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Review: CUJO - Der beste Freund des Menschen...nur heute nicht

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Fakten:
Cujo
USA, 1983. Regie: Lewis Teague. Buch: Don Carlos Dunaway, Lauren Currier, Stephen King (Vorlage). Mit: Dee Wallace, Daniel Hugh Kelly, Danny Pintauro, Christopher Stone, Ed Lauter, Kaiulani Lee, Billy Jayne, Mills Watson, Jerry Hardin u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Die Ehe der Trantons steht auf wackligen Beinen. Ehefrau Donna hat eine Affäre und findet mit entfremdet sich immer mehr von ihrem Mann Vic. Als sie gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Tad ihren schrottreifen Wagen mit letzter Motorkraft zur abgelegenen Werkstatt ihres Mechanikers Joe Chamber schleppt, geraten sie und Tad in einen Kampf auf Leben und Tod. Cujo, der eigentlich herzensgute Bernhardiner der Chambers, wurde vor einigen Tagen von einer tollwütigen Fledermaus verletzt. Aus dem zutraulichen Familienhund ist eine blutrünstige Kampfmaschine geworden. Gefangen in ihrem fahruntüchtigen Auto werden sie nicht nur durch die tobende Bestie bedroht, sondern auch noch durch die drückende Hitze.





Meinung:
Drei Jahre nach seiner kleinen Tier-Horror-Perle „Der Horror-Alligator“ lässt Lewis Teague erneut eine wilde Bestie wüten. Diesmal allerdings nicht als augenzwinkerndes Monster-Mutations-Spektakel. Sein Umsetzung des gleichnamigen Stephen-King-Romans „Cujo“ ist (in der zweiten Hälfte) ein waschechter, knüppeldicker Survival-Terror-Film, intensiv, böse und unbarmherzig. Der personifizierte Kinderschreck, das Monster aus dem Kleiderschrank als böser Tollwutgeist im Körper eines sonst als Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft auf vier Beinen idealisierten Lebewesens, dem Bernhardiner.


Der Wau-Wau hat ein Au-Au.
Ein großes, kaum vermeidbares Problem hat die Verfilmung und krankt daran auch eine ganze Weile. King’s Buch versetzte den Leser immer in den Kopf des Vierbeiners, ließ ihn an seinen Gedanken und somit an der schleichenden, unaufhaltsamen Verwandlung eines treuen, gutherzigen Familienhundes in ein von Tollwut langsam zerfressenes, unkontrollierbares, wahrnehmungsgestörtes Monstrums teilhaben. Aus der Sicht Cujos war das Buch ungemein intensiv und beängstigend, erzeugt so etwas wie „Verständnis“ für den später folgenden Amoklauf. Dies kann der Film selbstverständlich so nicht darstellen, zumindest nicht auf eine vernünftige, ernstzunehmende Art und Weise. Teague versucht dieses Handicap so gut es geht auszugleichen, durch Bilder den Gemütszustand und das Empfinden des Hundes begreifbar zu machen. Dies funktioniert im Rahmen der Möglichkeiten zwar ganz anständig, trotz alledem geht ein wichtiges Element der Handlung somit verloren. Entsprechend leidet der Spannungsaufbau zunächst deutlich, die zweckmäßig abgehandelte Thematik der Eheprobleme dient eigentlich nur zur Überbrückung. Doch selbst in dieser Phase wird die wachsende Bedrohung an einigen Stellen effektiv hervorgehoben. Wenn Cujo knurrend aus dem dichten Nebel tritt, von dem einstigen Schoßhund nur noch ein verschmutztes, zorniges Ungetüm mit blutunterlaufenden Augen übrig geblieben ist, treffen Lewis Teague und Kameramann Jan De Bont mit ihren gespenstischen Sequenzen voll ins Schwarze.


"Ein Feiner bist du, ein Feiner..."
Warum „Cujo“ dann letztendlich doch nicht nur zu den guten King-Verfilmungen, sondern ganz besonders zu den besten Tier-Horrorfilmen gezählt werden muss, tritt im nervenzerrenden, grandios inszenierten letzten Drittel zu Tage. Sagenhaft, wie hier perfektes Tiertraining, eine dynamische, rasante Kamera, nahezu perfekter Schnitt und das immer bizarrer werdende Äußere von Cujo sich zu einem engen, druckvollen, schweißtreibenden Szenario vermengen. Die brachialen Attacken erscheinen täuschend echt, selbst heute scheint es kaum vorstellbar, wie das gefahrlos gedreht werden konnte. Hochachtung vor Dee Wallace, das so zu drehen erfordert selbst in einem geschützten Rahmen tonnenschwere Cochones. Ein Rätsel, wie man ein Tier so abrichten kann. Oder es wurde mit 50 identischen Hunden gedreht, die nach dem Cut sofort erschossen werden mussten, das scheint bald wahrscheinlicher. Purer Terror, der über diverse Schwächen des Anfangs hinwegtröstet. Unglücklich bleibt im Angesicht dieser Wucht, dass der Film die bedingungslose Konsequenz verweigert und vor King’s ursprünglichen Magentritt-Finale in letzter Sekunde den Schwanz einzieht. Wohl nur für Kenner des Buches ein Ärgernis und soll den Film für sich nicht zu sehr schmälern. Das es auch anders geht (und sogar noch böser), bewies Frank Darabont 2007 mit „Der Nebel“. Dieser Mut ging den Machern hier leider ab.


„Cujo“ ist – unübersehbarer Kritikpunkten zu Trotz – schon ein beeindruckender Vertreter des Tier-Terrors, zumindest dann, wenn der Köter gänzlich von der Kette gelassen wird. Bis dahin ist vielleicht etwas Geduld und guter Willen erforderlich, aber das entschädigt für (fast) alles.

7 von 10 abgebrochenen Baseballschlägern

Review: GRAND PIANO - Spiel um dein Leben

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Fakten:
Grand Piano
USA. 2014. Regie: Eugenio Mira.
Buch: Damien Chazelle. Mit: Elijah Wood, John Cusack, Tamsin Egerton, Kerry Bishé, Dee Wallace, Alex Winter, Don McManus, Christopher Kahler, Allen Leech u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.







Story:
Starpianist Tom Selznick muss eines der schwierigsten musikalischen Stücke fehlerfrei auf der großen Bühne spielen. Nicht für die Zuschauer, sondern für einen mysteriösen Auftragskiller, der Tom mit dem Tode bedroht, sollte dieser sich verspielen.



Ein Klavier ihn zu knechten...
Meinung Jacko:
Interessant in seiner Grundprämisse und ambitioniert in seinem Auftreten verklimpert sich „Grand Piano“ viel zu oft und spielt besonders am Ende die völlig falschen Töne. Regisseur Eugenio Mira und Autor Damien Chazelle entwerfen ein durchaus reizvolles Szenario, welches stark an Joel Schumachers „Nicht auflegen!“ erinnert, welcher auf einem Skript beruhte, das einst sogar Alfred Hitchcock verfilmen wollte. Leichten Hitchcock-Flair versprüht auch „Grand Piano“, orientiert sich offenkundig auch dezent am europäischen Genre-Kino vergangener Tage, verpasst es jedoch mehrfach entscheidende Höhepunkte zu setzen. Handwerklich grundsolide inszeniert und mit Elijah Wood gut besetzt lässt das Skript Raffinesse vermissen und geizt nicht mit drastischen Mängeln in Bezug auf Glaubwürdigkeit. Der als „perfekte“ verkaufte Plan des unbekannten Scharfschützen ist so umständlich wie riskant, logisch ist hier wenig bis gar nichts und als dann endgültig die Motivation des Antagonisten gelüftet wird, kann man sich gänzlich davon verabschieden. Dazu passend ist das enttäuschende Finale, in dem nun auch der bedrohte Protagonist sich urplötzlich sehr risikofreudig und eher dämlich verhält. Die vorher so bemüht aufgebaute Bedrohung entpuppt sich als Furz im Wind. Wenn schon die Handlung nicht immer Sinn macht, sollte das Ganze wenigstens konsequent sein, zumindest seiner „eigenen Logik“ treu bleiben. Wieso alle so handeln wie sie handeln bleibt ein großes Fragezeichen und verärgert in seiner Planlosigkeit am Ende sogar. An „Grand Piano“ ist freilich nicht alles schlecht und grob interessant bleibt er durchgehend, nur beschleicht einen der Gedanke, dass um das Beste - die Grundidee -  einfach nur ein äußerst wackliges Gerüst gezimmert wurde, welches den Laden nur sehr notdürftig zusammenhält. Verschenkt.


5 von 10 schiefen Tönen

... ein Gewehr ihn zu töten
Meinung souli:
„Grand Piano“ gehört zu diesen Filmen, die einfach nicht funktionieren. Egal wie man ihm auch entgegentritt, egal wie gutmütig man ihn zwischendurch auch dreht und wendet, es klappt einfach nicht. Warum? Nun, wenn es um Logikfehler geht, dann muss man in der Rezeption den jeweiligen Anspruch des Werkes berücksichtigen um zwischen einer 'realen Logik' und einer 'filmischen Logik' differenzieren zu können. „Grand Piano“ aber ist ein solch enervierender Schlawiner, dass er sich beiden Möglichkeiten schlichtweg entzieht und somit nicht lange benötigt, um dem Zuschauer, selbst denen, die nicht pedantisch auf Logiklöcher achten, im Stakkato Kopfschütteln und leidendes Schnaufen zu entlocken. Was Drehbuchautor Damien Chazelle eigentlich zu einem Suspense-Vergnügen entwerfen hätte sollen, wird ein träger, aber handwerklich durchaus solider Thriller ohne Thrill, der Regisseur Eugenio Mira immer wieder jede Aussicht auf minimalistische Kniffe, die zu echter, zu greifbarer (Hoch-)Spannung führen würden, negiert. Im Endeffekt ist „Grand Piano“ grober Unfug, der in seinen ungereimten Dummheit auch keinen Spaß macht, weil er sich selber einfach viel zu ernst nimmt und Hauptdarsteller Elijah Wood („Alexandre Ajas Maniac“) kläglich unterfordert. Natürlich gibt es unerträglicheren Kram und für John Cusack ist es neben dem ziemlich miesen „Numbers Station“ und dem lächerlich schlechten „Motel Room 13“ sogar eine kleine Qualitätssteigerung, uninteressant bleibt „Grand Piano“ dennoch absolut.


4 von 10 hohen Cs

Review: THE HOUSE OF THE DEVIL - Horror der alten Schule

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Fakten:
The House of the Devil
USA, 2009. Regie & Buch: Ti West. Mit: Jocelin Donahue, Tom Noonan, Mary Woronov, Greta Gerwig, AJ Bowen, Dee Wallace u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Um die dringend benötigte Miete für ihre neue Wohnung aufzutreiben, nimmt Studentin Samantha einen Job als Babysitter im abgelegenen Haus der Ulmans an. Vor Ort klärt Mr. Ulman sie auf: Sie soll kein Kind, sondern die alte Mutter ihrer Frau betreuen. Er versichert ihr jedoch, keine große Arbeit mit ihr zu haben und bezahlt sie fürstlich. Es scheint wirklich ein sehr entspannter Abend für Samantha zu werden. Doch in der trügerischen Stille des Hauses scheint etwas zu lauern...


                                                                          

Meinung:
Zunächst muss ich anmerken: Mit Ti West's umjubelten Folgefilm "The Innkeepers" konnte ich persönlich recht wenig anfangen. Die Vorfreude auf "The House of the Devil" hielt sich daher in Grenzen. Umso überraschender: "The House of the Devil" zählt wohl (diesmal auch für mich) zu den bemerkenswertesten Beiträgen im Horrorgenre der letzten Jahre.


Leicht verdientes Geld?
Mit wenig finanziellen Mitteln und ohne jeden aufgeblasenen Hokuspokus erweist Ti West dem Horrorfilm der alten Schule seine Referenz. Die Handlung ist angesiedelt in den 80ern, das Thema des Films orientiert sich an den Genrefilmen vergangener Tage, schon der Vorspann und das teilweise grobkörnige Bild erinnern an raue Low-Budget-Streifen der 70er. "The House of the Devil" wirkt in seinem bewusst "alten" Auftreten wie aus der Zeit gefallen und angenehm "frisch", wohl bekannt und trotzdem anders. Anders - zumindest verglichen mit den meisten heutigen Produktionen - ist zudem der enorm entschleunigte Erzählstil, was lediglich innerhalb der ersten halben Stunde mal zu kleineren Längen führt. Dort hätten minimale Kürzungen bzw. Straffungen dem Endprodukt nicht geschadet. Tempo gewinnt der Film im weitern Verlauf nicht hinzu, um genau zu sein passiert eine ganze Weile lang fast nichts. Fast. Denn natürlich passiert etwas. West gelingt es auf beeindruckende Weise und ohne auf kalkulierte Jumpscares zu setzten, eine Stimmung höchster Anspannung zu kreieren. Wenn Samantha minutenlang durch das Haus streift, kaum etwas zu hören ist außer den gelegentlichen und sehr dezenten Fragmenten eines Scores, wird die Atmung automatisch flacher und jedes plötzliche Geräusch würde einen mittelschweren Herzinfarkt verursachen. An der Stelle der Hinweis: "The House of the Devil" sollte zwingend unter angemessenen Rahmenbedingungen konsumiert werden. Keine redseligen Mitstreiter, gedämmtes oder im Optimalfall gar kein Licht, absolute Ruhe und Konzentration auf das Geschehen. So kann er erst seine volle Wirkung erzeugen. So kann auch erst der Zuschauer erfassen, wie durchdacht und durchkonzipiert jede Einstellung ist. Da passiert nichts zufällig, jedes Detail hat seine Bedeutung, anders inszeniert könnte der Film gar nicht funktionieren. Zumindest nicht in dieser Qualität.

 
Bio-Make Up, frisch gezapft.
Das hört sich jetzt ähnlich an wie die gesamten Lobeshymnen auf "The Innkeepers", daher gerne nochmal: Das war nicht meins. Die Stimmung konnte mich dort selten packen, "The House of the Devil" ließ mich irgendwann nicht mehr von der Leine. Vor allem führt die konstante Bedrohung schlussendlich auch zu etwas: Einem Finale wie direkt aus der Hölle. So beängstigend und verstörend wie schon lange nicht mehr, zügellos, wild, trotzdem noch elegant, jedoch wieder mit diesem panischen Terror-Feeling der rüden 70er. Ein blutgetränkter Showdown mit diabolischen Bildkompositionen und einem unglaublichen bösen Magentritt zum Abspann hin, konsequent und nachwirkend. Ein Horrorfilm, der wahren Horror vermittelt. Zuerst leise, dann schonungslos und alptraumhaft. Der Vergleich zu dem kürzlich veröffentlichten "The Lords of Salem" von Rob Zombie liegt auf der Hand, berufen sich doch beide Filme auf die gleichen Vorbilder und transportieren deren Stil in die Gegenwart. Dennoch auf eine ganz andere Weise. Und obwohl Zombie's abstrakter Hexenclub sich ansprechend verkaufte, da hat West noch die Nase vorn. Da spricht nicht der Fanboy, sondern der Skeptiker, der nun hochachtungsvoll den Hut zieht. Chapeau, Mister West.


8 von 10 leichten Nebenjobs


Review: THE LORDS OF SALEM - Satan bevorzugt Vinyl

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Fakten:
The Lords of Salem
USA, 2012. Regie & Buch: Rob Zombie. Mit: Sheri Moon Zombie, Bruce Davison, Jeff Daniel Phillips, Judy Geeson, Meg Foster, Patricia Quinn, Ken Forree, Dee Wallace, Maria Conchita Alonso, Richard Fancy, Andrew Prine, Michael Berryman, Sid Haig, Bonita Friedericy, Nancy Linehan Charles u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


 
Story:
Radio-Moderatorin Heidi und ihre Kollegen erhalten ein Paket, abgeschickt von "den Lords". Es enthält eine Schallplatte, die sie in ihrer Sendung spielen. Die abstrakten Klänge kommen nicht nur erstaunlich gut bei ihren Hörern an, sie erzeugen bei Heidi merkwürdige Flashbacks und Visionen. Fortan hat die Frau mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen zu kämpfen, die mit der Vergangenheit ihres Heimatorts Salem in Verbindung zu stehen scheinen. Einst fanden hier satanische Rituale eines Hexenzirkels statt, der vom Reverend und seinen Inquisitoren blutig zerschlagen wurde. Als die mysteriösen Lords mit ihrem zweiten Paket ein Konzert in Salem ankündigen, steigern sich Heidis Visionen immer weiter und bald kann sie nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Wer sind die Lords of Salem und was wollen sie von ihr?


                                                                                   


Meinung:
Mit seinem fünften Spielfilm dürfte der eh umstrittene Regisseur Rob Zombie nun endgültig polarisieren. Sein lange angekündigtes Baby "The Lords of Salem" macht mal so gar keine Anstalten, sich beim breiten Publikum anzubiedern - eher im Gegenteil. Wie schon bei seinem letzten Film "Halloween 2" schert sich Zombie scheinbar nicht viel darum, ob das gut ankommen wird oder nicht. Er geht hier sogar noch einen Schritt weiter. Fast scheint es so, als wenn er mit diesem Film nur einen Zuschauer befriedigen will: Sich selbst. Wenn das noch jemanden gefallen sollte, super, aber darum geht es ihm nicht. "The Lords of Salem" ist sein Film, von ihm für ihn und die Zuschauer sind herzlich dazu eingeladen, an seiner Privat-Party teilzuhaben...nur ohne Gewähr.

Bequem ist anders.
Ob man nun Zombie für einen Trottel, das neue Wunderkind des Horrorfilms oder nichts von alledem hält, eines muss man ihm lassen: Der Mann sollte Unterricht über Kostenminimierung im Filmgeschäft abhalten, da können einigen Herren noch was lernen. Für 1,5 Millionen $ binden sich manche Stars nicht mal die Schuhe zu, damit dreht Zombie einen ganzen Film. Kein Zwei-Personen-Stück in einem Keller, sondern einen kompletten Film mit allem Drum und Dran, inklusive Masken, Effekten und sogar einem relativ namenhaften (wenn sicherlich auch bezahlbaren) Cast. Respekt! Natürlich müssen da in einigen Punkten leichte Abstriche gemacht werden und etwas mehr Kohle hätte dem Werk in Details bestimmt nicht geschadet (speziell bei Masken, Effekten und Setdesign), doch Zombie macht aus der Not (meistens) eine Tugend und setzt seine begrenzten Mittel recht effektiv ein. Da kommt ihm sein Gespür für Stimmung zugute, das kann enorm über gewisse Makel hinwegtäuschen. Nur manchmal gerät er schon sichtlich an seine Grenzen, an einigen Stellen wäre weniger klar mehr gewesen. Zwar muss Zombie für seinen Anspruch gelobt werden, sich von dem Budget nicht zu sehr die Hände auf den Rücken fesseln lassen zu wollen, jedoch hätte er auf einige Effekte lieber verzichten sollen, die eher albern rüberkommen. Das zerstört kurzzeitig die eigentlich durchgehend beklemmende Atmosphäre und holt den Zuschauer ruckartig auf den Boden der Tatsachen zurück. Gerade der ist allerdings bei "The Lords of Salem" überhaupt nicht das Maß der Dinge.

Karneval in Salem.
Wenn man denn die puren Tatsachen betrachtet: Eine Story existiert nur rudimentär, narrativ wird sich aufs Nötigste beschränkt und Zombie's Ehefrau Sheri Moon wird abseits seiner Produktionen wohl niemals eine Hauptrolle spielen. Bemüht ist sie ohne Frage, nur mehr lässt sich ihr kaum anrechnen. Wenn die mal halbwegs gefordert wird, ist der Ofen schnell aus. Das, gepaart mit den lächerlichen Mitteln, würde vielen Filmen schon das Genick brechen. Genau an dem Punkt schlägt jetzt das durch, was "The Lords of Salem" - und Rob Zombie im Allgemeinen - so interessant und besonders macht. Zombie offenbart mal wieder seine uneingeschränkte Liebe und Hingabe zum Genre, sein Fachkenntnis, sein Nerd-Herz. Oft erinnert sein Werk an das europäische Horrorkino der Vergangenheit, in seinen Schwächen wie Stärken. Eine starke Bildsprache, eine verstörend-beängstigende Soundkulisse, faszinierend-morbide Einfälle und abstrakte Momente, teilweise grandios in Szene gesetzt. Dazu ist kein Geld erforderlich, man muss nur wissen wie was wirkt und was man will, und dies versteht Zombie einwandfrei. Die Geschichte gerät vollkommen zur Nebensache, wenn man sich in Zombies okkulten Strudel aus Bild, Ton, Symbolik und Referenzen verliert. Das funktioniert partiell prächtig. Als wenn Rob Zombie den Film drehen würde, den Dario Argento bei seinem beschämenden Mütter-Trilogie-Abschluss "The Mother of Tears" nicht hinbekommen hat. Tatsächlich könnte "The Lords of Salem" fast als solcher funktionieren, Parallelen sind vorhanden, handwerklich wie von der Geschichte. Zwar ist Zombie nie so gut wie Argento zu seinen besten Zeiten, allerdings würde der alte Dario wohl alles dafür geben, heute so gut zu sein wie Zombie hier.
 
"The Lords of Salem" macht es einem echt nicht einfach. Mal ist das bärenstark, mal unpassend trashig, mal großartig und mal fast albern. Bezeichnend dafür ist das Finale, in dem ist alles drin. Grandiose Einstellungen wechseln mit absurder Clipästhetik, wie MTV auf LSD. Das hinterlässt einen merkwürdigen Eindruck, wirkt wüst und wild zusammengeworfen, doch das ist es dann wohl, was Rob Zombie wollte und er geil findet. Es sei ihm gegönnt, ist ja sein Film. Durch und durch. Man kann zu diesem teils beachtlichen, teils merkwürdigen Hexensabbat stehen wie man will, nur eins ist unbestreitbar: Er ist anders und mutig. Das ist schon mal mehr, als andere Regisseure jemals hinbekommen werden.
6,5 von 10 Schallplatten aus der Hölle

Review: THE HOWLING - DAS TIER - Es lauert im Wald...

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Fakten:
The Howling - Das Tier (The Howling)
USA, 1981. Regie: Joe Dante. Buch: John Sayles, Terence H. Winkless. Mit: Dee Wallace, Patrick Macnee, Dennis Dugan, Christopher Stone, Belinda Balaski, Kevin McCarthy, John Carradine, Slim Pickens, Elisabeth Brooks, Robert Picardo u.a. Länge: 87 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die TV-Journalistin Karen dient als Köder bei der Jagd nach einem Serienkiller. Dieser wird bei dem Einsatz getötet, für Karen bleiben die Albträume. Sie begibt sich in die Obhut eines Sanatoriums, doch hier beginnt der Spuk erst...





Meinung:

"Da draußen ist ein seltsames Heulen..."


Ein leicht ungesunder Teint...
Der Werwolf, eine uralte Kultfigur, nur leider über die Jahrzehnte fast ausgehungert. Wo sind Green Peace oder PETA, wenn sie wirklich gebraucht werden? Anfang der 80er gab es erstaunlich viel Futter für die Lykaner. "Wolfen", "American Werewolf" und eben "The Howling". Seitdem (und zuvor, da gab es eigentlich nur den Universal-Klassiker "Der Wolfsmensch") sind diese possierlichen Tierchen fast vom Aussterben bedroht, das geht ja mal gar nicht. Ich breche jetzt mal eine Lanze für den vergessenen Stubenköter, der besser nach Mitternacht nicht mehr gefüttert werden sollte...oder noch besser, zum Vollmond einfach komplett weggesperrt...also so oder so, don't mess with the Wolfman.


...aber wer mit dem Wolf tanzt...
 Eine wunderbar-klassische Horrorfilmgeschichte wird von Joe Dante schön aufgearbeitet. "The Howling" verbindet 80er-Jahre Genre-Können mit einer Hommage an die frühen Wegweiser des Gruselfilms. Da wird nicht zu früh auf die Kacke gehauen, dafür wird geschickt Spannung und Stimmung aufgebaut, aber alles im (damals) neu-modernen Stil, dem ansschließend noch "American Werewolf" oder auch "Das Ding aus einer anderen Welt" folgen solten. Essentieller Stoff wird den Mitteln entsprechend angepasst, "The Howling" ist nichts anderes. Eine Legende wird technisch auf ein anderes Level gehieft, die sensationelle Verwandlungssequenz wurde halt ein Jahr später, bei "American Werewolf", nochmal übertroffen, aber bis dahin: Der Stand der Dinge!


"The Howling" ist ein stimmungsvolles, gut gealtertes Stück Genrekino der frühen 80er, mit reichlich Referenzen und genug Eingenständigkeit, um heute als kleiner Klassiker bezeichnet werden zu können.

7 von 10 Silberkugeln

Review: HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN - Ruby, get back to the hills.

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Fakten:
Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes)
USA, 1977. Regie & Buch:  Wes Craven. Mit: John Steadman, Janus Blythe, Peter Locke, Russ Grieve, Virginia Vincent, Dee Wallace, Suze Lanier-Bramlett, Michael Berryman, Robert Houston, Brenda Marinoff u.a. Länge: 86 Minuten. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Familie Carter ist mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg in den Sommerurlaub, mitten in der Wüste haben sie nur leider eine Panne. Noch ungünstiger: Das Arial war mal Testgebiet für nukleare Versuche, und einige der handerlesenen Einwohner haben das überstanden. Folge: Sie haben Lust auf Frischfleisch, da kommen die Carters gerade recht.

 Meinung:
Der Zahn der Zeit hat nicht nur an den modischen Entgleisungen der Figuren genagt (Hotpants bei Männern sind echt out), dennoch ist Wes Cravens "The Hills Have Eyes" heute noch ein effizientes Stück Terrorkino. Low-Budget unübersehbar, dafür atmosphärisch von Anfang an dicht und es nimmt immer mehr zu. Schon nach wenigen Minuten deutet sich ein unausweichliches Fiasko an, das nicht nur so eintritt, sondern auch einen erst ungeahnten Höhepunkt findet. Im letzten Drittel ist "The Hills Have Eyes" großartig. Brutal, temporeich, Survival-Terror auf seinem Höhepunkt. Der Film ist ein Meilenstein seines Genres, hat aber durchaus Schwächen.


Amerikas hässliches Gesicht...

Cravens Inszenierung ist, gemessen an seinen Mitteln, toll, aber die Mittel sind schon zu sehen. Es wirkt gelegentlich schon trashig, es gibt Anschlussfehler, manchmal schmunzelt man, wo es nicht so gewollt war. Das darf man aber durchaus als Budget- und lehrnbedingte Makel anrechnen, für seinen Entstehungszeitraum und die Rahmenbedingungen ist "The Hills Have Eyes" schon verdammt gut. Cravens Film ist böse, hundsgemein, sehr spannend und letztendlich sogar gesellschaftskritisch. Die Konstellation der Carters, auf der einen Seite das erzkonservative Oberhaupt Bob, auf der anderen Seite der eher liberal eingestellte Schwiegersohn, sorgen für dezenten Sprengstoff, der für den Film oberflächlich nur nebensächlich erscheint, im Gesamtkontext aber durchaus Wucht besitzt. Da nutzt Craven seinen B-Terror-Film als grundsätzliche Kritik bzw. als Konfrontation der Wertesysteme, der konträren Lebenseinstellungen. Das hebt "The Hills Have Eyes" deutlich vom "billigem Genrekino" ab, wovon der Film ohnehin weit entfernt ist, aber es gibt ihm einen zeitlich wichtigen, cleveren Subtext, den kaum eine Kamerad (außer "The Texas Chainsaw Massacre" und mit - wenn auch nicht qualitativen - Abstrichen "The Last House on the Left", ebenfalls von Craven, und insgesamt sogar der bessere Film) vorweisen kann.


...trifft auf die Durchschnittsfamilie.
Dieser Punkt führt unweigerlich zu der absurden deutschen Synchro, die bis vor kurzem die einzige Alternative zum Originalton war. Wer die kennt, dürfte zu gut wissen, wie eine Änderung des akustischen Sachverhaltes einen ganzen Film entscheidend beeinflussen kann. Das hat aus diesem Film eine reine Trashparade gemacht, nur durch den Text. Geht nicht? Doch, und wie. Die aktuelle BR-Version enthält noch die ursprüngliche Synchro, aber auch endlich eine sinngemäße deutsche Tonspur, die leider dafür etwas lieblos dahingerotzt wirkt. Schön wäre die alte Synchro mit dem Text der neuen Fassung. Perfekt wird der Film wohl immer nur noch im Originalton, aber immerhin hat man als Synchroschauer jetzt noch eine Alternative zum kompletten Schwachsinn (einfach mal zwischen den deutschen Tonspuren an gewissen Stellen - z.B. dem Dialog von dem Tankwart und Papa Carter in der Tanke - hin und her schalten, das zeigt schon alles).


So oder so (nur nicht in der alten deutschen Fassung) ist "The Hills Have Eyes" perfides, böses Terror-Kino mit super Stimmung und rasantem Endspurt.  Nicht fehlerfrei, aber insgesamt schon ziemlich gut. Sollte man gesehen haben. 

7,5 von 10 verstralten Pseudo-Aliens.