Posts mit dem Label Gary Busey werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gary Busey werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: WERWOLF VON TARKER MILLS - Der Junge und die Bestie

Keine Kommentare:
https://zombiewoodproductions.files.wordpress.com/2015/05/der-werwolf-von-tarker-mills-1985.jpg

Fakten:
Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)
USA, 1985. Regie: Daniel Attias. Buch: Stephen King (auch Vorlage). Mit: Gary Busey, Everett McGill, Corey Haim, Megan Follows, Terry O’Quinn, Bill Smitrovitch, Lawrence Tierney u.a. Länge: 91 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Die amerikanische Kleinstadt Tarker Mills wird von einer unheimlichen und unerklärlichen Mordserie heimgesucht: Immer in Vollmondnächten, beginnend im Januar, werden grauenvoll zugerichtete Leichen aufgefunden – wobei der Mörder offensichtlich keine Unterschiede zwischen jung und alt, männlich oder weiblich macht. Lediglich der gelähmte, auf einen Rollstuhl angewiesene Marty vermutet früh, dass ein Werwolf in Tarker Mills sein Unwesen treiben könnte.

                                                                                                                             

Meinung:
Allgemein wird den Verfilmungen der Geschichten von Stephen King fast pauschal eine mindere Qualität attestiert. Wie oft wird gemeckert, dass die Filme bis auf wenige Ausnahmen alle unbrauchbare sein. Misst man sie mit den Vorlagen gibt es natürlich einige Enttäuschungen, wer jedoch genauer hinsieht wird erkennen, dass es sehr wohl einige gelungene King-Adaptionen gibt, die positiven wie negativen Beispiele halten sich in etwa die Waage (nimmt man dazu gebastelte Sequels und Reihen aus, wie z.B. bei „Kinder des Zorns“). Selbstverständlich müssen die meisten Filme leicht isoliert von der literarischen Quelle betrachtet werden, ein Film kann einem (guten) Buch im seltensten Fall das Wasser reichen, allein was Ausführlichkeit und Charaktertiefe angeht. Manchmal lässt sich das nicht ausklammern, besonders wenn die Ursprungsgeschichte gerade dadurch erst ihre Klasse bezog, aber das muss nicht immer der Fall sein.


https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhCByHKVOhJlh0SJv505HGAHuplc5bswbwS1rVjgD6fz9vT8tVPrROt1xT9_DPcxGwLp7d8u4SJfhkk9oT-J1-WPhcgUHcCrB55aLDvyDeqgauF1xrYA92ekE0-bd5o1lLjFxUmC_s40BQE/s1600/vlcsnap-2012-05-25-23h02m47s29.png
Noch scheint der Sommer spaßig zu werden...
Man könnte also behaupten, „Werwolf von Tarker Mills“ hat den Vorteil, nicht auf einem der großen Klassiker Kings zu beruhen, sondern auf einer seiner zahlreichen Kurzgeschichten, die inhaltlich nicht unbedingt zu seinen Meisterstücken zählen. Die Fallhöhe und Ansprüche sind geringer, am mangelnden Transfer von psychologischer Komplexität kann man kaum scheitern. Selbst der Drehbuchautor Stephen King nicht, der später noch eindrucksvoll beweisen sollte, wie riesig der Unterschied zwischen einem guten Roman- und Skriptautor doch ist. So setzte er selbst eines seiner besten Werke mit dem Drehbuch zu „Friedhof der Kuscheltiere“ in den Sand, obwohl er sich dicht an die eigene Geschichte hielt. Seine Filmfiguren waren platte, hohle Körper der ursprünglichen Charaktere, er konnte sie nicht mit Leben erfüllen und den tiefen seelischen Konflikt auf die Leinwand transportieren, der sein Buch so (selbst)zerstörerisch und niederschmetternd machte. Von dem unsäglichen Mist den er viele Jahre später mit dem Skript zu „Desperation“ verzapfte (ebenfalls ein hervorragendes Buch) wollen wir lieber gar nicht erst anfangen, das sprengt den Rahmen. Bei „Werwolf von Tarker Mills“ gelingt es King tatsächlich, seiner eigenen Stimmung treu zu bleiben und ein funktionelles Drehbuch zu verfassen, das natürlich keine höheren Ansprüche zu bedienen hat, aber seinen Zweck erfüllt und dazu noch anständig umgesetzt wurde.


https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjZjy2uUk9EzfkREmC6_kZ7oOHgK_FgL3vVgmYJzQYbHf0-Jlv9tWsHI3nLDUEy8_kwkV8A1aZgQtGdYP26Qb7i4tQhjdJC-2xxiZE31sUx6fNf61nUwNig27yeGICZzrVHTQthOnrIgII/s1600/silver+bullet+1.jpg
Gary Busey und die Spiegel, da kann man schon erschrecken
Überraschenderweise von einem Rookie, der nach seinem Spielfilmdebüt nur noch als Serienregisseur aktiv sein sollte. Daniel Attias hat dort praktisch schon alles gemacht, von „Miami Vice“ über „Berverly Hills, 90210“ bis hin zu „Die Sopranos“, „The Walking Dead“ oder „Homeland“. Dies ist sein bis heute einziger Kinofilm, der durchaus kompetent inszeniert ist. Es verfügt über dieses typische Stephen-King-Flair: Eine verschlafene Kleinstadt, deren heile Welt aufgerüttelt wird vom übernatürlichen Bösen, das sie heimsucht. Mit leichten Coming-of-Age-Anteilen versehen gleicht „Werwolf von Tarker Mills“ einer (nicht kindgerechten) Gute-Nacht-Geschichte, einem Märchen, in dem die belächelten Außenseiter in Person des behinderten Marty (Corey Haim, „The Lost Boys“) und seines versoffenen Onkel Red (Gary Busey, „Alarmstufe: Rot“) sich dem entgegenstellen, was ihre Gemeinde in Vollmondnächten dezimiert. Die Figuren sind einfach, aber sympathisch skizziert und vor allem gelingt Attias eine homogene Abstimmung aus trügerischer Idylle und stimmungsvollen Schreckensmomenten. Wenn er seine Kreatur zuschlagen lässt, dann gerne ohne Samthandschuhe und clever in Szene gesetzt. Masken und Effekte sind für eine kleinere 80er-Produktion gut gemacht, werden trotzdem nicht über Gebühr strapaziert, um doch negativ auffallen zu können. Man sieht genug, aber nicht zu viel, die Mitte treffsicher erwischt.


Auf seine schlichte Art und Weise gelingt es „Werwolf von Tarker Mills“ seine Spannung und Atmosphäre schnell aufzubauen und kontinuierlich zu halten, ohne dabei in höhere Gefilde vorzustoßen. Das braucht er auch nicht. Es ist einer dieser Filme, die so wie sie sind ganz einfach gut funktionieren und durch ihre liebevolle Umsetzung überzeugen. Das Finale fällt leider zu hastig und dünn aus, sonst kann sich das schon sehen lassen. Etwas „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“, etwas mehr „The Howling“, ein guter Cast (u.a. noch Everett McGill, „Twin Peaks“ oder Terry O’Quinn, „The Stepfather“) und eine angenehme Grundstimmung schnüren ein nettes Paket zusammen, dass auch ohne (aber besonders mit) 80er-Nostalgie anständig anzusehen ist.

6 von 10 Silberkugeln

Review: GEFÄHRLICHE BRANDUNG – Surfen für die innere Freiheit

Keine Kommentare:



Fakten:
Gefährliche Brandung (Point Break)
USA. 1991. Regie: Kathryn Bigelow. Buch: W. Peter Iliff, Rick King. Mit: Keanu Reeves, Patrick Swayze, Gary Busey, Lori Petty, John C. McGinley, James LeGros, Tome sizemore, Anthony Kiedis, Christopher Pettiet, Julian Reyes, Chris Pedersen, John Phibin u.a. Länge; 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der junge FBI-Agent Johnny Utah ist mit seinem älteren Kollegen Angelo einer Gruppe von Bankräubern auf der Spur, nach der die Polizei von Kalifornien seit einigen Jahren erfolgslos fahndet. Angelo hat die Theorie, dass die Räuber allesamt Surfer sind, was seine Vorgesetzten für Schwachsinn halten. Johnny glaubt aber daran und knöpft Undercover Kontakte zu einer Gruppe Adrenalin-Junkies, angeführt vom charismatischen Bodhi.




Meinung:
In den 1990er respektive den späten 1980er Jahren verfügte Kathryn Bigelow über ein inszenatorischen Händchen, welches vor allem im Action-Sujet zu den sichersten ihrer Klasse zählte. Schlag auf Schlag lieferte sie Filme ab, die heute nicht umsonst als Klassiker verehrt werden. Ob ihre melancholische Vampir-Entmystifizierung „Near Dark“, der Cop-Thriller „Blue Steel“ oder die visionäre Dystopie „Strange Days“: Bigelow bewies in einer von Männern dominierten Umgebung abermals mehr Eier als ihre maskulinen Kollegen. Dass mit der Trennung von Ehemann James Cameron („Aliens –Die Rückkehr“) auch eine herbe Zäsur in ihrer Karriere folgte, lässt sich wohl als äußerst schlechtes Karma titulieren, stand die Kalifornierin ihrer Existenz als Filmemacherin nach „K-19 – Showdown in der Tiefe“ nicht gerade optimistisch entgegen. Anstatt uns jetzt aber hier auf ihr glorreiches Comeback mit dem allseits zu Recht gefeierten Irak-Drama „Tödliches Kommando“ zu beschränken, gehen wir lieber noch einmal in die Blütezeit ihrer Vita, zurück in die Anfänge der 1990er Jahre, zurück zu „Gefährliche Brandung“.


So schön gucken kann nur Gary Busey
Die Synopsis liest sich wie ein handelsüblicher 80s-Actioner, der gar exzessiv mit Klischees jongliert und sich freimütig mit Schema-F-Dramaturgie brüstet: Wir hätten da den ambitionierten Grünschnabel Johnny Utah (welch namentliches Destillat jener Tage), der von seinem Vorgesetzten, natürlich ein unsympathisches Ekel in Reinform, mit einem desillusionierten, aber immer noch hartnäckig ermittelnden Kollegen auf einen schwierigen wie langwierigen Fall angesetzt wird. Dass der noch blutjunge Keanu Reeves diesen Johnny Utah gewohnt stocksteif verkörpert, ist kaum verwunderlich, schauspielerisch bewegt sich der im Libanon geborene Kanadier seit jeher auf einem doch eher ziemlich mauen Niveau. Seinen Reiz zieht „Gefährliche Brandung“ aus der Figur des Bodhi, gespielt von einem beinahe nicht wiederzuerkennenden, aber wie immer höchstathletischen Patrick Swayze, dessen arretierender Aura nicht nur Johnny Utah verfällt, auch der Zuschauer gibt sich nur zu gern der nonkonformistischen Lebensphilosophie des Surfer-Cliquen-Anführers hin. Bodhi ist der Katalysator der Handlung, der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, durch ihn greifen die einzelnen Story-Zahnrädchen flüssig ineinander und „Gefährliche Brandung“ erhält letztlich durchaus eine substantielle Ebene.


Utah und Bodhi beim Fallschirm-Daumenwrestling
Substantiell dahingehend, dass der Name „Bodhi“ natürlich nicht umsonst gewählt wurde, sondern als Verweis auf den buddhistischen Weg der Erlösung fungiert. Und Bodhi gibt den Erleuchteten, den Guru, der sein Realitätsbewusstsein, seine kathartische (Über-)Erkenntnis, in der perfekten Welle des bevor stehenden Jahrhundertsturms sucht: Surfen als transzendente Erfahrung. „Gefährliche Brandung“ spielt mit der Faszination des eigentlichen Antagonisten, er lässt den Zuschauer in den Bann des Gegenspielers fallen und baut eine emotionale, empathische Bindung sowohl zu Johnny Utah, wie auch zu Bodhi auf, der seine penibel geplanten Banküberfälle als Ex-Präsidenten immer mit Prinzipien vollstreckt und diese als Affront gegen gesellschaftliche Konventionen und Systeme deklariert. Todessehnsucht kollidiert mit Todesangst, Gesetzesbruch mit Ordnung und Recht, Freundschaft mit Rivalität, striktes Regelwerk mit überzeugter Unbeugsamkeit. Dass ist tonal und formal dann alles gewiss ganz Kind seiner Entstehungszeit und schlittert über den Scheitelpunkt der späten Achtziger und frühen Neunziger hin und her, funktioniert aber auch heutzutage noch so blendend, weil Bigelows immense Fähigkeiten als Regisseurin über die Jahre hinweg immer zu unterhalten wissen.


„Gefährliche Brandung“ ist handgemachtes, vortrefflich fotografiertes und ohne Durchhänger vorgetragenes Spannungskino der unvergänglichen Sorte. Die Verfolgungsjagden sind dynamisch, die Charaktere durchaus interessant und die Gewalt, wenn es denn mal zu Schusswechseln kommt, explodiert in bester Peckinpah-Manier in blutiger Direktheit. Ohne Zweifel gehört „Gefährliche Brandung“ im Action-Genre zusammen mit „Leathal Weapon 3“, „Stirb langsam - Jetzt erst recht“, „Face/Off“ und „Speed“ zu den Speerspitzen der Dekade. Wäre doch mal wieder schön, wenn Frau Bigelow einen echten Old-School-Kracher inszeniert, anstatt sich nochmal in mutlosem (Möchtegern-)Relevanzkino der Marke 
„Zero Dark Thirty“ zu suhlen. 


7,5 von 10 Schüssen in den Fuß


von souli