Von
seiner Idee einen Film über Hooligans zu drehen, ist Regisseur und Musiker Rob
Zombie abgekehrt. Nun steht doch wieder Horror an. „31“ wird Zombies neuster
Film heißen und dazu ist nun der erste Teaser erschienen. Okay, bevor jetzt
alle Zombie-Fans vor Begeisterung aufschreien, hier schnell die Ernüchterung:
Mehr als Schrift und Szenen aus alten Filmen des Regisseur bietet der Teaser
nicht. Bisher ist nur eines klar: Sheri Moon Zombie, Robs Gattin, wird bestimmt
auch in „31“ wieder mit von der Partie sein. 2015 soll der fertige Film, der
aktuell noch in der Pre-Production ist, in die Kinos kommen.
USA, 2009. Regie & Buch: Rob
Zombie. Mit: Scout Taylor-Compton, Malcolm McDowell, Tyler Mane, Danielle
Harris, Sheri Moon Zombie, Brad Dourif, Caroline Williams, Dayton Callie,
Richard Brake, Octavia Spencer, Margot Kidder, Mary Birdsong, Chase Wright
Vanek, Richard Riehle u.a. Länge: 101/114 Minuten (Kinofassung/Directors Cut).
FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Laurie hat das Massaker des letzten
Halloweens zwar überlebt, jedoch mit tiefen Narben auf Körper und Seele. Sie
leidet an Angstzuständen und versucht in einer Therapie, die grausamen Taten
ihres Bruders Michael zu verarbeiten. Dieser ist hingegen der allgemeinen
Meinung nicht tot, sondern hat sich in die Wälder um Haddonfield zurückgezogen.
Er wartet. Auf die nächste Halloweennacht. Um das zu beenden, was er vor einem
Jahr begann.
Meinung:
"Halloween II" ist nun
endgültig Rob Zombies "Halloween". Schon beim Vorgänger wollte er
vieles ganz anders machen, musste sich aber letztendlich dem Druck des Studios
beugen. Zombies Ansprüche kollidierten zu sehr mit dem kommerziellen Anspruch
der Studiobosse, musste sich künstlerisch beschneiden lassen und im Endeffekt
eine Auftragsarbeit abliefern. Klar, er durfte seinen Stil schon im gewissen
Maße zeigen, aber immer in dem Rahmen, der ihm gelassen wurde. Er ging so weit wie
er durfte, aber nicht im Ansatz so weit, wie er es wollte.
Der schwarze Mann hat noch nicht genug.
Bei H2 war das nun hinfällig.
Zombie schöpft nun aus den Vollen, was fast logischerweise zu dem führte, was
das Studio beim Vorgänger vermeiden wollte: Der Film war nicht mehr so leicht
zu verkaufen, führte bei vielen zu Verwirrungen und sogar Enttäuschungen. Zu
weit und extrem entfernt sich der Regisseur vom klassischen
"Halloween"-Gerüst und drückt dem Film seinen eigenen Stempel mit so
einer Wucht auf, wie man es wohl kaum für möglich gehalten hätte. Verdammt gut
so! Im Prinzip orientiert sich Zombie nur in einer Szene an den Originalfilmen
bzw. dem Original H2. Die Krankenhausszene. Hier mag man noch glauben, es wird
ein ähnliches Semi-Remake wie bei seinem Erstling, doch weit gefehlt. Diese
Szene ist brillant und so bezeichnend für das ganze Werk. Es wird mit den
Erwartungen des fachkundigen Publikums gespielt, um sie aus heiterem Himmel zu
zerschlagen. Als wenn Zombie dem verblüften Zuschauer die lange Nase drehen
würde um ihm danach in aller Deutlichkeit zu sagen: So Leute, jetzt komme ich.
Verabschiedet euch von euren Vorstellungen, ich mache ab jetzt alles auf meine
Weise.
Zu Tisch, Mutti hat angerichtet.
Schon rein optisch ist ein
deutlicher Unterschied zu erkennen. H2 wirkt viel roher, dreckiger, ist ganz
anders geschnitten und gefilmt als sein Vorgänger. Da sieht man schon, dass
Zombie sich nicht mehr auf irgendeinen Konsens einlassen musste oder es
vermeiden wollte, jemanden zu verschrecken. H2 wirkt viel bizarrer und weit
weniger geradliniger, massenkompatibel. Das ist Zombie zu 100%, und nur so
macht das Sinn. Zudem schlägt er auch bei den Figuren einen ganz anderen Weg
ein. Laurie ist nach den Vorkommnissen des letzten Halloween stark
traumatisiert und seelisch gebrochen. Sie wirkt dadurch viel deutlicher wie ein
echter Mensch. Keine Filmfigur eines typischen Slasher-Sequels, die die
Vergangenheit verhältnismäßig lässig wegwischt, das entspricht der Realität
viel mehr, als man es sonst so oft sieht. Der Film widmet recht viel Zeit
dieser Charakterzeichnung, ohne dass sein Tempo darunter leiden muss. Die
Mischung gelingt hervorragend. Die bemerkenswerteste Änderung betrifft Dr.
Loomis, der sonst immer der Held und unerschütterliche "Gute" der
Halloween-Reihe war. Zombie verkauft ihn als Publicity-geilen Unsympath, der
sich nur noch um sein Ego und Bankkonto kümmert, anstatt wie ein Besessener
Michael hinterher zu hecheln. Der alte Dr. Loomis hätte erst Ruhe gegeben, wenn
er Michael persönlich in tausend Teile gesägt, verbrannt und hinterher in
geweihter Erde vergraben hätte. Diesem Dr. Loomis ist es lange herzlich
wurscht, was denn mit Michael passiert ist, aus den Augen, aus dem Sinn.
We are Family...
Was Zombie noch ganz anders macht
und wirklich gewöhnungsbedürftig ist: Er bricht mit zwei ganz großen
"Halloween"-Tabus: Michaels Gesicht ist deutlich zu sehen und,
Achtung, er spricht! Das stumme Monster spricht, was geht denn da ab?! Sonst
blieb er immer der gesichtslose schwarze Mann, das unbekannte Schreckgespenst,
der Mythos. So wollte man ihn eigentlich immer haben. Zombie dreht das komplett
auf links. Er vermenschlicht das Unbegreifliche, gibt ihm nicht nur Gesicht und
Stimme, sondern auch ein Innenleben. Tiefe Sehnsüchte nach Geborgenheit, dem
Schoß einer Familie, den Armen seiner Mutter, welche ihm als strahlendweißes,
engelsgleiches Geschöpf durch seine blutrünstige Familienzusammenkunft leitet.
Das mag ungewöhnlich und zunächst fast etwas befremdlich sein, aber eins ganz
besonders: Konsequent. Er bricht mit allem, warum nicht damit? Er zerlegt
alles, was bisher als sicher und gesetzt schien. Unter diesem Standpunkt ist es
sogar richtig. Rücksicht muss er auf niemanden mehr nehmen, er geht seinen Weg
und das bis zum Schluss. Dann, als die Familie endlich wieder vereint scheint
und sogar sein „Ziehvater“ Loomis sich wieder um den vergessenen Sohn kümmert,
ist Michael am Ziel. Jetzt ist die Jagd vorbei. Wenn zum Abschluss „Love Hurts“ erklingt, ist
alles gesagt und erzeugt bald Gänsehaut.
Genau das macht seinen H2 zum
tatsächlich besten Nachleger zum genialen Original von Carpenter. Das ist Rob
Zombie, das ist sein "Halloween" und das ist ein beinharter
Horrorfilm mit schmutziger Ästhetik. Der Mann versteht genau, was er da tut,
liebt Horrorfilme vom ganzen Herzen und macht dies überdeutlich. An was so
viele Remakes oder verspätete Nachleger scheitern, macht Zombie hier einfach
richtig. Er macht sein Ding, unterliegt keinen Zwängen und schafft dann eben
aus diesen Möglichkeiten einen Horrorfilm, der sein Publikum überrascht, aber
nicht verärgert. Im Gegenteil. Soviel Mut und Talent zeigt eigentlich niemand
in diesem speziellen Bereich. Hut ab, Mr. Zombie. Sie haben es geschafft, die
riesigen Fußstapfen zu verlassen und eigene zu hinterlassen.
USA, 2012. Regie & Buch: Rob Zombie. Mit: Sheri Moon Zombie, Bruce Davison, Jeff Daniel Phillips, Judy Geeson, Meg Foster, Patricia Quinn, Ken Forree, Dee Wallace, Maria Conchita Alonso, Richard Fancy, Andrew Prine, Michael Berryman, Sid Haig, Bonita Friedericy, Nancy Linehan Charles u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Radio-Moderatorin Heidi und ihre Kollegen erhalten ein Paket, abgeschickt von "den Lords". Es enthält eine Schallplatte, die sie in ihrer Sendung spielen. Die abstrakten Klänge kommen nicht nur erstaunlich gut bei ihren Hörern an, sie erzeugen bei Heidi merkwürdige Flashbacks und Visionen. Fortan hat die Frau mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen zu kämpfen, die mit der Vergangenheit ihres Heimatorts Salem in Verbindung zu stehen scheinen. Einst fanden hier satanische Rituale eines Hexenzirkels statt, der vom Reverend und seinen Inquisitoren blutig zerschlagen wurde. Als die mysteriösen Lords mit ihrem zweiten Paket ein Konzert in Salem ankündigen, steigern sich Heidis Visionen immer weiter und bald kann sie nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Wer sind die Lords of Salem und was wollen sie von ihr?
Meinung:
Mit seinem fünften Spielfilm dürfte der eh umstrittene Regisseur Rob Zombie nun endgültig polarisieren. Sein lange angekündigtes Baby "The Lords of Salem" macht mal so gar keine Anstalten, sich beim breiten Publikum anzubiedern - eher im Gegenteil. Wie schon bei seinem letzten Film "Halloween 2" schert sich Zombie scheinbar nicht viel darum, ob das gut ankommen wird oder nicht. Er geht hier sogar noch einen Schritt weiter. Fast scheint es so, als wenn er mit diesem Film nur einen Zuschauer befriedigen will: Sich selbst. Wenn das noch jemanden gefallen sollte, super, aber darum geht es ihm nicht. "The Lords of Salem" ist sein Film, von ihm für ihn und die Zuschauer sind herzlich dazu eingeladen, an seiner Privat-Party teilzuhaben...nur ohne Gewähr.
Bequem ist anders.
Ob man nun Zombie für einen Trottel, das neue Wunderkind des Horrorfilms oder nichts von alledem hält, eines muss man ihm lassen: Der Mann sollte Unterricht über Kostenminimierung im Filmgeschäft abhalten, da können einigen Herren noch was lernen. Für 1,5 Millionen $ binden sich manche Stars nicht mal die Schuhe zu, damit dreht Zombie einen ganzen Film. Kein Zwei-Personen-Stück in einem Keller, sondern einen kompletten Film mit allem Drum und Dran, inklusive Masken, Effekten und sogar einem relativ namenhaften (wenn sicherlich auch bezahlbaren) Cast. Respekt! Natürlich müssen da in einigen Punkten leichte Abstriche gemacht werden und etwas mehr Kohle hätte dem Werk in Details bestimmt nicht geschadet (speziell bei Masken, Effekten und Setdesign), doch Zombie macht aus der Not (meistens) eine Tugend und setzt seine begrenzten Mittel recht effektiv ein. Da kommt ihm sein Gespür für Stimmung zugute, das kann enorm über gewisse Makel hinwegtäuschen. Nur manchmal gerät er schon sichtlich an seine Grenzen, an einigen Stellen wäre weniger klar mehr gewesen. Zwar muss Zombie für seinen Anspruch gelobt werden, sich von dem Budget nicht zu sehr die Hände auf den Rücken fesseln lassen zu wollen, jedoch hätte er auf einige Effekte lieber verzichten sollen, die eher albern rüberkommen. Das zerstört kurzzeitig die eigentlich durchgehend beklemmende Atmosphäre und holt den Zuschauer ruckartig auf den Boden der Tatsachen zurück. Gerade der ist allerdings bei "The Lords of Salem" überhaupt nicht das Maß der Dinge.
Karneval in Salem.
Wenn man denn die puren Tatsachen betrachtet: Eine Story existiert nur rudimentär, narrativ wird sich aufs Nötigste beschränkt und Zombie's Ehefrau Sheri Moon wird abseits seiner Produktionen wohl niemals eine Hauptrolle spielen. Bemüht ist sie ohne Frage, nur mehr lässt sich ihr kaum anrechnen. Wenn die mal halbwegs gefordert wird, ist der Ofen schnell aus. Das, gepaart mit den lächerlichen Mitteln, würde vielen Filmen schon das Genick brechen. Genau an dem Punkt schlägt jetzt das durch, was "The Lords of Salem" - und Rob Zombie im Allgemeinen - so interessant und besonders macht. Zombie offenbart mal wieder seine uneingeschränkte Liebe und Hingabe zum Genre, sein Fachkenntnis, sein Nerd-Herz. Oft erinnert sein Werk an das europäische Horrorkino der Vergangenheit, in seinen Schwächen wie Stärken. Eine starke Bildsprache, eine verstörend-beängstigende Soundkulisse, faszinierend-morbide Einfälle und abstrakte Momente, teilweise grandios in Szene gesetzt. Dazu ist kein Geld erforderlich, man muss nur wissen wie was wirkt und was man will, und dies versteht Zombie einwandfrei. Die Geschichte gerät vollkommen zur Nebensache, wenn man sich in Zombies okkulten Strudel aus Bild, Ton, Symbolik und Referenzen verliert. Das funktioniert partiell prächtig. Als wenn Rob Zombie den Film drehen würde, den Dario Argento bei seinem beschämenden Mütter-Trilogie-Abschluss "The Mother of Tears" nicht hinbekommen hat. Tatsächlich könnte "The Lords of Salem" fast als solcher funktionieren, Parallelen sind vorhanden, handwerklich wie von der Geschichte. Zwar ist Zombie nie so gut wie Argento zu seinen besten Zeiten, allerdings würde der alte Dario wohl alles dafür geben, heute so gut zu sein wie Zombie hier.
"The Lords of Salem" macht es einem echt nicht einfach. Mal ist das bärenstark, mal unpassend trashig, mal großartig und mal fast albern. Bezeichnend dafür ist das Finale, in dem ist alles drin. Grandiose Einstellungen wechseln mit absurder Clipästhetik, wie MTV auf LSD. Das hinterlässt einen merkwürdigen Eindruck, wirkt wüst und wild zusammengeworfen, doch das ist es dann wohl, was Rob Zombie wollte und er geil findet. Es sei ihm gegönnt, ist ja sein Film. Durch und durch. Man kann zu diesem teils beachtlichen, teils merkwürdigen Hexensabbat stehen wie man will, nur eins ist unbestreitbar: Er ist anders und mutig. Das ist schon mal mehr, als andere Regisseure jemals hinbekommen werden.