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Review: ELECTRIC BOOGALOO - Die Geschichte einer Ära

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Fakten:
Electric Boogaloo
USA. Regie und Buch: Mark Hartley. Mit: Dolph Lundgren, Michael Dudikoff, Franco Nero, Boaz Davidson, Sam Firstenberg, Bo Derek, Molly Ringwald, Tobe Hooper u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: freigegebe ab 16 Jahren. Ab 21. April 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Geschichte von Cannon Films, einem zunächst unabhängigen Unternehmen, welches durch preiswert wie schnell produzierte Filme, in den 1980er Jahren, schnell zu Ruhm gelang.





Meinung:
„Er hatte die verblüffende Fähigkeit sich Scheiße auszudenken, die wir dann drehten. Und diese Filme sieht man nun.“
Kinder der 80er, Freunde des schlechten Films und all jene, die es vielleicht noch werden wollen, schaut euch diese Doku an. Mark Hartley braucht gar nicht viel machen, er holt einfach Zeitzeugen und Weggefährten vor die Kamera, lässt sie frei und ungeniert aus dem Nähkästchen plaudern, unterfüttert das mit den entsprechenden Ausschnitten und fertig ist die Laube. Die beiden Israelis Menahem Golan und Yoram Globus waren in ihrer Heimat erfolgreich mit „Eis am Stiel“, danach jenseits des großen Teichs berühmt und berüchtigt durch Scheiße ohne jeglichen Stil. „Electric Boogaloo“ ist 107 Minuten purer Spaß beim Eintauchen in die mitunter wahnwitzige Geschichte von CANNON, der Hauruck-Schmiede der 80er Jahre. Da wurden noch nicht mal geplante Filme nur anhand von Plakaten verkauft (Hauptsache ein MG ist drauf), Verhandlungsgespräche mit Affen geführt, Sharon Stone mit Kathleen Turner verwechselt und allerhand anderes kurioses Zeug, den Glauben an den Oscar fest vor Augen, es sollten ihnen nicht vergönnt sein.


Wenn selbst ein Dolph Lundgren sagt „Ich kam mir etwas blöd dabei vor“ dürfte wohl jedem klar sein, was da los war. Die eigentlichen Stars kommen leider nur durch Archivmaterial zu Wort, verweigerten die Teilnahme aufgrund einer eigen geplanten Doku, dafür wird hier auch nichts beschönigt. Offen und ehrlich, vernichtend, dennoch warm und herzlich werden Aufstieg und Fall, Methoden und Beweggründe dieses einzigartigen Studios präsentiert, ihre Bad-News-Jews zwar als größenwahnsinnig, realitätsfern und teils sogar unmenschlich entlarvt, gleichzeitig aber auch als grenzenlose Enthusiasten, voller Ehrgeiz und Liebe zum Film. Das ausgerechnet ihre besten und bis heute prominentesten Filme (ja, die haben tatsächlich sogar „Barfly“ produziert, aber gemeint sind eher die selbstreflektierende Groteske „The Texas Chainsaw Massacre 2“ oder All-Time-Trash-Granaten wie „Masters of the Universe“ oder „Over the Top“) ihren finanziellen Untergang einläuteten, ist so verrückt wie ihre Geschichte allgemein. Keine große, keine wichtige, aber eine enorm spaßige Sache, dieser „Electric Boogaloo“, ganz im Geiste seines Themas.


7 von 10 Horrorfilmen, für die Boris Karloff und Bela Lugosi leider schon zu tot waren


von JackoXL


Wurde zum Aushängeschild von Cannon Films: Chuck Norris


Meinung:
Es erinnert an ein Irrenhaus, wenn „Electric Boogaloo“ so manche Anekdote aus der goldenen Zeit von Cannon Films präsentiert. Die beiden Firmengründer und Chefs, die sich leider nicht persönlich äußern – wohl weil sie selbst an einer Dokumentation über ihr Lebenswerk sitzen -, werden wahlweise als finanzstarke Deppen, kunstfeindliche Kapitalisten oder filmliebende Naivlinge dargestellt. Einen wirklich zentralen, sauberen Blick auf Cannon Films ist so nicht möglich, dafür aber eine höchst amüsante wie auch überraschend informative, dokumentarische Collage. Bestehend aus Interviews, Archivmaterial und Filmschnipseln bastelt Regisseur Mark Hartley daraus einen nerdigen Kniefall, genauso wie einen leicht spöttischen Rückblick auf die Ära Cannon Films, die Actionheroen wie Dolph Lundgren und Chuck Norris hervorbrachte und dabei sogar einige Kultfilme fabrizierte, deren eigentlicher Wert erst über die Jahre erkannt wurde (z.B. „Texas Chainsaw Massacre 2“).


Darüber hinaus hat die Dokumentation einige Überraschungen in Petto, bzw. enthüllt die eine oder andere Perle, die es unter der Cannon-Flagge  geschafft hat, produziert zu werden. Was „Electric Boogaloo“ allerdings etwas fehlt, dass ein Verständnis für den damaligen Zeitgeist. Zu oft reicht es Hartley und seinen Interviewpartnern vollkommen aus teils ungläubige Geschichten über die Firmenchef Melan und Globus zu erzählen. In welchem Zustand sich die damalige Traumfabrik Hollywood befand, wird meistens ausgespart, dabei gehört dies genauso zur Historie von Cannon Films, wie diverse, skurrile Ninja- und Horrorfilme. Trotz allem lässt sich nict verschweigen, dass Hartleys Dokumentation viel aus dem Stoff herausholt und einen als filminteressierten Zuschauer nach gut 100 Minuten höchst amüsiert wie informiert wieder entlässt.


7,5 von 10 an der Decke laufenden Breakdancern


von stu

Review: INVASION VOM MARS (Original & Remake) - Sie sind unter uns...im Sand

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Fakten:
Invasion vom Mars (Invaders from Mars)
USA, 1953. Regie: William Cameron Menzies. Buch: Richard Blake. Mit: Helen Carter, Arthur Franz, Jimmy Hunt, Leif Erickson, Hillary Brooke, Morris Ankrum, Max Wagner u.a. Länge: 80 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der kleine David beobachtet von seinem Fenster aus die Landung eines UFOs. Als sein Vater dies überprüfen will, verschwindet er kurzzeitig und taucht danach merkwürdig verändert wieder auf. Nach und nach scheinen immer mehr Menschen unter dem Einfluss einer außerirdischen Macht zu stehen. David findet in der Psychologin Dr. Blake und dem Wissenschaftler Dr. Kelston Verbündete. Gemeinsam alarmieren sie das Militär, um den Ereignissen auf den Grund zu gehen.





Meinung:
Zum Klassiker des Sci-Fi-Kinos avanciertes Projekt, dessen chaotische Entstehung und Postproduktion sich im fertigen Werk deutlich wiederspiegeln. Ursprünglich als recht großes Projekt angelegt, in Farbe und 3D, blieb am Ende immerhin der Farbfilm übrig. Produzent Edward L. Alperson versuchte vehement, jegliche Art von Kostenexplosion im Keim zu ersticken, strich das Budget so gut es möglich erschien zusammen und verärgerte die Autoren, indem er deren Ende durch eine „günstige“ Variante austauschte. Heute existieren mehrere Schnittfassungen von dem Film, die europäische mit 80 Minuten ist die originalgetreueste. Als positiv Zählbares übrig geblieben ist das zeitbezogene Spiel mit der Angst der (US-amerikanischen) Gesellschaft vor der Infiltration des hinterlistigen Feindes, geschürt durch die Kommunisten-Paranoia der Ära McCarthy, sowie der unerschütterliche Optimismus und die Hingabe von Regisseur William Cameron Menzies, aus den bescheidenen Mitteln einen effektiven Film zu zaubern. Zaubern konnte er nicht, aber bemüht sich. 


Der Calamari aus einer anderen Welt.
Die Studiokulissen sind extrem karg und mussten mehrfach verschiedene Locations nachstellen, was kaum zu übersehen ist. Aufgefüllt wird die Handlung mit ewig gleichen Szenen von heranrückender Militärmaschinerie und – zum Ende – sich immer wiederholenden Explosionseinstellungen, wozu ein Griff ins Filmarchiv erforderlich war, selbst drehen war nicht drin. Die hölzernen Darsteller und wenig glaubwürdigen Entwicklungen (nicht nur die erschreckend leichtgläubige Psychologin, sondern auch das gesamte Militär lässt sich kinderleicht von der abstrusen Theorie eines Dreikäsehochs überzeugen) tun ihr Übriges. Trotzdem – und auch deswegen - ist „Invasion vom Mars“ total urig. Manche Szenen funktionieren sogar in der angestrebten Wirkung, manche sind schlicht retro-ulkig. Wenn der Wissenschaftler und der neunmalkluge Knabe der dummen Frau Doktor den „Weltenraum“ (so heißt das hier noch in der deutschen Synchro) erklären, wirkt das wie ein gestellter Schullehrfilm aus der damaligen Zeit. Und am Ende kommen natürlich doch noch die Aliens in den schicken Kostümen, die eine Freundin des Produzenten genäht hat (kein Scherz!). So sehen die auch aus. Kaum auszudenken, was für ein guter Film das hätte werden können. So bleibt ein unterhaltsames Relikt, das die Jahre immerhin überlebt hat. Nur vielleicht nicht so, wie einst geplant. 

5,5 von 10 Panzern aus der Filmkonserve




Fakten:
Invasion vom Mars (Invaders from Mars)
USA, 1986. Regie: Tobe Hooper. Buch: Dan O’Bannon, Don Jakoby. Mit: Karen Black, Hunter Carson, Timothy Bottoms, Laraine Newman, Louise Fletcher, James Karen, Bud Cort, Eric Pierpoint, Christopher Allport u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bis auf Details praktisch identisch mit der des Originals, siehe oben.





Meinung:
Mit (natürlich) deutlich mehr Mitteln ausgestattet durfte Tobe Hooper bei seiner zweiten Arbeit für CANNON (nach „Lifeforce“) sich an diesem Remake versuchen. Trotz des betriebenen Aufwands und niemand geringerem als Dan O’Bannon für das Skript (immerhin in dieser Funktion auch an „Alien“ und „Total Recall“ beteiligt), ein finanzieller Super-Flop. So ganz mag man das dem Publikum nicht verübeln, denn mehr als charmanter Quatsch ist dabei nicht raus gekommen. 


"Lecker...Menschengeschmack."
Stark orientiert man sich am Original (beim Blick aus dem Kinderzimmerfenster sieht man die gleiche, gemalte Kulisse für den Weg zum Sandberg), ändert und ergänzt die Geschichte nur in Details und setzt deutlich mehr auf Effekte. Die können sich wirklich sehen lassen, was den Film trotzdem nicht vor seinem cheesigen Auftreten bewahrt. Kreativ wurde man zumindest beim Alien-Design. Keine grünen Männchen in beschissenen Kostümen, dafür klopsige Großmaul-Viecher, die zwar abgefahrener, aber kein Stück weniger albern aussehen. Den Vogel schießen eindeutig die weiblichen Stars ab. Karen Black reißt mehrfach ihren Silberblick bis zum Anschlag auf, kreischt hysterisch rum und chargiert mit (Oscarpreisträgerin!) Louise Fletcher als Frosch-fressender Lehrerin-Drache um die Wette. Sagenhaft. Offensichtlich hat das Teil hier niemand ernst genommen oder einiges lief gehörig schief, aber was soll’s? Das fertige Produkt macht eigentlich deshalb relativ viel Laune. Semi-Big-Budget-Trash mit typischem 80er-Feeling, flott, doof, kurzweilig, einfach sympathisch. 

6 von 10 Glückspennys

Review: POLTERGEIST - "Geh ins Licht, Carol Anne"

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http://garbolaughs.files.wordpress.com/2010/12/poltergeist_poster.jpg


Fakten:
Poltergeist
USA, 1982. Regie: Tobe Hooper. Buch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor. Mit: Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Beatrice Straight, Dominique Dunne, Heather O'Rourke, Oliver Robins, Zelda Rubinstein, Martin Casella, Richard Lawson, James Karen u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die fünfköpfige Familie Freeling lebt ein unbeschwertes Leben in einer Vorortsiedlung, die wenige Jahre zuvor von Daddy Firma errichtet wurde. Dann häufen sich merkwürdige Phänomene. Die jüngste Tochter Carol Anne schlafwandelt, Möbelstücke bewegen sich wie von Geisterhand. Schliesslich eskaliert die Lage und Carol Ann verschwindet. Eindeutig spukt es in dem Haus. Die Familie holt sich Spezialisten zur Hilfe, doch selbst die haben so etwas noch nicht erlebt. Ihre letzte Hoffnung ist das Medium Tangina.







Meinung:
Wo Steven Spielberg draufsteht, ist auch Steven Spielberg drin. Und wenn Tobe Hooper draufsteht, spielt das auch keine Rolle. So wie der eigentlich sehr bemitleidenswerte Hooper, der wohl nur auf dem Papier sich als Regisseur des Welterfolgs "Poltergeist" bezeichnen darf. Spielberg, Produzent und Co-Autor, drehte zu der Zeit offiziell nur "E.T.", Hooper war der Strohmann für diesen parallel gedrehten Film. Die Handschrift von Spielberg ist so unverkennbar, die vom Regisseur des "Texas Chainsaw Massacre" nicht mal im Ansatz. Nach Drehschluss war Hooper eh komplett raus, der Finalcut war selbstredend Chefsache. Na ja, dabei sein ist alles.


Moderne Kunst auf dem Küchentisch.
Mit einem Hooper als echten Steuermann und nicht nur ferngesteuerter Marionette wäre das zweifellos ein ganz anderer Film geworden. Von Beginn an stellt sich das typische Spielberg-Feeling ein. Eine Familie, bei der die Kinder nicht nur beiläufige Figuren sondern wichtige Eckpfeiler der Handlung bilden, ein unverkennbarer Score (diesmal nicht von John Williams, aber Jerry Goldsmith macht da wenig anders) und eigentlich lässt sich der Film schon jetzt kaum als klassischer Horrorfilm wahrnehmen. Auch wenn er letztendlich dem Genre zuzuordnen ist und dieses eindeutig für die Zukunft beeinflusst hat, das bleibt auch so. Obwohl vom Inhalt ein reiner Haunted-House-Film ist "Poltergeist" in vielen Punkten. Es wird nie düster, nie ernsthaft schockierend und der Tod ist kein allgegenwärtiger Begleiter. Jedem Zuschauer dürfte früh klar sein, er muss eigentlich nicht um das Leben der so sympathischen und zur Identifikation geschaffenen Figuren fürchten. Trotzdem kann und soll er mit ihnen mitfiebern und der Illusion erliegen, dass es ihnen doch irgendwie an den Kragen gehen könnte. Da ist "Poltergeist" vergleichbar mit einer Geisterbahn. Du gehst rein und weißt ganz genau, am Ende unbeschadet wieder das Tageslicht zu erblicken. Dennoch, wenn das gut gemacht ist, funktioniert der Spaß. So in etwa ist "Poltergeist". Eine echte Bedrohung scheint nahezu ausgeschlossen und vom Gruselfaktor ist es eher der noch verdauliche Kinderschreck. Als wenn Spielberg - pardon, Hooper natürlich - hier einen Horrorfilm für die machen wollte, die ihn nicht sehen dürfen. Und mal ehrlich, jedes Kind der 80er hat es trotzdem getan und sich wahrscheinlich die Buchse voll gemacht. Spielberg wollte oft eher die jungen Herzen erobern und bezaubern, die erwachsenen "nur" unterhalten. Genau das gelingt ihm hier auch.


Kinder und Fernsehen benötigt klare Regeln.
"Poltergeist" scheint somit eher Fantasy- statt Horrorfilm. Das Spiel mit kindlichen Schrecksymbolen (böse Puppen, unheimliche Bäume, Blitz und Donner) konzentriert sich eindeutig auf eben die Zielgruppe, die von dem Film eigentlich ausgeschlossen werden sollte (zumindest laut deutscher FSK). Erst zum (immer noch) spektakulären Finale wird es etwas morbider, ohne den Flair einer (sehr guten) Jahrmarktsattraktion zu verlieren. Kein Blut, kein Überlebenskampf, kein Furcht durch echte Bedrohung, eher die Freude am sauber gemachten Budenzauber. Und ja, das ist es, ohne Wenn und Aber. Die Effekte sind für den Entstehungszeitraum große Klasse und - wenn heute natürlich antiquiert - immer noch schön anzusehen. Mit etwas Humor und leichter (wenn auch nicht übermäßiger) Kritik am suburbanen Heileweltbild und der Rücksichtslosigkeit profitorientierter Unternehmen gewürzt ist "Poltergeist" eine selten, aber diesmal tatsächlich effektive Mischung aus Horrorfilm und dennoch nicht zu verstörender Unterhaltung für die breite Masse, dessen Stellenwert als Klassiker er durchaus verdient hat. 

7,5 von 10 letzten Ruhestätten

Review: THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 - Sequel ohne Regeln

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Fakten:
The Texas Chainsaw Massacre 2
USA, 1986. Regie: Tobe Hooper. Buch: L.M. Kit Carson. Mit: Dennis Hopper, Caroline Williams, Jim Siedow, Bill Moseley, Bill Johnson, Ken Evert, Harlan Jordan, Kirk Sisco, James N. Harrell u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Über 10 Jahre sind nach dem Blutbad in Texas vergangen. Die mörderische Sippe konnte nicht aufgespürt werden, die Story der einzigen Überlebenden als Unsinn abgestempelt. Nur Lieutenant "Lefty" Enright verfolgt weiterhin diese Spur, unter den damaligen Opfern waren seine Neffen. Die Radio-DJane Vanita "Stretch" Brock bietet ihre Hilfe an. Die letzten Opfer der Kettensägen-Killer hatten gerade in ihrer Show angerufen und wurden "On Air" abgeschlachtet. Lefty bittet sie, das Tonband in der Show zu spielen, angeblich um den Behörden die Augen zu öffnen. Tatsächlich wird Stretch damit zum Köder und Leatherface und Co. beißen an.


                                                                       
Meinung:
An Fans des Vorgängers sei eine dringende Warnung ausgesprochen: Ihr könntet diesen Film hassen! Kein Witz, was sich Tobe Hooper hier erlaubt, ist schon unglaublich mutig.
Im Prinzip dreht er alles, was seinen brillanten Erstling ausmachte, konsequent und mit voller Absicht auf links und feuert vollkommen enthemmt drauflos. Aus dem berdohlich-dreckigem Terrorkino wird eine groteske Zirkusnummer, ein absurdes Trash-Spektakel mit Darstellern am Rande des Nervenzusammenbruchs, kurrioser Ideen, albernen Humor und Referenzen an den eigenen Vorgänger, die fast mehr wie eine Parodie als eine Hommage wirken. Genau das ist so verrückt und grenzwertig kalkuliert, dass mir Hoopers Gore-Kasperletheater einen gewissen Respekt abverlangt. Das musst du erstmal bringen.

 
"Lutsch meine Säge!"
Der Star des Films, der Mitte der 80er fast in der Bedeutungslosigkeit verschwundene Dennis Hopper (bis "Blue Velvet" kam), wirkt anfangs noch wie der seriöse Turm in der Schlacht des Unsinns, sobald sich das Geschehen in den Unterschlupf der degenerierten Sippe verlegt, knallen bei ihm auch alle Lampen durch. Selbst schwer mit Kettensägen bewaffnet, rennt der die gesamte zweite Filmhälfte wild schreiend durch die Gegend, zersägt alles was ihm unter die Augen kommt, ein sagenhafter Auftritt. Hauptdarstellerin Caroline Williams ist jenseits von gut und böse, ihr hysterisches Jaulen und Kreischen ist so unglaublich wie der ganze Film. Da war ich mir echt nicht sicher, sollte das so sein (bei Hopper auf jeden Fall) oder ging das nicht besser? Genre-Ikone Bill Moseley dreht auch total am Rad, aber genau das ist ja auch seine Rolle. Offensichtlich hat ihm das richtig Spaß gemacht, sieht zumindest so aus. 


Knatternde Erotik
Die Figur des Leatherface, im Original die Personifizierung des blanken Terrors, wird von Hooper ebenfalls fast demontiert. Der hampelt durch die Gegend und wackelt mit dem Hinterteil, als hätten sich Nagetiere in seiner Hose eingenistet. Da macht sich kurz Fassungslosigkeit breit. Mit seiner phallisch-überdimensionalen Kettensäge, die locker zur Großwildjagd dienen könnte, hat er eine, nennen wir es mal, "Sex-Szene" mit Lady Hysteria, allein das einzubauen ist zwischen genial und übergeschnappt. Und was die Gewaltdarstellung angeht: Teil 1 wurde ja, längst überfällig, vom Index gestrichen, da es ja niemals direkte, physische Gewalt zu sehen gab. Das wird Teil 2 niemals vergönnt sein. Auch das scheint von Hooper ganz bewusst so gewollt, hier wird rumgesaut, die Disc ist bei der FSK wohl im hohen Bogen aus dem Fenster geflogen. Man kann Hooper vielleicht vieles vorwerfen, aber sicher nicht, dass er inkonsequent bei seinem Vorhaben war, mal alles ganz anders zu machen. Da ist das eigentlich auch nur logisch, wenn dieses Wort überhaupt im Zusammenhang mit "TCM 2" genannt werden kann.


Wie kann das eingestuft werden? Das Sequel ist einerseits ein Faustschlag für knallharte Fans des Erstlings, irgendwo ziemlich frech und merkwürdig, andererseits will er aber genau das sein. Purer Trash, mit voller Absicht und ohne jeden Kompromiss, mit dem vollem Bewusstsein, das es böse nach hinten losgehen kann. Eine rasend-irrsinnige Persiflage, die knietief in Eingeweiden watet und das eigene Image ad absurdum führt, gekrönt von einer Schlußeinstellung, die das nochmal kräftig untermauert.
Was für ein Unfug!

6 von 10 Chillis nach Familienrezept

Review: THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE - Nix Gore und 3D, nur purer Terror

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Fakten:

The Texas Chainsaw Massacre aka Blutgericht in Texas
USA, 1974. Regie: Tobe Hooper. Buch: Tobe Hooper, Kim Henkel. Mit: Marilyn Burns, Allen Danziger, Paul A. Partain, William Vail, Teri McMinn. Edwin Neal, Gunnar Hansen, Jim Siedow, John Dugan u.a. Länge: 84 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

 
Story:
Eine Gruppe unbedarfter Teenies strandet mitten im texanischen Niemandsland und findet den Tod. Wer überlebt, bekommt ein schickes, letztes Abendmal im gut-bürgerlichen Schlachthof, geführt nach Familientradition.


 

                                               


Meinung:

"The Texas Chainsaw Massacre" (TCM) ist ein Paradebeispiel für einen angeblich-abscheulichen Film, der die Jugend der 80er wohl so dermaßen verstört hätte, das hier fleißig indiziert wurde. Warum eigentlich?


Bis jetzt ist alles easy...
Großes Lob an das Label TURBINE, die mit aller Macht (das Bonusmaterial liefert absurd-amüsante Aufschlüsse) die Freigabe dieser Perle gefordert und sie letztendlich auch bekommen haben. Der jahrelang verbotene und verteufelte Film von der "Poltergeist" Marionette (aka Spielberg ferngesteuert) Tobe Hooper ist ein rohes, pures und extrem zeitgeistliches Stück Low-Budget-Terror-Kino, das überhaupt keine expliziten Szenen brauchte, um als Skandalfilm zerrissen zu werden. Tatsächlich spart sich TCM die drastische Gewalt konsequent aus, Blut fließt hier kaum. Der De-Palma-Scarface ,oder Hitchcock-Psycho-Effekt: Das Publikum glaubt etwas gesehen zu haben, defacto wurde es nie gezeigt. Das spricht für die Wirkung dieses Klassikers, der sich eben nicht in Blut und Gedärmen baden muss, um gnadenlos zu verstören.

 
...nur der Typ mit seiner Säge beginnt zu nerven
Alles wird durch die vernichtende Atmosphäre, den unglaublichen Terror erzeugt, den Clash der Generation Blumenkind und dem texanischen, quasi, Backwood, die typischen Pazifisten finden das unbegreifliche Grauen und sind zu Schlachtung freigegeben. TCM lässt sich viel Zeit, aber die Stimmung ist so fiebrig, schwül, schmutzig und asozial, das ist wildes Exploitation-Kino der 70er, mit allem Schnick und Schnack. Die Luft ist zum Schneiden dick, die Sets so verrotzt, die Bilder grobkörnig, alles wirkt so schonungslos-ekelhaft, und wenn Leatherface erst die Säge knattern lässt, ist alles ohnehin Geschichte. Der Witz bei TCM: Wie schon gesagt, das ist kein Gore-Fest für Blutwurst-Fanatiker, Gewalt und Terror spielen sich nur im Kopf des Zuschauers ab. Aber das dafür mit so einer brachialen Wucht, dass man ständig am selbstreflektieren ist, was denn genau zu sehen war. Hooper macht extremes Kopfkino mit einer schauerlichen Atmosphäre. TCM zersägt, im wahrsten Sinne des Wortes, die heile, unbekümmerte Hippie-Welt und konfrontiert sie mit dem versteckten Abschaum der USA, dem Hinterland der Zivilisation, ohne Kompromisse. Die dunkle Seite des Mondes...


Warum sich TCM über die Jahre gehalten und erst recht sich einen unglaublichen Kultstatus aufgebaut hat, ist glasklar. Eine (wenn auch nicht die Einzige) Geburtstunde des modernenen Horrorfilms, schmutzig, unbarmherzig und verstörend, aber, und das ist das Ding, niemals voyeuristisch-blutig. Und trotzdem ist das latente Gefühl vorhanden, gerade einen unfassbar schlimmen Film gesehen zu haben. Nur, Achtung FSK, dem ist, rein plastisch, NICHT so. In dem Fall haben sie es (nach langem Kampf) ja eingesehen, nur ist das nicht das Ende der Fahnenstange. Aber ein Anfang, immerhin...


8 von 10 Sägeblättern

Review: LIFEFORCE - Quatschkram aus dem Weltall

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Fakten:
Lifeforce 
GB, USA, 1985. Regie: Tobe Hooper. Buch: Dan O'Bannon, Don Jakoby. Mit: Steve Railsback, Peter Firth, Frank Finlay, Mathilda May, Patrick Stewart, Michael Gothard u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Eine britische Raummission zur Erforschung des Halley'schen Kometen entdeckt in seinem Schweif ein geheimnisvolles Flugobjekt. An Bord findet die Crew neben einigen Leichen zwei Männer und eine verführerische Frau im Tiefschlaf. Die Crew beginnt mit der Bergung und löst damit eine Katastrophe aus, denn als das Raumschiff auf der Erde landet, ist es ausgebrannt und die Besatzung bis auf Kommandant Carlsen tot. Die drei Passagiere stürzen als blutsaugende Aliens London in ein apokalyptisches Chaos...



Meinung:
- "Sie hat sich einen anderen Körper gesucht."
- "Woher wissen sie das?"
- "Ich kann es sehen...in ihrem Geist!"

Alles klar? Das möchte man gerne auch Tobe Hooper und vor allem Dan O'Bannon fragen, den Regisseur und den Autor dieser Trashparade. Hooper, der einst mit "Texas Chainsaw Massacre" das Horrorgenre maßgeblich prägte und später mit "Poltergeist" immerhin noch die Marionette von Steven Spielberg sein durfte (böse, aber wohl nicht ganz falsch) und O'Bannon, der die Drehbücher für Carpenters "Dark Star", aber ganz besonders für Klassiker wie "Alien" und (nach "Lifeforce ") "Total Recall" verfasste, das klingt doch nach einer Kombo mit einer gewissen Erwartungshaltung.


Es knistert ganz gewaltig zwischen den Figuren.
Wer bei "Lifeforce" aufgrund dessen einen ernstzunehmende Sci-Fi-Horror-Schocker erwartet, der sei eindringlich gewarnt. Relativ schnell dürfte klar sein, wohin die Reise geht, auch wenn sich in der ersten Hälfte der Quatsch noch im Rahmen hält. Da macht der Streifen allerdings auch nicht so viel Spaß, denn das schleift schon manchmal recht deutlich, aber die liebevoll gestalteten Masken und Effekte (sowie die durchgehend nackte Mathilda May) wissen zu gefallen. Ernstzunehmen ist es aber da schon nicht, zu einfältig sind die Dialoge und die Geschichte riecht schon nach dem, was später folgt. Ab der Ankunft von Carlsen und Co. in dem Sanatorium gehen "Lifeforce" endgültig die Zügel durch. Besonders Hauptdarsteller Steve Railsback scheint von allen guten Geistern verlassen, schreit und ohrfeigt wild um sich, jetzt wird die Nummer richtig amüsant. Die Story um Body-Snatcher-Vampir-Zombie-Dingenskirchen-Aliens wird immer konfuser, die Dialoge erreichen eine ungeahnte Qualität an Unsinn, die Darsteller bringen das mit einer Ernsthaftigkeit, dass es vollkommen konträr zum Gezeigten erscheint.

Ein Vogel? Ein Flugzeug? Ein Weltraumvampir!
Egal, was für merkwürdige Ereignisse auf die Protagonisten einprasseln, nichts scheint sie zu irritieren, für alles wird sofort die richtige Theorie aufgestellt, die sich natürlich als goldrichtig erweißt, zweifelt eh niemand dran. Das anfänglich etwas träge Tempo gehört der Vergangenheit an, die grob angepeilte Stimmung für einen ernsten Horrorfilm auch, nun geht die Post ab. Kleine Dialogkostprobe: 
- "Wissen sie über das außerirdische Raumschiff bescheid?"
- "Raumschiff ?"
- "Das Objekt vom Halley'schen Kometen."
- "Ach so... (DAS Raumschiff!)"

Unglaublich. Das letzte Drittel ist so blöd und gleichzeitig super unterhaltsam. Ob das so geplant war, ich wage es dezent zu bezweifeln, aber was soll's? "Lifeforce" ist Sci-Fi-Kasperletheater mit guten Effekten und namenhaften Leuten hinter der Kamera, die sich das allerdings wohl so nicht vorgestellt hatten. 

6 von 10