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Review: ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT - Das Wunder der Dämlichkeit

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Fakten:
Übermut im Salzkammergut
BRD. 1963. Regie und Buch: Hans Billian. Mit: Claus Biederstedt, Helga Sommerfeld, Margitta Scherr, Hannelore Auer, Elma Karlowa, Walter Gross, Franz Muxeneder, Alfred Pongratz, Thomas Adler, Christle Höck, Carl Ehrhardt-Hardt u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell leider nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Rolf Simser und das lebenslustige Mannequin Birgit Landauer sind schon seit anderthalb Jahren ein Paar. Doch immer wieder findet er neue Ausreden, um sie nicht seinen Eltern – altmodischen Bauersleuten – vorstellen zu müssen. Er hat schlicht Angst, dass sie das fesche Mädchen aus der Stadt rundweg ablehnen. Birgit hat sein Theater satt und macht sich quasi inkognito auf den Weg nach Thomaskirchen im Salzkammergut, um sich selbst ein Bild zu machen. Justament kommt sie auf dem Simser-Hof an, als die Magd Zenzi dem ewig nörgelnden Bauern kündigt. Birgit verdingt sich als neue Hilfskraft, was nicht nur auf dem Hof für viel Trubel sorgen wird. Denn auch anderen Städtern wird es in Thomaskirchen gefallen: Es sind die beiden Freunde Dr. Rother, ein Jurist, und der berühmte Sänger Gus, die eigentlich nur Rast an der Tankstelle von Ruppich machen. Ihnen gefällt die Tankwartstochter Christine und eben auch Birgit, die mit einem Kartoffelwagen an ihrem Auto vorbeischrammt. So verabreden sich die vier zum abendlichen Rendezvous in der “Goldenen Traube”, dem einzigen Gasthaus des Ortes.





Meinung:
Das war also Hans Billians Debütwerk, eine an sich wenig überraschende Blaupause für seine späteren, filmischen Abenteuer - natürlich noch vollkommen im Schlager-Heimatfilm-Genre angesiedelt, aber dennoch ganz schön frivol und zeigefreudig für die Zeit, versteht sich. So ist auch die Handlung in dieser poppigen Posse natürlich geschmeidig auf Nullwert gepolt, unterhält aber dafür bis zum Anschlag mit jungen, lebens- und fummelfreudigen Damen, einer durch den Narrativ gejagten, schnieken Reihe schmalziger Balladen, allgemeintauglichem Jazz & Twist-Liedgut (übermäßig aus den Röhren amerikanischer Import-Stars) und infantilem Horst-Humor mit Wortspiel-Krachern aus der Karnevalskiste. Nun denn, jetzt mal kurz was zum Plot: Das It-Girl und Mannequin Birgit wird von ihrem Verehrer Rolf schon seit Jahren vorgeschoben und hat die Schnauze langsam voll, ist er doch trotz seiner Stielaugen nicht Manns genug, sie bei seinen Eltern vom Dorf als Zukünftige vorzustellen. So wird das mit den Beiden nie was, also ergreift sie die Initiative und stellt sich selbst als Magd auf dem Hof seiner Erschaffer ein, verhält sich dabei aber auch immens tollpatschig - verkackt im Verlauf des Films immerzu das Essen und hat vorallem große Schwierigkeiten, große Säue einzufangen. Da meint sie sogar selbst: "Die eine Sau ist im Stall und die andere...hier." und Gus Backus daraufhin: "Uhnd da sogd mon immerr: Schweyn muhs mahn hoobn...". Tja, daher kommt wohl der 'Übermut' im Titel.


Junge Mädels, heiß umgarnt
Wo wir schon vom Titel sprechen: ehrlich gesagt, weiß ich nicht mal wirklich, was überhaupt ein 'Salzkammergut' sein soll, scheint jedenfalls auch nichts Weiteres als ein 'Hof' zu sein. In diesem Ambiente kann ich mir aber durchaus vorstellen, dass die Besitzer auf den Heuböden noch alte Hakenkreuzflaggen versteckt haben - so unfassbar provinziell und spießig kommt die Gemeinde von Thomaskirchen, wie der Schauplatz des Films heißt, rüber. Da beschwert sich der ständig-streitende Gemeinderat von Altnazis auch so lautstark über die Jugendlichen (welche auch einfach mal salopp als Untermenschen bezeichnet werden), deren 'Jatz-Musik' und twistigen, grundsätzlich-verbotenen Tanzeinlagen (ironischerweise setzt sich da gerade Drittes-Reich-Darsteller Oskar Sima am stärksten für den Fortschritt der Jugend ein). Kein Wunder also, dass bei fast jeder Szene, trotz sommerlichen Settings, überall böswillige Gewitterwolken herumschweben! Mehr als den trotteligen Gendarm vorzuschicken, dessen Verhaftungsversuche man mit "Seh zu, dass du weg kommst!" quittiert, kriegen die bockigen Herren trotzdem nicht hin und sind am Ende natürlich die Verlierer. Recht so. Jedenfalls genießt Birgit dennoch das neue, aufmischbare Umfeld, trifft angehende, knuddelige Rock-Musikanten wie Gus Backus, lockt beinahe jeden Kerl im Kaff zum Blickficken an, dass man sich glatt fragt, wie und warum sie ihrem Rolf da überhaupt noch treu sein kann und legt zusammen mit dem Rest der taufrischen Teenie-Rasselbande knallige Spontan-Konzerte, Gratis-Bier-Streiche und kontrovers-manipulierte Schönheitswettbewerbe auf.


Mein Schwein pfeift, wenn ich kräftig dran ziehe
In diesen Veranstaltungen findet Billian dann auch seine kohärente (nicht ganz so sinnbefreit-hyperplakativ wie sonst) Anlegestelle für die meisten Musikeinlagen - Ausnahmen: der plötzlich am Wörthersee (?) entlangsegelnde Carlos Otero mit seinem schnulzigen 'Hafenlied von Barcelona' und Peppino Di Capri, der quasi per Wunsch an einer Schlossmauer auftaucht, 'Nur ein Souvenir' zum Besten gibt und an besagter Mauer wieder zu entschwinden scheint, nur weil die Kids ihn Tage vorher im Radio gehört und sich dabei ineinander verliebt haben. Apropos, wusstet ihr schon, dass Teddy Parker für kurze Zeit in der Luft schweben kann? Oder dass Gus Backus der Überzeugung ist: 'Mein Schimmel wartet im Himmel' und aus dem Grund sogar lediglich den Schatten eines Schimmels zu Besingen im Stande ist? Egal, Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht viel, schließlich trifft zur Überraschung aller doch noch Birgits Rolf ein und bringt sogar seine neue Errungenschaft Doris mit (die erneut zuckersüße Hannelore Auer, die so ziemlich die besten Gesangsauftritte abbekommt, inkl. Doppelrollen-Transformation) - peinlich, peinlich, konnte er doch nicht wissen, dass Birgit jetzt bei seinen Eltern arbeitet. So kommt es dann zum passiv-aggressiven Zickenkrieg (und das, obwohl noch nebenbei der 'Jazz-Krieg' tobt!), der zum einen dadurch ausgetragen wird, dass Birgit sich als Mann verkleidet und Doris quasi vergewaltigt, zum anderen durch einen Vergleich der freizügigen Bikinis.


Noch ist Regisseur Hans Billian ganz züchtig und brav
Da so ziemlich alle Frauen im Film permanent derartig badebereit und hautzeigend herumlaufen, lässt insofern keine objektive Sicht mehr zu, ist an sich aber sehr willkommen. Da merkt man wieder den notgeilen Billian aufstreben, der sich Jahre später in die Pornoschmiede begab und auch diesen Film mit sexuellen Anspielungen vermengte. Da sei einmal nur die Schlusssequenz genannt, in welcher der Gendarm zwei verliebte Kids in die Zelle einsperrt und ihnen zuruft: "Und viel Spaß im Kittchen wünsche ich!", woraufhin beide anfangen zu lachen und sich sodann knutschend auf die Knastdecke wälzen - was da wohl gleich geschieht?! Oder da wäre dieser eine bezeichnende Moment, wo der Vater von Rolf die Birgit doch noch als würdig ansieht, allerdings schon Schwierigkeiten voraussieht, die Mutter ebenso davon zu überzeugen. Da grübelt Rolf: "Ja, das wird eine harte Nuss.", doch sein Vater macht ihm Mut: "Ah, die knacken wir gemeinsam.", woraufhin alle herzlich lachen. Uh...! Sodann setzt sich die Mutter wieder an den Tisch und bevor sie über die gewünschte Hochzeit losmeckern kann, ergreift Birgit zart ihre Hand, blickt ihr tief und innig, mit einem einladenden Lächeln auf den Lippen, in die Augen und besänftigt sie damit offenbar - the deal is sealed!


Und weia, was ist doch Billian für ein perverser Hund. Ich rede da jetzt nicht unbedingt vom heißen Schlager-'Sex' dieses Films, sondern wieder mal von seinem Tick, den Plot länger auszustrecken als nötig - wie bei seinem 'OKTOBERFEST - DA KANN MAN FEST!' glaubt man nach 80 Minuten schon das Ende in Sicht, weil es gerade dann echt stimmig passen und gut abschließen würde. Aber nein, die Filme gehen dann doch noch 10 Minuten länger, um wirklich jeden Plotpoint und jede herumgereichte Liebschaft zum Klimax zu bringen - *seufz*, wenn's denn sein muss... Naja, gibt Schlimmeres und Lahmeres im deutschen Altherrenkino, da ist Billian doch immer wieder herrlich-frech, geradezu "pfundig", umgibt sich mit den hübschesten Mädels und honkigsten Schlagern (nicht zu vergessen: Billy Mo ist mit seinem 'Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut' auch wieder mit von der Partie, schaut auch weit enthusiastischer in die Linse, allerdings wieder mit verstärkten Grimassenausfällen und Augenrollen in den Schlussstrophen), gibt schmerzfreie Kalauer am laufenden Band zum Besten und setzt ein frohlockendes Zeichen gegen den ultrakonservativen Mief der letzten Generation. 'Übermut' lohnt!


7 von 10 Pferdeschatten


vom Witte

Review: SO LIEBT UND KÜSST MAN IN TIROL - Urlaubsgrüße aus Albernhausen

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Fakten:
So liebt und küsst man in Tirol
BRD. 1961. Regie: Franz Marischka. Buch: Janne Furch, Ilse Lotz-Dupont, Hans Billian. Mit: Adrian Hoven, Vivi Bach, Harald Juhnke, Monika Dahlberg, Walter Gross, Edith Hancke, Oskar Sima, Eddie Arent, Beppo Brem, Rudolf Platte, René Kollo, Fred Bertelmann u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Thesi Gruber hat eine schöne, kleine Pension im Zillertal, doch leider bleiben die Gäste aus. Der Grund: Bürgermeister Kramer und sein Diener Alois verscheuchen die Gäste, weil Kramer auf dem gelände gerne ein Sanatorium errichten würde. Doch Thesis Freundin Petra hat eine Idee: Sie organisiert eine kleine Band und wirbt damit um ein ganz anderes Publikum – das dem Bürgermeister noch weniger in den Kram passen dürfte.





Meinung:
Wollt ihr wissen, wohin ich diesmal in den Urlaub hingefahren war? Au fein, dann kommt mal zusammen, ich erzähl euch davon und habe sogar ein paar Dias mitgebracht! Ach ja, seht ihr, da hatten wir ihn wieder, den souveränen Tiroler Schwank mit malerischen Heimatfilm-Elementen und einem Staraufgebot der zeitgenössischen Eskapismus-'Königsliga' an allen Ecken und Kanten. Aber auch schlicht und harmlos war er ausgefallen, trotz Drehbuch-Einlagen vom frivolen Hans Billian und der Regie von Franz Marischka - beide machten sich später ja verstärkt im cineastischen Erotikgebiet bemerkbar. Na gut, von 1961 war er auch, quasi ein Frühwerk und fern vom Sex, trotzdem gut gefüllt mit ein paar dollen Damen, Halbtags-Perücken und ulkigen Leichtsinnigkeiten.

 
Wurde in Tirol Öl gefunden?
In diesem Ensemble-Stück, angefertigt aus mehreren, liebschaftlerischen Subplots hatten nur wenige Charaktere keine romantischen Ansprüche & Sorgen. Jene Ausnahmen stellten sich u.a. am Bürgermeister und Besitzer eines Gasthofes, Kramer (Oskar Sima) dar, der mit seinem Hausdiener Alois (Beppo Brem) versuchte, ein Sanatorium an der direkten Konkurrenz, dem Berggasthof „Alpenblick“ im Zillertal zu errichten. Schließlich lockte dieser mit der titelgebenden Kampagne ein Haufen begeisterter Touristen an. Da waren zum Einen die Groschenroman-Autorin Ida Würzig (Edith Hancke) und der Scherzartikelverkäufer Emil Schulze (Walter Gross), aus denen hauptsächlich schallend-plakative Aufdringlichkeiten und anarchisches Scherzgut herausgeschöpft wurden. Dann gab's aber zum Anderen noch den schüchternen Grafen Hasso Steinbach (Eddi Arent), welcher zusammen mit seiner streng-mondänen Mutter versuchte, die frische Luft und Frauenwelt in den Bergen zu genießen und allmählich lernte, für sich selbst einzustehen - was sie unerwarteter Weise am Ende dann doch ganz toll fand, wie so oft bei Billian. Als Graf sollte man aber auch sowieso ein bisschen Dominanz vermitteln können, finde ich, nicht wahr?


Der Harald sieht so zufrieden aus
Darstellerisch am Gewitzten verausgabend entpuppte sich allerdings Harald Juhnke als angeblicher Heiratsschwindler Arthur Theodor Friedrich Johann Meyer, der zwar von der drallen Privatdetektivin Ira Jovanovic (Elma Karlowa) gejagt wurde, obwohl sie jeden anderen außer ihn verdächtigte, er sie dafür aber nebenbei lieben lernte (zum Finale kehrte sie aber seine bisherigen Heiratsentsagungen für eine plumpe Pointe um). Wie sich jedoch herausstellte, arbeitete er schlicht für den Scheich von Ku-Eng, welcher ebenfalls der Alpenregion mit seinen braun angemalten Dienern einen Besuch abstattete und sein Herzblatt fernab aller Haremsprinzessinnen fand - da wurde natürlich mit plattgewalzten Klischees gearbeitet, die ihren Charakter ebenso erst mit dem Enthusiasmus fürs Ambiente aufblühen lassen konnten. Nicht falsch verstehen: als Urlaubsziel erschien der Schauplatz ohnehin besonders reizvoll und da gelangen dem Marischka wunderbar sonnige und wonnige Bilder im Postkartenformat, die unsere Protagonisten vor effektiven Motiven von uralter Baukunst, erhabenen Tälern, grünsten Wiesen und robusten Kühen setzten. Da wunderte es mich kaum, dass offenbar Schürzenjäger-Saison war und die Seelen dazu beflügelt wurden, amouröse Abenteuer mit Aussicht auf zahlreiche Ausschnitte anzustacheln. Am verknalltesten traf es dabei den Sohn des Bürgermeisters (Adrian Hoven), der Besitzerin des „Alpenblicks“, Thesi Gruber (Monika Dahlberg) und ihre Freundin Petra (Vivi Bach) - ein missverständliches Liebesdreieck voller Hoffnungen und Enttäuschungen war die Folge, lenkte aber nicht allzu sehr von der Grundprämisse des sonnigen Frohsinns ab.


Dafür sorgten auch eine Handvoll biederster Schlager, die allesamt lediglich im Rahmen von Bars und Veranstaltungen dargeboten wurden, anstatt wie später bei Billians Music-House-Regiearbeiten als teils abstrakt in die Handlung eingebaute Zufälligkeiten und Gefühlsausbrüche zu wirken. Stattdessen gab's zufriedenstellenden Klamauk und vorhersehbarste Running Gags, sowie das obligatorische Gefühl von leichtherziger Freimütigkeit und Urlaubslaune - sogar eine große Hochzeit durfte zum Schluss nicht fehlen! Für die Genre-Verhältnisse reichte es allemal - die Broschüre hatte wirklich nicht zu viel versprochen, der Service war ebenso angenehm. 5 Sterne war die Pension allerdings dann doch nicht wert, hat mir aber schon zugesagt, kann man mal hinfahren. Joa...und wo wart ihr so, wieder auf Helgoland?


6 von 10 Alpenkühen


vom Witte

Review: DIE LUSTIGEN WEIBER VON TIROL – Die verrückteste Schlager-Parade überhaupt

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Fakten:
Die lustigen Weiber aus Tirol
BRD. 1964. Regie und Buch: Hans Billian. Mit: Hannelore Auer, Renate Küster, Gus Backus, Beppo Brem, Heli Finkenzeller, Margitta Scherr, Herta Fahrenkrog, Irma Hartlieb, Eva Eden,, Peggy March, Billy Mo, André Verchuten, Hugo Lindinger u.a. Länge: 94 Minuten. Aktuell leider nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Hofrätin und Hotelbetreiberin Hermine Lechner versetzt den Kurort Seebrügg in Aufruhr: keine männlichen Gäste mehr, so ihr Vorhaben! Auch ihre Familie ist von der Idee überhaupt nicht angetan. Während einige den Familienbetrieb verlassen, versucht Enkelin Marianne die Oma umzustimmen…





Meinung:
Bevor Hans Billian zahlreiche Erotikklamotten durchkaute und später als einer der ersten deutschen Filmemacher Pornos in Spielfilmform hierzulande an den Mann brachte, durchlief auch er das teils weit verkommenere Genre des Schlagerfilms - in diesem Fall, seiner 2. Regiearbeit überhaupt, sogar stilecht in Heimatfilm-affiner, alpiner Wörthersee-Atmosphäre. Wie es sich für Billian gehört, wird auch hier reichlich gefummelt und den urig-heißblütigen Damen hinterhergelaufen, durchgehend bedeckt und harmlos-niedlich bleibt es dennoch. Dennoch interessant sich vorzustellen, wie einfach man die zahlreichen, voll-ausgespielten Schlagerdarbietungen auch mit Porno-Szenarien austauschen könnte (bei diesen Darstellerinnen wäre das übrigens doch recht erwünscht), da liefert Billian ganz unverhofft für seine berufliche Zukunft prägende, strukturelle Steilvorlagen.

 
Ein fescher Mann und eine fesches Weib
Der Narrativ ist insofern überraschungsfrei klein gehalten, lebt von Musikstück zu Musikstück, findet auch nur selten einen kohärent-eingebauten Übergang für jene Audio-Highlights, bleibt dabei aber stets locker-luftig, klamaukig und frech-romantisch, immer zwischen der leichtlebigen, frohlockenden Suche nach der Liebe und dem frivolen Schabernack der frischen Jugend & Junggebliebenen gegen miefige Spießer und notgeile Heiratsschwindler. Alleine schon Hannelore Auer als overacted-aufgedrehter, zuckersüßer Teenie-Frechdachs hält den Zuschauer durchweg bei Laune, dazu kommen dann aber auch noch saualberne Spießgesellen wie Beppo Brem als unbewusst-schlagfertiges Zimmermädchen, eine ganze Truppe wild keifender, frigider Hennen und zuguterletzt eben die honkigen Schlagernummern. Diese kommen meistens durchaus unvermittelt, mögen sogar eher die irrwitzig-dusselige Unfähigkeit der trällernden Sternchen in Sachen Schauspielerei anhand von quälend langen, distanzierten One-Shots darstellen (allen voran: der deutlich bocklose, Grimassen-ziehende, unmotiviert Augen-rollende Billy Mo), schaffen aber dennoch reichlich swingenden Kitsch-Spaß, flotte Melodien mit beklopptesten Texten und ein Staraufgebot an Akzenten von importierten, deutsch singenden Performern (am Sympathischsten und Niedlichsten: Peggy March).


Addiert man dazu noch die herrlich sommerlichen Landschaftsaufnahmen, den Drang nach unschuldiger Händchenhalten-Romantik, eine liebenswert-einfache Inszenierung (viel mehr bekam Anfänger Billian offenbar nicht zustande, zum Ende seiner Karriere hin aber noch weniger), einige lustige Instrumental-Soli und ganz viel platten Wortwitz, unter einem Arsenal von aufreizend-herzlichen Frauen und trottelig-unterbutterten Kerlen, dann verbringt man schließlich doch ganz gerne seine Kur bei diesen altertümlichen, lustigen Weibern im sonnigen Tirol. Woher sie allerdings diesen sogenannten 'Ku-Klux-Tanz aus Amerika' aufgegriffen haben, bleibt aber wohl ein brisantes Geheimnis, auch wenn ihn jeder im Film unbeschwert vor sich her twistet.


7 von 10 weiblichen Hotelgästen


vom Witte

Review: DAS FINSTERE TAL - Blut im Winter

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Fakten:
Das finstere Tal
Österreich, BRD. 2014. Regie: Andreas Prochaska. Buch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska. Mit: Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Erwin Steinhauer, Thomas Schubert, Clemens Schick, Johann Nikolussi u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein österreichisches Hochtal in den Alpen Ende des 19. Jahrhunderts: Hier herrscht die Brenner-Familie unter rigoroser Führung des Patriarchen (Hans-Michael Rehberg) und seinen Söhnen Hans (Tobias Moretti), Hubert (Helmuth Häusler), Otto (Martin Leutgeb), Rudolf (Johannes Nikolussi), Luis (Clemens Schick) und Edi (Florian Brückner). Fremde finden nur selten in das abgelegene Dorf. Das ändert sich mit der Ankunft Greiders (Sam Riley). Greider war in Amerika und hat den Wilden Westen kennengelernt. Nun wird er den Winter im Dorf verbringen, nur kaum mehr geduldet unter den argwöhnischen Augen der Brenners. Mit seiner weltmännischen Art erregt Greider das Interesse der Dorfgemeinschaft, vor allem aber das der jungen Luzi (Paula Beer), die bald verheiratet wird. Greider ist nicht nur vom Gepäck her schwer beladen hierher gekommen. Auch seine Vergangenheit lastet schwer auf ihm. Und sie ist untrennbar mit einem düsteren Geheimnis verbunden, das die Brenner-Familie umwölkt. Greider hat eine Rechnung offen, die sie bitter bezahlen müssen…





Meinung:
Es dröhnt und knirscht unentwegt in den vernebelt-weißen Tälern und knochigen Wäldern dieses grimmigen, alpinen Westerns, welcher trotz/gerade aufgrund der unfassbar-präzisen Konzentration seiner Genre-Urart eine audiovisuelle Intensität in eisiger Härte heraufbeschwört und den Zuschauer geradezu sprachlos zurücklässt. Innerhalb des übermächtigen Terrors der herrschenden Brenner-Sippschaft zersetzen sich die Seelen der ihr untergebenen dörflichen Gemeinde in schweigend-bebender Furcht - keine Heimatidylle, stattdessen ein ewiger Alptraum im weißen trüben Dreck, welcher sich auch in der hier dargestellten, altertümlich-komplizierten Fotographie bezeichnender Weise für immer einfangen lässt.


Echter Männer im Schnee
Nur der Mythos des einsamen Rächers bringt die lähmende (nicht zelebrierte) Katharsis, auch wenn der Rächende in seiner beinahe gnadenlosen Umsetzung universeller Gerechtigkeit ebenso daran zerbricht und sich anhand seiner natürlichen Feinde zu Kreuze trägt - so wie es denjenigen geschah, denen er die letztendliche, spirituelle und doch bittere Genugtuung verschafft. Ein Martyrium in Blei und Blut, eingeschlossen in einer mit voranpreschenden Gift vermengten Schneekugel, fernab jeder Zivilisation - unter Menschen, welche machtlos in den Morast eingehämmert brachliegen, anhand rostiger Nägel einer bis-in-die-Knochen vereisten Moralverzerrung. So bäumt sich sodann die erbarmungslose Natur zum Schlachtfeld eines unausweichlichen morbiden Machtkampfes zusammen, verallgegenwärtigt dabei Tod & Zerstörung in psychischer & physischer Präsenz und verschlingt jeden Einzelnen im geißelnden Weiß. Worte werden hierin überflüssig, die schnörkellose Konsequenz des bereits bekannten und schicksalhaften Narrativs zieht blank und fesselt sich mit wuchtig-brummender Elektrizität und intimster Kamera-Poesie ins Mark des Zuschauers, während der Score mit seinen radikal-schleppenden Flächen den Boden unter den Füßen hinwegschwemmt.


Lediglich einige zentrale, Genre-affine Chansons finden befreienden, Eis-durchbrechenden Ausdruck für die biblische Passion des Rächers - ähnlich pathetisch-melancholisch in die Seele heraufsteigend wie z.B. in 'KEOMA' oder Peckinpahs 'PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID'. Eine vollkommen ironiefreie Stimme der Gestaltung, die in heutiger Filmkultur kaum noch Platz zu finden scheint und gleichsam wie das originäre, wahrhaftig-ehrliche Gesamtgefüge des leidenschaftlichen, kompromisslosen Werkes von Andreas Prochaska jede Beachtung verdient hat. Der erste, echte Western seit John Hillcoats 'THE PROPOSITION'.


8 von 10 Balladen am Firmament


vom Witte