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Review: CREED - ROCKY`S LEGACY - Rocky 2.0

1 Kommentar:


Fakten:
Creed – Rocky`s Legacy (Creed)
US, 2015. Regie: Ryan Coogler. Buch: Ryan Coogler & Aaron Covington. Mit: Sylvester Stallone, Michael B. Jordan, Tessa Thompson, Wood Harris, Tony Bellew, Phylicia Rashasd u.a. Länge: 133 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Adonis ist der uneheliche Sohn des Boxweltmeisters Apollo Creed und obwohl dieser vor seiner Geburt gestorben ist, hat der junge Adonis eine Leidenschaft fürs Boxen im Blut. Er wagt den entscheidenden Schritt, kündigt seinen Job und verlässt seine Ziehmutter um nach Philadelphia zu ziehen und dort Profiboxer zu werden. Auf der Suche nach einem Trainer wendet er sich an Rocky Balboa, den ehemaligen Rivalen und späteren Freund seines Vaters.




Meinung:
Als 2013 die Ankündigung kam, dass man das Rocky-Franchise im Lauf der kommenden Jahre um einen weiteren Eintrag ergänzen wolle, überraschte das wohl so gut wie niemanden. Der Remake- und Fortsetzungswahn Hollywoods hat in den letzten Jahren seinen Höhepunkt erreicht und keine auch nur halbwegs profitable Filmreihe scheint davor sicher zu sein. Aus Sicht der Produzenten spricht da auch überhaupt nichts dagegen, unabhängig von der Qualität des Werkes lockt allein schon der Name genügend Fans in die Kinos um einen mehr als erfolgreichen Film zu garantieren, ein finanzieller Flop scheint ein Ding der Unmöglichkeit. So begeisterte George Miller zuletzt mit seiner Neuauflage von „Mad Max“ und auch J. J. Abrams konnte mit „Star Wars: The Force Awakens“ die Magie der originalen Trilogie wieder aufleben lassen. Doch das sind aus qualitativer Sicht nur Ausnahmen, der Großteil beweist, dass Fanservice und aufdringliche Marketingstrategien oftmals wichtiger als der eigentliche Film sind und kreative Ansätze im Rausch der eingespülten Millionen schlichtweg untergehen. Auch „Creed“ schafft es nicht diese gewohnten Strukturen aufzubrechen.


Alt vs. Neu!
Der mittlerweile schon siebte Teil des Franchises reiht sich nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger mit ein. Neuartige Elemente sucht man dabei vergebens, „Creed“ orientiert sich zu jedem Zeitpunkt an den gängigen Mechanismen des Boxerfilms und konstruiert die klassische Rocky-Geschichte konsequent nach. Betrachtet man die Zufriedenheit der Fans ist diese Vorgehensweise durchaus legitim, doch genau dann muss sich der Film auch an seinen Vorbildern messen und dabei werden seine Schwächen nur zu deutlich. Das beginnt schon beim Protagonisten Adonis, der zwar eine nachvollziehbare Motivation erhält, emotional aufgrund seiner geringen Fallhöhe aber schlichtweg nicht funktioniert. Seine Liebesbeziehung wirkt standardisiert und platt wenn man sie mit der wunderbar unbeholfenen Annäherung zwischen Rocky und Adrian vergleicht und auch der Endkampf kann, obgleich er der am besten choreografierte und inszenierte Showdown der Reihe ist, nie wirklich mitreißen, weil emotional einfach zu wenig dahintersteckt. Inszenatorisch macht Coogler einen ordentlich Job (auch wenn er wohl manchmal dem Irrtum erlag mit „Creed“ ein Musikvideo zu inszenieren) und schafft es durchaus einen Grundstein für kommende Filme zu schaffen, doch für sich genommen ist „Creed“ nicht mehr als ein weiterer mittelmäßiger Eintrag ins Buch der Boxerfilme.  


Es ist die Ideenlosigkeit, die „Creed“ letzten Endes in die Belanglosigkeit stürzt, jedes Versatzstück scheint bekannt, der Weg des Films von Beginn an vorgezeichnet. Was Ryan Coogler uns hier präsentiert ist ein Best-of der bisherigen Rockyfilme, stark darauf ausgelegt durch die Sympathien für einen gebrechlichen Sylvester Stallone Bonuspunkte zu sammeln und den Rest durch oberflächliche Nostalgie und billigem Pathos zu generieren. Dass diese Formel bei Fans der Reihe greift, scheint daher keine große Überraschung zu sein, denn gerade in ihren Reihen werden Veränderungen grundsätzlich mit großen Zweifel betrachtet. Die allgemeine Begeisterung für diesen Film lässt sich wohl nur auf niedrige Erwartungshaltung zurückführen, denn auf rein filmischer Ebene ist „Creed“ sicherlich nicht mehr als Standartware.


5 von 10 Schläge ins Gesicht

Review: MACHO MAN - Die Action-Gurke aus dem Ländle

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Fakten:
Macho Man
BRD, 1985. Regie & Buch: Alexander Titus Benda. Mit: René Weller, Peter Althof, Bea Fiedler, Jacqueline Elber, Michael Messing, Horst Schreiber, Thomas Wening, Hans Vogel, Horst Ulrich, Jürgen Dietrich, Günther Althof u.a. Länge: 82 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Box-Weltmeister Dany Wagner und Karate-Ass Andreas Arnold verhindern gemeinsam einen Banküberfall und halten nun zusammen wie Pech und Schwefel. Etwas Stress gibt es wegen dem gemeinsamen Buhlen um die fesche Sandra, doch am Ende des Tages gilt es die pure Muskelmasse sinnvoll zu nutzen: Die skrupellosen Drogendealer aus dem schönen Nürnberg rauskloppen.





Meinung:
„Wen wir an der Nadel haben, der gehört uns!“

Über dem malerischen Nürnberg liegen dunkle Schatten. Gewissenlose Heroin-Dealer verticken ihren Schmutz an die hilflose Bevölkerung. Wer ihnen in die Quere kommt, wie die dralle Sandra, wird  - wie Drogendealer das in der Regel so machen – mit der aufgezogenen Fixe bedroht, um sie selbst zum Junkie zu spritzen. Wie gemein. Aber fürchtet auch nicht, denn die pure Männlichkeit in Gestalt von der damaligen Box-Ikone und heutigem Promi-Dinner-Held René Weller und dem damaligen Kickbox-Champ und heutigem Promi-Bodyguard Peter Althof sorgt mit harten Fäusten für Gerechtigkeit.


Harte Fäuste hotten hart ab.
Da sage nochmal einer, wir Deutschen können kein Genre. Gut, „können“ wäre echt übertrieben, „haben es trotzdem gemacht“ trifft es eher. Regisseur und Autor (beides fühlt sich so merkwürdig an zu schreiben) Alexander Titus Benda zollt seiner Heimatstadt ein äußerst merkwürdiges Tribut, das seinerzeit angeblich über 9000 Menschen in deutsche Lichtspielhäuser lockte, kaum zu glauben. Weil Karatekämpfer in den 80er sowas von cool und übermenschlich waren wie das gesamte Marvel-Universum von heute, was lag da näher als durch einheimische Kampfstudios zu tingeln und mit der Idee eines grandiosen Actionfilms sowie der Aussicht auf Ruhm und Ehre alles zusammenzutrommeln, was dafür nicht zu klug und erstaunlich-befremdlich selbstbewusst genug war? Tolles Vorhaben, das Ergebnis ist sagenhaft. Der „schöne René“ (wie auch immer er zu diesem Spitznamen gekommen ist, selbst in den 80ern) ist zwar Boxer, aber hey, doesn´t matter, wie man in Hollywood oder im Ländle sagt. Boxen, auch steil, wie es auf die Fresse gibt, spielt doch keine Rolle. Drehbücher auch nicht, wenn eins da war. Eher nicht oder es wäre mal interessant zu lesen. Um überhaupt auf epische 80 Minuten zu kommen, wird unentwegt die „Geschichte“ mit sinnlosen Szenen gestreckt, wie Heroin mit Backpulver. Mal wird minutenlang das ultra-geile Karate-Training gezeigt, wo natürlich Betonplatten und was sonst so im Dōjō rumliegt durchgetreten wird, weil…es einfach sooo mega ist! Mal wird schön durch Nürnberg gegondelt, damit jeder Geldgeber sein Haus oder Geschäft kurz im Bild hat, oder der flotte René darf seine Künste zur Schau stellen, was eigentlich nix mit der dürftigen Handlung zu tun hat. Naja, warum auch.


Viel cooler kann man einen Film kaum enden lassen.
Schade eigentlich, denn wenn „Macho Man“ mal wirklich einen auf Actionfilm macht, ist das sogar recht lustig. Ob gewollt oder (wahrscheinlich) nicht. René, der schmucke Feger, trägt nicht nur ein sensationelles Outfit auf, da ist von geschmeidiger Ballon-Seide, lausigem Fuchs-Fell-Imitat oder so knüppeleng gestrafften Jeans alles dabei, wie Robert De Niro in „Casino“, nur in assi. Nein, er rettet auch die Mops-Maus Sandra vor dem Gesindel, verteidigt mit dem Franken-Van-Damme Althof selbstlos eine Sparkasse vor dem (versicherten, aber egal) Verlust des Hab und Guts und am Ende gibt es aufs Maul für die lumpigen Pusher. Dann ist dieses urige Vehikel sogar ganz drollig, weil selbst das alles so unverschämt scheiße rüberkommt, aber mit sichtlicher Euphorie umgesetzt wurde. Als wenn erwachsene Menschen mit Bauklötzen einen Turm bauen und sich dann abfeiern, weil er nicht umfällt. Ganz komisch. Doof, das dazwischen so rein gar nichts passiert und man sich notgedrungen an der Mode, den Frisuren (herausragend: Der Minipli-Ninja Michael Messing) und einer phänomenalen Tanzeinlage von Universaltalent René Weller erfreuen muss. Das kostet dem Film Punkte, die er ohnehin nicht verdient, aber sich fast ertrasht hätte.


Zudem ärgerlich: Der Film wurde synchronisiert! Somit kommt der gespannte Zuschauer nicht mal in den Genuss von René Weller’s wunderbaren Stimme, nein, hier wurde „professionell“ nachgebessert. Verständlich, trotzdem traurig. Immerhin, so darf Ekkehardt Belle nicht nur Steven Seagal, sondern auch das Weller mit seiner Stimme zieren. Muss der Stolz sein. Wie alle Beteiligten. Ein unglaublich beschissener Film, der sogar wirklich unterhaltsam sein könnte, wenn er denn nicht so unsinnig mit Füllmaterial vollgestopft wäre.

„Da sieht man mal, wie praktisch es ist, wenn man Karate kann.“

3 von 10 Uhrenvergleichen (ohne tatsächlich zu vergleichen)

Review: REAL STEEL - Rostfreier Edelkitsch

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Fakten:
Real Steel
USA, 2011. Regie: Shawn Levy. Buch: John Gatins, Dan Gilroy, Jeremy Leven, Richard Matheson (Vorlage). Mit: Hugh Jackman, Evangeline Lilly, Dakota Goyo, Anthony Mackie, Kevin Durand, Hope Davis, James Rebhorn, Karl Yune, Olga Fonda, John Gatins u.a. Länge: 127 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In der nahen Zukunft sind Boxkämpfe zwischen menschlichen Gegnern Vergangenheit, nun treten Roboter gegeneinander an. Der abgehalfterte Ex-Boxer Charlie Kenton hält sich mit schrottreifen Kampfmaschinen und billigen Kirmes-Fights mehr schlecht als recht über Wasser. Dann erfährt er, dass er einen 11jährigen Sohn hat, Max. Auf die Vaterrolle hat Charlie keine große Lust und schließt einen Deal ab mit dem wohlhabenden Mann von Max‘ Tante Debra. Für 100.000 Dollar tritt er das Sorgerecht an sie ab, muss Max allerdings für einige Wochen zu sich nehmen, damit das Paar die geplante Urlaubsreise noch antreten kann. Die angespannte Situation zwischen Vater und Sohn bessert sich, als sie auf einem Schrottplatz einen ausrangierten Roboter finden. Charlie hält nicht viel von dem Auslaufmodell, doch Max sieht das ganz anders. Mit Recht, denn gegen alle Erwartungen erweist sich „Atom“ als echter Champion, die Chance für Charlie, wieder auf die große Bühne zurückzukehren.







Meinung:
„Real Steel“, das ist Hollywood-Effekt-Kino mit süßlichem Coming-Together-Pathos aus dem Lehrbuch. Eine reizvolle Ausgangslage um eine Zukunft, in der sich nicht mehr Menschen, sondern gewaltige Roboter im Boxring auf die Omme hauen, technisch wie zu erwarten absolut zeitgemäß und durchaus sehenswert, inhaltlich vorhersehbarer als Sonnenschein in der Wüste und sich munter bei unzähligen von Zero-to-Hero-Storys bedienend, insbesondere bei der Sly Stallone 80er Trash-Bombe „Over the Top“.


Großer Junge, großes Spielzeug.
Hugh Jackman als der runtergekommene Rumtreiber, der sich notgedrungen seines neunmalklugen (und UNFASSBAR nervigen!) Sohnemanns annehmen muss und im Laufe der Zeit nicht nur wieder in die Erfolgsspur zurückfindet, sondern – natürlich – auch die Liebe für sein eigen Fleisch und Blut entdeckt. Herzerwärmend. Regisseur Shawn Levy setzt wie gewohnt auf massiven CGI-Einsatz, sonst nur auf altbekanntes Gesülze von vorgestern. Aufdringlich, unverblümt, zuweilen fast sogar schon komisch und nicht selten eher ätzend, eigentlich ist „Real Steel“ so ein Film, der mit seinem platten Emotions-Geschleime direkt auf den Schrottplatz gehört. Eigentlich, aber irgendwo schrappt das Ganze dann doch noch an der totalen Bruchlandung vorbei. Es ist wohl dieses Kleine-Jungen-Herz, das immer noch in der Brust der meisten erwachsenen Männern schlägt. Da prügeln sich große Roboter in einem Ring und ja, das ist doch irgendwie cool. Was da abseits der Seile abgeht mag noch so dusselig und spießig-familientauglich sein, einen gewissen Charme kann man dem halt nicht absprechen.


"Are you talking to me?"
Gerade weil das alles so berechenbar und verkitscht bis zum Gehtnichtmehr ist, kann man sich getrost zurücklehnen, hier und da mal grinsen oder lächelnd den Kopf schütteln und sich ganz einfach berieseln lassen. Kurzweilig ist der Eintopf aus tollen Effekten und den Spielberg-typischen Zutaten für einen braven Eventfilm mit der Extra-Portion Zuckerguss ehrlich gesagt schon. Eine ganz einfach gestrickte Rummelplatz-Sensation, die ab und an sogar mal einen Treffer landet und nie ernsthaft langweilt. Nimmt natürlich viel zu oft die Deckung runter und fängt sich dann einen verheerenden Treffer nach dem anderen ein, taumelt, wird mehr als einmal angezählt, wenn am Ende der Gong erklingt, haben es alle ohne bleibende Schäden überstanden und könne sich sportlich fair die Hand schütteln.


Gehört in die Kategorie 'unwichtiger, erprobt-manipulativer Unterhaltung', bei der sich ganz gelungene und nervige Momente mehr oder weniger grob die Waage halten. Mal relativ nett, mal furchtbar daneben (nochmal: Dieser Bengel, dafür müssten Babyklappen in Übergröße eingebaut werden), unterm Strich gut verdaulicher Hochglanz-Schrott, den der Papa mit dem kleinen Sohn an einem Sonntagnachmittag gucken kann. Der Kleine freut sich und staunt Bauklötze, Papa kommt um SpongeBob  herum, muss man auch mal so sehen. Eine Win-Win-Situation.

5 von 10 Schattenboxern.

Review: ROCKY II - Der Sieger der Herzen kehrt zurück

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Fakten:
Rocky 2
USA. 1978. Regie und Buch: Sylvester Stallone.
Mit: Sylvester Stallone, Talia Shire, Carl Weathers, Burt Young, Burgess Meredith, Tony Burton, Joe Spinell, Frank McRae, Leonard Gaines, Sylvia Meals u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Zwar verlor der Underdog Rocky Balboa den großen Kampf gegen Boxweltmeister Apollo Creed knapp, doch danach ist der junge Boxer in aller Munde. Sein Gegner Creed, der eigentlich dachte mit Balboa ein einfaches Opfer vor sich zu haben, will eine Revanche, um deutlich zu zeigen, dass er ohne Wenn und Aber besser ist.






Meinung:
Offenkundig irritiert vom imputierenden Kampfgeist Rockys und erschöpft von der Kondition wie dem puren Willensstärke des Italian Stallion, der ihn unerwartet bis über seine Grenzen hinaus gefordert hat, verlässt Champion Apollo Creed den Ring. Die Menge jubelt euphorisiert, doch sie jubelt nicht für den Sieger nach Punkten, sie jubelt für den Sieger der Herzen, der mit seinem grün und blau geschlagenem und mit Schweißperlen übersäten Gesicht den Namen seiner geliebten Adrian mit letzter Kraft brüllt. Es sind die letzten Sekunde von „Rocky“, in denen man Zeuge davon werden durfte, wie man einem Film und seinem Helden mit Sicherheit einen echten Legendenstatus vermachen kann. Die Rechnung ging nicht nur aus kommerzieller Sicht mit enormen Erfolg auf, auch die Kritikerfront überschwemmte John G. Avildsen Charakter- und Milieustudie mit überschwänglichen Lobeshymnen: Die Weichen für ein Sequel waren gestellt, für das Sylvester Stallone zum bis dahin zweiten Mal in seiner Karriere höchstpersönlich die Regie übernahm.


"Wie süß. Komm Schatz, nennen wir ihn Arnold."
War der liebenswerte, aber alles andere als intelligente Rocky Balboa 1976 noch der aus Philadelphias Unterschicht entsprungene Gossenlumpi, der sich mit vielen kleinen Jobs irgendwie über Wasser zu halten versuchte, wird er in „Rocky II“ mit der anderen Seite des Lebens konfrontiert. Rocky steht nun das Geld zur Verfügung, welches er sonst nie hatte und durch seine öffentliche Beliebtheit soll er schon bald Werbespots sein Gesicht leihen. Aber Rocky weiß nicht, wie man richtig mit Finanzen umgeht und handelt überschnellt aus seiner typischen Naivität heraus: Schicke Uhren, ein schnelles Auto und für seine Frau wird noch ein dicker Pelzmantel angeschafft. Da er sich aber dafür entschieden hat, dem Rampenlicht, sowohl aus sportlicher, aber auch aus medialer Sicht, sicherheitshalber den Rücken zu kehren, muss er sich einen „normalen“ Beruf aussuchen, um seine bald dreiköpfige Familie irgendwie versorgen zu können. Und da sein Intellekt für eine Arbeit im Büro nicht ausreicht, müssen im Schlachthof wieder Rinderhälften geschleppt werden.


Ein Rematch? Da muss Rocky aber zwei Augen zudrücken.
„Rocky II“ arbeitet sich im Grunde genau an den dramaturgischen Stützpfosten entlang, die sich schon „Rocky“ 3 Jahre zuvor zu eigen machte - Mit dem wichtigen Unterschied, dass er die Geschichte auf eine ganz andere Ebene verlagert und Rocky nicht mehr der Underdog ist, der aus dem Nichts kommt und durch die nötige Portion Glück die Chance bekommt, sich zu beweisen. Hier MUSS Rocky etwas tun, denn er ist nicht mehr nur für sich allein verantwortlich, sondern auch für seine Familie. Das Schema des Handlungsverlauf lässt sich dabei immer an den Reaktionen der vom Drehbuch deutlich vernachlässigten Adrian ablesen, die Rocky erst mal aus Angst nicht erneut gegen Apollo Creed antreten lassen möchte, nach seinen Provokationen im Fernsehen und dem überstandenen Schock im Privaten ihren Mann logischerweise von der Leine lässt und in den Kampf mit dem in seinem Stolz verletzten Creed schickt. Packend ist dabei nicht der eigentliche Verlauf, der ist vorhersehbar, es die verschiedenen Stadien von Drucksituationen, die Rocky gezwungen ist zu durchwandern.


Tritt Rocky an, so muss er um sein Augenlicht fürchten, tritt er nicht an, hat er einen Ruf zu verlieren und damit auch kein Hintertürchen mehr offen, welches ihm vielleicht in einer richtigen Notlage noch einmal helfen könnte. Wenn Rocky sich aber nun entscheiden sollte, gegen Creed anzutreten, dann muss er das auch gewissenhaft machen und im Training nicht nur halbherzig die Boxbirne streicheln. Wenn er sich nicht konzentriert vorbereitet, wird er, wie sein Trainer Mickey richtig feststellt, vor laufenden Kamera vom schwarzen Hünen totgeschlagen. Die Angst schwingt hier immer mit, und diese Angst ist eine existentielle, die sich im Aufeinandertreffen, der finale Herausforderung, noch tiefer in die Seele gräbt und vollständig in Luft auflöst. Wie der Kampf ausgeht, ist kein großes Geheimnis, wie dynamisch Stallone diesen Fight inszeniert, ist ein brillant geschnittener Wechsel aus donnernden Dampfhammerschlägen und präziser Antizipation, die für den Profisport einzig ausschlaggebend ist. „Rocky II“ macht dem Erstling keine Schande, er vollendet ihn in seinem Pathos seriös, in dem er seinen Geist weiteratmen und lässt ein in sich geschlossenes Werk entstehen, das emotional wirkt und ebenso zu unterhalten weiß.


6 von 10 Tigerjacken


von souli

Review: MILLION DOLLAR BABY - Frauen und Boxen? Eine gute Idee!

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Fakten:
Million Dollar Baby
USA. 2004. Regie: Clint Eastwood. Buch: Paul Haggis. Mit: Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman, Jay Baruchel, Mike Colter, Lucia Rijker, Brian F. O’Byrne, Margo Martindale u.a. Länge: 127 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Frankie Dunn ist ein in die Jahre gekommener Boxtrainer und Besitzer eines Boxclubs. Er ist einer der Besten in der Szene, hat es aber noch nie geschafft, einem seiner Boxer einen Titelkampf zu ermöglichen. Kurz bevor es ihm gelingen könnte, verlässt ihn zudem sein bester Boxer. Da trifft Frankie auf die bereits 31-jährige Maggie Fitzgerald. Sie hat zwar Talent, aber Frankie trainiert keine Frauen. Doch nach und nach gewöhnt sich der knurrige Coach an seinen neuen Schützling, es kommt zu zunehmenden Erfolgen dieses Gespanns, doch auch neben dem Sport sollten so einige Veränderungen im Leben und in den Sichtweisen der beiden Protagonisten entstehen.




Meinung:
Clint Eastwood ist die zentrale Figur in diesem Sport-/Familiendrama. Er ist nicht nur Produzent und Regisseur, nein, er spielt auch noch die Hauptrolle und schrieb die Filmmusik. Zwei Oscars (Bester Film/Beste Regie) und eine Oscarnominierung (Bester Darsteller) waren der verdiente Lohn für seine Mühen. Dabei scheint der Film auf den ersten Blick gar nicht so besonders zu sein. Die Erzählweise des Films bedient sich eines relativ klassischen Mittels. „Scrap“ (Morgan Freeman) erzählt aus dem Off das Geschehen noch einmal nach, hebt einige wichtige Situationen deutlich hervor und kann als auktorialer Erzähler auch Dinge erklären, die seine Figur so eigentlich gar nicht mitbekommen haben kann. Dennoch wirkt diese Erzählweise angenehm erfrischend und lässt als Roter Faden den Zuschauer so stets den Überblick über das Geschehen behalten.


„Es ist die Magie, alles für einen Traum zu riskieren, den außer dir selbst niemand kennt.“



"Nein, ich trainiere keine Frauen. Niemals. Ganz sicher."
Maggie Fitzgerald hat einen Traum. Sie will Boxchampion werden und das glaubt sie nur mit Trainerveteran Frankie Dunn erreichen zu können. Der will sie jedoch nicht als seine Boxerin und lässt sie erst mal links liegen. Doch Maggie gibt nicht auf, trainiert auf eigene Faust. Diese Boxszenen im Training wirken real, Technik und Taktik würden wohl auch im echten Boxsport so Anwendung finden. Dazu kommt eine unheimliche Härte und Energie, was diese Szenen sehenswert macht. Zwar fallen die Boxszenen für Sportfans vielleicht etwas zu kurz aus, aber der Film will sich auch nicht auf den Sport beschränken. Stattdessen zeigt er das Leben zweier völlig unterschiedlicher Charaktere, die sich über den Weg laufen und sich nach und nach annähern, verbunden durch die Liebe zum Boxen und den Hausmeister Scrap. Es entsteht Vertrauen, Freundschaft und am Ende eine Art Vater-Tochter-Beziehung zwischen Maggie und Frankie. Der Film zeigt Rückschläge, private Probleme, die Niedergeschlagenheit und Trostlosigkeit im Leben von Frankie, der sich in den Glauben als Ersatz gestürzt hat, aber auch dort keine echten Antworten findet.



Reicht der Schlag für den großen Traum Weltmeisterin?
Zentrales Element des Films ist dabei die Hoffnung. Die Hoffnung von Maggie, Erfolg im Boxsport zu haben. Ihrer einzigen, großen Liebe. Ihre Hoffnung, damit Geld zu verdienen, um ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen zu können. Und hierfür steht sie mit unglaublichem Engagement und großer Beharrlichkeit Tag für Tag auf der Matte, lässt sich von Rückschlägen nie unterkriegen. Sie geht ihren Weg und weiß dabei immer genau, was sie will. Von der ersten bis zur letzten Minute. Aber die Hoffnung lebt auch in Frankie, der keinen Kontakt mehr zu seiner eigenen Tochter hat. Für ihn wird Maggie bald zu einem Tochterersatz. Und zudem hofft er auf ihren (und damit auch seinen) Erfolg, der beiden bisher immer verwehrt geblieben ist.


Das letzte Drittel des Films macht dann, ohne jetzt zu viel verraten zu wollen, das ohnehin schon starke Sportdrama zu einem genauso herausragenden wie umstrittenen Film. Der schmale Grat zwischen richtig und falsch verschwimmt, moralisch ist es genauso verwerflich wie, vielleicht noch mehr, verständlich. Der Sport rückt dabei in den Hintergrund und ins Zentrum gelangen andere Dinge. Wie gesagt, hier könnte man schnell zu viel verraten, aber was man ohne Probleme sagen kann ist, dass diese letzten etwa 40 Minuten den Film zu etwas ganz Besonderem machen



"Am Geburtstag mit 'nem Einäugigen in einer Bar - toll."
Schauspielerisch ist der Film über weite Strecken einfach nur herausragend. Hilary Swank spielt die Rolle der so optimistischen Boxerin mitsamt Sprache, Statur und Aussehen so, als ob sie bereits ihr ganzes Leben Maggie war. Der Oscar war nur die logische Konsequenz. Einen weiteren Oscar erhielt Morgan Freeman, der als einäugiger ehemaliger Boxer und nun Hausmeister und rechte Hand von Boxclubbesitzer Frankie Dunn so sehr beeindruckt hat, wie es selbst dieser Ausnahmedarsteller selten schafft. Und zuletzt muss man auch die Leistung Eastwoods als Boxtrainer würdigen, der es hier als Schauspieler endlich mal schafft, deutlich mehr Facetten seines Charakters offen zu legen als nur der etwas eingerostete Alte und der Typ mit dem coolen Gesichtsausdruck, wobei natürlich auch dieser Blick wieder mit von der Partie ist. Nur die kleineren Nebenrollen sind vielleicht etwas zu übertrieben und zu sehr klischeehaft ausgearbeitet, damit auch jedem deren Charakter klar wird. Und dadurch wirken diese kleinen Figuren, sei es nun die Familie von Maggie oder die deutsche Boxerin, in der Form nicht unbedingt glaubhaft. Beispielsweise wäre die deutsche Boxerin für ihre unsportliche Kampfweise, die sie angeblich bei jedem Kampf in dieser extrem übertriebenen Form an den Tag legt, schon längst vom Boxverband gesperrt worden.


Trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers ist „Million Dollar Baby“ ist einer der besten Filme von und mit Clint Eastwood. Virtuos verbindet er die Action und die Faszination des Sports mit Familienproblemen und wichtigen sozialen Themen. Dabei wird der Film nie langweilig und wagt es sogar, zum Ende hin aus der typischen „Sportaufsteiger“-Story auszusteigen und relativ ungewöhnliche Wege einzuschlagen. Das macht den Film in seiner Aussage zwar ein bisschen zwiespältig, aber auch noch einmal deutlich stärker. Hochemotional, kritisch, ambivalent ist der Film. Und dazu passt das hervorragende Spiel seiner drei zentralen Darsteller Eastwood, Freeman und vor allem Hilary Swank.


9 von 10 geliehene Boxbirnen