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Review: THE TEAM – Ermittlungen im europäischen Rahmen

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Fakten:
The Team
Dänemark, Belgien, Deutschland, Österreich, Schweiz. 2015. Regie: Kathrine Windfeld, Kasper Gaardsoe. Buch: Mai Brostrom, Peter Thorsboe. Mit: Lars Mikkelsen, Jasmin Gerat, Veerle Baetens, Miriam Stein, Alexandra Rapaport, Nicholas Ofczarek, Andreas Pietschmann, Jella Haase, Carlos Leal, Nadeshda Brennicke, Filip Peeters u.a. Länge: 8 Episoden á 57 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
In Antwerpen, Kopenhagen und Berlin werden innerhalb von drei Tagen drei Leichen gefunden, allesamt Prostituierte, denen ins linke Auge geschossen wurde und denen ein Finger abgeschnitten wurde. Die Kommissare Harals Bjorn (Lars Mikkelsen), Jacky Mueller (Jasmin Gerat) und Alicia Verbeeck (Veerle Baetens) und ihre Teams müssen also auf internationaler Ebene zusammenarbeiten, um diese undurchsichtigen Verbrechen aufzuklären. Schon bald nehmen die Ermittler den Menschenhändler und Zuhälter Marius Loukauskis (Nicholas Oczarek) ins Visier – und entdecken, dass noch viel mehr dahinter steckt, als bisher angenommen.





Meinung:
Zehn Millionen Euro, acht Nationen, über ein Jahr Produktionszeit: Die europäische Mini-Serie „The Team“ hat tatsächlich sehr große Ausmaße angenommen. Ein riesiger Cast und zahlreiche Actionszenen tragen ebenfalls dazu bei. Bei diesen Zahlen sind die Erwartungen natürlich nicht gering, besonders wenn die beiden tollen dänischen Regisseure Kasper Gaardsoe und die leider zu früh verstorbene Kathrine Windfeld beteiligt sind. Nichts Geringeres als ein neues Genre wollte Windfeld mit „The Team“ etablieren. Einen Krimi, der, ganz im Zeichen der wachsenden EU und der zunehmenden Globalisierung, die staatlichen Grenzen sprengt und die internationale Ermittlungsarbeit ins Zentrum stellt. Ein europäischer Krimi.


Die Ermittler müssen international arbeiten
Und ja, die Miniserie ist europäisch, zumindest auf dem Papier. Deutschland, Belgien, Dänemark, dazu Litauen und Österreich – die Ermittler gondeln über den halben Kontinent, haben mit Leichen und Verdächtigen mindestens genau so vieler Nationalitäten zu tun und die Ermittlerteams sprechen untereinander jeweils in ihren Landessprachen, es sei denn sie kommunizieren über Internet oder Handy auf Englisch, welches dann aber wirklich schwierig zu verstehen ist. Eigentlich alles international und doch, es will sich einfach kein europäischer Charakter einstellen, was auch immer das sein soll. Dass all diese Länder und all diese Sprachen beteiligt sind, wirkt leider völlig beliebig. Vielmehr hätte der Krimi wohl genau auf diese Weise in nur einem Land gedreht werden können. Auch die landestypischen Eigenheiten der Nationalitäten, die Mentalitäten oder auch die optische Wirkung der Staaten kommen nicht wirklich beim Zuschauer an. Die mögliche Wirkung verpufft viel zu schnell und schöpft ihr Potential nicht im Ansatz aus. Vielleicht sind dafür auch die Nationalitäten nicht unterschiedlich genug gewählt worden. Sollte die Serie der Maßstab sein, dann sind sich Belgier, Dänen und Deutsche dann doch verdammt ähnlich.


Wie steckt der aalglatte Loukauskis mit drin?
Inszenatorisch merkt man der Serie ihren Fernsehfilm-Charakter doch immer wieder an. Lediglich die Handkamera versucht sich ans „große Kino“ anzubiedern, ohne aber die gleiche Wirkung zu erzeugen. Hier ist der Zuschauer eben nicht als stiller Beobachter dabei, sondern die intendierte Wirkung der Kamera, nämlich Authentizität vorzutäuschen, im Sande verläuft. Vielleicht ist es den Machern auch selbst aufgefallen, denn die schlecht ausgelichteten Büros der Ermittler und die vielen düsteren und teilweise tatsächlich blutig-brutalen Szenen versuchen so etwas wie Spannung zu erzeugen, wenn es schon nicht authentisch wirkt. Das gelingt auch, zumindest phasenweise, wobei man auch feststellen muss, dass besonders die ersten vier Folgen doch sehr zäh wirken. Ohne Zweifel hätte man sich bereits hier eine komplette Folge sparen können und so auch die Dynamik der Erzählung steigern können. Was ein wenig sauer aufstoßen lässt, sind die vielen Klischees in der Serie, genauso wie kleine aber doch immer wieder auftretende unlogische Verhaltensweisen. Dass eine Kommissarin ihre Telefonnummer auf die Hand eines Barkeepers schreibt anstatt ihre Karte zu geben oder die Nummer wenigstens auf einen Zettel zu schreiben, ist da nur eine der vielen Elemente.


Auch an blutigen Tatorte heißt es: kühlen Kopf bewahren
Der Kriminalfall selbst ist wirklich toll, verzwickt geschrieben, spannend vom Anfang bis zum Ende, mit ein paar politischen Einflüssen und doch will die Mini-Serie einfach nicht recht in Schwung kommen. Grund sind die, wieder einmal Klischeebeladenen, privaten Probleme der Ermittler. Verhältnisse, Drogen, Prostitution – im privaten Umfeld der Ermittler läuft, einmal mehr, alles Mögliche schief. Leider wird das auch alles recht ausführlich gezeigt und lähmt die ohnehin langsame Serie noch zusätzlich. Immerhin nehmen Teile dieser Nebenplots in der zweiten Hälfte auch Bezug auf den eigentlichen Fall, dennoch wirken sie lange sehr ermüdend. Gleich etwas mehr Vertrauen der Macher zu ihrer Hauptgeschichte wäre hier wirklich wünschenswert gewesen, denn hierin steckt ein fein geschliffener Diamant, den man als Zuschauer aber erst finden muss. Der Cast hätte besser zusammengestellt werden können. Während der Däne und Mads-Bruder Lars Mikkelsen (Sherlock, House of Cards) eine tolle, tiefgründige Leistung zeigt und auch die Belgierin Veerle Baetens (The Broken Circle, Code37) noch einigermaßen mithalten kann ist die Deutsche Jasmin Gerat (Kokowääh, Nicht mein Tag) doch immer wieder offensichtlich überfordert mit einer ihrer wenigen ernsten Rollen. Die harte, kalte Ermittlerin wirkt bei ihr nicht echt und auch ihre Sätze spricht sie fast schon lustlos daher.


„The Team“ enthält zusammenfassend eine wirklich gute Idee und hat daher auch das Potential, eine ganze Reihe europäischer Kriminalgeschichten auszulösen, stets mit unterschiedlichen Ermittlerteam-Kombinationen. Allerdings krankt die Serie an so einigen Dingen wie nicht ganz ausgegorenen Cast-Entscheidungen, der Überladenheit durch zu viele Nebenplots, dem fehlenden europäischen Charakter und viel u vielen Klischees. Da geht tatsächlich unter, dass ein spannender Kriminalfall in dieser Serie steckt, der es verdient gehabt hätte, mehr im Rampenlicht zu stehen.


5 von 10 einäugige Leichen


Review: NICHT MEIN TAG - Peter Thorwarth sucht sich selbst

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Fakten:
Nicht mein Tag
BRD, 2013. Regie: Peter Thorwarth. Buch: Stefan Holtz, Peter Thorwarth, Ralf Husmann (Vorlage). Mit: Moritz Bleibtreu, Axel Stein, Jasmin Gerat, Anna Maria Mühe, Nele Kiper, Ben Ruediger, Kasem Hoxha, Bekim Guri, Tobias Nied, Emilian Markgraf, Ralf Richter, Maxwell Richter, Milan Peschel, Christian Kahrmann, Til Schweiger u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Till Reiners war mal ein wilder Hund, nun ist er Bankkaufmann mit Frau und Kind, Hypothek, einer Ehe ohne Sex Torschlusspanik, dass der aktuelle Spießertrott nun die Endstation ist. Als Kleinganove Nappo seine Bank überfällt und sich dessen Fluchtwagenfahrer verkrümelt, wird Till als unfreiwilliger Chauffeur gekidnappt. Was als Zwangsmaßnahme unter Todesangst beginnt, entwickelt sich zum aufregenden Road-Trip. Zwischen dem auftauenden Till und dem gar nicht so skrupellosen Nappo entwickelt sich eine Freundschaft. Als Till dann auch noch die Treue seiner Ehefrau anzweifelt, eskaliert die Lage komplett und nimmt ungeahnte Formen an.






Meinung:
Genau 15 Jahre ist es her, als ein junger, unbekümmerter Nobody aus dem Pott mit seinem Debütfilm das traditionell muffige Komödien-Kino aus heimischen Gefilden ordentlich aufmischte. Unter dem im ersten Momente affig klingenden Titel „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ versteckte sich eine zitatträchtige Perle des deutschen Kinos, wild, ambitioniert, leicht primitiv, aber so herrlich detailliert und sympathisch-komisch, da galt Peter Thorwarth als der Hoffnungsträger des unverbrauchten, deutschen Films. Mit seiner holprigen, eigenen Kurzfilmadaption „Was nicht passt, wird passend gemacht“ blieb er sich zwar treu, offenbarte gleichzeitig aber auch deutliche Schwächen. Mit dem dritten Teil seiner Unna-Trilogie „Goldene Zeiten“ konnte er wieder halbwegs in die Spur zurückfinden. Überfrachtet, nicht ausgereift, aber mit dieser grundsätzlichen Idee und teilweise schön-skurrilen, naiven und dadurch so witzigen Einfällen, die Lust auf sein nächstes Werk stieg wieder deutlich an. Das ließ lange auf sich warten.


Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen.
„Nicht mein Tag“ enttäuscht leider im Gesamteindruck, obwohl die Bedingungen so verheißungsvoll sind. Niemand anderes als „Stromberg“-Autor Ralf Husmann liefert die Vorlage zum Skript, Thorwarth hat immer noch dieses Gespür für urige Situationskomik, ein goldenes Besetzungshändchen und weiß all dies zunächst auch auszuspielen. Dazu muss gesagt werden: Dies ist sicher sein konventionellster Film bisher. Dem enthusiastischen Chaos seiner ersten Filme – was gerade deren Reiz ausmachte – muss nun einer in der Form schon häufiger vorgetragene Geschichte weichen. Im Alltag gefangener und eingeschlafener Nun-leider-doch-Spießer wird als Geisel genommen, freundet sich (holterdiepolter) mit seinem anarchistischen Entführer an und nutzt den Wink des Schicksals als Flucht aus der mausgrauen, schleichenden 9-17Uhr-Todesstrafe. Trotz bekannter Muster, eindeutiger Anleihen (bis zu Plagiaten) aus etlichen Werken zuvor und der objektiv nicht so drastisch-schlüssigen Verbrüderung mit dem Geiselnehmer, lange funktioniert der Film zweifellos. Allein das präzise Timing, die pointierten Dialoge und vor allem die beiden hervorragenden Hauptdarsteller täuschen über Skriptmängel locker hinweg.


Ein hartes Duell: Wer kann blöder gucken?
Von Moritz Bleibtreu ist man nichts anderes gewohnt, erneut untermauert er sein Talent für kantige Figuren, gerne mit leichtem Assi-Touch. Er versteift sich selten in Rollen, gibt ihnen immer seine eigene Note, die sie oft besser erscheinen lassen, als sie ursprünglich wohl skizziert waren. DIE Überraschung ist mit Sicherheit Axel Stein, der sich jahrelang als dicker Proll-Dödel vom Dienst durch so manchen Schund hocharbeiten durfte und nun tatsächlich unter Beweis stellt, was er (jetzt erst?) leisten kann. Allein die Chemie zwischen Bleibtreu und Stein ist pures Gold und vermag den Film über manche dramaturgische Schlaglöcher hinweg zu tragen. Angereichert mit netten Cameos und Anspielungen (in erster Linie auf Thorwarth’s Prunkstück „Bang Boom Bang“) macht der Film Laune und hat diese Grundstimmung, für die Til Schweiger (hier nicht ganz unbeteiligt, als Produzent sowie mit seinem besten, weil selbstironischsten und wirklich mal nicht eitlem Auftritt seit einer Ewigkeit) und sein Adoptivsohn Matthias Schweighöfer nicht mal töten müssen (aber sollten), weil ihr Schrott ja trotzdem läuft. „Nicht mein Tag“ ist in der ersten Hälfte zwar nie super oder außergewöhnlich, dennoch nett und schmissig, geht gut rein und schafft eine harmonische Stimmung aus Road-Movie, Komödie und Eskapismus, ganz einfach und effektiv.


Dann kippt die Chose leider ganz gewaltig, auch weil Thorwarth irgendwann extrem planlos wirkt, einfach nicht den richtigen Punkt findet und ihm das unglückliche Kunststück gelingt, die gesamte Stimmung schwungvoll an die Wand zu fahren. Mit 110 Minuten ist der Film nicht nur viel zu lang (für die Geschichte), er verrennt sich auch noch komplett in einem unausgegorenen Plot, der augenscheinlich zu viel will. Es wechselt und mischen sich Elemente aus Thriller, Beziehungsdrama, Komödie, Buddy-Movie und sogar Actionfilm so überstürzt, das erscheint bald hilflos. Warum die nicht unbedingt originelle, aber zumindest klare und funktionale Basis so sinnlos geopfert wird, es bleibt ein Rätsel. Nichts gegen Stimmungs- und Genrewechsel bzw. Verquickungen, nur das muss man dann eben beherrschen. Thorwarth gelingt das nicht und übersäuert seinen bis dahin soliden Film ohne Not. Am Ende ist man sogar geneigt, dieses krude, verworrene Gemisch böse abzustrafen und muss sich erst wieder der charmanten Momente bewusst werden, um die Kirche im Dorf zu lassen.


Ohne Zweifel, Thorwarth kann was und lässt es immer mal aufblitzen, nur hier ist der Titel leider Programm. Sogar sein schwächster Film, was nicht darauf zu begründen ist, dass er sich zu sehr auf einfache Mechanismen verlässt, eher dadurch, dass er sie irgendwann aufgibt und sich nicht mehr recht orientieren kann. Bis dahin war seine unangepasste, leicht wirre Verspieltheit eine Stärke, nun wird sie zur Schwäche. In dem Fall wäre weniger mehr gewesen. Kann passieren, interessant bleibt der Mann, nur bitte nicht mehr so nach allem fischen. Es kommen hoffentlich wieder bessere Tage.

5 von 10 Stockholm Syndromen

Review: KOKOWÄÄH 2 - Analogkäse und Quengelkinder

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Fakten:
Kokowääh 2
BRD. 2013. Regie: Til Schweiger. Buch: Béla Jarzyk, Til Schweiger. Mit: Til Schweiger, Emma Schweiger, Samuel Finzi, Jasmin Gerat, Matthias Schweighöfer, Gedeon Burkhard, Maurizio Magno, Jytte-Merle Böhrnsen, Nico Liersch, Michael Ostrowski, Julia Jentsch, Anna-Kathrin Samsel, Helmut Zierl, Oscar Ortega Sánchez, Paula Kalenberg, Britta Hammelstein, Steffen Wink, Luna Schweiger, Erdal Yildiz u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Henry und Katherina könnten ein glückliches Paar sein, vor allem nach dem der gemeinsamen Sohn Luis auf der Welt ist. Doch die Beziehung der zwei kriselt. Kurzerhand zieht Katherina für unbestimmte Zeit aus, um sich ihrem neuen Roman zu widmen und will dass Henry beweist, dass er mehr kann als Verspechen zu brechen und Verantwortung abzugeben. Für ihn brechen turbulente Tage an, vor allem auch weil sein Freund Tristan wegen massiver Geldnöte sich kurzerhand bei ihm einquartiert.





Meinung:
Til Schweiger und die Filmkritiker ist eine Beziehung, die man getrost als schwierig bezeichnen kann. Die meisten der Rezensenten lassen wenig Gutes an seinen Regiearbeiten. Schweiger hingegen fühlt sich missverstanden, falsch behandelt und hätte am liebsten, das nur Leute Filmkritiken schreiben, die dazu eine passende Ausbildung abgeschlossen haben. So etwas haben wir nicht und dennoch erdreisten wir uns jetzt hier eine Meinung zu „Kokowääh 2“ abzugeben, einem Film, in dem Til Schweiger mit dem verhassten Kritiker-Thema offensiv umgeht.


All die tollen, hübschen Menschen
Es ist schon mehr als offensichtlich gegen wen Schweiger seine Pfeile in „Kokowääh 2“ abschießt. Immer wieder wird in der Komödie thematisiert, dass das Publikum keine Arthaus-Filme will, dass es sich berieseln möchte von einer Art paralleler Traumwelt, in der alles hell, schön, hip und erschwinglich ist. Und genau das bietet Schweiger ja auch. Mal wieder sieht bei ihm optisch alles wieder so aus, wie einst bei „Keinohrhasen“. Überall Licht, keine dunklen Flecken, bloß nix Unförmiges oder Hässliches und wenn doch, dann bitte komödiantisch verpackt. Wer will kann dies als universelle Erfolgsformel ansehen, aber diese ganze erschaffende Welt will doch letztlich auch nur ein Abbild der Wahrheit darstellen, wozu sonst schleift Schweiger bereits verwesende Beziehungs- und Lebensratschläge vor die Kamera? Aber ohne eine authentische Ausstrahlung zeigen diese Tipps ihr hässliches, wahres Gesicht: sie sind flach. Immerhin passen sie somit zum gesamten Film. Natürlich ist es vermessen zu erwarten, dass „Kokowääh 2“ das Rad der einfachen Komödie neu erfindet, aber wie selbstgefällig und selbstverliebt es in Rotation gebracht wird ist kurz gesagt einfach nur schauerlich.


Links: "Kokowääh 2" nicht gesehen. Rechts: gesehen
Einmal davon abgesehen, dass  im Sequel zur Womanizer-muss-lernen-Verantwortung-zu-übernehmen-Komödie nicht mehr passiert als abgelaufene Pointen aus dem hinterletzten Regal des Comedy Stores zu verwenden, recycelt Schweiger im Grunde hier auch nicht mehr als seinen eigenen Film, nämlich „Zweiohrküken“. Die Beziehungsprobleme von Henry und Katharina sind nicht mehr als ein bloßer Aufguss und schon beim „Keinohrhasen“-Sequel waren die alles andere als wirklich frisch. Bei „Kokowääh 2“ drückt Schweiger nur noch ein Prise kindlicher Naivität mit in die Story. Aber die rettet da auch nicht mehr viel. Wessen Herz bei großen Kinderaugen schwach wird, der wird aber gewiss dass eine oder andere Mal auf seine Kosten kommen, auch wenn Schweigers Drehbuch immer wieder unpassende Kontrastaktionen zur kindlichen Naivität aufbringt. Die bleiben aber stets mehr missgestaltet bis befremdlich und sorgen dafür dass der Eindruck entsteht, der Autor und Regisseur versucht wirklich alles, um jeden Zuschauertypus anzusprechen. Aber es gelingt ihm nicht eine der beiden Richtung wirklich adäquat aufzufüllen. Das Niedliche der Kinderdarsteller wirkt – verursacht durch mangelndes, darstellerisches Talent – wie eine frontale Knuddelattacke, deren Absicht eiskalt ist. Fast so wie ein plärrendes Quengelkind, das im Supermarkt versucht durch süße Gesten und schnuckelige Aussagen doch noch einen Schokoriegel abzustauben. Auch hier fehlt das Ehrliche, die Authentizität. So oder so funktioniert „Kokowääh 2“ sowie sein Vorgänger als effektiver Werbefilm für die Sterilisation.


Planen weitere Filme: Schweighöfer und Schweiger
Mögen alle die mit Til Schweigers Art der Komödien zufrieden sind, ihre Freude daran haben. Laut Box Office sind das nicht gerade wenige. Wir bleiben dabei: Schweiger dreht keine gute Filme. Egal ob Komödie oder Actiondramen wie „Schutzengel“. Dann doch lieber ihn als „Tatort“-Kommissar. Da waren zumindest Ausbrüche hin zur Ironie bemerkbar und die Sache war nach 90 Minuten beendet. Bei „Kokowääh 2“ sind es über zwei Stunden. Eine Zeit die man in einer Welt verbringt, in der alles so widerlich hell, perfekt und stereotyp ist, dass ein wenig Schmutz wie eine echte Alternative erscheint. Aber selbst der wird von Schweiger wahrscheinlich porentief rein gewaschen. Oder in eine Meta-Ebene gezwängt. Denn wie bei „Keinohrhasen“ auch (hier wurden Volksmusikstars und Schauspielerpersönlichkeiten durch den Fleischwolf gedreht) wird in „Kokowääh 2“ einiges unternommen, um den deutschen Film sowie die typischen Boulevardthemen zu persiflieren. Hier darf sich Matthias Schweighöfer selbst spielen und dabei alle bekannten Register ziehen. Das bedeutet er darf voll und ganz übertreiben und sein öffentliches Ich mit schalen Gags und Charakterisierung veräppeln wo es eben nur geht. Erfindungsreich ist anders und die Komik verabschiedet sich bereits nach der zweiten Szene in den Tiefschlaf.


Vielleicht, ja vielleicht war es auch der Versuch von Til Schweiger seinen Kritikern die Hand zu reichen. Frei nach dem Motto: ich karikiere wofür ihr angeblich steht (stellvertretend dafür ist die Rolle eine Ösi-Regisseurs, mit dem Hauptfigur Henry es immer mal wieder zu tun bekommt), dafür teile ich auch neckische Stiche gegen die andere Seite aus. Wer weiß das schon? Til Schweiger vermutlich. Aber egal, so fühlt sich diese Art von Witzelei nun mal an. Und sie kann nicht verbergen mit welcher einfachen, gammeligen Rezeptur das große Ganze zusammengestellt ist. Alles was bleibt ist ein Film, der Gefühle vermitteln und erzeugen möchte, dem dies aber nicht gelingt, denn alles was präsentiert wird wirkt wie eine große Manufaktur. Ein Fließband ohne echte Individualität. „Kokowääh 2“ ist ein Produkt. Ein Film wie ein Analogkäse. Fertig verpackt, bereits portionsfertig und ohne jeden Geschmack. Bitte nicht mehr davon. Ein kleiner Wunsch, der wohl leider nicht erhört werden wird.


0,5 von 10 Schildkröten im Kinderhosenstall

Review: MANN TUT WAS MANN KANN - Die 'outgesourced' Romanze

2 Kommentare:

Fakten:
Mann tut was Mann kann
Deutschland. 2012. Regie: Marc Rothemund. Buch: Marc Rothemund, Hans Rath (Vorlage). Mit: Wotan Wilke Möhring, Jasmin Gerat, Fahri Yardim, Jan Josef Liefers, Oliver Korittke, Karoline Schuch, Frederike Kempter, Anne Weinknecht, Tobias Oertel, Peter Sattmann, Emilie Schüle, Axel Stein, Manuel Cortez, Miranda Leonhardt, Noémi Besedes, Hedi Kriegeskotte, Fritz Roth, Anna Böttcher u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Paul hat einen gut bezahlten Job in der Chefetage eines Verlages, eine schöne Penthouse-Wohnung und genießt sein Leben ohne feste Bindung, dafür aber mit diversen sexuellen Abenteuern. Als er sich für eine neue Flirtmasche im Tierheim als ehrenamtlicher Hundebetreuer meldet, lernt er Tierärztin Iris kennen und verliebt sich in sie. Leider steht diese kurz vor der Hochzeit. Paul ist geknickt, doch in seinem Freundes- und Bekanntenkreis brauchen andere seine Aufmerksamkeit. Sei es nun sein Kumpel Günther, der an Liebeskummer leidet, der bankrotte Künstler Bronko oder sein Kollege Guido, der sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden kann.




Meinung:
Eine RomCom. Aus Deutschland. Da rollen sich schon mal die Zehennägel zusammen. Die Erinnerungen an mutlose, allzu schematische Vertreter dieses Genre sind einfach zu präsent und vielzählig. Marc Rothemund, einst für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ für einen Oscar nominiert, inszenierte mit „Mann tut was Mann kann“ eine, im allgemeinen Duktus als typisch deutsch bezeichnete Komödie, voller stereotyper Charaktermodelle und Witzeleien. Furchtbar? Nicht in Gänze.




"Schweiger-'Tatort' mit Rekordquote? Challenge accepted."
Mit einem, auf männlicher Seite sehr überzeugenden, prominenten Cast und schicken Hochglanzbildern, die wie bereits bei „Keinohrhasen“ und dessen Fortsetzung den Eindruck erwecken, Berlin wäre das deutsche Kalifornien, so hell, strahlend und sauber wie es dargestellt wird, erzeugt Rothemund eine simple aber gut funktionierende Komödie. Statt dabei auf große, allzu marktschreierische Gags zu setzen, geht hier etwas gediegener zu. „Mann tut was Mann kann“ provoziert nicht andauernd Lacher. Warum auch? Es scheint fast so, als ob sich Rothemund absolut im Klaren darüber war, dass die Komödie nicht von stumpfen Kalauern, sondern von den Figuren getragen wird. Ähnlich wie das Bild von Berlin, sind zwar auch diese weit davon entfernt wirklich echt und greifbar zu wirken, aber sie erfüllen ihre Funktion der Handlung, die vor Banalität nur so strotzt, zumindest ein augenscheinliches Gewicht in den Kategorien Sympathie und Dramatik zu verleihen. Dass die Darsteller, sei es nun an Liefers als überheblicher Poser, Korittke als verliebter Nerd oder Yardim als Künstler mit Silberblick, allesamt ihrer Rolle einen eigenen, im Film unverwechselbaren drive verleihen, ist eine Qualität, die dem Film ebenfalls sehr zuträglich ist.



"Wenn du fertig bist, können wir ja 'Twilight' weitersehen"
Weniger zuträglich ist hingegen die Gewichtung der Erzählung. Lange Zeit verharrt der Film als eine Art Buddy-Comedy über eine ungleiche aber dennoch recht harmonische Männer-WG. Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring, der sich als Anführer, Seelentröster und Vermittler darunter befindet, hat also viel zu tun, vor allem weil es da ja noch familiäre Schwierigkeiten gibt und die Suche nach der nächsten Bettgeschichte. Doch zwischen all diesen Tätigkeiten, die durchaus die eine oder andere Facette haben, die nicht wirken, als kämen sie aus der Retorte, findet er dann doch noch die große Liebe, die aber leider kurz vor der Trauung steht. Anstand dies zu zentrieren, wird aber dieser gesamte Handlungsstrang rund um Hauptfigur Paul und Tierärztin Iris regelrecht outgesourced. Störend wäre dies nicht, wenn es dabei geblieben wäre. Doch kurz vor knapp wird wieder alles so gedreht, verschoben und verpackt, als wäre diese Thematik immer die präsenteste. Eine Lüge. Eine, die dem Film nicht gut tut, denn sie stört nicht nur das erzählerische pacing, sondern degradiert auch so ziemliche alle Randfiguren, die allesamt mehr Charisma besitzen als die biedere Love Story zwischen Paul und Iris, zu Statisten.


Es hätte nicht sein müssen, dass Regisseur und Co-Autor Marc Rothemund die wahren Stärken seines Film zuerst hochhält, nur um sie kurz vor knapp dann doch der ewig gleichen Maschinerie aus Kitsch, Heitertei und phantasieloser Romantik zu opfern. Dennoch, trotz seiner Verfehlungen und seiner eher unkreativen Gesinnung, besitzt „Mann tut was Mann kann“ einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert, ausgehend von seinen Nebenfiguren und seiner Haltung nicht alle zwei Minuten Lacher um jeden Preis zu erzwingen. Ein nicht gerade perfekte und gegen Ende hin fast schon ärgerliche Komödie, die es aber versteht, zumindest zeitweise ihre Stärke auszuspielen.

5
von 10 gebrochenen Männerherzen