USA,
NZ. 2017. Regie: Taika Waititi. Buch. Larry Lieber, Christopher Yost,
Craig Kyle. Mit: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Mark Ruffalo, Cate
Blanchett, Tessa Thompson, Jeff Goldblum, Idris Elba, Anthony
Hopkins, Karl Urban, Benedict Cumberbatch, Sam Neill, Taika Waititi,
Jaime Alexander, Ray Stevenson, Clancy Brown u.a. Länge: 130
Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 31. Oktober 2017 im
Kino.
Story:
Hammer
weg, Haare ab - manchmal kommt selbst für einen Superhelden alles
anders als gedacht: Während Asgard und seiner Bevölkerung durch die
Tyrannei der skrupellosen Hela der Untergang droht, wird Thor am
anderen Ende des Universums ohne seine mächtige Waffe gefangen
gehalten. In einem atemlosen Wettlauf gegen die Zeit versucht der
Göttersohn seinen Weg zurück in die Heimat zu finden, um
'Ragnarök', die gefürchtete Götterdämmerung, aufzuhalten. Doch
vorher muss er sich in einem tödlichen Gladiatorenkampf keinem
Geringeren als einem alten Verbündeten und Mitglied der Avengers
stellen: dem unglaublichen Hulk!
Kritik:
Dem
Donnergott Thor aus dem Marvel Cinematic Universe war es bisher
vergönnt, eine konstante Stilistik in seinen Solo-Abenteuern zu
haben. Unter Regisseur Kenneth Branagh erlebte der Sohn von Odin ein
theatralische, fast schon shakespeareske Ereignisse, während ihn der
Terminator: Genisys-Macher Alan Taylor ihn in ein High-Concept
Fantasyabenteuer steckte. Die Ergebnisse waren nie verkehrt, aber
immer ein gutes Stück davon entfernt ganz oben beim internen
Wettkampf der Marvel-Superhelden mitzuspielen. Mit Thor: Ragnarok,
der hierzulande leider den arg schematischen Titel Thor: Tag der
Entscheidung verpasst bekam, soll sich dies nun ändern.
Unter
der Regie des Neuseeländers Taika Waititi, der zuvor kleine Perlen
wie Eagle vs. Shark oder den grandios-witzigen 5 Zimmer Küche Sarg
inszenierte, erwarten die meisten wohl ein komödiantisch
schwergewichtiges Abenteuer rund um Thor. Keine Sorge, diese
Erwartungen werden erfüllt. Die Komik steht klar im Fokus. Zwar gibt
es die altbekannten Actionszenen mit viel Pomp, CGI—Bombast und
zusammenfallenden Objekten immer noch, diese Momente haben aber
keinerlei wirkliche Inbrunst. Sie existieren, um die Handlung voran
zu bringen,im Gedächtnis festsetzten tun sie sich nicht.
Gleiches
gilt allerdings auch für die Geschichte. Die bietet mit einigen
Überraschungen im Bereich der Besetzung zwar durchaus ihre
Aha-Momente, wirklich Akzente werden aber nicht gesetzt. Mehr noch:
Die Geschichte wirkt zu großen Teil arg beliebig und sehr
zusammengewürfelt. Zwar wird hier erneut am Marvel Cinematic
Universe herum gearbeitet und am Ende hat sich innerhalb des
Universums wieder etwas getan, bzw. verändert, wirkungsvoll
transportiert wird das aber nicht. Dazu kommt, dass einst wichtige
Figuren mit kurzen Szenen oder gar mit einem kurzen Satz abgehakt
werden, ohne dass es wirklich einen spürbaren Einfluss auf die
Entwicklung nimmt.
Konzentriert
man sich allerdings auf die humoristische Stärke des Films, stören
diese Makel nur noch bedingt – was nicht bedeutet, sie wären
abwesend. Als reinrassige Komödie, vor polychromer Kulisse und
unterstützt mit einem 80s Soundtrack von Devo-Frontmann Marks
Motherbaughs, macht Thor: Tag der Entscheidung ordentlich Spaß. Ein
Spaß, der allerdings immer wieder fahrige Momente aufweist und
niemals kaschieren kann, dass auch der dritte Solofilm des
hammerschwingenden Donnergottes letztlich nur eine Vorbereitung ist
auf das nächste Werk des Marvel Studios und dies obwohl der Titelheld hier doch mit den wohl größten Aufgaben seiner Laufbahn konfrontiert wird.
Die
„Death Wish“-Reihe steht sinnbildlich für den Höhen- und Tiefflug innerhalb der
Karriere von Haudegen Charles Bronson. Mit „Ein Mann sieht rot“ hat Charles
Bronson seinen wohl kommerziell erfolgreichsten Film abgeliefert und wurde über
Nacht zur kultigen Genre-Ikone, der man in der Dunkelheit besser nicht über den
Weg laufen sollte. Nachdem sich Bronson bereits durch einige Flops klamüserte
und sodann einem gescheiterten Image-Wechsel mit „Cabo Blanco“ erlag, wurde es
1982 wieder einmal Zeit, in die Rolle des einsamen Rächers Paul Kersey zu
schlüpfen, der dem Abschaum der Großstadt mit dem durchgeladenen Ballermann die
Stirn bietet. Der von Cannon Films produzierte „Der Mann ohne Gnade“ besiegelte
allerdings direkt das Karriereschicksal von Charles Bronson und mehr als das
Mitwirken in schludriger B-Movie-Kolportage schien von dort an kaum noch im
Bereich des Möglichen. Wir haben uns nun mal durch das „Death Wish“-Franchise
gekämpft und wünschen euch viel Spaß beim Lesen unserer Meinungen. [PS: Die
fehlenden Teile werden nach und nach aufgefrischt und immer wieder auf der
Startseite aktualisiert].
Fakten: Ein Mann sieht rot
(Death Wish)
USA. 1974. Regie: Michael Winner. Buch: Wendell Mayes. Mit: Charles Bronson,
Vincent Gardenia, Hope Lange, Jeff Goldblum, Olympis Dukakis, Stuart Magoliun, Edward
Grober, Steven Keats, William Redfield, Kathlen Tolan u.a. Länge: 92 Minuten.
FSK: freigegeben ab 18 Jahren (indiziert). Auf DVD erhältlich.
Story: Der
New Yorker Architekt Paul Kersey ist eigentlich ein ganz friedlicher Mann. Das
ändert sich jedoch, als seine Frau ermordet und seine Tochter vergewaltigt
wird. Nachdem er die Stadt zunächst verlassen hat, kehrt er eine Weile danach
zurück, um sich an den Schuldigen zu rächen. Er besorgt sich eine Waffe und
zieht durch die nächtlichen Straßen...
Meinung: Die
Mordrate steigt, die Angst in den terrorisierten Köpfen der New Yorker gleich
mit. Nachdem Paul Kersey (Charles Bronson) mit seiner Frau gerade noch die
Seele auf Hawaii hat baumeln lassen, trifft er auf der Arbeit wieder nur auf
den Zynismus seiner Kollegen, die von einer entschlossenen Eindämmung der
Bevölkerung faseln. Kersey aber ist ein Mann, dem noch ein Rest soziale
Gewissenhaftigkeit geblieben ist; der sich als Kriegsdienstverweigerer an den
Pazifismus klammert und Probleme zivilisiert löst. Dass „Ein Mann sieht rot“
seinen Hauptdarsteller schon bald auf anderen Pfaden wandeln lassen wird,
verrät nicht nur der Titel: Die bedrohliche, von Herbie Hancocks Jazz-Waves
akzentuierte Atmosphäre dieses verschneiten New Yorks schnürt sich bereits zu
Anfang kontinuierlich enger und enger, bis Kerseys Gattin und Tochter einigen
Vandalen zum Opfer fallen: Seine Frau tot, die Tochter landet geschändet und
traumatisiert in der Psychiatrie. Dass Rachegefühle in einer solchen
Extremsituation vollkommen menschlich sind, muss an dieser Stelle nicht
erläutert werden, die Frage ist nur, inwiefern sich „Ein Mann sieht rot“ auch
als stichhaltige Reflexion über Sinn und Unsinn porträtierter Ein-Mann-Feldzüge
versteht.
Michael Winners Klassiker hadert ein Stück weit damit, Stellung zu beziehen,
hängt oftmals unentschlossen zwischen Affirmation und Anprangerung fest, um
sich dann doch eher dafür zu entschieden, die von Kersey neuentdeckte Gewalt
als effektive Lösung zu akzeptieren. Man muss „Ein Mann siet rot“ aber bis zu
einem gewissen Grad von jeder weltlichen Realität abkapseln, sieht der Film es
in seiner Prämisse doch auch vor, als urbaner Western verstanden zu werden, was
ihm einen leicht neutralisierenden Ideologie-Puffer gewährt und näher an eine
der hier gegebenen Genre-Statuten entsprechenden Logik führt. Ganz koscher ist
„Ein Mann sieht rot“ dennoch nicht, genau wie seine Gesellschaftskritik zudem
recht hilflos und die Charakter-Schilderung Kerseys reichlich schemenhaft
ausfallen.
5,5 von 10 Münzen im Strumpf
von souli
Fakten: Der
Mann ohne Gnade (Death Wish 2)
USA. 1982. Regie: Michael Winner. Buch: David Engelbach. Mit: Charles Bronson, Jill Ireland, Vincent Gardenia,
J.D. Cannon, Anthony Franciosca, Laurence Fishburne, Thomas F. Wilson u.a.
Länge: 91 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren (indiziert). Auf
DVD erhältlich.
Story: Der Architekt Paul Kersey ist von New York, nach Los Angeles übergesiedelt,
um den Tod seiner. Frau Joanna überwinden zu können. Die verstorbene Frau von
Paul, wurde 1974 in New York vergewaltigt und starb an den Folgen. Auch Tochter
Carol, wurde seinerzeit, von den brutalen und rücksichtslosen Tätern vergewaltigt
und leidet auch heute noch.- im Jahre 1981 -, an den Folgen dieser grausamen Tat.
Paul Als, die Haushälterin von Paul von einer brutalen Bande von Kriminellen
überfallen, vergewaltigt und letztendlich ermordet wird, ist dies erst Beginn
des Wahnsinns. Denn auch seine Tochter wird entführt, gefoltert und schließlich
in den Tod getrieben. Paul kennt jetzt nur noch einen Weg: Rache.
Meinung:
Es gibt nur eine Szene in „Der Mann ohne Gnade“, in der Jimmy Pages für die
goldene Himbeere nominierte Komposition mit den Bildern von Thomas Del Ruth und
Richard H. Kline eine gar schauerliche Allianz bilden. Direkt zu Beginn
nämlich: Der Himmel glüht in einem gleißenden Rot, beinahe apokalyptisch
scheinen sich davor die Wolkenbänke zusammenzubrauen, während von der Tonspur
aus eine tiefes Wabern bedrohlich Bahn bricht. Anschließend dürfen wir uns von
lokalen Nachrichtensendern darüber in Kenntnis setzen lassen, dass auch in der
Stadt der Engel die irren Teufel toben. Für Paul Kersey (Charles Bronson)
bedeutet das: Neue Stadt, alte Sitten. Dementsprechend wenig hält Kersey, der
sich in Los Angeles inzwischen als erfolgreicher Architekt profiliert hat, von
der Rehabilitation von Straftätern, die einzig effektive Methode, um die
Gewaltverbrecher der Großstädte zu behandeln, knallt vorne aus dem Lauf der
Bleispritze.
Und weil „Der Mann ohne Gnade“ sich einem ganz billigen Aktion-Reaktion-Schema
verschrieben hat, muss erst (erneut) seine Tochter einer Horde Krimineller zum
Opfer fallen, um Kersey anschließend zum Amoklauf bitten zu lassen. Dass zuvor
auch Kerseys Haushälterin mehrfach vergewaltigt wird, interessiert den Film
nicht im Geringsten und wird ohne jedwede Bedeutung für die Entwicklung von
Handlung oder Charaktere einfach so im Raum stehen gelassen: Michael Winners
Blick auf sexualisierte Gewalt ist ein sadistisch-voyeuristischer, „Der Mann
ohne Gnade“ erliegt fortwährend einer zynischen Gewaltgeilheit und erkennt in
Kerseys mit Gloria legitimierten Selbstjustiz tatsächlich die einzige
moralische Integrität. Natürlich war auch „Ein Mann sieht rot“ nicht ganz
koscher, aber er war inszenatorisch ergiebig und hat seine Geschichte vom
einsamen Vigilanten einem klaren Genre-Konzept zugeordnet. „Der Mann ohne
Gnade“ ist nur noch ein aus Raffgier verwirklichter Cannon-Schmu aus der
untersten Schublade.
2 von 10 Stürzen aus dem Fenster
von souli
Fakten: Death
Wish 3 – Der Rächer von New York
USA. 1985. Regie: Michael Winner. Buch: Don Jakoby (als Michael Edmonds). Mit:
Charles Bronson, Ed Lauter, Martin Balsam, Alex Winter, Marina Sirtis, Deborah
Raffin, GavanO’Herlihy u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren
(indiziert). Auf DVD erhältlich.
Story: Paul Kersey ist zurück und erneut kann und will er die Augen nicht vor
brutalen Verbrechen verschließen. Wieder in seiner Heimat New York angekommen,
muss er mitansehen, wie die Stadt vor die Hunde geht. Doch Kersey wehrt sich –
mit allen Mitteln.
Meinung: Ein
Oppa sieht (noch ohne Brille) rot: Altersgemäß wird Charles Bronson mit dem Bus
in das übelste Ghetto von New York gebracht, wo er trotz 30 Grad
Außentemperatur nie den dicken Pulli auszieht. Naja, bis auf eine kurze
Oben-ohne-Szene, nachdem er die locker 30 Jahre jüngere Anwältin beglückt hat,
die ihn „zum Essen“ einlädt, da sie keinen netteren Menschen als den
Selbstjustiz-Greis kennt, den sie gerade aus dem Bau geholt hat. Heftig
untervögelt, so als Ferndiagnose. Nach einer extrem hüftsteifen Vorlaufzeit
(ist halt nicht mehr der Jüngste) sorgt Großvater Bronson doch noch für
"Gerechtigkeit", wie man das bei CANNON Mitte der 80er so gesehen
hat. Heißt in dem Fall: Du böse, du tot. Erst schießen, dann auch nicht fragen,
der Spaß wird erst richtig rund, wenn endlich die Munition für die Großwildjagd
und der Raketenwerfer angekommen sind. Aber dann...Rums, Bums, hinüber. Der
alte Mann braucht einen trauernden Witwer zum Munition halten und eigentlich
noch den Zivi, damit es Tatter-Charlie bei Rückstoß nicht aus der Bahn wirft.
Plumper, gewaltverherrlichender, ultra-reaktionärer Unsinn, der aber zum Glück
so bescheuert daher rumpelt, als das man das in den richtig falschen Hals
bekommen könnte. Eine Moral will der Film nicht mal versteckt unters Volk
jubeln, der ist absichtlich komplett durch die gute Kinderstube geflogen,
feiert Auge-um-Auge so radikal ab, da MUSS man drüber lachen. Allein wenn sich
die ewige unterdrückten Nachbarn endlich trauen, ihre Knarren aus dem
Nachttisch zu holen und wie die kleinen Kinder jubeln, wenn sie einen
"Punk" abgeknallt haben, sagenhaft. Im Schlussspurt brettert „Death
Wish 3“ so vehement in die Leitplanke von Moral und Ethik, hält statt
abzubremsen voll drauf und nagelt mit 200 Klamotten munter weiter.
Normalerweise furchtbar bedenklich, in dem Rahmen nur eine irre-stumpfe,
kompromisslos bescheuertere Alt-Herren-Dampfwalze von einem Großstadt-Reißer,
bei der guter Geschmack zwingend an der Garderobe abzugeben ist. Schlägt ein
wie ein Rakete in das Gangmitglied, nur sehr behäbig in der ersten Stunde, wenn
auch da schon auf eine amüsante Art heftig daneben (wer kommt schon mit einem
Messer zu einer Schießerei, selbst schuld).
Unter
der Regie von David Koepp jagt Johnny Depp in der Komödie “Mortdecai” einem
Gemälde hinterher, welches den Schlüssel zu einem ominösen Bankschließfach
enthält. Nach Flops wie „The Rum Diary“ oder „Transcendence“ scheint „Mortdecai“
endlich wieder ein sehenswerter Film mit dem ewigen Captain Jack Sparrow zu
sein. Zumindest macht uns der erste Teaser Trailer eine Menge Spaß. Mit dabei
sind außerdem noch Ewan McGregor, Gwynweth Platrow, Paul Bettany, Aubrey Plaza,
Olivia Munn, Jeff Goldblum sowie Oliver Platt. Am 5. Februar soll der Film bei
uns anlaufen. Wir sind gespannt.
Fakten:
Hexensabbat (The Sentinel)
USA, 1977. Regie: Michael Winner. Buch: Michael Winner, Jeffrey Konvitz
(Buchvorlage). Mit: Cristina Raines, Chris Sarandon, Burgess Meredith, Arthur
Kennedy, Ava Gardner, John Carradine, Sylvia Miles, Eli Wallach, Christopher
Walken, Martin Balsam, Beverly D’Angelo, Jeff Goldblum, José Ferrer, William
Hickey, Jerry Orbach, Tom Berenger u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: Freigegeben ab
18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Fotomodell Alison Parker bezieht
eine schicke Wohnung in einem viktorianischen Appartmenthaus in New York. Ihre
Nachbarschaft stellt sich als zwar gastfreundlich, dabei aber eher sehr seltsam
heraus. Zudem wird Alison seit ihrem Einzug von Alpträumen und Halluzinationen
geplagt, auch ihr Jahre zurück liegende Selbstmordversuch ist wieder
allgegenwärtig in ihrem Kopf. Als sie ihre Maklerin auf die merkwürdige
Nachbarschaft anspricht, zeigt die sich verdutzt: Außer Alison soll der alte,
blinde Priester im Dachgeschoss er einzige Mieter sein. Alison verliert immer
mehr den Blick für die Realität, droht dem Wahnsinn zu verfallen, ihre Visionen
nehmen beängstigende Formen an. Ihr Freund, der Anwalt Michael Lerman, forscht
nach und stößt auf etwas Unglaubliches...
Meinung:
Der britische Regisseur Michael
Winner – durchaus ein schon damals gestandener Mann im Business – schrieb und
verfilmte 1977, also nach den großen Horrorfilm-Studio-Erfolgen „Der Exorzist“
und „Das Omen“, das Buch "The Sentinel" von Autor Jeffrey Konvitz. Winner war zuvor
besonders durch einige Charles Bronson Filme bekannt geworden (u.a. „The
Mechanic“, „Death Wish“) und engagierte einen Cast, der heute mehr als
prominent klingt. Wobei das in Relation zum Entstehungsjahr gesehen werden
muss. Bis auf Chris Sarandon, zwei Jahre vorher in „Hundstage“ zu sehen und für
den Oscar nominiert, hatte der Rest seine besten Zeiten entweder
hinter oder erst vor sich. Zu der alten Garde zählen u.a. Filmlegende Ava
Gardner („Mogambo“), Eli Wallach („Zwei glorreiche Halunken“), Burgess Meredith
(„Rocky“) oder Martin Balsam („Psycho“), unter den Frischlingen tummeln sich
Gesichter wie Christopher Walken, Jeff Goldblum, Beverly D’Angelo (in ihrem
Spielfilmdebüt) oder Tom Berenger (ganz kurz vor dem Abspann). Trotzdem, das
klingt schon nach was.
Konsequente Problemlösung.
„Hexensabbat“ war seiner Zeit ein
Flop und schafft es auch objektiv gesehen nicht, an die großen Klassiker seiner
Zeit anzuknüpfen. Doch so durchwachsen wie sein Erfolg oder sein Ruf auch heute
noch ist er keineswegs. Es ist zwar mehr als deutlich, wie sehr sich Winner bei
großen Vorbildern – in erster Linie Roman Polanskis „Rosemary’s Baby“ – bedient
und dabei nicht an diese Klasse anknüpfen kann, schafft dennoch einen
Genre-Beitrag, der auch nach so vielen Jahren noch über einen gewissen Reiz und
Qualität verfügt. Gerade das wohl unbekannteste Gesicht im Cast (aus heutiger
Sicht), Hauptdarstellerin Cristina Raines, liefert eine gelungene Darbietung
ab. Aufgrund dieser Leistung hätte man ihr doch glatt eine größere Karriere
gegönnt. Von den prominente Namen stechen sonst am ehesten Burgess Meredith als
schrulliger, verstörend gut gelaunter Katzenfreund und Eli Wallach als rauer
Ermittler (mit einem wortkargen, da aber schon irre charismatischen Christopher
Walken im Schlepptau) hervor. Der Rest erledigt seinen Job im angemessenen
Rahmen, bis auf Chris Sarandon haben die auch nicht so viele Szenen. Beverly
D’Angelo darf mal lassiv die Pflaume streicheln, interessanter Einstieg ins
Filmgeschäft.
Ein Job bei der Kirche ist kein Zuckerschlecken.
Sonst, wie erwähnt, kopiert Winner
ganz ordentlich bei Polanski, nur in einer anderen Liga. Subtil wird es ab und
an schon, manchmal schön bizarr und durchaus stimmungsvoll, teilweise surreal
und unheimlich. Niemals hochspannend, trotzdem wird der Film von seiner gelungenen
Stimmung bis zu einem Finale getragen, dass mit Sicherheit hängen bleibt. Etwas
schräg, etwas trashig, etwas skandalös (zumindest damals, kann an der Stelle
nicht näher drauf eingegangen werden), weiß insgesamt dem geneigten Genre-Fan
aber sicher zu gefallen. Subtiler Feinschliff wird durch einige überraschend
explizite Gore-Effekte aufgefangen, die so allerdings nicht unbedingt hätten
sein müssen, aber nun gut, wenn es anders nicht machbar war, immerhin. Die
sehen für ihre Zeit auch gar nicht so schlecht aus und mal ehrlich: Nach den Sternen
greift „Hexensabbat“ wirklich niemals, dann doch direkt auf ein bestimmtes
Publikum abzielen. Diese Mischung ist sicher nicht großartig, macht dabei
jedoch durchaus Spaß.
Am Ende ist „Hexensabbat“ so ein
Film, den niemand gesehen haben muss und auch ausbaufähig gewesen wäre, dafür
sich stellenweise respektabel und insgesamt gar nicht schlecht verkauft.
Natürlich nur was für Genre-Fans auf Nostalgie-Tour, die dürfen sich den mal
geben und werden mit einigen gelungenen Momenten belohnt. Allein die Geburtstags-Party
und dieser Schlussspurt haben was.
Fakten: Silverado
USA. 1985. Regie: Lawrence Kasdan. Buch: Mark Kasdan, Lawrence Kasdan. Mit:
Kevin Kline, Kevin Costner, Danny Glover, Scott Glenn, Brian Dennehy, Jeff
Fahey, Jeff Goldblum, John Cleese, Patricia Gaul, Earl Hindman, Thomas Wilson
Brown, Rosanna Arquette, Linda Hunt, Brion James, Lynn Whitfield, Troy Ward,
Ray Baker u.a. Länge: 127 Minute. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und
Blu-ray.
Story: Vier Fremde tun sich, auf der Suche nach Abenteuern, zusammen und bekommen
es nicht nur mit Banditen, sondern auch mit einem hinterhältigen Viehbaron und
einem korrupten Sheriff zu tun.
Meinung: Wie schade. Eigentlich
hätte „Silverado“ eine richtig schöne Renaissance des für alle Jahre wieder tot
erklärten klassischen Western werden sein müssen, denn die Zutaten stimmen
bedingungslos: Der Cast ist mit Kevin Kline, Kevin Costner, Danny Glover und
Scott Glenn in den Heldenrollen wirklich tadellos besetzt und auch aus
handwerklicher ist das hier schon ganz großes genretypisches Tennis mit den
ausgestreckten Aufnahmen der trockenen Landschaft und den muffigen Spelunken im
unterdrücken Städtchen, wo der exzessive Feuerwasserkonsum noch zum guten Ton
gehörte und beinahe schon als echtes Statussymbol gehandelt werden durfte.
„Silverado“ sieht zweifelsohne aus wie ein Western, nur, und das dämpft die
Stimmung erheblich, weil einfach kein Feeling auskommen möchte, er fühlt sich
nicht so an wie einer, denn dafür ist er in seiner Konzeption schlichtweg zu
methodisch arrangiert.
Na Ladies, wer will da nicht einen Cowboy als Mann?
Als flotte Hommage an die guten, alten Ford/Hawks-Klassiker mag „Silverado“
durchaus seine Daseinsberechtigung besitzen, wenn auch auf das Minimum
reduziert, doch als ernstzunehmende Reanimationsmaßnahme mit klarer
Erwartungshaltung im Schlepptau, bleibt „Silverado“ nur eine gescheiterte
Versuchsanordnung, die sich fast ausschließlich durch formale Standpunkte über
Wasser halten kann. Nicht nur die Kamera, der Schnitt und das Szenenbild sind
mustergültig, auch die besten Sinne nostalgische Komposition von Bruce
Broughton weckt wie einst Elmer Bernsteins musikalische Untermalung zu John
Sturges' „Die glorreichen Sieben“ die kindliche Abenteuerlust im Zuschauer.
Dann aber wird es eng mit der Lobhudelei und das „Silverado“ den Heldenmythos
glorifiziert wie auch den Western selbst durch romantische Brille betrachtet,
spielt letzten Endes überhaupt keine Rolle mehr. Dafür zollt er Tribut und hat
gezielt auf John Ford und Howard Hawks zurückgegriffen.
Das größte Problem an „Silverado“ ist, wie erwähnt, das fehlende Flair, was
sich darauf zurückführen lässt, dass es dem Zuschauer nicht gelingen mag, sich
vollständig mit den Protagonisten anzufreunden. Dass wir es hier ausnahmslos
mit fähigen Darstellern zu tun bekommen, steht außer Frage, doch im Umgang
miteinander fehlt dem Quartett einfach die Chemie und für einen Kevin Kline –
der Beste im Bunde, gleiches gilt aber auch für den Rest – ist es eine einzige
Unmöglichkeit, eine Harmonie im Zusammenspiel und in der Partizipation mit den
Kollegen aufzubauen. Jeder macht eben sein Ding, obwohl sie gemeinschaftlich
arbeiten. Da haben es die augenscheinlichen Antagonisten in Person von Brian
Dennehy, Jeff Goldblum und John Cleese (!) schon wesentlich leichter.
„Silverado“ bedient also durch Genreaffinität legitimierte Heldenklischees, die
den Figuren nur als Einzelgänger, aber nicht als Gruppe dienen wollen. Darüber
hinaus ist „Silverado“ allgemein viel zu sehr auf das Bedienen und Abarbeiten
von Standards gepolt, ohne Verve, ohne Zugkraft und er Recht ohne Innovation.
Wie schade.