilt, ist dahingehend passend, als dass der Film dem qualitativ äußerst mäßigen Œuvre seiner Person nun mal einen qualitativ äußerst mäßigen Schlusspunkt setzt. Der Kreis schließt sich also, wenn auch viel zu früh. Aber genug von Paul Walker an dieser Stelle. Erinnern wir uns doch noch einmal zurück an „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“, mit der „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel sein sicheres Händchen in Sachen Action-Inszenierung bewies und den Parkour-Kracher ohne jeden unnötigen Ballast ganz straight durch den grauen Vorort von Paris scheuchte. Heute wird „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ aufgrund seiner Dynamik in Genrekreisen zu Recht geliebt, denn wenn man sich zum Ziel setzt, einen Film nicht über seine Narrative zu entfalten, sondern über seine Kinetik, dann muss das nun mal ohne Umschweife so gemacht wer den.


"Hey, du warst super in 'Running Scared'"
Regisseur Camille Delamarre aber hat das in seinem Debüt nicht verstanden. Als Cutter für Filme wie „Colombiana“, „Lockout“ und „96 Hours“ hat er schon bewiesen, gerade bei Letzterem, dass er sein Handwerk nicht unbedingt beherrscht. „Brick Mansions“ ist keine adrenalingeladene Sause, wie es „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ war, „Brick Mansions“ negiert sich in seiner fragmentarischen Struktur freiweg jede Möglichkeit auf energetischen Temporeichtum. Dass der Handlungsort von Paris nach Detroit verlegt wurde, ist ein aufgrund des dort vorherrschenden industriellen Abbaus nur logisch, jedoch hat das Drehbuch in diesem Fall keinerlei Sinn für den sozial-kulturellen Subtext, der noch in „Ghettoganz – Die Hölle vor Paris“ immer wieder mal durchschimmern durfte. Aber wenn es um die Action geht, versagt „Brick Mansions“ ebenfalls kläglich: Retorten-Charakter trifft auf zuweilen höchstgradig unübersichtliches Handkameragewirr, während der Schnitt, wie könnte es bei Delamarre anders sein, dem spaßhemmenden Chaos treu-doof huldigt. Da ist es dann nur passend, dass er Damien (Paul Walker) einen familiären Background anheftet, während Lino (David Belle) seine Ex-Freundin aus den Fängen des Fieslings Tremaine (RZA) befreien möchte.


„Brick Mansions“ wäre selbst für den Direct-to-DVD-Markt ein uninteressanter Vertreter des ominösen Einheitsbreis. Wenn man sich mal wieder gepflegte Parkour-Action zu Gemüte führen möchte, dann sind die ersten Anlaufstellen gewiss „Ghettoganz – Die Hölle vor Paris“ wie auch die Fortsetzung „Ghettoganz – Ultimatum“ von 2009. Mit „Brick Mansions“ hat sich letztlich niemand einen Gefallen getan, und dass ein Film, der gerade durch seine vigoröse Inszenierung punkten sollte, sich schlussendlich wie ein zusammengeklaubtes Plagiat anfühlt, dem eben jede kinetische Triebkraft abhanden gekommen ist, sprich für sich und für den Remakewahn im Allgemeinen.


3 von 10 doppelten Spielen auf politischer Ebene


von souli

Review: MALAVITA - THE FAMILY - Die finale Degradation des Luc Besson

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Fakten:
Malavita – The Family (The Family)
USA, Frankreich.
2013. Regie: Luc Besson. Buch: Michael Caleo, Luc Besson, Tonino Benacquista (Vorlage). Mit: Robert DeNiro, Michelle Pfeiffer, Tommy Lee Jones, Dianna Agron, John D’Leo, Vincent Pastore, Jimmy Palumbo, Dominic Chianese, Stan Carp, Jon Freda, David Belle, Joseph Perrino u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 11. April 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Früher war Giovanni Manzoni der gefürchtete Mafia-Pate von New York, heute, nachdem er gegen seinen alten Clan ausgesagt und die Seiten zwangsläufig wechselte, eskortiert ihn, nun unter dem Decknamen Fred Blake unterwegs, und seine Familie das FBI im Dienste des Zeugenschutzprogramms von einem Ort zum anderen. Die Manzonis aka Blakes führt der Weg nach Frankreich in Normandie, doch während nicht nur die Mafia einen gewaltigen Groll auf Giovanni schürt und ihn für seine Denunziation büßen lassen möchte, ist es für die vierköpfige Familie aber ebenfalls gar nicht mal so leicht, sich in ihrem neuen Umfeld zivilisiert einzuleben und unauffällig zu bleiben. Vor allem deswegen nicht, weil der stoische FBI-Agent Stansfield ein besonderes Auge auf die Manzonis geworfen hat...





Meinung:
Wenn sich drei Titanen der Branche wie Luc Besson („Léon – Der Profi“), Robert De Niro („Die durch die Hölle gehen“) und Martin Scorsese („Taxi Driver“) für eine Kollaboration zusammenraufen, dann ist das für den geneigten Filmfreund ein klarer Grund zur Freude. Inzwischen haben die Namen Besson und De Niro zwar reichlich vom Glanz ihrer Hochzeiten eingebüßt und müssen sich der qualitative Kontinuität des sympathische Italo-Amerikaner Martin Scorsese, der hier in Person des Produzenten auftritt, gnadenlos unterordnen. Doch Hoffnungen auf eine positive Überraschung, die damit auch für De Niro und Besson weiterhin als künstlerische Reanimation verstanden werden darf, besteht in der Kinematographie prinzipiell ja schließlich immer. Mit der Familien/Mafia-Komödie „Malavaita – The Family“ bleiben die verheißungsvollen Aussichten allerdings weiterhin vollständig unbestätigt und muss sich als nächster Steinschlag in der Vita Bessons und De Niros geschlagen geben.



Italienische Argumentation im französischen Niemandsland
Es kommt keinen Besetzungsgeniestreich gleich, Robert De Niro in den Rollentypus eines Mafioso zu verfrachten. Selbst diejenigen, die sich nur geringfügig für die Filmwelt und ihre populären Marionetten interessieren, assoziieren De Niro (wie auch Al Pacino) mit zuverlässlicher Sicherheit mit einer Koryphäe des organisierten Verbrechen - „Der Pate 2“, „Es war einmal in Amerika“, „GoodFellas“, „Casino“ sei Dank. Für einen alternden Star ist es inzwischen undenkbar geworden, sich nicht selbstironisch zu präsentieren und ein so penetrant angeheftetes Image zu persiflieren. Natürlich ist De Niro immer noch ein guter und vor allem charismatischer Schauspieler, es scheitert bei ihm in den letzten Jahren nur viel zu oft, wie auch in diesem Fall, an der verwaschenen Charakterzeichnung, die viele Facetten aufbereiten möchte, aber keine kohärente Figur modelliert. Ähnlich unterfordert und entkräftet fungieren Michelle Pfeiffer, Tommy Lee Jones, Dianna Agron und John D'Leo.



Mafia und FBI beim gemeinsamen Plausch
Seinen letzten wirklich nennenswerten Film inszenierte (und schrieb) Luc Besson mit dem humorvoll-kreativen Sci-Fi-Actioner „Das fünfte Element“ im Jahre 1997. Seitdem beschränkte sich seine Karriere befremdlicherweise vorwiegend darauf, sämtliche unbedeutende Machwerke („Columbiana“, „Frontier(s)“) zu produzieren und selber als vollkommen uninteressanter Regisseur aufzutreten, der wohl nur noch in der Lage zu sein scheint, triviale Werke wie die „Arthur und die Minimoys“-Trilogie zu fabrizieren. Von der informalen Klasse eines „Léon – Der Profi“ könnte Besson momentan nicht weiter entfernt sein; und der Grund für diesen rigorosen Abstieg lässt sich auch in „Malavita – The Family“ problemlos erkennen: Besson weiß einfach nicht mehr, wie er eine Geschichte erzählen will. Das Endergebnis ist erschreckend unausgegoren und tonal ein einziges Desaster.



Endlich wieder Michelle Pfeiffer, nur leider in keinem guten Film
„Malavita – The Family“ setzt sich in erster Linie zum Ziel, die filmischen Klischees der Mafia, für die Robert De Niro und sein Œuvre natürlich auch gewissermaßen – aufpassen – Pate steht, durch selbstreferenzielle Pinselstriche aufzubrechen und gleichermaßen zu huldigen. Luc Besson jedoch findet keinen homogenen Zwischenweg indessen, seinen Familienclan als die sympathische Sippe darzustellen, die das Drehbuch anstrebt. Obgleich sich der Gesamteindruck eben als Komödie mit dem ironischen Augenzwinkern auftun möchte, ist die Tonalität derart unausgereift und konfus, dass dem Zuschauer aufgrund der zynischen Gegenentwürfe innerhalb des Szenarios schnell das Lachen vergehen möchte. Wenn Töchterchen Belle – und das ist nur ein Beispiel – mit einem Tennisschläger das Gesicht einer Mitschülerin zertrümmert und damit die gleiche humoristische Resonanz ernten möchte, wie in der gekonnt überspitzten Szene, in der Maggie einen kleinen Laden in die Luft sprengt, dann tritt das konterkarierte und schrecklich konträre Profil des Films in schauderhaftem Dilettantismus seitens Bessons Ägide auf.


Luc Besson degradiert sich endgültig zum Schatten seiner Seite. Mit einem zwar namhaften, aber furchtbar unterforderten Cast im Repertoire, lässt der französische Superstar erneut genau die narrative Balance vermissen, die sein Opus magnum „Léon – Der Profi“ so brillant gemacht hat. Sein „Malavita – The Family“ glänzt hingegen mit einer unausgewogenen Erzählstruktur und der befremdlichen Tonalität, die es dem Zuschauer unmöglich macht, hier wirklich Spaß zu empfinden. Der nächste Reinfall, nicht nur für Besson, sondern auch für den wankenden Riesen De Niro.


3,5 von 10 Grillfesten mit den neuen Nachbarn


von souli