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Review: TRANSFORMERS: ÄRA DES UNTERGANGS - Welchen Anspruch hat man ans Kino?

3 Kommentare:


Fakten:
Transformers: Ära des Untergangs (Tranformers: Age of Extinction)
USA. 2014. Regie: Michael Bay. Buch: Ehren Kruger. Mit: Mark Wahlberg, Nicola Peltz, Jack Reynor, Stanley Tucci, Kelsey Grammer, Sophia Myles, Thomas Lennon, Bingbing Li, T.J. Miller, Titus Welliver, Julia Sanford, Chanel Celaya u.a. Länge: 165 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Dezember 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Vier Jahre ist es her, seit dem die Autobots im Kampf gegen die Decepticons halb Chicago in Schutt und Asche legten. Seitdem ist das Bündnis Autobots und Menschen aufgehoben und die Roboter werden gejagt. Nur wenige gibt es noch. Einer von ihnen, Optimus Prime, gerät als alter, rostiger Truck an den Farmer Cade Yaeger, der eigentlich nur einen Truck zum Ausschlachten brauchte. Doch der Transformer in seiner Garage sorgt schnell für Probleme, als Regierungsbeamte bei Cade auftauchen und seine Familie bedrohen. Dies ist der Beginn eines weiteren, großen Kampfes der Transformers.





Meinung:
Eigentlich wollte er ja nicht mehr den Kampf zwischen Autobots und Decpeticons dirigieren. Doch Michael Bay überlegte es sich letztlich doch anders, nachdem er mit „Pain & Gain“ ein langgehegtes Wunschprojekt realisierte und einen seiner besten Filme ablieferte. Nun ist er aber wieder der Herr über die Transformers und schickt die Roboterkolosse erneut ins große Gefecht gegen ihre Feinde. Davon gibt es in „Ära des Untergang“ wahrlich genug, denn neben arglistigen Menschen wollen außerdem noch die Schöpfer von Optimus Prime plus Konsorten die Transformers aufhalten und senden dafür den gefährlichen Kopfgeldjäger Lockheed auf die Erde. Irgendwo dazwischen kommt ein alleinerziehender Vater, Cade Yaeger, zwischen die Fronten und muss mit seiner Tochter und deren Freund wie die Zuschauer auch mitansehen, wie wieder jede Menge Altmetall verursacht und ganze Straßenzüge eingerissen werden. Kein Zweifel, „Transformers: Ära des Untergangs“ ist dasselbe Format Film wie seine Vorgänger. Diesmal allerdings mit über 160 Minuten Laufzeit noch etwas mehr im XXL-Format.


Optimus im William-Wallace-Modus
Auch die vorangegangen Teile der Reihe waren alles andere als Kurzfilme, doch schaut man sich die Handlung von „Transformers: Ära des Untergangs“ an, drängt sich schon die Frage auf, mit was Bay seinen Blockbuster eigentlich füllt. Die Antwort, die gewiss die Meisten erwarten, lautet: mit Krawall. Das ist richtig, doch im Gegensatz zu den vorherigen Filmauftritten der Roboter aus des Hause Hasbro bietet „Transformers: Ära des Untergangs“ durchaus den einen oder anderen Lichtblick. Um eines vorweg klar zu machen, es reicht nicht aus, um Teil vier endgültig eine Empfehlung auszusprechen. Dafür inszeniert Bay immer noch zu leb-, lieb- und seelenlos. Aber wenn sich die Transformers und ihre menschlichen Anhängsel ins Raumschiff des finsteren Lockheed verirren, dann punktet „Transformers: Ära des Untergangs“ mit einem wirklich beeindruckenden Produktionsdesign (welches letztlich wohl zu 90% am Hochleistungsrechner Hollywood entstand). Im Inneren dieses Raumschiff treffen gleich mehrere grafische Sci-Fi-Muster aufeinander. Allesamt nicht sonderlich innovativ, dafür referenziell. Hier ein paar düstere Gange a la „Alien – Das unheimliche Wesen aus dem Weltall“, dort etwas „The Matrix“ und hin und wieder fühlt man sich auch an Paul W.S. Andersons „Event Horizon“ erinnert. Somit generiert „Transformers: Ära des Untergangs“ wohliges Staunen, welches nicht mit Explosionen und Radau in Verbindung steht. Innerhalb des Films, ist diese Passage wahrlich eine willkommene wie einnehmende Abwechslung.


Lockheed will Optimus Prime um jeden Preis
Das war es dann aber auch schon mit der Abwechslung. Nun gut, dass Mark Wahlberg jetzt der menschliche Held von nebenan sein darf, tut dem Franchise durchaus gut. Seine Figur wirkt griffiger und weniger hyperaktiv. Während Shia LaBeouf („Nymp()maniac“) in den ersten drei Teilen wild stotternd von A nach B rannte, wirkt Wahlberg als Cade Yaeger fast schon erfrischend ruhig. Ebenfalls neuartig (für Bay-Verhältnisse) wirkt die Reduktion von rassistischen Stereotypen und frontalem Sexismus. Auch bei „Transformers: Ära des Untergangs“ gibt es Szenen, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben (z.B. scheinen alle Asiaten perfekt ausgebildete Kampfkünstler zu sein) und verglichen mit einem vernünftigen oder wohltuenden Maß dieser filmischen Abszesse, geht Bay auch hier wieder in die Vollen, aber stellt man den Sexismus und Rassismus seinen Vorgängerfilmen entgegen, wirkt „Transformers: Ära des Untergangs“ doch etwas reifer. Allgemein versucht er den vierten Teil der Reihe gröber zu gestalten. Zwar gibt es mit Samurai-Autobots und den werbewirksamen Dinobots immer noch einen Überschuss an Infantilismus, dafür aber auch den Versuch die Transformers nicht nur als gigantische Blechhaufen darzustellen, sondern erstmals auch wirklich als Persönlichkeiten (zumindest einige von ihnen).


Cade und Tochter nehmen die Beine in die Hand
Das ist wie zu erwarten war ganz weit weg von wahren, dynamischen Charakterentwicklungen und dank der doch sehr hölzernen, pardon, eisernen Robo-Mimiken auch eigentlich immer zum Scheitern verurteilt. Hey, ein Versuch war es aber wert. Gut, an den Versuch wird sich wohl niemand erinnern, denn im Grunde geht es selbstverständlich auch in „Transformers: Ära des Untergangs“ nur wieder um Destruktion mit dem Profil Höher, Schneller, Weiter. Wer sich immer noch dafür begeistern kann, dem sei viel Freude bei „Transformers: Ära des Untergangs“ gewünscht. Es sei hier aber noch einmal erwähnt, dass Teil vier trotz einzelnen, viel zu kurzen und oft auch viel zu schwachen Versuchen zumindest ein bisschen aus dem ewig gleichen Konzept des Filmfranchise auszubrechen. Kurz: A little bit different, but it’s always the same: Gebäude stürzen ein, Autos zerbersten, alles fliegt mit Karacho in die Luft und die Geschichte besitzt den Anspruch einfach nur da zu sein, aber darf bloß nicht irgendwelche geistigen Anforderungen stellen. Die Handlung von „Transformers: Ära des Untergangs“ ist genauso redundant wie bei den Vorgänger. Mit dem Unterschied, das Drehbuchautor Ehren Kruger einen Hauptplot dadurch erschafft, in dem er gleich mehrerer Subplots ineinander stapelt. „Transformers: Ära des Untergangs“ besitzt quasi eine Koffer-Handlung. Interessant ist das Endergebnis vermutlich nur für echte Fans der Hasbro-Spielzeuge und alten Cartoonserien, deren narrative Wahrnehmung bei Hochhauszerstörung Nummer sechs immer noch unabgelenkt funktioniert und fokussiert ist.


Cade und seine Alienknarre. Fiction-Gun-Porn
„Transformers: Ära des Untergangs“ ist, um es noch einmal deutlich zu machen, wahrlich kein sehenswertes Werk. Aber er weiß dennoch wirklich zu überraschen - manchmal. Es sind nur kurze, aber wohlige Injektionen des Glücks. Etwa wenn Michael Bay beim Showdown Mark Wahlberg mit seiner Kamera durch die verwüsteten Straßen Hongkongs begleitet und die Linse mobil und ohne Schnitt immer bei Wahlberg verweilt. Diese Sequenz ist nicht einmal 60 Sekunden lang, aber für Bay-Verhältnisse kann man hier durchaus von einer Plansequenz reden, die mit viel guten Willen ein wenig an Alfonso Cuarons Meisterwerk „Children of Men“ erinnert. Wirklich, mit sehr viel guten Willen. Ebenfalls zu den positiven Eigenschafte von „Transformers: Ära des Untergangs“ gehört Stanley Tucci, der als übertriebene Steve Jobs-Kopie sich vom Widerling zum komischen Sidekick entwickelt, dabei aber von allzu tumben Klamauk verschont bleibt. Tucci ist zweifelsohne die größte und beste Bereicherung/Neuerung bei „Transformers: Ära des Untergangs“. Es gibt aber auch Figuren, deren Dasein sich wohl am ehsten damit erklären lassen, dass man noch eine Projektionsfläche für männliche Teens und Twens benötigt. Das Ergebnis ist Rallyefahrer Shane (Jack Reynor), der Freund von Yaegers Tochter Tessa (Nicola Peltz), dessen schlampige Einführung in die Story bereits Kopfschmerzen verursacht.


„Transformers: Ära des Untergangs“  ist trotz einigen Veränderungen immer noch ein echter Bay- und Transformers-Film. 165 Minuten  wird man Zeuge, wie Figuren mit der Haltbarkeitszeit von Eiswürfel in der Sonne, mit Riesenroboter gegen Riesenroboter kämpfen. Es wird geschrien, gerannt, zerstört, gewütet und wenn am Ende in futuristischen Lettern „Directe by Michael Bay“ auf der Leinwand steht, verlässt man das Kino entweder bespaßt und gut gelaunt oder doch leer und genervt. Es kommt wohl einfach ganz darauf an, welchen Anspruch man das Kino hat. Soll es neue Welten erschaffen, eröffnen und definieren oder doch einfach nur fast drei Stunden lang technisierte Action im Overkill-Modus bieten? Dass muss jeder selbst entscheiden. Aber falls es bei der Entscheidung hilft: „Transformers: Ära des Untergangs“ ist kein guter Film (es hätte aber auch schlimmer sein können).


4 von 10 Robo-Zigarren

Review: X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND - Viel Lärm und relativ wenig

Keine Kommentare:



Fakten:
X-Men: Der letzte Widerstand (X-Men: The Last Stand)
USA, 2006. Regie: Brett Ratner. Buch: Simon Kinberg, Zak Penn. Mit: Hugh Jackman, Ian McKellen, Famke Janssen, Halle Berry, Patrick Stewart, Kelsey Grammer, Anna Paquin, Ellen Page, Aaron Stanford, Shawn Ashmore, Rebecca Romijn, Vinnie Jones, Ben Foster, James Marsden u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Serum verspricht „Heilung“ für Mutanten, kann sie in „normale“ Menschen verwandeln. Für Magneto der endgültige Beweis, dass die Menschen die Mutanten vernichten wollen. Er schart eine Armee von Gleichgesinnten um sich, die der Menschheit endgültig den Krieg erklärt. Die stärkste Waffe in diesem Kampf soll ein bestimmter Mutant werden, der eigentlich für tot gehalten wurde und Professor Xavier zugetan war. Der warnt vor den Folgen, doch zu spät: Magneto kennt nur nach Vergeltung und übersieht dabei, was für eine Gefahr er heraufbeschwört.







Meinung:
Der große, fast apokalyptische Abschluss der Trilogie sollte „The Last Stand“ werden, ausgerechnet jetzt verabschiedete sich Erfolgsregisseur Bryan Singer von dem Projekt, zu Gunsten von „Superman Returns“ (was jetzt die schlimmere Entscheidung war, gehupft wie gesprungen). Dafür durfte nun Brett Ratner ran, der Mann ohne eigene Handschrift, doch nur an ihm den massiven Abstieg des (eigentlichen) Finales festzumachen, ist dann doch zu wenig. Hier stimmt so einiges nicht und verärgert extrem, wenn man sich die bisherige Qualität der Reihe vor Augen führt und besonders, worin diese lag.


Seite an Seite, aber nicht vereint.
Die Ansätze sehen gar nicht schlecht aus. Mit dem „Heilmittel“ für Mutanten wird eine interessante Gewissenfrage aufgeworfen: Will ich meine Existenz verleugnen, gleichgeschaltet werden, um ein „normales“, akzeptiertes Leben zu führen oder stehe ich zu dem, was ich bin? Fluch oder Segen, eine Chance für endgültigen Frieden oder der Funken am Pulverfass des Krieges, Ausrottung oder Verbrüderung? Gute Basis, die im weiteren Verlauf ebenso im Effekt- und Krawallgetümmel untergeht wie das Skript und zahlreiche seiner Figuren, die statt der gewohnten Tiefe zum Teil fast spurlos verschwinden, links liegen gelassen werden oder gar nicht erst die Chance erhalten, sich sinnvoll zu profilieren. Spätestens ab der Mitte des Films wird auf die bekannten Vorzüge der Serie getrost gepfiffen, interessante Fragen gänzlich ignoriert und kaum ein Gedanke zum Ende geführt. An neuen Mutanten und grundsätzlichen Konflikten mangelt es nicht, doch sie bleiben nur Randerscheinungen in einem zunehmend planlosen Dauerfeuer, was sich nie die nötige Zeit nimmt (da auch viel zu knapp bemessen, müsste mindestens 2 ½ Stunden gehen, um das alles vernünftig auf den Punkt zu bringen) und am Ende so platt ist, eine unglaubliche Enttäuschung.


Riesen Spannweite, wenig Screentime: Angel.
Klar, die Action kann sich durchaus sehen lassen und für Langeweile bleibt gar keine Zeit, berieseln lassen kann man sich von „The Last Stand“ mühelos. Befriedigend ist das jedoch ganz und gar nicht. Unendlich viel Potenzial wird liegen gelassen, allein die Einzelschicksale von Rogue, Mystique, Cyclops oder auch dem Neuling Angel, sie scheinen die Macher kein Stück zu interessieren, ganz im Gegensatz zum Zuschauer oder zumindest denen, die sich von einer bis dahin wunderbar aufgebauten Helden- und Antiheldengeschichte haben mitreißen lassen. Weder episch noch abschließend, eher hektisch, laut und statt alle Fragen zu beantworten stellen sich am Ende sogar noch welche, die so wohl gar nicht beabsichtigt waren. Theoretisch ist das schon eine Unverschämtheit. Hätte der Film nicht so unbestreitbare Schauwerte, eine gute Grundlage (sprich die Vorgänger), immer noch tolle Figuren (auch wenn mit ihnen respektlos umgegangen wird) und einige gelungene Momente, man müsste ihn eigentlich zum Teufel jagen.


Unterm Strich eine schwierige Kiste, denn ja, langweilig wird es nicht und sieht alles prächtig aus, nur war das denn jetzt bitte wirklich alles? Gott sei Dank nicht, damals musste man es aber erstmal annehmen. Als reines Futter für die Augen und flotter Zeitverbrenner immer noch mit einer gewissen Qualität, als runder, würdiger Schlusspunkt einer tollen Trilogie sehr vergeigt, ohne Not. Gnade vor Recht, kann man immer noch anschauen, nur bitte nicht mehr viel erwarten, das bereitet nur Kopfschmerzen.

5,5 von 10 Wunderheilungen.