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Review: CONAN DER BARBAR– Arnie und das Geheimnis des Stahls

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Fakten:
Conan der Barbar (Conan the Barbarian)
USA. 1982. Regie: John Milius. Buch: John Milisu, Oliver Stone, Robert E. Howard (Vorlage). Mit: Arnold Schwarzenegger, James Earl Jones, Sandahl Bergman, Mako, Max von Sydow, Gerry Lopez, Sven-Ole Thorsen, Cassandra Gava, Ben Davidson, Nadiuska, Jorge Sanz, William Smith, Valérie Quennessen u.a. Länge: 126 Minuten. FSK: freigegeben a 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als Knabe musste Conan mitansehen wie der Führer des mysteriösen Schlangenkultes, Tuhlsa Doom, sein Dorf und somit auch seinen Vater und seine Mutter massakrierte. Conan selbst wird versklavt. Als aus ihm ein muskulöser, junger Mann geworden ist, lernt er das Kämpfen durch bestialische Gladiatorenkämpfe. Als sein Herr ihn freilässt, verfolgt Conan seinen Plan Thulsa Doom zu töten. Unterstützt wird er dabei von einem Magier, einer Kriegerin sowie einem Dieb.






Meinung:
In seiner Essenz steht der antagonistische Zweikampf zwischen Stahl und Fleisch. Schon früh wird Conan (in jungen Jahren und mit kindlicher Traurigkeit im Blick von Jorge Sanz verkörpert) von seinem Vater (William Smith) aufgetragen, das „Geheimnis des Stahls“ zu lüften – Ein Rätsel, dessen Auflösung oftmals einen ganzen Lebensweg in Anspruch nehmen kann. Und wer nun vermutet, John Milius und Oliver Stone hätten „Conan der Barbar“ als munteres Rätselraten inklusive spielerischer Abenteuerlust modelliert, der täuscht sich gewaltig. Die Antwort lauert im Subtext, sie wird nicht verbalisiert, sondern findet sich in der Konstruktion der szenischen Verknüpfung; von Akt zu Akt, von Prüfung zu Prüfung. Dazu aber später mehr, muss man „Conan der Barbar“ zu Anfang doch vorläufig für sein unglaublich authentischen Worldbuilding loben: Dass John Milius immer schon ein äußerst begabter Regisseur sowie Schreiberling gewesen ist, steht vollkommen außer Frage, sein Talent, den Zuschauer in für ihn fremde/neue Welten einzuführen, aber ist eine besondere Gabe seinerseits. 


 
"Nispeeeeeeeeeeeeeeeeeeel!"
Nur wenige Fotografien nach der Aufblende genügen „Conan der Barbar“, um den Zuschauer klarzumachen: Wer in diesen Tagen, als Atlantis im Meer versank und Leben und Tod oftmals nur eine Signatur der Gleichgültigkeit zeichnet, sein Dasein fristet, muss mit harter Brust gesegnet sein; muss den glänzenden, den robusten Stahl zu einer verwachsenen Erweiterung seines eigenen Körpers machen. Thulsa Doom (gespielt von Stimmwunder James Earl Jones), Anführer eines unheimlichen Schlagenkults und abgestumpfter Mörder von Conans Mutter, ist der Auffassung, dass der Stahl prinzipiell dem Fleisch unterlegen sein wird: Um seine These zu belegen, lässt er einen von seinen verstrhalten Schergen rücksichtslos vor Conans Augen auf Befehl in den Tod springen. Und da haben wir den (eigentlich binär codierten) Hauptkonflikt von „Conan der Barbar“ - Conan gegen Thulsa Doom, getrieben aus Vergeltungsgelüsten; und Stahl gegen Fleisch, ein dem individuellen Glauben entsprungener Zwist. Ein schwellendes, pumpendes Abenteuer, kochend auf Testosteronstufe 12, wird sich über 120 Minuten entladen.


Im Ernst: Man muss „Conan der Barbar“ als markiges Kind seiner Zeit zu nehmen wissen, wenngleich faschistoide Tendenzen auch innerhalb dieser Sichtweise noch mühelos zu erkennen sein dürften, aber gleichwohl in der zeitlichen Kontextualisierung gewertet werden müssen: Ein Mann liebt in dieser durch und durch primitiven Epoche nichts mehr, als das Todesröcheln seiner Gegner sowie den dazugehörigen Jubel der Weiber zu vernehmen. „Conan der Barbar“ ist noch Kino, das sich ob seines deftigen Stallgeruches stolz zeigt; das so durch und durch archaisch über den Bildschirm walzt, dass auch heute noch das sprießende Brusthaar zwangsläufig durch jeden noch so dicken Stoff bricht. An und für sich ist John Milius hier wirklich drückender, aus dem Sack geschossener Fantasy-Trash gelungen, der mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle seine ikonische Idealbesetzung gefunden hat. Epochal wird „Conan der Barbar“ aber erst durch Basils Poledouris grenzgeniale Komposition, die natürlich eine narrative Funktion besitzt und den legendären Schatten des Filmes weiter wirft, als es ihm eigentlich zugesteht. Deftig und stimmungsvoll.


7 von 10 Allianzen aus Fleisch und Stahl


von souli

Review: MILIUS - Erfassungsversuch des Barbaren Hollywoods

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Fakten:
Milius
USA. 2013. Regie: Zak Knutson, Joey Figueroa. Mit: John Milius, Steven Spielberg, Martin Scorsese, Bryan Singer, Kurt Sutter, Harrison Ford, Oliver Stone, Sam Elliot, Paul Schrader, George Lucas, Sylvester Stallone, Walter Murch u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD (Import) erhältlich.


Story:
Dokumentation über Autor und Regisseur John Milius, der in den 1970ern beteiligt an einigen Filmklassikern war und noch heute als eine besondere Persönlichkeit Hollywoods zählt.





Meinung:
John Milius prägte wie kein anderer die Rezeption des Mannes im Hollywoodfilm der 70er und 80er, sei es als Drehbuchautor mit Filmen wie “Dirty Harry“ (‘Do I feel lucky? Well, do ya, punk?’) oder “Apocalypse Now“ (‘I love the smell of napalm in the morning.’) oder zusätzlich als Regisseur von Conan der Barbar oder Die rote Flut. Das Publikum, das er bei seinen Arbeiten vor Augen hatte, war offensichtlich, wie Sam Elliot es auf den Punkt bringt:‘He doesn’t write for pussies and he doesn’t write for women. he writes for men, because he’s a man.‘


Hat Rambo in der Hand, aber nicht inszeniert: John Milius
John Milius studierte mit einem wegweisenden Filmemacher wie George Lucas an der University of Southern California und wurde in einem Zug mit den anderen Größen des New Hollywood genannt, wie Paul Schrader, Francis Ford Coppola oder Martin Scorsese. In zahlreichen Interviews kommen diese Filmemacher in Milius zu Wort, aber auch andere Wegbegleiter, wie Arnold Schwarzenegger oder Harrison Ford, aber auch jüngere Regisseure, die Milius beeinflusst hat, wie Bryan Singer. Ausgespart in der Doku wird aber auch nicht die Kritik an dem Waffennarr, der aufgrund seiner mitunter radikalen Ansichten lange Zeit in Hollywood eine persona non grata war. Ich kann da nur für mich sprechen, aber: man will doch so gerne mal ein echtes, saftiges Portrait über den selbsternannten 'Zen-Anarchisten' John Milius sehen, nicht bloß ein Standard-Doku-Feature voller berühmter Talking-Heads, die ihm attestieren, wieviel er für seine Generation und Nachfahren an Filmemachern geleistet hat, nich wahr? Auf so eine Legendenbildung für sich selbst legt er ja trotz seiner Faszination für eben jene historischen Happenings keinen Wert. Ich versteh's schon: die ganzen verrückten und affengeilen Anekdoten über seine Person, die hier über mehrere Industry Players hinweg zusammengesammelt werden, beherbergen eine im wahrsten Sinne sagenhafte Qualität, als Geschichten, die man ehrfürchtig am Lagerfeuer vorm Eintritt ins Gefecht des Filmemachens erzählt.


Waffennarr Milius schießt gerne scharf
Letztendlich ist das aber auch nur meist schwelgerisch-eierkraulender Mythos-Chic per Oral-History und sicherlich unvermeidlich, wenn man sich mit so einer Larger-than-Life Persönlichkeit befasst, die schamlos und vom Herzen aus den (auch ab und an mal selbstkritischen) furchtlosen Badass-Warrior-Spirit im neuen Hollywood etablierte und lebte - ein Hunter S. Thompson des Zelluloids. Aber es würde schon reichen, wenn er sich schlicht selbst erklärt, denn in jenen Segmenten davon, die man in diesem Film aufgearbeitet hat, erfährt man alles, was man wissen muss. Als interessierter Zuschauer sollte man es schon hinkriegen, die Selbstdarstellung Milius' angemessen reflektieren und entschlüsseln zu können, erst recht, da er sich entgegen allgemeiner Meinung sogar echt bescheiden ausdrückt - zwar immer mit ner dicken Zigarre in petto, aber damit kann man schon umgehen. Die Coolness, die er ausstrahlt, ist ihm nämlich schon einigermaßen angeboren. Aber nee, immer mehr Legenden aus zweiter bis dritter Hand drauf türmen, so wird's gemacht. Das an sich wäre gar nicht mal so sehr das Problem - ein grandioses, übermenschliches Monument für diesen kompromisslosen und kontroversen Filmemacher? Immer her damit, wir möchten weiterhin von ihm begeistert und inspiriert werden!


Milius unterweist Schwarzenegger beim Dreh zu "Conan - Der Barbar"
Doch die Regisseure Joey Figueroa und Zak Knutson betten das alles in so einen konventionellen Narrativ im gängigsten Doku-Stil ein, dass man zwar eine kohärente, impressionistische Chronologie vom Leben und Wirken des Milius erfährt, aber nur bedingt die wahren Innereien hinter all den Philosophien seiner Werke und seiner Person, am ehesten immerhin einen enthusiastischen Eindruck dafür, denn tolle Stories, prickelnde Making-Of-Fetzen, genügend gleichgesinnt-offene Interviewpartner mit Eiern jenseits der politischen Korrektheit (besonders erwähnenswert: Powers Boothe, Sam Elliott, Clint Eastwood und sogar ein bisschen Ed O'Neill) und die Filme als Parallelen dazu gibt's ja genug - nur der 100-Minuten-Rahmen muss eingehalten werden und zum Schluss müssen wir noch sehen, wie tapfer er seinen Schlaganfall übersteht, inkl. Tearjerker-Selbstverständlichkeiten und Epilog-Texttafeln für den hoffnungsvollen Abgang (bezeichnenderweise holt dann auch Meister Spielberg im Interview die emotional strings raus). Warum so formelhaft, Herrgott nochmal? Milius' Figuren, so hart sie auch alle sind, haben selbstverständlich ebenfalls Schwächen, das gibt er auch für sich selbst offen zu, aber deshalb brauchen sie inszenatorisch gesehen noch lange keine warme Decke und gutmeinend-sentimentale Motivationssprüche oben drauf - die bleiben nicht in ihrer Tristesse stecken, sondern gehen unbeirrt weiter, da ist er ja selber der beste Beweis dafür, mit Zigarre in der Hand und breitem Grinsen im Gesicht.


Da spricht aber nur der Idealist in mir, so wie der Film 'MILIUS' in seiner Fassung ist, ist er zwar sicheres, aber gut abgeglichenes Entertainment mit einer äußerst illustren Persönlichkeit im Fokus. Er könnte aber noch stärker sein - die Stärke eines John Milius könnte er aber so oder so wahrscheinlich nie erreichen, die Crux ist mir bewusst.


6 von 10 Zigarren


vom Witte

Review: JEREMIAH JOHNSON – Robert Redford sucht sein Glück in den Rocky Mountains

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Fakten:
Jeremiah Johnson
USA. 1972. Regie: Sydney Pollack. Buch: John Milius, Edward Anhalt, Vardis Fisher (Vorlage). Mit: Robert Redford, Will Geer, Stefan Gierasch, Josh Albee, Allyn Ann McLerie, Delle Bolton, Charles Tyner, Matt Clark, Jack Covin, Paul Benedict u.a. Länge: 108 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Colorado, 1850: Der Ex-Soldat Jeremiah beschließt ein einsames Leben als Trapper zu führen. Kein einfaches Unterfangen, wie er bereits im ersten Winter erfahren muss. Doch dank Hilfe des alten, erfahrenen Trappers Bear Claw, der Jeremiah unter seine Fittiche nimmt, wird er nach und nach zu einem erfolgreichen Jäger und Überlebenskünstler und legt somit den ersten Grundstein für seine eigene Legende.





Meinung:
Sydney Pollack konnte sich für viele Klassiker verantwortlich zeigen, ob „Die drei Tage des Condor“, „Der elektrische Reiter“, „Tootsie“ oder auch seinen größten Erfolg „Jenseits von Afrika“. Nur gehörte Pollack immer zu diesen Regisseure, die ein gar formidables Händchen dafür besaßen, Geschichten in ihrem ruhigen Aufbau adäquat zu inszenieren, ihnen aber nie einen solch charakteristischen Stempel aufdrücken konnte, der es dem Zuschauer leicht machen würde, einen seiner Filme problemlos als ein echtes Pollack-Werk zu identifizieren. Ist dies der künstlerischen Vielfältigkeit geschuldet oder liegt es dann doch eher daran, dass Pollack die Drehbücher zu seinen Produktionen nie selber verfasst hat, sondern ausschließlich auf die schöpferische Arbeit verschiedener Autoren zurückgriff? Überdurchschnittlich war seine Ägide nahezu immer, genau wie seine Auftritte vor der Kamera. Gerne, aber grundlos oft fällt in der Auflistung von Pollacks Sternstunden sein Western „Jeremiah Johnson“ unter den Tisch.


All is lost? Nein, nur der Rasierer.
Dass „Jeremiah Johnson“ bis heute nicht den Weg in das Rampenlicht finden würde, ist gerade deshalb schade, weil Pollack und sein Drehbuchautoren John Milius Edward Anhalt ein ungemein differenziertes Bild der Indianerstämme zeichnen und der Romanvorlage von Vardis Fisher „The Mountain Man“ diesbezüglich treu geblieben sind, nicht aber „Crow Killer“ von Raymond W. Thorps und Roberts Bunkers, in dem Jeremiah Johnson nach seinem finalen Rachefeldzug auch noch zum Kannibalen wurde und die Lebern seiner Widersacher gegessen hat. „Jeremiah Johnson“ steht für einen Wendepunkt innerhalb des Westerngenres, denn er lässt die heroischen Romantisierungen des Männerbildes im staubigen Wilden Westen hinter sich und eignet sich eine realistische und durchaus liberale Perspektive an. Jeremiah Johnson (Robert Redford) ist ein Mann, dessen klare Vergangenheit im Dunkeln verweilt und nur sein vorheriges Dasein als Soldat an den Hosen zu erkennen ist: „Jeremiah Johnson“ ist ein Film, der sich in der Mitte des 19. Jahrhundert mit dem Hier und Jetzt beschäftigt.


Jeremiah Johnson gehört zu den Menschen, die ihre Existenz in der Zivilisation nicht mehr ertragen – Warum er sich in die Rocky Mountains verziehen möchte, bleibt unklar, wie er es tut ist jedoch nicht frei von jedem ironischen Unterton. Und genau dieser Schritt ist es dann, der Jeremiah an einen Punkt bringt, an dem er akzeptieren muss, dass auch eine autarkes (Über-)Leben in den Weiten der unberührten Natur nicht gänzlich ohne Fremdhilfe zu bewerkstelligen ist, egal wie laut der Schrei nach Freiheit durch die Gehörgänge poltert. Vom exzellent bebilderten Survival-Abenteuer, in dem noch auf eigene, diplomatische und raffinierte Faust für die alltäglichen Mahlzeiten gesorgt werden muss, rutscht Jeremiah in die Rolle des Familienvaters wider Willen, lernt die Kulturen der Ureinwohner kennen und muss sich schließlich auch als Rächer wiederfinden, der seine Menschlichkeit aber nie unter den Bergen von Schnee vergräbt. „Jeremiah Johnson“ ist eine Geschichte über den Aufbruch und die Kehrseite eines solchen, über einen Neuanfang, der Vergangenes immer wieder evoziert. Wenn der Abspann doch nur 10 Minuten früher eingesetzt hätte…


7 von 10 Grizzlykrallen


von souli